indyjane

Blog von indyjane

21.12.2010 | 11:48

weihnachtsanregung von slavoj zizek

wer sich anregen lassen mag, hier bitte schön: Auszug aus le monde diplomatique vom 12.11.2010 Zeit der Monster Ein Aufruf zur Radikalität von Slavoj Zizek

Zu den Protesten, die in diesem Jahr vor allem in Griechenland, in bescheidenerem Umfang auch in Irland, Italien und Spanien gegen die Sparmaßnahmen der Eurozone stattfanden, gibt es zwei konkurrierende Erzählungen.1 Die vorherrschende, vom Establishment verbreitete Erzählung schlägt eine entpolitisierte Naturalisierung der Krise vor: Die Regulierungsmaßnahmen werden nicht als politisch begründete Entscheidungen dargestellt, sondern als Imperative einer neutralen finanziellen Logik - wenn wir unsere Volkswirtschaften stabilisieren wollen, kommen wir nicht umhin, die bittere Pille zu schlucken. Die andere, die Erzählung der protestierenden Arbeiter, Studenten und Rentner, sieht in den Sparmaßnahmen nur einen weiteren Versuch des internationalen Finanzkapitals, die letzten Reste des Wohlfahrtsstaats zu demontieren. Der Internationale Währungsfonds erscheint aus der einen Perspektive als neutraler Agent von Disziplin und Ordnung, aus der anderen als Unterdrücker im Dienst des globalen Kapitals.

Beide Perspektiven enthalten ein Moment von Wahrheit. In der Art und Weise, wie der IWF seine Klienten behandelt, gibt es unübersehbar die Dimension eines Über-Ichs: Der IWF rüffelt und bestraft für nicht zurückgezahlte Kredite, gewährt zugleich aber neue, die die Klienten, wie jedermann weiß, wieder nicht werden zurückzahlen können, wodurch sie noch tiefer in den Teufelskreis geraten, in dem Schulden neue Schulden nach sich ziehen. Andererseits funktioniert diese Über-Ich-Strategie gerade deshalb, weil die Kreditnehmerstaaten genau wissen, dass sie die neuen Kredite nicht in voller Höhe zurückzahlen müssen; sie machen neue Schulden in der Hoffnung, letzten Endes doch davon zu profitieren.

Dennoch, auch wenn beide Erzählungen ein Körnchen Wahrheit enthalten: Sie sind gleichermaßen fundamental falsch. Die Erzählung des europäischen Establishments verschleiert die Tatsache, dass die hohen Staatsdefizite das Resultat massiver Hilfen für den Finanzsektor und sinkender Steuereinnahmen während der Rezession sind; den hohen Kredit, der Athen gewährt wurde, werden die Griechen zur Begleichung der Schulden verwenden, die sie bei den großen französischen und deutschen Banken haben. Der eigentliche Zweck der EU-Garantien ist es, Privatbanken beizustehen, da es diese schwer treffen würde, wenn einer der Staaten der Eurozone pleiteginge.

Auf der anderen Seite zeugt die Erzählung der Demonstranten wieder einmal vom Elend der heutigen Linken: Ihren Forderungen fehlt jeder positive programmatische Inhalt, sie bringen nur eine allgemeine Weigerung zum Ausdruck, den bestehenden Wohlfahrtsstaat aufs Spiel zu setzen. Ihre Utopie ist nicht eine radikale Veränderung des Systems, sondern die Vorstellung, der Wohlfahrtsstaat ließe sich innerhalb des Systems erhalten. Auch hier sollte man das Körnchen Wahrheit nicht übersehen, das in der Argumentation der Gegenseite enthalten ist: Wenn es beim globalen kapitalistischen System bleiben soll, wird es tatsächlich notwendig sein, Arbeitern, Studenten und Rentnern weiterhin Geld abzunehmen.

Es wird oft behauptet, die wahre Botschaft der Krise der Eurozone sei, dass nicht nur der Euro, sondern das Projekt des vereinten Europas tot sei. Doch bevor man dieser sehr allgemeinen Feststellung zustimmt, sollte man ihr einen leninistischen Dreh verpassen: Okay, Europa ist tot; die Frage ist nur, welches Europa? Antwort: das postpolitische Europa der Anpassung an den Weltmarkt; das Europa, das in Referenden mehrfach abgelehnt wurde; das Europa der Brüsseler Technokratieexperten; das Europa, das für kalte europäische Vernunft und gegen griechische Leidenschaft und Korruption steht, für die Mathematik und gegen das Pathos.

 

weiterlesen unter:

www.monde-diplomatique.de/pm/2010/11/12.mondeText1.artikel,a0048.idx,14

 

und zur kritischen erheiterung:

---Revolution, Leute, täglich zu machen
braucht unsern Schweiß und braucht auch unser Lachen.
Das geht los....

www.youtube.com/watch?v=pkunjHpHMHY

 

eine gute ausbeutungsarme zeit ...

 

 

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 21.12.2010 um 12:17
Kann man die LMD jetzt auch online lesen?

Lustiges Video. - Ist das nicht Tamara Danz, da in der ersten Reihe neben dem Kumpel im weißen Hemd?
indyjane schrieb am 21.12.2010 um 12:27
ausgewählte artikel der LMD sind online lesbar -
und ja, es ist tamara danz - haste auch gina pietsch erkannt?
goedzak schrieb am 21.12.2010 um 13:03
Jetzt ja, schräg hinter Tamara, getreifter Pulli. :)
merdeister schrieb am 21.12.2010 um 15:26
Hört sich an wie eine Bitte um mehr konstruktive Kritik...
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