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Ist Rehabilitation das richtige Wort? Eigentlich hat Günter Grass dergleichen nicht nötig. Denn regelechter Delinquent war er nicht. Auch wenn es manche im Sommer 2006 so sahen. Damals erschien Beim Häuten der Zwiebel. In einem spektakulären Vorabdruck seines autobiografischen Buches hatte der Nobelpreisträger ausgerechnet via FAZ einer geschockten Öffentlichkeit seine Erinnerungsschwäche in Sachen SS-Mitgliedschaft schmackhaft zu machen versucht.
Der Vorgang beschädigte Grass‘ moralische Autorität. Und beförderte die Intellektuellenverdrossenheit. Auch wenn dieser Titan der Selbstgerechtigkeit die Welle der Kritik, die damals über ihn hereinschwappte, einfach nicht begreifen wollte. Das alles scheint nun wie weggewischt, ja neutralisiert von dem Material, das in diesen Tagen veröffentlicht worden ist: Den Stasi-Akten über Günter Grass, dem Erich Mielkes Ministerium den durchaus treffenden Decknamen „Bolzen“ gab.
Das Eine lässt sich mit dem Anderen nicht aufrechnen. Der eine Fehler wird nicht ungeschehen gemacht durch die (unbestrittene) Lebensleistung die ihm folgte. Aus seinem biografischen Dilemma entlässt Grass dieses Material, das jetzt im Christoph Links Verlag erschienen ist, also nicht.
Eindimensional ist Grass aber auch nicht zu haben. Denn was in diesen Protokollen über den deutschen Nobelpreisträger zu lesen ist, ist eine so eindrückliche Demonstration von Zivilcourage, dass jeder, der dieses Wort gern Sonntagsreden voran stellt, ganz klein werden muss, wenn er sich vorzustellen versucht, was das in der Alltagspraxis eines Intellektuellen heute, konkret bedeuten könnte.
Vom Appell an Anna Seghers, zum Mauerbau nicht zu schweigen, über die konspirativen Treffen mit Schriftstellern in Ost-Berliner Wohnungen bis zum Eintreten für Rudolf Bahro - Grass schreckte vor keinem heißen Eisen zurück, forderte Dialog, Kritik und Öffentlichkeit. Zwar schützte ihn seine Prominenz vor handfesterer Repression. Aber ein lustiges Räuber-und-Gendarm-Spiel war diese Überwachung nicht.
Auch Revanche wäre für das Klima das falsche Wort, in dem sich Publikation jetzt vollzieht. Denn von Triumphgeheul ist Günter Grass weit entfernt. Manchmal beschleicht einen der Verdacht, dass Dissidenten wie Herta Müller oder Richard Wagner eine wesentliche Antriebskraft vor allem aus dem (verständlichen), immerwährenden Hass auf die rumänische Securitate ziehen.
Grass dagegen, der von Mielkes Truppe 30 Jahre lang quasi auf Schritt und Tritt von überwacht worden war, als „missliebige Person“ gesehen wurde, die der SED gefährlicher als Franz-Josef Strauß schien, gibt sich vergleichsweise milde.Und der geübte (Medien-)Trommler in eigener Sache hält sich zurück mit der gefälligen Selbstinszenierung.
Dabei hätte er Grund zur Unversöhnlichkeit. Zurückhaltend spricht er in einem Interview mit der Zeit aber immer noch von der „Überschätzung des Stasi-Materials“. Und warnt, obwohl ihn so namhafte Autoren wie Karlheinz Schädlich, Manfred Wekwerth, Hans Marquardt, Erwin Strittmatter und Hermann Kant bespitzelt haben, vor dem Pauschalverdacht, dass „jeder DDR-Bürger Stasi-Spitzel gewesen sein könnte“. Das nennen wir souverän.
Respekt wird Grass nun auch von ungewohnter Seite gezollt. Wie überhaupt die Urteilsorgie damals wenig in Beziehung gesetzt wird zu der Veröffentlichung jetzt. Jedenfalls: Von demselben Bürgertum, das ihn vor vier Jahren verdammte, wird er als „Wortführer der Freiheit“ und Kronzeuge einer „antitotalitären Haltung“ gepriesen.
Wie oft hätten sie ihm am liebsten „Geh‘ doch nach drüben“ zugerufen. Und wollten ihm das provozierende Wort von der „kommoden Diktatur“ der DDR nicht nachsehen, das er nach der Wende für die sozialistische Spießerdiktatur im Osten fand.
Wahrscheinlich haben sie nicht richtig gelesen, dass Grass laut einem Stasi-Protokoll von 1978 die Intershop-Läden und den Import von Westautomobilen als „Kapitulation des Sozialismus vor seinem Todfeind, dem Kapitalismus“ bezeichnet haben soll. Und ob ihnen Grass Forderung, die westdeutschen Geheimdienste sollten das Material, dass sie über ihn gesammelt hätten, ebenfalls offenlegen, gefällt?
Günter Grass nun nachträglich als antisozialistischen Scharfmacher einzugemeinden, dürfte kaum aufgehen. Denn gerade in der DDR stritt Grass jahrzehntelang für das, was SED wie SPD vergessen haben - den Demokratischen Sozialismus.
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Grass hat jedes Recht, seinen Moralinzeigefinger zu erheben, verwirkt. Mich schockt weniger die schlimme Tatsache, daß er in der SS war. Viel schlimmer noch ist die Frechheit, sich anschließend als Gralshüter der BRD-Moral zu geben. Und Zivilcourage und Grass? Allein die Tatsache, daß er bespitzelt wurde, qualifiziert den Hofschreiber der SPD noch lange nicht dazu, Speerspitze des demokratischen Sozialismus zu sein. Und so im wirklichen Leben ist er vor allem ein selbstgefälliger alter Langeweiler, dessen literarische Verdienste weit überschätzt werden.
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@Hermanitou
Danke. Grass fand das damals bei Hartz IV alles o.K., auch wenn er jetzt ein Moratorium für einen Sanktionssperre mit unterschrieben hat. Ich finde, dass Dein Kommentar, den Nagel auf den Kopf trifft. Herzliche Grüße rr |
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ich bin auch nicht gerade der glühendste verehrer der grass'schen spätprosa, die auch mir konfektioniert, schabloniert und selbstgefällig daherkommt. aber moral, politik und ästhetisches sollte man auseinanderhalten.
nur weil er literarisch (qualitäts-)fragen aufwirft, ist grass als politischer intellektueller nicht diskreditiert. nichts gegen ihre persönliche haltung zu grass. aber wer gibt ihnen, lieber hermanitou, das recht zu dem verdikt, grass habe sein recht auf den moralischen zeigefinger "verwirkt". sprache kann verräterisch sein. |
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Meine Sprache, lieber Herr Arend, verrät lediglich, daß niemand, der in der SS war, jemals wieder der oberste Moralapostel der Republik sein kann. Nicht mehr und nicht weniger sollte damit gesagt werden. Ansonsten bin ich der Meinung, daß der Grass seine SS-Mitgliedschaft mit sich selbst und seinem Gewissen (falls er sowas im Sortiment hat) ausmachen muss. Ich vermute mal, daß er sich bis an sein lebensende weiter mitsamt seiner Zwiebel häuten wird. Mal schauen, was da noch so alles zutage tritt.
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Hallo Hermanitou,
bei allem gebotenen Eifer, darf daran erinne werden, dass die SS nach dem Scheitern des Attentats auf Adolf Hitler am 20.Juli 1944 da angelangt war, nämlich, neben der Deutschen Wehrmacht, in das volle Recht der allgemeinen Rekrutierung von jungen Männern im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten für die SS gesetzt zu sein, wo die SS schon immer hin wollte. Günter Grass hatte sich in Danzig stramm als 17jähriger bei der U- Boot Flotte der Marine beworben, war dann aber von der Waffen- SS rekrutiert, abgefangen worden. So viel zeit muss sein! tschüss JP |
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schrieb am
09.03.2010 um 20:27
@Joachim Petrick
"So viel zeit muss sein!" Stimmt. 60 Jahre später sollte er wissen, was er unterschreibt. |
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@ Adam
genau!und auch wissen, für welche Wirklichkeiten er "brennt" |
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@Hermanitou,Ingo Arend,Joachim Petrick,Magda, Nuntius:
Dass Grasssche Paradigma "Moralapostel der Nation" sein zu wollen ist von Herta Müller erfolgreich kopiert worden. Seit "Niederungen" (1982) bis zum jüngsten Tag denunziert sie unaufhörlich abgebliche IMs der Securitate, enthält uns aber ihre Vita vor 1987 und ihr Verhältnis zur Rumänischen Kommunistischen Partei von Diktator Ceausescu und dem Repressionsappartat "Securitate", dessen Anwerbungsversuch sie "widerstanden" haben will. Das Fernsehen macht bei der Denunziation gegen einzelne Bundesbürger munter mit und hilft Herta Müller, weiter mit Steinen zu werfen, zu stigmatisieren, auszugrenzen, zu hetzen und zu spalten - jetzt noch saktioniert durch den Nobelpreis. Darf das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Bundesrepublik Partei ergreifen? Einseitige Fernsehberichterstattung: www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=5704264/139929c/index.html Mit einem ( selbstredenden ) Herta Müller-Interview Ich habe die Materie mehrfach kritisch kommentiert: Der Spitzel und die Nobelpreisträgerin - Wie ein befreundeter Schriftsteller Herta Müller an die Securitate auslieferte www.swr.de/forum/read.php?2,42723 Cui bono? Das ist der Versuch, eine angebliche "Dissidenz" von Herta Müller zu belegen bzw. den Verfolgunsgmythos zu zementieren. (Ausgehend von der Überlegung, bei einem nur oberflächlich informierten Bundesbürger bleibe wenigstens ein Hauch von Verfolgung hängen! Auch so wird Meinung gemacht!) Legen wir doch den gleichen Maßstab der Moral, mit dem wir Christa Wolf messen, an Herta Müller an und schauen wir dann, was dabei herauskommt! Fordern wir die Moralin-Probe ein, wie bei Sport den Doping-Test. Carl Gibson |
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"Weil er in der ss war.." kann der Grass erstmal eins nicht "jemals wieder": nicht in der ss gewesen sein. Mehr aber auch nicht, veehrter Herr OberHauptSturmmanitou! Was wissen wir denn von den Verurteilungen des Herrn Grass? Ich meine jetzt mal den nachgewiesenen. Rechtsmässig heisst das doch, ja? War er vielleicht einfach nur jung und dumm? Oder in einer Riege mit den Verbrechern? Da Sie aber den Stein werfen, nehme ich an dass Sie der "oberste Moralapostel" sind. Ohne Schuld, aber mit Recht? Viele alte Männer haben in ihrem Leben Scheisse gebaut, manche waren sogar Verbrecher! Der Herr Grass auch? Ich weiss davon nichts. Aber Sie glauben immer noch keinen Fehler zu begehen, jemanden anhand eines ihm anhaftenden Markenzeichens (ss, sa, sed, usa, udssr, bmw usw.), schon mal so grob aus zu sortieren. Sie müssten sich nach Ihrem Verständnis selbst etwas absprechen. Aber wenn Herr Grass, wie sie meinen, niemals wieder ein Anwartschaftsrecht zum Moralapostel hat, müssen Sie entweder nicht gesühnte Verstösse aus der Zeit vor 1945 nachweisen, oder deutlicher sagen dass es Ihre Meinung ist, dass niemand (...) usw. Vieleicht mit einer Erklärung anbei.
Zum Schluss müssen wir hoffen dass man mit uns dann genau so verfährt, sollten die Zeiten sich mal ändern. |
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"Manchmal beschleicht einen der Verdacht, dass Dissidenten wie Herta Müller oder Richard Wagner eine wesentliche Antriebskraft vor allem aus dem (verständlichen), immerwährenden Hass auf die rumänische Securitate ziehen. "
Ob "Hass" das richtige Wort ist, weiss ich nicht. Ja, selbst "Dissident" würde ich im Falle der beiden bezweifeln. Das Werk von Müller wie auch von Wagner weist zweifellos politische Bezüge auf, Kritik am politischen System. Das war mutig und ist anzuerkennen. Doch ist "Dissident" doch eher ein Begriff, den ich für Personen reservieren würde, die in der Tat aktiv (durch Memoranden, durch Eingaben, durch Protestaktionen usw.) das System politisch verändern wollten. Müller und Wagner leisteten zweifellos Widerstand, doch eher im Sinne einer kulturellen Aktivität, denn Erzählungen und Gedichte, mögen sie noch soviel politischen Inhalt transportieren, haben ja ein anderes Gewicht als etwa die Gründung einer Samisdatzeitschrift über die etwa RFE berichtet. Damit soll nicht das Verdienst von Müller/Wagner geschmälert, nur eine begriffliche Trennschärfe erreicht werden. Den Begriff "Hass" als Antriebsmotor würde ich ebenfalls hinterfragen und eher mit einer moralisch motivierten "Qual der Erinnerung" ersetzen. |
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Ingo Arend schreibt: "Manchmal beschleicht einen der Verdacht, dass Dissidenten wie Herta Müller oder Richard Wagner eine wesentliche Antriebskraft vor allem aus dem (verständlichen), immerwährenden Hass auf die rumänische Securitate ziehen."
Der Begriff "Dissident" ist weder auf Herta Müller noch auf ihren Gatten Richard Wagner anwendbar. Beide haben nichts mit Regimekritik, Opposition oder gar "Dissidenz" im Rumänien von Diktator Ceausescu zu tun. Richard Wagner sagt in einem Gespräch mit Dr. Stefan Sienerth vom IKGS explizit, dass er kein Dissident sein wollte, angedruckt in dem Band "Dass in in diesen Raum hinein geboren wurde (zit. aus dem Gedächtnis, Gespräche mit Schriftsellern aus Südosteuropa, ca. 1995). Zachor ist der Sache auf der Spur! Noch genauer recherchieren, Zachor, dann wird noch einiges deutlicher. "Hass" als Antríeb literarischen Schaffens aber, lieber Ingo Arend, ist in der Tat "genuin" Herta Müller. Sie sagt in dem SPIEGEL-Interview aus dem Jahr 1987 nach ihrer Einreise (Aussiedlung)klar und deutlich, die Borniertheit der Banater Schwaben habe ihr den "Hass" eingegeben, um Niederungen zu schreiben. Seit Müller und Wagner im Westen sind, wurde das Beschimpfen und Dämonisieren der "Securitate" zum Dauerthema - und sie indirekt zu "Dissidenten". Sie wurden zu "Dissidenten" gemacht, siehe SPIEGEL-Interview, wo man ihnen die "doppelte" Verfolgung (durch Landsleute und Ceausescu) in den Mund legt - und sie wurden dann auch als "Dissidenten" wahrgenommen, obwohl sie nichts mit Widerstand zu tun haben. Selbst der kulturelle Widerstand via Metapher - und unter der Tarnkappe versteckt, wie Wagner meint, ist ambivalent. Dissidenz, Opposition, Regimekritik an den Haaren herbei ziehen zu wollen, wie gerade bei den etwas retuschierten, aufpolierten Geschichtlein aus "Niederungen" ist weder legitim, noch hält das wissenschaftlicher Überprüfung stand. "Niederungen" wurde nicht zensiert - und die Kurzgeschichten "Damals im Mai", "Inge", Herr Wultschtmann" sind nicht "neu", wie in der Osnabrücker Zeitung von einem wohlwollenden Rezensenten verkündet. Weshalb sagt man die Unwahrheit, wenn man es besser weiß? Carl Gibson |
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Unabhängige Geister rufen überall Irritation hervor.
Diese Stasi-Protokolle werfen vor allem aber ein grelles Licht auf die Paranoia , die die DDR-Mächtigen immer gegenüber Leuten befallen hat, die nicht zu berechnen waren. Es ist auch überhaupt kein Nutzen zu erkennen in dieser Sammelwut, sie scheint eher dem Prinzip der Vorratsdaten-Speicherung gefolgt zu sein. Erstmal alles sammeln, sammeln. Wie Grass denkt, das war doch auch seinen öffentlichen Äußerungen zu entnehmen. Zu den einzelnen IM's wäre es gut, wenn die noch was sagen würden, aber ich verstehe auch, warum Hermann Kant es zum Beispiel nicht mehr tut. Was er auch sagt, er wird sich nicht verständlich machen können, auch wenn man einräumen muss, dass er möglicherweise auch Ausflüchte transportiert. Andererseits: Auch Hermann Kant - trotz seiner boshaften-ironischen Anmerkungen über Autoren wie Rainer Kunze - hat jungen Schriftstellern geholfen, hat seine eigene Geschichte. Es ist so bedauerlich, dass dies alles unter dem Aspekt der aktenkundigen offiziellen Berichte allein gesehen wird und unter dem allgemeinen Motto: "Alles totalitäre Knechte" verlaufen wird. Ich denke - hinter den Kulissen - haben sich Grass und Kant vielleicht schon längst mal unterhalten. Eine leicht manische Infektion aber kann man auch der "veröffentlichten Meinung" im Westen nicht ganz absprechen. Auch hier ist ein unabhängiger Geist offensichtlich ein ständiger Stachel und wird ziemlich geschmäht. Dieses ständige "Hosianna" und "Kreuzige ihn". Wäre gut, wenn alle Akten auf den Tisch kämen, aber das ist - sicherlich auch rechtlich - gar nicht möglich. "Manchmal beschleicht einen der Verdacht, dass Dissidenten wie Herta Müller oder Richard Wagner eine wesentliche Antriebskraft vor allem aus dem (verständlichen), immerwährenden Hass auf die rumänische Securitate ziehen." Das ist ganz bestimmt so. Ich finde auch, dass gerade Herta Müller damit ihrer literarischen Arbeit keinen Dienst erweist. |
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Krude finde ich, wenn Personen, wie Hermann Kant, Gregor Gysi, Christa Wolff u. u. von der Medien Meute, angefüttert durch die fragil verwelkenden "Realities vom politischen Missbrauch" der Birthler Behörde, das Etikett "IM" als Charakter prägend aufgepappt ins Licht des Prangers gestellt werden sollen, um ihren wahren Charakter der Loyalität gegenüber den Staatsorganen der DDR, inklusive STASI als Vorhut des gefühlten Gelingens des real- existiernden Sozialismus ins Dunkel der Zeitgeschichte zu stellen.
Günter Grass, Bernt Engelmann u. a. haben doch stets die Nähe von Personen wie Hermann Kant, Stephan Hermlin in der Gewissheit aufgesucht, dass diese irgendwie, irgendwann das Gras im SED- Apparat grenzüberschreitend, blocküberreifend, nicht nur wachsen hören, sondern auch darüber zu reden, parteilich legitimiert, geneigt sind. Siehe bei der Konferenz des DDR- Schriftstellerverbandes 1981, zu dem als Begleitorchester für das Bestreben des SED- Politbüro, dem Nato- Doppebeschluss eine friedenstiftende Komponente zu implantieren, Hertmann Kant wie Stephan Hermlin westdeutsche Literaten wie Günter Grass, bernt Engelmann geladen hatten. Nur der DDR- Schriftsteller Stefan Heym, blieb als Literaten Prominenz, neben Robert Havemann als DDR- Dissident weiter durch den DDR- Schriftstellerverband, ohne dass westdeutscher Literaten- Protest angesichts der "Großen Friedens- Aufgabe" zu Protokoll gegeben wurde, ausgeladen. tschüss JP |
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Bla Bla Bla!
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Hallo ohitika33,
ich ahne Ihr: "Bla Bla Bla!" stellt den gewichtigen Rahmen für das: "Da!Da!Da!" Wem gilt Ihr "Da!Da!Da!", Magda oder mir? tschüss JP |
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waren nicht die Grass, Engelmanns (eher von der STASI direkt gebrieft? als von der SPD?) u. u von der Spitzenpolitik in den westdeutschen Parteien so gut gebrieft, wie die Kants, Hermlins aus der DDR über das Politbüro durch die STASI, wenn diese sich zum gemeinsamen Stelldichein einfanden?
Immerhin immer hin gab es ja gesamtdeutsche, hüben und drüben, Kultur- Nation Interessen gegen die Alliierten in Ost und West von einst zu sondieren!, oder? tschüss JP |
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Magda schreibt:"Ich finde auch, dass gerade Herta Müller damit ihrer literarischen Arbeit keinen Dienst erweist."
Richtig - einen Bärendienst! Eine Dauer-Denunziation ist keine geistige Angelegenheit! Der größte Schuft im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant ... Wenn neue Fakten bekannt werden - a la Günter Grass, kann eine "geistige" oder "moralische Autorität" schnell ins Wanken geraten. Als ich 2008 damit begann, Herta Müllers "moralische Integriät" zu hinterfragen, wurde u.a. auch in Schweden meine Argumentaiuon aufgegriffen und im Vergleich Günter Grass - Herta Müller diskutiert (Blog Bodil Zalesky). Herta Müllers Denunziationen wurden in dem ZEIT-Artikel vom 23. Juli 2009 in die Öffentlichkeit getragen, noch vor dem Nobelpreis! Und nach dem Nobelpreis machte sie munter weiter - mit dem Fall Schleich und Grosz. ARD, Report aus Mainz berichtete, allerdings tendenziös und Partei ergreifend. Selbst vor Angriffen auf die Evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen ( als Mitwirkende der Securiate) machte Herta Müller nicht Halt. Dabei ist ihr Verhältnis zur Securitate nicht geklärt und ihre Vita vor 1987 dunkel. Carl Gibson |
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Die wahre Geschichte des Herrn Grass kann nur er selber einschätzen.
Das Recht auf einen moralischen Zeigefinger hatte er auch schon vor dem Bekanntwerden seiner Vergangenheit nicht. Aber manchem wird dieser aufgezwungen oder andere mögen sich nicht wehren. Ganz anders sieht die Frage des Rechts auf neue Erkenntnisse und dem Wandel des Lebens. Wir leben in einer Zeit in der gewaltige gesellschaftliche Umbrüche durch die Lebensläufe ganzer Generationen gehen. Wir leben gemeinsam mit Menschen die Weimarer Republik, 3.Reich, Weltkrieg, Nachkrieg, Bonner Republik, DDR und wiedervereinigtes Deutschland erlebt haben. Je nach Geburtsjahr mehr oder weniger. Und in allen diesen Phasen lebte jeder seine Träume oder Traumatas. Grass ist ja nur ein prominentes Beispiel. Jede Phase hatte seine Verführer und Verführten, seine Mitläufer, Antreiber, Gewinner und Verlierer. Das Problem an der Sache ist nicht das es so war, denn das ist einfach Geschichte, das Problem in der heutigen Zeit ist, dass das Recht aus Fehlern zu lernen, seinen Irrtum zu korrigieren, zu seiner Verantwortung zu stehen und einen neuen Platz zu finden, das man jedem einräumen sollte, von jenen die kein Problem haben ihre Fahne nach dem Wind zu drehen, als politische Waffe benutzt wird. Mir tun heute schon die Bundeswehrsoldaten leid, die in Afganisthan mißbraucht werden, Menschen töten müssen, Leid erfahren und eines Tages die Prügelknaben für die nächste politische Generation sein werden. Also lasst dem Grass sein Leben, hört ihm zu oder nicht, lest seine Bücher oder nicht, aber seit vorsichtig mit Verurteilungen, denn die meisten Menschen handeln aus der ehrlichen Überzeugung etwas wichtiges und richtiges zu tun, oder aus der Not keine Wahl zu haben. Echte Schweinehunde sind selten und sie erscheinen nie in der Öffentlichkeit. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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