11
]
Ich bin bekennende Radiohörerin. Morgens um halb sechs aber bin ich noch nicht so richtig wach, da funktioniere ich nur. Und heute morgen spült mein Lieblingssender mir Worte ins Hirn, die ich erstmal gar nicht wahrnehmen will. Irgendwelche Hedgefons wollen Griechenland vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (!) wegen der durch den Schuldenschnitt zu erwartenden Verluste verklagen, weil sie ihr "Recht auf Rendite" verletzt sehen.
Ich fasse es nicht. Ich hab das wahrscheinlich alles ganz falsch verstanden, das mit dem Geld anlegen und den damit verbundenen Risiken.
Nein, das ist einfach nur obszön!
Vielleicht sollten Menschen, die sich sowas einfallen lassen, mal sechs Wochen in einem Flüchlingslager in Somalia oder in Gaza, Syrien, Nordkorea, ... verbringen. Dann hätten sie vielleicht eine andere Vorstellung von Menschenrechten. Millionen Menschen wird das Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit, Meinungsfreiheit, Bildung, ... vorenthalten und die faseln vom Recht auf Rendite. Wo leben die eigentlich?
Und das ganze erfahren wir beiläufig im Stil der Nachrichten eben. Ich kann gar nicht soviel saufen, wie ich kotzen will, wenn ich sowas höre/lese.
Fassungslose und zornige Grüße
|
|
Zornige Grüße zurück!
Das war aber nicht mein Lieblingssender WDR5, oder? Ich muss mich syntaktisch verlesen gehabt haben, kurz dachte ich, in Nordkorea gäb's Flüchtlingslager. Gibt's da welche? So herum? |
|
|
Nee, da gibt's vor allem Hunger. Ich hab im Zorn nicht vielleicht nicht ganz so sorgfältig formuliert.
Nee, WDR 5 gibt's bei uns immer nur zwischen 14.00 und 15.00 Uhr. Es war der Deutschlandfunk. |
|
|
kapitalistischer alltag ist das, ismene.
so gibt es auch den streit um die trans-steuer. dass spekulanten 0,1 prozent umsatzsteuer zahlen sollen. bis jetzt müssen sie gar keine bezahlen. bei jedem einkauf müssen wir 19 % (ausnahmsweise mal 7%) zahlen. und die ganoven möchten, ach, nein, denken nicht daran, null komma 1 zu entrichten. aber das ist auch nur ein stück kapitalistischer alltag. |
|
|
Hallo h.yuren,
ich weiß das ja, aber ab und zu reg ich mich eben trotzdem auf. Das ist auch ganz gut so. |
|
|
Es ist zu befürchten, daß die Leute, die derlei verlangen, sogar Recht bekommen.
Schließlich leben wir in einer Welt, in der uns (im Fernsehen, aber auch im Radiosender meines sonstigen Vertrauens) suggeriert wird, daß die Börsennachrichten einen eigenen Stellenwert für die Durchschnittsbevölkerung hätten. Vielen Dank für diesen gerechtfertigten Zornesausbruch. Es ist gut, daß immer wieder mal jemand aufmerksam ist und auf diese Schieflage in der heilen Wirtschaftswelt hinweist. So, jetzt gehe ich ordentlich saufen, damit ich hernach angemessen kotzen kann! |
|
|
Ein Recht auf Rendite gibt es ursprünglich im Kaputalismus nicht.
Eher ein Recht zum Investitionsrisiko: enrichez vous! Das war dem dem Recht der Feudalisten, kraft Titel, Schloss & Waffen abkassieren zu können, entgegengesetzt. Auf dem Nichtrecht auf bedingungslose Rendite, aber dem Recht, aus gehortetem und investiertem Tauschäquivalent Einkommen ohne gesellschaftlich nützliche Arbeit zu beziehen beruht auch der alte Rat: "Wenn du Geld hast, investiere 1/3 in Wertpapiere, 1/3 in Immobilien. Das restliche Drittel aber lege in Gold an." Wenn heute versucht wird ein Recht auf Rendite einer bestimmten Anlageform einzuklagen, dann zeigt das auf welchem Loch Kaputalisten mittlerweile pfeifen. |
|
|
@claudia
Da bin ich vollkommen einverstanden. Aber ich bin irritiert, weil der Kapitalismus (das ist aber auch eine unzulässige Personalisierung) schon seit längerem aus einem tiefen Loch pfeift, sich aber keine wirklich wirkungsvolle Alternative erkennen lässt. |
|
|
mit verlaub, ismene, das ist ein irrtum. es gibt immer alternativen, auch in diesem fall. aber bis etwas neues in die realität der gesellschaft einzug hält, muss das alte geschwächt am boden liegen. da sind wir noch nicht. aber es kann nicht mehr lange dauern, und wir sind da.
|
|
|
Dann hab ich es ungenau formuliert. Dass es immer andere Möglichkeiten gibt, ist mir schon klar (und Ansätze davon flattern mir ja auch durch's Hirn), aber sie sind eben (noch) nicht deutlich zu erkennen. Im Moment ist viel Unmut sichtbar und er wird - so scheint es - auch größer. Das ist ja mal ein guter Anfang. Es ist nur, dass ich viel systemkritisches höre/lese, aber nur wenig alternatives.
Wie lange es noch dauern kann, bis das Alte am Boden liegt, da bin ich nicht so sicher, ob das so schnell gehen wird. Die Trägheit der Masse ist doch erheblich. |
|
|
Liebe Ismene,
wohl von Dir recht und gut geschrieben, hoffe, aber dass die Hedgefonds im Falle ines Falles so kein Recht von ihrer Auffassung vpor dem Eruropäischen Gerichtshof bekommen. Ich habe auch angefangen, mehr Radio zu hören. Es soll ein geniales rechtlöichers Konstrukt der europäischen Regierungen sein, dass so erlaubt ist , wenn diew Mehrheit der Svchuldner zustimmen und wenn es nicht nachträglich ist. Für diesen Fall werden die Aussichten der Hedgefonds von einem Experten zum Glück minimal eingeschätzt, aber Deinen Abscheu vor olchem Verhalten des Kapitalismus teile ich uneingeschränkt. Es sollte wirklich nicht wahr sein und mir macht so was auch die totale Wut, wenn ich da sim Radio höre oder im Fernsehen sehe. Herzliche Grüße por |
|
|
Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen, aber das Recht auf Rendite beanspruchen wir wohl alle. Arbeitslohn ist auch Rendite und ich kenne niemanden, der freiwillig darauf verzichten würde.
Der zu erwartende Schuldenschnitt für Griechenland fußt auf freiwilliger Basis. Und das wird noch sehr teuer für uns werden. Zum einen durch die weiter notwendige Rettung der verzichtenden Banken, aber noch viel mehr durch die Kreditausfallversicherungen derjenigen, die nicht am Schuldenschnitt teilnehmen werden. Denn da handelt es sich um Summen, die durchaus die Billionenhöhe erreichen könnten. Und all das werden die Steuerzahler zahlen dürfen, denn bekanntlich beißen den Letzten die Hunde. Es sind diese Wetten auf die Pleite Griechenlands, abgesichert durch Versicherungen, die schärfstens zu verurteilen sind. Die so genannten Leergeschäfte, Geschäfte quasi ohne Risiko aber mit extremem Gewinn. Da wird Geld aus Nichts gemacht. Aber solange der gemeine Bürger, ob Grieche oder Deutscher, die Zockerei bezahlt, wird sich daran nichts ändern. Die Zocker gewinnen immer, solange wir deren Gewinne privatisieren und deren Verluste sozialisieren. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen