4
]
|
|
wohl wahr, das ist DIE absolute katastrophe. 1000 Jahre Stadtgeschichte liegen da im dreck! und vieles wird da auch bleiben. das ist für die kölner stadtforschung ein tief schwarzer tag...
|
|
|
Es handelt sich zwar um ein kommunales Archiv (das größte nördlich der Alpen), aber ich denke, es betrifft nicht nur die Kölner Stadtforschung. Das Archiv besaß allein ca. 65 000 Urkunden ab dem Jahr 922 und einige interessante Nachlässe (z.B. Heinrich Böll). Gerade der Bestand an mittelalterlichen Kölner Urkunden wurde von vielen in- und ausländischen Forschern eingesehen, in einen größeren historischen Kontext eingeordnet und ist damit allgemeines Kulturgut.
Als Goethes Werke in Weimar brannten gab es eine Welle der Bestürzung und Hilfe beim Wiederaufbau. Aber warum sollte der Brand der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek im September 2004 mit einem zu beklagendem Buchverlust von über 50 000 Exemplaren ein größerer Schaden sein, als das zerstörte historische Gedächtnis einer großen Stadt wie Köln? Vermutlich weil einem Bücher näher stehen als Akten oder Urkunden und weil man Goethe einfach kennen muss, aber nicht zwangläufig den Einfluss Kölns auf andere Städte. |
|
|
schrieb am
04.03.2009 um 20:52
da hast du vollkommen recht. das ausmaß ist so riesiges, es bleibt für mich auch einen tag später unvorstellbar. schon allein, dass die gesamte verzeichnungsarbeit des archivs, über jahrzehnte entstanden, alles kaputt sein soll, wahnsinn. das wird jahre dauern bis irgendeiner wieder mit den archivalien forschen kann. wobei ich mir beim jetzigen zeitpunkt noch gar nicht vorstellen kann, wie forschung mit solchen dezimierten beständen überhaupt funktionieren kann.
und, ich teile auch deine Meinung mit der HAAB, die haben wirklich sehr viele handschriften und bücher verloren, das kann man mit werten nicht wiedergeben. nur in einem archiv sind das quellen und nur die wissen wie etwas passiert ist und das wird jetzt wohl bei einer vielzahl von ereignissen auch so bleiben. |
|
|
"wobei ich mir beim jetzigen zeitpunkt noch gar nicht vorstellen kann, wie forschung mit solchen dezimierten beständen überhaupt funktionieren kann."
Es bleibt zu hoffen, dass ein Teil als Digitalisat außerhalb des Hauses aufbewahrt wurde. Dies ersetzt aber weder das Original, noch wäre es annähernd realistisch, an eine vollständige Digitalisierung der Bestände zu glauben. Die in den Kelleräumen gelagerten Manuskripte haben noch die besten Chancen auf Unversehrtheit, sofern kein Wasser eindringt. Dr. Jochen Roessle, der seit 2007 im Archiv den Nachlass des Kölner Architekten Karl Band verzeichnet hat und sich an diesem Tage aus dem Hause retten konnte, steht buchstäblich vor den Trümmern seiner bald zweijährigen Arbeit. Er sprach heute in einer Email davon, "dass hier die größte kulturelle Katastrophe in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands/Europas passiert" sei. Ich denke, er hat vollkommen Recht! Die Tragweite dieses Unglücks wird vermutlich erst in ein paar Tagen wirklich ins Bewusstsein gelangen... |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen