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Angekündigt war die größte Demonstration in Syrien seit Menschengedenken, geworden ist daraus nichts: bis zu 15000 sollten es einer entsprechenden Facebook-Gruppe zufolge werden, die am vergangenen Freitag den »Tag des Zorns« in Damaskus begehen wollten. Gewesen sind es dann nur knapp 100 (nach anderen Angaben sogar nur etwa 20), die sich auf die Straße trauten.
Dieselben Slogans also wie in ganz Nordafrika: gegen Korruption, Tyrannei, für Meinungsfreiheit und demokratische Teilhabe; dieselben Methoden: Protestorganisation im Netz und an den offiziellen Kanälen vorbei, aber eben ein anderer Ort und ein anderes Regime. Damaskus ist nicht Tunis und nicht Kairo und Bashar al-Assad nicht Ben Ali oder Mubarak.
Hafez al-Assad, der Vater des jetzigen Präsidenten, hatte ursprünglich seinen ältesten Sohn Basil zu seinem Nachfolger bestimmt. Der jedoch kam 1994 bei einem Autounfall ums Leben, dessen Umstände bis heute nicht abschließend geklärt sind, also wurde sein jüngerer Bruder Bashar, gelernter und im Westen ausgebildeter Augenarzt ohne bis dahin erkennbare politische Ambitionen, in Syrien aufs Militärcollege geschickt, innerhalb von fünf Jahren zum Oberst befördert und auf seine künftige Rolle als Staatsoberhaupt vorbereitet. Im Jahr 2000, als Assad Senior verstarb, änderte das syrische Parlament eigens die Verfassung, damit der damals 34-Jährige das Amt des Präsidenten übernehmen konnte (bis dahin sah die Verfassung ein Mindestalter von 40 Jahren für dieses Amt vor).
Bereits zwei Mal wurde Bashar durch Wahlen im Amt bestätigt: Im Jahre 2000 erreichte er 97,2% der Stimmen, vor drei Jahren waren es gar 97,8%.
Zunächst verbanden sich mit Bashars Präsidentschaft leise Hoffnungen auf eine Öffnung des Landes. Nach kurzer anfänglicher Experimentierphase allerdings erwies sich, daß er in erster Linie die gouvernementalen Traditionen seines Vaters fortzusetzen gedenkt, was wohl auch damit zu tun haben dürfte, daß er nach seiner Amtsübernahme die alten Kader in Partei, Militär und Bürokratie weitgehend unangetastet ließ.
Mit diesen Eliten in Staat und Partei teilt die Familie Assad die Zugehörigkeit zur religiösen Minderheit der Alawiten (nicht zu verwechseln mit den Aleviten). Die größte Bevölkerungsgruppe hingegen (ca. 80%) sind die Sunniten, die zusammen mit den Kurden (ca. 10%) im Norden des Landes die Herrschaft der Alawiten nie akzeptiert haben — wohl ein Grund dafür, daß in Syrien seit 1963 (also 18 Jahre länger als im Ägypten Mubaraks) der Ausnahmezustand gilt.
1982 erhoben sich die oppositionellen Muslimbrüder, mit der sowohl die Kurden als auch die Sunniten zum überwiegenden Teil sympathisieren. Assad Senior schlug den Aufstand blutig nieder (»Massaker von Hama«), mindestens 20000 Aufständische (Zahlen schwanken) kamen dabei ums Leben. Im Jahr 2004 kam es zu Unruhen in den überwiegend kurdischen Gebieten, die Bashar mit Panzern niederhielt.
Im Vergleich mit den beiden Assads galt Hosni Mubarak im Westen stets als »weicher« Diktator. In Syrien ist das Internet erst seit etwa 10 Jahren allgemein zugänglich, einschlägige Seiten (YouTube, Facebook), Dienste (twitter) sowie die großen westlichen Nachrichtenportale sind weiterhin gesperrt.
Über die allgemeine Lage bezüglich Medien- und Pressefreiheit informiert Reporter ohne Grenzen, über die allgemeine Menschenrechtslage Human Rights Watch (»A Wasted Decade«).
Man kann davon ausgehen, daß in Syrien die Erinnerung an den Umgang des Regimes mit vergangenen Oppositionsbewegungen nach wie vor wach ist, oder wie es Radwan Ziadeh, der Gründes des Zentrums für Menschenrechtsstudien in Damaskus, in einem auch ansonsten lesenswerten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen (vom 04.02.2011) formulierte:
»Die Syrer haben Angst, weil sie wissen, dass die Armee sofort schießen wird, sollten sie sich auch auf die Straße wagen«.
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Anmerkung: Dieser Artikel ist Information, nicht Aufklärung. Information ist idealiter die Basis von Aufklärung, aber nicht schon Aufklärung selbst, auch wenn in den Zeiten von whistleblowing, leaking und Transparenzgebot vom Staatsoberhaupt bis zur Mettwurst bisweilen dieser Eindruck entstehen kann.
Aufklärung kommt nach der Information und hätte hier beispielsweise damit zu beginnen, daß ein amtierender deutscher Bundesminister der CSU dieselbe Auffassung über Rang und Reichweite der Menschenrechte pflegt wie der syrische Präsident, oder daß Rußland in der syrischen Küstenstadt Tartus einen alten Marinestützpunkt aus der Sowjetzeit reaktiviert, der ab dem Jahr 2012 vollständig bezugsfertig ist und dann unter anderem vier russische Atom-Uboote beherbergen wird (auch ohne, daß die IPPNW und andere Friedensbewegte sich mit einem Mucks darüber beschwert hätten).
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@ luggi schrieb am 09.02.2011 um 20:32
Ich habe es mir angesehen. Alles russische Technik aus den 80ern. Nicht zu unterschätzen, aber nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Interessant bei 2:34 min: Kurzstreckenrakete OTR 9M714 "Oka", NATO-Jargon: SS-23, Spider; im Gegensatz zur Scud B der irakischen Armee, die relativ einfach durch "Patriot" bekämpft werden konnte - auch weil die irakische Armee das System taktisch nur sehr schlecht beherrschte, ist "OKA" durch "Patriot" nicht zu bekämpfen. Die Reichweite von 480 km und eine Zielgenauigkeit von 30m sind ggf. eine Bedrohung israelischer Kernwaffen und Führungszentren. Ohne Unterstützung durch Zielkoordinaten (Russland?) findet das System aber keine "lohnenden" Ziele. Schwer einzuschätzen ist die Gefechtsbereitschaft des Systems und die Fähigkeit der Syrischen Armee mit so einem Raketensystem umzugehen. Die irakische Armee benötigte zum Start einer Scud B aus der Bereitschaftsstufe 3: 30...60 min, die Armeen des Warschauer Vertrages 17 min Noch interessanter bei 0:23 min S-300; Abwehrsystem für ballistische Raketen und Luftziele Ein solches System in Syrien gefährdet die Erstschlagsfähigkeit Israels ganz erheblich. Das System holt so ziemlich alles vom Himmel. Nicht ganz so effektiv wie S-400 aber ausreichend gefährlich. Ob Syrien das System S-300 wirklich hat, darf bezweifelt werden. Auch der Iran müht sich um das System. Trotz eines Abkommens hat Russland aber noch immer nicht geliefert (?) 1:58 Luftabwehrsystem Tor M1: Auch hier spricht die Videosequenz nicht unbedingt dafür, dass Syrien das System besitzt. Iran aber hat es. Auch nicht mehr das modernste, aber für tieffliegende Luftziele immer noch überaus gefährlich. |
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Wo sind die Videos? Ich weiß nicht wie das Einbetten jetzt funktioniert. Hat sich da etwas geändert?
OKA www.youtube.com/watch?v=MM2v2JYjlco S 300 www.youtube.com/watch?v=3eRiDSbuMio&feature=related Tor M1 www.youtube.com/watch?v=4c7pSRR3nFQ |
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Hallo Rapanui,
bei WDN (Link im Artikel oben) steht: »Russia would send in the surface-to-surface Iskander missile which Moscow says is capable of penetrating any missile defense system. With a NATO code name of the SS-26 Stone, the Iskander is a road-mobile system. It has a range of 300 kilometers, or 186 miles, giving Damascus the capability of striking Tel Aviv in Israel.« vgl. SS-26 'Stone'. Laut Übersicht hier ist dieses System als nukleare Gefechtsfeldwaffe (AA-60) einsetzbar. |
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Hallo J-AP,
ich bezog mich auf das Video, welches angeblich Waffen in syrischem Besitz zeigt. Bei S-300 bin ich mir recht sicher, dass Syrien die nicht hat, bei OKA staune ich, dass die das haben sollen, bei Tor M1 staune ich auch - aber das halte ich noch für möglich. Unter Vorbehalt: Syrien und Iran haben mit hoher Sicherheit keine "Iskander". Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Russland seine modernste Kurzstreckenrakete an diese Länder liefert, wenn dann ohnehin nur in der Version E mit verkürzter Reichweite und reduzierter Nutzlast. Die Version E hat dann mit Sicherheit auch keine Fähigkeit Nuklearwaffen zu tragen. Gänzlich unwahrscheinlich ist es, dass Russland selbst "Iskander", eine mobile Boden/ Boden Rakete, mit einem Kerngefechtskopf bestückt, in Syrien aufstellt. Das würde eine schwere Krise mit den USA und Israel auslösen. Die Bemerkung in dem Artikel ist wenigstens schlampig, wenn nicht einfach blöd oder sogar bösartig. Wir hatten uns seinerzeit in dem Blog über den Kosovo über die Südflanke Russlands unterhalten. Die USA hat durch das "Drehen" Jugoslawiens den Zugang Russlands zum Mittelmeer erschwert. Camp Bondsteel, der wohl eigentliche Grund für die "Freiheit" des Kosovo, ist eine erhebliche Verschlechterung der strategischen Situation Russlands auf seiner Südflanke. Mit dem Stützpunkt in Syrien holt sich die Schwarzmeerflotte ein Stück Bewegungsfreiheit zurück, ein weiterer wirksamer Gegenschlag gegen die aggressive Dreistigkeit der NATO die Ukraine mit der orangenen Revolution "drehen" zu wollen und damit langfristig Russland Sewastopol/ Krim zu nehmen. Leider haben die USA den Gewinn des Kalten Krieges nicht für die Friedensdividende genutzt und müssen sich jetzt nicht wundern, dass ihr Ansehen drastisch gesunken ist Mal abgesehen davon, dass auch russische Rüstung schädlich für die Menschheit ist - aber es ist leider das einzige wirksame Gegenmittel, um dem Weltpolizisten seine Allmachtsfantasien auszutreiben. Hier sind wir dann auch wieder bei unserem strittigen Thema. Israel spielt eine ganz wesentliche Rolle bei der Bedrohung der russischen Südflanke. Im Konflikt Israel - Syrien spiegelt sich eben etwas mehr wieder, als nur der Konflikt zwischen Religionen oder unterschiedlichen politischen Systemen. Zum Glück können wir uns hier nur in der Betrachtung ergehen und müssen keine Positionen beziehen, wie es eben die Bewohner dieser Region zu tun gezwungen sind. |
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Wie war das noch einmal mit der revolutionären Situaion? Die entwickelt sich wenn Che oder Revolutionäre Armeen kommen? Oder doch anders?
Also in Deutschland können die oben immer weniger! Und ich will schon lange nicht mehr. Aber was zählt schon so ein einzelner Untergrundkämpfer. Maulwürfe aller Länder; koordiniert eure Buddelaktivitäten! |
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schrieb am
09.02.2011 um 21:05
thanx :)
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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