isam almatlub

damaszener scharaden

24.02.2010 | 13:45

knallende öfen, schlimme briefmarken und ein shopping-rausch

Die sonne belebt meinen geist und ich beginne das neue buch von rafik schami und ich drehe den ofen runter, der bedrohlich geknallt hat (was hat das nun zu bedeuten?). als ich gestern abend wiederkomme ist der ofen ganz aus (das wollte ich ja nun auch nicht) und es riecht streng nach öl. Ich habe schon den verdacht, dass durch die vereinzelten regenfälle der letzten zeit wasser in den öltank auf dem dach geraten ist, und das, was ich gestern reingegossen habe, was im ofen jetzt flüssig schimmert nicht öl, sondern wasser ist, denn brennende streichhölzer, die ich hineinwerfe erlöschen. Muss dann lernen, das öl doch ein schwer brennbarer stoff ist, denn anscheinend werden die brennenden streichhölzer vom öl ersoffen. Als ich ein brennendes taschentuch hineinwerfe, brennt zum glück wieder alles. Also: öl ins feuer gießen kann doch ein versuch sein, das feuer zu löschen...

Im knusper, dem deutschen cafe (ja, es gibt in damaskus ein deutsches cafe!), in dem ich gestern war, ist die bedienung die unaufmerksamste von ganz damaskus. Ich sitze geschlagene 20 minuten, bevor ich beachtet werde, was mich nicht stört, denn ich surfe im internet (kostenloses internet! – verbotener weise sogar wireless-lan!). Der service wurde also zuerst auf deutsche qualität umgestellt (dienstleistungswüste deutschland halt, aber das wird jetzt unter westerwelle ja alles anders, wenn die faulen säcke – also die armen – sich wieder etwas mehr anstrengen müssen, gibt es demnächst bestimmt auch wieder tüteneinpacker an der penny-kasse). Dort lerne ich einen franzosen kennen, dessen eltern tunesier sind, der also so gar nicht französisch aussieht und der hier in damaskus als französischlehrer bei berlitz arbeitet. Die zahlen für die lehrer einen hungerlohn, haben aber sehr kleine gruppen. Wir unterhalten uns einige zeit sehr nett, dann tauschen wir nummern (was man hier ja schnell macht. Im prinzip kann man fast unvermittelt auf der straße mit jemandem die nummer tauschen ohne dass es sehr komisch wirken würde.) vielleicht treffen wir uns ja mal auf einen kaffee woanders, wo der service besser ist. immerhin nehme ich noch zwei deutsche brötchen (originale!) fürs morgige frühstück mit, das damit auch schon gerettet sein dürfte. Er bringt mich auf die idee, mich hier als deutschlehrer zu verdingen. Er unterrichtet auch privat französisch und meint, deutsch sei sehr gefragt – warum bloß?

„Bil barid“ – bei der post habe ich unkompliziert eine briefmarke erstanden, auf der der präsident syriens dem deutschen führer (bis 1945) erstaunlich ähnlich sieht (ob gewollt oder aus versehen, die arabische republik syrien tut sich mit solchen briefmarken keinen gefallen!). Dann habe ich einen pullover getauscht, der nach der ersten wäsche drohte, sich zu immaterialisieren. Einen pulli für 20 euro muss man aber einmal waschen können ist meine meinung. Zum glück war der verkäufer mit mir d’accord und hat ihn anstandslos getauscht. Bei adidas, auf der suche nach schuhen, die meine füße bei eventuellen wettertechnischen kapriolen der nächsten zeit vor wasser schützen, habe ich den französischlehrer gleich schon wiedergetroffen, den ich gestern kennengelernt hatte. Wir haben noch ein paar minütchen geplaudert, über dies und das und wie man sich die haare macht.

Habe dann bei reebock (die ja von adidas gekauft worden sind und seitdem offenbar den seriöseren part der sportmode repräsentieren sollen – wohingegen adidas seine kleidung anscheinend zunehmend von laien-designern entwerfen lässt) ein paar wasserdichte (inscha’allah) und formschöne (naja) sportschuhe in schlichtem schwarz erworben, die sogar passen. So im rausch des einkaufserfolges habe ich dann im schlussverkauf noch einen braun-grün gestreiften (passt ja zu allem!) schaal gekauft. Reine wolle, wie der verkäufer, der mich offenbar für des lesens unkundig hielt, mir erzählte. 100% acryl steht auf dem schild. Aber wolle kratzt mir eh zu doll! Die mütze dazu gab es gratis. Sie sitzt erschütternd und lässt mich aussehen wie gerade aus der irrenanstalt entlaufen. ich werde sie jemandem schenken, dem sie besser steht. nicht, dass man nun denkt, bei mir sei der reichtum ausgebrochen, es ist nur schlicht so: die sachen sind hier alle wahnsinnig günstig. Das, was ich an klamotten eh brauche, kaufe ich dann lieber hier als in deutschland, wo es nicht besser, aber teurer ist. hungrig schleiche ich nach hause...

 

 
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Kommentare
Magda schrieb am 24.02.2010 um 13:56
Also das war wieder ganz köstlich, lieber isam almatlub. Wacker gelästert und schön alles hochgenommen.
Wieso ist eigentlich W-Lan da verboten?

Mit Dir würde ich auch gern Telefonnummern tauschen
:-)) blinker.
Gruß
von einer Berliner Schrippe
isam almatlub schrieb am 24.02.2010 um 14:22
w-lan ist verboten. ich glaube weil damit nicht kontrolliert werden kann, wer wann wo ins netz geht. im internetcafe muss man nämlich immer seinen ausweis zeigen und alles wird notiert. bei einem anschluss zuhause ist sowieso klar, wer das ist, aber bei w-lan gibt es vielleicht zuwenig kontrollmöglichkeiten...
I.D.A. Liszt schrieb am 25.02.2010 um 14:34
Sehr hübsch:

>... wenn die faulen säcke – also die armen – sich wieder etwas mehr anstrengen müssen, gibt es demnächst bestimmt auch wieder tüteneinpacker an der penny-kasse)< - Das dürften dann die westergewellten Ein-Cent-Jobber sein.
hibou schrieb am 25.02.2010 um 14:55
sehr gerne gelesen! apropos: als (online)-übersetzer arbeiten, geht auch recht gut.... landessprache? fark etmez.... englisch/französisch-deutsch und umgekehrt....
isam almatlub
isam almatlub, in deutschland geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete ein halbes jahr lang in damaskus, um die sprache seiner eltern zu lernen. er schreibt über den alltag in der syrischen metropole.
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