j-ap

oportet quaedam nescire

26.09.2010 | 18:33

Israel und sein Existenzrecht

 

Folgend ein Kommentar von mir unter einem Artikel von Hermanitou. Ich will ihn anschließend noch um einige Bemerkungen erweitern. 

Daß die politische Einheit namens 'Nation' sich nirgends aus irgendwelchen herbeiphantasierten kulturellen Identitäten oder gar aus Blut und Boden generiert, sondern ein politischer Souverän — fähig, Grenzen zu setzen und zu verteidigen — die Zusammenrottung von Menschen als nationale Einheit deklariert und somit den Einzelnen für das angeblich Ganze einebnet, liegt Ihrem Nationsverständnis scheinbar vollkommen fern. 

Der Nationalstaat schmückt sich schließlich als Exekutor identitärer Eigenschaften, die den Individuen empirisch anhaften sollen oder ihnen, da das ja tatsächlich nie der Fall ist, einfach zugeschrieben weren. Insbesondere die Deutsche Ideologie macht aus diesem ehernen Zwang, nämlich der Angehörigkeit zu einem Staat, dem gegenüber exklusiv die Selbst-Verwertung einzuklagen sein solle, einen von der »Natur« auferlegten Inhalt — eine organische Beziehung, die nicht Solidarität unter konkurrierenden citoyens bedeutet, sondern die unablässige Identifikation mit dem naturalisierten Souverän als Vollstrecker der nationalen Eigentlichkeit

Genau deshalb gilt der rasende Zorn namentlich der Europäer in erster Linie dem »kulturlosen« Amerika und dem »kosmopolitischen« Israel. 

Die Fundierung der US-amerikanischen Staatsbevölkerung durch unausgesetzte Immigration kann nämlich lediglich von denen als echter Makel begriffen werden, denen es davor graust, daß das Recht, in einem Land zu leben, sich nicht durch die Berufung auf Blut & Boden — eben auf eine organische Beziehung — vom politischen Souverän einklagen läßt. 

Die US-Amerikaner sind genausowenig autochthon wie die Israelis und können von daher niemals revolutionäre Subjekte für europäische Befreiungsnationalisten sein, weshalb diese sich auch stets um den »Würgegriff« sorgen, in dem sich die autochthonen Völker durch den volksschädlichen Zugriff der US-amerikanischen Verwertungsmaschinerie oder seines »zionistischen« Vorpostens im Nahen Osten befänden und ständig darauf versessen sind, Europa gleich wie Palästina von der gefühlten »Fremdherrschaft« zu befreien, die selbstredend hinter den Vorhängen konspirativ im Gange sein muß.


Das berühmte »Recht auf nationale Selbstbestimmung« schöpft eben nicht aus einem Pool aufsummierter korrespondierender und gleicher Willenserklärungen (die, sofern sie an Urnen geäußert werden, das periodische Repräsentationspersonal für die demokratische Herrschaft konstituieren), sondern aus den gewaltsamen Mechanismen der Vergesellschaftung, die daher notwendig der Ideologie bedarf, um nicht als das sichtbar zu werden, was sie ist. 

Ein so verstandener »Antiimperialismus«, der sich nicht entblödet, die Völker als autochthone einfach sie selber sein zu lassen und sie gegen jeden äußeren Eingriff zu verteidigen, deduziert sein absurdes Befreiungsprogramm in Wirklichkeit genau aus dem Boden, den die Nationalen schon seit geraumer Zeit mit beunruhigend wachsendem Erfolg bestellen. Insofern haben die Vereinten Nationen die Zeichen der völkischen Zeit schon erkannt, wenn sie nämlich die Hilfgüter für die Palästinenser von genau der Organisation verteilen lassen, die sich schon immer als Containment-Funktion gegen den grassierenden »zionistischen Imperialismus« verstand: die Hamas. 

Der Antizionismus beanstandet an Israel bezeichnenderweise weder den generellen Charakter repressiver Staatlichkeit (denn wenn er das täte, würde ihm früher oder später unweigerlich dämmern, daß er seine Kritik auch gegen alle »autochthonen« Völker und ihre jeweiligen Nationalstaaten richten müßte, und wer will schon die Islamfaschisten aus Teheran verbannen, wo sie doch zusammen mit Hugo Chávez, Fidel Castro und dem Juche-Koreaner Kimg Jong Il die einzigen sind, die wenigstens noch hie und da dem kulturschänderischen US-Imperium trotzen) noch die in ihm zum Tragen kommende Konstitution des Menschen als Staatsbürger. 

Schließlich ist das mit Inbrunst hochgehaltene »Selbstbestimmungsrecht der Völker«, inklusive des Rechts auf Staatlichkeit und nationale Einheit, nichts anderes als das Einfordern des Rechts auf Herrschaft, die nämlich nur nicht fremd, sondern eigen sein soll, sodaß sie eine revolutionäre Staatskritik von selbst ausschließt.

Der Antizionismus bestreitet vielmehr, daß Israel jener Staat ist, der als Exekutor der nationalen »Selbstbestimmungsrechts« fungieren könne, und dies auch gar nicht sein könne, denn Israel ist die Anti-Nation schlechthin oder, in der Sprache des panarabischen Nationalismus: das »zionistische Gebilde«, der »sogenannte Staat Israel«. 

Wenn Israel daher als die Pistole des Westens an der Schläfe der arabischen Völkerharmonie denunziert wird, ohne daß auch nur eine einzige Silbe über die Notwendigkeit und die Umstände dieser Staatsgründung fällt, wird bereits ideell exekutiert, was der »ehrbare« Antizionist — sitze er nun in Teheran oder in Berlin —ansonsten schamlos dem unlauteren Antisemiten auszusprechen überläßt: Daß der Judenstaat, wie jede andere jüdische Tat, nur eine Verschwörung sein könne. 


(vgl. dazu: kritischetheorie.files.wordpress.com/2009/11/polemos-02.pdf)


 
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Kommentare (gesperrt)
j-ap schrieb am 26.09.2010 um 21:44
Wer der intellektuellen Vorfeldorganisation des Antiimp-Mobs live bei der Arbeit zusehen will, der möge zwischendurch mal einen Blick in deren home base werfen:

Antiimperialistisches Lager / Campo Antiimperialista.

Man findet da nebst Preziosen wie dem »Aufruf zur jährlichen Intifada- Solidaritätskundgebung« auch Boykottaufrufe gegen den »Apartheid-Staat Israel« oder eine »Solidaritätskampagne für die autochthone Bevölkerung« in ihrem heldenhaften Ringen gegen das »angloglobal-zionistische« (sic!) Ausbeuterregime — wohlgemerkt: in Indien!

Der Hausideologe des »Campo«, eine schillernde Figur namens Constanzo Preve, der hin und wieder auch für die junge Welt schreibt, verfaßt seit den 90er-Jahren eilfertig Pamphlete, um eine schlagkräftige Bewegung gegen den »Amerikanismus« auf die Beine zu bekommen. Zu diesem Zweck pflegt er den »kritischen Dialog« mit Leuten wie Alain de Benoist, dem Vordenker der französischen Nouvelle Droite.

Preve selbst läßt seine Traktate von zwei italienischen Verlagen publizieren, die ihre faschistische Gesinnung ganz ungeniert zur Schau tragen:

In Edizioni all'insegna del Veltro, die nebst anderem auch die Schriften von Johann von Leers verlegt, dem gewesenen »Hauptschriftleiter« der nationalsozialistischen Agitprop-Postille »Wille und Weg« und Verfasser eines solchen Nazi-Klassikers wie »Odal — Lebensgesetz eines ewigen Deutschlands« (1939), der im ägyptischen Asyl zum Islam konvertierte; und in Edizioni Settimo Sigillo, in denen neben Preve früher auch noch Julius Evola, Urheber krudester antisemitischer Reichs-Ideologien, oder David Irving publiziert wurden.

Der hier noch vor einigen Tagen ausdrücklich gelobte Domenico Losurdo ist übrigens auch ab und an mit von der Partie in dieser »ehrenwerten« Gesellschaft.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.09.2010 um 19:32
@j-ap Sie haben einen vergessen:
Der Ursprung dieses Konflikts in der neueren Geschichte geht ins Jahr 1897 zurück, nämlich als Theodor Herzl und andere Zionisten die Geduld mit Pogromen und Antisemitismus in Europa verloren hatten und darum in ihrer Eröffnungsrede bei der jüdischen Vereinigung in Wien als Hautaufgabe die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina erklärten.

Die Balfour Erklärung gab dem Grafen Rothschild, prominentester Fürsprecher der Zionisten, grünes Licht und die Erlaubnis das sich Juden in Palästina niederlassen könnten. Palästina war 1917 britisch besetztes Gebiet, unterlag aber noch der Souveränität des Osmanischen Reichs. In dieser Balfour Erklärung war ausdrücklich erklärt worden, daß in den besetzten Gebieten die nicht-jüdische Mehrheit der Bevölkerung in keiner Weise benachteiligt werden dürfte.

Dessen ungeachtet erklärte Herzl aber er wünsche ein Palästina „das so jüdisch sei, wie England englisch" und daß „jüdische Grenzen so groß seien sollten wie es jüdischer Wille und Kraft gelingen wird Grenzen zu schaffen".
Gold Star For Robot Boy schrieb am 02.10.2010 um 16:10
"Mit der Wiederaufnahme der Bautätigkeit an den Siedlungen in der West Bank am Montag hofft die mächtige Siedlerbewegung Israels, dass sie den Friedensgesprächen mit den Palästinensern den Garaus gemacht hat.
Man würde sich allerdings täuschen in der Annahme, dass das einzige wesentliche Hindernis für den Erfolg der Verhandlungen die rechtsgerichtete politische Ideologie ist, die die Siedlerbewegung repräsentiert. Gleich bedeutsam sind tief verankerte wirtschaftliche Interessen, die sich durch die ganze israelische Gesellschaft ziehen."
www.antikrieg.com/aktuell/2010_09_29_israelsargumente.htm

"Israel hat nach Ansicht von UN - Ermittlern beim blutigen Militäreinsatz gegen eine Hilfsflotte für den Gazastreifen gegen internationales Recht verstoßen.
Darüber hinaus warfen die UN-Experten Israel nach dem Tod von neun pro- palästinensischen Aktivisten schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Das unverhältnismäßige Vorgehen habe ein Maß an völlig unnötiger und unglaublicher Gewalt demonstriert, heißt es in einem am Mittwoch (Ortszeit) in New York veröffentlichten Bericht des UN Menschenrechtsrates."
www.handelsblatt.com/newsticker/politik/un-bericht-wirft-israel-rechtsbruch-vor;2660110

"Spot and Shoot, as it is called by the Israeli military, may look like a video game but the figures on the screen are real people – Palestinians in Gaza – who can be killed with the press of a button on the joystick. The Spot and Shoot system – officially known as Sentry Tech – has mostly attracted attention because it is operated by 19- and 20-year-old female soldiers, making it the Israeli army’s only weapons system operated exclusively by women. The female soldiers, located far away in an operations room, are responsible for aiming and firing remote-controlled machine-guns mounted on watch-towers every few hundred meters along an electronic fence that surrounds Gaza. The women are supposed to identify anyone suspicious approaching the fence around Gaza and, if authorized by an officer, execute them using their joysticks. The system was phased-in two years ago for surveillance, but operators were only able to open fire with it more recently.(...)
According to analysts, however, Israel is unlikely to turn its back on hardware that it has been at the forefront of developing – using the occupied Palestinian territories, and especially Gaza, as testing laboratories. Remotely controlled weapons systems are in high demand from repressive regimes and the burgeoning homeland security industries around the globe. “These systems are still in the early stages of development but there is a large and growing market for them,” said Shlomo Brom, a retired general and defence analyst at the Institute of National Security Studies at Tel Aviv University."
www.mediafreedominternational.org/2010/07/14/israel-paves-the-way-for-killing-by-remote-control/
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 20:47
@ GSfRB, j-ap geht' um's Existenzrecht, nicht um technische Errungenschaften deren Einsatz manchen vielleicht nicht gefällt, die aber eben nicht gegen geltendes Recht verstossen. Oder hat der Internationale Gerichtshof in DenHaag schon Anklageschriften erhalten?
Gold Star For Robot Boy schrieb am 03.10.2010 um 16:58
Ja, ja.
"Israel — und zu dieser steilen Aussage lasse ich mich gern und sehr bewußt hinreißen — ist die Insel der Vernunft in einem Meer von Unsinn.." (j-ap)
Rahab schrieb am 03.10.2010 um 17:00
perlenverdächtig?

dann schick's an die affenbande, GSFRB!
Rahab schrieb am 26.09.2010 um 22:38
die "Irene" hat heute Zypern verlassen und ist richtung 'Aza unterwegs.

an bord befinden sich - siehe
jewishboattogaza.org/?page_id=204

alles klammheimliche antisemiten?
alles holocaustleugner?
alles hamasversteher?
j-ap schrieb am 26.09.2010 um 22:48
Wer behauptet sowas, Rahab?
Rahab schrieb am 26.09.2010 um 22:50
Sie
j-ap schrieb am 26.09.2010 um 22:51
Wo?
Rahab schrieb am 26.09.2010 um 23:03
na
wenn Sie nicht wissen, was Sie geschrieben haben

ich, wenn ich Sie wäre, täte den artikel noch mal überarbeiten, Ihren ersten eigenkommentar hineinwirken und das ganze dann fidelche als gastkommentar anbieten

der freut sich mindestens zwei beine aus
Sie kriegen jede menge zustimmung
ob vorzüglicher dialektik und klarer kante im hinterland des feindes
und am ende vielleicht sogar ne belobigung, ne glückwunschmail vielleicht sogar, von gremliza

na wenn das nix is?!

im ernst, aber das nur kurz:
was wissen Sie eigentlich über antizionismus?
j-ap schrieb am 26.09.2010 um 23:08
Liebe Rahab,

gerade weil ich sehr genau weiß, was ich geschrieben habe, wiederhole ich meine Frage noch einmal: Wo hätte ich behauptet, was Sie da oben insinuieren?

Nirgends. Deshalb lasse ich das absehbare Geplänkel, das Sie nebenher schonmal präparieren, auch einfach beiseite.

Mir scheint's eher so zu sein, als wäre heute bei Ihnen generell Veräppel-Tag. ;-)
Rahab schrieb am 26.09.2010 um 23:14
geplänkel?
nein
nur der dezente hinweis darauf, in welcher sprache der beifall daherkommen wird

und nun äpfeln Sie mal weiter!
j-ap schrieb am 26.09.2010 um 23:28
Liebe Rahab,

meine Wenigkeit ist 27 Jahre, Sie sind, wie jede Dame über 39, genau 39 Jahre alt. Aus dem »Bäh, Du hast die falschen Freunde, mit Dir will ich nicht spielen!« bzw. »Du hast doch von der Sache null Ahnung, Schätzelein!«-Nummer, die ich mit 'Geplänkel' meinte, sind wir also schon etwas raus.

Ob Sie's glauben oder nicht, Rahab, aber ich habe den Artikel da oben nicht Ihretwegen geschrieben und schon gar nicht, um hier irgendwen zu »entlarven«. Wenn Sie über das Thema nicht diskutieren wollen — Sie hatten das ja angekündigt und mich an Herrn Gysi verwiesen — dann machen Sie's eben nicht, ist doch kein Problem.

Aber ziehen Sie die Sache bitte nicht ohne Not in den Dreck ober unterstellen mir Dinge, die ich nirgendwo behauptet habe. Und falls Sie der Ansicht sind, daß ich, J. A.-P., vom Antizionismus rein gar keine Ahnung habe, dann klären Sie mich bitte auf, denn nichts ist mir lieber, als klüger zu werden.

Viele Grüße,
J. A.-P.
Rahab schrieb am 27.09.2010 um 00:51
ich ziehe die sache nicht in den dreck!

und ich bin auch nicht 39 sondern ... verflucht noch mal, wie alt bin ich eigentlich? ... nach kalender: 56 jahre .. egal, mein nächster geburtstag ist im dezember - rechnen Sie selbst!
und eine dame bin ich auch nicht
das sei ferne von mir - spricht ... in diesem fall Rahab

der punkt ist:
Sie tun so, als hätten antizionisten allesamt die entstehungsbedingungen des staates Israel vergessen

das glatte gegenteil ist der fall

gerade deshalb
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 06:58
Was die Antizionisten bis heute nicht begriffen haben ist schlicht der Umstand, daß in einer Welt, die noch immer in Nationalstaaten gegliedert ist, gerade Israel und die USA zu verteidigen wären, nämlich gegen den faschistischen Solidarpakt der »gewachsenen« Völker und Kulturen, deren Verfechter noch immer auf Blut & Boden rekurrieren, um sich zu einem Scheinsubjekt zu naturalisieren, dem das Recht zuerkannt werden kann, es sich im Gehäuse eines Volksstaats gemütlich zu machen.
Rahab schrieb am 27.09.2010 um 08:19
schön, dass wenigsten einer weiß, was antizionisten bis heute nicht begriffen hätten

ich werd über eine umbenennung nachdenken
obwohl auch das nicht helfen wird
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 08:29
Na, das wissen schon auch noch ein paar andere, zB Shlomo Avineri, Michael Brenner, Yfaat Weiß, Detlev Claussen oder Shulamit Volkov.
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 08:55
Na sehen Sie, Rahab, das ist wenigstens schonmal ein Ansatzpunkt — an den die europäischen Linken aber bezeichnenderweise genau nicht anknüpfen, sondern — und das beginnt nicht erst mit Meinhof, nota bene — sich eher an den stalinistischen Antizionismus halten, der seinerseits eine Konsequenz des alten russischen Antisemitismus ist.

Deshalb mochten die europäischen Antizionisten auch schon immer die P.F.L.P. am allerliebsten.
Rahab schrieb am 27.09.2010 um 09:00
mir doch schietegal

das ist das, was ich angefangen habe zu lernen, als Sie noch nicht geboren waren...

und es ist das, worüber die fidelche&cie nicht reden mögen
obwohl ich es immer mal wieder reinsetze, um zu verdeutlichen, wo weiterzudiskutieren wäre

und das
community.zeit.de/user/mona-mittelstein/beitrag/2010/09/26/mit-kind-durch-das-besetze-land-worte-sind-nicht-intensiv-g
sind die dinge, die zur kenntnis genommen gehören, um das bild vom kosmopolitische Israel abzurunden
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 09:17
Ja, dann diskutieren wir mal weiter, Rahab. Aber eben nicht ab da, sondern damit!

Genau das ist nämlich der springende Punkt, Madame. Wer nämlich immer nur mit Schauergeschichten hausieren geht, in denen der böse Israeli die Gasgranate ins Kinderzimmer schmeißt, aber verschweigt, daß das nicht einfach so geschieht, sondern Gründe hat, der verzerrt die Wahrheit.

Und diese Wahrheit wird seit dem Sechstagekrieg unter den Tisch gekehrt.

Warum?
Rahab schrieb am 27.09.2010 um 09:28
welche wahrheit?

die wahrheit, wie sie auch Leibowitz ausgesprochen hat?

die wahrheit, die in der israelischen bodengesetzgebung liegt?

oder die wahrheit, dass etliche leute lieber unbekannte drangsalieren lassen als laut und deutlich zu sagen, dass auch ihr opa/oma ein nazi war?

das problem ist, dass Israel über die selbstverteidigung hinaus dinge tut, die besser nicht getan würden
das ist wahrheit

so. und nun muß ich weiter unterhosen packen...
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 09:38
Nö, Rahab. Das Problem ist, daß die einzig »legitime« Selbstverteidigung, die sich Israel aus der Perspektive der Antizionisten leisten dürfte, gar keine ist, sondern de facto auf Selbstauflösung hinausliefe.
Rahab schrieb am 27.09.2010 um 09:39
quatsch
Ernst schrieb am 27.09.2010 um 09:03
Kriege schaffen so oder so neue Rechtslagen - ob mit oder ohne Friedensverträge - einfach aus dem Recht des Siegers heraus. Und Kriege wirken in der Regel wie Mixer; sie wirbeln so einiges durcheinander.

Damit legen sie so gut wie immer den Grundstein für den nächsten Konflikt. So gut wie unvermeidlich, weil ein indigenes Selbstverständnis tief in unseren Hirnen existiert. Wahrscheinlich schon seit Zeiten vor der Menschwerdung als Teil unseres Krokodilgehirnes.

Man mag das mit Faschismus oder auch mit Revanchismus bezeichnen und auch so oder so bewerten. Tatsache ist, daß sich beispielsweise 700 Jahre nach Zerfall der UDSSR ein Grüppchen von Asiaten daran erinnert, daß sie eigentlich mongolische Nachfahren von Dschingis Khan sind.

Wenn wir weiterkommen wollen in der Menschwerdung, bleibt wohl nur der Zerhau des Knotens durch den Nationalstaat. Krokodile sind mir zu bissig.
thinktankgirl schrieb am 27.09.2010 um 09:43
Hallo j-ap,

Daß die politische Einheit namens 'Nation' sich nirgends aus irgendwelchen herbeiphantasierten kulturellen Identitäten oder gar aus Blut und Boden generiert, sondern ein politischer Souverän — fähig, Grenzen zu setzen und zu verteidigen — die Zusammenrottung von Menschen als nationale Einheit deklariert und somit den Einzelnen für das angeblich Ganze einebnet, liegt Ihrem Nationsverständnis scheinbar vollkommen fern.

Ihre Aussage, daß sich die Nationenbildung, nicht "herbeiphantasierter kultureller Identitäten" zur Legitimation bemüht, widerspricht jeglicher historischer Forschung. Vor allem in Hinsicht der deutschen Nationbildung, da eben diese kulturelle Identität als Rechtfertigung diente, um dutzende unabhängiger Territorien (Reichsstädte, Königreiche, Herzogtümer) zu einem Territorium zusammenzuführen.
thinktankgirl schrieb am 27.09.2010 um 09:48
Nachtrag:

Auch der Zerfall von Jugoslawien in mehre Staaten und deren gegenseitige Abgrenzung beruht auf kulturellen Identitäten.
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 10:11
Hallo thinktankgirl,

da haben Sie mich mißverstanden: Ich habe nicht geschrieben, daß sich Nationalstaaten nicht um höhere Daseinsgründe »bemühen« würden — denn was das anlangt, haben Sie völlig recht, das tun nämlich alle Nationalstaaten — sondern nur, daß es darauf allein nicht ankommt.

Und das ist empirisch gesichert, denn es wurde noch kein Staat ausgemacht, der ohne Staatsgewalt ausgekommen wäre und nur durch die Kraft der Suggestion (denn darauf läuft es hinaus, denken Sie nur an die Fischte'schen Reden!) ins Dasein getreten wäre.

So herum wird ein Schuh draus.
thinktankgirl schrieb am 27.09.2010 um 10:58
Die US-Amerikaner sind genausowenig autochthon wie die Israelis und können von daher niemals revolutionäre Subjekte für europäische Befreiungsnationalisten sein, weshalb diese sich auch stets um den »Würgegriff« sorgen, in dem sich die autochthonen Völker durch den volksschädlichen Zugriff der US-amerikanischen Verwertungsmaschinerie oder seines »zionistischen« Vorpostens im Nahen Osten befänden und ständig darauf versessen sind, Europa gleich wie Palästina von der gefühlten »Fremdherrschaft« zu befreien, die selbstredend hinter den Vorhängen konspirativ im Gange sein muß.



Sie beschreiben die USA und Israel als nicht autochthone Völker, also durch Immigration entstanden.
Das stimmt und beide haben bereits Ansässige vertrieben.

Die Fundierung der US-amerikanischen Staatsbevölkerung durch unausgesetzte Immigration kann nämlich lediglich von denen als echter Makel begriffen werden, denen es davor graust, daß das Recht, in einem Land zu leben, sich nicht durch die Berufung auf Blut & Boden — eben auf eine organische Beziehung — vom politischen Souverän einklagen läßt.

Der Makel liegt nicht in der Immigration, sondern in der Vernichtung und Vertreibung der indigenen Völker, ohne die die USA in der heutigen Form nicht hätte entstehen können.
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 11:49
Genau darum geht es auch und nicht minder:

Indem nämlich Israel seine Souveränität behauptet, kämpft es auch für das Recht des Individuums, etwas anderes zu sein als ein bloßer Gegenstand der Zoologie, als eine Pflanze, die schon glücklich zu sein hat, wenn sie einen Boden findet, um zu wurzeln, wenn man sie nur fleißig gießt und düngt. Es gibt kein »Recht auf nationale Selbstbestimmung«, das im sowieso allenfalls mythisch greifbaren Recht der ersten Landnahme gründet, und kein Recht der Einheimischen, nur weil sie zuerst da waren.
thinktankgirl schrieb am 27.09.2010 um 12:09
Es gibt kein »Recht auf nationale Selbstbestimmung«, das im sowieso allenfalls mythisch greifbaren Recht der ersten Landnahme gründet, und kein Recht der Einheimischen, nur weil sie zuerst da waren.

kein Recht der Einheimischen, nur weil sie zuerst da waren?

Aha, es gibt also bloßes Faustrecht. Wer stärker ist, nimmt sich halt das, was er will. Spielt keine Rolle, ob auf dem Gebiet schon Leute wohnen. Sollen sich halt vom Acker machen.
Gute Idee. Morgen komme ich mit meinem Panzer und besetz deinen Garten. Ich hoffe, du rufst dann nicht die Polizei, um dein Recht durchzusetzen, da du vor mir da warst.
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 12:22
Bezeichnend ist ja schon, daß Sie über die Dichotomie Urwüchsigkeit hier, Faustrecht dort nicht hinauszukommen scheinen, thinktankgirl.

Wer so etwas behauptet, wer so ein »Naturrecht« in Anschlag bringt, der hat schlicht den Begriff und die Wahrheit der Gattung liquidiert, hat das »Weltbürgerrecht« aufgehoben!

Vielmehr verhält es sich so, wie es Immanuel Kant im dritten Definitivartikel zum ewigen Frieden 1795 erklärt hat: Das Weltbürgerrecht, so Kant, »steht allen Menschen zu, vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde, auf der, als Kugelfläche, sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch neben einander dulden müssen, ursprünglich hat aber niemand an einem Orte der Erde mehr Recht, als der andere.«

Dieses Argument der Aufklärung ist so einfach wie der daraus folgende kategorische Imperativ wahr ist: Weil die Erde keine Scheibe ist, darum ist sie die Allmende, d.h. das unteilbare Eigentum einer Gattung, die sich als die tatsächliche, weil universelle Menschheit erst dann bewiesen haben wird, wenn die Individuen endlich einmal mehr sein dürfen als die blöden biologischen Exemplare einer Gattung, und das heißt, politisch gesprochen, eines Volkes.

Der Rest ist, kurz und knapp, ein Abgrund an Aufklärungsverrat, durch den scheinbar hindurch muß, wer es im Europa der Kulturalisten zu etwas bringen will.
Rahab schrieb am 27.09.2010 um 12:38
bitte auf Israel/Palästina anwenden!
Ernst schrieb am 28.09.2010 um 09:33
Jegliche Landbesetzung wurde immer schon mit diesem glorifizierten Naturrecht begründet, daß dem eigenen Blut selbstverständlich auch den eigenen Boden zuspricht.

Und immer war dabei nichts anderes als Gewalt im Spiel, selbst wenn dort nur Tiere und Pflanzen waren.

Die treibenden Kräfte der Besatzer benötigten auch immer schon "gute, einsichtige" Argumente, um ihre Untertanen anzuspornen und die Gewaltanwendung zu rechtfertigen. Ein wichtiger Grund für die Schaffung von Rechtssytemen.

Übrigens ist es dabei gleich, ob es sich bei der Bodenbeschaffung um eine endliche unbegrenzte Fläche einer Kugel oder um eine begrenzte Fläche einer Scheibenwelt handelt - Terry Pratchett hat das ja ausführlich dokumentiert.
dame.von.welt schrieb am 27.09.2010 um 11:02
Wahrscheinlich habe ich etwas überlesen und/oder nachhaltig nicht verstanden, aber lassen Sie @j-ap, hier nicht die Eigenbezeichnung, -wahrnehmung, -durchsetzung Israels als gewünschtermaßen mehrheitlich von Juden bewohnt, als 'Judenstaat' außen vor? Und zwar nicht nur bei Theodor Herzl, sondern höchst gegenwärtig? Und mischen in Artikel wie Kommentaren Ihre persönlichen Staatsabschaffungsambitionen in Ihre Rede wider DENAntizionismus? Ich verstehe nämlich nicht, worin genau Sie staatsabschaffungsambitious den Unterschied zwischen 'Judenstaat' und 'Nationalstaat' sehen.

Disclaimer: ich verstehe unter 'Jude' einen Angehörigen m/w einer Religionsgemeinschaft, Angehörige des Staates Israel sind Israelis, darunter Muslime, Christen, Nicht- und Andersreligiöse. Die Erörterung einer 'Rasse', 'Ethnie' oder 'Autochthonie' Juden halte ich für katastrophalen Unsinn. Jede Bezweiflung des Existenzrechts Israels wie auch alle Formen und Arten 'jüdischer Verschwörung' halte ich für indiskutabel. Mich verwirren Übernahmen von Ideen und Vokabeln des 19.Jhdts seitens israelischer Regierungen, nämlich 'Judenstaat'. Mich irritieren Diskussionen in der Knesset kurz nach den Ereignissen auf der Mavi Marmara, im Laufe derer die Palästinenser ins Meer getrieben werden sollten. Mich irritieren Eigenaussagen zur IDF als 'demokratischte Armee' der Welt. Mein Großvater war Nazi und Täter. Meine Haltung hat die Menschenrechte als Leitfaden. Es ist gut möglich, daß ich den Disclaimer noch weiter ergänze.
oranier schrieb am 27.09.2010 um 22:33
"ich, wenn ich Sie wäre, täte den artikel noch mal überarbeiten, Ihren ersten eigenkommentar hineinwirken und das ganze dann fidelche als gastkommentar anbieten" (Rahab)

Dem Tipp, lieber j-ap, möchte ich mich ungern anschließen, wiewohl ich ihn in seinem Sarkasmus durchaus nachvollziehen kann. Ich halte in Freundschaft folgendes dagegen: Ich, wenn ich du wäre, würde den ganzen Quatsch klammheimlich löschen.

Ob vom "Selbstbestimmungsrecht der Völker" die Rede ist oder von "Volk", "Nation" und "Nationalstaat", von der zionistischen Konstitution des jüdischen Staates Israels oder, implizit, von der Legitimität des Anspruchs der Palästinenser auf einen Nationalstaat: das alles entbehrt dermaßen der elementaren begrifflichen, historischen, politischen und völkerrechtlichen Kenntnisse, die für die öffentliche Behandlung dieses Stoffs seriöserweise vorauszusetzen wären, dass man hier ensthaft nicht einmal inhaltlich dagegenhalten mag.

Bei einem anderen Thema ein andermal gerne wieder.

Grüße
oranier
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 10:24
und wenn schon
dann gehört dies teil
gazaflotilla.delegitimize.com/wp-content/uploads/2010/09/A.HRC.15.21_en.pdf

auch hier mit rein

um zu diskutieren, ob es gelingen kann, über den rassismus des Kant hinauszugelangen

woraus der besteht, wäre in Carl Schmitts 'Nomos der Erde' nachzulesen
- allerdings nicht zu stärkung des nachahmungsverlangens, sondern zu dessen kritischer durchleuchtung
Ernst schrieb am 28.09.2010 um 12:18
Wir können gern darüber diskutieren, ob man über Kant hinaus kommen kann.

Das übliche Verfahren nach dem Satz: " Was dein ist, ist auch mein - und was mein ist, geht dich gar nix an." steht einer Hoffnung allerdings im Weg.
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 12:41
Liebe Rahab,

Kant des Rassismus' zu zeihen ist, je nachdem, entweder mutig oder absurd.

Und warum Sie in letzter Zeit immer mit dem Carl Schmitt im Gepäck herumlaufen, hat wohl seinen Grund in einer handfesten Projektion von Ihnen: Der und sein Erd-Nomos passen nämlich exakt (und genau wie Heideggers Forderung, nur ein »Gott« könne die Menchheit der Moderne noch retten) zur Position der separierten Kulturräume, die einander zur faktischen Anerkennung veranlaßt werden durch einen ihnen übergordneten bewaffneten Notar, der die Einhaltung des Rechts beobachtet.

Wo hier als hineingeleuchtet werden solle, wäre noch zu klären.
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 13:14
zur lichtgestalt Kant

<< Immanuel Kant (1724–1804) führte das französische
Wort „Race“ in den deutschen Sprachgebrauch ein.33 Er
unterteilte die Menschheit in vier „Races“: 1. die „Race
der Weißen“, 2. die „Negerrace“, 3. die „hunnische Race“
(mungalische oder kalmuckische) und 4. die „hinduische
oder hindistanische Race“.34 Dabei zeigte Kant eine
starke Bevorzugung der „europäischen Rasse“, wenn er
etwa schreibt: „Die Menschheit ist in ihrer größten
Vollkommenheit in der Race der Weißen. Die gelben
Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger
sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Theil der
amerikanischen Völkerschaften.“35>>

Fn.34 Kant, Immanuel „Von den verschiedenen Racen der Menschen“ (1775), in: Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften
(Hrsg.), Kant’s gesammelte Schriften, Band II, Berlin 1905, S. 432.

Quelle: www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/policy_paper_10_und_welcher_rasse_gehoeren_sie_an_2_auflage.pdf
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 13:34
So, und nun blicken wir mal auf das Entstehungsjahr, als da wäre: 1775, und erinnern uns daran, daß es sich hierbei um eine anthropologische Betrachtung handelt, die keinen Niederschlag etwa bei den Kant'schen Menschenrechten fand — und packen wieder ein.
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 13:46
ha ha ha

anthropologische betrachtung

ha ha ha

Ihr scharfsinn hat erheblich gelitten
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 13:56
Dafür ist Ihrer so sehr hyperthrophiert, daß Sie mal eben aus den entlegensten Schriften zitierend Kant — und natürlich die Kantianer sowieso — einen Rassisten nennen.

Wow!
thinktankgirl schrieb am 28.09.2010 um 14:03
@j-ap

Oranier hat völlig recht:

das alles entbehrt dermaßen der elementaren begrifflichen, historischen, politischen und völkerrechtlichen Kenntnisse, die für die öffentliche Behandlung dieses Stoffs seriöserweise vorauszusetzen wären, dass man hier ensthaft nicht einmal inhaltlich dagegenhalten mag.

Diese anthropologischen Betrachtungen waren mit Charakterzuschreibungen verknüpft, wie es halt damals so üblich war. Und als der beste Menschenstamm galt der weisse. Das ist natürlich nicht rassistisch, oder?
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 14:25
Doch, ist es, thinktankgirl. Hegel ist schließlich auch ein Rassist, wenn er auf die »natürlichen Unterschiedenheit« der menschlichen Rassen zu sprechen kommt, ja sogar eine Hierarchie (!) der Wesen konstruiert, oder?

Die Frage allerdings, die damit im Raum steht, ist eine andere, nämlich: Wie konnte der Rassist Kant auf soetwas wie die allgemeinen (!) Menschenrechte kommen? Wie konnte der Rassist Hegel auf das allgemeine Gesetz in der Geschichte kommen? Sind alle Kantianer und Hegelianer Rassisten?
ed2murrow schrieb am 28.09.2010 um 14:53
@ TTG

Auf der einen Seite eine völlig blutleere Aburteilung aus dem Elfenbeinturm zur Selbstvergewisserung benutzend (... hat völlig recht...), um dann eine hinterfotzige wie nichtsnutze Frage zu stellen (Das ist natürlich nicht rassistisch), ist schon reichlich unverschämt. Fragen Sie sich lieber selbst, seit wann es die Notion des "Rassismus" gibt und welche diversen Spielarten es einer solchen Notion gibt. Und zwar hier und heute!

Sie selbst spielen mit Schubladen, in die Sie ad libitum ihnen nicht genehme Meinungen samt deren Personal stecken, statt sich mit den provoziert gewollten und so in den Raum gestellten Fragen auseinander zu setzen. Es ist schon arg, wie da a priori (ab)gewürgt wird.
thinktankgirl schrieb am 28.09.2010 um 15:14
Die Frage allerdings, die damit im Raum steht, ist eine andere, nämlich: Wie konnte der Rassist Kant auf soetwas wie die allgemeinen (!) Menschenrechte kommen? Wie konnte der Rassist Hegel auf das allgemeine Gesetz in der Geschichte kommen? Sind alle Kantianer und Hegelianer Rassisten?

Das ist wie mit Silvio Gesell: es sind alles Kinder ihrer Zeit, in der gewisse Moden vorherrschten, die heute in einem kritischen Licht betrachtet werden. Und trotzdem brachten sie beachtenswerte Ideen und Gedanken hervor, obwohl sie Frauen als Wesen ohne Vernunft, Farbige als geistig rückständig betrachteten.
Und wenn ich mich richtig erinnere, schlossen die damaligen allgemeinen Menschenrechte Frauen nicht ein.
thinktankgirl schrieb am 28.09.2010 um 15:20
@e2m

Nein, mein Lieber, das ist nicht unverschämt, sondern mein geschichtliches Wissen.

Wenn Ihnen jedoch meine Frage hinterfotzig und unnütz vorkommt, sind Sie vielleicht in den Tabu-Blogs besser aufgehoben, da pflegt man den von Ihnen gebrauchten Diskursstil.

Habe die Ehre!
ed2murrow schrieb am 28.09.2010 um 15:23
Zur Kenntnis genommen und an den Absender zurückgeschickt. e2m
ed2murrow schrieb am 28.09.2010 um 15:24
letto e rispedito al mittente
e2m
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.09.2010 um 22:11
@thinktankgirl ("Kind ihrer Zeit")

1)An welche "gewisse Moden" in welchen Zeiten "denken" Sie und welche "beachtenswerten Ideen und Gedanken" sehen Sie bei Silvio Gesell?
2) Sehen Sie auch bei Thilo Sarrazin "beachtenswerte Ideen und Gedanken"?

Belustigte Grüße
mb
thinktankgirl schrieb am 29.09.2010 um 10:26

manfred-breitenberger schrieb am 28.09.2010 um 22:11
@thinktankgirl ("Kind ihrer Zeit")

1)An welche "gewisse Moden" in welchen Zeiten "denken" Sie und welche "beachtenswerten Ideen und Gedanken" sehen Sie bei Silvio Gesell?
2) Sehen Sie auch bei Thilo Sarrazin "beachtenswerte Ideen und Gedanken"?

Belustigte Grüße
mb


Ich habe dir schon mal gesagt, daß ich nur gegen Bezahlung Nachhilfe gebe.
hibou schrieb am 29.09.2010 um 10:53
"sind Sie vielleicht in den Tabu-Blogs besser aufgehoben..." Tabu-Blogs? Wo? Wo? Bitte n link!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 29.09.2010 um 16:23
@thinktankgirl am 29.09.2010 um 10:26

Nein danke, Nachhilfe ist nicht nötig. Wer bei Silvio Gesell "beachtenswerte Ideen und Gedanken" findet und offenbar nicht weiß, dass seine Menschenzuchttheorien kompatibel mit NS-Mutterkreuz und NS-Lebensborn sind, hat nicht die Qualifikation mir Nachhilfe zu geben.
Thilo Sarrazin Aussagen sind im Vergleich zu Silvio Gesells sozialdarwinistischen, antisemitischen und völkischen Ansichten geradezu lächerlich. Sehr eigenartig ist in dem Zusammenhang, dass sich viele User hier in dieser Community über Sarazin aufregen. Warum eigentlich? Thilo Sarrazin ist doch auch nur ein „Kind seiner Zeit“!

m.b.
thinktankgirl schrieb am 29.09.2010 um 23:13
@breitenberger

Süsser, ist dir schon mal die Idee gekommen, daß dein Weltbild völliger Murks ist?
thinktankgirl schrieb am 29.09.2010 um 23:40
@breitenberger

Süsser, ist dir schon mal die Idee gekommen, daß dein Weltbild völliger Murks ist?

Belege doch einfach mal, wo Gesell Mutterkreuz und Lebensborn propagiert. Wenn dir die Phantasie durchgeht , ist das nicht mein Problem (will heissen, ich bin nicht für deine kruden Assoziationen verantwortlich)!

Habe die Ehre!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.09.2010 um 10:39
@thinktankgirl am 29.09.2010 um 23:40

Mit der Anmache „Süsser“ können Sie vielleicht in ihren "Kreisen" Kontakte knüpfen, bei mir „punkten“ Sie damit nicht. Nachhilfe bezüglich Silvio Gesell kann ich ihnen leider nicht kostenlos geben. Bei ihrem „Wissen“ dürfte sich der Zeitaufwand einer Nachhilfe ins Unermessliche steigern und von daher „unbezahlbar“ sein. Da Sie mir mittlerweile leidtun, kopiere ich ihnen einige Zitate von Silvio Gesell aus den Tabublogs. Ob Sie diese Zitate als „beachtenswerte Ideen und Gedanken“ definieren oder ob Sie dann den Zusammenhang von Silvio Gesells Theorien mit NS-Mutterkreuz und NS-Lebensborn erkennen, bleibt dann ihrer Intelligenz überlassen. Falls Sie wenig oder nichts über die Bedeutung von NS-Mutterkreuz und NS-Lebensborn wissen, wovon ich ausgehe, können Sie dies sehr gut in den Tabublogs nachholen.

Zitate und Begrifflichkeiten von Silvio Gesell:

"Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“…

„So viel Krankhaftes auch der Auslesebetätigung der Natur durch die Fortpflanzung der Fehlerhaften zugeführt wird, sie wird es bewältigen. Die ärztliche Kunst kann dann die Hochzucht nur verlangsamen, nicht aufhalten.“…

„Denn eine Teilung des Volkes in hohe, mittlere und niedre Schichten bedeutet völkischen Verfall. Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran. Wer noch etwas rassisches, völkisches Empfinden verspürt, der gehe in sich, tue Buße; der gestehe, dass er und seine Ahnen Verrat begingen am eigenen Volk, am eigenen Blut. Der wahrhaft völkisch gesinnte Mensch, der den Klassengeist hasst und ein schönes Volksleben sehen möchte – wie man vielleicht ahnen kann, aber noch nie erlebt hat“...

Sie kannten meine Ziele, die den Kapitalismus, die Zinsknechtschaft bekämpfen, aber eben so sehr den Kommunismus die Gemeinwirtschaft“…

„Hochzucht des Menschengeschlechts“ …

„Zuchtwahlrecht der Frauen“ …
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.09.2010 um 10:48
@thinktankgirl

Noch etwas, „Panzermädchen“,
Elmar Altvater schreibt auch im "Freitag", dürfte von daher nicht als Antideutscher oder gar Konkret-Autor angesehen werden. Elmar Altvater schreibt über Silvio Gesell:
„… Die Nazis beispielsweise geißelten das „raffende“ und akzeptierten das „schaffende“ Kapital. Zu bestreiten ist aber, dass diese Interpretationsfigur in der modernen globalisierungskritischen Bewegung eine wichtige Rolle spielt. Eine Tendenz allerdings, die in der globalisierungskritischen Bewegung auf gewisse Sympathie stößt, hat in ihrer Geschichte eine Nähe zum Nationalsozialismus nicht immer vermieden. Es geht um die „Gesellianer“, so genannt, weil sich die Strömung vor allem auf die „Freiwirtschaftstheorie“ von Silvio Gesell bezieht (Gesell 1920).[..]
Freiland ist eine Utopie, die im ausgehenden XIX und im ersten Drittel des XX Jahrhunderts weit verbreitet war. Der Arzt und spätere Soziologe Franz Oppenheimer verfolgte diese Idee ebenso wie der „linke“ Nationalsozialist und Autor des Parteiprogramms der Nazis aus den frühen 20er Jahren, Gottfried Feder [..]
Daher ist es kein Zufall oder bedauerliche Entgleisung einzelner, wenn Vertreter der Freiwirtschaftslehre nach der Machtergreifung von 1933 mit den Nazis gemeinsame Sache zu machen versuchten. Die ideologischen Grundlagen waren ja gegeben: Die Naturalisierung des Wettbewerbs, des Kampfes in einem Prozess der natürlichen Auslese, die Offenheit der Bodenfrage zu Blut-und-Boden-Interpretationen, die Verteufelung des Zinses auf „raffendes Kapital“, die Überhöhung des Individuums zum hochgezüchteten Über-Menschen, die Auffassung der Frau als Mutter. Viele Gesellianer haben mit den Nazis kollaboriert. Eine der schillerndsten Figuren unter ihnen ist Otto Lautenbach, einst Vorstandsmitglied des Freiwirtschaftsbundes. [..]

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, verehrtes Panzermädchen, das Sie mit ihren Thesen über Silvio Gesell zu einer Belastung für den "Freitag" werden könnten?

m.b.
Rahab schrieb am 30.09.2010 um 10:56
es wird langsam lästig!

ttg stellt nach wie vor die frage, woher die idee der naturalisierung stammt - im gegensatz zu den 'fidelianern', welche diese idee selbst fleissig weiterbetreiben, nur unter etwas anderen vorzeichen.

ich will mal hoffen, dass Altvater gegen ersteres weniger einwände zu erheben hat als gegen letzteres. wenn doch, dann ... ist auch Altvater "ein Kind seiner Zeit".
Uwe Theel schrieb am 30.09.2010 um 11:00
@ hibou schrieb am 29.09.2010 um 10:53
"sind Sie vielleicht in den Tabu-Blogs besser aufgehoben..." Tabu-Blogs? Wo? Wo? Bitte n link!

Werter Hibou,

wie dumm darf man sich eigentlich stellen zum Zwecke der Provokation?

Was die "Tabu-Blogs" sind hat Jan Jasper Kosock schon vor einiger Zeit hier in der FC eindeutig klar gemacht und veröffentlicht. Welche "Folgen" es hat, auf diese hier zu verlinken ist ebenso Allgemeingut des Wissens in der FC.

Wenn man lesen kann ist man eindeutig im Vorteil. Wenn man verstehen will ist man seriös.

Manchmal können auch Fragen dumm sein.
thinktankgirl schrieb am 30.09.2010 um 14:13
@breitenberger aka fidelche

Also muss ich doch Nachhilfe geben:

In den obigen Zitaten von Gesell fehlt das Entscheidende, um ihn mit der Nazi-Ideologie zu verbinden, nämlich die arische/kaukasische/oder_was_auch_immer Rasse, als höher- und den Rest als minderwertig zu klassifizieren.
Gesells Hochzucht betrifft das ganze Menschengeschlecht und dahinter verbirgt sich die Entwicklungsidee des Hegelschen Weltgeistes, der sein biologisches Pendant in der Darwinschen Evolutionstheorie gefunden hatte, die wiederum Gesell und seine Zeigenossen beeinflusst hatte.

Im Unterschied zu den Nazis wünscht sich Gesell für alle Menschen eine Höherentwicklung wie auch seine Mutterrente für alle Mütter gelten soll:

"6. Das Pachtgeld fließt in die Staatskasse und wird restlos in Monatsbeträgen unter die
Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt. Keine Mutter, einerlei woher sie kommt, kann
von diesen Bezügen ausgeschlossen werden."

Zudem habe ich bis jetzt kein Zitat von Gesell gesehen, in dem er sich gegen die Juden ausspricht, im Gegenteil:

-Hat Herr Stöcker ein Recht die Juden zu verfolgen? Ist nicht das Geld eine öffentliche Einrichtung? Kann nicht jeder, wenn er dazu befähigt ist, den Juden Konkurrenz machen? Die Judenhetzerei ist eine kolossale Ungerechtigkeit und eine Folge einer ungerechten Einrichtung, eine Folge des heutigen Münzwesens.

- Wäre dieser Schachergeist ein spezifischer Charakterzug der Juden (was er nach unserer Beobachtung durchaus nicht ist), so könnte man die Behauptung der Antisemiten, dass das deutsche Volk verjüdelt sei, gelten lassen. Aber die ‚Verjüdelung’ haben weniger die Juden als die Reichsbank verursacht.


Auch spricht er sich gegen Rassenreinheit aus:

Die von mancher Seite angestrebte Rassereinheit mag für viele Dinge, namentlich für die Uniform- und Schuhleistenfabriken einen Vorteil haben, hat aber auch wieder manchen Nachteil. Die Menschheit braucht eine möglichst große Mannigfaltigkeit in den körperlichen und geistigen Eigenschaften; das besorgt schon allein die Arbeitsteilung. … Die Erfahrung spricht also eher für als gegen die Rassenmischung. …

Zudem hatte Gesell einen universalistischen Menschenbegriff:

2. Der Erde, der Erdkugel gegenüber sollen alle Menschen gleichberechtigt sein, und
unter Menschen verstehen wir ausnahmslos alle Menschen - ohne Unterschied der Rasse,
der Religion, der Bildung und körperlichen Verfassung.


Er unterscheidet den Wert der Menschen nicht nach der Rasse!

Also belästige mich nicht weiter mit deinen unausgegorenen Assoziationen und wenn du ein Haßobjekt brauchst, suche dir mal ein paar echte Neonazis. Aber dort traust du dich ja nicht, dein Maul aufzumachen.
thinktankgirl schrieb am 30.09.2010 um 15:49
@breitenberger aka fidelche aka thinktankboy aka Süsser

Nach Elmar Altvater:

„… Die Nazis beispielsweise geißelten das „raffende“ und akzeptierten das „schaffende“ Kapital. [...] Die Naturalisierung des Wettbewerbs, des Kampfes in einem Prozess der natürlichen Auslese, die Offenheit der Bodenfrage zu Blut-und-Boden-Interpretationen, die Verteufelung des Zinses auf „raffendes Kapital“, die Überhöhung des Individuums zum hochgezüchteten Über-Menschen, die Auffassung der Frau als Mutter.

„… Die Nazis beispielsweise geißelten das „raffende“ und akzeptierten das „schaffende“ Kapital.

Die Nazis schrieben das Raffende dem jüdischen Charakter zu, während Gesell schreibt:

    Dem aufmerksamen Beobachter entgeht es nicht, dass der Sinn für den Wucher, den Schacher, das Glücksspiel, das arbeitslose Einkommen im deutschen Volke mächtig im Zunehmen begriffen ist. Wäre dieser Schachergeist ein spezifischer Charakterzug der Juden (was er nach unserer Beobachtung durchaus nicht ist), so könnte man die Behauptung der Antisemiten, dass das deutsche Volk verjüdelt sei, gelten lassen. Aber die ‚Verjüdelung’ haben weniger die Juden als die Reichsbank verursacht.


Gesell verneint explizit, daß der Schachergeist ein jüdischer Charakterzug sei, und steht somit im Gegensatz zur Nazi-Ideologie!

Die Naturalisierung des Wettbewerbs, des Kampfes in einem Prozess der natürlichen Auslese

Die Naturalisierung des Wettbewerbes geht auf die Evolutionstherorie zurück. Jede Kolonialmacht rechtfertigte damit ihre Expansionsgelüste. Das ist nicht nazi-spezifisch, sondern war damals wissenschaftlicher Standard. Entsprechende Anlehnungen finden sich auch bei Marx und anderen linken Denker.

die Offenheit der Bodenfrage zu Blut-und-Boden-Interpretationen,

Auch hier gibt es ein Zitat von Gesell, das im Gegenteil zur Blut- und Boden-Ideologie das universalistische Prinzip vertritt:

    Der Erde, der Erdkugel gegenüber sollen alle Menschen gleichberechtigt sein, und
    unter Menschen verstehen wir ausnahmslos alle Menschen - ohne Unterschied der Rasse,
    der Religion, der Bildung und körperlichen Verfassung. Jeder soll dorthin ziehen können,
    wohin ihn sein Wille, sein Herz oder seine Gesundheit treibt. Und dort soll er den Altangesessenen
    gegenüber die gleichen Rechte auf den Boden haben. Kein Einzelmensch,
    kein Staat, keine Gesellschaft soll das geringste Vorrecht haben. Wir alle sind Altangesessene
    dieser Erde.


die Verteufelung des Zinses auf „raffendes Kapital“

siehe oben, Gesell schreibt das raffende Kapital nicht den Juden zu und ist somit nicht strukturell antisemitisch.

die Überhöhung des Individuums zum hochgezüchteten Über-Menschen

Wo spricht Gesell vom Übermenschen?

, die Auffassung der Frau als Mutter.

Damit lag er völlig im Trend seiner Zeit. Es soll heute sogar noch Menschen geben, die das Muttersein als edelste Aufgabe der Frau sehen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.09.2010 um 17:23
@ thinktankgirl

Ruhig Blut, Panzermädchen! Ich schlage vor, sich ein bisschen mehr an den gesellschaftlich relevanten Umgangsformen und an der Netiquette des Freitag zu orientieren. Für ihre Verwirrtheit bin nicht ich verantwortlich. Wenn Sie "beachtenswerte Ideen und Gedanken" bei Gesell feststellen und seine Theorien scheinbar als emanzipatorisch (so wird zumindest in den Tabublogs und auch weit darüber hinaus berichtet) empfinden, müssen Sie sich nicht wundern unangenehmen Fragen ausgesetzt zu werden. Inwieweit ich mich mit Neonazis auseinandersetzte können Sie nicht wissen, ihre Aussage darüber ist wieder einmal eine Unterstellung oder haben Sie irgendwelche Kontakte zu übersinnlichen Kräften, wie etwa „weiblichen Göttlichen“? Für eine NeoNaziBraut halte ich Sie keineswegs, nur für ein sehr verwirrtes ungezogenes Panzermädchen. Ein vorerst letztes Mal antworte ich ihnen nun, da ich bezweifle, dass Sie in Lage sind folgenden Text überhaupt zu verstehen. Ich bin mit Peter Bierl der festen Überzeugung, dass der 1930 verstorbene Silvio Gesell mit seinen Menschenzuchttheorien Wegbereiter für Teile der NS-Ideologie war:

„Anfangen werde ich mit der Ideologie Silvio Gesells und seiner heutigen Vertreter, die eine ökonomisch absurde Theorie vertreten, die strukturell antisemitisch ist, auf Manchester-Kapitalismus und Sozialdarwinismus hinausläuft und deren Ziel eine Art Rassenhygiene und Menschenzüchtung ist.

Im Ersten Weltkrieg erwog Gesell als Freiwilliger ins deutsche Heer einzutreten, zog sich dann aber auf sein Schweizer Landgut zurück. Im April 1919 bekleidete er einige Tage den Posteneines „Volksbeauftragten für Finanzen“ in der ersten bayerischen Räteregierung, die von sozialistischen und anarchistischen Gruppen getragen wurde. In den folgenden Jahren gewann Gesell eine kleine aber beharrliche Anhängerschaft für seine Lehre, überwiegend aus dem Milieuder Lebensreformbewegung, einer bürgerlichen Umweltbewegung um 1900. Diese Szene pflegte eine konservativ-romantische Kritik an Industrialisierung und Urbanisierung. Die Lebensreformbewegung propagierte ein einfaches, natürliches Leben, gesunde Ernährung, frische Luft und Bewegung, Abstinenz von Alkohol und Nikotin, eine nordische Freikörperkultur statt Erotik plus Rassenhygiene und Eugenik, also eine Menschenzucht, die sich am Ideal blond, groß, muskulös orientierte. Diese bürgerliche Protestbewegung lieferte den Nazis Ideen und Personal. Der führende NS-Rassenhygieniker Alfred Ploetz kam aus der Lebensreformbewegung, der Eugeniker und Antisemit Theodor Fritsch engagierte sich in der Gartenstadt-Bewegung. Gesell kooperierte mit solchen völkischen Antisemiten. Einer der engsten Mitarbeiter Gesells war der Ernährungsreformer Gustav Simons. Simons war Mitglied des „Ordens des Neuen Tempels“ von Lanz von Liebenfels, der Antisemitismus, Arierwahn und Germanenmythen verknüpfte und die Hakenkreuzfahne führte. 1895 war Simons auch Gründungsmitglied der Lebensreformer-Obstbaugenossenschaft Oranienburg-Eden bei Berlin. In einem Programmheft von Eden heißt es 1917: Zum „natürlichen“ Leben in der Siedlung sei vegetarische Ernährung und „deutschvölkische Gesinnung Voraussetzung. Und dazu befähigt nur deutsches Ariertum“. Gesell zog 1911 erstmals nach Eden, wo er auch seine letzten Jahre verbrachte. 1918 beteiligte sich Gesell mit einem Text an dem Buch „Deutschlands Wiedergeburt durch Blut und Eisen“, das Richard Ungewitter herausgab. Gesells Beitrag trug den Titel „Die Überwindung des Goldwahns und die Zertrümmerung der britischen Weltmacht“. Weitere Autoren waren Ernst Hunkel, Theodor Fritsch und Lanz von Liebenfels. Fritsch war der Autor des Antisemiten- Katechismus „Handbuch der Judenfrage“, Hunkel gründete die völkische Freilandsiedlung „Donnershag“ in Hessen, die nur Personen aufnahm, die „von jüdischem und farbigem Einschlag frei“ sein sollten. In Hunkels Jungborn-Verlag wurden auch Schriften Gesells herausgegeben. Einer anderer von Gesells engsten Mitarbeitern, Rolf Engert, formulierte 1919 prägnant: „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtschaft.“

Bei Gesell bedeutet Mehrwert nur Zinsen und Renten. Er stellt sich ausdrücklich in die Tradition von Pierre-Joseph Proudhon (1809-65), einem französischen Anarchisten. Der hatte schon behauptet, das Problem des Kapitalismus liege in der Zirkulation, knappes Geld lähme Produktion und Austausch. Schuld seien die Geldbesitzer, die dieses Tauschmittel horten, um Zinsen zu kassieren.

Gesellianismus ist radikaler Marktliberalismus, Thatcherismus pur. Zwar verspricht der Kaufmann, durch den Wegfall der Zinsen und Renten würden sich alle Einkommen erhöhen. Verteilt werden solle aber „nach den Gesetzen des Wettbewerbs“ gemäß dem Prinzip: „Dem Tüchtigsten der höchste Arbeitsertrag.“ Gesell redete denn auch von einer Rückkehr zu einem Manchester-Kapitalismus, allerdings ohne Rentiers und Grundeigentümer. Das schließt die Ausgrenzung von Menschen ein, die als unproduktiv angesehen werden. Der Gesellianer und Anarchist Klaus Schmitt spricht von einer Wirtschaftsordnung, die das „eigennützige Streben der Menschen nutzt und die tüchtigen Produzenten belohnt und nicht die unproduktiven Geldverleiher, Grundeigentümer und andere Parasiten bereichert“. Eine solche Diffamierung von Menschen als Parasiten kann sich auch gegen Flüchtlinge, Sozialhilfeempfänger, Erwerbslose, Behinderte, Alte und Kranke richten. Gesell selber spricht nicht nur von Geldbesitzern sondern ausdrücklich auch von „Arbeitsscheuen“ und „Bummelanten“. In der Gesellschen Utopie wären diese Menschen auf Almosen angewiesen, denn sozialstaatliche Komponenten hat er nicht vorgesehen.

Boden ist begrenzt und kann deshalb, so Gesell, wie Geld dazu genutzt werden, ein arbeitsloses Einkommen zu erzielen: Der Geldbesitzer erpresst einen Zins, der Grundeigentümer eine Bodenrente. Gesell will deshalb das Privateigentum an Boden abschaffen, das Land soll „Freiland“ werden. Dies werde dazu führen, dass staatliche Grenzen abgebaut würden und der allgemeine Friede gesichert wäre, weil Staaten nicht mehr um Territorien kämpfen würden. Jeder solle das Recht auf völlige Freizügigkeit genießen und dürfe überall so viel Boden pachten, wie er bebauen könne. Dieses Recht ist allerdings bürgerlich-formal: Verpachtet wird an den Meistbietenden. Silvio Gesell unterstellt, dass sich das Freiland-Prinzip dank seiner ökonomischen Vorzüge weltweit ausbreiten wird. Staaten, die sich weigern und weiter Monopolgewinne ermöglichen, würden, so schreibt er, „die Arbeitsscheuen der ganzen Welt ins Land ziehen... Alle Bummler, Sonnenbrüder und Zigeuner würden dorthin ziehen, wo man die Bodenschätze an das Ausland mit Renten belastet abgibt.“ Das ist nicht nur sozialrassistisch, sondern es bleibt offen, wie die Arbeitsscheuen, Bummelanten und Zigeuner, gegen die Gesell hetzt, als Einwanderer in Staaten ohne Freiland plötzlich zu Grundbesitzern aufsteigen, die Bodenrente kassieren. Der Arbeitsertrag aus dem Freiland fungiert als „Höchst- und Mindestmaß des allgemeinen Arbeitslohnes“. Sinkt der angebotene Lohn unter diesen Ertrag, mutieren die Proleten einfach zu Pachtbauern. Mehr Lohn als die Bauern können und sollen die Arbeiter aber nicht bekommen. Klassenkampf und Streik lehnt Gesell strikt ab. Freiland solle die „einzige Stütze bei Lohnverhandlungen“ sein. Konkret meinte er, weiße, männliche, europäische Proletarier sollten auswandern. Das „freie Land“, das Gesell meinte, war angeblich „herrenloses“ Land in Amerika, Afrika und Asien. Das ist kolonialistische Zweckpropaganda: Nirgendwo war das Land herrenlos. In Argentinien vertrieb das Militär im 19. Jahrhundert die indianische Bevölkerung von ihrem Land, bevor es von weißen Siedlern in Besitz genommen wurde.

Freiland, Freihandel und Freigeld bilden laut Gesell die Elemente einer „natürlichen Wirtschaftsordnung“. Er rühmt diese als „eine Ordnung, in der die Menschen den Wettstreit mit der ihnen von der Natur verliehenen Ausrüstung auf vollkommener Ebene auszufechten haben, wo darum dem Tüchtigsten die Führung zufällt, wo jedes Vorrecht aufgehoben ist und der Einzelne, dem Eigennutz folgend, geradeaus auf sein Ziel lossteuert, ohne sich in seiner Tatkraft durch Rücksichten ankränkeln zu lassen...“ Der „Marx der Anarchisten“ (Schmitt) entpuppt sich als Sozialdarwinist und Liberaler: „Diese natürliche Wirtschaftsordnung“, fährt Gesell fort, „könnte man auch als, Manchestertum bezeichnen, jene Ordnung, die den wahrhaft freien Geistern immer als Ziel vorgeschwebt hat... Die Manchesterschule war auf dem richtigen Wege, und auch das, was man von Darwin her später in diese Lehre hineintrug, war richtig.“ Nur was Gesell als Fehler des Manchesterkapitalismus ansieht, Privilegien des Grund- und Geldbesitzes zu akzeptieren, will er korrigieren, um das eigentliche Ziel, die Höherzüchtung der Menschheit, zu garantieren: „Die Auslese durch den freien, von keinerlei Vorrecht mehr gefälschtem Wettstreit wird in der Natürlichen Wirtschaftsordnung vollständig von der persönlichen Arbeitsleistung geleitet... Denn die Arbeit ist die einzige Waffe des gesitteten Menschen in seinem, Kampfe ums Dasein`. (...) Doch steht es außerhalb jedes Zweifels, daß der freie Wettbewerb den Tüchtigen begünstigt und seine stärkere Fortpflanzung zur Folge hat.“ Eine solche „Rassenpolitik“, schreibt Gesell, „darf nicht an Staaten, Landesgrenzen, an Staatsgesetze gebunden werden. Rassenpolitik ist ureigene Angelegenheit jedes einzelnen Menschen“. Diese „Rassenpolitik“ leitet Gesell aus angeblich ewigen Naturgesetzen ab: „Diese Gesetze aber wollen den Wettstreit. Nur auf dem Wege des Wettbewerbs, der sich überwiegend auf wirtschaftlichem Gebiete abspielt, kann es zur förderlichen Entwicklung, zur Hochzucht kommen. Wer daher die Zuchtgesetze der Natur in ihrer vollen, wundertätigen Wirksamkeit erhalten will, muss die Wirtschaftsordnung darauf anlegen, daß sich der Wettbewerb auch wirklich so abspielt, wie es die Natur will, d.h. mit der von ihr gelieferten Ausrüstung, unter gänzlicher Ausschaltung von Vorrechten. Der Erfolg des Wettstreites muss ausschließlich von angeborenen Eigenschaften bedingt sein, denn nur so wird die Ursache des Erfolges auf die Nachkommen vererbt... Dann darf man hoffen, daß mit der Zeit die Menschheit von all dem Minderwertigen erlöst werden wird, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht sie belastet hat, daß die Herrschaft den Händen der Bevorrechteten entrissen werden und die Menschheit unter Führung der Edelsten den schon lange unterbrochenen Aufstieg zu göttlichen Zielen wieder aufnehmen wird.“ Auch das Freiland-Konzept dient eugenischen Zielen. Die Pachtzahlung erfolgt zunächst an den Staat „und wird restlos an die Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt“, als „Mutterrente“. Die „Rückkehr der Frau zur Landwirtschaft“ ist laut Gesell „die glücklichste Lösung der Frauenfrage“. Die „Vorrechte bei den Geschlechtern“ sind aufgehoben, die Grundrente als ökonomische Sicherheit gewährt den Frauen „das freie Wahlrecht... und zwar nicht das inhaltsleere politische Wahlrecht, sondern das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb der Natur.“ Die Frauen würden den schädlichen Einfluss der Medizin ausgleichen, die die „Erhaltung und Fortpflanzung der fehlerhaft geborenen Menschen“ bewirkt. „So viel Krankhaftes auch der Auslesebetätigung der Natur durch die Fortpflanzung der Fehlerhaften zugeführt wird, sie wird es bewältigen. Die ärztliche Kunst kann dann die Hochzucht nur verlangsamen, nicht aufhalten.“ In dem Roman „Der abgebaute Staat“ (1927) betont Gesell die Züchtung von „Kraft, Gesundheit, Geist, Schönheit“ als gesellschaftliche Ziele. Frauen haben sich dem unterzuordnen, Verhütung ist schlecht, weil es dann an menschlichem „Auslesematerial“ mangelt. In seiner Utopie würden Frauen in speziellen Gemeinschaften ihre Kinder erziehen und von Zeit zu Zeit auf Reisen gehen, um eugenisch wertvolle Männer zu suchen und sich von ihnen erneut schwängern zu lassen. Die rassenhygienischen Ideen werden bis heute von Gesellianern vertreten, von den meisten allerdings verbrämt, etwa von Margrit Kennedy. Sie stellte in einem Beitrag für den Gesundheitsberater, das Heft des braunen Müslipapstes und ehemaligen SA-Mannes Max Otto Bruker, Gesells Konzept als „Lastenausgleich“ für Kindererziehung dar. Regina Schwarz vom Kölner „Netzwerk gegen Konzernherrschaft“, einer Mitgliedsorganisation von Attac, und Mitbegründerin des Kölner Sozialforums, präsentierte im Infobrief des Netzwerks im Januar 2003 die Lehre Gesells. Sie behauptet, Gesell habe ein ”Entgelt für Erziehungsleistungen” vorgeschlagen, um die Frauen aus der ökonomischen Abhängigkeit der Männer zu befreien. Dass dessen” Lösung der Frauenfrage” mit NS-Lebensborn und Mutterkreuz kompatibel ist, verschleiert Regina Schwarz. Werner Onken berichtet über Gesells Bodenreform-Pläne und schreibt, die „freie Liebe“ würde endlich verwirklicht, weil alle Mütter nach der Zahl ihrer Kinder ein Entgelt aus den Pachterträgen bekämen. „Die vom Kapitalismus körperlich, seelisch und geistig krank gemachte Menschheit (wird) in einer (...) freien, natürlichen Wirtschaftsordnung allmählich wieder gesund werden und zu einer neuen Kulturblüte aufsteigen können“, fasst Onken die angeblichen Ziele Gesells zusammen. Auch dieser Text wurde im Infobrief des „Netzwerks gegen Konzernherrschaft“ veröffentlicht. Das ist die Gruppe um die Ökofeministin Maria Mies. Ich frage mich, ob sie nicht wissen, mit wem sie kooperieren oder ob sie diese sozialdarwinistischen und patriarchalen Menschenzucht-Phantasien für kompatibel mit ihrer eigenen reaktionären Subsistenz-Perspektive halten. Ganz offen vertritt die Menschenzucht-Perspektive der schon erwähnte Anarchist Klaus Schmitt: „Immerhin ist dieser Gedanke einer für die Gesunderhaltung des Erbguts und für die Evolution der menschlichen Art vorteilhaften und von den betroffenen Individuen selbstbestimmten Eugenik eine diskutable Alternative zu den auf uns zukommenden, von Staat und Kapital fremdbestimmten Genmanipulationen.“ Das sei, behauptet Schmitt, keine Spur rassistisch, weil es nicht um die „,Aufnordung` einer bestimmten Rasse“ gehe, sondern „um die Fortentwicklung der gesamten Gattung Mensch.“ Leider, so Schmitt, seien die „ausdrücklich staatsfreien und naturverbundenen Eugenik- und Wahlzuchtvorstellungen... heute in linken Kreisen äußerst verpönt“. Die Kritik der Linken schiebt er einer „lust- und lebensfeindlichen, aus christlich-masochistischer Moral gespeister Ideologie“ zu. Dabei sollten wir zur Kenntnis nehmen, daß „durch den Schutzraum der Kultur (ist) der Ausleseprozess ausgeschaltet, die weiterwirkenden Mutationen führen jedoch zur überwiegend negativen Veränderung der menschlichen Natur: zu Domestikationserscheinungen“. Genauso formulierte schon 1943 der Nazibiologe Konrad Lorenz, bei dem sich Schmitt in seinem Buch ausdrücklich bedankt.“
thinktankgirl schrieb am 30.09.2010 um 17:54
@breitenberger

Bierl sieht es so, ich sehe es anders.

Das nennt sich eigenständiges Denken.

Apropos, haste gelegentlich auch mal eigene Gedanken oder kannste nur copy & paste?

Vielleicht solltest du dir mal ein Zweitbuch kaufen, um deinen Horizont zu erweitern.
thinktankgirl schrieb am 30.09.2010 um 18:25
Bierl schreibt einen ziemlichen Murks über die Lebensreformbewegung. Schon die Zeitangabe ist falsch!
Der Rest scheint auch nicht besser zu sein.

Ich habe mich mal mit dem Thema ziemlich ausführlich beschäftigt und lege dir mal meine Literaturliste bei, damit du dir ein Zweitbuch aussuchen kannst.
Ja, ich habe jedes Buch in der Hand gehabt, habe jedes tlws. oder vollständig gelesen:

    Alimadad-Mensch, Faranak: Gabrielle Reuter. Porträt einer Schriftstellerin. Bern 1984 (=Europäische Hochschulschriften. Reihe 1. Dtsch. Sprache und Literatur. Bd.674)

    Anz, Thomas / Stark, Michael (Hrsg.): Expressionismus. Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur 1910-1920. Stuttgart 1982

    Anz, Thomas: Jemand mußte Otto G. verleumdet haben. In: Akzente, Zeitschrift für Literatur, hrsg. v. Michael Krüger, 31.Jg., 1984, H.2, S. 184-192

    Barck, Karlheinz / Schleustedt, Dieter / Thierse, Wolfgang (Hrsg.): Künstlerische Avantgarde. Annäherungen an ein unabgeschlossenes Kapitel. Berlin 1979

    Bergmann, Klaus: Agrarromantik und Großstadtfeindschaft. Meisenheim 1970 (= Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft 20)

    Best, Otto F. und Hans-Jürgen Schmitt (Hrsg.): Die deutsche Literatur. Ein Abriß in Text und Darstellung. 16 Bde. Stuttgart 1980

    Bettex, Albert: Spiegelungen der Schweiz in der deutschen Literatur 1870-1950. Zürich 1954

    Birkner-Gossen, Nicoletta und Othmar: Zur Baugeschichte von Monte Verità. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 121-125

    Bock, Hans Manfred und Florian Tennstedt: Raphael Friedeberg. Arzt und Anarchist in Ascona. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 38-53

    Broggini, Romano: Anarchie und Befreiungsbewegungen um 1872 in der Gegend von Locarno. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 15-25

    Arbeiterassoziation. Hausen am Albis 1976

    Delius, Rudolf von: Mary Wigman. Dresden 1925

    Demetz, Peter: Worte in Freiheit. Der literarische Futurismus und die deutsche literarische Avantgarde. 1912-1934. München/Zürich 1990

    Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart 1979

    Deutsches Literaturlexikon. Biographisch-Bibliographisches Handbuch. 20 Bd. Bern 1968-1997

    Druvins, Ute: Alternative Projekte um 1900. Utopie und Realität auf dem ‘Monte Verità’ und in der ‘Neuen Gemeinschaft’. In: Literarische Utopie-Entwürfe, hrsg. v. Hiltrud Gnüg, Frankfurt 1982, S. 236-249

    Egger, Eugen: Hugo Ball. Ein Weg aus dem Chaos. Olten 1951

    Ellmann, Richard: James Joyce. Zürich 1959

    Fäthke, Bernd: Marianne Werefkin. Leben und Werk 1860 - 1938. München 1988

    Forster, Margaret: Daphne du Maurier. Ein Leben. Zürich / Hamburg 1994

    Franz, Marie-Louise von: C. G. Jung. Sein Mythos in unserer Zeit. Frauenfeld / Stuttgart 1972

    Frecot, Janos / Geist, Johann Friedrich / Kerbs, Diethard: FIDUS 1868-1948. Zur ästethischen Praxis bürgerlicher Fluchtbewegungen. München 1972

    Frecot, Janos: Die Lebensreformbewegung. In: Das wilhelminische Bildungsbürgertum. Zur Sozialgeschichte seiner Ideen, hrsg. v. Klaus Vondung, Göttingen 1976, S. 138-152

    Frecot, Janos: Landkrone über Europa. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 55-64

    Frenzel, Herbert A. und Elisabeth: Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriß der deutschen Literaturgeschichte. Bd.2: Vom Biedermaier bis zur Gegenwart. 15.Auflg. München 1979

    Fritz, Helmut: Die erotische Rebellion. Das Leben der Franziska Gräfin zu Reventlow. Frankfurt 1980

    Gnüg, Hiltrud (Hrsg.): Literarische Utopie-Entwürfe. Frankfurt 1982

    Göhre, Frank: Zeitgenosse Glauser. Zürich 1988

    Green, Martin: Mountain of truth. The Counterculture begins. Ascona 1900-1920. Hanover 1986

    Habermas, Jürgen: Der philosophische Diskurs der Moderne. 2.Aufl. Frankfurt 1985

    Haug, Wolfgang: Erich Mühsam. Schriftsteller der Revolution. 2.überarb. Auflg. Reutlingen 1984

    Helms, Hans G.: Die Ideologie der anonymen Gesellschaft. Max Stirners ‘Einziger’ und der Fortschritt des demokratischen Selbstbewußtseins vom Vormärz bis zur Bundesrepublik. Köln 1966

    Hepp, Corona: Avantgarde. München 1987

    Hermand, Jost: Der Schein des schönen Lebens. Studien zur Jahrhundertwende. Frankfurt 1972

    Hurwitz, Emanuel: Otto Gross - Von der Psychoanalyse zum Paradies. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 107-116

    Hurwitz, Emanuel: Otto Gross. Paradies-Sucher zwischen Freud und Jung. Zürich 1979

    Imhof, Arnold: Franz Jung. Leben, Werk, Wirkung. Bonn 1974

    Kaufmann, Gerhard: Sylt, Föhr, Amrun, die nordfriesischen Inseln. In: Deutsche Künstlerkolonien und Künstlerorte, hrsg. v. Gerhard Wietek, S. 68-81

    Killy, Walther (Hrsg.): Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. 15 Bd. Gütersloh 1988-1993

    Klenz, Heinrich (Hrsg.): Kürschners Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1905. 27.Jahrgang. Leipzig o.J.

    Klinger, Cornelia: Flucht Trost Revolte. Die Moderne und ihre ästhetischen Gegenwelten. München / Wien 1995

    Klüsener, Erika / Pfäfflin, Friedrich: Else Lasker-Schüler. 1869-1945. Marbach 1995

    Kneubühler, Theo: Die Künstler und Schriftsteller und das Tessin von 1900 bis zur Gegenwart. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 136-178

    Krauß-Theim, Barbara: Naturalismus und Heimatkunst bei Clara Viebig. Frankfurt 1992

    Kreiler, Kurt: Otto Gross. Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe. Frankfurt 1980

    Kreiler, Kurt: Zum Fall Otto Gross. Ein Kommentar. In: Otto Gross. Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe, hrsg. v. Kurt Kreiler, Frankfurt, 1980, S. 149-164

    Kreuzer, Helmut: Die Boheme. Analyse und Dokumentation der intellektuellen Subkultur vom 19,Jahrhundert bis zur Gegenwart. Stuttgart 1971

    Kristeva, Julia: Fremde sind wir uns selbst. Frankfurt 1990

    Krüger, Günter: Schreiberhau im Riesengebirge. In: Deutsche Künstlerkolonien und Künstlerorte,hrsg. v. Gerhard Wietek, S. 136-141

    Linse, Ulrich: Der Rebell und die ‘Mutter Erde’. Asconas ‘Heiliger Berg’ in der Deutung des anarchistischen Bohemien Erich Mühsam. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 26-37

    Linse, Ulrich: Ökopax und Anarchie. Eine Geschichte der ökologischen Bewegungen in Deutschland. München 1986

    Lissitzky, El: Maler, Architekt, Typograf, Fotograf. Leipzig 1983

    Michaels, Jennifer E.: Franz Jung. Expressionist, Dadaist, Revolutionary and Outsider. New York / Bern / Frankfurt a. M. / Paris 1989 (=American University Studies, Series I, Germanic Languages and Literature, Vol.70)

    Michels, Volker (Hrsg.): Materialien zu Hermann Hesses Sidhartha. Bd 1. Texte von Hermann Hesse. Frankfurt 1975

    Michels, Volker: Hesse. Sein Leben in Bildern und Texten. Frankfurt 1987

    Monte Verità. Berg der Wahrheit. Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie. Ausstellungskatalog. Mailand 1978 [Red. Gabrielle Borsano]

    Müller, Hermann (Hrsg.): Gusto Gräser. Aus Leben und Werk. Knittlingen 1987

    Pachter, Henry: Theorien und Ideologien. In: Deutsche Literatur, Bd.8, Jahrhundertwende: Vom Naturalismus zum Expressionismus 1880-1918, hrsg. v. Frank Trommler, Reinbek bei Hamburg 1982, S. 33-50

    Raub, Michael: Opposition und Anpassung. Eine individualpsychologische Interpretation von Leben und Werk des frühen Psychoanalytikers Otto Gross. Frankfurt a/M. 1994

    Rieger, Wolfgang: Glückstechnik und Lebensnot. Leben und Werk Franz Jungs. Freiburg 1987

    Rösler, Walter: Vernunft und Klarheit in den Bann getan. In: Herrn Dames Aufzeichnungen oder Gegebenheiten aus einem merkwürdigem Stadtteil von Franziska Gräfin zu Reventlow, Berlin 1990, S. 190-213

    Sailer, Anton: Frauenchiemsee in Oberbayern. In: Deutsche Künstlerkolonien und Künstlerorte, hrsg. v. Gerhard Wietek, S. 28-35

    Schmidt-Bergmann, Hansgeorg: Futurismus. Geschichte, Ästhetik, Dokumente. Reinbek 1993

    Schönenberger, Walter: Monte Verità und die theosophischen Ideen. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 65-79

    Schürer Ernst: Angst, Aggression, Destruktion und Utopie: Zur Entwicklung der frühen Prosa Franz Jungs. In: Franz Jung, Leben eines Rebellen, hrsg. Von Ernst Schürer, New York 1994, S. 51-104

    Schürer, Ernst: Franz Jungs Leben als permanente Rebellion. In: Franz Jung, Leben eines Rebellen, hrsg. von Ernst Schürer, New York 1994, S. 5-50

    Schürer. Ernst (Hrsg.): Franz Jung. Leben und Werk eines Rebellen. New York 1994

    Stadler, Edmund: Theater und Tanz in Ascona. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 126-135

    Szeemann, Harald: Monte Verità - Berg der Wahrheit. In: Monte Verità, Berg der Wahrheit, Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Ausstellungskatalog, Mailand 1978, [Red. Gabrielle Borsano], S. 5-9

thinktankgirl schrieb am 30.09.2010 um 18:47
Ach, ich habe ganz vergessen die Bücher aufzuzählen, die ich in den letzten 6 Monaten zu dem Thema rund um die Wurzeln der Nazi-Ideologie/Reformbewegungen/Ariertum etc. an- oder ganz gelesen habe:

    Goodrick-Clarkem, Nicholas: The Occult Roots of Nazism: The Ariosophists of Austria and Germany, 1890-1935. Aquarian Press, Wellingborough, New York 1992

    Goodrick-Clarkem, Nicholas: Hitler's Priestess: Savitri Devi, the Hindu-Aryan Myth and Neo-Nazism. NYU Press, New York 1998

    Mees, Bernhard Thomas: The science of the Swastika, 2008

    Monyk, Elisabeth: Zwischen Barbarenklischee und Germanenmythos, 2006

    Olender, Maurice: Race and Erudition, 2009


Und wenn ich mich richtig erinnere, ist der Herr Silvio Gesell da nirgends als Wegbereiter des Antisemitismus noch des Nationalsozialismus aufgetaucht.

Breitenberger, wie gesagt, ein Zweitbuch wäre eine ganz nützliche Investition für dich.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 10:12
@ thinktankgirl am 30.09.2010 um 18:47

Jetzt wirklich zum letzten Male. Sie tun mir sehr leid Panzermädchen, da ihnen offensichtlich nicht bewusst ist, inwieweit Sie sich selbst und den Freitag belasten.

Obwohl ich es für diese Diskussion nicht für entscheidend halte, welche Bücher jemand gelesen hat, noch dazu solche die Sie aufgeführt haben, teile ich Ihnen abschließend mit, welche Bücher für mich in dem Zusammenhang wichtig sind (Auszug): Karl Marx- Das Kapital Band 1-3, Zeev Sternhell - Die Entstehung der Faschistischen Ideologie, Ian Kershaw -Der Hitler-Mythos. Das Profil der NS-Herrschaft- Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick - Hitler 1889–1936. - Hitler 1936–1945, Hans Mommsen(Historikerstreit) - Die verspielte Freiheit, Von Weimar nach Auschwitz, Jutta Ditfurth-Entspannt in die Barbarei, Feuer in die Herzen usw.

Peter Bierl hat ein Buch über Rudolf Steiners Anthroposophie geschrieben. Er hält Vorträge und Seminare über Gesell, den „Chiemgauer“ und Tauschringe. Ich habe aus einem entsprechenden Script von Bierl zitiert. Bierl hat kein Buch über Gesell geschrieben.

So das war es abschließend von mir, Panzermädchen. Mir ist es nun völlig Wurst ob Sie Zitate von Gesell wie z. B. „Zuchtwahlrecht der Frauen“ –„Hochzucht des Menschengeschlechts“ -"Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“- „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran. Wer noch etwas rassisches, völkisches Empfinden verspürt, der gehe in sich, tue Buße; der gestehe, dass er und seine Ahnen Verrat begingen am eigenen Volk, am eigenen Blut“ als „beachtenswerte Ideen und Gedanken“ bezeichnen oder die Theorien von Gesell emanzipatorisch empfinden. Mir ist es zukünftig auch gleichgültig, da ich es auch nicht ändern kann, dass Sie diese ekelhaften Zitate offenbar nicht abstoßen und Sie ein für allemal die „Lehren“ von Gesell, als das klassifizieren was sie sind, Wegbereiter für die sozialdarwinistische NS-Ideologie, an deren logischen Ende eine Einteilung von Menschen in solche mit besserem Erbgut und solche mit schlechterem Sterilisation, Lebensborn und Euthanasie standen. Silvio Gesells Geschwätz war und ist eine Kriegserklärung an die Zivilisation!

Ich kann ihnen, ihren Verteidigern und ihren Beschützern nicht weiterhelfen. Leben Sie und ihre Freunde weiter in ihrer gefährlichen Traumwelt.

m.b.
thinktankgirl schrieb am 01.10.2010 um 11:21
@breitenberger

Wie schon gesagt, deck mal ein paar echte Antisemiten und Sozialdarwinisten auf, am besten aus der Jetztzeit.

Du könntest doch mal ein paar deiner diesbezüglicher Aktionen gegen solche Gruppierungen hier erwähnen, damit dein Engagement etwas Glaubwürdigkeit bekommt.

Weil sonst halte ich deine Auslassungen nur für einen Deckmantel, um gegen andere zu hetzen, so wie es halt die Nazis auch machten.
thielsby schrieb am 01.10.2010 um 18:19
@ manfred breitenbrecher

Ihre hier abgefeuerten Breitseiten sind ungeachtet des kruden Inhalts deutlich zu lang, dabei unglaublich langweilig vorgetragen und ggü. TTG in anmaßendem und denunziatorischem Tonfall geschrieben.
thinktankgirl schrieb am 01.10.2010 um 20:48
@thielsby

Das Problem mit Breitenbrecher ist, daß er keine Ahnung hat, worüber er da so schreibt, deshalb will er mit allen Mitteln (Anmaßung, Denunziation, Diffamierung) seine selbsternannte Deutungshoheit erhalten. Wobei diese weniger der Erhellung dunkler historischer Ecken dient, sondern mehr der Lust, das Gegenüber in einen verachtungswerten Unmenschen zu verwandeln, der nach Belieben bespuckt werden darf.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 22:18
@thinktankgirl & thielsby,

Diesen Satz halte ich für mehr als angebracht: "Silvio Gesells Geschwätz war und ist eine Kriegserklärung an die Zivilisation!"

Das Sie beide nicht in der Lage sind dies zu begreifen, ist kaum zu glauben. Sie haben keine Argumente! Ich habe Sie nun eine Zeit kommentarlos beobachtet. Einerseits sehe ich nur Diskriminierungen hinsichtlich von Usern (Breitenbrecher/Breitenberger), andererseit keine einzige stringente Argumentation. Sehr typisch für dieses Blog, überwiegend sehr typisch für diese Community!
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 22:26
dann würd ich mich in zukunft doch besser aufs beobachten beschränken, Niels, am besten ganz aus der ferne
und das kommentieren lassen

ich hab mal gehört, dass diskriminierung wie auch fehlende stringenz hochgradig ansteckend ist

als
meiden Sie die FC, Ihrer geistigen gesundheit (oder so) zuliebe!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 22:57
@Rahab am 01.10.2010 um 22:26

Wieso schreiben Sie dann hier?
thinktankgirl schrieb am 02.10.2010 um 10:29

Niels Kieserling schrieb am 01.10.2010 um 22:18
@thinktankgirl & thielsby,

Diesen Satz halte ich für mehr als angebracht: "Silvio Gesells Geschwätz war und ist eine Kriegserklärung an die Zivilisation!"

Das Sie beide nicht in der Lage sind dies zu begreifen, ist kaum zu glauben. Sie haben keine Argumente! Ich habe Sie nun eine Zeit kommentarlos beobachtet. Einerseits sehe ich nur Diskriminierungen hinsichtlich von Usern (Breitenbrecher/Breitenberger), andererseit keine einzige stringente Argumentation. Sehr typisch für dieses Blog, überwiegend sehr typisch für diese Community!


Breitenberger/Fidelche/Thinktankboy
sag mal, glaubst du wirklich, niemand erkennt dich hinter deinem neuen Nick?
Emma in Uniform schrieb am 04.10.2010 um 00:10
Moin Herr Murrow,

gestatten Sie bitte kurz, ich bin nur völlig perplex ob Ihrer Erzürnung; wieso finden Sie es denn hinterfozig von ttg, wenn diese offenkundig spottet?

Anders gefragt, ich würde zu gern erfühlen, wo entlang genau die Front in diesem Blog verläuft, ist es wieder mal der Kantsche Januskopf?

Gerade an so Fragen wie Gsell..
Wieviel Spielraum gibt der Zeitgeist der persönlichen Moral? Wieviel Rassissmus/ Empathie war wann "normal" bzw. "verzeihlich"? Ab wann nicht mehr?
Einst trennte Kant nicht weniger als den Leib von der Vernunft, um den Menschen zu disziplinieren, und "frei" zu entscheiden, wann und wie stark man mit wem mitfühlen wolle. Weil sittlich gedacht, nicht gefühlt, indess der Leib bekämpft, unterdrückt werden musste.

Nun haben aber einige mit einigen unschuldigen Opfern verfehlter internationaler Politik mehr Mitleid als mit anderen..warum?

Zu Menschen, dervon deren Leid und Verlusten man detailliert weiss, deren Gesichter man vor sich hat, wenn von ihnen die Rede ist, deren Geschichte mit der eigenen schicksalhaft verbunden sind ist zweifellos ein Band vorhanden, jedes neuerliche große Ereignis bewegt dieses Band zwischen ihnen und uns.

In unserer Welt wissen wir weitaus mehr über das Leben der restlichen Menschheit, über die Menschlichkeit, als das Kant vermochte.

Das menschliche Mitgefühl hat enormes Wachstumspotential, die Parteinahme für eine Seite der Konfliktparteien ist mir in dieser Sache gar nicht möglich.

Ob Sie so nett wären?
h.vannna schrieb am 07.10.2010 um 16:30
@thinktankgirl schrieb am 30.09.2010 um 15:49:

„Damit lag er (Silvio Gesell) völlig im Trend seiner Zeit. Es soll heute sogar noch Menschen geben, die das Muttersein als edelste Aufgabe der Frau sehen.“

Stimmt, z.B. Eva Hermann und Konsorten, Gesellianer und sonstige Sozialdarwinisten/Biologisten/völkische Schamanen vom Schlage Steiners & Co.
Der Biologismus auch eines Irenäus Eibl-Eibesfeldts (unehelicher Gänsesohn des Ganzheitsvaters und NS-Rassenkundlers Konrad Lorenz), der wiederum für die pseudowissenschaftliche Glasur von Sarrazins brauner Scheiße sorgte, ist Teil eines der wichtigsten „Think-Tanks“ der Neuen Rechten. Eva Hermanns „Prinzip Arche Noah“, Sloterdijks „Menschenparks“ und die „natürliche Zuchtwahl“ der Eugenik-Experten, die sich neuerdings „Humanethologen“ und "Flirtforscher" nennen, haben einiges gemeinsam.

Wer auf Gesell abfährt, hat auf einem sich als „linksliberal“ verstehenden Forum nix verloren – außer Werbe-Gesellenbriefen für rechte Anarchisten und / oder Ökofaschisten. Gesells „Eden“, das 1938 von den Nazis mit einem „Gaudiplom“ für „hervorragende Leistungen“ als „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ ausgezeichnet wurde, mauserte sich just in der Zeit seines Wirkens dort zum Hort von völkischem und neuheidnischem Gedöns.
Der Trend der Zeit, in dem „Thinktankgirl“ sich als Trendsetterin bewegt, geht zu den Zwischengrößen-Nazis und Anpassungskünstlerinnen mit lebensreformerischen Ansätzen – morbide German Dance-Queens, okkultistische Spinner, Patrioten und Bellizisten, heimwehkranke Heimatschriftstellerinnen, die sich mit dem Nazi-Regime arrangierten, Maler, die der NSDAP schon 1932 beitraten, deren esoterische Pinselführung aber später von den Nazis nicht gebührend goutiert wurde etc.
Fehlt nur noch Mussolin-Fan Ezra Pound, der ebenfalls für Gesell schwärmte.
Auf der Suche nach verzauberten Bergen, im Unkonkreten wurzelnden, sakralen Plätzen und politisch korrekten Zwischengrößen-Nazis entgeht den Gesellianerinnen beim Durchforsten der Vergangenheit kein noch so geringer Anhaltspunkt, der die Reinheit der braunen Kletterwesten ihrer Idole bescheinigen könnte. Wie die Verteidiger Steiners dabei aber notgedrungen Teile von Steiners esoterischem Werk enthüllen müssen, so kommen auch die Verteidiger Gesells nicht drum herum, die wenig edlen Teile ihres Meisters zu thematisieren, obwohl Okkultisten jeder Couleur das Tabuisieren natürlich vorziehen. Droht jemand, an der Fassade des errichteten Tabus zu kratzen, folgt der Ruf nach eingreifenden Autoritäten und die Drohgebärde auf dem Fuß, wird der Gesellenbrief zum Drohbrief: „Du wirst dementierst das SOFORT oder du kriegst Ärger! Und ich glaube nicht, daß die FC und die Moderation Bock darauf haben, Zeit wegen dir zu verschwenden. Also mach es kurz und schmerzlos: Laß das Post löschen.“
So kurz, so schmerzlos auch ihre Nächstenliebe, etwa wenn Gegnern/Skeptikern einer bürgerwehrartig propagierten „Zivilcourage“ buchstäblich Gewalt an den Hals gewünscht wird: „Aber ehrlich gesagt, wünsche ich Euch, daß Ihr zuerst für ein paar Minuten den Geschmack der Angst kennenlernt, wenn Ihr in der Scheisse steckt und keiner Euch helfen will. Und wenn Ihr die Angst kennengelernt habt, dann reden wir nochmals über Euer Spiesser-Idyll.“

Sachliche Diskussion geht so: „Sachma Süsser, haste eigentlich ne Sprung in der Platte? Brauchste nen Klaps aufs Gehäuse, damit die Nadel mal ne Rille weiterspringt?“
Denn, wie es anderer Stelle, wo stramme Katzen-Kerls Ratten apportieren heißt: „Unter uns Katzen: Die Redaktion vertraut auf die Selbstheilungskräfte dieses Forums“ soll heißen: Lästige Kritiker sind eine Krankheit, von denen der gesunde Volkskörper der ganzheitlichen kleinen, virtuellen Dorfgemeinde sich kurieren möge. Es lebe der ganzheitliche Anspruch eines faschistoiden Organizismus.
Wie ja auch die „natürliche Wirtschaftsordnung“ sich qua „Evolution“ und knallhartem Leistungswettbewerb einstellt, wogegen „die Fortpflanzung der Fehlerhaften“ (Gesell) durch das „große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur“ verhindert wird, und Revolution überhaupt verhindert werden soll.
Thinktankgirl schreibt: „Gesells Hochzucht betrifft das ganze Menschengeschlecht und dahinter verbirgt sich die Entwicklungsidee des Hegelschen Weltgeistes, der sein biologisches Pendant in der Darwinschen Evolutionstheorie gefunden hatte, die wiederum Gesell und seine Zeigenossen beeinflusst hatte.“

Da sind wir doch gleich bei der Ideologie so deutscher Anwälte wie dem Rechtshegelianer Horst Mahler und dem Volksgeist/Wurzelrassen-Fan Otto Schily, der arimanische und luziferische Elemente in der Politik bekämpfte...
So weit Gesell, der auf diesem Blog nichts zu suchen hätte, wäre nicht unter der Rubrik „falsch verstandene völkische Vordenker des NS waren eben Kinder ihrer Zeit“ eine Kleinanzeige mit Werbung fürs völkisch-esoterische Gewerbe geschaltet worden. Thinktankgirl ergriff die Gelegenheit, Gesell mittels Kant als Zeitgeist-Kind rein zu waschen, beim Schopf und stellte eine entsprechend umfangreiche Leseliste (auf der das Buch einer Eso-Spinnerin über den Eso-Spinner C.G. Jung natürlich nicht fehlen darf) zusammen, die „beweisen“ soll, dass der Rassismus der Rassisten und der Antisemitismus der Antisemiten keiner war. Zum Schluss fällt ihr dann eine Kapazität ein, die unter anderem das rein affirmative Vorwort zu „Rudolf Steiner – Essential Writings“ schrieb:

„Ach, ich habe ganz vergessen die Bücher aufzuzählen, die ich in den letzten 6 Monaten zu dem Thema rund um die Wurzeln der Nazi-Ideologie/Reformbewegungen/Ariertum etc. an- oder ganz gelesen habe: Goodrick-Clarkem, Nicholas: The Occult Roots of Nazism: The Ariosophists of Austria and Germany, 1890-1935. Aquarian Press, Wellingborough, New York 1992 Goodrick-Clarkem, Nicholas: Hitler's Priestess: Savitri Devi, the Hindu-Aryan Myth and Neo-Nazism. NYU Press, New York 1998 Mees, Bernhard Thomas: The science of the Swastika, 2008 Monyk, Elisabeth: Zwischen Barbarenklischee und Germanenmythos, 2006 Olender, Maurice: Race and Erudition, 2009 Und wenn ich mich richtig erinnere, ist der Herr Silvio Gesell da nirgends als Wegbereiter des Antisemitismus noch des Nationalsozialismus aufgetaucht. Breitenberger, wie gesagt, ein Zweitbuch wäre eine ganz nützliche Investition für dich.“

Erstaunlich (oder auch nicht, bei solcher Interessenlage), dass der als „seriös“ gehandelte Verteidiger Rudolf Steiners Nicholas Goodrick-Clarke bei „Aquarian Press“ veröffentlicht, allerdings ohne „m“ dahinter. Welches Eso-Schweinderl hätten’s denn gern von dort? www.aeclectic.net/tarot/cards/aquarian-press.shtml
Nicht verwunderlich also, dass Silvio Gesells „natürliches Gefühl völkischer Zusammengehörigkeit“, veredelt durch die „natürliche Auslese“ des Kranken und Schwachen, und schließlich die „freie Zuchtwahl“ bei Goodrick-Clarke offenbar keine besondere Erwähnung finden, dessen Werk ja durchaus auch für Krimi- oder Esokrimi-Leserinnen attraktiv sein kann.

Die nach der Niederschlagung der Rätebewegung 1920 veröffentlichte „Verteidigungsrede“ Gesells wurde in der Print-Version der damaligen Holzmedien übrigens eingeleitet von einem Zitat aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, und zwar des „jüdischen Wucherers“ Shylock: „Dies ist der Narr, der Geld umsonst auslieh! Acht auf ihn, Schließer!“
Den Lesern dieser vor völkisch-nationalem Pathos triefenden „Verteidigungsrede“ und überdeutlichen Distanzierung von der Rätebewegung war also ganz klar, gegen wen und was der werte Silvio Gesell wetterte, wenn er seine „Ablehnung der Zinsknechtschaft“ formulierte, die er als „Sünde gegen das Volkstum“, gegen die „Rasse“ verständlich machte. Sie erfuhren auch, dass Gesell nur aufgrund seiner völkischen Sympathien für eine knappe Woche mit dem roten Pack kooperiert hatte, und auf wessen Seite er jetzt (während andere zum Tode oder – wie Mühsam – zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden) stand, wenn er die „Führerlosigkeit“ der Münchener Arbeiter beklagte, die so gezwungen waren, auf „Rassefremde“ zurückzugreifen. Denn schließlich bewirkt eine „Teilung“ des Volkes Gesell zufolge „völkischen Verfall“…
In Gesells sozialdarwinistischem Fantasy-Roman „Der abgebaute Staat“ geht es um „Schutz der Rasse“, Förderung der Hochzucht, die Vermeidung von „Mißehen, „deren Produkte nun die Kranken- und Zuchthäuser füllen“, und bietet Gesell mittels „statistischer Erhebungen“ einen Überblick über die hohen Kosten, die „die Produkte der Unzucht verursachen“. Entsetzlich ihm zufolge, „wieviel wir jährlich ausgeben für das Armenwesen, die Krankenpflege, die Blinden-, Irren-, Zucht- und Waisenhäuser“, denn nach „100jähriger Fehlzucht“ will Gesell keine „hohlbrüstigen Jünglinge, keine bleichsüchtigen Mädchen um uns sehen. Wir wollen Geist, Gesundheit, Schönheit, Kraft und Lebensfreude“ (nachzulesen bei Jutta Ditfurth, „Entspannt in die Barbarei“, S. 86).

By the way: Wie entspannt die Gesellianer wie Klaus Schmitt (Autor des Pamphlets „Entspannen Sie sich, Frau Ditfurth) mit Kritik umgehen können (Gaspistole) erwähnt Ditfurth in Bezug auf einen Vortrag Peter Bierls dort auch…

Gesell war das schreibende Pendent zum „sozialhygienischen“ Film der Weimarer Zeit als Vorläufer des explizit „rassehygienischen“ der Nazi-Zeit – siehe etwa „Erbkrank“ oder „Das Erbe“ von 1935, bzw. wuchtigen Übermenschen-Schinken wie „Wege zu Kraft und Schönheit“ (1925) von Nicholas Kaufmann, der ein paar Jahre zuvor schon mit trickreichen Statistiken „Die Folgen der Hungerblockade auf die Volksgesundheit“ (1919/1921) angeprangert hatte, und dessen Karriere bei der Ufa in der NS-Zeit als Leiter der „Kulturabteilung“ steil nach oben ging…

Aber im Grunde reicht doch schon, Titel wie „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ zu lesen, um zu erkennen, dass Sozialdarwinismus und Biologismus im üblichen Jargon der Eigentlichkeit dargeboten werden, programmatisch darin angelegt sind, ohne es auch noch aufklappen zu müssen.

In diesem Sinne also - alles Krimi für die Katz (und ihre nach rechts schielenden GespielInnen).
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 13:24
Aktuell (AFP):
Die israelische Marine hat das jüdische Boot mit Hilfsgütern für den Gazastreifen nach Angaben der Organisatoren gestoppt. Der Katamaran sei auf hoher See aufgebracht worden, sagte einer der Organisatoren der Aktion der Nachrichtenagentur AFP in Gaza. Israel hatte angekündigt, es werde das Boot in jedem Fall stoppen, sollte es versuchen, die Blockade um den Gazastreifen zu durchbrechen.
Phineas Freek schrieb am 28.09.2010 um 14:10
j-ap schrieb am 27.09.2010 um 06:58

„Was die Antizionisten bis heute nicht begriffen haben ist schlicht der Umstand, daß in einer Welt, die noch immer in Nationalstaaten gegliedert ist, gerade Israel und die USA zu verteidigen wären, nämlich gegen den faschistischen Solidarpakt der »gewachsenen« Völker und Kulturen, deren Verfechter noch immer auf Blut & Boden rekurrieren, um sich zu einem Scheinsubjekt zu naturalisieren, dem das Recht zuerkannt werden kann, es sich im Gehäuse eines Volksstaats gemütlich zu machen.“

Ohne Worte.
ed2murrow schrieb am 28.09.2010 um 14:44
@ Phineas Freek

Ist das Ihre ein Kommentar?
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 15:06
bei bescheidener kenntnis des israelischen bodenrechts im hintergrund ist das als kommentar ausreichend.
find ich mal so.

und hätte j-ap diese kenntnis, und sei es ebenfalls nur als bescheidene, dann hätte er diesen quark nicht verzapft
ed2murrow schrieb am 28.09.2010 um 15:11
Was noch zu klären wäre: Ob Ihnen Mandat erteilt wurde und ob Wissen des Vertreters demjenigen des Vertretenen im günstigsten Fall zugerechnet werden kann.
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 15:45
Zauberlehrlinginnenfutter, bescheiden:
Can Arabs Buy Land in Israel?
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 16:05
ganz bescheiden, in der tat
thielsby schrieb am 01.10.2010 um 18:21
@ e2m

Können Sie nicht lesen?
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 14:47
paßt auch hier rein und zu Kant auch

im übrigen gilt zur "doppelten Buchführung" die Formel von dem auf Martinique geborenen Schriftsteller Aimé Césaire, der 1955 formulierte, was man Hitler nicht verzeihe, sei allein, Mitglieder der weißen Bourgeoise wie Afrikaner behandelt zu haben.

"[Was man Hitler im Grunde nicht verzeiht ist] nicht das Verbrechen an sich, das Verbrechen am Menschen, dass es nicht die Erniedrigung des Menschen an sich, sondern dass es das Verbrechen gegen den weißen Menschen ist, dass es die Demütigung des Weißen ist und die Anwendung kolonisatorischer Praktiken auf Europa, denen bisher nur die Araber Algeriens, die Kulis in Indien und die Neger Afrikas ausgesetzt waren."
ed2murrow schrieb am 28.09.2010 um 15:02
Was der Romancier Césaire natürlich, außer mit seiner eigenen Meinung, auch tatsächlich belegen kann. Oder?

Die kolonisatorischen Praktiken auf dem sog. schwarzen Kontinent waren schon weit vorher gängig durch arabische Raubzüge auf der Suche nach Arbeitssklaven und Bereicherung für die Harems. Lassen Sie mich doch aus ...
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 15:03
Dann sind also in Auschwitz, Treblinka, Chelmo und Majdanek die »Mitglieder der weißen Bourgeoisie« (!) umgekommen?

Es wird immer surrealer ...
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 15:14
war Regina Jonas das nicht?

ach ne, vermutlich eher nein
sie war schließlich rabbinerin

(de.wikipedia.org/wiki/Regina_Jonas)
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 15:39
» (...) was man Hitler nicht verzeihe, sei allein (...)«

Allein? Allein!
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 15:48
woanders hätte es kein aas, jedenfalls kein weißes, besonders gestört - von ein paar damaligen gut-menschen abgesehen
oder?
j-ap schrieb am 28.09.2010 um 15:54
Genau. Und natürlich die Palästinenser, die bekanntlich rund um die Uhr damit beschäftigt sind, weiße, bourgeoise, jüdische Rabbinerinnen zu retten.
Rahab schrieb am 28.09.2010 um 22:17
kurz vorm knall oder schon danach?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.09.2010 um 22:16
Sehr geehrter Herr J-AP,
meinen höchsten Respekt für ihrer "Engelsgeduld" in dieser "schwierigen" Diskussion. Ich habe derzeit nicht die Nerven mit schwierigen und eher uneinsichtigen "Damen" diese "Engelsgeduld" aufzubringen.

Beste Grüße
m.b.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.09.2010 um 23:34
Eine sehr angenehme Sicht! Ich schließe mich dem an und möchte auf diesem Wege sagen, daß ich es gerade fürchterlich finde, wie ausgerechnet die deutsche Parlamentslinke in dem Zusammenhang agiert. (da schleichen sich aber neuerdings wieder merkwürdige Begriffe ein). Man möchte - aber dieses Thema betreffend - fast meinen, da herrscht politische Unwissenheit oder Trotz. Schade, daß sich da Leute einfangen lassen, die die innerpolitischen israelischen Auseinandersetzungen einer umfassenderen Perspektive unterordnen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.09.2010 um 23:35
"die die innerpolitischen israelischen Auseinandersetzungen einer umfassenderen Perspektive unterordnen."

Natürlich "überordnen".
Rahab schrieb am 29.09.2010 um 09:04
zur komplettierung der perspektiven
www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/u-s-jews-outraged-by-lieberman-s-un-speech-1.316298

es kann ja jede/r selber nach der Liberman-rede im wortlaut suchen ....
j-ap schrieb am 30.09.2010 um 11:52
Dame.von.welt hatte früher immer die Angewohnheit, URLs hinterher zu gehen, sie zu sortieren und anschließend etwas mehr Sorgfalt bei der Auswahl der öffentlichen Zumutungen einzufordern, Rahab. Beten Sie mal lieber zu den diversen Gott_innen_+x²-entities, daß sie hier nicht mehr reinschaut. ;-)

www.freitag.de/community/blogs/bememabel/alles-schall-und-rauch

www.akweb.de/ak_s/ak543/12.htm
Rahab schrieb am 30.09.2010 um 13:06
beten? nö. erinnere an das menschenrecht auf irrtum und sorglosigkeit! gehört zum pursuit of happiness dazu.

und was war die öffentliche zumutung? - die rede vom jüdischen staat? das machen Sie mal mit Libermann aus!
j-ap schrieb am 30.09.2010 um 13:24
Die Zumutung, Rahab, ist nicht mal so sehr der Link auf eine — um es mal neutral zu formulieren — dubiose Seite, sondern die Tatsache, daß Sie

1. den Staat Israel offenbar als ein Apartheids-Regime quasi-faschistischen Zuschnitts zu denunzieren versuchen auf der Grundlage eines Politikentwurfs, den außer Libermann und seinen Anhängern niemand ins Auge faßt und der vor allem gar keine Realitätsdimension besitzt (oder ist Israel gerade dabei, den Libermann-Plan umzusetzen?) und

2. nach wie vor nicht im Mindesten darauf zu sprechen gekommen sind, daß die israelischen Siedlungen nicht vom Himmel fielen, sondern Ergebnis eines Prozesses sind, der nicht erst letzte Woche einsetzte.
Rahab schrieb am 30.09.2010 um 16:16
Ihnen gehen mal wieder die fantasien durch

nicht ich denunziere - sondern Liberman, der als verteidigungsminister des staates Israel (und nicht als durchgeknallter obermotz einer räuberbande) Ihnen (und der weltöffentlichkeit in einer rede vor der UN) aufzeigt, was von dem übrigbleibt, was Sie kosmopolitisch zu nennen beliebten

wobei es zuweilen etwas mühe bereitet, zwischen dem gebiet innerhalb der green line und den 'gebieten' noch substantielle unterschiede festzustellen

im gegensatz zu Ihnen - und Ihren neuen freunden - komme ich immer wieder auf den europäischen politischen antisemitismus zu sprechen, als einen der faktoren (wenn nicht den maßgeblichen), der seit dem 19. jhdt. bis heute die geschehnisse im vorderen orient beeinflußt
ich räume gerne ein, dass es mühsam ist, darüber zu sprechen, denn die antisemiten in deutschland sind ja neuerdings die 'anderen aus dem morgenlande', die sich des 'rationalen kerns' der islamophobie bemächtigt haben, nämlich des antisemitismus ... um es auf die spitze zu treiben: manchmal könnte man glauben, der europäische antisemitismus sei eine hinterlassenschaft der Türken vor Wien und der mauren in al-Andalus

über welche siedlungen wollten Sie sonst noch sprechen? und was ist "dubios"?
j-ap schrieb am 30.09.2010 um 16:50
im gegensatz zu Ihnen - und Ihren neuen freunden - komme ich immer wieder auf den europäischen politischen antisemitismus zu sprechen
Wenn der Tag lang ist, Rahab, kommen Sie auf alles mögliche zu sprechen, und zwar ausschließlich zu dem Zweck, vom arabischen Antisemitismus nicht reden zu müssen — den gab's nämlich schon lange bevor auch nur die erste israelische Siedlung in der Westbank stand.

Und wie kam die überhaupt da hin? Richtig: Weil die ersten 'Siedlungen' nichts anderes als Militärstützpunkte waren.

Wie kamen die da hin? Richtig: Weil Israel sich seit seiner Gründung de facto dauerhaft im Kriegszustand befindet.

Und das liegt nicht an den Türken vor Wien und auch nicht am Stein des Hammurabi und auch nicht an meinen »neuen Freunden«, sondern ... — genau, aber darüber schweigen Sie sich dezent aus.
Rahab schrieb am 30.09.2010 um 17:09
aha
und seit wann gibt es diesen arabischen antisemitismus?
und woher wissen Sie, dass es sich dabei um dasselbe handelt wie im rationalen europäischen politischen antisemitismus?
j-ap schrieb am 30.09.2010 um 17:18
Wo genau habe ich noch mal schnell behauptet, daß der »rationale« (?) europäische politische Antisemitismus dasselbe sei wie der arabische?
Rahab schrieb am 30.09.2010 um 17:24
wozu sonst übertragen Sie bruchlos einen europäischen begriff für ein sehr europäisches phänomen?
j-ap schrieb am 30.09.2010 um 17:28
Vielleicht, weil der arabische Antisemitismus schon vor einer ganzen Weile so gut wie sämtliche europäischen antisemitischen Mythen aufnahm und für die eigenen Zwecke dienstbar machte (groteskerweise sogar solche, die den Europäern als zu primitiv erschienen und sogar den christlich-antijudaistischen Vorwurf des Jesusmords)?
Rahab schrieb am 30.09.2010 um 18:02
vielleicht ....
und die europäer behielten nur die edleren teile?
j-ap schrieb am 30.09.2010 um 18:37
Nö, die Europäer und unter ihnen speziell: die Deutschen haben ihn auf seine eliminatorische Spitze getrieben.

Jetzt bin ich mit aber mit einer Suggestivfrage dran:

Und deshalb soll der arabische Antisemitismus das nun auch dürfen?
Rahab schrieb am 30.09.2010 um 18:53
sollte er das wollen?
j-ap schrieb am 30.09.2010 um 19:05
Wenn nicht, wieso sollte er dann umständlicherweise tausende Raketen über die Grenze schicken, täglich Verichtungsdrohungen entäußern und schon in Kinderbüchern den Judenmord unters wißgebierige »Friedens«-Volk bringen?
Rahab schrieb am 30.09.2010 um 20:57
ja ... das ist ja mal ne gute frage ...
andere gründe außer den von europäern übernommenen bodensatz deren anisemitismus hätten 'araber' verschiedener nationaltäteten nicht, das eine oder andere an israelischer politik abzulehnen, womöglich gar zu bekämpfen?
dame.von.welt schrieb am 01.10.2010 um 02:02
Ach wissen Sie @j-ap 30.09.2010 um 11:52, daß ich darein nicht mehr allzu viel Energie verschwende, sollte Ihnen eigentlich spätestens da bewußt geworden sein, als ich Ihnen z.B. eine Verlinkung zur Blauen Narzisse nicht um die Ohren schlug ;-)
Aber, stets gern zu Diensten, hier ein paar links zu Avigdor Liebermans Rede preview.tinyurl.com/33zntz3
Zur Person topics.nytimes.com/top/reference/timestopics/people/l/avigdor_lieberman/index.html?inline=nyt-per Und die Jerusalem Post meint www.jpost.com/Israel/Article.aspx?id=189528 Ist es so recht? Und nun mit inhaltlicher Auseinandersetzung zu rechnen?
Darf ich auch noch auf Antwort auf meine Frage vom 27.09.2010 um 11:02 hoffen? Nein? Na, dann verschwinde ich hier doch wieder sehr gern.
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 09:08
Und nun mit inhaltlicher Auseinandersetzung zu rechnen?
Was, glauben Sie, tun wir hier denn die ganze Zeit, liebe dame?
dame.von.welt schrieb am 01.10.2010 um 13:53
Inhaltliche Auseinandersetzung mit der Rede Avigdor Liebermans meinte ich, lieber j-ap. War da etwas, womöglich mit unsichtbarer Tinte geschrieben, so daß es mir ganz entging? Eben so die erhoffte Antwort auf meine Frage vom 27.09.2010 um 11:02? Nicht?
Na denn, soviel 'Nerven' und '"Engelsgeduld"' mit 'schwierigen und eher uneinsichtigen "Damen"' in dieser '"schwierigen"' 'Diskussion' kann ja auch von Ihnen vermutlich kaum erwartet werden.
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 14:05
Liebe dame,

ich werde mich dann inhaltlich mit der Rede von Avigdor Lieberman auseinandersetzen, wenn ich eine Relevanz zum Thema des hiesigen Artikels entdecke. So wie ich das weiter oben schon einmal geschrieben habe.

Bis dahin ist die Diskussion über den Inhalt der Rede nicht nur müßig, sondern dient für meine Begriffe eher der Verschleierung als der Erhellung.

Im übrigen bitte ich Sie, mich nicht für Aussagen haftbar zu machen, die nicht von mir stammen.

Viele Grüße,
J. A.-P.
dame.von.welt schrieb am 01.10.2010 um 16:36
Lieber j-ap,
weder für die Aussagen noch für den Beifall, der nicht von Ihnen stammt, mache ich Sie haftbar. Ich erfreute mich aber an den Aussagen und, 'schwierig und uneinsichtig', wie ich nun mal bin, auch an dem Beifall für Sie.
Erfreuen würde ich mich auch, so wie ich das weiter oben schon einmal geschrieben habe, an einer Antwort auf meine Frage vom 27.09.2010 um 11:02, die war nämlich ernst gemeint - ich verstehe Sie darin nicht und bitte um Erhellung.
'Kenne' Sie aber nun lange und gut genug, um auch Ihr Schweigen einordnen zu können und mir meine eigenen Gedanken zu Verschleierungen und Erhellungen zu machen.
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 19:17
Liebe dame,

ich bin auf Ihre Frage aus denselben Gründen nicht eingegangen, aus denen ich mich auch mit der Lieberman-Rede nicht befaßt habe: Weil ich den Bezug zum Thema nicht erkennen kann.

Soweit ich Sie richtig verstanden habe (wobei Ihr disclaimer so hermetisch ist, daß er nicht wirklich beim Verständnis half), wollten Sie im Grunde wissen, ob ich die Selbstbezeichnung »Judenstaat« übersehen hätte bei meinen Ausführungen oben.

Aus dieser Eigenbezeichnung folgt nämlich keineswegs, wie Sie behaupten, daß Israel »mehrheitlich« von Juden bewohnt werden solle — woher haben Sie das? — sondern nur, daß der Staat Israel grundsätzlich und vorrangig allen Juden offensteht. Das zeigt sich in erster Linie an den Vorschriften zum Erwerb der israelischen Staatsbürgerschaft:

Erwerb der israelischen Staatsangehörigkeit (Botschaft des Staates Israel in Deutschland)

Stünde da: Israeli kann nur werden, wer Jude ist, dann hätten Sie recht.

Nur ist es eben nicht so, weshalb sich Ihre Frage schlicht von selbst erledigt.
dame.von.welt schrieb am 02.10.2010 um 08:24
Lieber j-ap,
interessanter als die Einbürgerungstheorie finde ich die Ausbürgerungspraxis.
www.hagalil.com/archiv/2010/04/15/ethnische-saeuberung/ www.tagesspiegel.de/politik/international/palaestinenser-fuerchten-ausweisungen/1793490.html www.nzz.ch/nachrichten/international/konflikt_im_nahen_osten/konflikt_im_nahen_osten_israel_und_palaestina/volksvertreter_aus_wahlkreis_ausgewiesen_1.7170001.html
Exemplarisch betrachten konnte man sich das auch gerade anhand von Firas Maraghy in Berlin www.dw-world.de/dw/article/0,,5851770,00.html betrachten, dem es aber durch den sportlichen Gewichtsverlust von 17kg in 41 Tagen www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0906/berlin/0036/index.html gelang, eine Zusicherung darüber zu erlangen, daß seine Ehe mit einer Deutschen und die aus dieser Verbindung hervorgegangene Tochter in Ostjerusalem registriert werden könnte.

Insofern meine Frage an Sie zur Wiedervorlage: 'Wahrscheinlich habe ich etwas überlesen und/oder nachhaltig nicht verstanden, aber lassen Sie @j-ap, hier nicht die Eigenbezeichnung, -wahrnehmung, -durchsetzung Israels als gewünschtermaßen mehrheitlich von Juden bewohnt, als 'Judenstaat' außen vor? Und zwar nicht nur bei Theodor Herzl, sondern höchst gegenwärtig? Und mischen in Artikel wie Kommentaren Ihre persönlichen Staatsabschaffungsambitionen in Ihre Rede wider DENAntizionismus? Ich verstehe nämlich nicht, worin genau Sie staatsabschaffungsambitious den Unterschied zwischen 'Judenstaat' und 'Nationalstaat' sehen.' Der Hauptakzent liegt dabei auf dem letzten Satz.

Der hermetische Disclaimer richtete sich weniger an Sie als an Ihren Beifall.
j-ap schrieb am 02.10.2010 um 09:30
»Ausbürgerungspraxis«, Madame?

»Doch Maraghy ist, wie die meisten palästinensischen Bewohner Ostjerusalems, staatenlos« — ob Sie mir wohl mal erklären, wie man Staatenlose ausbürgern können soll?
dame.von.welt schrieb am 02.10.2010 um 09:43
Finden Sie es nicht von Interesse, daß Menschen, die seit Generationen wo wohnen, von einem Staat zu Staatenlosen erklärt werden? In diesem Fall - weil sie keine Juden sind?

Scusi für den räumlich ausufernden Kommentar *schäm* ich verwende in Zukunft hier NUR noch tinyurls, versprochen.
j-ap schrieb am 02.10.2010 um 10:00
Liebe dame,

selbstverständlich ist diese Frage von Interesse, wenn auch mit einer anderen Konnotation: Das Problem der Staatenlosen ist ihre Staatenlosigkeit, nicht ihre Ausbürgerung. Um dieses Problem in seiner ganzen Breite verstehen zu können, muß man sich eben auch die Gründe dafür vor Augen halten:

Ostjerusalem — 1967 — Syrien, Jordanien, Ägypten — Sechstagekrieg — war da nicht mal was? Genau.

Man wird der Sache nicht gerecht, wenn man sie einseitig auf Israel und die Nichteinbürgerung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten reduziert.

(Wegen des Layouts: Schwamm drüber, Madame. Ist mir auch schon passiert, aber insofern selten, als ich Links meistens in den Text integriere.)
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 10:03
die antwort, j-ap, ist eine sehr einfache:
mann läßt sie nicht wieder rein!
sollen doch andere zusehen, ob sie sie irgendwie 'naturalisieren' oder noch woandershin loswerden...

aber interessanter finde ich eigentlich immer wieder die frage: wie entstehen staatenlose? wer macht staatenlose?

denn nach allem, was ich in meiner anwältinlichen praxis gelernt habe, machen die sich nicht selbst
dame.von.welt schrieb am 02.10.2010 um 12:35
Firas Maraghy, um ihn noch einmal als Beispiel zu verwenden, ist 37 Jahre alt, war also 1967 noch nicht mal ein feuchter Gedanke, ist ergo für seine nur knapp verhinderte faktische Entbürgerung in Ostjerusalem, möchte man die mit 1967 begründen, nun unmöglich persönlich verantwortlich zu machen. Ich kann auch keine Kritikwürdigkeit darin erkennen, daß er seine Heimat vorübergehend verlassen hat.

Mein Eindruck ist vielmehr, daß auch andernorts für verordnete Staatenlosigkeiten nur in seltenen Fällen der Staatslos-Gewordene verantwortlich zu machen ist, etwa durch eigenes Fehlverhalten. Was man auch woanders mal gesondert beleuchten müßte, inwieweit ein Staat überhaupt berechtigt wäre, sich krimineller Bürger zu entledigen. Genauer - ob nicht z.B. eine traditionelle Nichtseßhaftigkeit und die dadurch aberkannte Staatsbürgerschaft eine Konstruktion von Kriminalität darstellt, denkt man dabei etwa an die Mahalmi oder in Israel an die Beduinen. Die Hintergründe für beide Staatenlosigkeiten liegen im Ende des osmanischen Reichs und den darauf folgenden Grenzziehungen und -veränderungen.

Welchen Status haben eigentlich die Bewohner der besetzten Gebiete? Gibt es hier einen unterschiedlichen für Palästinenser und Siedler? Weiß das jemand?

Da ich aber diese Fragen auch nur insofern auf Israel beziehe, als es Ihr Artikelthema ist, mir diese Beispiele auch primär dazu dienten, um das Selbstverständnis des Staats Israel als Judenstaat mit den beschriebenen Risiken und Nebenwirkungen für nichtjüdische Bewohner zu illustrieren, bitte ich nun um Beantwortung der Frage, worin Sie unter Ihrem sonstigen Schwerpunkt der Abschaffung des Staates den Unterschied zwischen Nationalstaat und Judenstaat sehen.

Oder benötigen Sie noch weitere Beispiele, um die graue Theorie der verlinkten Einbürgerungsbestimmungen für nicht zutreffend für alle Bewohner Israels zu halten?

Darin steht :
'Israelische Staatsangehörigkeit durch Geburt erhalten: ...
3. Personen, die in Israel geboren wurden und niemals eine Staatsangehörigkeit besessen haben, unter den im Gesetz angeführten Beschränkungen, wenn sie:
· die Staatsangehörigkeit zwischen ihrem 18. und 25. Geburtstag beantragen und
· in den fünf Jahren, die ihrer Antragstellung unmittelbar vorausgehen, ununterbrochen in Israel gelebt haben.' und
'Erwerb der Staatsangehörigkeit durch Aufenthalt:
Besondere Vorschriften des Staatsangehörigkeitsgesetzes gelten für ehemalige Bürger des britischen Mandatsgebietes Palästina. Personen, die nach der Gründung des Staates Israel 1948 bis zum Inkrafttreten des Staatsangehörigkeitsgesetzes 1952 in Israel verblieben sind, wurden israelische Staatsbürger durch Aufenthalt oder durch Rückkehr.

Durch eine Gesetzesergänzung (1980) wurden weitere Möglichkeiten zum Erwerb der israelischen Staatsangehörigkeit durch Aufenthalt in das Gesetz aufgenommen.'

Ich bin ja juristisch völlig unbeleckt, mir erscheint das aber als bildschöne Konstruktionsmöglichkeit von Staatenlosigkeiten.

Mir geht es dabei auch nicht um 'autochthon' etc., sondern um die Rechte von Individuen, zu denen - freie Entfaltung der Persönlichkeit - in meinem Verständnis ihre Herkunft, ihre Kultur und ihre höchstpersönlichen Eigenartigkeiten gehören. Emotional bin ich ja Ihren Staatsabschaffungsambitionen nie näher, als wenn die Rechte von Individuen in systematischer Weise von einem Staat verletzt werden - wofür Israel kein Alleinstellungsmerkmal aufweist.

Und jetzt bemühe ich mich mal um redaktionelles 'Schwamm drüber' für den zu groß geratenen Kommentar.
oranier schrieb am 30.09.2010 um 23:24
Lieber Josef,

ich will mich um deine per PN gestellten Fragen: "Wo passen die Begriffe nicht? Wo paßt das Völkerrecht nicht? Wo paßt die Historie nicht?" nicht drücken, kann allerdings darauf aufgrund meiner derzeitigen gesundheitlichen Bedingungen nur abrisshaft und kursorisch eingehen und mich auch nur bedingt an der weiteren Diskussion beteiligen.

Ich zäume das Pferd von hinten auf:
Die Relevanz der Diskussion um Silvio Gesell für das Thema kann ich nicht erkennen. Kant war mit seinem angeblichen Rassismus in völlig anderer Weise ein "Kind seiner Zeit". Der biologische Rassismus ist als Ideologie und Pseudowissenschaft ein Produkt des 19. Jh. und ist als solcher Kant und seinen Zeitgenossen fremd. Kant, Herder, Schiller treibt im Gefolge der Entdeckergeschichten des 17. und 18, Jh. die Frage nach den unterschiedlichen Kulturen der Völker um. Das Wort "Rasse" hat für sie noch die allgemeine Bedeutung von "Art" im sinne von "Sorte". Im Gegenzug zu den kolonialen Ausbeutern generieren die Aufklärer des 18. Jh. den "edlen Wilden", nachzulesen etwa in Schillers Jenaer Antrittsvorlesung "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?". Dem kann hier nicht näher nachgegangen werden. Kant einen Rassisten zu nennen ist ähnlich sinnvoll, wie Aristoteles einen Propagandisten der Sklavenhalterei.

Kant entwirft zumal das Prinzip der Menschenwürde, das nicht identisch ist mit den Menschenrechten, sondern in der Philosophie parallel dazu entwickelt wird. Habermas bringt die beiden Prinzipien in jüngster Zeit in Zusammenhang miteinander. Die Menschenrechte als "natürliche Rechte" jedes einzelnen werden zumal von Rousseau formuliert, den Kant und Schiller verehren, und finden ihren Niederschlag erstmalig in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung (ja, ja, gelten in der Verfassung tatsächlich für den weißen amerikanischen Mann) und in der "Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte" durch die französischen Revolutionäre.

Für unser Thema sind aber nicht die auf die Individuen bezogenen Menschenrechte relevant, sondern das deutlich davon unterschiedene, auf Völker und Nationen bezogene Völkerrecht. Darauf wird positiv in einer Rekonstruktion des in deinem Blogtext völlig verzerrten "Selbstbestimmungsrechts der Völker" zurückzukommen sein.

Wird, wo ich kann, fortgesetzt
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 08:19
Lieber oranier,

vielen Dank für die Konkretion, auf diese Weise kommen wir der Sache schon näher — wobei mich die Fortsetzung schon interessieren würde.

Vor allem auf Basis des völlig zurecht angesprochenen sog. »Völkerrechts«. Um es ganz klar zu sagen: Ich halte dieses Konstrukt für völlig verfehlt und einen sehr folgenschweren Fehler, der sich bedauerlicherweise bis heute halten konnte, mit allen unbarmherzigen Konsequenzen.

Ich halte es da weit eher eher mit den »Völkerrechtsleugnern« Hobbes und Hegel. Das Recht ist zwischen den Staaten nämlich »nicht wirklich«, sagt Hegel, es gilt so wenig wirklich wie es einen imaginierten Weltsouverän geben kann, der es garantierte. Der viel und auch von mir zitierte »weltbürgerliche Zustand« in einem einzigen großen Staatskörper, der bei Kant ja als Utopie aufscheint, dementiert Hegels Befund in gar keiner Weise, setzt er doch tatsächlich die Aufhebung jeder Form von Staat voraus.

Da das Verhältnis der Staaten untereinander »ihre Souveränität zum Prinzip hat«, sie sich also im Unterschied etwa zu den citoyens nicht auf ein Drittes beziehen müssen und es auch nicht können, »so sind sie insofern im Naturzustande gegeneinander«, schreibt Hegel — und Naturzustand heißt bei Hegel: unmittelbarer Zwang, wechselseitige Bedrohung und Gewalt.

Grüße,
J. A.-P.
oranier schrieb am 01.10.2010 um 18:33
@ J.A.-P.

Danke!

oranier
oranier schrieb am 30.09.2010 um 23:34
Vorab:
Die Rede vom "Existenzrecht" Israels ist eine der Weisen, in denen Israel seinen Gegenspielern den schwarzen Peter zuschiebt, das eigentliche Problem dabei geschickt umgehend. Schon der zweitälteste abendländische Philosoph, Anaximander von Milet, wusste: ein jegliches behauptet sein Recht zu existieren dadurch, dass es existiert. Das "Existenzrecht" Israels ist eine bloße Tautologie. Das Völkerrecht geht von existierenden Staaten als Völkerrechtssubjekten aus. Besiegelt wird dies durch die formelle wechselseitige diplomatische Anerkennung der Staaten, nicht durch die Anerkennung eines ominösen "Existenzrechtes". Was die Israelis wollen, und mit ihnen Frau Merkel, ist folgendes: die Palästinenser sollen ihren Staat faktisch anerkennen (was die PLO und Arafat, der schließlich nichts lieber geworden wäre, als der Präsident eines souveränen Westbank-Gaza Palästinas, längst getan haben) ohne dass sie bislang allerdings bereit wären, auch nur das "Existenzrechts" eines palästinensischen Staates anzuerkennen.

Grüße
oranier
Emma in Uniform schrieb am 01.10.2010 um 15:48
Wie schön Herr J-ap,

Ihnen bei dieser intensiven Erfahrung mit dem eigenen Weltbild, der Versenkung in den handgeschöpften Schmelz der Privathermeneutik und löblicher Konzentration aufs Wesentliche ("..faschistischen Solidarpakt der »gewachsenen« Völker und Kulturen", Siedlungsprozesse die "Existenzrechte" erzeugen, wenn, "dann Israel und Amerika" u.v.m. an manirierten steinalten Mottenpulver) zu folgen, macht neidisch.

Mit 27 Jahren schon so Schneid, man zieht ja gleich den Bauch ein, wie Sie so aufrecht die Diskussionsfront ablaufen, so unbestechlich konsequent, empathisch, Israels Realpolitik konjugierend, so gelassen und klug. Dazu Ihr elegantes Latein. Einfach Klasse.

Zeigen Sie es den klotzhohlen Antizionisten und saudummen Arabs, J-ap. Das wird schon.

Sie machen das ganz ganz toll.
Und gönnen Sie sich doch mal zur Belohnung ein bißchen D.I.M.E in Ihren Cafe..

- E.Rothschild (Ihr Abrißbagger für den etwas anderen Neubau)
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 16:00
Liebe Emma Rothschild,

der Abrißbagger wird, wie ich nebenan lese, andernorts gebraucht, nicht hier, denn hier geht's im ganzen Gegenteil ums Aufbauen, nicht ums Planieren.

Was ein »D.I.M.E.« ist, weiß ich allerdings wirklich nicht und bitte daher um zeitnahe Aufklärung — obwohl ich gar kein Kaffee-, sondern Teetrinker bin und keine Ahnung habe, ob das auch in den Tee gehört.

Keep a stiff upper lip (and den Bauch always draußen), Ma'am,

Ihr Josef Allensteyn-Puch
Emma in Uniform schrieb am 01.10.2010 um 16:52
Dense Insert Metal Explosive.
Geht auch mit Tee.

Und stürzen Sie nicht schwer von ihrer aufgebauten Streichholzschachtel.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 16:59
"Zeigen Sie es den klotzhohlen Antizionisten und saudummen Arabs, J-ap. Das wird schon."

Antizionisten sind klotzhol. und von "saudummen Arabs" habe ich nirgends hier gelesen, als bei Ihnen, Amme.
Emma in Uniform schrieb am 01.10.2010 um 17:07
Lieber Blog Stil,

Daran soll es nicht scheitern.
Ich sag kurz Ihrer Mami Bescheid, die erklärt Ihnen dann was Sarkasmus ist.

Oder brauchen Sie nur einen Windelwechsel?
Oder ein warmes Fläschen?

besorgt - Emma
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 05:12
Liebe Emma,

"Oder brauchen Sie nur einen Windelwechsel?
Oder ein warmes Fläschen?"

Ihren Sarkasmus habe ich gar nicht infrage gestellt. Nur, daß Sie es J. unterschieben wollten und das war doof.

Übrigens: Süß, daß mit dem Anagramm aber nicht zutreffend.

Brauchen Sie Bildung?
Emma in Uniform schrieb am 03.10.2010 um 03:01
Ja, das war ganz ganz "doof".
Der arme J-ap, der Gute.
"Süß", daß Sie so besorgt sind,
Trocknen Sie Ihre Tränen. Es geht weiter.

Und bilden Sie mich doch bitte, am besten auch meine Meinung. Nicht dass ich womöglich zu den Erzlinken gehöre, ohne es zu wissen.

Missionarischer Wille ist auch Ihnen in dieser Sache Selbstverständlichkeit, immerhin müssen Sie ja hier die meiste Zeit mit kollossalen Widerständen kämpfen, statt sich mit Wonne dem intertextuellen Diskurs widmen zu können.

Ich folge bis dahin gern Rahabs, C. Lauschs, Dame von Welts, tggs, U. Theels und Dointgolfiers Äußerungen mit großem Gewinn, es "büldet" tatsächlich ungemein.

(Wie kommen Sie überhaupt auf Anagramm?
Ihre Amme war doch nur eine Unverschämtheit.)

bildungsprofilneuroselose Grüße- Emma Rothschild
Emma in Uniform schrieb am 01.10.2010 um 15:49
..so viel Schneid, muss es heißen, tschulligung.
Phineas Freek schrieb am 01.10.2010 um 16:19
j-ap schrieb am 16.09.2010 um 23:51 in:

www.freitag.de/community/blogs/michael-jaeger/51-die-neue-marxlektuere-eine-rezension

„ich kann Klavier spielen, Querflöte nicht, aber daneben noch Trompete, Horn und Violine. Ich spreche Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, verstehe daneben noch Italienisch, Ungarisch und Tschechisch, die letzten beiden allerdings nur rudimentär.“

Ja liebe Emma in Uniform, darüberhinaus promovierte j-ap in Rechtswissenschaft und Philosophie und ist je nach Laune und Blog zwischen 27 und 38 Jahre alt.
Da ich gar nicht alle j-apschen Beiträge gelesen habe, wird sich diese ganz und gar uneitle, beeindruckende und bescheidene Leistungsschau sicher noch um den einen oder anderen Doktortitel erweitern lassen.
thinktankgirl schrieb am 01.10.2010 um 16:33
Es ist immer schön, gebildete Menschen um sich zu haben ;-)
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 16:47
Lieber Phineas Freek,

wenn jemand etwas von mir wissen will, dann versuche ich, zu antworten.

Daß ich in Philosophie promoviert hätte, ist falsch. Daß ich in Rechtswissenschaften promoviert habe, stimmt.

Daß ich 38 Jahre alt sei, ist falsch. Daß ich 27 Jahre alt bin, stimmt.

Daß es in Deutschland strafbar ist, jemanden fälschlicherweise einer Straftat — etwa des mißbräuchlichen Führens von akademischen Titeln wie Doktorgraden — zu bezichtigen, stimmt. Daß ich Ihnen dazu rate, sich die einschlägigen Vorschriften in einer ruhigen Minute einmal zu Gemüte zu führen, stimmt auch.

Wie Sie sehen: Es ist alles in Ordnung.

Viele Grüße,
J. A.-P.
Emma in Uniform schrieb am 01.10.2010 um 16:49
Beeindruckend.

Bildung formte diesen Charakter.
Stepptanz und Trompete den Körper.

Diese Festigkeit. Dieser Mensch gewordene Weltgeist.

Eine hyperventilierende Veranstaltung Gottes.
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 17:01
Wo wir gerade so nett am Thema dieses Artikels entlangplauschen, Emma und Phineas:

Meine Schuhgröße, die Farbe meiner Taschentücher sowie die Frage, ob es wirklich stimmt, daß ich Boxershorts mit lustigen Mickey Mouse-Gesichern trage, haben wir bislang noch gar nicht behandelt. Wollen Sie nicht entsprechende Blog-Serien dazu aufmachen?
Phineas Freek schrieb am 01.10.2010 um 17:05
Hochverehrter j-ap,

...jetzt japst unser Möchtegernanarchist schon verklausulierte Drohungen aus seinen libertären Schrebergarten - warum so nervös, lieber j-ap?. Alles stimmt, auch das Sie sich als Enddreißiger outeten...
Ihren Rat, die Vorliebe und Verweise auf einschlägige Vorschriften stecken Sie sich bitte dahin, wo Sie es besonders gern haben.
Sie machen sich gerade lächerlich.
Merken Sie das noch?
Muß man da noch nachhelfen?

Liebe Grüße
PF
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 17:05
Komisch, sind Emmas immer inhaltsleer? Ich erinnere mich, von Ihnen schon Substanz gesehen zu haben. Was haben Sie denn in der Sache hier so drauf? Der Beitrag ist doch schlüssig, und daß nun J.A.-P. auf so unprofessionelle und erzkonservativlinke Art persönlich angegriffen wird ändert doch nichts an den Fakten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 17:06
Komisch, sind Emmas immer inhaltsleer? Ich erinnere mich, von Ihnen schon Substanz gesehen zu haben. Was haben Sie denn in der Sache hier so drauf? Der Beitrag ist doch schlüssig, und daß nun J.A.-P. auf so unprofessionelle und erzkonservativlinke Art persönlich angegriffen wird ändert doch nichts an den Fakten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 17:10
PF - warum kollabieren Sie derart?
Kommen Sie in der eigentlichen Sache nicht weiter?

Vielleicht machen Sie sich gerade lächerlich?!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 17:11
PF, da ich gerade über Sie lachen mußte ...
Ich ergänze: Sie machen sich lächerlich.
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 17:20
Lieber Phineas,

seit wann ist ein banaler Hinweis auf geltendes Recht schon eine »Drohung«?

Wenn es stimmt, daß ich mich als Enddreißiger »geoutet« haben soll, dann fällt es Ihnen bestimmt nicht schwer, mir diesen Kommentar zu zeigen, oder? Also, ich bitte darum. Alternativ bitte ich darum, diesen lächerlichen Zinnober, den Sie hier veranstalten, in Hinkunft sein zu lassen.

Daß Sie bei Manufactum rausgeflogen sind, ist bedauerlich, und ich habe Ihre Bemerkungen dazu nicht ohne inneren Schauder gelesen. Aber daß Sie deshalb seit einiger Zeit gegen alles und jeden pöbeln, der in Ihrer Imagination (und auch wirklich nur da) bei Manufactum einkaufen könnte, finde ich ehrlich gesagt in höchsten Maßen peinlich, noch dazu, weil sich Ihre Humorversuche sprachlich mittlerweile in den allerunterwürdigsten Schweinetrögen suhlen, die ich hier seit langem gelesen habe.

Und Ihre homophoben Zoten belassen Sie in Zukunft bitte auch bei sich.
Phineas Freek schrieb am 01.10.2010 um 17:21
"Der Beitrag ist doch schlüssig"

Erklär mal, wobei und warum, Du trolliger kleiner Sekundant...
Emma in Uniform schrieb am 01.10.2010 um 17:30
Seien Sie nicht enttäuscht.

Aber ich finde seine Beiträge nicht schlüssig. Es handelt sich um persönliche Meinung, nicht um sachliche Erörterung von Inhalten und Positionen. Somit fühle ich keine Pflicht der Zustimmung.
Er referiert von der hohen Warte herab, setzt Maßstäbe fest, in der irrigen Ansicht die Gegner seiner Position hier würden Isreal das Existenzrecht aberkennen wollen.
Was nicht der Fall ist.

Seien Sie doch so nett und konkretisieren Sie bitte: Was soll ich hier draufhaben. Eine eigene Meinung?
Ja, die hätte ich.
Ob unprofessionell und erzkonservativlinks(!), ich bilde mir ein, daß die Anwesenden sich bereits gut kennen und ein alter Schlagabtausch in die x-ste Runde geht.
Die Positionen sind verteilt. Und es wird von den meisten sehr sehr abstrakt verhandelt, was sich in Wirklichkeit als millionenfach schweres, leidvolles Schicksal manifestiert. Das behagt mir hier nicht.

Aber u.a. Rahabs oder ttgs allgemeine Positionen in diesem Konflikt behagen mir.

Dachten Sie sich schon?

Dann ist ja gut - Emma Rothschild
Phineas Freek schrieb am 01.10.2010 um 17:31
...jetzt brennen Ihre Sicherungen wohl vollends durch, lieber j - ap - hat die blöde Neppbude Manufactum jetzt hier Erwähnung gefunden, weil Sie nachweislich antisemitische Bücher verlegen läßt und verscheuert?
Dass Sie keinen Humor besitzen machen Sie doch nicht mir zum Vorwurf.
Wo war ich homophob?

Liebe Grüße
PF
Emma in Uniform schrieb am 01.10.2010 um 17:46
Wie "lustig", Herr J-ap.

Wir wollten nämlich gerade schon darum wetten, ob Sie mit Diddl-Maus-bedruckte Stofftaschentücher und Schuhgröße 38 tragen oder eher Sponge Bob-Bettwäsche und Inline-Skates bevorzugen.
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 17:48
Nö, Phineas.

Wissen Sie, warum ich das schrieb? Weil ich ausnahmsweise mal genauso munter einfach ins Blaue rein spekuliert habe wie Sie, und auf Basis dieser Spekulation habe ich mir dann völlig freihändig irgendwas zusammengestrickt, was sich auf Ihre Person münzen läßt.

Genau so, wie Sie das oben gemacht haben, mit meinem Alter, mit meinem akademischen Werdegang, dem Papierkorb aufm Pausenhof, in dem die petzenden Streber (da mußte ich damals wirklich lachen, Phineas... oh, wenn Sie wüßten!) landen und dann später zu Arschlöchern werden, usw. usf.

Jetzt mal ehrlich und Hand aufs Herz: Seit mittlerweile 20 (!) Kommentaren beschäftigen Sie, Emma, ich, gill bost sich ausschließlich mit irgendwelchem sinnlosen Klamauk, der weder etwas mit dem Thema zu tun hat noch auch nur annähernd irgendein konkret faßbares Ergebnis bringen dürfte abgesehen von dem, daß wir uns gegenseitig mal die Nettigkeiten zugedacht haben, die wir uns schon immer mal auf den Kopf zu sagen wollen.

Ich habe absolut kein Problem damit, wenn Sie die Ansicht, die ich im Artikel vertrete, in keiner Weise teilen. Ich habe noch nicht einmal ein Problem damit, wenn Sie mich für ein Arschloch halten, warum auch immer. Aber wenn das so ist, dann schreiben Sie's halt einfach hin: Ich, Phineas, halte J. A.-P. für einen Idioten und werde mich deshalb mit dem Schmarrn, den er so verzapft, gar nicht erst befassen.

Ich find's zwar schade, wenn Sie's nicht begründen können, warum Sie mich für einen Arsch halten, aber Sie müssen es natürlich nicht begründen. Ich halte es nur für reichlich panne, wenn Sie stattdessen irgendwelche geschmacklosen Spekulationen an die Luft setzen, um mich deshalb für einen Arsch halten zu können.

Das war jetzt mal ganz unverschwurbelt, undoktoriert und unakademisch genau das, was ich darüber denke.
Rapanui schrieb am 01.10.2010 um 18:53
Och kinnersch! Is gut jetz!

Ich lese Ihre Beiträge, so weit Sie inhaltlich sind, wirklich mit Gewinn.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 23:40
Phineas

Du? Da sind wir noch nicht.
Und wozu sollte ich erklären, was man (Sie) lesen könnte(n).

Meinen Sie, nur weil die M***e hier über wen herfällt und anstatt seiner Meinung den Blogger channelt, ist eine Unterstützung Lichthalten?

Sie lesen und ich erkläre Ihnen garnichts.
Es sei denn,
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 23:46
@Emma:
"referiert von der hohen Warte herab"

Nirgends - er schreibt. Wenn Sie sich zum Lesen hinlegen, ist das Ihre Sache.

"ich bilde mir ein, daß die Anwesenden sich bereits gut kennen"

Genau - famiglia il venerdì. Da muß man schon hart gesotten sein, um ein Pünktchen zu malen. Das habe ich hier in kürzerer Zeit verstanden. Wenn Sie mich fragen, da kämpfen erbittert Erzlinke um die Wochenendzeitung.

"Und es wird von den meisten sehr sehr abstrakt verhandelt, was sich in Wirklichkeit als millionenfach schweres, leidvolles Schicksal manifestiert. Das behagt mir hier nicht."

Das ist geradezu der Hohn der Zensur - mit Leid (was tatsächlich ist) die Urteilsfähigkeit einschränken.

Das behagt mir nicht. Oder berufen Sie sich auf das Recht der Freitags(C)älteren, die hier unterhalb der Journalistengrenze mitplappern dürfen?
Phineas Freek schrieb am 01.10.2010 um 23:53
...nee, gill prost, Sie erklären und wenn nötig sage ich Ihnen dann, wo Sie falsch liegen...

Es sei denn, jemand anderes übernimmt diesen fruchtlosen Part...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 00:07
@ttg
In der Tat. Jedenfalls viel schöner als Menschen, die auf ihre eigene Unbildung auch noch stolz sind.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 05:15
Und da beleidigen Sie und beleidigen.
Links ist ....?

Interessant - ich habe da andere Auffassungen.

Also ich erkläre es Ihnen nicht nochmal. Zustimmung bedeutet Zustimmung. Inweiweit man dann noch etwas erklären muß, ist wohl die Entscheidung des Zustimmenden.

Aber machen Sie mal. Ich sitze in der Loge und klatsche hin und wieder.
hibou schrieb am 02.10.2010 um 10:09
mit Literaturlisten bitte
thinktankgirl schrieb am 02.10.2010 um 14:15
@hibou

Finde ich schön, daß du dich weiterbilden willst.

Ich kann dir gerne weitere Literaturlisten zu meinen Themen zukommen lassen. Gerne per PN.
thinktankgirl schrieb am 02.10.2010 um 14:16
Ich bin auf meine Bildung stolz!
Nicklos Luhmann schrieb am 02.10.2010 um 15:59
Herr "j-ap schrieb am 01.10.2010 um 17:20

Lieber Phineas, . . . "
Selten auf diese Weise am Boden gelegen :)
Nicklos Luhmann schrieb am 02.10.2010 um 16:04
Ich bin stolz, dass ich neben meiner Liebe zu plattem Humor und Flachwitzen auch feinen suggestiven genießen kann.
j-ap schrieb am 02.10.2010 um 16:14
Tatsache, Herr Luhmann? Dann wird Ihnen eventualiter die feine, suggestive Melodei pläsieren, mit der auf den Lippen ich gestern Abend von hinnen zog:

When Phineas can with great conviction
Instruct J. A.-P. in diction
Then all this shows:
Anything goes ...
Phineas Freek schrieb am 02.10.2010 um 16:47
…da sind Sie ja endlich wieder, mein lieber j-ap – sind Ihnen die schönen Verse in der Schulhofmülle oder nur so beim Luft schnappen eingefallen...?
j-ap schrieb am 02.10.2010 um 17:08
Beim Rauchen unter der Dusche!
hibou schrieb am 02.10.2010 um 17:55
@ttg: kann ich denn lesen?
Louis Levy schrieb am 02.10.2010 um 21:36
Phineas Freek schrieb am 01.10.2010 um 17:05

"Ihren Rat, die Vorliebe und Verweise auf einschlägige Vorschriften stecken Sie sich bitte dahin, wo Sie es besonders gern haben."

Ich finde diesen Kommentar von Phineas Freek jenseits aller ... ich möchte bzw. kann das gar nicht hier ausführen, was man dir darauf entgegnen sollte. Dass die Redaktion hier keinen Verstoß gegen die AGB sieht... auch darauf kann sich jeder, der Augen hat, seine Meinung bilden. Wenn du einen Funken von Feingefühl hast, Phineas Freek, wäre eine Entschuldigung bei j-ap für deinen Fehltritt in die Senkgrube der Menschlichkeit angezeigt.

@ j-ap

Respekt vor Ihrem couragierten Alleingang und die gute und unangefochte Argumentation, die die an Ihnen hängende Meute äußerst blass aussehen läßt und vor der ich über weite Strecken nur affirmativ den Hut ziehen kann. Chapeau!

Beste Grüße

LL
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 23:01
@LL
manchmal frag ich mich, ob ich hier im Iran gelandet bin - mit sittenwächtern allerorten
wo dann den Levis ihr Ludwig die 'schwester' dabei hat, damit auch die weiblichen gründlich leibesvisitiert werden können
Phineas Freek schrieb am 03.10.2010 um 01:31
@LL

Phineas Freek schrieb am 01.10.2010 um 17:05
„Ihren (j-ap) Rat, die Vorliebe und Verweise auf einschlägige Vorschriften stecken Sie sich bitte dahin, wo Sie es besonders gern haben.“

Hätten Sie auch nur ein Fünkchen Verstand, mein lieber Louis Levy, dann wäre vielleicht auch einer Leuchte wie Ihnen eingefallen, dass der menschliche, in diesem Falle männliche Körper, aus MEHR als nur DER EINEN Körperöffnung besteht.
Das J-AP, SIE und der bedauernswerte TROLL weiter unten beim Thema „besonders gern haben“, anscheinend sofort, immer und ausschließlich an DIE EINE BESTIMMTE denken mussten, liegt nun wirklich nicht in meiner Verantwortung.
Dass haben SIE sich ganz alleine und ohne jegliches Zutun Meinerseits zu recht gedacht. Wenn IHNEN diese Eigenleistung unbehaglich erscheint, dann haben SIE ein Problem mit SICH.
Wie und warum so etwas zustande kommt – da kann Ihnen sicherlich schon jeder x-beliebige Psychologiestudent oder von mir aus auch Dr. Sommer fachkundige Auskunft geben.
.
Für einen möglichen Dachverband dieser ulkigen, aber leider viel zu anhänglichen „antideutschen“ Nervensägen, hätte ich allerdings schon einen möglichen Namen anzubieten – wie wär’s mit:
EIN KÄFIG VOLLER NARREN.
Emma in Uniform schrieb am 03.10.2010 um 03:47
Halluzinieren Sie gern weiter, Erzlinke"," Hohn der Zensur"," geschenkt.

Sie sind doch in Wahrheit froh, daß Sie hier mit vermeintlich jenen über diesen Konflikt streiten, sie der Unbildung und der mangelnden moralischen Hygiene bezichtigen können. Sehen Sie, das macht den Freitagblog aus, seine Macher sind interessiert daran, auch sehr eigene oder extreme Meinungen zuzulassen, die Konfrontationen zu verfolgen und den Kampf lediglich entlang der Benimmregeln zu steuern.

Apropos, was tun Sie denn hier mehr als hineinplappern?
Ich sehe auch keine relevante eigene Stellungsnahme Ihrerseits zu dieser Sache. Sie protegieren aber ganz krampfig J-aps Meinung, als wäre es Staatssache.

Und zaubern für mich dann aber was hervor? Die Journalistengrenze?

Wie uneitel, Sie sollten schon konkreter werden. Nur keine Scheu. Ich mache mich bestimmt nicht lustig!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 05:19
Emma in Uniform schrieb am 03.10.2010 um 03:47

Meinen Sie mich?

"Sie sind doch in Wahrheit froh, daß Sie hier mit vermeintlich jenen über diesen Konflikt streiten, sie der Unbildung und der mangelnden moralischen Hygiene bezichtigen können"

Unterstellung.

"seine Macher"
Die Blogger?

"Ich sehe auch keine relevante eigene Stellungsnahme Ihrerseits zu dieser Sache."

Relevanz?

Mit Journalistengrenze meinte ich nur die technische Grenze zwischen den hier ansässigen Journalisten und den mitbloggenden Autoren.
Es geht mir nicht um ein Gebot.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 05:19
Emma in Uniform schrieb am 03.10.2010 um 03:47

Meinen Sie mich?

"Sie sind doch in Wahrheit froh, daß Sie hier mit vermeintlich jenen über diesen Konflikt streiten, sie der Unbildung und der mangelnden moralischen Hygiene bezichtigen können"

Unterstellung.

"seine Macher"
Die Blogger?

"Ich sehe auch keine relevante eigene Stellungsnahme Ihrerseits zu dieser Sache."

Relevanz?

Mit Journalistengrenze meinte ich nur die technische Grenze zwischen den hier ansässigen Journalisten und den mitbloggenden Autoren.
Es geht mir nicht um ein Gebot.
Emma in Uniform schrieb am 04.10.2010 um 15:23
Sachte, immer schön langsam.

Macher?
Wat?
Ich meinte die Redaktion, nicht die Blogger, wie kommen Sie darauf.

Unterstellung?
Ja, richtig. Wir unterstellen. Ihr unterstellt. Sie unterstellen.So ist das Leben, Herr Bost, so rauh weht hier der Wind auch aus Ihrem Hals.

Und Sie sollten mir hier nicht dickgedruckt Ihr privates Phantasievokabular wie "Journalistengrenze" übersetzen, Sie sollten Ihre Unterstellung" mir gegenüber ("oder gehören Sie zu denen, die unterhalb der Journalistengrenze mitplappern dürfen o.ä?.") erläutern, ich hatte Sie gefragt, was Sie denn hier wohl anderes tun, als ebenfalls "mitzuplappern", wie Sie sich auch woanders erlauben, fürs Thema irrelevante, persönliche Kritik zu Kommentarstrecken zwischen anderen zu äußern, die Sie rein formal gesehen, eigentlich nichts angehen , es sei denn: Passen Sie auf - jetzt wirds spannend - es sei denn, Sie bilden in dem betreffenden Blog eine moralische Front mit J-ap, Hermanitou, B.V., oder Dingenskirchen und wollen das alle anderen auch unbedingt wissen lassen oder eben die Gegener abwatschen. Und das ist "ok", Herr Bost, das ist so üblich, jeder tut es.

Selber wollen Sie dann allerdings hysterisch kreischend verbieten, daß andere Ihre Kommentare überhaupt verfolgen und bewerten,( aktuell auch Weinzstein, Stuttgart21) dafür she ich mit wachsender Begeisterung, daß Sie aber dafür auch mir wiederholt ins Gesicht springen, für das was ich anderen kommentiert habe, anderen, nicht ihnen. Aber wenn Weinzstein das bei Ihnen macht, ist das nicht in Ordnung? Nein? UND WARUM NICHT?

Verstehen Sie mich nicht falsch, machen Sie es ruhig, quatschen Sie weiter von der Seite aggressiv ins Gespräch, mache ich auch. Aber gestehen Sie das auch gefälligst ALLEN ANDEREN zu, auch wenn diese nicht Ihre Meinung teilen, ok?

Geht das Ordnung?

Heute mehr Kant(ig) als Kraus- Emma
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 17:48
ich tät ja gern wieder zur 'sache' zurückkommen ... und stelle mal die frage, weshalb Israel nun eigentlich in unbedingt in Palästina staat werden mußte.
wenn es denn mit den autochthonen solch eine rückständige - und auch noch weit schlimmere - bewandtnis haben soll
warum haben denn dann die fortschrittlichen staaten Europas nicht einfach ein bißchen platz gemacht für ein Israel, nachdem so schrecklich klar geworden war, dass juden einen eigenen staat, einen letzten fluchtpunkt brauchen?
wie konnte Europa, das aufgeklärte, es verantworten, die verfolgten und überlebenden ausgerechnet dahin zu verweisen, wo ihnen die nächste unbill drohte?
Ernst schrieb am 01.10.2010 um 17:59
Ihre Frage, Rahab, beantwortet sich über einen kirchlichen Märtyrer:
Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andere an!

Immerhin waren die Verantwortlichen so lieb, die Juden nicht in die Antartis zu verfrachten - da würden die Moslems sie allerdings gerne sehen.
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 18:01
Das ist zwar in der Tat eine interessante Frage, Rahab, die keineswegs einfach mal so von der Hand zu weisen ist, aber: Was bringen solche Was-wäre-wenn-Rechnungen?

Israel liegt nun einmal da, wo es liegt, und es wird auch durch die Imagination eines anderen historischen Verlaufs nicht wieder woanders liegen.

Worauf wollen Sie also genau hinaus? Daß Europäer (und Amis schon zweimal, die liegen ja noch nicht einmal in Europa!) vom Nahen Osten von vornherein etwas verlangt haben, was sie selbst nicht zu geben bereit waren?
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 18:12
das ist die kern-frage!

und zwar nicht als was-wäre-wenn
sondern: was hat die europäischen staaten gehindert?

nicht dass mensch mich falsch versteht - ich bin, wenn's nicht grad übermäßig knallt, gern im lande, um grunde lieber als hier in der durchzwilisierten kulturlandschaft

aber das könnte ich auch in einem Palästina sein und das licht in Jerusalem wäre immer noch das schönste der welt!
Ernst schrieb am 01.10.2010 um 18:23
Hallo j-ap, es war doch nichts anderes als das Geschwafel von den indigenen Völkern, von den autochthonen Juden in ihrem gelobten Land Judäa. Das diente als Vorwand, sie andernorts loszuwerden. Da waren die Amerikaner ebenso dabei wie alle anderen Christen.
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 18:49
Rahab,

diese Frage hätte sich gar nicht erst gestellt, wenn nicht schon 1937 eine Zwei-Staaten-Lösung gezielt hintertrieben und damit verhindert worden wäre, und zwar von niemand geringerem als Amin el-Husseini.

Bis heute hat die Historiographie der PLO die Stimmen der Araber unterdrückt, die den Zionismus unterstützt oder sich mit ihm arrangiert hatten: So begrüßten zahlreiche Araber in den 1920er-Jahren die aus Europa einwandernden Juden als Investoren, die mit neuen Technologien und neuem Elan den materiellen und kulturellen Abstand zwischen dem Orient und dem Okzident würden verringern helfen.

Die Mehrheit der arabischer Palästinenser wollte sogar 1947 den Zwei-Staaten-Beschluss der Vereinten Nationen akzeptieren, immerhin hatten zu diesem Zeitpunkt zehntausende Palästinenser in jüdisch dominierten Wirtschaftsbereichen (zB in der Landwirtschaft) Arbeit gefunden. Ohne seine Landsleute zu konsultieren wies eben dieser Amin el-Husseini den Zwei-Staaten-Beschluss der UN zurück und überredete die Führer der fünf arabischen Nachbarländer, die Etablierung des jüdischen Teilstaats mit allen Mitteln zu verhindern.

Es war der ebenso verhängnisvolle wie vermeidbare Krieg von 47/48, der jene »harten Konsequenzen« zeitigte, als deren Opfer sich die Palästinenser bis heute allzu gern gerieren, und nicht der Umstand, daß Israel nicht in Europa liegt.
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 18:57
ach du je...
der mufti war's!

dieser abgebrochene student
mufti von GB's gnaden

ich amüsier mich jetzt erst mal anderwärts...
j-ap schrieb am 01.10.2010 um 19:46
Amüsemang?

Na, solange Sie nicht Klavier, Trompete, Horn oder Violine spielen, Französisch lernen, eine wissenschaftliche Arbeit schreiben, mit der Federboa um den Hals auf dem Ku'damm inlineskaten oder die Fahrgestellnummern sämtlicher vor 1978 in Berlin zugelassenen Fahrzeuge, die zeitgleich signalrot sind und deren Kennzeichen ohne Rest durch drei teilbar ist, mit einem Glas Senfgurkenwasser im Mund zur Melodie von Preußens Gloria abgurgeln, ist das alles kein Problem, Rahab.
Rapanui schrieb am 01.10.2010 um 20:19
Hallo Rahab,

>>>warum haben denn dann die fortschrittlichen staaten Europas nicht einfach ein bißchen platz gemacht für ein Israel?<<<

Das ist eine spannende und lohnende Frage.

Jap fragt nun an >>>>Was bringen solche Was-wäre-wenn-Rechnungen? <<<<

Sehr viel. Denn die Ursachen, die dazu führen, dass ein Staat gegründet wird - der sich zudem, wie das Beispiel Israels zeigt, als lebensfähig erweist - verlieren sich nicht in 50 Jahren, sondern haben eine historisch dauerhafte Bedeutung. Es gab für die Überlebenden des faschistischen Rassenwahns der sich massenmörderisch gegen die imaginierte "jüdische Rasse" wandte, sehr gute Gründe eine zivilisatorische Organisationsform zu finden, die eine Wiederholung dieses Mordens grundsätzlich verhindert.

Das hätte nicht die Gründung eines israelischen Staates und schon gar nicht die Gründung an dem jetzigen Platze sein müssen. Der Staat Israel an seinem jetzigen Platz ist also nur, die dann als historisch Fakt eingetretene, von 1945 aus betrachtete, Möglichkeit. Um diese These zu untersuchen lohnt also die Frage von Rahab.

Man stelle sich einmal vor, die Alliierten hätten auf ehemaligem deutschen Staatsgebiet, z.B. in Schlesien, statt dies Polen zuzuteilen; einem neuen jüdischen Staat Israel politische Optionen eingeräumt. So ungeheuer dieser Gedanke heute scheint, er ist nicht visionärer als der, dies in Palästina zu tun und könnte heute ebenso politischer Fakt sein, wie der israelische Staat in Palästina.

Er hätte in der Frage von Schuld und Sühne Deutschlands sogar viel für sich gehabt. Vielleicht hätte dieser Staat nicht Israel heißen können, aber das halte ich im politischen Sinne für eine zweitrangige Frage.

Warum es nicht dazu oder zu anderen Formen einer neuen staatlichen Organisation, die alle Bürger so auch die "Juden" als Staatsbürger anerkennt, kam, ist eben kein Zufall.
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 22:27
nur mal so angemerkt: an Schlesien hatte ich nicht gedacht!
aber so Rheingau bis Konstanz ... wär doch nett gewesen
oder?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 22:40
@Rapanui
Ja, warum eigentlich nicht Schlesien? Genauso gut könnte man allerdings auch fragen: warum nicht Sachsen, warum nicht Schleswig-Holstein oder vielleicht das Ruhrgebiet?
Abgesehen davon, dass die jeweiligen Bewohner dieser Landstriche, die dann selbst zu den Vertriebenen gehört hätten, sich vermutlich nicht gefreut hätten - dagegen hätte vor allem gesprochen, dass wohl die wenigsten Juden sich ausgerechnet mitten in Deutschland oder auch am Rande Deutschlands hätten niederlassen wollen. Für Palästina sprach, dass die Juden in dieser Region nun einmal ihre historischen Wurzeln sehen.
Banal, aber wohl nicht so einfach von der Hand zu weisen.
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 22:56
nun mal sachte, dD!
den 'historischen Wurzeln' hat j-ap eine absage erteilt - die stehen, wie weiter oben zu lesen, für rückständigkeit, vor allem im vorderen orient

zudem wären das ja 'irgendwie religiöse' - und das ist ja noch schlimmer

andererseits freue ich mich sehr über den hinweis auf die "historischen Wurzeln", weil mir dazu immer die frage einfällt, ob es legitim ist, eine sog. heilige schrift als grundbuch zu lesen

ob die bewohner der landstriche, welche freizumachen gewesen wären, sich gefreut hätten .... das muß dahinstehen
bzw. das ist in anbetracht der tiefen verbundenheit und schuld doch wohl hoffentlich keine ernsthafte frage!?
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 22:59
und bevor ich's vergesse, dD,
kann denn irgendwein opfer für die durchsetzung wahrer aufklärung zu groß sein?!
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 22:59
irgendein - meinte ich
Rapanui schrieb am 01.10.2010 um 23:25
@ derDonnerstag am 01.10.2010 um 22:40

Ich hatte es schon beschrieben: Gegen "Schlesien" sprach genauso viel wie gegen Palästina, nämlich, dass man sich jeweils einen Weg überlegen musste, wie mit der dort ansässigen Bevölkerung umzugehen sei. Ich unterstelle, dass "man" in jedem Szenario die gleichen Interessenten gewesen sind.

Gegen "Schlesien" sprach die vorherzusehende Konstellation des Kalten Kriegs, genauso wie diese für Palästina sprach. Die Sowjetunion hat sich hier übrigens mit Israel verrechnet und ist später auf die Unterstützung der arabischen Staaten gegen Israel umgeschwenkt. Ein jüdische Staat in Europa hätte dann natürlich eine Sicherheitsgarantie von Sowjetunion und USA gebraucht.

Dann wäre als politische Utopie das eingetreten, was Jap hier im Blog imaginierte, der jüdische Staat als antinationales völkerrechtliches Subjekt. Das ist so schön, dass einem die Tränen kommen, angesichts dessen, was Israel heute ist und sein muss.

@ Rahab, hier stimme ich ich Ihnen zu.
Die historischen Wurzeln, die derDonnerstag begründend nennt, scheinen zwar konstituierend für den Staat Israel zu sein, sind es aber nur per unablässiger Wiederholung und Imagination. Die "Juden" könnten uns eine kosmoplitische Zivilisation schenken, oder wenigstens den Gedanken daran und wühlen stattdessen dauernd im Wüstenboden herum, um die alttestamentarischen Grundstücksbegrenzungen zu finden.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 23:52
Zur Kernfrage (rahab):

Weil es eben nicht so gewesen ist, ist es wohl um so bedeutsamer, Antizionisten kotzhohl zu finden (siehe weiter oben). Nach meiner Empfindung wäre die historische Reparation auf deutschem Boden sinnvoll gewesen. Denn passen Sie mal auf, was etwa bei Stuttgart21 so mit hochkocht. Die ersten Eindrücke sind seit gestern wieder wahrnehmbarer geworden. Daß "wir das Volk" sind, kann ich zum dritten Male in diesem Land nicht hören.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 00:49
@Rahab
Ich habe nicht davon gesprochen, was j-ap von den "historischen Wurzeln" hält, sondern was die Juden unmittelbar nach dem Holocaust in ihrer Mehrheit wohl davon gehalten haben werden - und von der Alternative.
Die Wurzeln müssen ja nicht unbedingt "irgendwie religiös" begründet werden. Obwohl ich natürlich zugeben muss, dass die einfache Tatsache, dass Juden schon vor Urzeiten in Palästina gelebt haben, auch kein sooo gutes Argument ist.

Ich finde, man kann durchaus darüber streiten, ob die Idee, den Staat Israel ausgerechnet in Palästina zu errichten, richtig und gut war.
Nur jetzt existiert dieser Staat nun einmal dort. Wo wir schon bei Schlesien waren - nach dem Motto: die dortige Bevölkerung war ja eh schon vertrieben worden, also die Gelegenheit günstig - :

Polen hat bekanntlich nach dem Zweiten Weltkrieg auch ganz neue Grenzen bekommen - nach Westen, wie nach Osten. Und es war sicher kein Zufall, dass polnische Historiker dieser Westverschiebung eine höhere Weihe zu geben versuchten, indem sie darauf verwiesen, dass doch vor tausend Jahren oder so schon einmal "Polen", d.h. slawische Stämme, in den neuen "Westgebieten" gesiedelt hätten. Über die verlorenen polnischen Ostgebiete hielten sie sich dagegen eher bedeckt, soweit ich weiß.

Was ich damit sagen will: In beiden Fällen ist die nachträgliche Begründung (d.h. die, die ich hier genannt habe; es gibt da natürlich auch noch andere Begründungen) an den Haaren herbeigezogen. Die Existenz beider Staaten und ihr jeweiliges Staatsgebiet sind dagegen Fakt. Das Rad der Geschichte lässt sich nun mal schlecht zurückdrehen.
Davon träumen höchstens Neonazis und Geistesverwandte wie Ahmadinedschad, der Israel bekanntlich gerne nach Kanada oder Alaska verlegen möchte.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 00:53
@Rapanui
Danke für die Erläuterung. Ich kann diese Haltung gut nachvollziehen, bin da selbst aber letztlich gespalten. Israel wäre dann sicher ein anderer, vermutlich besserer, Staat. Aber wie anders und wie besser ... und ob nicht auch Nachteile damit verbunden gewesen wären? Ehrlich gesagt, mit dieser Frage habe ich mich noch viel zu wenig beschäftigt, um dazu eine eindeutige Meinung zu haben.

Was die historischen Wurzeln betrifft, s.o. Z.T. stimme ich Rahab auch zu - ein sehr seltener Fall. :)
j-ap schrieb am 02.10.2010 um 09:40
Nur mal als Zwischendecke eingezogen:

Gab es da nicht mal soetwas wie ein Völkerbund-Mandatsgebiet Palästina? Wurde darauf nicht auch der Staat Jordanien gegründet? Warum stellt die Frage nach dem wie, warum und vor allem wo bezeichnenderweise niemand für Jordanien, sondern immer nur für Israel?
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 09:59
aaah!
wir nähern uns langsam den interessanten fragen....

was hat der völkerbund im vorderen orient veranstaltet und aus welchen gründen? zu welchen zwecken? in welchen hoffnungen?
welche vereinbarungen/verabredungen wurden dabei ignoriert und warum?
das wäre der eine komplex.

und der andere ist das britische mandat, auch im zusammenspiel mit und gegenspiel zu dem französischen
interessen, ziele, pläne, absichten, politiken, partner, gegenspieler, wechselnde allianzen ...
ab und zu einen blick nach Ägypten werfen bitte nicht vergessen
und die frage, wer wann wie und warum oder auch nicht ins spiel kommt

und im hinterkopf immer die 'land-frage' behalten

dann könnte es gelingen, von diesem dussligen gegensatz aufklärung ./. autochthone wieder runterzukommen
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 10:52
@ j-ap am 02.10.2010 um 09:40

>>>Warum stellt die Frage nach dem wie, warum und vor allem wo bezeichnenderweise niemand für Jordanien, sondern immer nur für Israel?<<<<<

So berechtigt diese Fragestellung ist, ich schlage vor, diese im Thread hintanzustellen, weil wir hier das Thema Israel diskutieren. Die Haltung Jordaniens zu den Palästinensern (Schwarzer September 1973) weist aber tatsächlich ein enormes Konfliktpotenzial auf.

In einem gleichen sich aber Israel und Jordanien. Beide haben andauernd bis heute ihre politische Abhängigkeit vom "Westen" für den eigenen Staatsaufbau systemstabilisierend verwertet.

@ Rahab am 02.10.2010 um 09:59
>>>>aaah! wir nähern uns langsam den interessanten fragen<<<<

Genau! Jetzt bin ich gespannt.
j-ap schrieb am 02.10.2010 um 11:19
Ja, Rahab, mithin würde sich damit der Kreis in gewissem Sinn schließen:

Sie sollten vielleicht wirklich noch einmal Ihren Carl Schmitt lesen, und zwar nicht nur das Nomos, sondern auch etwa Die letzte globale Linie, die Theorie des Partisanen und, mithin noch einen weiteren Kreis schließend, den Begriff des Politischen, um mal herauszufinden, aus welchen trüben Quellen sich nicht nur die grandiose Abneigung gegen alles »Raumfremde« speist, sondern auch, um zu entschlüsseln, weshalb in dieser Linie jeder antizionistische suicide bomber der letzte »Retter des Politischen« in der Welt des abstrakten Rechts ist.
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 11:25
so weit, j-ap, Sie junger hüpfer, um die je veschiedenen oder auch gleichen trüben quellen zu identifizieren, aus denen die protagonisten schöpften und schöpfen, sind wir noch nicht

und ob es sich bei den suicide bombers um anti-zionistische handelt/e - das ist noch garnicht raus

aber nun ... amüsier ich mich erst mal wieder anderwärts...
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 13:57
@ derDonnerstag am 02.10.2010 um 00:49 + 00:53

"Schlesien", habe ich, so muss es aus heutiger Sicht scheinen, als eine gedankliches Experiment verfasst.

>>>die dortige Bevölkerung war ja eh schon vertrieben worden, also die Gelegenheit günstig<<< Die Praxis der Grenzziehung nach Teheran/ Jalta/ Potsdam bedenkend wäre das, ohne jeden Zynismus gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung in diesem Gebiet, eine Möglichkeit gewesen. Gehe ich etwas emotionaler heran, dann wäre das als Schuld und Sühne Deutschlands eine sehr gute Lösung gewesen, zumal sich dieser neue Staat "Israel" dann auch geografisch in jener Region befunden hätte, die durch das singuläre Ereignis des Massenmordes an den Juden konstituierend für diesen Staat ist. Warum es nicht dazu kam, hatte ich zwar nur kurz aber hoffentlich eindeutig beschrieben.

Wir nähern uns dann also auch von dieser Seite her Rahabs >>>>interessanten fragen (02.10.2010 um 09:59)<<<<.

Bereits zweimal (JAP + ed2morrow) hatte ich darum gebeten´, nicht "neue Fenster" in diesem Thread aufzumachen. Gegen meine eigene Forderung auf Konzentration verstoßend, würde ich hier formulieren: "Warum berücksichtigen Sie hier in "Schlesien" die Interessen der Einheimischen, nicht aber in Palästina". "Ein Reflex? Absicht? "
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 15:23
@Rapanui
Was aus meiner Sicht gegen Schlesien sprach, habe ich bereits gestern, 22:40, geschrieben.
Was "Schuld und Sühne" betrifft, bzw. Kollektivschuld, bin ich generell eher vorsichtig. Da fällt mir etwa Günter Grass ein, der wie viele andere Intellektuelle auch, die Teilung Deutschlands als "gerechte Strafe" ansah und deshalb auch gerne bis in alle Ewigkeit daran festgehalten hätte. Diese Haltung finde ich heuchlerisch und selbstgerecht, da es ja nicht der Wessi Grass war, der diese "gerechte Sühne" ausbaden durfte, sondern die Ossis. Wäre Grass, um solidarisch mitzubüßen, in die DDR ausgewandert, dann wäre das konsequent gewesen.

*) So eine kollektive Sühne kann nicht "gerecht" sein. Bekanntlich lebten die Nazis und ihre Unterstützer und Mitläufer nicht nur im Osten.

Es ging mir nicht darum, die "Interessen der Einheimischen" zu berücksichtigen. Die wurden im Falle Schlesiens ja eh nicht berücksichtigt. Und insofern hat ihr Argument tatsächlich etwas für sich. Der Kern meiner Argumentation bezog sich vielmehr darauf, dass es den Juden unmittelbar nach dem Holocaust nicht zuzumuten gewesen wäre, ihren Staat ausgerechnet auf ehemals deutschem Boden und in Nachbarschaft des neuen Deutschland zu gründen.

Abgesehen davon: Die meisten europäischen Juden lebten vor dem Holocaust nicht in Schlesien. Wenn es darum ginge, dann wäre Ostpolen wohl ein geeigneterer Ort gewesen. Ach ja, die Polen aus diesen Gebieten wurden ja bekanntlich auch vertrieben - auch wenn Schuld und Sühne dabei keine Rolle spielten.
Oder wollten Sie auf Auschwitz hinaus? Abgesehen davon, dass Auschwitz nicht in Schlesien lag, wenn auch nicht allzu weit davon entfernt - wäre das nicht arg zynisch gewesen, den Juden zu sagen: Seht her, ihr könnt euren Staat nun gleich neben dem KZ aufbauen, dem ihr diesen Staat zu verdanken habt?
Emma in Uniform schrieb am 03.10.2010 um 03:58
Klotzhohl, bitte.
Rapanui schrieb am 03.10.2010 um 12:33
@ derDonnerstag am 02.10.2010 um 15:23

Dank für Ihre Gedanken zu meinem Experiment "Schlesien". Auf Ihre interessanten Überlegungen werde ich aber nicht weiter eingehen, um beim Schwerpunkt des Themas zu bleiben, was sich jetzt nach weiter unten verlagert hat.

Ich denke, dass wir hier diesen Diskussionsstrang beenden sollten. Dessen Funktion bestand aus meiner Sicht darin, zu zeigen, dass es keinen historische Folgerichtigkeit gab, den jüdischen Staat in Palästina zu gründen. Es hätten 1945 auch ganz andere Optionen bestanden, diese wollte ich anschaulich an "Schlesien" zeigen. Nachzuweisen galt, dass die Gründung des Staates Israel ein "Akt der Landnahme" war, wie weiter unten "dointgolfier" schreibt.

Dorthin verlagere ich jetzt auch meine Aufmerksamkeit.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 22:32
@ j-ap

Vielen Dank für ihr sehr informatives Blog. Was sich hier Phineas Freek und seinesgleichen hier leistet ist an beleidigenden, obszönen, vulgären, sexuell orientierten, abscheulichen Unverschämtheiten nicht zu überbieten. Ihre Souveränität diesen Kommentatoren gegenüber ist bewundernswert. Die Ungleichbehandlung der Moderation ist hier sehr schön zu erkennen. Nach dem Studieren der hiesigen Kommentare entsteht unweigerlich die Frage: Wie lange wird J-AP, mit seiner "provokanten Angriffslosigkeit" die Community noch reizen, bevor der deaktiviert wird?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 22:58
@Niels Kieserling
Leider gut beobachtet. Die Freitag-Community ist wohl unter den Internetforen, was der DFB-Pokal für den Fußball: hier gelten "andere Gesetze".
Was die notorischen Pöbler betrifft: die Lese- und Argumentationsfähigkeit verhält sich antiproportional zur Aggressivität des Auftretens.
hibou schrieb am 01.10.2010 um 23:17
"Die Ungleichbehandlung durch die Moderation ist hier sehr schön zu erkennen."
Gratuliere, j-ap, für konstanten Gleichmut.
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 10:57
@ Niels Kieserling am 01.10.2010 um 22:32

Hallo Niels Kieserling,

>>>>>Wie lange wird J-AP, mit seiner "provokanten Angriffslosigkeit" die Community noch reizen, bevor der deaktiviert wird?<<<<<

Keine Gefahr! Wir organisieren eine Demo "JAP21".
thinktankgirl schrieb am 02.10.2010 um 11:27
Ich hoffe, daß J-AP als distinguiertem Menschen, die Solidaritätskundgebungen eines Kieserlinges doch ein klein wenig peinlich sind;-)

Ansonsten, sollte J-AP deaktiviert werden, schliesse ich mich Rapanuis Soli-Aktion an.
Uwe Theel schrieb am 01.10.2010 um 23:20
Leute,

ich bin wirklich kein Naostfachmmann, aber ich weis, dass die Frage, ob England, die Westallierten einen stabilen Staat Israel und damit in Folge einen stabilen Staat Palästina verhindert hätten, ihren Vorläufer in der alten Frage hat, warum, denn "Westen, die Juden nicht aufgenommen habe, als Die Nazis wüteten" die traditionell aber von der bürgerlichen bis faschistischen Rechten gestellt wird, um die deutsche Nazischuld mindestens zu relativieren.

Bin ich hier im falschen Kino oder ist das ein linkes Forum?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 23:32
@ Uwe Theel schrieb am 01.10.2010 um 23:20

Sie sind kein Nahostfachmann, Herr Theel, hierin stimme ich zu.
Ich kann ihnen nur soweit einen Rat erteilen, die Artikel von J-AP über Israel zu lesen. Dies dürfte sehr gewinnbringend, nicht nur für Sie sein. Ich jedenfalls ziehe sehr viele Informationen aus seinen Texten. Die scheinbaren und selbsternannten Nahostexperten wie Rahab oder Phineas Freek zähle ich jedenfalls nicht zur Linken. Ganz im Gegenteil!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 23:36
@Uwe Theel
Man kann diese "alte" Frage durchaus stellen, ohne damit "die deutsche Nazischuld" zu relativieren.
Und die Antwort kann durchaus lauten: "moralisches Versagen".
Im Übrigen ist es auch möglich, anzuerkennen, dass Antisemtismus auch außerhalb Deutschlands existiert(e), ohne damit irgendetwas zu relativieren.
Falls Sie mir nicht glauben, lesen Sie doch mal die Jüdische Zeitung:
www.j-zeit.de/archiv/artikel.1302.html

Fragen für tabu zu erklären, damit bloß niemand eine falsche Antwort darauf gibt, ist in dieser Community ja leider sehr verbreitet. Was bitte soll daran links sein?
Rahab schrieb am 01.10.2010 um 23:46
os os

ne, Uwe, um relativieren geht es nicht
aber mir geht die naivität, mit der gesagt wird, juden bräuchten einen staat, in dem sie vor antisemitismus sicher sind, gehörig auf den senkel

weil genau diese scheinbare naivität schuld relativiert
Uwe Theel schrieb am 01.10.2010 um 23:46
@ Niels Kieserling am 01.10.2010 um 23:32

Sowenig, wie ich es brauche von Ihnen oder sonst jemandem bestätigt zu bekommen, was ich selber von mir schon weiß, möchte ich, dass ich von jemandem anderen als nützlicher iIdiot in seinen ideologischen Stellungskriegen benutzt werde.
Uwe Theel schrieb am 01.10.2010 um 23:51
@ derDonnerstag am 01.10.2010 um 23:36

werter Donnerstag, es ist genau Relativierung, wenn man im Zusammenhang mit dem deutschen Faschismus, den Hinweis bringt, den habe es woanders auch gegeben, um damit ihn, dessen Folgen insgesamt am Ende irgendwie im Naturwüchsigen wurzeln zu lassen - nix genaues weiß man nicht, oder wenn, dann waren es (auch) die anderen.

Im Übrigen habe ich keine der Fragen zum Tabu erklärt, sondern die Art ihrer Behandlung und (Nicht)Beantwortung problematisiert.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2010 um 23:57
Rahab am 01.10.2010 um 23:46

Wer in Kenntnis der jüdischen Geschichte Israel genau dies verweigert, darf sich nicht wundern, wenn er oder sie von links kritisiert wird. Mit ihrer Behauptung Juden brauchen keinen Staat, verweigern Sie Israel das Existenzrecht!!
Siehe weitere Informationen auf den "Tabublogs"!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 00:00
@Uwe Theel am 01.10.2010 um 23:46

Das ist ihr gutes Recht.
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 00:03
@ Rahab am 01.10.2010 um 23:46

Mit dem Gedanken kann ich etwas anfangen, aber ich hatte ihn bisher bei Dir oder sonstwo im Thread nicht herauslesen können.

Zum jetzigen Stand der Geschichte Israels und Palästinas stellt sich die Frage der "Staatlichkeit" Israels sowieso nicht mehr - eher die, der Palästinas. Oraniers Überlegungen in diesem Thread würden mir da eher die Richtung des Gedankengangs vorgeben.

Seit der Ungeheuerlichkeit des deutschen Faschismus, sollte klar sein, dass Antisemitismus immer nur die ideologische Tünche, wenn auch eine mörderische ist, die das Allgemeine bürgerlicher Herrschaft in ihrer Endform nur zu verdecken sucht.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 00:03
Ohoh - Geschichtsstunde:

1. Faschismus
2. Nationalismus
3. Rassismus
4. Deutscher Nationalsozialismus
5. Antizionismus
6. Antisemitismus

Hausaufgabe:
Welche Systeme würden Sie (auch in Kombination) zwischen 1901 und 2010 entsprechend zuordnen?

Und Uwe Theel:

Meinen Sie tatsächlich, daß sei nichts Naturwüchsiges (ich auch nicht!) - nur wenn Sie das so stehen lassen, dann ists im Deutschen, da Sie ja die Gesellschaftsform nicht nivelliert sehen möchten (d' accord). Deswegen oben das kleine Curriculum.
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 00:33
Hallo Uwe Theel,

für mich kommt Ihre Problemstellung etwas unvermittelt. Der Schwerpunkt der Diskussion liegt für mich darin, zu verstehen, in welcher Situation sich Israel befindet.

Mich empören die aggressiven Gewaltakte seiner Armee gegen die Nachbarländer im Allgemeinen und gegen die Palästinenser im Besonderen. Es fällt mir sehr schwer, Israel als einen demokratischen Staat zu begreifen, wenn er derartig abhängig vom Imperium der USA ist und große Teile seines Staatsbudgets für Waffen ausgibt. Ein solcher Staat ist bis an die Wurzeln krank.

Ich versuche die Bedingungen der Existenz des Staates Israel zu verstehen, zumindest in Gedanken nach Lösungen zu suchen und jeder Art von Rassismus Widerstand zu leisten. Mich erfüllt es mit Grausen, dass die Bürger Israels viel zu wenig unternehmen, um mit ihren Nachbarn einen Ausgleich zu finden. Viel zu stark setzt die israelische Öffentlichkeit auf Gewalt. Auf lange Sicht kann Israel in Nahost nur durch Kooperation bestehen.

Ich lese die Diskussion, insbesondere die zwischen Jap und Rahab, mit großem Gewinn. Das sind beides Menschen, die sich ausdrücken können, einiges Wissen haben und sich auch stilsicher bewegen (naja bis auf gelegentliche Ausnahmen ;-) . Wenn Sie, so wie ich, "kein Nahostexperte" sind, lassen Sie uns einfach ein wenig mitlesen.
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 00:37
@ gill bost am 02.10.2010 um 00:03

Wenn Sie den Kühnl (Faschismus als äußerste, letzte Form bürgerlicher Herrschaft) in meinem - zugegebn - kurzen Statement nicht erkannt haben, dann wundert mich ihr zusammengestoppeltes Listenmodell, es ist in jedem Fall das Gegenteil eines Curricullums, nicht besonders.

Falls Sie auf diese Art Antworten finden, bei mir geht das anders. (Entspringt soetwas den neuen Bachelor-Studiengängen?)
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 00:42
@Uwe

ich meine ja, ich sage nicht zum ersten mal, dass die verteidiger des existenzrechts damit nichts anderes sagen, als dass juden sich auch hier und heute noch vor ihnen in sicherheit bringen können müssen

und das dann ausgerechnet in einen staat, in dem sie auch nicht sicher sind, weder vor anderen noch vor juden, die auf der besonderen jüdischkeit des staates bestehen

außerdem, aber das mehr am rande, wüßte ich gern, ob es anderen zu staatsbürgern gewordenen/erklärten anderswo vielleicht besser ergeht

ist ein mensch in s/einem national-staat sicher?
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 00:49
@ Rapanui am 02.10.2010 um 00:33

Ich kann meine Reflektionen in Ihren fragestellungen durchaus wiedererkennen und nachvollziehen, wenn mich auch die Frontstellung zwischen j-ap und rahab etwas überrascht gerade wegen der dort auch von mir gesehenen Gebildetheit auf beiden Seiten.

Ich denke vielmehr, dass die Diskussion hier daran krankt, dass die Fraktion der Antideutschen (Breitenberger alias fidelche) mit ihrer immer wieder heringetragenen monotonen Endlosschleifenpseudodebatte (ich würde ddieses Wort gerne noch länger machen, hätte dann aber wohl Netiquetteprobleme) um so genannten "linken Antisemitismus" jede ernsthafte Debatte tendenziell auf Grund setzen können, ihr mindestens Brüche bescheren, die dann immer wieder mühsam zu überbrücken sind.

Ach fielen diese Trolle doch in diese ihre Klüfte.
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 01:14
@ Rahab am 02.10.2010 um 00:42

Vom Ende her: Vor politischer Verfolgung (auch im bürgerlichen Staat) ist niemand sicher, auch im eigenen Nationalstaat nicht, auch nicht vor dem eigenen Dienst für die Sicherheit des Staates.

Dass dem so ist, macht gerade die Ironie deutlich, dass es durchaus palästinensische Kräfte gibt, die, bar jeder Staatlichkeit eine Bedrohung für Menschen in Israels, nicht aber wirklich gegegenüber deren "Staat" darstellen.

Dass der Staat Israel das "Jüdischsein", was ja nur als ein religiöses Sein begriffen werden kann und sollte, mit der Staatlichkeit auf existenzielle Weise verquickt (ich hoffe man kann das so sagen?) macht die Sache nicht einfacher und legitimiert die Machtpolitik Israels (einseitig nationaler Ausübung militärischer Gewaltherrschaft in wesentlichen Teilbereichen des Territoriums und der dort lebenden Gesellschaften) m.E. nicht.

Deine vorletzte Frage kann ich nicht wirklich beantworten. Aktuell wäre diese Frage in Deutschland vielleicht Türken zu stellen, die deutsche Staatsbürger wurden. Aber ich fürchte, dass die Fälle doch nicht so recht vergleichbar sind. Allerdings habe ich den festen Gedanken, dass ich, falls der Faschismus in Deutschland doch noch einmal wieder kommen sollte, ich versuchen würde nach England zu gelangen, und wenn mir dort auch Muttersprache und eine bestimmte Art von Wald fehlen würde, ich glaube es würde mir dann dort gut gehen, besser jedenfalls, als in diesem dann Deutschland.
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 01:42
@ Uwe Theel am 02.10.2010 um 00:49

Hallo Uwe Theel,

Dank für den Hinweis auf die "Antideutschen". Auch Jap hatte mich schon einmal darauf aufmerksam gemacht. Allerdings habe ich keine praktische Erfahrungen, außer dass ich kurz nach der "Wende" bei 2 Diskussionsrunden mit der "Marxistischen Gruppe/ Marxistische Blätter" war, oh Mann war das bescheuert.

Ich habe mir gerade einige Einschätzungen dazu durchgelesen und finde die Konstruktionen der "Antideutschen" krude.

Wie muss man sich den Schwenk von einer US-Kritischen zu einer proamerikanischen Haltung in Teilen des linken Spektrums denn praktisch vorstellen? Dito von einer kritischen Haltung zur Agression Israels zu einer Befürwortung seiner aggressiven Haltung. Gab es einen Parteitagsbeschluss? ;-)

Für Leute, die die Linke in absurde Scheingefechte verwickeln will, ist das natürlich eine interessante Konstellation.

Israel ist ein fragiles Projekt. Verhängnisvoll ist der "jüdische" Nationalismus, so wie jeder Nationalismus verhängnisvoll ist. Ich weiß zuwenig darüber, warum der Staat Israel auf eine staatliche Organisationsform, eben den Nationalismus, setzt, die den Vorfahren seines Staatsvolkes schon so oft, als Fremde in diesen Nationalismen, in der Vergangenheit Diskriminierung, Progrome und Massenmord gebracht hat.

Einerseits ist damit das israelische Staatsvolk ein überaus normales, weil wie alle anderen Staatsvölker beschränktes Staatsvolk. Andererseits darf ich enttäuscht sein, weil ich doch von so einer kulturellen Tradition mehr erwarten würde: Zivilisatorische Ideen eines Internationalismus, Übernationalem oder sogar Kosmopolitismus.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 05:17
"Wenn Sie den Kühnl (Faschismus als äußerste, letzte Form bürgerlicher Herrschaft) in meinem - zugegebn - kurzen Statement nicht erkannt haben," (Theel)

Und, haben Sie lange gegoogelt?
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 13:50
mein 'os os' von gestern, 23:46 bezieht sich übrigens auf Nils-usw von 23:32
und bringt zum ausdruck, dass mir völlig wurscht und schnuppe ist, wer mich zur linken oder im gegenteil zählt!

wie mir auch völlig wurscht ist, ob einige kampfhenne mit r schreiben oder nicht!

was mir allerdings kummer macht ist, dass möglicherweise solch ein Nils-usw zu den leuten gehört, vor denen juden sich auch heute noch in sicherheit bringen können müssen.
allerdings: nicht nur juden. andere auch.
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 15:26
gill bost schrieb am 02.10.2010 um 05:17

"Und, haben Sie lange gegoogelt?"

Bitte nicht frech werden Bost!

Auch wenn Sie es als Angeberei abtun werden:

Ich habe Poltikwissenschaft mit Abschluss studiert.

Meine Lehrer in Faschismus- und Demoktratietheorie waren Ingeborg Maus und Hans Nicklas
Phineas Freek schrieb am 02.10.2010 um 15:39
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 01:42

„Wie muss man sich den Schwenk von einer US-Kritischen zu einer proamerikanischen Haltung in Teilen des linken Spektrums denn praktisch vorstellen? Dito von einer kritischen Haltung zur Agression Israels zu einer Befürwortung seiner aggressiven Haltung. Gab es einen Parteitagsbeschluss?“

Nee, Rapanui, aber „(post)antideutsche“ Statements wie dieses hier:

„j-ap schrieb am 27.09.2010 um 06:58

„Was die Antizionisten bis heute nicht begriffen haben ist schlicht der Umstand, daß in einer Welt, die noch immer in Nationalstaaten gegliedert ist, gerade Israel und die USA zu verteidigen wären, nämlich gegen den faschistischen Solidarpakt der »gewachsenen« Völker und Kulturen, deren Verfechter noch immer auf Blut & Boden rekurrieren, um sich zu einem Scheinsubjekt zu naturalisieren, dem das Recht zuerkannt werden kann, es sich im Gehäuse eines Volksstaats gemütlich zu machen.“
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 15:43
@ Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 01:42

Gab es einen Parteitagsbeschluss? ;-)

Lieber Rapanui

Natürlich, es muß einen gegeben haben! ;-)

Im Ernst: Ich erkläre mir Existenzen wie Broder, Ahly oder gar Mahler nur noch psychologisch, von stringenter Begründung aus (politischer) Theorie kann hier keine Rede (mehr) sein.

Die persönliche Enttäuschung mit dem 68er Projekt gescheitert zu sein - ob objektiv wahr oder nicht, sei hier völlig dahingestellt, es geht nur um das subjektive Bewußtsein -, führt in Einzelfällen statt zur linken Reorientierung zum Renegatentum nach rechts, das sich von pseudowissenschaftlich (Ahly) über öffentlichkeitswirksam populistisch (Broder) bis zur blanken Irrationalität (Mahler) in allen Schattierungen ausformen kann.

Dass dieser Quell alter Männer junge Nachfolger hat, ist in einer Medienwelt und Schulen und Universitäten, die soewas wohl sogar als Lerninhalte für möglich halten, leider wohl unvermeidlich.

Kritik an diesem Lager kann nur notwendige Abwehr sein. Die Entwicklung wirklicher Lösungen, möglicerweise auch in den von Ihnen angedeuteten Bahnen, muß davon unabhängig betrieben werden.

mfg
ut
Nicklos Luhmann schrieb am 02.10.2010 um 15:54
Frau Rahab schrieb: "was mir allerdings kummer macht ist, dass möglicherweise solch ein Nils-usw zu den leuten gehört, vor denen juden sich auch heute noch in sicherheit bringen können müssen.
allerdings: nicht nur juden. andere auch."
Normalerweise würde ich einen derart widerlichen Kommentar sofort melden, aber ich drücke mal ein Auge zu, da Sie immer brav den Artikel vor "den" Minderheiten weglassen. Mann muss das ja positiv sehen, wa? Außerdem ist die Moderation anscheinend überarbeitet - Rücksicht ist also angesagt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 18:56
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 15:26

Das ist keine Angeberei und ich würde es auch so nicht abtun.
Apropos dito II. HF, W.Fach (1990er) u.a. in pol. Theorie, Spezialisierung im HS: Totalitarismus.

Die Frage allerdings nach Alemann/Forndran wäre, was das wirklich hier nützt.
Desweiteren Philosophie, Journalistik, Anglistik.

Mehrjährige Gremienarbeit Bundes- und Landespolitik in freien und parteigebundenen Initiativen..
Rapanui schrieb am 03.10.2010 um 12:39
@ Uwe Theel am 02.10.2010 um 15:43

Hallo Uwe Theel,

Dank für Ihre Erläuterungen. Das scheint mir plausibel.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 01:25
@Uwe Theel
Um Missverständnisse zu vermeiden, lassen Sie uns mal beim konkreten Fall bleiben.
Meine Meinung dazu ist: der Holocaust hat sich in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten ereignet, also liegt die Verantwortung dafür bei Deutschland und bei keinem anderen Staat.
Antisemitismus gab und gibt es auch anderswo.

Für mich wäre es allerdings eine komplett falsche Lehre aus der Geschichte, Antisemitismus in anderen Ländern und zu anderen Zeiten (heute z.B.) zu verharmlosen. Nach dem Motto: wenn Antisemitismus nicht zum Holocaust führt, dann ist er nicht weiter tragisch. Das wäre tatsächlich eine Relativierung.
Zudem sollte man nicht vergessen, dass der Holocaust zwar logischerweise nicht ohne den Antisemitismus möglich gewesen wäre. Nur, dass er in bzw. durch Deutschland erfolgte, lag bestimmt nicht allein daran, dass in Deutschland der Antisemitismus am stärksten ausgeprägt gewesen wäre. Vielleicht war er das, vielleicht auch nicht, aber der grassierende Antisemitismus alleine hätte die Nazis mit Sicherheit nicht an die Macht gebracht. Und ohne Nazis an der Macht kein Holocaust.

Ich sage das nicht zur Relativierung des Holocaust, sondern nur als Hinweis darauf, dass Antisemitismus schon vielerorts zu Pogromen geführt hat. Und auch, wenn diese nicht vergleichbar mit dem Holocaust sind, heißt das noch lange nicht, dass sie harmlos gewesen seien oder künftige Auswüchse des Antisemtismus harmlos sein werden.

In dem Artikel aus der Jüdischen Zeitung, den ich oben verlinkt habe, können Sie nachlesen, dass die zögerliche Haltung westlicher Staaten, Juden aus Deutschland aufzunehmen (vor dem Holocaust), auch damit begründet wurde, damit könnte der Antisemitismus (in den jeweiligen Ländern) geschürt werden. Ich würde das genau so bezeichnen, wie es der Autor des Artikels genannt hat: "moralisches Versagen".
Damit KANN man den Holocaust zu relativieren versuchen, wenn man bösartig oder blöd (oder beides) ist, man kann es aber auch lassen.
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 01:56
@ derDonnerstag schrieb am 02.10.2010 um 01:25

klingt ganz gut, bleibt aber die entscheidende Frage,

"Warum, zu welchem Zweck, in welchem Zusammenhang - außer dem der Relativierung des Holocaust, wo wir uns einig seind, dass es nicht ginge - "muß" man denn dann überhaupt sagen "können", daß es in anderen Ländern "auch" Faschismus gab?"

Warum bestehen Sie so darauf?

P.S.: Faschismus hat bestimmt auch das Problem des Verlustes von bestimmter Moral, allerdings ist das nicht seine Bedingung. Wenn wir es schon geisteswissenschaftlich ausdrücken wollen und nicht politisch, dann ist es ein totaler Verlust von Vernunft.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 05:24
"von bestimmter Moral" (Thiel II)

Bestimmt? Sagen Sie mal bitte, welche?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 13:25
@Uwe Theel
Ganz grundsätzlich finde ich, dass man die Realität so beschreiben und bezeichnen darf, wie sie ist. Wer anderer Meinung ist, steht in Erklärungsnot.
Von "Faschismus" habe ich zwar überhaupt nicht gesprochen ... Ich weiß ja nicht, wie Sie den Faschismus in Italien oder Spanien bezeichnen würden. Sie können sich natürlich gerne ein neues Wort dafür ausdenken. Wobei dann im Falle Italiens allerdings zu fragen wäre, warum man die Faschisten anders bezeichnen sollte als sie sich selbst bezeichnet haben.
Bleibt noch eine Frage: Wie kommen Sie darauf, dass ich von Faschismus gesprochen hätte? Setzen Sie Antisemitismus und Faschismus gleich?
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 15:09
@ gill bost am 02.10.2010 um 05:24

ad "bestimmte Moral"

Ich dachte, das wäre aus dem von mir hergestellten Zusammenhang schlüssig:

Ich meine natürlich im besten Falle, den Verlust einer aufgeklärten Moral nicht reaktionärer bürgerlicher Gesellschaft und Herrschaft. Transformiert diese sich, und dies geschieht niemals aus moralischen Gründen dieser oder anderer Art in ihre Endform Faschismus, spielen hsitorische, materielle Dinge eine Rolle, die dann auch zu einem entsprechenden Überbau führen, der dann sicher auch wieder "seine" (= die, des Faschismus) Form der Moral zeitigen wird, die nach "gut" bürgerlichen Maßstäben sicher keine wäre. Allerdings haben die "guten" Bürger diese Transformation schon einmal hingenommen und zu guten Teilen mitgetragen.
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 15:18
@ derDonnerstag am 02.10.2010 um 13:25

Auf welches Niveau wollen Sie jetzt noch hinabsteigen?

Natürlich ist es ihnen unbenommen, über jede Realität in immer den Ihnen dazu zur Verfügung stehenden Worten oder gar Sätzen zu reden, Ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Wenn Sie dies aber hier öffentlich tun, dann müssten Sie auch bereit sein Fragen zu beantworten, die Ihnen gestellt werden zum WARUM und WOZU ihrer Darstellung.

Dass ihre Sicht nicht die allerklarste ist kann man schon daran erkennen, dass Sie nicht einmal merken, dass Sie natürlich vom Faschismus sprechen, wenn sie - zumal als Deutscher - in einem thematischen Zusammenhang, wie ihn dieser Blog herstellt, sprechen (müssen).

Dies mit schulbuchdiktierten Definitionen über die Unterschiede des deutschen, spanischen und italienischen Faschismus als quasi unnötig abtun zu wollen, zeugt nur von tiefer historischer und politischer Unbildung in diesen Dingen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 16:29
@Uwe Theel
Sagt Galileo Galilei zum Inquisitor: "Hören Sie mal gut zu. Ich erkläre ich Ihnen jetzt mal, warum ich überzeugt bin, dass die Erde sich um die Sonne dreht." Sagt der Inquisitor: "Warum Sie davon überzeugt sind, interessiert mich nicht. Ich will wissen, warum Sie Ihre Erkenntnisse, statt diese für sich zu behalten, öffentlich verbreiten. Wollen Sie unser Weltbild umstürzen?"

Inquisitoren geht es nicht darum, Erkenntnisse zu gewinnen, sondern nur ums Rechtbehalten.

Vermutlich fällt Ihnen deshalb auch nicht auf, dass Ihr inflationärer Gebrauch des Begriffs "Faschismus" und ihre offensichtlich völlig nebulöse Definition dieses Begriffes nicht zum Erkenntnisgewinn beiträgt.

Und vermutlich ist das auch der Grund, weshalb Sie offenbar glauben, meine Fragen nicht beantworten zu müssen, von mir aber ultimativ die Beantwortung Ihrer Fragen einfordern - die Sie mir wiederum nicht stellen, um sachliche Diskussionen zu befördern oder eventuell sogar Ihr eigenes Bild der Realität zu erweitern, sondern einzig und allein, um mich zu provozieren. Damit Sie meine anschließende Antwort so lange verdrehen können, bis sie in ihr vorgefertigtes denunziatorisches Schema passt.
Nicklos Luhmann schrieb am 02.10.2010 um 16:43
Niveau als Status-Symbol. Um nichts anderes kreisen einige "Welten".
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 17:45
@ Nicklos Luhmann am 02.10.2010 um 16:43

Nach einigen Aufstiegsversuchen in geklauter Thermik:

The eagle has landed below level zero.
thinktankgirl schrieb am 02.10.2010 um 17:54

Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 17:45
@ Nicklos Luhmann am 02.10.2010 um 16:43

Nach einigen Aufstiegsversuchen in geklauter Thermik:

The eagle has landed below level zero.


Soll wohl heissen, er ist auf die Fresse gefallen ;-)
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 17:58
@ derDonnerstag am 02.10.2010 um 16:29

1) Es ist in mehr als einem Sinne Sie entlarvend wenn sie mir unterstellen, was wäre, wenn ich der Inquistor wäre.

Wer lebt hier eigentlich in einer solcherart "kritisierten" Welt.

2) Sie erwarten Antworten auf Ihre Fragen?

Diese, Ihre Fragen, sofern, wenn überhaupt an ihrer syntaktischen Form allenfals als solche erkennbar, haben niemals den Zweck etwas vom gegenüber in Erfahrung zu bringen zwecks eigenem Erkenntnisgewinn, sondern sind "Prüfungsfragen", wenn Sie überhaupt einen sinnvollen Gehalt haben.

In diesem Thread habe ich keinen einzige Frage an mich erkennen können. Vielleicht habe ich da was überlesen?

Zu behaupten, ich würde eine "Antwort" von Ihnen, wie diese

"Ich sage das nicht zur Relativierung des Holocaust, sondern nur als Hinweis darauf, dass Antisemitismus schon vielerorts zu Pogromen geführt hat."

in denunziatorischer Absicht verdrehen, wenn ich Ihnen vorhalte , daß ich es bei Ihnen vermisse dass Sie mir sagten WARUM und WOZU Sie darauf hinweisen, "dass Antisemitismus schon vielerorts zu Pogromen geführt hat." und mir dann noch weis machen wollen, dass Sie dazu nicht von Faschismus reden würden oder müßten, dann offenbaren Sie mir nur hilflose Abwehr von Diskussion und geistigen Leerlauf mit Worthülsen.
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 18:05
könnt ihr auch mal wieder aufhören?
is ja fuhbah!

und ich dachte, alle seien am sammeln, um mal zusammenzutragen und zu klären, was das denn war im übergang vom angeknabbert-zusammengebrochen-zerfledderten osmanischen reich über den völkerbund zu den mandaten im vorderen orient, speziell dem britischen Palästina-mandat
hibou schrieb am 02.10.2010 um 18:07
D.E.Lawrence?
thinktankgirl schrieb am 02.10.2010 um 18:27

hibou schrieb am 02.10.2010 um 18:07
D.E.Lawrence?


Wer nun?

Diiiiii Aitsch Lawrence
oder
Tiiii Iiiiiii Lawrence?

Aber ich glaube, der erstere hat sich mehr mit der sexuellen Entfaltung - inspiriert u.a. von Otto Groß - der Frauen beschäftigt.
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 18:48
@ Rahab am 02.10.2010 um 18:05

Liebe Rahab,

wenn wir jetzt schon bei Peter O'Toole, dem auch begnadeten Strategen, gelandet sind, dann darf ich Dir sagen, dass ich nur versuchte dem Vorstoß des Denkens Flankenschutz zu geben, was immer eine undankbare Aufgabe für den Ausführenden ist und naturgemäß mehr Ablenkung als Landgewinn bedeutet .

yours faithfully
ut
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 18:59
U.T.
"bestimmte Moral"

Das sehe ich auch so. Danke, aber das war aus dem Kontext nicht reinweg ersichtlich.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 19:17
@Uwe Theel
Zumindest soviel scheinen Sie wenigstens ansatzweise verstanden zu haben: ICH muss tatsächlich nicht von Faschismus reden, wenn ich beispielsweise über die Pogrome im zaristischen Russland spreche. Falls SIE meinen, das zu müssen, dann kann das nur an Ihrem schwammigen Begriff von "Faschismus" liegen.

Nicht jedes Regime, das autokratisch und menschenfeindlich daherkommt, muss man deswegen gleich als faschistisch titulieren. Oder waren die Sowjetunion unter Stalin, China unter Mao oder Kambodscha unter Pol Pot auch "faschistisch"?
Warum ich Ihnen das sage: Weil eine solch pauschale Charakterisierung die real existierenden Unterschiede verdeckt.

Antisemitismus braucht nicht unbedingt Faschismus, um in Pogrome zu münden. Und Faschismus braucht nicht unbedingt Antisemitismus, um zu gedeihen. Darin unterscheiden sich beispielsweise Italien und Spanien von der ganz speziellen deutschen Form des Faschismus - die bekanntlich als "Nationalsozialismus" in die Geschichte eingegangen ist.

Wenn Sie diese "schulbuchdiktierten Definitionen" ignorieren möchten, bitteschön.
Vielleicht können Sie, damit wir wissen, worüber wir hier reden, aber doch mal ganz kurz klarstellen, wie Sie "Faschismus" definieren.
dame.von.welt schrieb am 02.10.2010 um 20:16
Ich hätte @Rahab 02.10.2010 um 18:05 et al einen Text von Michael Wolffsohn anzubieten 'Die Briten im Heiligen Land' preview.tinyurl.com/386stk3 den ich mit einem ganzen Salzfaß zu lesen begann und ihn aber tatsächlich ziemlich interessant fand.

Ein paar Zitate:
'Bevor London das Osmanische Reich oder einige Reichsteile auch nur in Besitz nahm, handelte es wie der Eigentümer. Auf dreiste Weise versprach es allen alles und behielt es schließlich selbst. Widerrechtlich Angeeignetes wurde willkürlich, das heißt machtpolitisch verteilt. Getan wurde aber so, als verfüge man über sein Eigentum.'
...
'Ihren Coup ließen sich die Briten in bezug auf das mesopotamische Zweistromland sowie das Heilige Land (seit den Römern "Palästina" genannt) und die Franzosen in bezug auf Syrien und den Libanon vom Völkerbund am 24. Juli 1922 auf internationaler Ebene legitimieren. Diese Augenwischerei galt dann sogar als Völkerrecht. Es war ein Skandal, sowohl den Arabern als auch den Zionisten gegenüber. Siegerrecht war es. Als Völkerrecht wurde es verkauft. Der "völkerrechtliche"Begriff hieß "Mandat". Das Mandat war demzufolge eine Treuhandschaft. Treuhandschaften übernimmt man zum Beispiel über unmündige Menschen. Und genau als solche betrachtete die Völkergemeinschaft die Einwohner des Nahen Ostens, auch die Bewohner des Heiligen Landes. Erst wenn diese für die Unabhängigkeit "reif" wären, könnte man sie ihnen gewähren.'
...
'Viele Historiker sind sich uneinig, ob die Briten eine "prozionistische" oder "proarabische" Politik betrieben hätten. Auch dieser "Historikerstreit" ist (wie viele andere) müßig, denn die Antwort ist einfach: Die Briten betrieben britische Politik. Sie spielten dabei Zionisten gegen Palästinenser aus und umgekehrt. Sie wollten Palästina weder den Palästinensern noch den Juden geben. Sie wollten es behalten. "Teile und herrsche" heißt das grausame Spiel seit den Zeiten der Römer.'
...
'Im Juni 1922 veröffentlichte Winston Churchill ein Weißbuch, darin heißt es: "Nicht Palästina als Ganzes sollte eine jüdische National-Heimstätte werden." Und außerdem: "Die jüdische Einwanderung kann nicht über der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes liegen." Und schließlich: "Ein Gesetzgebungsrat soll gegründet und durch möglichst allgemeine Wahlen bestimmt werden."
Das bedeutete, dass statt einer jüdischen Heimstätte (nicht Staat!) nun pro forma eine jüdisch-arabische entstehen sollte, keine nationale, sondern eine binationale, also eine Heimstätte für beide Völker. Herr im Haus wollte selbstverständlich Großbritannien bleiben. London verfügte und bestimmte im Namen des Völkerrechts, denn noch waren die Einheimischen für die Unabhängigkeit angeblich nicht "reif" genug, eine zynische Farce.'
...
'Das jüdische Volk (und damit auch sich selbst) wollten die Zionisten ebenfalls befreien, nämlich vom Leid der jahrhundertelangen Diaspora. Ort der Befreiung konnte ihrer Meinung nach nur das "Land der Väter" sein. Sie wollten ja nur Rückkehr, keine Eroberung, keine Landnahme wie vor rund dreitausenddreihundert Jahren, also wie in biblischen Zeiten. Die Gegner der sozialistischen Zionisten, die eher bürgerlich-rechtsnationalistischen "Revisionisten" unter Wladimir Jabotinsky (einer der geistigen Väter von Menachem Begin, Jitzchak Schamir und Ariel Scharon), gaben sich weniger Illusionen hin. Sie glaubten nicht an die Bereitschaft der Araber, sich von den Juden befreien zu lassen. Anzunehmen sei vielmehr, dass die Araber das Land, das auch sie als "ihr Land" betrachteten, energisch verteidigen würden. Verständlicherweise. Deshalb müssten die Zionisten, so Jabotinskys Rat, um ihr Gemeinwesen eine "eiserne Wand" errichten. Gegen sie würden die Araber zwar immer wieder anrennen, aber am Ende einsehen, dass dieser Sturmlauf der Wand besser bekomme als ihrem Kopf. Wie so oft, ist auch in bezug auf die sozialistischen Zionisten festzustellen: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht, denn die Briten wollten Besitzer bleiben, und die Palästinenser hielten (und halten) sich, wie die Juden, für die wahren Eigentümer des Heiligen Landes. Der Konflikt war programmiert, unabwendbar, aber zunächst aufschiebbar.'
...
'Aber wir müssen den Rückzug der Briten und die Errichtung Israels im welthistorischen Zusammenhang sehen - im Zusammenhang mit der Entkolonialisierung. Was Afrikas wenig moderne Völker durch die Entkolonialisierung geschafft haben, hätten die wohlorganisierten Zionisten, die ihr Gemeinwesen seit 1882 zielstrebig entwickelten, doch auch erreicht; oder? "Wir haben die Zeche für den Holocaust zu zahlen", sagen viele Palästinenser. Ihr Groll über die Gründung Israels mag nachvollziehbar sein. Aber diese Begründung ist falsch. Schon 1937 gab es einen britischen Teilungsplan für Palästina, der durch das Weißbuch vom Mai 1939 zurückgenommen wurde. Trotzdem war der zionistische Zug längst abgefahren und brauste durch die politische Landschaft.'

Ich bin viel zu wenig firm, um beurteilen zu können, ob Wolffsohn hier verfälscht - ich fand den Text aber u.a. zur britischen Sicht auf die in Palästina lebende Bevölkerung interessant.
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 20:37
und hier ein paar landkarten
www.palaestina.org/landkarten/landkarten.php?name=landkarten

einfach nur zum gucken und gucken und gucken

und nicht, um sich an dem einen oder anderen begriff aufzuhängen
Uwe Theel schrieb am 02.10.2010 um 22:23
@ derDonnerstag am 02.10.2010 um 19:17

Das ist das äußere Zeichen ihres Dilemmas:

Wir reden hier nicht über Antisemitismus als Erscheinung durch die Jahrhunderte, auch nicht über die Judenprogrome unter dem Zarismus. (Von Mao und Kambodscha reden in diesem Zusammenhang und auf diese weise auch immer dieselben Kandidaten.)

Mit solchen Scheinargumentationen zerstören Sie jede Möglichkeit einer zielgerichteten Diskussion, da Sie nur den einen Punkt im Visier haben das Problem des Antisemitismus, indem es seit Anbeginn der Geschichte quasi naturwüchsig sich entwickelt habe, zwar besprochen aber letzlich nicht begründet werden könne, seine Folgen daher wesentlich unkontrollierbar würden, wenn, ja wenn man nicht drastische Maßnahmen ergriffe, die aber von proarabischen Kräften, linken Antisemiten und ich weiß nicht wem immer wieder verhindert würden.

Es geht hier aber um das Nahostproblem Israel/Palestina (in Klammern: Erdöl) als Ergebnis des zweiten Weltkrieges, den der deutsche Faschismus mit unübersehbaren Folgen für die jüdische Bevölkerung Europas verantworten muss . Das sind die Koordinaten.
Also MUSS über Faschismus gesprochen werden. Wer behauptete, das wäre das (mein) eizige(s) Thema dabei baut schon den nächsten Popanz.

Dass der Faschismus als solcher ein Begriff ist, der sich in z.B. Spanien, Italien oder Deutschland im 19. und 20. Jhd realiter unterschiedlich ausformte ist auf der Ebene seines Charakters als bürgerliche Herrschaftsform auf der Ebene der Diskussion hier völlig irrellevant. dieses Phänomen wird von Ihnen wieder nur im Rahmen der von mir o.a. Gesprächsstrategie ihrerseits beigezogen.

Den Faschismus definiere ich ihnen jetzt hier nicht in 10 Zeilen, aber vielleicht lesen sie nur einmal 189 Seiten

Reinhard Kühnl
"Formen bürgerlicher Herrschaft
- Liberalismus und Faschismus."

Rowohlt Tb.; Auflage: N.-A. (Dezember 1995)
ISBN-10: 3499113422

Bei Amazon immer noch gebraucht zu bekommen. Den Liberalismus bekommen sie da gleich noch mit dazu. In Zeiten einer marodierenden FDP ist das unschätzbares Wissen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 02:52
@Uwe Theel
Ich fürchte, wir haben mal wieder komplett aneinander vorbei geredet. Was in diesem Thread, wo ohnehin jeder über ein anderes Thema spricht, nicht weiter verwundert.

Ich schrieb: "Antisemitismus braucht nicht unbedingt Faschismus, um in Pogrome zu münden. Und Faschismus braucht nicht unbedingt Antisemitismus, um zu gedeihen."

Damit wollte ich u.a. darauf hinaus, dass es m.M.n. durchaus einen "linken Antisemitismus" gibt. Wobei ich aber weder eine "naturwüchsige" Entwicklung annehme - die gibt es in der Gesellschaft nicht - , noch den Begriff so weit fasse, wie es in antideutschen Kreisen üblich ist.
Siehe dazu meinen Post weiter unten, 3.10., 2:13. Weiter möchte ich mich mit antideutschen Positionen nicht auseinandersetzen, da diese mir zu weltfremd und durchgeknallt sind. Wobei ich zwar nicht sämtliche ihrer konkreten Stellungnahmen für Unsinn halte, allerdings die Dogmen, die dahinterstehen.
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Und wo wir schon bei Hühnern sind: wenn die paar versprengten Antideutschen die Nationalstaaten dieser Welt (außer Israel und den USA) abschaffen und durch eine kommunistische Weltregierung/Anarchie (?) ersetzen wollen, dann kräht da kein Hahn danach.

Zu der verschwurbelten Debatte über Israels "Existenzrecht" (im Thread) nur ganz kurz, da ich nicht wieder bei Adam und Eva anfangen möchte:
Israel besitzt ein Existenzrecht. Punkt. Und Deutschland trägt besondere moralische Verantwortung dafür, dass (beispielsweise) bekennende Antisemiten wie Ahmadinedschad ihre Vernichtungsphantasien niemals in die Tat umsetzen können.
Rapanui schrieb am 03.10.2010 um 12:47
@ Rahab am 02.10.2010 um 18:05

Jungs (ich zitiere hier Rahab), wir sollten uns gegenüber einer Dame einfach zusammennehmen.

Dank für Ihre gelegentlich hochgezogenen Augenbrauen und dezente Ermahnungen.

Fuhbah schreibe ich anders. Seit "James Ryan" kenne ich diese Wort.

de.wikipedia.org/wiki/Fubar
ed2murrow schrieb am 02.10.2010 um 12:30
Lieber Josef,

mein Dank für diesen Blog und die Diskussion, die Sie unermüdlich und couragiert bis hierher geführt haben.

Einen besonderen Gewinn ziehe ich aus den Ausführungen zwischen Oranier (dem ich an dieser Stelle meine aufrichtigen Genesungswünsche übermittle) und Ihnen, beginnend am 30.09. um 23:24, wenn um das (in einem anderen, aber nicht allzu sehr anderen Zusammenhang verwendeten) von Rahab am 27.09., 12:38 eingeworfenen „bitte auf Israel/Palästina anwenden!“ angereichert und mit dem richtigen Ausruf „aaah! wir nähern uns langsam den interessanten fragen ….“ (dies., 02.10., 09:59) versehen. Das ist nicht mehr das ostentativ zur Schau getragene Wissen, sondern Ausdruck seiner kenntnisreichen Anwendung.

Die von Ihnen im ersten Kommentar genannten Quellen beobachte ich schon seit längerem, vor allem wegen der im restlichen Europa praktisch nur in Wissenschaftskreisen diskutierten Durchdringungen bis hinein in die italienische Tagespolitik. Was einst Ideologie von Ordine Nuovo, Terza Posizione u.ä. war, findet sich heute quasi als Anagramm wieder in den Positionspapieren der Lega Nord. Dabei ist die „Nationenbildung“ Padanien in nuce genau der Vorgang, den Sie mit Ihrem Blog paraphrasieren. Es scheint aber eine eigentümliche Vogel-Strauß-Perspektive zu sein, genau dieses bei aktuellen Vorgängen in Belgien (was immer noch und nur als „Sprachenproblem“ beschrieben wird), in Italien oder, etwas weiter zurückliegend, in Korsika und Jugoslawien zu verdrängen, während das entlegene Stück Land auf der anderen Seite des Mittelmeers umso heftiger und durchaus militant Beachtung findet. Ein Reflex? Absicht?

Buon proseguimento, caro Giuseppe
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 13:10
@ ed2murrow am 02.10.2010 um 12:30

Hallo ed2murrow,

>>>>>Es scheint aber eine eigentümliche Vogel-Strauß-Perspektive zu sein, genau dieses bei aktuellen Vorgängen in Belgien (was immer noch und nur als „Sprachenproblem“ beschrieben wird), in Italien oder, etwas weiter zurückliegend, in Korsika und Jugoslawien zu verdrängen, während das entlegene Stück Land auf der anderen Seite des Mittelmeers umso heftiger und durchaus militant Beachtung findet<<<<

Wie oben bei meiner Entgegnung auf JAPs "Jordanien auf dem Mandatsgebiet": Sie werfen wichtige Fragen zu analogen Themen auf. Aber wird diskutieren in diesem Blog über die Staatsgründung Israels. Deshalb mein Vorschlag: Schreiben Sie ein Blog zu diesen Themen. Sonst würde ich unterstellen: "Ein Reflex? Absicht?"

JAP schreibt die Gegenposition benennend und damit themensetzend: >>>>Daß der Judenstaat, wie jede andere jüdische Tat, nur eine Verschwörung sein könne.<<<< Dies gilt es zu diskutieren und nicht dauernd neue Fenster aufzumachen. Seit "Rahab schrieb am 02.10.2010 um 11:25" ist Funkstille, der letzte Beitrag Japs kurz zuvor brachte keinen Fortschritt. So bleibt es bei mir wie bei Ihnen: >>>>Rahab: aaah! wir nähern uns langsam den interessanten fragen ….“ (dies., 02.10., 09:59)<<<<

Ich bin weiter gespannt.
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 13:43
jungs!
ich hab noch ein kleines bißchen mehr zu tun.
als nächstes noch mammes gewohntes frühstück absichern ... also ganz fix noch laugenstangen kaufen

und dass es ohne mich nicht weitergehen sollte
also das
schmeichelt mir nicht sondern stimmt mich schon wieder bedenklich
ed2murrow schrieb am 02.10.2010 um 14:45
@ Rapanui

Wie Sie bemerkt haben werden, habe ich meine eigene Lesart des Blogs. Deswegen die dezidierten Hervorhebungen. Das "Existenzrecht" Jugoslawiens wurde auch von unterschiedlichsten Fraktionen (und auch da, aus religiös/nationalistische vorgetragenen Motiven, wie unschwer aus dem Manifest der Akademie der Künste heraus zu lesen) in Frage gestellt und letztlich militärisch gelöst. In einem gewisssen Zeitlupentempo können wir das Entstehen dieses religiös verbrämten Nationalismus auch in Norditalien seit rund 15 Jahren beobachten.

Der Punkt meiner Wahrnehmung ist also, dass man "Existenzrecht" sowohl von innen als auch von außen sehen kann. Denn ich verstehe j-ap so, dass nicht etwa "nur" zur Debatte stünde das politische Extrem, ein Land und/oder seine Bevölkerung von der Landkarte tilgen zu wollen, sondern was hinter dem Begriff selbst steckt, nämlich ein ziemlicher Selbstbetrug. Und ich finde, dass es an sich leichter fallen müsste, in einem Kontext zu arbeiten, der wegen seiner "Sitten und Gebräuche" (das verwende ich absichtlich so) vertrauter wäre (sein müsste), als das, was buchstäblich in einen teilweise vollkommen fremden Kulturkreis hineinfällt. In einem "Haus Europa" wären das "Hausaufgaben".

Und nein, ich werde dazu nicht in absehbarer Zeit schreiben. Meine Zeit widme ich, das Clowneske in der Realität Italiens zumindest auf Erkennbarkeit (und Lesbarkeit) herunter zu brechen.
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 14:46
@ Rahab am 02.10.2010 um 13:43

>>>und dass es ohne mich nicht weitergehen sollte
also das schmeichelt mir nicht<<<<<

Aber Madame!

Das ist Respekt! Das ist Takt! Wir dürfen bitten....
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 14:56
@ ed2murrow am 02.10.2010 um 14:45

>>>>>Denn ich verstehe j-ap so, dass nicht etwa "nur" zur Debatte stünde das politische Extrem, ein Land und/oder seine Bevölkerung von der Landkarte tilgen zu wollen, sondern was hinter dem Begriff selbst steckt, nämlich ein ziemlicher Selbstbetrug. <<<<

Ich verstehe ihn auch so. Das mit dem "Selbstbetrug" wäre dann eben noch im Hinblick auf die Gründung des Staates Israel zu untersuchen. Da kommen wir seit geraumer Zeit nicht so recht vorwärts. Aber was heißt "geraume Zeit" Was sind 4 Stunden bei 5000 Jahren ;-)
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 15:17
@e2m

"Selbstbetrug" mit "Existenzrecht" in zusammenhang zu bringen, ist der richtige weg (finde ich)
aber mir will scheinen, dass Sie da j-ap besser verstanden haben als sich selbst

wieso wir das nicht in Europa? - ganz einfach: dann müssten wir uns und unser existenzrecht als nation in frage stellen

außerdem hat die beobachtung eines etwas weiter entfernten 'objekts' den vorteil, dass prozesse, mechanismen deutlicher werden

ich sag auch dies übrigens gern noch mal: ich habe aus dem beispiel Israel viel für Syrien gelernt, und da vor allem für die entstehung der staatenlosen kurden in der Djasira - was wiederum ganz hilfreich und nützlich dafür war, in einer je individuellen verfolgungsgeschichte den 'politischen dreh- und angelpunkt' zu finden und auch anderen verständlich zu machen (öfter auch mal den betroffenen selbst)
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 15:30
vollständig lautet der satz:
aber mir will scheinen, dass Sie da j-ap besser verstanden haben als er sich selbst
j-ap schrieb am 02.10.2010 um 16:02
Und mir, liebe Rahab, scheint's so zu sein, als verstünden Sie langsam aber sicher nicht mehr, worüber wir hier gerade reden.

Ich bin ed2murrows Kommentar da oben ehrlich gesagt dankbar, weil ich mir hier bei der Lektüre mancher Kommentare zeitweise wie ein Geisterfahrer unterm eigenen Artikel vorkam. Bei Ihrem übrigens gerade wieder.

Dabei stand es doch schon im Artikel: Es geht hier nicht um die Diskreditierung einer allgemeinen Staatskritik — ganz im Gegenteil, für die wäre es mal höchste Zeit! — sondern darum, daß diese Kritik bezeichnenderweise immer nur auf den Staat Israel bezogen wird, während sich kein Mensch ernstlich für das »Existenzrecht« Deutschlands, Frankreichs oder der Islamischen Republik Iran interessiert.

Das nimmt insofern nicht wunder, als diese Staaten ja ein »autochthones« Volk repräsentieren, wie es sich für einen Nationalstaat herkömmlicher Bauart eben »gehört«, während der Staat Israel im Unterschied zu den Vorgenannten seine Rechtfertigung nicht auf tausendjährige völkische Wurzeln, sondern auf etwas so abstraktes, ganz und gar un-völkisches wie einen UN-Beschluß stützt. Daß das denjenigen, die immer noch an Blut&Boden hängen, nur ein Dorn im Auge sein kann, liegt auf der Hand.
dointgolfier schrieb am 02.10.2010 um 18:05
Wunder ist, dass Sie versuchen, durch eine überspitzt gebildete (deutsche!) Sprache und einer ebenso verkomplizierten Darstellung versuchen, einfachsten Sachverhalten neue Argumente unterzuschieben, die Sie selbst erschaffen. Doch Ihr Artikel schwächt das in ihm verborgene Argument schon dadurch, dass durch eine unnötig hochebene Sprache versucht wird, die offensichtliche Bedeutung zu verschleiern; nebenbei ist er so auch nicht in einem Massenmedium druckbar, was bedeutet, dass Ihr aus Eitelkeit entstandenes Werk niemals die Ewigkeit der politischen Weltliteratur überdauern wird und glücklicherweise hier verendet.

Staaten entstehen durch eine langjährige Geschichte der Zusammenschlüsse oder der Landnahme. Einen anderen Weg gibt es nicht, einen Staat zu gründen. Die Staatsgewalt dient der Aufrechterhaltung eines oktuierten gesellschaftlichen Konsens, der sich politisch als Herrschaft über einen stark eingegrenzten Kulturkreis gebildet hat und sich in seinem Bestehen und in seiner Beeinflussbarkeit am Ende dieser Entwicklung vollkommen von dem durch ihn beheimateten Volk separiert. Und da der vorbestehende Staat seit Jahrhunderten und seit den verlorenen Kreuzzügen ein Zusammenschluss war, konnte die neuerliche Gründung Israels nur in der Art der Landnahme geschehen. Mittlerweile ist dies wohl 65 Jahre her und das Existenzrecht Israels ist nicht mehr die Frage, sondern viel mehr, in welcher Weise dieser Staat existiert. Seinerseits versucht es seine Gesellschaft nämlich, unweit der Staatsgrenzen Metropolkolonien zu errichten, um die Landnahme und den kulturellen Genozid ursprünglich beheimateter Völker voranzutreiben. Ganz Westbank ist von den Israelis besetzt. Ganz Westbank? Nein. Ein kleiner von Palästinensern bewohnter Küstenstreifen leistet dem Eindringling bisher erfolgreichen Widerstand. Ich brauche an dieser Stelle nicht radikalnationalistische jüdische Siedler zu zitieren, die davon sprachen, sich nicht aufhalten zu lassen, das "heilige Land Israel" zu besiedeln. Die Blut-und-Boden-Argumentation, die hier dazu dienen sollte, Israels Existenz durch Landnahme zu legitimieren, weil Israel kein autochtoner Staat ist, dient nun jüdischen Siedlern dazu, ihre Siedlungen, deren Betreten durch Palästinenser strengstens verboten ist, auszubauen. Es bleibt die Befürchtung, dass Sie, lieber j-ap, so lange argumentieren werden, dass Israel kein autochtoner und nationalistischer Staat sein muss, bis er einer ist. Danach werden sie Ihre Argumentation fallen lassen, weil sie politisch bedeutungslos und das Gewollte erreicht worden ist.

Und diese Sachverhalte kann man auch mit einer offenen, erschließbaren Sprache ausdrücken, die jeder versteht, wenn man nichts zu verbergen hat.
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 22:52
@j-ap
wieso wollen Sie mir eigentlich immer Ihr blut+boden-ding unterjubeln?
was ist so aufregend bis unanständig daran, festzustellen, dass die bildung eines nationalstaats nur um den preis vollzogen werden kann, dass die erwünschten von den unerwünschten getrennt werden, mit der folge, dass versucht wird, die unerwünschten loszuwerden?

Israel ist, was das anbelangt, auch kein sonderfall. überhaupt nicht.
weshalb ich nicht verstehe, weshalb ausgerechnet dann, wenn es um Israel geht, genau das verteidigt wird, was in anderen fällen kritik erfährt
... na gut, heutzutage in Europa weniger, da der ausbau der festung Europa die energien bindet und den blick trübt... zumal ja derIslam sich anschickt, Europa erobern und unter shari'a stellen zu wollen (ja ja - und selbst wenn?)
... statt sich am beispiel Israels oder eines anderen staates (es muß nicht unbedingt das drollig-wiedervereinigte deutschland sein, wir können auch gern das auseinandergeflogene Jugoslawien nehmen oder die Türkei oder Syrien ... will sagen: es ist egal, auch usa-land taugt als anlaß) auf die suche zu machen, die gedankliche, ob es nicht noch was bess'res gäbe als den nationalstaat in seiner aktuell weltweit recht ähnlichen verfassung.

das ist dann allerdings der punkt, an dem sich die verteidiger des existenzrechts Israels fragen lassen müssen, warum sie ausgerechnet dieses so wild verteidigen und nicht das ihres eigenen. wäre ihnen das peinlich - so als linke?
DAS scheint mir klärungsbedürftig - vordringlich.
danach können wir uns weiter über Israel/Palästina unterhalten. falls das dann noch nötig ist. oder endlich über sinn und unsinn von nationalstaat.
j-ap schrieb am 02.10.2010 um 23:18
»Das« ist in der Tat klärungsbedürftig und -würdig, Rahab, und von daher werde ich auch den allerpassendsten Termin, nämlich den 3. Oktober, dazu abwarten und mich auf morgen vertagen, um einige fällige Bemerkungen darüber zu machen.

Aber erst, nachdem ich meine Ente à l'orange degustiert haben werde. Die gibt's übrigens nicht, weil eine Nation so somnambul wie nur je die heißersehnte Synthese von Antisemiten (BRD) und Antizionisten (DDR) zu vollgültiger deutscher Souveränität begeht, sondern weil der 3. Oktober bekanntlich der Todestag von Franz-Josef Strauß ist und dies der einzige denkbare Grund für Feierlichkeiten zu diesem Datum nur sein kann.

Guten Abend.
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 23:37
na dann
Sie ente
ich James
b'teawon!
Rapanui schrieb am 03.10.2010 um 22:10
@ dointgolfier am 02.10.2010 um 18:05

>>>>Und diese Sachverhalte kann man auch mit einer offenen, erschließbaren Sprache ausdrücken, die jeder versteht, wenn man nichts zu verbergen hat.<<<<

Ich bedanke mich für Ihre klare Sprache. Den damit dargestellten Ansichten muss ich nichts wesentliches hinzufügen.
Ernst schrieb am 02.10.2010 um 13:21
Die Juden haben ganz klar ein Existenzrecht. Wenn sie sich über die Welt ausbreiten wollen, dann haben sie auch dazu ein Recht. Die Rückkehr in ihr ihr Stammgebiet haben sie selbst aufgegeben. Niemand kann ihnen das geben.

Sollen sie doch mit den Konsequenzen daraus einfach mal leben. Recht wird genommen und postuliert. gegebenes Recht ist nur ein Menschenwerk durch Anmaßungen.
Rahab schrieb am 02.10.2010 um 15:27
@Ernst
die aussagen versteh ich nicht!
soll das ne paradoxe intervention gewesen sein?

abgesehen davon ... juden lebten immer in Palästina ... sonst hätten wir weder die mishna noch den yerushalmi (um mal zwei herausragende werke zu nennen) und auch sonst im vorderen orient und zwar durchgängig bis ins 19. jhdt
die ersten jüdischen landwirtschaftlichen siedlungen entstanden auch, weil dem osmanischen reich an auch jüdischer einwanderung gelegen war

und: die 'gründungsväter' und initiatoren der sog. 1.aliya, die bilu'im, wurden osmanische staatsbürger! ohne dies hätten sie den grund und boden der siedlung Gedera nicht erwerben können.
Hermanitou schrieb am 02.10.2010 um 18:08
"Die Juden haben ganz klar ein Existenzrecht. Wenn sie sich über die Welt ausbreiten wollen, dann haben sie auch dazu ein Recht. Die Rückkehr in ihr ihr Stammgebiet haben sie selbst aufgegeben."

Dürfen hier auch Tiefbraune schreiben?
Ernst schrieb am 02.10.2010 um 18:27
Was sind Sie denn für ein Knaller?
Ernst schrieb am 02.10.2010 um 19:01
Was verstehen Sie denn daran nicht? Die Juden waren mal in ihrem so hoch gelobten Land. Dann sind sie selbst von dort fortgegangen.

Kolonialvölker haben ihnen dort wieder eine Nation eingerichtet. Die Nachbarn waren damit nicht einverstanden. Und sind es immer noch nicht.

Das ist alles, was es über die Situation an Fakten gibt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 19:13
Zu Ernsts:

"Die Juden haben ganz klar ein Existenzrecht. Wenn sie sich über die Welt ausbreiten wollen, dann haben sie auch dazu ein Recht. Die Rückkehr in ihr ihr Stammgebiet haben sie selbst aufgegeben."

Ich empfehle:

www.akdh.ch/ps/02wie-rass-bierl.htm u.a.

Immer noch ein gutes Archiv, wie der Zeitgeist sich mitschwämmt.
Und das "Stammgebiet" bezeichnet wohl das Reservoir, insolchem auch die Indianer nach anthroposoph. Lesart einfach "ausstarben".

Irgendwie wirds langsam komisch.
thinktankgirl schrieb am 02.10.2010 um 19:31
@gill bost

Noch ein Bierlaner! Ich glaubs ja nicht. Und er schreibt auch noch für Konkret.


Wie rassistisch sind die Waldorfschulen?
QU: Junge Welt, 1. August 2000
[...]
JW: Woher rührt die Begeisterung für Waldorfschulen in deutschen Alternativkreisen?

PB: Sie ist Teil der allgemeinen Rechtsentwicklung und Verblödung.
[...]

JW: Evelyn Hecht-Galinski, die Tochter des verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, hat Anzeigen geschaltet, in denen sie die Waldrofschulen verteidigt. Alles Propaganda?

PB: Frau Hecht-Galinski hat in einem Interview gesagt, daß sie sich weder während ihrer Waldorfzeit noch später mit der Anthroposophie beschäftigt hat. Sie kann nur von ihren Erlebnissen an einer Schule berichten. Wenn sie als Tochter eines Prominenten dort gute Erfahrungen gemacht hat, wird ihr das keiner bestreiten. Daß Hecht-Galinski die Erfahrungen und Erkenntnisse anderer bestreitet, finde ich dagegen kühn. Ich empfehle, die Werke Steiners oder Uehlis zu lesen.


Wie auch schon Herrn Breitenberger empfohlen: Legen Sie sich ein Zweitbuch zu.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 21:04
@pinktankgirl _ meinen Sie mich?

der Link reicht, oder?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2010 um 21:07
Im Übrigen gings um akdh. Ob nun Bierl, Goldner oder Grant ist mir Schnuppe -

Und so gemeint auch des Bierls Empfehlung (den ich nicht mögen muß): Ich empfehle, die Werke Steiners oder Uehlis zu lesen.

Nun kann man die Werke Steiners nicht lesen. Gibts jemanden, bitte melden. (Gratulation zu 90Tsd. Seiten Lektüre) Uehli ist da kürzer.
thinktankgirl schrieb am 03.10.2010 um 09:38
@gill bost

Ich bin zum 2. Mal in diesem Fred auf Bierl als Quelle verwiesen worden.
Ich habe Bierl angelesen und muss sagen, da ich mich zu dem Thema etwas auskenne, daß seine Behauptungen und Schlussfolgerungen meist einer Nachprüfung nicht standhalten.

Was Bierl von sich gibt, ist mir egal, aber sobald er als Beleg für irgendwelche Behauptungen gelten soll, muss da ein bißchen mehr Substanz rein.

Zudem ist mir nicht klar, was der Link zu Waldorfschulen und Anthroposophie mit dem Existenzrecht Israels zu tun hat.
Und mir ist auch nicht bekannt, daß die Steinerschen Ansichten einen grossen Einfluss auf den heutigen Zeitgeist hätten. Abgesehen von der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, deren Produkte von der verblödeten und rechtsdriftenden Bevölkerung goutiert werden.
Aber wenn ich versuche, mich in die Gedankenwelt der Bierlianer reinzudenken, könnte ich mir natürlich vorstellen, daß der Genuß dieser biologisch-dynamischen Produkte zu einer Infizierung mit dem Steinerschen Gedankengut führt und somit dem Rassismus Tür und Tor öffnet. Und hier würde sich der Kreis den schliessen und erklären, weshalb ein Link auf die Waldorfschulen et al.
Rahab schrieb am 03.10.2010 um 16:15
's ist ein kreuz, ttg
manche ziegenficker mögen von ihrem bier'l nicht lassen...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 20:14
@pinktankquirl

"Und mir ist auch nicht bekannt, daß die Steinerschen Ansichten einen grossen Einfluss auf den heutigen Zeitgeist hätten."

Es geht eher darum, daß dieser beileibe nicht nur Steiner'sche Zeitgeist (über Identifikationen sei hier nicht zu sprechen), mit dem interessanterweise auch Anthros als Entschuldigung für den ihm ("und seiner Zeit") typischen Rassismus hantieren, nun als gegeben hingenommen wird. In diesem Blog lassen sich Parallelen ziehen. Das 1.

2. Mir geht es ebenso wenig um die Steiner'sche Pädagogik und nochmal: Es geht um den akdh-Link, der diese neuerdings wieder auftretenden "Selbstverständlichkeiten" beleuchtet.

Hinsichtl. Rahab: Ich bin kein Bierlaner und habe auch sonsthin nichts damit am Hut. Also ist Ihre Beleidigung nicht nur dämlich ...
Rahab schrieb am 03.10.2010 um 20:18
beleidigung?
kann eine anleihe bei van Gogh beleidigend sein?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 04.10.2010 um 00:34
"eine anleihe bei van Gogh beleidigend" ... (rahab)

Sie meinen Vincent?
Magnus Pölcher schrieb am 02.10.2010 um 14:33
Liebe Freitag Community, an dieser Stelle ein Verweis auf die Netiquette: www.freitag.de/community/blogs/communitymoderator/community-nettiquette-

Eine profunde Argumentation ist weniger fundierten Unterstellungen immer vorzuziehen.

Gruß
MP
Ernst schrieb am 02.10.2010 um 14:53
Meinetwegen kann dieser Unterhaltung noch bis in die Ewigkeit fortgesetzt werden. Eine weitere Erkenntnis ist schon lange nicht zu sehen.

Ich nehme mir derweilen ein Soduku oder genieße die herbstliche Natur - das ist immer noch besser als dieses Gerede hier.
Rapanui schrieb am 02.10.2010 um 15:02
@ Ernst

Geduld, Geduld. Das Thema braucht seine Zeit.

"Warum hat der Kain den Abel erschlagen? Weil er ihm dauern alte jüdische Witze erzählt hat."
Columbus schrieb am 02.10.2010 um 23:06
Lieber J.A.-P.,

Gerne folge ich Ihnen bei der These, Staaten seien nicht natürliche Bildungen, sondern geschichtlich gewordene und häufig durch Macht, Zwang und Gewalt entstandene Ordnungen.

Gerade zum Tag der Einheit bietet es sich an, daran zu erinnern und sich zu vergewissern, dass fast alles Beständige in Kultur und Wissenschaft, aber auch in Technologie und Bildung gegen, oder in Absehung vom nationalen Staat entstanden ist. Gerade der deutsche Staat hat sich, immer wenn er kanonisch und streng nationalkulturell wurde, meist bis auf die Knochen blamiert und sogar seine literarischen Klassiker, die Musik, seine weltoffenen Wissenschaftler entweder ausser Landes getrieben oder zu Fanatikern und Afterwissenschaftlern degradiert. Höflinge und Knicksexpertinnen betraten die Bühne, kulturelle Blumenstraußüberreicher und Halbwissende übernahmen die Posten derer, die einfach nicht mitsangen im nationalen Fieberwahn, und Polemiker wie Hetzer galten dann eine Weile als Intellektuelle, so wie das derzeit auch wieder einmal zu sehr der Fall ist.

Hingegen kann ich Ihnen nicht zustimmen, dass das Existenzrecht Israels allein aus Macht und Gewalt geboren ist, und kann ihnen auch nicht darin folgen, dass aus der Tatsache, ein Staat sei mächtig, habe also Gewaltmittel bereit, schon Legalität und Legitimität erwächst. Israel verdankt seine Existenz als Staat einer schrittweisen Entwicklung aus dem Folgegeschehen des ersten Weltkriegs und, -das ist jetzt viel entscheidender, weil rechtlich bindend-, einem Beschluss der Weltgemeinschaft zur Gründung des Staates, nach dem zweiten Weltkrieg.

Der Staat Israel hat ein völlig unbestreitbares Existenzrecht auf völkerrechtlicher Basis. Selbst der Iran geht nicht, was juristisch möglich wäre, bei der UNO gegen Israel vor, obwohl die iranische präsidiale Nebelkerze dort, um von der eigenen, schlampigen und korrupten Staatsführung abzulenken, böse Reden schwingt. - Ich kann nicht verhehlen, das ich hier im Forum bei einigen eine Neigung spüre, wie der iranische Staatspräsident volksbildend aufzutreten, oder den Avigdor Lieberman.

Das Dilemma allerdings ist, dass der Staat Israel mit Machfülle Gebiete besetzt hält und annektiert hat, die ihm nicht zustehen, die ihm auch nicht durch Gewohnheit und Andauer zugehören. Sie wissen das, lieber J.-A.P., aber es passt Ihnen nicht in die Diskussion. Sie wollen ja, ähnlich wie die hier schon sattsam bekannten Darsteller, lieber den Weltantizionistenjäger unter Linken mimen.

Tatsache ist, dass den Palästinensern ebeno unabweislich eine Staatsgründung zusteht und die Gebiete, die diese Staatsgründung umfassen, völkerrechtlich bekannt und benannt sind. Sie werden das auch erreichen, vielleicht nicht mit allen Wünschen, aber doch unbedingt. - Das ist so sicher, wie (noch) das Amen in der Kirche.

Völlig daneben ist es, von einem rasenden Zorn der Europäer gegen das kulturlose Amerika zu sprechen. Das war nie und wird nie eine gewaltige kulturelle Strömung in Europa. Dafür gab es in ganz Europa noch nie eine starke kulturelle oder politische Kraft, sehen wir einmal vom braunlackierten Geschehen ab und dem gewöhnlichen Hass Konservativer auf ein allzu freizügiges Leben in den Staaten.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Seit es die Vereinigten Staaten gibt, bricht die mehrheitliche Sympathie, trotz aller imperialer Züge, trotz der neuen Kriege, trotz der Super-Militärmacht und der klar erkennbaren extremen sozialen Gefälle im Land der Tapferen und Freien, niemals ab, und die europäisch-amerikanische Kultur prägt in der Masse, aber auch bei den eher komplexen und anspruchsvollen Themen, die globale Kultur, die nun zunehmend Elemente der anderen Kontinente aufnimmt. - Bsp.: Sog.Weltmusik, verwirklicht seit etwa drei bis vier Dezennien, Weltliteratur, seit 200 Jahren, Welt-Wissenschaftsgemeinde, mit Unterbrechung durch die Nazis, mindestens seit der Jahrhundertwende 1900, vielleicht auch schon ein wenig früher.

Die anderen Betrachtungen spiegeln doch nur längst von dem täglichen Sein überollte Relikte. Diese ganzen künstlichen Frontstellungen, sie sind einfach nur altbacken.

Die gleiche Leidenschaft gilt übrigens auch für die Sympathie mit dem kosmopolitischen Israel, nicht aber mit dem nationalistischen und zionistischen Teil. Diese Leidenschaft ist weltweit ungebrochen. Sehr interessant ist ja, dass die hier genannten Strömungen in Israel miteinander mindestens so heftig ringen, wie hier nun persönlich diskutiert wird. Einschließlich des ewigen Verzwergungswahns für die Widerredner und der beständigen Bombonkleberei ans Hemd des Mitdiskutanten.

Rasenden Zorn, bitte, nennen Sie einmal ein paar Beispiele, wo sehen sie den? - Selbst die 68er, vulgärfeuilletonistisch im „Spiegel“, sowie bei bekannten Polemikern von den Achsenmächten des Guten, anderswo in der stockbürgerlich verquasten Presse, aber eben auch bei diesem seltsamen Haufen Linker die beständig Linke röntgen, um sie als Amerikahasser und dauerzornige Antizionisten und Kryptoantisemiten zu malen, waren und sind zu großen Teilen Bewunderer Amerikas und seiner vielen Kulturen.

Ja, ein belesener Kulturwissenschaftler könnte auch leicht feststellen, dass ohne den Kulturaustausch und die enge Vernetzung der Kulturen, Amerikaner, gerade und besonders die linkskulturell orientierten, seit der Geburt ihrer Nation glühende Europaliebhaber sind. Das gilt für alle Bereiche, vom Wissen, über die Kultur, über die sozialen Einrichtungen, bis zur Politik.

Das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ ist keine Chimäre und auch kein Taschenspielertrick und es existiert, selbst da, wo keine wirklichen Machtmittel zu seiner Umsetzung vorhanden sind. - Ihre These hängt in der Luft. Da helfen weder Hegel noch Hobbes. Zudem wäre ein weiteres Folgen in dieser Argumentation gleichzusetzen mit einem Freibrief, sich der Gewaltmittel zu bedienen, die man in Realität hat, um jeden gewünschten Zustand herzustellen. Das aber, wagen selbst die radikalsten Zionisten nicht, wie umgekehrt die radikalsten Hamas-Aktivisten nicht beliebig weit mit ihrer unbedingten Bereitschaft zur Selbstzerstörung gehen.

Die Hauptrichtung des Antizionismus, jedenfalls des Antizionismus der meisten Linken, richtet sich gegen den Wunsch der Zionisten, den Staat Israel auf besetzte und annektierte Gebiete auszudehnen. Das liegt tatsächlich im Wunsch radikaler Zionisten verankert, die sich Eretz-Israel nur auf der Grundlage der Verwirklichung einer religiösen Fiktion vorstellen können.

Sehen Sie doch einmal von jenen ab, lieber J.A.-P., die immer rufen „Tod Israel“ und von jenen die brüllen „weist die Palästinenser aus, schickt sie in die Nachbarstaaten, schickt sie in die Wüste“. - Das sind rundum, ob von links, rechts, oder aus der Mitte, die eigentlichen Bösewichter und Brandstifter, auf die wir doch gut hierzulande und in Israel verzichten sollten. Die sind entweder furchtbar erregt oder sie leiden an totalen Sprüchen, so wie Sie sie jetzt, umgedreht, auch formulieren. - Oder sie sind einfach extrem dumm.

Mit Hobbes und Hegel sieht man heute alt aus, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit und Völkerrecht geht. Uralt jedoch, wenn man damit in klassischer politischer Sprache Globalwertungen vornimmt. Das taugt nicht und führt ins Abseits. Spätestens mit der Idee des Völkerrechts und seiner UN-Verwirklichung gelten andere Maßstäbe. Derzeit sieht es so aus, dass mehr Nationen die sich stark fühlen, es aber nicht wirklich sind, das verstehen. In Europa wächst daraus eine Staatenbund, in Amerika das Bewusstsein für eine multipolare Welt und in Asien und Südamerika der Wille, mitzusprechen. Einzig Afrika tut sich sehr schwer, eine eigenständige Rolle zu spielen, denn dort treten mittlerweile Inder, Chinesen, Europäer und Amerikaner als Claimabstecker auf und entwickeln so etwas wie einen firmengesteuerten, neuen, tertiären Kolonialismus. Der kann viel geschickter brutal sein, viel verdeckter aufreten, weil mehr Geld im Spiele ist und dieses Geld als privates Geld gilt, dem man aus ideologischen Gründen nicht auf die Finger sehen zu dürfen glaubt. Die Eliten der betroffenen Länder sind zu schwach und kaufen auch viel zu gerne bei Harrods ein. Sie wohnen in den Staaten und in Europa, wo es ihnen gefällt und lassen ihre Völker verwalten. Sie sind eingekauft und haben sich eingekauft, ob am Golf oder in Nigeria.

Dem „dF“ steht diese ganze Auseinandersetzung um linken Antisemitismus und Kryptoantisemitismus so wenig gut zu Gesicht, das ist alles so furchtbar billig und unproduktiv, dass es keinen Spaß mehr macht.

Ich werde in Zukunft zu diesem Thema nichts mehr schreiben und wenn das ganze „dF“-Forum von den Freunden solcher Diskussionen gekapert werden sollte. Es geht mir schlicht mittlerweile auf den Sack, immer wieder die gleichen Trötenargumente lesen zu müssen. So was sollte man der Achse des Guten, Thilo S. und dem Bahamas-Team überlassen. Die bekommen dafür vielleicht noch den Tom Cruise-Mut-Bambi aus den Händen unserer Tatort-Walküre.

Grüße und schönen Feiertag
Christoph Leusch
j-ap schrieb am 03.10.2010 um 00:52
Guten Abend, Herr Leusch.

Da hätte ich wohl mal besser gewartet mit der »Vertagung« von oben — ich habe Ihren Kommentar nämlich zu spät gesehen und muß nun doch entgegen der Ankündigung noch einige Worte dazu machen:

Es geht mir hier nicht darum, zu durchleuchten, jemanden abzuklopfen und auf die Gesinnung hin zu überprüfen. Wäre das mein Ziel, dann würde ich wohl kaum versuchen, das Gespräch, die Diskussion in Gang zu halten und gewisse Dinge ins Bewußtsein zu heben, von denen ich glaube, daß sie sehr entscheidend seien, sondern würde mich auf den Berg der Weisen zurückziehen und von dort munter irgendwelche Dogmen verlautbaren. Das ist nicht der Sinn des ganzen.

Es geht darum, zu verdeutlichen, daß der Konflikt um Irsael einer ist, der weit über Israel selbst hinausgreift und damit zu tun hat, in welcher Zivilisation wir leben wollen und auch werden. Israel — und zu dieser steilen Aussage lasse ich mich gern und sehr bewußt hinreißen — ist die Insel der Vernunft in einem Meer von Unsinn, bezeichnenderweise wird aber gerade nicht in die Vernunft, sondern in den Unsinn hinein projeziert, was an ganz realen Zynismen hierzulande zu beklagen wäre. Insofern hat dieser Thema auch etwas damit zu tun, was Sie nebenan erörtern, nämlich: Linkssein und »verordnete Einheitlichkeit«.

Es geht hier nicht um eine mondäne Polemik aus hoher Warte, die die Generallinie des linken Gesellschaftsbilds verorten soll, sondern um den Hinweis darauf, daß die falsche Gesellschaft nicht durch falsche Emanzipation aufzuheben ist, will sagen: durch autoritäre Feinderklärung des Kollektivs ans Individuum, das sich gefälligst wegen des großen »Ganzen« selbst beherrschen soll.

Läuft es Ihnen denn nicht kalt den Rücken hinunter, wenn schon wieder die Disziplin und die Autorität als genuin »linke« Instrumente zur Emanzipation »erkannt« und reklamiert werden, Herr Leusch? Stört es Sie gar nicht, daß man bei den ganzen nationalen, volksweiten Aussprachen dieser Tage, auch und gerade unter Linken, schon wieder den ganz grausamen Vorschein des Kleinmachens, des Unterpflügens und Niederstreckens wahrnimmt? Daß man schon gleich nicht mehr sagen kann, ob nun der DGB, die Deutsche Arbeitsfront oder Goebbels persönlich sich ans Volk wendet, wenn es heißt, daß das »Geld der Wirtschaft und die Wirtschaft dem Volk« dienen soll? Stört Sie, schon intellektuell, dieses ewig dunkle Geraune und Geseier von den Bonzen, den Heuschrecken und den Plutokraten gar nicht, die man nur zur Strecke zu bringen brauchte, um den Kapitalismus in seiner verwohlfeilerten, ver-sozialisierten, ver-staatlichten, also: manisch sozialdemokratisierten Version doch noch über die Krise retten zu können?

Erkennen Sie nicht, daß es derselbe Triebgrund ist, der einmal in Gestalt von Sarrazin, Sloterdijk & Bolzen den nationalen Ausschluß predigt, das andere Mal aber mit genau derselben inneren Mechanik das Kollektiv gegen die Steuer»sünder«, Hartz-IV-»Hängematten« und Euro-»Rettung« in Anschlag bringt? Das alles ist als Regreß intellektuell so platt und kurzschlüssig, daß ich mich fast scheue, es hier hinzuschreiben, und doch geistert es nach wie vor durch sämtliche Gebreiten, auch hier.

Ich habe noch nie und an keinem einzigen Tag meines Lebens verstanden, weshalb sich Linke immer wieder von den Konservativen und den sog. »Liberalen« die Butter vom Brot nehmen lassen, indem sie sich immer wieder und nicht einmal ganz ohne Grund dem Verdacht aussetzen, einfach nur Neidbeißer zu sein. 'Nicht ohne Grund' vor allem deshalb, weil Linke es bis heute nicht geschnallt haben, daß sie nicht ums Volksganze, Bahnhöfe, das BAFöG oder die 'gerechte' Verteilung von Brot, Klopapier und Strickjacken streiten müssen, sondern um Individualismus, Luxus, pursuit of happiness und, jawohl, auch um das Recht des Menschen auf Vereinzelung von der Gemeinschaft. Genau, weil Cons und Libs diese Versprechungen der bürgerlichen Gesellschaft noch immer feilhalten — und das, obwohl sie noch nie eingelöst wurden und es in dieser, der kapitalistischen Gesellschaft, auch nicht eingelöst werden können! — gewinnen die die Wahlen oder wenigstens die Auszählungen, während Linke wieder einmal in die Röhre schauen und sich am Ende ihres Weges mitunter den Zynismus leisten, dem Weltproletariat die Zunge rauszustrecken: Das habt ihr jetzt davon, daß ihr eure Kühltruhen und eure Lebensversicherungen angezahlt habt.

Das meine ich, Herr Leusch, wenn ich davon rede, daß es um Israel geht. Denn es geht nicht darum, den Vorschein von Freiheit abzuschaffen, sondern sie in Form eines echten Vereins freier Menschen überhaupt erst aufs Programm zu setzen, und zwar nicht, indem die Menschheit in eine Viehherde zurückverwandelt wird, in der ein jeder das zwar dann gleiche, aber kärgliche Los bar jeder Freuden und Genüsse fristet und auch nicht, indem das Elend der Welt als bloß autochthone Selbstverwaltung organisiert wird.

Insofern müßten wir diesen Diskurs, Ihren und meinen, zusammenlegen, weil es genau das ist, was ich meine, wenn ich sage, daß es um Israel gehe.

Viele Grüße
Josef Allensteyn-Puch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 02:13
@j-ap

Ich will Ihre Konversation mit Ch. Leusch nicht stören. Nur ein kleiner Einwurf:

"Daß man schon gleich nicht mehr sagen kann, ob nun der DGB, die Deutsche Arbeitsfront oder Goebbels persönlich sich ans Volk wendet, wenn es heißt, daß das »Geld der Wirtschaft und die Wirtschaft dem Volk« dienen soll? Stört Sie, schon intellektuell, dieses ewig dunkle Geraune und Geseier von den Bonzen, den Heuschrecken und den Plutokraten gar nicht, die man nur zur Strecke zu bringen brauchte, um den Kapitalismus in seiner verwohlfeilerten, ver-sozialisierten, ver-staatlichten, also: manisch sozialdemokratisierten Version doch noch über die Krise retten zu können? "

Diese Debatte über "strukturellen Antisemitismus" habe ich noch nie so ganz verstanden. O.k., statt vom Volk könnte man auch von Bürgern sprechen. Aber wenn der DGB (z.B.) sich derart äußert, dann hat er doch dabei mit Sicherheit nicht die "geldgierigen jüdischen Kapitalisten" im Kopf, wie sie zum antisemitischen Klischee gehören. Und wenn Linke darüber reden, wie sie "Heuschrecken" das Handwerk legen können, bestimmt ebenso wenig.
Dass man überhaupt betonen muss, dass die Wirtschaft der Gesellschaft dienen soll und nicht umgekehrt, dürfte wohl eher am Siegeszug der Neoliberalen liegen.
Die Frage müsste also lauten: Wird der Neoliberalismus in Verbindung mit Juden gebracht?

Ich kann Ihnen soweit folgen, dass es zum Antisemitismus gehört, mit den Juden, die angeblich an den Schalthebeln der Wirtschaft sitzen, auch bestimmte Erscheinungsformen des Kapitalismus wie das "raffende Kapital" zu dämonisieren. Nur: Kann und muss man nicht unabhängig davon - und aus ganz anderen als antisemitischen Gründen - "Heuschrecken" und Spekulanten kritisieren, die sich auf Kosten der Armen bereichern?

Klar, der Kapitalismus beruht darauf, dass der Eine den Anderen übervorteilt. Nur gibt es nun mal Leute, die mangels einer realistischen Alternative Reformen fordern, statt auf die Revolution zu warten.
Dass Sie offensichtlich weder das Eine noch das Andere wünschen, glaube ich nach diesem Ihrem Post nun auch verstanden zu haben. Ich frage mich (und Sie) nur, worin sich linke Parteien denn nun Ihrer Meinung nach von Konservativen unterscheiden sollten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 05:43
j-ap schrieb am 03.10.2010 um 00:52
"Guten Abend, Herr Leusch. ..."

Auch wenn hier das Zuhören, das Lesen und erst recht das Zustimmen gegen den hier waltenden Kollektivgeist erscheinen mögen; auch ich gestatte mir unter Hinweis auf inzwischen gelöschte und nur teilweise noch verbliebene Blogs die zustimmende Bemerkung zu dieser detailreich ausgeführten Feuerprobe, die nun ansteht und um so mehr mit dem unbedingte angestrengten Willen großer bewegter Massen - es ist so, als hätten sie vergessen, worum es vor fast 100 Jahren und worum es vor 20 Jahren ging. Und wieder klingen die alten Parolen, über Bande gegen Muslime gebolzt gen Israel und den "Zionistenstaat". Nur deutlicher kam mir das in der DDR zu Ohren als "Imperialismus" und schwoll jedesmal an zum Internationalismus gegen Irgendetwas, der dann über Plätze gegrölt wurde von Leuten, die ansonsten keinen Meter zu nah an der Bordsteinkante parkten, weil sie knöllchenfürchtig sind.
Und nun ist es wieder da, mit vor sich hin stammelnden Aktivisten des Friedens: (und eindeutig, bevor die Windmaschine wieder angeht: ich urteile nicht über die muslimischen Debatten dazu, sondern ausschliesslich über den Helfergeist, der sein Wissen aus der Flasche bezieht, weil es ihm gerade nützt).



Und wenn es nur um Gerechtigkeit ginge - es geht, wie nebenbei um Rache und ja, um Heuschrecken, ...

Aber ja Emma, Sie haben recht. Nicht alles mag in solchen TV-Analysen stimmen, aber O-Töne sind nun einmal O-Töne.

Wie sagte die Abgeordnete im Video:
Sie beendet das jetzt. Das ist der Ton, der mißfällt und das ist die Art, die abschreckt. Wenn Erklärungsnot in das alter Muster einer Hierarchie gepresst wird.
Rapanui schrieb am 04.10.2010 um 01:41
@ Columbus am 02.10.2010 um 23:06

Lang aber gut. Vielen Dank.

Ich bin erst seit 2 Monaten aktiv in der FC. Für mich ist es hier die erste Diskussion zum "Antisemitismus unter Linken". Ich habe hier etwas über die "Antideutschen" gelernt, war mir vorher nicht so präsent. Über das Ergebnis der Diskussion bin ich enttäuscht, vor allem deshalb, weil Jap als Initiator der Diskussion so kläglich endet.

Wenn es solche Diskussionen hier schon öfter gab, verstehe ich was Sie meinen: >>>Ich werde in Zukunft zu diesem Thema nichts mehr schreiben und wenn das ganze „dF“-Forum von den Freunden solcher Diskussionen gekapert werden sollte. Es geht mir schlicht mittlerweile auf den Sack, immer wieder die gleichen Trötenargumente lesen zu müssen.<<<

Derb aber gut. Vielen Dank.
gerstin schrieb am 02.10.2010 um 23:20
es weiss doch jedes kind, dass israel und seine verbündete schuld an der misere der palästinenser sind und so weiter. sorry.

www.ifamericansknew.org/
hibou schrieb am 03.10.2010 um 07:14
gerstin schreibt ebenso kurz, wie columbus lang :-). beim letzteren kann ich den sachargumenten gut folgen, nur lustig, dass die zunehmend von seitenhieben, "auf den sack gehen"-stimmung und "hier schreibe ich net mehr" (würden sie das können?) unterbrochen werden.
immerhin ist das thema kontrovers, da gibbet nichts. würde man hier über madeira schreiben, kaeme wohl kein einziger kommentar zustande. immerhin. ob sich was bewegt (ausser dem zunehmenden drang zum zweitbuch?)?

möchte auf zwei punkte eingehen: den nationalismus und die hassliebe zu amerika. wir wollen (jaja) amerika lieben, aus vielen der von columbus - nomen est omen? - genannten gründen, aber es wird uns schwer gemacht. vielleicht gilt das ja auch für israel? uhh, hibou vermittelt :-)). dann hat hier noch keine/r jeanne d'arc erwaehnt, was mich eigentlich wundert. wie mit der zukunft umgehen, ohne die vergangenheit zu kennen? ("vorwaerts und net vergessen" = hibous spruch zum heutigen tage). also, die pucelle, mit ihrem himmlischen auftrag: sie steht recht eigentlich für den beginn des nationalstaates und des nationalismus. oder?
Rahab schrieb am 03.10.2010 um 08:36
oh putain!
ne, dafür 'steht' ne andere Maryam
hibou schrieb am 03.10.2010 um 08:46
dann meinste marie madeleine :-))
Rahab schrieb am 03.10.2010 um 08:49
sind sie das nicht alle, bislang noch?
hibou schrieb am 03.10.2010 um 08:52
darf man hier putain sagen? oh putain de merde.....
Rahab schrieb am 03.10.2010 um 09:02
von mir aus darfste - ich bin nicht pasdar
Rahab schrieb am 03.10.2010 um 08:48
und?
um welches 'Israel' geht's jetzt?
muß ich so fragen, denn wenn es um darum ginge, das individuum in "Form eines echten Vereins freier Menschen" zu schaffen, dann frag ich mich, auf welche 8-ter-bahn j-ap die 'autochthonen' nun setzen möchte.
landen die nicht doch wieder im looping mit der aufschrift: geh doch dahin wo du hergekommen bist? oder, falls wer da (wo auch immer das gewesen sein mag) nicht hergekommen bist: geh doch dahin, wo leute wie du sind?

und nun sinn ich nach ich über das individuum in form eines echten vereins freier menschen...
Phineas Freek schrieb am 03.10.2010 um 10:51
Ausgerechnet mit der VERNUNFT (was für ein Bekenntnis zur repressiven Moral!) im Marschgepäck" die Form eines echten Vereins freier Menschen...aufs Programm setzen", die sich "in einem Meer von Unsinn" nur noch in ISRAEL manifestieren würde (schön wärs ja!), welches DESWEGEN BEDINGUNGSLOS unterstüzt gehöre.
Dieser komplette Unfug wird auch nicht durch ein paar treffliche Bemerkungen über hiesige Verhältnisse besser.
das ist die lupenreine und irrwitzige Kernthese von Bahamiten und ähnlichen Zirkeln.
Herr Leusch hat, was dieses Thema anbelangt, zum Ende seiner Ausführungen die richtigen Worte gefunden.
Fritz Teich schrieb am 03.10.2010 um 16:55
Staaten haben kein Existensrecht, sondern sind einfach da oder nicht. Soll ich fuer Israel als juedischen Staat kaempfen? Das ist eine ganz andere Frage, die wir schoen auseinanderhalten und genau so formulieren wollen.
Fritz Teich schrieb am 03.10.2010 um 17:14
Ich kann Hamas und Hezbollah sehr gut verstehen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 21:03
@F.T.
Ist klar. Sie verstehen ja so einiges.
Ich kann ganz gut verstehen, dass die israelische Regierung nicht tatenlos zusehen wird, wie das iranische Mullah-Regime an der Atombombe bastelt, mit der es diesen Staat auslöschen und sich selbst einen Platz im Paradies - Sie wissen schon: 72 rattenscharfe Jungfrauen (mit oder ohne Burka?) warten dort - verschaffen will.
j-ap schrieb am 03.10.2010 um 17:19
In einer Schrift, die sicherlich die einen oder anderen von Euch noch vom Hörensagen kennen werden, nämlich dem Manifest der Kommunistischen Partei, heißt es:
Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Mißständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern.

Es gehören hierher: Ökonomisten, Philantrophen, Humanitäre, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klassen, Wohltätigkeitsorganisierer, Abschaffer der Tierquälerei, Mäßigkeitsvereinsstifter, Winkelreformer der buntscheckigsten Art. Und auch zu ganzen Systemen ist dieser Bourgeoissozialismus ausgearbeitet worden.
Nichts wissen konnte Karl Marx zu seiner Zeit etwa von den Anthroposophen, den diversen Ausgaben der Nationalastrologen (Nationalbolschewisten, Nationalanarchisten und so weiter), den »Ghandianern« und anderen Gesundbetern, aber eben auch nicht von den Antizionisten.

Diesem ganzen krachenden Unfug sollte ja die Revolution für die staaten- und klassenlose Weltgesellschaft kurzerhand zuvorkommen. — Nur leider tat sie es nicht. Das Unheil, das nicht verhindert wurde, determiniert seither alle nur mögliche Zukunft, gleichsam als ein negativer Geschichtshorizont.

Unter den aktuell gegebenen Umständen ist Marxens Befund daher im Sinne der Zeitdiagnostik nachholend zu erweitern und auf den Punkt zu bringen.

Die Rechten behaupten, daß eine funktionale Einrichtung der Gesellschaft ohne ihre Rationalisierung (bei der Staatsbürgerschaft, beim Staatsverschlanken, an der Universität und so weiter) nicht durchführbar sei, während die Linken behaupten, daß es ohne eine moralische Einrichtung der Gesellschaft erst gar keine Funktionalität geben könne.

Beide zusammen aber wünschen als Gewissen der deutschen Nation, an allen rein oberflächlichen Differenzen vorbei, den gesellschaftlichen Mißständen abzuhelfen, um den Fortbestand des deutschen Souveräns zu sichern, damit die Volksgemeinschaft noch einmal eine Zukunft haben kann. Deshalb geben sie beide der sog. »Mitte der Gesellschaft« (das ist da, wo die Basis besonders breit ist) das Stichwort, nach dem eben diese »Mitte« zwar schon längere Zeit lauerte, aber sich bislang doch noch nicht so recht traute.

Die Linksfraktion dieser Volksgemeinschaft insbesondere bemüht sich, die Lage zu verbessern, indem sie endlich gegen die Zinsparasiten, die Gier der Heuschrecken und die Couponabschneider den »Staat des ganzen Volkes« errichtet, der nicht nur im Prohramm der KPdSU von 1961 steht, sondern eben auch im Grundgesetz. Zu dieser Fraktion gehören: Völkerrechtssozialisten, Ökoreformisten, Veganer, Trotzkisten der fünften, siebten und neundreiviertelten Internationale, Antispeziezisten, Marxisten-Leninisten und andere manische Sozialdemokraten (insbesondere auch die Lafontainisten, Attacisten, Antiimperialisten), Elsässers Linksfaschisten sowie der ganze komödiantische Anhang der völkischen Geistrevolution(en).

Das Recht auf die je eigene Meinung übersetzt diese Fraktion in die unbedingte Pflicht zur solidarischen Akklamation ans Kollektiv. Zwar ist der Antisemitismus immer noch der Sozialismus der blöden Weiber und der dummen Kerle, das heißt die Volkshilfsgemeinschaft des Gesindels und der Idioten auf Gegenseitigkeit, jedoch ist der Antizionismus zugleich der Staatssozialismus und also der Étatismus der gleichen Idioten, das heißt der Staatsfetischismus der Blöden, den sie, um den autoritären Souverän zu legitimieren, an allem und allen ausagieren und auswüten, was und wer nicht mit ihnen selbst identisch ist.

Heute vor zwanzig Jahren, als die Wiedervergemeinschaftung von Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, sich mit Israel offiziell arrangieren, und Antizionisten (DDR), denen es nur gestattet war, die Juden in Form der »Zionisten« zu hassen, vollzogen wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers politisches Testament doch noch zu vollstrecken, das heißt die Shoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der abstrakte Rechsnachfolger rüstet sich auf, auch der konkrete Gesellschaftsnachfolger zu sein, denn erst der Tag, an dem es die Juden außer in Geschichtsbüchern nie gegeben haben wird, wird der Tag vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) sein.

Deshalb gilt am heutigen Tage insbesondere, weder das eine noch das »andere« Deutschland auch nur einen Augenblick zu loben, sondern im Gegenteil zu rufen:

Nieder mit dem Staat!
Nieder mit dem Volk!
Nieder mit der ganzen deutschen Nation!
und: Nieder mit der Arbeit!

No pasarán!
Rahab schrieb am 03.10.2010 um 17:31
war mit der ente irgendwas nicht in ordnung?
Phineas Freek schrieb am 03.10.2010 um 17:46
…schätze eher die Ente wurde arg zu plump á la Wertmüller serviert und ist demzufolge j-ap ein wenig auf den sensiblen Magen geschlagen….
thinktankgirl schrieb am 03.10.2010 um 19:05
J-AP,

das hört sich arg bedenklich an.

Ich mach mir echt Sorgen um Dich!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 19:11
@ j-ap schrieb am 03.10.2010 um 17:19

Sehr geehrter Herr J-AP,
ich gratuliere zu ihrem Kommentar, den ich voll unterstütze. Einen kleinen Kritikpunkt hätte ich jedoch anzumerken. In ihrem Satz:
"Nichts wissen konnte Karl Marx zu seiner Zeit etwa von den Anthroposophen, den diversen Ausgaben der Nationalastrologen (Nationalbolschewisten, Nationalanarchisten und so weiter), den »Ghandianern« und anderen Gesundbetern, aber eben auch nicht von den Antizionisten."

hätte ich mir nur gewünscht, dass Sie ausdrücklich Silvio Gesells Menschenzuchttheorien, die hier eigenartigerweise strittig diskutiert wurden, erwähnten und damit den sozialdarwinistischen und völkischen Theorien eine ebenso klare Abfuhr erteilt hätten. Vermutlich wissen in diesem Forum einige nicht, dass Gesell von Nationalanarchisten verehrt wurde und wird.

Vielen Dank
Ihr Manfred Breitenberger
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 19:12
J-ap,
wenn dies seltsame "Manifest" ein antithetisches Resultat einiger Erkenntnisgewinne sein sollte, deren Resultate Sie ihrem halluzinierten Publikum verhehlen wollen, um ihm vermeintliche Triumphe nicht zu gönnen, dann würde ich schiefmäulig dazu gratulieren.

Es ist saublöd, nicht wahr, wenn Juden aus den üblen Erfahrungen ihrer Vorfahren mit den verschiedenfarbigen völkischen Nationalismen den Schluß ziehen, eben solch ein Nationalismus nebst dazugehörigem Staatswesen sei ein Remedium, sei das, was ihnen zu ihrem Glück gefehlt habe.
Wenn Rahab sich zu dem Aufruf, "Juden brauchen keinen Staat", ohne den Zusatz "um sich vor Antisemitismus in Sicherheit zu bringen", durchringen könnte, weil Menschen einen Staat, einen Nationalstaat zumal, so nötig haben, wie Pest und Cholera (wobei Pest und Cholera sich den Menschen glücklicherweise nicht in derselben Weise aufdrängen, wie Eroberer, die alles daran setzen, sich für die Eroberten unverzichtbar zu machen), dann läge sie "richtig".

Es ist saublöd, wenn dieselben jüdischen Idioten sich von Leuten mißbrauchen lassen, für die Judenverfolgung willkommene Titel für korporative Landnahme- und Herrschaftsprojekte waren, nebst deren Absegnung durch militärisch potente Garantiemächte, welche noch vor der Staatsgründung den durch nackte Gewaltausübung abgesicherten zionistischen Nationalismus für Zwecke instrumentalisierten, die weder im Interesse der Juden, noch der Zionisten lagen.
Diese "Legitimierung", der kollektive Gewaltakt einer von der Siegermacht USA ausgehobenen "Weltgemeinschaft" von Souveränen, denen spätestens in Hiroshima und Nagasaki beigebogen wurde, daß sich jeder von ihnen auf unabsehbare Zeit an amerikanischen Weltordnungsinteressen zu relativieren und zu messen lassen habe, geschehen auf dem Boden eines von den USA zur Abwicklung vorgesehenen britischen Protektorates, ist bis auf den Tag die einzig nennenswerte materielle Gestalt, nämlich buchstäblich eine Schöpfung des "Völkerrechtes" geblieben. Wie Ihnen Oranier treffend sagte, besteht dies Trumm ausschließlich in der wechselseitigen Anerkennung militärischer Hoheit durch Souveräne, die mit ausreichend Gewaltmitteln ausgestattet sind oder werden , um ihnen eine taugliche Zurichtung ihres Volkes für die Bedienung grenzüberschreitender Kapitalinteressen zu erlauben.

Im Falle Israels zielte diese Zurichtung nicht allein auf die Juden, sondern gleich mit auf die umgebenden Völkerschaften und ihre Lokalpotentaten. Historisch war der erste Schritt die Fesselung bzw. Zurichtung haschemitischer und ägypgischer Ansprüche auf ein von den Briten zu räumendes Palästina.

Während die Juden Palästinenser schlachteten, um dies Weltordnungsgefüge für einen Judenstaat zu instrumentalisieren, schlachteten die USA zig Millionen Asiaten, verwüsteten nachhaltig einen ganzen Subkontinent, um die Machtlosigkeit jedes konkurrierenden Projektes einer Staatenordnung nachdrücklich vorzuführen.

Dies eigenartig "Prinzipielle", tatsächlich geisterhafte Moment des ermächtigten Zionismus wirkt nicht allein in den Köpfen, sondern noch immer praktisch in den Machtansprüchen der unmittelbar oder mittelbar beteiligten Souveräne, und das sind gemäß der militärischen Realität einer amerikanischen Weltordung alle Staaten und folglich alle politisierten Individuen , sprich: Leute, die sich die ihnen verliehende "Macht" in Gestalt von gewährten Rechtsansprüchen an ihre Herrschaften vergeblich zu eigen zu machen suchen, bzw. deren Titel von den Herrschaftszwecken, denen sie dienen, im eigenen Interesse zu lösen suchen.

Dieser Nationalismus ist tatsächlich "lustigerweise" auf beiden Seiten der Front, den Parteigängern wie Gegnern israelischer Staatsmacht, die Triebkraft des Interesses.

"Amerikanisch" ist die Weltordnung nicht deshalb, weil die Amerikaner besonders böse, oder besonders "kosmopolitisch" wären, sie ist in letzter Instanz nicht mal deshalb amerikanisch, weil die Machtmittel dieses Staates und seine Freiheit - auch gegenüber den eigenen Bürgern - sie einzusetzen, konkurrenzlos ist. Sie ist es, "weil es nur einen geben kann", wie das oben zitierte Argument von Oranier bereits implizit sagt: Eine wechselseitige Anerkennung von Souveränen ist und bleibt nur als Kriegsresultat zu haben. Der "Völkerfriede" ist nur flüchtiges Durchgangsstadium eines jahrtausende währenden Kriegszustandes, gegen den keine chinesische Mauer Bestand hatte, weil das, was Lücken in sie reißt, von innen kommt, nicht von außen.

Daneben war "Frieden" ein, gemessen an den Ansprüchen herrschender Klassen, entlegenes Dasein einer Region, die damit vorerst dem Schicksal entging, daß den dort lebenden Menschen und ihrer Produktion das Privateigentum und sein ökonomischer Erfolg, aus dem auf konkurrenzlos wirksame Weise militärische und ökonomische Machtmittel zu gewinnen sind, in seinen verschiedenen historischen Gestaltungen zum existenziellen Maßstab gemacht wurde.

Die Halluzinationen, in die Du, J-ap, die eineinhalb Wahrheiten Deiner Rede verpackst, kannst Du übrigens bei Jürgen Elsässer, in seinen "Werken" bis Mitte der 90ger Jahre, nahezu im Wortlaut finden. Abgeschrieben wirst Du sie ja wohl nicht haben, wa ...
j-ap schrieb am 03.10.2010 um 21:43
TomGard,

das einzige, was hier tatsächlich »saublöd« daherkommt, ist der elaborierte Obskurantismus, den Sie da ausbreiten, weil er rein gar nichts aufhellt oder gar erklärt, sondern die Konfusionen sogar noch potenziert: die »jüdischen Idioten« lassen sich also mit einem Mal »mißbrauchen« von Leuten, denen die Verfolgung nur willkommener Anlaß und Vorwand zum Landraub gewesen sei — pardon, aber soviel gegen jede historische Realität abgedichtete Bewußtseinslegasthenie habe ich schon länger nicht mehr lesen müssen, sie paßt aber andererseits sehr gut zu dem anderen grassierenden Wahn, der hier und weiter oben zum Besten gegeben wurde, nämlich die nicht nur bei Carl Schmitt (»Das Judentum in den rechtswissenschaften«) nahezu wortgleich ausgebreitete These, daß der Judenstaat ein künstlich aus der Retorte des Völkerrechts gezeugter Homunculus fremder Mächte sei, die ihn dazu benutzen, eingesessene Volksscharen zu knechten, vornehmlich natürlich mittels Landraub.

Dazu paßt auch, daß kein noch so großer Aufwand gescheut wird, um jüdische Siedler als hemmungslos marodierende, mit nie zu stillender Gier nach Land und Leuten (und Kindern) ausgreifende Meute darzustellen, die sich mit der Hand, die man ihnen reicht, nicht zufrieden geben kann, sondern gleich den ganzen Arm nimmt.

Lesen Sie's selber nach, woher diese Motive stammen: Bei Giselher Wirsing, der für das Amt Rosenberg eine als Palästina-Reisebericht getarnte Propaganda-Postille verfaßte (»Engländer, Juden, Araber in Palästina«, 1938). In diese Linie ist freilich auch die »Diskussion« von weiter oben einzuordnen, wo denn ein Judenstaat legitimerweise hätte statt haben sollen. Wirsing beantwortet das schon, nämlich: in einem »Leerraum«, schreibt er, der nicht schon von einem anderen Volk besetzt sei, das erst verdrängt werden müsse. So einen Leerraum gibt es freilich nicht, und die Verpflanzung der Juden in ihn hinein ist auch deshalb nichts anderes als schon die Vorform ihrer Extermination.

Das ist ein Feld, das bisher noch nicht allzu deutlich ausgeleuchtet wurde, zumal man dieses Motiv in einer ganz kuriosen Gestalt auch noch bei den frühen deutschen Nationalbolschewisten der 1920er-Jahre findet, etwa bei Wilhelm Stapel, dessen bezeichnendes Opus »Antigermanismus und Antisemitismus« davon ausgeht, daß es zwei Völker gebe, nämlich die Juden und die Deutschen, die von der englischen Plutokratie dazu benutzt würden, die Welt zu spalten (was ihn freilich dann nicht von der Diagnose abhielt, die Deutschen müssten gerade wegen dieser Gemeinsamkeit umso unerbittlicher gegen die Juden ausschreiten).

Was Ihre Bemerkungen zum Völkerrecht und zu meiner Konversation mit oranier betrifft, so haben Sie sie schlicht und ergreifend nicht verstanden, und ich sehe auch nicht ein, alles so oft herzubeten, bis es auch dem Letzten dämmert.
Rapanui schrieb am 04.10.2010 um 01:31
@ j-ap am 03.10.2010 um 21:43

>>>>Lesen Sie's selber nach, woher diese Motive stammen: Bei Giselher Wirsing, der für das Amt Rosenberg eine als Palästina-Reisebericht getarnte Propaganda-Postille verfaßte (»Engländer, Juden, Araber in Palästina«, 1938).<<<<<

TomGard bedient sich der Motive des Amtes Rosenbergs? Weiß TomGard schon davon?

Jetzt mal im Ernst: das ist doch diffamierend, was Sie da über TomGard schreiben. Wo sind Sie hier überhaupt hingeraten - inhaltlich und stilistisch?

Der Beitrag von Columbus ist für mich überaus erhellend, Ihre Entgegnung scheint nichts von diesem Beitrag aufzunehmen. Ach Mensch, Jap!
j-ap schrieb am 04.10.2010 um 02:27
Was ist daran diffamierend, jemandem zu vergegenwärtigen, welche Figuren er gerade auf dem Feld herumschiebt, Rapanui? Und das ist nun einmal so, das ist auch nicht auf meinem Mist gewachsen.

Diffamierend ist es, jemandem zu unterstellen, er würde irgendeinen Luftballon steigen lassen, obwohl er in Wirklichkeit doch nur weiter »einstreichen« wolle (Sie erinnern sich?), und diffamierend ist es auch, wenn weiter unten behauptet wird, ich wolle hier dem amerikanischen Pentagon den Bellizisten-Tango vorsteppen, obwohl ich noch nie und nirgends geschrieben habe, daß ich irgendeinen Kriegseinsatz der jüngeren Geschichte, sei er nun auf dem Balkan oder im Irak oder in Afghanistan, für gut und verschmerzbar gehalten hätte.
Rapanui schrieb am 04.10.2010 um 03:32
@ j-ap am 04.10.2010 um 02:27

Ich hatte mir TomGards und Ihren Beitrag sorgfältig durchgelesen, bevor ich Sie für Ihre Reaktion kritisierte. TomGard greift dummerweise wieder bis auf Ihre Persönlichkeit durch, ein Fehler, der auch zum Abbruch der Diskussion führen kann, wie von mir schon ernüchtert praktiziert. Darüber sah ich in diesem Falle einfach hinweg. Einen Teil Ihrer Reaktion kann ich mir so erklären, aber wesentliches nicht.

Die Politik Israels ist wesentlich zu kritisieren, was TomGard auch tut und worin ich ihm zustimme. TomGard dafür in die Nähe nationalsozialistischer Propaganda zu rücken, ist diffamierend.

TomGard selbst rückt Sie nicht in die Nähe der Bellizisten und Ihr "Einstreichen" lassen wir einfach beiseite, so wie ich meine "Charaktermaske".

Wenn es sich denn irgendwann mal ergibt, könnte ich mir zur Zeit ohnehin eher vorstellen ein Bier, na eigentlich trinke ich lieber Wein, also eben das berühmte "ein Bier" mit Ihnen zu trinken, als mit TomGard. Wobei... wer weiß... ich versuche mir schon hin und wieder die wirklichen Menschen vorzustellen.
thinktankgirl schrieb am 04.10.2010 um 09:06

manfred-breitenberger schrieb am 03.10.2010 um 19:11
[...]
hätte ich mir nur gewünscht, dass Sie ausdrücklich Silvio Gesells Menschenzuchttheorien, die hier eigenartigerweise strittig diskutiert wurden, erwähnten und damit den sozialdarwinistischen und völkischen Theorien eine ebenso klare Abfuhr erteilt hätten. Vermutlich wissen in diesem Forum einige nicht, dass Gesell von Nationalanarchisten verehrt wurde und wird.


Sachma Süsser,

haste eigentlich ne Sprung in der Platte?
Brauchste nen Klaps aufs Gehäuse, damit die Nadel mal ne Rille weiterspringt?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 21:27
@j-ap
Sorry, aber da komme ich jetzt wirklich nicht mehr mit.
Lässt sich die Politik der BRD seit ihrem Bestehen wirklich als antisemitisch deuten? Oder sind es nur ein paar versprengte Linksradikale, die hier dennoch irgendwann die Macht übernehmen und dann Israel vernichten werden?
Ich sehe da eklatante Widersprüche zwischen Theorie und Realität. O.k., Hegel hätte gesagt: "Umso schlimmer für die Wirklichkeit."
Und wie habe ich mir die praktische Umsetzung der Behauptung, Deutschland werde zwangsläufig irgendwann die Shoah vollenden vorzustellen? (Ich halte das eher für eine Zwangsvorstellung).

"Nieder mit dem Staat!
Nieder mit dem Volk!
Nieder mit der ganzen deutschen Nation!
und: Nieder mit der Arbeit!"

O.k., der Generalstreik wird ausgerufen, alle schließen sich in ihren Häusern ein und warten auf den Hungertod oder schlucken Gift. Alternativ könnten wir auch unsere amerikanischen Freunde bitten, uns mit Atombomben einzudecken. Oder man könnte das Ziel auf sanftem Wege, mittels Zwangssterilisation, erreichen.
Dann gibt es kein Deutschland mehr und die Shoah kann nicht mehr vollendet werden. Oder könnte es vielleicht sein, dass diesen Job dann die Hamas oder der Iran erledigt? Was machen wir also mit denen?

Was ich aber wirklich nicht verstehe - sorry, ich werde gerade zynisch, bitte nicht persönlich nehmen - Warum machen dann die Antideutschen nicht schon mal den Anfang? Oder ist das die Gruppe der Wissenden, die das Werk vollenden muss und am Ende übrig bleibt.
Falls ja, erinnert mich das doch sehr an apokalyptische Sekten.
j-ap schrieb am 03.10.2010 um 21:54
Um es kurz zu machen, derDonnerstag:

Es heißt, endlich einmal auf Volk, Staat und Kollektiv — also aufs Kapital — zu pfeifen und damit zu beginnen, Mensch zu sein.

(Generalstreik? War'n Scherz, oder?)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 22:24
"Dann gibt es kein Deutschland mehr und die Shoah kann nicht mehr vollendet werden. Oder könnte es vielleicht sein, dass diesen Job dann die Hamas oder der Iran erledigt? "

Hört man da die Zwangsläufigkeit dieser Entwicklung heraus? Ich wäre bei dem Grad an Naivität, der sich hier bietet, nicht erstaunt.
Wie sagte doch dieser Steiner noch - angeboten durch Uehli? "Die Indianer starben aus."

Und wäre es Ihnen nicht "geschehen" dann muß man, wie hier analog unterschwellig in einigen Kommentaren angeschoben - sich gegen sie verteidigen, damit sie "einsehen", wie allgemein ihr Problem sei.

Toleranz ist - wie an hier sehen kann - nicht weit von der Ignoranz entfernt:

blog.zeit.de/stoerungsmelder/2010/09/14/irgendwie-auch-selbst-schuld_4563

Rapanui schrieb am 03.10.2010 um 22:49
@ j-ap am 03.10.2010 um 21:54

>>>>Es heißt, endlich einmal auf Volk, Staat und Kollektiv — also aufs Kapital — zu pfeifen und damit zu beginnen, Mensch zu sein<<<<<

Das ist die Quintessenz der ganzen Diskussion? Ich bin auch für den Weltfrieden!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.10.2010 um 23:58
@gill bost
Keine Ahnung, was Sie mir da jetzt unterschieben wollen. Man muss ja nicht jeden Quatsch ernstnehmen. Das Fragezeichen haben Sie aber schon gesehen, oder?

Ansonsten lese ich aus Ihrem Geschwurbel heraus: Wenn man bezweifelt, dass Deutschland dazu prädestiniert ist, die Shoa zu vollenden, dann würde man auch leugnen/relativieren (?), dass es sie begonnen hat.
Mit der gleichen Logik - wo wir schon bei den Indianern sind - könnte man auch behaupten, dass die Amis dereinst die verbliebenen Indianer ausrotten werden und die Türken die Armenier.

Wollten Sie mich dahin bringen, auf den Relativierungspfad? - Dann sage ich Ihnen gleich: Die besondere Qualität des Holocaust bezweifle ich ebenso wenig wie die besondere Qualität des Antisemitismus gegenüber anderen Formen des Rassismus.
Das ändert nur alles nichts daran, dass es esoterisches Denken ist, so eine Zwangsläufigkeit im Bezug auf die Shoa zu unterstellen.
Es gibt keine zwangsläufigen Entwicklungen in der Geschichte, auch wenn Marx das anders gesehen hat.
Nicklos Luhmann schrieb am 04.10.2010 um 00:10
Warum pfeifen dann viele Salon-Linke nicht auf ihren "Appel" aber verteufeln gleichzeitig den Lidl-Einkäufer?
Es gibt hunderte Beispiele dieser Art. Aber vielleicht sind sie nicht antideutsch genug.
Nicklos Luhmann schrieb am 04.10.2010 um 00:11
War als Rhetorische Frage an Herrn j-ap gerichtet. Gute Nacht.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 04.10.2010 um 00:20
"Die besondere Qualität des Holocaust bezweifle ich ebenso wenig wie die besondere Qualität des Antisemitismus gegenüber anderen Formen des Rassismus. "

Meinten Sie, ich hätte das in Zweifel gezogen? Na dann... Und auf einen "Pfad ziehen" will ich niemanden. Wo wäre hier (zwischen Donnerstag und Bost) der Sinn? Heißen Sie Donnerstag? Nein. Na bitte.

"Es gibt keine zwangsläufigen Entwicklungen in der Geschichte."

Doch, daß es keine zwangsläufigen Entwicklungen gibt, oder?
Phineas Freek schrieb am 04.10.2010 um 00:55
Rapanui schrieb am 03.10.2010 um 22:49

>>>>Es heißt, endlich einmal auf Volk, Staat und Kollektiv — also aufs Kapital — zu pfeifen und damit zu beginnen, Mensch zu sein<<<<<

"Das ist die Quintessenz der ganzen Diskussion? Ich bin auch für den Weltfrieden!"

Nee, nicht die Quintessenz, dass sind nur die linken Blinker für das Fußvolk, um den eigenen fundamentalmoralischen Wahn im Kampf gegen das Böse auch einen Klientengerechten guten Zweck zu verpassen.
Die nie enden werdende Bösartigkeit Deutschlands holt wieder kräftig aus und plant im Verein mit allen Üblen den Krieg gegen die USA und den nächsten Holocaust.
Und deswegen führen die USA mit ihren Weltkrieg gegen den Terror in Wahrheit einen Feldzug gegen das DEUTSCHE PRINZIP und EIGENTLICH einen Krieg für die Vorraussetzungen, wenn nicht gar unmittelbar für Hedonismus, Kommunismus und Trallala.
Ob das Pentagon wohl schon von diesen finsteren Plänen und seinen eigentlichen Kriegszielen Wind bekommen hat?
Rapanui schrieb am 04.10.2010 um 01:58
@ Phineas Freek am 04.10.2010 um 00:55

Wir stimmen in der Bewertung des Beitrages von Columbus überein, die ja dann einiges über das Ergebnis der Diskussion aussagt. Ich habe mir gerade das Ganze noch einmal durchgelesen.

Das "Antideutsche" ist wirklich eine krude Konstruktion, darüber muss ich noch ein wenig nachdenken. Uwe Theel schrieb dazu einige interessante Gedanken.
j-ap schrieb am 04.10.2010 um 02:04
Wenn das Kleinbürgerhirn loszieht, um nach dem Radflicken sich die Welt halbwegs erklärlich zu machen, dann könnte man ja meinen, daß die schlaueren Versionen davon irgendwann mal auf den Gedanken kommen, daß eine Kritik einer auf allen Ebenen von Widersprüchen durchzogenen Klassengesellschaft, in der zB gesellschaftliche Produktion und private Aneignung, Rationalität und Partikularinteressen kollidieren, Konflikte ausgetragen und Koalitionen gebildet werden, höchst angezeigt wäre.

Aber nein, stattdessen begnügen sich die meisten damit — schlichte Gemüter aller Länder vereinigt euch, das Pentagon-Internet macht's schließlich möglich! —, irgendeine groß angelegte Verschwörung der »Elite« zu vermuten, die mal hier das Volk ausplündert, mal dort Krieg macht oder eben, wie weiter oben zu lesen war, hinterm Berg der Hochsprache etwas ganz Ungeheuerliches und Unaussprechliches »verbirgt«, um die treudoofen Massen besser hinters Licht führen zu können. Und wer's nicht glaubt, der kann natürlich nur ein Agent eben dieses Systems, vom Mainstream total verblödet oder ein von der INSM, der B'nai B'rith und der Mont Pelerin Society gedungener Spaltpilz sein.

Das ist etwas, was mir »auf den Sack« geht, um mal eine Formulierung von oben erneut zu bemühen.
j-ap schrieb am 04.10.2010 um 02:11
Damit da keine Mißverständnisse entstehen, Rapanui: Der Kommentar von eben war Phineas F. zugedacht.
Rapanui schrieb am 04.10.2010 um 02:59
@ j-ap am 04.10.2010 um 02:04

Hallo Jap,

Sie haben ein gutes Gedächtnis - "Radflicken" und so...Wenn ich mein Gedächtnis bemühe, erinnere ich mich, dass ein anderer Meister der gehobenen Sprache in diesem Forum auch meinte, dass die "meisten sich begnügen". Was dann ja wohl bedeutete, dass sich nur einige wenige nicht mit dem "schlichten" begnügen. Nun gehören Sie also auch zu diesem Kreis der Auserwählten ;-)

Ihr erster Abschnitt gefällt mir gut >>>>daß die schlaueren Versionen davon irgendwann mal auf den Gedanken kommen, daß eine Kritik einer auf allen Ebenen von Widersprüchen durchzogenen Klassengesellschaft, in der zB gesellschaftliche Produktion und private Aneignung, Rationalität und Partikularinteressen kollidieren, Konflikte ausgetragen und Koalitionen gebildet werden, höchst angezeigt wäre<<<< da bin ich gern dabei.

"Dointgolfier", "Oranier" , "Columbus" haben genau diese Qualität in Ihren Beiträgen erreicht. Sind die jetzt bei den "Schlichten"? Sie gehen über wesentliche von denen gemachte Einwände an Ihrem Blog einfach hinweg.

Das Vorgehen Israels in den besetzten Gebieten bedarf gar nicht des Hintergrunds einer "Verschwörung" um darüber empört zu sein. Um das "Existenzrecht" Israels zu diskutieren, bedarf es nicht des Rückgriffes auf Hobbes, Schmitt,... Da wohnen 7,5 Millionen Menschen und die dürfen "nicht ins Meer zurückgejagt" werden.

Wenn wir von diesen grundlegenden Tatsachen ausgehen und nach Lösungen suchen, erscheinen Ihre gewählten Ansatzpunkte als unnötig kompliziert. Die praktische Aufgabe besteht darin, dass der israelische Staat und der palästinensische Staat ein "Existenzrecht" haben müssen.

Um diese praktische Aufgabe zu lösen, muss untersucht werden, wo die Hinderungsgründe liegen, es kann untersucht werden, welche Fehler gemacht wurden. Die Hinderungsgründe für die 2-Staatenlösung liegen in ideologischen Vorstellungen der israelischen Politik und in einem, ich nenne das einmal so, "arabischen Revanchismus". Sie liegen ganz wesentlich, und auch hier bedarf es keiner "Verschwörung", in der geostrategischen Rolle Israels im imperialen Konzept der USA Sie liegen auch in einer gebetsmühlenartigen, wenig innovativen Wiederholung des Satzes von der "besonderen Verantwortung Deutschlands für den Staat Israel", welchem ich natürlich in seiner emotionalen und historischen Grundierung zustimme, ihm aber unterstelle, dass er inzwischen praktische Politik eher verhindert als befördert. Auf dieser Ebene gäbe es praktische Lösungen; wahrscheinlich gestützt auf sehr viel Geld, viel zu viele Waffen, hohe Mauern, schauerliche Kompromisse,...aber es ist die einzige Möglichkeit die "Bombe", die auch den Staat Israel bedroht vielleicht noch zu entschärfen. Diese "Bombe" bedroht auch uns in Europa.

Auf einer anderen Ebene, die wir, das zu sagen maße ich mir jetzt einmal an, uns wünschen, gibt es keinen "Staat", keine "Nation", keine "Herrschaft",.. weil wir wissen, dass genau dies wesentlich die Probleme auch in Palästina verursacht.

Um zu diesen Frage der höheren Ebene zu kommen, müssen wir die niedere Ebene überleben, als "Zivilisation" im Besonderen und als "Menschen" im Allgemeinen.

Das geht mir nun überhaupt nicht auf ... ,sagen wir mal, die Nerven.
j-ap schrieb am 04.10.2010 um 07:26
Guten Morgen, Rapanui,

weshalb ich nicht detaillierter auf die Beiträge von Oranier und Herrn Leusch einging, kann ich Ihnen recht handlich erklären: Oranier ist, wie er selbst schreibt, nicht in gesundheitlich bester Verfassung, dementsprechend beschränkte sich seine Konkretion auch auf einen Punkt. Zu dem habe ich Stellung genommen, kann ihn aber gerne noch einmal resümieren: Das sog. »Völkerrecht« hat es nie und nirgendwo gegeben, und es bestehende gute Gründe, anzunehmen, daß es sich dabei um nichts anderes handelt als um einen der größten und leider folgenreichsten Irrtümer der Rechtsgeschichte.

Um das allerdings hinreichend genug würdigen zu können — und es wäre tatsächlich einmal an der Zeit — müßte man weiter in die Rechtsgeschichte ausgreifen, in die Demokratie-, Parlamentarismus- und vor allem die Staatskritik. Ich habe das hier nur andeutungsweise skizziert, das war nämlich hier nicht der Fokus.

Herr Leusch hat ein Contra gegeben — ich finde das in Ordnung, bis auf die Befindlichkeiten am Ende hin. Noch mehr hätte es mich gefreut, wenn er dazu einen eigenen Artikel geschrieben hätte, eine Entgegnung auf das hier — seriousguy hat das bei ZEIT Online mehrmals so gemacht, ich halte diese Form für sehr gewinnbringend, weil sie dem Leser erlaubt, in der Zusammenschau ein Urteil sich einzuwiegen. Darüber hinaus sind aber die Seitenfragen wie die, ob sich Europa nun amerikanisiert oder eher die Amerikaner sich europäisieren, aus meiner Sicht auch nicht unmittelbar themenrelevant.

Daß die Punkte, die ich hier ansprach, daneben sehr wohl zum linken Hausrat gehören, mag stellvertretend nachgelesen werden in der taz, wo der bezeichnende Artikel des dazugehörigen Ressortchefs lautet: »Wir Israelversteher«.

Dointgolfier hat eine Stilkritik geschrieben, mit der ich nicht viel anfangen kann, um es offen zu sagen, und was Sie da an materiellen Einwänden erkannt haben wollen, bleibt mir schleierhaft. Ich bin aber auch nicht der Typ Mensch, der sich deshalb vor den nächsten abfahrenden Zug wirft.

Ihre Reduktionsthese, der zufolge sich Israel als ein Baustein in der imperialistischen Großraumbewirtschaftung des US-Komplexes ausmacht, halte ich für ebensowenig tauglich wie schon Ihren Konfliktforschungsansatz auf dem Balkan bei Herrn Grabovac. Daß der Ami nur aufs Öl schaut und der Kritiker dann »No Blood for Oil« plakatiert, hat zwar ab und an folkloristischen Wert, wird aber schon durch die schiere Evidenz erledigt, denn weder hat man dazumal auf dem Balkan irgendeine Stahlfabrik sich einverleibt noch industrielle Reservearmeen dem Zugriff gesichert, und daß im Irak die notorischen Ami-Multis so exklusiv und weiträumig abräumen würden, wie das hier in Europa gern gemeint wird, ist nichts anderes als Mythologie, denn die größten Öl-Profiteure dieses Krieges sind bislang — Achtung — die Chinesen gewesen. Interessiert natürlich niemanden, weil's nicht ins Bild paßt. Also meint man eben weiter. Who cares?

Aber um diese Debatte an dieser Stelle schon einmal ganz ruhig ausklingen zu lassen, eine meiner liebsten Passagen von Hegel noch einmal herein- und herbeizitiert. Man findet sie nicht gleich, weil sie recht entlegen ist, außerdem mit gnadenloser Ignoranz seit nun mehr als 200 Jahren über sie hinwegeditiert und -exegiert wurde:
Die Idee der Menschheit voran, will ich zeigen, daß es keine Idee vom Staat gibt, weil der Staat etwas Mechanisches ist, so wenig als es eine Idee von einer Maschine gibt. Nur was Gegenstand der Freiheit ist, heißt Idee. Wir müssen also über den Staat hinaus! – Denn jeder Staat muß freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln; und das soll er nicht; also soll er aufhören.
Lesen Sie nach, im »Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus«, das man überhaupt zur Lektüre sehr empfehlen kann.

Damit einen schönen Montag wünscht
Josef Allensteyn-Puch
Rapanui schrieb am 04.10.2010 um 10:37
@ j-ap am 04.10.2010 um 07:26

Guten Morgen JAP,

Dank für die geistige Morgengabe, bin ganz schön durchgedacht....

>> Zeitonline<<, würde ich "zeitlich" gar nicht schaffen

>>Columbus<< er drückte mit seinen Befindlichkeiten auch die meinen aus, wenn ich mir bestimmte Diskussionsstränge ansehe. Ich verstehe diese schlicht und einfach nicht; für mich ist der Aha-Efekt in diesem Thread tatsächlich "Antideutsche"; hier werden Kämpfe ausgetragen, von denen ich nicht einmal wusste, dass es die gibt

>>Oranier<<< nach Ihrem Satz heute morgen, sind wir uns ja perspektivisch einig - aber das wissen wir ja längst. Historisch gesehen ist das "Völkerrecht" nun einmal, zumindest was die europäische Geschichte angeht, seit 1648 konstituierend; das Scheitern der Habsburger Monarchie 1918 zeigt, dass eine in dem fraglichen Zeitraum praktizierte Alternative sich nicht halten konnte.

>>Reduktionsthese<< Oben hatte ich vier Thesen für die Hintergründe des gegenwärtigen Konfliktes um Palästina genannt. Aber Sie haben insofern recht, als das die "imperiale These", die für mich entscheidende ist. Dazu hatte ich mich im Blog www.freitag.de/politik/1028-1995-screbrenica //
Rapanui schrieb am 25.07.2010 um 10:56 geäußert. Ich habe mir das gerade noch einmal durchgelesen und habe dort das Strukturbestimmende imperialer Strategien beschrieben. Das ist auf den gegenwärtigen Nahostkonflikt genauso anwendbar.

Der britische Premier Benjamin Disraeli, der für das britische Empire auf dem Balkan Wesentliches erreichte (Berliner Konferenz 1878) meinte (ich finde leider nicht mehr das wörtliche Zitat) In der Politik geht es nur darum: Wer zahlt und wer wird bezahlt. Alternativ zu Hegel empfehle ich Ihnen Benjamin Disraeli. Der würde Ihnen als Meister der Sprache sogar mehr Freude bereiten als der olle Hegel und er kommt zur Sache beim geostrategischen Denken. Genau darum geht es.
Phineas Freek schrieb am 04.10.2010 um 11:38
j-ap schrieb am 04.10.2010 um 02:04

..da kann ich nur zustimmen - das "lustige" ist, j-ap, Ihre Verschwörungstheorie kommt sogar ganz ohne Verschwörer aus...
Rahab schrieb am 04.10.2010 um 12:24
wie auch anders
oder glaubt wer ernsthaft daran, eines schönen tages sei der 'frühe amerikaner' aufgewacht, habe sich den schlaf aus den augen gewischt und dann beschlossen, 'der hegemon' zu werden!

im übrigen fänd ich's angezeigt, endlich die immer wieder in den raum geworfene unterstellung, irgendwer wolle 'den juden' ans leben - und sei es durch das bestreiten des 'existenzrechtes' Israels -, um irgendein hirngespinst zu vollenden, zumindest hier in diesem theater (FC) dahin zu packen, wo sie hingehört, nämlich in die je individuelle psycho-analyse. die jeweiligen über-väter werden's überstehen - und zu dem werden, was sie sind: väter, die selbst mal kinder waren.

und dann... ja dann: versuch's mal mit ge - nein, nicht gemütlichkeit oder irgendwelchen anderen 'kernen' und 'wesen', sondern mit "Gebürtlichkeit".
hibou schrieb am 04.10.2010 um 15:57
„Als ich diesen magischen Wassern stromabwärts folgte, stand für mich fest, dass ich kein Anwalt werden würde.“
Benjamin Disraeli auf dem Rhein)

sollten nochma welche aufm Rhein schiffen :-)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 04.10.2010 um 23:15
"Geostrategisches Denken", Rapanui,
hatte J-ap doch grad als verschwörungstheoretischen Unfug tituliert. Brzeziński, der Silk Road Act und all die entsprechenden Äußerungen und Taten der US-Administration sollen nach J-aps Willen als Erfindungen durchgeknallter GSFR's gelten, es sei denn .... ja, es sei denn, ein geistig hochstehendes und würdiges Individuum, J-ap-gleich, wisse all das ins rechte Licht zu rücken - wie die wahren Ereignisse von 9/11 auch - als den schmerzensreichen und blutgetränkten Weg zum Menschheitsglück nämlich, wlches das Glück der wahrhaft Würdigen, der J-ap's sein solle, das Glück DES "entfalteten" Individuums, das sich allen Banden der "Kollektive" enthoben habe.

Der Mann ist verrückt, Rapanui. Ich hatte bei meinen Bemerkungen weiter oben ernsthaft in Betracht gezogen, er könne sich ein wenig besonnen haben. Deshalb auch beging ich den Fehler, auf die banalen geschichtlichen Tatsachen noch einmal zu verweisen, ohne hinzuzufügen, wofür das stehen sollte. Nicht für eine Beantwortung von Verantwortungs- und Schuldfragen, sondern zur Erinnerung an eine Überlieferung und Kontinuität, die hoch lebendig ist, sicherlich auf besondere Weise lebendig in der militärisch / politischen Kaste der Zionisten. Am Häufigsten verweisen darauf wahrscheinlich israelische Staatsbürger, die schließlich die Isolation ihrer politischen Herrschaft, deren wahnhaften Bezug zur politischen Wirklichkeit des Landes, täglich vorgeführt bekommen, wenn sie es nur wahrnehmen wollen. Etliche dieser Kritiker sind hier zitiert worden, einige haben auch im "Freitag" geschrieben.

Um Schuldfragen aber geht es J-ap ausschließlich, erkennbar daran, daß er gleich den Antideutschen Israel und die USA für den Pöbel als sakrosankt hinstellen will; daß er diese Mächte wie einen Geßlerhut hinstellt, an dem jeder, den J-ap nicht als Geistesverwandten und Gleichwertigen anerkennt, seine unschädliche Gesinnung zu demonstrieren habe, indem er sich vor ihnen in den Staub wirft. Wer das nicht tut, ist - man kann es hier nachlesen - nach J-ap's Urteil buchstäblich ein verworfenes Subjekt.

Damit ist aber auch klar, daß die Schuldfragen für Jap, wie für die führenden Köpfe der "Antideutschen" und ihrer diversen Ableger, bloß ein Vorwand ist, ein Mittel ,. mit dessen Hilfe diese Leut ihre Adressaten scheiden .

Grundlage ist in J-ap's Variante ein antiquiert wirkender Rassismus, der deshalb von vielen hier nicht als Solcher erkannt wird. Wie einst Kant und Hegel dem Neger, spricht er dem "Pöbel" ab, "Höherem", als dem Dienst des Verstandes an tierischen Instinkten zugänglich zu sein. "Pöbel-Hure" hat er mich deshalb genannt - es wurde von der Redaktion editiert - als ich ihm klar machte, daß ich zu aristokratischer Kumpanei nicht zur Verfügung stehe.

Die geschichtliche Bestimmung des Pöbels - das hat er Ihnen, Rapanui, an anderer Stelle so deutlich gesagt, wie mir - soll es sein, Leuten, wie J-ap, den Vorreitern und Inkarnationen der höheren Bestimmungen des Menschseins, der schon zitierten wahren, entfalteten Individualität alimentierter Luxusgeschöpfe, den Weg zu einem wahrhaft freien Dasein zu ebnen. Im Wege steht "der Staat", der Leute wie J-ap schon deshalb an "Händen und Füßen" zu fesseln scheint, weil es "ihn" gibt ... IHN, nicht etwa die wirklichen, die Recht verfügenden und militärisch durchsetzenden Staatswesen und ihre jeweiligen Zwecke, sondern DEN Staat, der, wie J-ap nun bekennt, für ihn ein "UNWESEN" im auf den Kopf gestellten Feuerbachschen Sinne ist, weil er eben keine "wahre" "Idee", sondern die zu einem machtvollen Institut aufgemantelte Minderwertigkeit des Pöbels darstelle.

Damit ist die Dialektik der Sache fertig: Obwohl der Moralismus für J-ap nur ein Mittel ist, ist er am Ende auch Zweck: Es ist der Moralismus des wahnhaft autokratischen Subjekts, das sich in Person zur einzig gültigen moralischen Instanz aufwirft, das gleich Nietzsche Gott "ermordet", um endlich an seine Stelle zu rücken zu dürfenpraktisch - das ist der Beweggrund solchen Wahnsinns - in der Tat selbst einnimmt, solang es - zumindest in seinem Selbstbild - nicht opportunistisch und berechnend urteilt ... und allenfalls nackter Gewalt sich beugend berechnend zu werden glaubt . Zum Beispiel, wenn er unter der Vorherrschaft des Pöbels Texte schreibt und wie gedruckt lügt und fälscht - zu höherem BEhufe.

(Deshalb hatte ich auf paradoxe Weise recht, als ich ihn vor Monaten - ein Schuß ins Ungefähre - einen Jesuiten schimpfte.)

Was ich hier sage, ist sachgerecht; es ist J-ap's THEMA. Israel, Palästina interessieren ihn nicht - wie schon einige hier bemerkt haben. Übrigens könnte ihn das in meinen Augen sympathisch werden lassen, wenn nicht diese Verrücktheit zu Grunde läge, sondern der Befund, daß die theoretische Ventilation von Regelungen israelischer Belange zuallerletzt eine Angelegenheit deutscher Staatsbürger sei, und dies keineswegs der deutschen Geschichte halber, sondern ihrer aktuellen staatsbürgerlichen Verfassung wegen ...

Demnach, Rapanui, war auch J-aps Reaktion auf meine Einwürfe sachgerecht und nicht geeignet, mich zu verletzen oder zu denunzieren. In seiner Welt, Rapanui, bin ich , was er von mir behauptet! Das eben galt es klarzustellen - für J-ap - und ich zielte auf diese Klarstellung mit den Stilmitteln, die Sie ein "Durchgreifen" auf die Person nannten.

Wir sind "Personen" - Staatssubjekte, Rapanui!! - Sie genauso, wie J-ap und ich, und in diesem Stand sind wir alle unweigerlich in irgend einem Maße Charaktermasken des Gemeinwesens, dem wir unterworfen sind, des Gemeinwesens des Geldes. Ein Befund, der J-ap unerträglich wurde. Wie vielen vor ihm, in allen Ständen dieser Klassengesellschaft.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 04.10.2010 um 23:24
edit:
.. an seine Stelle rücken zu dürfen, eine Stelle, die er praktisch - das ist der Beweggrund solchen Wahnsinns - in der Tat selbst einnimmt, solang er - zumindest in seinem Selbstbild - nicht opportunistisch und berechnend urteilt ... und allenfalls nackter Gewalt sich beugend berechnend zu werden glaubt . Zum Beispiel, wenn er unter der Vorherrschaft des Pöbels Texte schreibt und wie gedruckt lügt und fälscht - zu höherem Behufe.

(Deshalb hatte ich auf paradoxe Weise recht, als ich ihn vor Monaten - ein Schuß ins Ungefähre - einen Jesuiten schimpfte.)

Was ich hier sage, ist sachgerecht; es ist J-ap's THEMA. Israel, Palästina interessieren ihn nicht - wie schon einige hier bemerkt haben. Übrigens könnte ihn das in meinen Augen sympathisch werden lassen, wenn nicht diese Verrücktheit zu Grunde läge, sondern der Befund, daß die theoretische Ventilation von Regelungen israelischer Belange zuallerletzt eine Angelegenheit deutscher Staatsbürger sei, und dies keineswegs der deutschen Geschichte halber, sondern ihrer aktuellen staatsbürgerlichen Verfassung wegen ...

Demnach, Rapanui, war auch J-aps Reaktion auf meine Einwürfe sachgerecht und nicht geeignet, mich zu verletzen oder zu denunzieren. In seiner Welt, Rapanui, bin ich , was er von mir behauptet! Das eben galt es klarzustellen - für J-ap - und ich zielte auf diese Klarstellung mit den Stilmitteln, die Sie ein "Durchgreifen" auf die Person nannten.

Wir sind "Personen" - Staatssubjekte, Rapanui!! - Sie genauso, wie J-ap und ich, und in diesem Stand sind wir alle unweigerlich in irgend einem Maße Charaktermasken des Gemeinwesens, dem wir unterworfen sind, des Gemeinwesens des Geldes. Ein Befund, der J-ap unerträglich wurde. Wie vielen vor ihm, in allen Ständen dieser Klassengesellschaft.
j-ap schrieb am 05.10.2010 um 04:05
TomGard,

in jedem Fall ist nun klar, wie die Dinge bei Ihnen liegen, weshalb ich diesen Kommentar auch in völliger Entspannung abfaßen kann.

Ursprünglich dachte ich, daß Sie — wie so viele Zeitgenossen dieser Tage — bloß mit einer mir irgendwie unverständlichen depravierten Hermeneutik, die Sie sich situativ zurechtlegen (was nämlich erklären würde, weshalb bei Ihnen heute der eine lügt und der Kopf des Zorns sein muß, während ebenjener schon am nächsten Tag der Intimus sein kann, dem man unterderhand im Plauderton »verrät«, woher der Wind pfeift, wenn ein Dritter dazutritt), ausziehen, um sich die lustige Welt um Sie her erklären zu können.

Das glatte Gegenteil ist der Fall, wie ich nun sehe, denn es ist gar keine Hermeneutik, die Sie pflegen und in die Sie einordnen, was so des Weges kommt, sondern genau umgekehrt, Sie springen mit einem Apriori los und sortieren auf seiner Grundlage bereits alle Wahrnehmung — daher nämlich überhaupt Ihre nachgerade fetischistische Rede vom Lügen, vom Fälschen, vom Hinterslichtführenwollen, vom Betrügen und so weiter, aber auch die manische Sucht und der ganz alte Alchemistentrick, den »Verurteilten« das Urteil anschließend eigenhändig gegen an sich selbst vollstrecken zu lassen.

Damit sind Sie, wie schon gesagt, keineswegs alleine und sind deshalb so nahtlos empfänglich für den allerplattesten Schieberkniff, der auch im ganz großen Maßstab prozessiert: Hinter jeder Unbill ein persönlicher Malefikant, den man ausjäten muß, um das Unbill loszuwerden. Deshalb letztlich die Rede vom notwendigen (!) Ende des »Lordkanzlers«, der hie und da und weil er böse Worte spricht (die man ihm zumeist vorher in den Mund legte) enthauptet werden muß, »not-wendig« im wahrsten Wortsinn, denn damit wollen Sie tatsächlich die »Not wenden«, also kehren gegen ihren imaginierten Urheber, um sie letztlich bannen zu können.

Die Not muß mit ihrem Urheber untergehen und sie wird erst dann enden, wenn er nicht mehr ist; das ist der manische Trieb und Charakter Ihrer Veranstaltung, der darin zum Vorschein kommt und der sich auch durch nichts von diesem Geleis abbringen läßt, noch nicht einmal durch den Umstand, daß es den Notleidenden nach der Tat kein Iota besser geht. Sie wollen nicht denken, sondern bannen, und müssen deshalb denjenigen sowohl zum Zeugen als auch zum Henker sein selbst aufrufen, dem Sie die Fehde angesagt haben.

Wir sind uns insofern »ähnlich« darin, als ich zwar wohl nur halb so alt wie Sie sein mag, aber über diesen vor-kritischen, weil eschatologischen Ansatz schon die Hälfte meines Lebens hinweg bin. Daher auch mein odi et amo, wenn Sie sich erinnern mögen.

Den Rest der kruden Verdrehungen, angefangen beim Größenwahn und noch lange nicht aufhördend beim mir unterstellten Abstreiten des Geostrategischen, können wir uns getrost schenken.

Dies ist übrigens auch das letzte Mal gewesen, daß ich mich zu solchen Traktaten von Ihnen geäußert habe.

Josef Allensteyn-Puch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.10.2010 um 09:10
An Rapanui wandte ich mich, weil er sich von mir über seine ostdeutsche "Sozialisation" angegriffen sah - das tat mir leid, war nicht meine Absicht. Zudem ist Rapanui, wie es scheint, ernsthaft am politischen Gegenstand interessiert, wenn auch aus meiner Sicht auf untaugliche Weise, nämlich im Hinblick auf "Lösungen" angeblicher "Konflikte". (Nebenbei: im Nahen Osten einen "Konflikt" zugrunde zu legen und theoretisch betreuen zu wollen /sollen glauben, das ist nahezu so ein "Apriori", von dem Sie reden.) Und Sie, J-ap, sind ein "Fall" (ist auch nicht böse und nicht medizinisch gemeint), den meinen nicht ganz unbedeutenden Erfahrungen mit der DDR zufolge ein Mensch, als der Rapanui hier für mich erscheint, unmöglich begreifen kann, es sei denn, einer zeigt ihm das Logikmuster, die "Mathematik" oder auch Musik des Phänomens.

Von "Größenwahn" habe ich nicht geredet und dementiere diese Auslegung nachdrücklich. Ich redete von überhaupt keinem "Defekt", Defizit oder einer Abweichung im psychopathologischen Sinne.

Wo Sie recht haben, haben Sie recht, meine Wahrnehmung folgt Mustererkennungsstrategien. Wie jede Wahrnehmung jedes Tieres. Mit "Apriori" hat das nichts zu tun. Es scheint fast so, als hätten Sie den Grundlagen der Botanik und Zoologie nie einen ernsthaften Blick gegönnt - liegt ja auch der Logik Ihres Denkens zu fern - oder zu nah, wie man's nimmt.

Richtig "wichtig" ist mir am End dies:
So lang, wie sich bürgerliche Menschen füreinander - und also gar ver-rückterweis für sich selbst - als Mittler überpersönlicher Kräfte und "Strukturen" wähnen, die unter ihnen ein gespenstisches (Un)wesen treiben - für sich selbst vermittels einer verstandesgelenkten "Vernunft" - und dann tat-kräftig auch als Solche füreinander in Erscheinung treten und wirken, so lang haben die Fetische dieser Gesellschaft Bestand.
Diese meine "Weisheit" ist die Wahrheit des Bildes eines manichäisch getriebenen Barbaren, das Sie von mir zeichnen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 04.10.2010 um 02:27
"...daß eine Kritik einer auf allen Ebenen von Widersprüchen durchzogenen Klassengesellschaft, in der zB gesellschaftliche Produktion und private Aneignung, Rationalität und Partikularinteressen kollidieren, Konflikte ausgetragen und Koalitionen gebildet werden, höchst angezeigt wäre."

Ist sie das nicht - die Welt?

Und weil wir eben damit beim Arpanet sind, dessen letzte unausgereifte Version man nun zur Freiheit braucht, um gegen die Erfinder zu mobilisieren.

Vgl. analog OPELANER

... wäre eine Überwindung dieser Widersprüche schon bildlich anstrengend:


Einigkeit denn worin?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 04.10.2010 um 13:08
Wer Silvio Gesells Begrifflichkeiten wie, „Hochzucht des Menschengeschlechts“, „Zuchtwahlrecht der Frauen“ oder „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“ oder „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran“ ""emanzipatorisch"" nennt oder darin „beachtenswerte Ideen und Gedanken“ findet, disqualifiziert sich, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wer dazu, während des Gaza-Krieges, in den Katjuscha –Raketen der Hamas, „überdimensionalen Feuerwerkskörper“ sah, dabei die Wahnidee äußerte, Israel solle doch einen „Abwehrschirm“ basteln um sich zu schützen und wegen der Unmöglichkeit dieses Abwehrschirmes Israel unterstellt,“da Israel diese Möglichkeit oder ein anderes defensives Mittel nicht genutzt und es vorgezogen hat, lieber 1400 Menschen zu töten,
bringt mich zu dem Schluss, daß das Töten gewollt war
“, verwirkt es, ernst genommen zu werden. Wer Israel sein Recht auf Verteidigung abspricht, schwatzt Israel de facto das Existenzrecht ab. Wer einen Staat Palästina fordert und auf den demografischen Faktor setzt, will de facto ein judenreines Palästina. Ein moralischer Antisemitismus ist nicht besser als ein sekundärer oder struktureller Antisemitismus. Antizionismus ist Antisemitismus.

Lang lebe Israel!
Nie wieder Auschwitz!
Nie wieder NS-Lebensborn!
Nie wieder Volksgemeinschaft!
Nieder mit antisemitischen, völkischen und sozialdarwinistischen Ideologien!
Nie wieder Querfront!

No pasarán!
dame.von.welt schrieb am 04.10.2010 um 13:48
Fühlen Sie sich jetzt etwas besser, Niels Kieserling?

Vielleicht wird's ja auch noch etwas mit dem Lesen bei Ihnen, s. ttg Literaturliste. ttb's Blog ist ein unvollkommenes Surrogat dafür.

Wie beurteilen Sie übrigens den ausgeprägten Antizionismus ultra-orthodoxer Juden? Ist das Ihrer Ansicht nach ebenfalls Antisemitismus?
Weil ich sie gerade zur Hand habe:



Vielleicht lesen Sie auch mal hier: www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7854
Rapanui schrieb am 04.10.2010 um 14:03
@ Niels Kieserling

>>No pasarán!<<

Einfach mal anhören und überlegen, was das eine mit dem anderen zu tun hat.

www.youtube.com/watch?v=yRkn0wYD-wE&feature=related
thinktankgirl schrieb am 04.10.2010 um 15:20
@Niels

Wer Silvio Gesells Begrifflichkeiten wie, „Hochzucht des Menschengeschlechts“, „Zuchtwahlrecht der Frauen“ oder „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“ oder „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran“ ""emanzipatorisch"" nennt oder darin „beachtenswerte Ideen und Gedanken“ findet,

Ich habe nirgendwo

- „Hochzucht des Menschengeschlechts“
-„Zuchtwahlrecht der Frauen“
- „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“
-„Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran“

emanzipatorisch genannt!

Du wirst dementierst das SOFORT oder du kriegst Ärger!
Emma in Uniform schrieb am 04.10.2010 um 15:39
Moin liebe Dame von Welt und vielen Dank.

So coole Beiträge.Besonders der dritte mit dem niedlichen Vize-Bürgermeister. Am Sabbat sollen auch die Nicht-Juden nicht arbeiten, na ja klar.:)
Und erst das koschere Handy - einfach nur schnöfig.
hibou schrieb am 04.10.2010 um 16:02
Rapanui schrieb am 04.10.2010 um 22:07
Hallo Hibou,

Disraeli hat die Türkei zu verdanken, dass der Bosporus noch heute zu ihrem Staatsgebiet gehört. Das sah 1878 ganz und gar nicht danach aus. Es wäre gut möglich gewesen, dass nach 400 Jahren aus der Hagia Sophia wieder eine orthodoxe Kirche geworden wäre, diesemal ein russisch-orthodoxe.

Auf der Berliner Konferenz 1878 wurde hart um dieses kleine Stück Land gerungen und es lohnt sich schon die diplomatische Kunst Disraelis zu untersuchen, ohne den der Aufstieg des Britischen Empires als Vorläufer des US-Imperiums nicht möglich gewesen wäre. Nicht das britische Empire hätte die Flottenstützpunkte in Malta, Zypern, Kreta besetzt, sondern vielleicht die Russen. Zumal sie in Ihrem Selbstverständnis und in Ihrer Kultur als das 3. Rom recht gute Chancen auf die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer gehabt hätten. Aber es gab eben Disraeli und das Britische Empire.

Eines der Handicaps für die Sowjetunion im Kalten Krieg bestand dann, aus dieser Berliner Konferenz resultierend, darin, dass ihre Schwarzmeerflotte nur unter größten Schwierigkeiten den Bosporus passieren konnten - immer sichtbar, immer aufklärbar, im Konfliktfall gefangen im Schwarzen Meer. Die 6. US-Flotte hatte den Auftrag die Südflanke der Sowjetunion zu bedrohen, gestützt auf die Flottenstützpunkte des untergegangenen Empire und der Basen u.a. in Israel. Hier historische Artikel aus dem Spiegel, die die Bedeutung des Mittelmeerraumes für die USA belegen: www.spiegel.de/spiegel/print/d-46034518.html + www.spiegel.de/spiegel/print/d-21317970.html.

Hier dazu die aktuellen Pläne der Russlands www.welt.de/politik/article3038490/Russen-planen-angeblich-neue-Marinestuetzpunkte.html. Interessant in diesem Zusammenhang, dass die ehemals pro-russische serbische Führung durch den Verlust Kroatiens, Sloweniens und letztlich auch Montenegros keinen Meerzugang mehr hat. Das war das Ergebnis der im Blog von Grabovac diskutierten Rolle des Kosovo in den militärstrategischen Planungen der USA.

Wie JAP abstreiten kann, dass Israel in diesen imperialen Planungen keine Schlüsselrolle spielt, ist mir nicht erklärlich.

Vielleicht hilft wirklich eine Rheinfahrt, bei Disraeli hat es jedenfalls geholfen. Sehen Sie es uns bitte nach, lieber Jap, dass wir hier ein kleines Wortspiel auf Ihre Kosten treiben. Sie haben jetzt etwas gut bei mir. Und wie sieht es bei Ihnen aus Hibou - Sie haben schließlich damit angefangen?
hibou schrieb am 05.10.2010 um 07:19
Naja, Diplomatie..... püh...was ham wir damit zu tun? Obwohl, die Konferenz von Lausanne damals :-)). Aber wir sind doch eh immer die, na, wie sagt man, Gelackmeierten?

Aber dass der Bosporus.... hihi....schon ok
Deaktivierter Nutzer schrieb am 05.10.2010 um 04:16
mir ist dieses blog schon deshalb lieb, weil es mir eine zitierung hegels u.a. gegen den staat und für den menschen zur kenntnis gebracht hat, die mir seit langem fehlte; obwohl alle menschen diesen hegel insgeheim wissen.
Rahab schrieb am 05.10.2010 um 09:53
und was ist nun die konsequenz aus dem Hegel-zitat? außer Hegel zitiert zu haben?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 05.10.2010 um 10:09
@thinktankgirl vom 04.10.2010 um 15:20

Wertes thinktankgirl,
entschuldigen Sie bitte die späte Antwort, ich musste mich erst etwas von den „Kommentaren“ hier erholen.

Sie, thinktankgirl, schrieben am 18.05.2010 um 09:09 "…Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch, wie Leusch weiter unten schreibt: Bei Gesell hat er ja sogar den ausgesprochen emanzipatorischen Aspekt, in Liebesdingen von der ewigen Geldabhängkeit weg zu kommen. Die Schrift Bachofens über das Mutterrecht, gab dazu Impulse."

Oder am am 25.05.2010 um 21:02 schrieb thinktankgirl: "…Das Pachtgeld fließt in die Staatskasse und wird restlos in Monatsbeträgen unter die Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt. Keine Mutter, einerlei woher sie kommt, kann von diesen Bezügen ausgeschlossen werden....Bei der Gattenwahl würden die geistigen, körperlichen, die vererbungsfähigcn Vorzüge statt des Geldsackes den Ausschlag geben. So kämen die Frauen wieder zu ihrem Wahlrecht, und zwar nicht zum wesenlosen politischen Wahlrecht, sondern zum großen Zuchtwahlrecht. Hier geht es nicht um eugenische Ziele, denen sich die Frauen zu unterwerfen haben, sondern darum, ohne Versorgungsprostiution mit Männern, die sexy sind, Kinder zu machen. Frauen wird ja heute immer wieder vorgeworfen, daß sie zwar mit den interessanten wilden Kerlen gerne rummachen, aber sich dann in die Versorgungsehe flüchten, um das Kuckuckskind aufzuziehen."

Oder am 16.05.2010 um 21:29 schrieb thinktankgirl:"…Es gab und gibt viele Spielarten der Kritik am Kapitalismus, die auch immer vom herrschenden Zeitgeist beeinflusst sind. Gsell: so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Mütter das meiste Anrecht auf die Grundrente haben. Zu demselben Ergebnis kommt man, wenn man das Naturweib, das wie eine Königin über die Natur ringsum verfügt, mit unseren armseligen Fabrikarbeiterinnen vergleicht. Diesen Ansatz würde ich zu den mutterrechtlichen Strömungen, die sich auf Bachofen berufen, zurückführen."

Mit ihrer Aussage am 18.5.2010, “Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch“, bezeichnen Sie Gesells Freilandtheorie emanzipatorisch. Zu Silvio Gesells Freilandtheorie gehören auch die erwähnten Zitate. Diese Zitate sind Teil (entscheidender und aussagekräftigster Teil) von Gesells Theorien. Bestätigt haben Sie ihre Verbundenheit mit Gesells Ideen mit ihrer Beurteilung über die „beachtenswerten Ideen und Gedanken“ Silvio Gesells, hier in diesem Blog.

Mich würde vor allem interessieren, was ist denn heute „scheinbar“ reaktionär bezüglich Silvio Gesells Freilandtheorie, was Sie als damals emanzipatorisch, empfinden? Außerdem, war das, was sie bei Gesell als emanzipatorisch empfinden, 1933 auch noch oder nicht mehr emanzipatorisch? Gab es etwa eine „unsichtbare“ (irgendwie emanzipationsumkehrende) Mauer die von 1930 bis 1933 gezogen wurde? Möglicherweise könnte ich in diesen Fragen, ohne „Ärger“ zu bekommen, von ihnen „Nachhilfe“ erhalten, vielleicht ausnahmsweise kostenlos, was mich ausgesprochen freuen würde.
luggi schrieb am 05.10.2010 um 10:18
Soll das ein cosmos werden oder bleibt's beim derFreitag?
Rahab schrieb am 05.10.2010 um 10:30
kann irgendwer diesen xxx (********) vorübergehend aus dem verkehr ziehen und ihn darin unterweisen, wie das zitat im zitat kenntlich gemacht wird?
kann ihm im weiteren wer beibringen - nachhaltig - dass der gebrauch der worte 'mutterrecht' und 'Bachofen' sowohl einzeln wie auch in kombination noch lange nicht bedeuten, dass damit ein sog. emanzipatorischer gedanke affirmiert wird?
Ernst schrieb am 05.10.2010 um 10:35
Ist cosmos eine Imkerzeitung mit philosophischen Gedanken zur Emanzipation von Bienenköniginnen?
thinktankgirl schrieb am 05.10.2010 um 13:23
@Kieserling

Ich warte immer noch auf die Rücknahme dieser Aussage:

Wer Silvio Gesells Begrifflichkeiten wie, „Hochzucht des Menschengeschlechts“, „Zuchtwahlrecht der Frauen“ oder „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“ oder „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran“ ""emanzipatorisch"" nennt oder darin „beachtenswerte Ideen und Gedanken“ findet,

Dieses Thema hatten wir schon mal. Und ich glaube nicht, daß die FC und die Moderation Bock darauf haben, Zeit wegen dir zu verschwenden.
Also mach es kurz und schmerzlos: Laß das Post löschen.
Rahab schrieb am 05.10.2010 um 19:02
aha.
stelle fest: falsch zitieren und zitate wahrheitswidrig zu einer aussage zusammenfassen und einer, die sie nicht getan hat, unterschieben, wiederholt - das geht. das verletzt keines einen schweines sittliches empfinden.

aber 'ziegenficker' klingt unanständig.
warum eigentlich?
weil ich damit andeute, dass der gebrauch, den einer von einem anderen menschen (frauen sollen auch welche sein - hab ich mal gehört), einem tier, einer sache oder eben zitaten macht, nicht der bestimmungsgemäße ist?
oder weil es so verstanden werden könnte, ich unterstellte dem armen tropf, er sei muslim? und das geht ja schon mal garnicht, oder wie? - ehrlich: das würde ich der umma nie im leben antun!
oder weil nur ein Theo van Gogh mal eben die umma beleidigen darf? und sein herr verleger darf damit angeben?

wer ist hier eigentlich krank im kopf?
F.Brezner schrieb am 06.10.2010 um 22:28
@ thinktankgirl

Gestern kam in 3sat der Film“ „Sie ist meine Mutter“. Es ging um Menschenzucht in NS-Lebensborn. Ich hoffe, Sie thinktankgirl, haben den Film gesehen und evt. etwas gelernt!

Deaktivierung ist auch keine Lösung!
Rahab schrieb am 05.10.2010 um 10:49
ich wiederhole meine obige frage:
und was ist nun die konsequenz aus dem Hegel-zitat? außer Hegel zitiert zu haben?

und ergänze um:
was ist eigentlich das kosmopolitsche an Israel? -Dimona?
und das kulturlose an usa-land? - jazz?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.10.2010 um 07:59
Rahab,
da sonst niemand was sagt:

Jürgen Elsässers 16 oder 17 Jahre alte "These" von der "Halluzi-Nation", die J-ap hier neu aufgelegt hat, ist ein Quatsch erster "Güte". Die Geschichte der Nationen ist eine jahrtausende lange Überlieferung regionaler Herrschaft nebst deren Assimilation durch die Unterworfenen, nebst deren wechselnden Verknüpfungen, Zusammenschlüsse, schließlich die finalen militärischen Aushebungen der Nationen im Zuge der Ausbildung feudaler Zentralherrschaft. Das sind die Quellen der Regional- und Nationalkulturen, einschließlich der Schöngeisterei und dem religiösen Heidiedeldum zu Fanfaren und Schalmeien.

Das ein klein wenig Spezielle an den USA und Israel besteht darin, daß es sich um die einzigen originär bürgerlichen Staatsgründungen handelt und den Eroberern wie Immigranten buchstäblich mächtig daran lag, so gut wie keine Spuren und Einflüsse autochthoner Kultur in der Herrschaft, die sie teils privateigentümlich, teils religiös-frühsozialistisch (Kibuzzim) als "ureigene" begreifen wollten, zuzulassen gewillt waren. Beide Bevölkerungen brachten ihre jeweiligen assimilierten Nationalcharaktere in einen fiktionalen "Bund" ein, in dem sie überwiegend zu folkloristischer Unterordnung unter der Herrschaft spätbürgerlichen Rechtsbegriffe bestimmt waren. Mit gewissen Ausnahmen, die sowohl die christlichen bzw. jüdischen Fundamentalisten betrafen, als auch einen Teil der aus den Ursprungsländern mitgebrachten Oberklassenkulturen.

Eine israelische Spezialkultur ist die militärische Elite, die seit ihren terroristischen Wurzeln die Fäden nationaler Herrschaft fest im Griff hält. Dennoch ist die amerikanische Geschichte um ganze Klassen nachhaltiger geprägt von der Kultur der Gewalttätigkeit, von direkter Gewaltausübung im Dienste des Rechts auf private Bereicherung (z.b. Volksbewaffnung), von der Kultur des Genozids an der einheimischen Bevölkerung und des Terrors gegen alles nicht-völkische (das "Un-Amerikanische") bis in die kommunalen Verbünde hinein.

Just dies eigentümlich völkische Element der amerikanischen Kultur nehmen einige Schwachköpfe nun zum Beleg für "Kosmopolitismus", weil es sich über die hergebrachten Titel des Völkischen hinweg setzt und sie durch welche ersetzt, die von Rechtstiteln abgeleitet sind oder erscheinen.

Im Falle des "Judenstaates" ist einer dieser Rechtstitel die "Judenheimat" mit einer vom Judenghetto und KZ abgeleiteten und bei Strafe abzuleitenden Identität .
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.10.2010 um 08:02
Rahab,
da sonst niemand was sagt:

Jürgen Elsässers 16 oder 17 Jahre alte "These" von der "Halluzi-Nation", die J-ap hier neu aufgelegt hat, ist ein Quatsch erster "Güte". Die Geschichte der Nationen ist eine jahrtausende lange Überlieferung regionaler Herrschaft nebst deren Assimilation durch die Unterworfenen, nebst deren wechselnden Verknüpfungen, Zusammenschlüsse, schließlich die finalen militärischen Aushebungen der Nationen im Zuge der Ausbildung feudaler Zentralherrschaft. Das sind die Quellen der Regional- und Nationalkulturen, einschließlich der Schöngeisterei und dem religiösen Heidiedeldum zu Fanfaren und Schalmeien.

Das ein klein wenig Spezielle an den USA und Israel besteht darin, daß es sich um die einzigen originär bürgerlichen Staatsgründungen handelt und den Eroberern wie Immigranten buchstäblich mächtig daran lag, so gut wie keine Spuren und Einflüsse autochthoner Kultur in der Herrschaft, die sie teils privateigentümlich, teils religiös-frühsozialistisch (Kibuzzim) als "ureigene" begreifen wollten, zuzulassen gewillt waren. Beide Bevölkerungen brachten ihre jeweiligen assimilierten Nationalcharaktere in einen fiktionalen "Bund" ein, in dem sie überwiegend zu folkloristischer Unterordnung unter der Herrschaft spätbürgerlichen Rechtsbegriffe bestimmt waren. Mit gewissen Ausnahmen, die sowohl die christlichen bzw. jüdischen Fundamentalisten betrafen, als auch einen Teil der aus den Ursprungsländern mitgebrachten Oberklassenkulturen.

Eine israelische Spezialkultur ist die militärische Elite, die seit ihren terroristischen Wurzeln die Fäden nationaler Herrschaft fest im Griff hält. Dennoch ist die amerikanische Geschichte um ganze Klassen nachhaltiger geprägt von der Kultur der Gewalttätigkeit, von direkter Gewaltausübung im Dienste des Rechts auf private Bereicherung (z.b. Volksbewaffnung), von der Kultur des Genozids an der einheimischen Bevölkerung und des Terrors gegen alles nicht-völkische (das "Un-Amerikanische") bis in die kommunalen Verbünde hinein.

Just dies eigentümlich völkische Element der amerikanischen Kultur nehmen einige Schwachköpfe nun zum Beleg für "Kosmopolitismus", weil es sich über die hergebrachten Titel des Völkischen hinweg setzt und sie durch welche ersetzt, die von Rechtstiteln abgeleitet sind oder erscheinen.

Im Falle des "Judenstaates" ist einer dieser Rechtstitel die "Judenheimat" mit einer vom Judenghetto und KZ abgeleiteten und bei Strafe abzuleitenden Identität .

(ein gesondertes Thema wäre die Rolle, die den antiständischen Elementen in der amerikanischen respektive israelischen Nationalkultur zugemessen wird)
Rahab schrieb am 06.10.2010 um 08:25
danke, TomGard

so ungefähr dachte ich mir das auch, in etwas anderen worten und ohne Elsässer zu kennen

schade eigentlich, dass ich die frage, die mir auch auf der zunge lag, nicht gestellt hatte - nämlich warum j-ap nicht zur verteidigung Australiens aufruft

aber ich hatte sie ja mir gestellt und beantwortet, auf meine weise
j-ap schrieb am 06.10.2010 um 11:04
Das liegt daran, Rahab, daß TomGard da oben in erster Linie Quark verzapft, der auch nicht dadurch wahrer wird, indem man ihn möglichst breit auslatscht.

Elsässers Schriften kenne ich gar nicht und will sie auch nicht kennen, und daß die Nation eine »Halluzi-Nation« sein soll stimmt ebensowenig wie die Behauptung, daß ihr eine jahrtausendelange Überlieferung zugrundeliege, denn weder ist sie irgendeine peinliche Fehlkalkulation des bürgerlichen Subjekts noch eine irgendwie anthropologische Konstante.

Aber, um noch eine Frage zu beantworten, die Sie andernorts stellten: Wer am Ideal der staaten- und klassenlosen Welt und also einer Welt ohne Herrschaft festhält, der muß selbstredend alle Staatlichkeit am langen Ende abschaffen und also auch die des Staates Israel. Deshalb schrieb ich weiter oben ja auch: solange die Welt immer noch in Nationalstaaten ... — haben Sie's gelesen?

Nur, und das ist entscheidend, soll der Staat Israel nicht als erster, sondern als letzter Staat auf dem Weg in die herrschaftsfreie Welt abgeschafft werden. Deshalb kam ich im Artikel auch darauf zu sprechen, daß es den Antizionisten ja gar nicht um eine allgemeine Staatskritik, um eine allgemeine Kritik der repressiven Staatlichkeit gehe, sondern immer nur um die Kritik der Staatlichkeit eines bestimten, nämlich des israelischen Staates.

Die Nation ist, genau wie die bürgerliche Republik, ein notwendiges Durchgangsstadium auf dem Weg in die herrschaftsfreie Welt, und deshalb sollte man es immerhin zur bürgerlichen Republik schon einmal gebracht haben, um auf dem Weg dahin weiterkommen zu können.

Das ist übrigens und entgegen anderslautender Unterstellungen keine Apologie des Bestehenden, weder der kapitalistischen Verhältnisse noch, um ein Beispiel zu nennen, der politischen Verfassung der Vereinigten Staaten.
Ernst schrieb am 06.10.2010 um 12:42
Was glauben Sie wohl, Rahab, wie sauer die europäische Welt von Gottes Gnaden war, als sich dieser popelige Verein von Kleinstaaten mitten unter ihnen sich erfrechte, auch eine Nation sein zu wollen?

Dummerweise wollten die auch noch kolonial sein - unverschämt. Das stand das nur jenen höheren Wesen zu, die von Gottes Gnaden schon das Recht hatten, andere zu knechten.
Rahab schrieb am 06.10.2010 um 15:34
@j-ap
so grundfalsch ist das nicht mit der jahrtausendealten überlieferung - allerdings hat die vorstellung darüber, wie exklusivität herzustellen sei, sich verändert.
war es bei Nehemia (nach der rückkehr aus dem babylonischen exil) noch die kultische reinheit der familie, also die familie ohne anders-kultische mitglieder, ist es heute die vorstellung von kultisch reinen wohngebieten - in Israel/Palästina im extrem abzulesen an den siedlungen von gush emunim.
im übrigen verweise ich auf den teil der diskussion im fidel'schen religionsblog um theokratie in Israel - da ist eigentlich, was das deskriptive anlangt, alles zu gesagt.

hinter den satz, der nationalstaat sei notwendiges durchgangsstadium mache ich ein fragezeichen. ein dickes!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.10.2010 um 17:39
Rahab, das Wort "Überlieferung" verwende ich etwas abweichend zu den ülichen Konnotationen, ich dachte, der Zusammenhang hätte das transportiert. Es handelt sich um eine materielle Dimension, nicht allein um Narration und Ausdeutung, um die Separatkulte um Symbole, Fetische, Allegorien etx., auch nicht unter Hinzufügung von Rechtsgeschichte. Es handelt sich in erster Instanz um die Tradierung von Produktionsmitteln und Produktions- nebst Eigentumsverhältnissen, einschließlich der dazugehörigen Verkehrs-Verhältnisse. Letztere sind insbesondere für die patriarchalische Tradition von Belang, wie man bis auf den Tag an gewissen feinen Unterschieden bemerken kann, z.b. in Island und Skandinavien überhaupt, das europäische Russland, aber selbst feine Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland, die nicht völlig in den jeweiligen Regionalkulturen zum Verschwinden kommen, fallen darunter.
Rahab schrieb am 06.10.2010 um 17:46
ach
und was sind die siedlungen anderes als eine (1-ne) materielle dimension im extrem?
und was liest du aus der 'überlieferung' in Nehemia außer der kultischen reinheit der familie noch heraus?
die tradierung von produktions- bis verkehrsverhältnissen, tät ich mal sagen.
Rahab schrieb am 06.10.2010 um 17:47
patriarchalischen zudem.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.10.2010 um 18:06
Zitat Rahab:
"... allerdings hat die vorstellung darüber, wie exklusivität herzustellen sei, sich verändert (...) ....ist es heute die vorstellung von kultisch reinen wohngebieten ..."

Ich kenne mich da nicht aus, aber das klingt nach kultischen Orten , die eine kultische Vorstellung materiell bebildern sollen. Sowas verfällt noch schneller, als Tempel ... wenn auch vielleicht nicht ganz so schnell, wie die faschistischen Repräsentationsbauten abgerissen wurden, ohne daß damit ihr kultischer Gehalt übermäßig Schaden erlitten hätte, wie man in Berlin doch ganz gut sehen kann ;)
Rahab schrieb am 06.10.2010 um 18:42
verstehe
du verstehst kult als an einen bestimmten ort gebunden

und ich war mit den kultisch reinen wohngebieten ein wenig kurz

also: der kult braucht nicht vor allem tempel, er braucht vor allem die familie und die gruppe, denn seine wichtigsten teile finden dort statt, in der familie + in der gruppe (dem minjan + dem beit ha'knesset=das haus zum hineingehen, also ein versammlungsort - und der ist, wie die geschichte zeigt, verlagerbar). aber ohne die familie kann auch dieser ort nicht bestehen. der stellt den anderen pol von praxis dar. die familie kann ohne diesen ort auskommen, der ort nicht ohne familie/n.
sicher ist was repräsentatives schöner. aber nicht unbedingt nötig.

pessach kannst du überall feiern - wenn du eine familie oder etwas ähnliches hast, in der/dem sich ein jüngster findet, der die erinnerungsleitenden und die 'erzählung' hervorbringenden fragen stellt.
shabbes kannst du auch überall feiern, wie alle anderen feste auch. was du dazu brauchst, ist eine familie, sei es eine eigene oder eine, in der du gast sein kannst.
hauptsache, es ist eine jüdische familie.
j-ap schrieb am 06.10.2010 um 19:59
TomGard,

Sie können nun natürlich noch soviele Konnotationen, Devianzen und Varianzen hinzufügen, bis Sie am Ende den Begriff wegen seiner Unschärfe doch noch so verwenden können, wie es Ihnen nötig dünkt.

Ich dagegen beschränke mich darauf, den Begriff Nation in der heute gebräuchlichen Form zu handhaben, und die stammt aus dem 18. Jahrhundert, auch deshalb ist da nichts mit »jahrtausendealten Überlieferungen«, selbst wenn Sie die materialistisch ausdeuten wollen.

Wenn Sie im übrigen die natio als reine Geburt deuten, dann haben Sie die genau so daliegen, wie sie bei den Römern Verwendung fand, bei denen war nämlich die natio entscheidend, welchem tribus man zugehörte. Aus der Verwechslung und manchen Übersetzungsfehler konnte dann der alte Fichte die natio als ganz sublime, ewige Angelegenheit entnehmen, die von daher ihren natürlichen Ankerplatz im Irdischen zu finden habe, notfalls eben auch gegen alle Widerstände. Und auf dieser schiefen Ebene rutscht man halt ganz schnell in bekannte Gefilde hinab.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.10.2010 um 22:44
Jap,
ich streite mich nicht um Worte und Belegungen. Nationen entstehen mit der Abtretung von Eigentums- und Rechtshoheit an eine Zentralgewalt, die nicht nur eine Gebietsherrschaft über Grund und Boden, sondern zumindest in wesentlichen Bestandteilen auch über die Produktions- und Verkehrsverhältnisse aushebt. Sowas kann auf verschiedenen Wegen entstehen, sogar über tribale Wehr- oder Eroberungsbündnisse. Monotheismus ist eine Früh- und Entwicklungsform des Nationalismus, aber die römische Nation kam ohne ihn aus.

Historiographie ist eine schwache Seite meiner Bildung, interessiert mich auch nicht sonderlich, das Feld überlasse ich gern. Mir kam es darauf an, die Vermanschung von ökonomischer und Gewaltherrschaft, Herrschafts- und Unterwerfungskultur, von Narration mit Tat-Sachen, von Ideologie mit ihren Gegenständen, Idealen mit dem Idealisierten, kurzum, diese ganze idealistische Moralkacke anzugreifen, die genau auf eines hinaus will:
Das bürgerliche Gewaltverhältnis in seinen zusammengehörigen Polen Geschäft und Gewalt den Unterworfenen, die sich ihm anzudienen nach beiden Seiten gezwungen werden, ursächlich anzulasten, indem die Herrschaftform in die Formen der Unterwerfung theoretisch AUFGELÖST wird, wie Sie es hier mit einer anderen Masche, als der Streifzug, vorgeführt haben.

Wenn sowas eine Strategie sein soll, und nicht nur Selbstbeweihräucherung und -zufriedenheit, wenn es also nicht um ideelle Münze geht, so ist es die perfide Taktik, die Unterworfenen gegeneinander aufhetzen zu wollen, um als lachender Profiteur mit schöngeistigem Schauer der Schlachterei beizuwohnen.
j-ap schrieb am 06.10.2010 um 23:11
TomGard,

Sie streiten sich tatsächlich nicht um »Belegungen«, das weiß ich. Sie dekretieren sie stattdessen gerne und zeihen diejenigen, die das anders sehen (oder zB auf begriffliche Logik zu sprechen kommen) notorischer Motive und erledigen dann nicht die Sache, sondern Ihr Gegenüber.

Das ist, um es mal deutlich zu sagen, ein ganz übler, mieser Umgang mit »Fußvolk«, dem Sie irgendwelche Privatsemantiken zuschanzen, selbst aber hinter dem Vorhang bleiben. Deshalb kommt jemand wie Sie auch überhaupt auf die Idee, weiter unten beurteilen zu wollen, ob ich mich glaubhaft geläutert hätte oder nicht — »dürfte ernst nehmen«, »libertäre Brüder«, »ist wohl ... ehrlich gemeint«; herrje, TomGard, fehlte nur noch das »Betragen tadellos«. Wir sind hier weder bei Ihnen in der Bewahranstalt noch im Propädeutikum, wenn Sie Bedarf an Zensurenvergabe und Gouvernanten haben, dann sollten Sie's woanders probieren oder Fontane lesen.

Was Ihre historiographischen Mängel betrifft, so fangen Sie doch einfach mit Franz Oppenheimer an. Der weiß dazu Erhellendes zu berichten und heißt sympathischerweise nicht Weber, den man für diese Fälle nach wie vor immer noch ganz als Monokultur heranzieht. Ja, ich weiß, Oppenheimer war Zionist — sehen Sie's ihm »nach«.
Phineas Freek schrieb am 06.10.2010 um 12:38
Dass Sie, die Schriften von Autoren nicht kennen und auch nicht kennenlernen wollen, ist für Sie, j-ap, also eine ausreichende Beurteilungsgrundlage, sich über Typen wie Elsässer auszulassen.
Dass Sie aber endlich mal damit rausrücken, dass Ihr aufgeschriebenes Zeugs, Resultat IHRES IDEALS einer Staatenlosen Weltgemeinschaft ist!
Und dann setzen Sie auch noch allen Ernstes eine Reihenfolge bei der Staatenabschafferei für besonders (abschaffendswerte) schützenswerte Exemplare in die Welt!
Ganz zum Schluss hören Sie sich dann, mit Ihren „notwendigen Durchgangsstadium“, auch noch fast so an, wie die alten untergegangenen „Realsozialisten“ (und noch bestehenden in China) mit Ihren dummen, alten Geschichtsdeterministischen Lieblingssong.
j-ap schrieb am 06.10.2010 um 13:40
Ja, ich war unpräzise, insofern trifft Ihr Einwand an diesem Punkt: Ich kenne Elsässers Schriften aus den 90er-Jahren nicht, die TomGard oben ansprach, und die sind mir auch in der Tat wurscht, denn sie sind unbeachtlich ihres Inhalts hinfällig geworden im Lichte dessen, was er die letzten zehn Jahre (und das ist mir eben tatsächlich bekannt, angefangen bei seinem konkret Rauswurf bis zur schauderhaften »Volksinitiative« und seinen Mullah-Liebeleien) so von sich gegeben hat.

Was das andere betrifft: Habe ich je irgendeinen leisen Zweifel daran gelassen, daß ich am Ideal der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft festhalte? Sie können selbstredend anderer Meinung sein, so genau weiß man das bei Ihnen ja schon deshalb nicht, weil Sie sich lieber mit haltlosen Anschuldigungen, persönlichen Beleidigungen und Pöbeleien aufhalten, statt einmal ein Wort zur Sache zu verlieren.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.10.2010 um 14:12
Ja, abstrakt genommen stimmt das mit dem "Ideal", doch in J-aps Fall wohl nicht mehr , er dürfte es kaum noch als ein Ideal hegen (ernst nehmen), wenn er sich weder den Antideutschen oder ihren Ablegern anschließen mag, noch sich an der Seite seiner libertären Brüder heimisch fühlen. Sein Urteil, "eigentümlich frei" sei ein klerikal-faschistisches Hetzblatt geworden, ist wohl ehrlich. Ich denke mir das so, daß J-aps eigentümlicher Realitätsverlust z.T. daher rührt, daß ihm klar wurde, das bürgerlich liberale Staatswesen ist längst von den maßgeblichen Leuten zur Abwicklung vorgesehen. Zugunsten neuer Formen offener Sklaverei, hochtechnisierter Terrorherrschaft und zunehmend undurchlässigen, kastenähnlichen Gliederungen bis in die herrschende Cliquen hinein, ausgehend davon, daß bereits in wenigen Jahren der globale Finanzmarkt, das Kreditsystem auf der Basis von Weltgeldern, welches das wirkliche "Weltbürgertum" darstellt, auf den Müllhaufen der Geschichte befördert werden wird - unweigerlich. Es ist gegen die heraufziehende Marktmacht Chinas unter den gegebenen Voraussetzungen nicht zu halten.
Eine "Idee", diese Voraussetzungen so zu ändern, daß eine weitere Frist möglich erschiene, könnte darin bestehen, daß der verdeckte Krieg zwischen den USA und Europa, die Konkurrenz der Weltgelder vorfristig beendet wird, und der "alte" und "neue" Kontinent sich unter ähnlicher Suspendierung ihrer Gegensätze, wie im "kalten" Krieg gegen die SU, gegen den "uralten" Kontinent, gegen die asiatische Unbill verbünden könnten. Gewiß eine irreale Vorstellung, angesichts der wirksamen Verflechtungen hie und massiven Gegensätzen da, aber wahrscheinlich gibt es Leute, die sich solche Szenarien für die katastrophische Phase nach Abwicklung des Kreditsystems zurecht legen.

Die Wirklichkeit wird sein - um ein erstes und letztes Mal als Prophet aufzutreten - daß die USA binnen eher kurzer Frist einen kleinkalibrigen atomaren Schlag gegen eine der nachrangigen Nuklearmächte - ausgeguckt scheint zur Zeit Pakistan - führen wird, um die bestimmenden Kräfte in der asiatischen Wirtschaftszone zur bedingungslosen Rücksicht auf gewisse Grenzlinien ökonomischen und politischen Handelns zu nötigen. Die Drohung allein dürfte aus Sicht der USA nicht mehr reichen, sie ist unterdessen auch zu ausgelutscht.
Rahab schrieb am 06.10.2010 um 14:24
ich sag's mal so:
genausowenig, wie es für die talmudistin in der tora ein 'früher' oder 'später' gibt, gibt es dies für eine reihenfolge, in welcher nationalstaaten abgeschafft gehören

allerdings: für Israel wäre es zu wünschen, es beeile sich damit, die herstellung einer jüdischen nation in einem jüdischen staat aufzugeben, bevor es noch grauslicher wird als es jetzt bereits ist - sagt mir meine chibat-zion (zu deutsch: zionsliebe)
und wenn dabei die vorstellung eines demokratischen laizistischen Palästina helfen kann, in dem menschen nicht mehr nach imaginierter jüdischer/palästinensischer etc stofflichkeit sortiert und mit je unterschiedlichen berechtigungen ausgestattet werden, auf diesem oder jenem boden zu leben, lieben ... dann halte ich das für allemal förderlicher als die verteidigung eines 'existenzrechtes', von dem immer schon gewußt ist, dass es nur um den preis von gewalt auf gegenseitigkeit zu haben ist
Phineas Freek schrieb am 06.10.2010 um 17:55
Nun, Ihre Aussagen, wegen „notwendigen Durchgangsstadium“ sind die Nationalstaaten USA und Israel gegen den ganzen Faschorest verteidigenswert, ließen in mir keinen Zweifel aufkommen, dass Sie das auch so gemeint haben. TomGard hat’s ja vorbildlich präzisiert – dem kann ich mich nur anschließen und muss mir selbst keinen mehr abbrechen.
Im Übrigen habe ich mich mit keinen haltlosen Anschuldigen, persönlichen Beleidigungen und Pöbeleien gegen Sie aufgehalten – und zur Sache habe ich mich auch geäußert.
Phineas Freek schrieb am 06.10.2010 um 17:56
@j-ap
Jan Jasper Kosok schrieb am 08.10.2010 um 09:48
Liebe Community,

da dieser Kommentarstrang mal wieder fröhlich gen sinnlos trudelt - will sagen, weg vom Thema, hin zu persönlichen Animositäten - wird er gesperrt.

Des Weiteren möchte ich die Beteiligten bitten, in Zukunft doch wirklich mal zu überdenken, ob es Sinn macht, sich über Monate hinweg gebetsmühlenartig und mit einer nervtötenden Vehemenz etwaige Gesinnungen vorzuwerfen, ohne auch nur ein kleines bisschen auf den Punkt kommen zu wollen.

Das Schlimme ist, dass es nicht nur nervt, es vergiftet den Boden auch so sehr, dass die, die hier sind, um zu diskutieren, das Weite suchen.

Da ich nicht vor habe, mein psychotherapeutischen Laienkenntnisse hier dauerhaft einzubringen, um zu therapieren, was nicht therapiert werden will, werden wir in Zukunft versuchen, Threads dieser Art frühzeitig zu schließen. Und auf den Start der neuen Website hoffen, die solche Scharmützel hoffentlich (!) besser zu händeln weiß.

Beste Grüße,

JJK
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