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Im ganzen Gegensatz zur landläufigen Vermutung werden entscheidende Nachrichten und Hinweise gar nicht verheimlicht oder unter den Teppich gekehrt, sondern stehen immer und überall zur Verfügung — solange man sich nicht auf den »ersten Seiten« danach umsieht.
Am Montag vergangener Woche erschien der monatliche der TIC (Treasury International Capital System) Transaction Report des US-Finanzministeriums. Wer will, kann sich durch die Zahlenkolonnen wühlen; wer's kürzer mag und trotzdem nicht auf die wesentlichen Passagen verzichten will, der kann auch diverse Zusammenfassungen konsultieren, beispielsweise die von Bloomberg. Die liest sich so:
Global demand for U.S. long-term financial assets such as government bonds slowed in March as investors shifted into shorter-term securities and China trimmed its portfolio of Treasuries. (...)
Net buying of long-term equities, notes and bonds totaled $24 billion during the month, compared with net buying of $27.2 billion in February, according to statistics issued today in Washington. Including short-term securities such as stock swaps, foreigners purchased a net $116 billion, compared with net buying of $95.6 billion the previous month. (...)
China remained the biggest foreign holder of U.S. Treasuries, after its holdings fell by $9.2 billion to $1.145 trillion in March from $1.154 trillion in February, according to the Treasury’s statistics.
Japan, the second-largest holder, increased its holdings by $17.6 billion to $907.9 billion in March from $890.3 billion in February. Hong Kong, counted separately from China, reduced its holdings by $2.5 billion to $122.1 billion in March from $124.6 billion in February.
Was ist daran wichtig? Überhaupt nichts! Denn die Zahlen sowohl als die einzelnen Bewegungen sind völlig irrelevant, der feststellbaren Tendenz nach sogar nicht mehr als bloßes Hintergrundrauschen.
Erklärlich wird der Zusammenhang erst, wenn man sich die Schuldenstruktur (Major Foreign Holders of Tresury Securities) selbst ansieht. Hilfreich ist dabei eine schöne Grafik, die das Mercatus Centre der George Mason University erstellt und regelmäßig aktualisiert:

Buntscheckige Matschbirnen aller Sorten und Grade (auch und gerade in den USA und auch und gerade unter den »Analysten«!), die sich mit oberstufigem Schulbuchwissen wichtig machen wollen, erklären nun: Da habt ihr's, die USA »gehören« fast zur Hälfte auswärtigen Schuldtitelhaltern.
Mit diesem Quatsch will ich mich hier gar nicht erst aufhalten.
1. Man pflegt bis heute den Dollar als primus inter pares unter den Währungen zu bezeichnen und die in Dollar denominierten Schulden als »sovereign debt«. Das ist falsch, denn der Dollar ist nicht irgendeine Währung, sondern die Fakturierungseinheit für den Weltmarkt schlechthin, die das Maß aller anderen Devisen gibt, welche ihrerseits nur insofern überhaupt als »Währung« zu bezeichnen sind, als sie sich als Dollar-Äquivalent ausdrücken lassen.
2. Die in Dollar denominierten Schulden sind dementsprechend nie und nimmer sovereign debt, also ein externes Schuldverhältnis auf Basis von »Außenständen«, dessen letzte Instanz Rückzahlung lauten würde, sondern der interne Geschäftsverteilungsplan für die Inklusion in (bzw. die Subsumtion unter) den Weltmarkt, d. h. die militärisch bewerkstelligte Erschließung, Administration und Verteilung globaler Revenuequellen.
3. An dem eben dargestellten Zusammenhang wird sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern — Euro hin, Yuan her; und zwar nicht obwohl, sondern gerade weil der Anteil der Foreign Investors an US-Titeln in den letzten 20 Jahren von 25% auf 47% angewachsen ist.
(Nebenbei: Die Rolle der IWF-Sonderziehungsrechte habe ich hier nicht erwähnt; sie liefern allerdings insofern wertvolle Hinweise, als sie ein weiteres Puzzlestück in der »Affaire Strauss-Kahn« sind, die in Wirklichkeit eine »Causa IWF« ist — vgl. dazu hier. Ich komme darauf bei Gelegenheit zurück.)
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Eher Wissensfragen hätte ich:
Ich habe das so verstanden, als legte Strauss Kahn da eine Variante von Bretton Woods auf? Ist er angeeckt, weil er aus der Sicht seiner Gegner zuviel Regelung propagiert, etwas das er gemeinsam mit Oskar Lafontaine schon mal getan hat. www.zeit.de/1999/03/199903.lafontaine_strau.xml War das ein Versuch, den Währungsfonds in der politischen Ausrichtung zu ändern oder nur eigene Macht zu erweitern? Was stört die Amis daran so. Es ist nicht einfach, wenn man bestimmte Hintergründe nicht hat oder nicht gleich einordnen kann. Aber, Sie wollen ja jetzt Abhilfe schaffen, das finde ich erfreulich und bin gespannt. |
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Schauen Sie mal hier rein, Magda:
IMF should use crisis to toughen itself up (Reuters, 18.05.2011) Da heißt es, nebst aller anderem, am Schluß: IMF general resources credit outstanding increased to 65.5 billion Special Drawing Rights, or SDRs, ($104 billion) on May 12 from 6.0 billion SDRs at December 2007. The so-called new arrangement to borrow, which came into effect on April 1, increased the IMF's available lending resources to 269 billion SDRs on May 12 from 120 billion SDRs on March 31.Im November 2007 übernahm Strauss-Kahn den IWF-Vorsitz. Seit Ende 2007 hat sich das Volumen der SDR (Sonderziehungsrechte) nahezu verelffacht. Es versteht sich von selbst, daß das mit den Verwerfungen auf den Devisenmärkten im Zuge der sog. »Finanzkrise« zu tun hat; aber darum geht es hier nicht einmal in der Hauptsache. Der Punkt ist der, daß man durch die (notwendige) Ausweitung des Volumens der Sonderziehungsrechte nicht mehr so weitermachen kann wie zuvor. Das hat weder mit Vretton Woods oder irgendwelchen Abneigungen gegen Regulierungen im allgemeinen noch mit der Amtsführung von Strauss-Kahn — die im Detail so gut gar nicht gewesen ist, nebenbei gesagt — im besonderen etwas zu tun, sondern mit der de facto unausweichlich gewordenen Ersetzung des Dollars als Weltmarkt-Fakturierungseinheit durch eine »synthetische« Zentralbankwährung, wie die Sonderziehungsrechte eine wären. Damit würde nicht nur der Dollar auf den Status einer, (wiewohl weiterhin enorm wichtigen) Währung unter vielen heruntergebracht, sondern es würde für ihn eben auch gelten, was ich im Artikel angesprochen hatte: als letzte Instanz wären alle in Dollar denominierten Schulden tatsächlich anders als durch bloß prospektive Neuausgabe weiterer Dollars zurückzuzahlen. Denn so läuft ja dieses Spiel im Moment: Dollarschulden werden nicht »beglichen«, sondern durch Ausgabe neuer Dollars, also mit bloßen »keystrokes« der FED »bezahlt«. Das funktioniert nur, wenn es »oberhalb« des Dollar keine Rechnungseinheit gibt, in der er konvertiert werden könnte und müßte. Dieses Spiel ist übrigens alles andere als neu und auch nicht der spezifischen Situation der USA geschuldet. Denn vor den Amerikanern hatte das British Empire dasselbe Problem im Anschluß an den 1. Weltkrieg; davor waren es die Niederländer im 18. Jahrhundert; vor ihnen waren's die Spanier, davor die Republik Venedig (allerdings im kleineren Maßstab). Und noch ein Disclaimer: Die Informationen hier sind, wie ich schrieb, ein Puzzlesteinchen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. |
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Ich habe erstmal nachgeschlagen, was Sonderziehungsrechte sind. Aber, jetzt leuchtet halbwegs ein. Eine Erweiterung dieser Sonderziehungsrecht schwächt den Dollar oder schmalert seine Alleinstellung on top.
Über den Link habe ich bisher verstanden: Dass Strauss Kahns Vergabepraktiken unterschiedlich erfolgreich waren aus der Sicht seiner Kritiker. Nebenbei: ich bin fest überzeugt, dass man Strauss Kahn loswerden wollte. Ein anderer User hat drauf hingewiesen, dass er blitzschnell zurückgetreten ist. Und erst dann kam er raus aus dem Untersuchungsknast. Kann alles sein. Zwingend ist es nicht. |
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"...der interne Geschäftsverteilungsplan für die Inklusion in (bzw. die Subsumtion unter)
den Weltmarkt, d. h. die militärisch bewerkstelligte Erschließung, Administration und Verteilung globaler Revenuequellen." Die Dollars bzw. Anleihen auf Dollars werden von Ausländern also nicht deshalb gehalten, weil mit einer Rückzahlung zu rechnen wäre, sondern weil darauf gebaut wird, dass die USA - im Gegenzug - die Weltmarktinteressen der Gläubiger unterstützen - unter anderem oder sogar zuvörderst mit militärischen Mitteln. Einen Kommentar weiter schreiben Sie, j-ap: "Dollarschulden werden nicht »beglichen«, sondern durch Ausgabe neuer Dollars, also mit bloßen »keystrokes« der FED »bezahlt«. Das funktioniert nur, wenn es »oberhalb« des Dollar keine Rechnungseinheit gibt, in der er konvertiert werden könnte und müßte." Oberhalb des Dollar gibt es folglich durchaus eine Währung und muss es auch eine geben: Sie heißt Blut. Solange, und nur solange, Geschäfte in dieser Währung gemacht werden, hat der Dollar eine Rechnungseinheit "oberhalb". Zu fürchten ist, dass der Bedarf an dieser Währung wächst. |
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Hallo Josef,
wenn nun die globale (militärische) Durchsetzung und Absicherung von Interessen einer modernen Supermacht, immer mehr von seiner Fähigkeit unbegrenzter Kreditschöpfung abhängt, die es ihr erlaubt, mit dem bloßen Anwerfen ihrer monetären Druckerpresse die Anerkennung ihres „Wertes zu erzwingen“, WEIL ihre Währung „oberste Leitwährung“ ist: wird demnach wohl leider auch jede Art der Grenzziehung an dieser (fiskalischen) Front, als kriegerischen Akt auffassen. Und wenn die (aufstrebenden) Konkurrenten immer mehr feststellen müssen, dass sie es sind, die auf diese Weise die Unkosten US-amerikanischer Weltkontrolle und deren interessierte Zwecke „finanzieren“ – da kann sich doch jeder bei Verstand befindliche Zeitgenosse an einem Finger abzählen, dass diese „finanzpolitisch technischen Fragen“ eines „funktionierenden Weltwährungssystems“ mit einer neuen Leitwährung, dieselben sind wie die über Krieg und Frieden! Die Entscheidung der FED von 2006, keinerlei Daten über die extreme Ausweitung ihrer „Geldmengenpolitik“ mehr öffentlich zu machen, lässt nur Aufwand, Umfang und Fortschritt der weltweit abgewälzten Verschuldung und „erpressten Wertstellungen“ erahnen. Und was man so liest, stand Strauss-Kahn den chinesisch-russischen „Forderungen“ und Vorschlägen einer neuen, aus den schon bestehenden SZR erweiterten, Leitwährung nicht gerade feindlich gegenüber. Gruß Phineas |
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» (...) dass diese „finanzpolitisch technischen Fragen“ eines „funktionierenden Weltwährungssystems“ mit einer neuen Leitwährung, dieselben sind wie die über Krieg und Frieden!«
... ist genau der allgemeine Zusammenhang, den ich hier am Besonderen verdeutlichen wollte, Phineas. |
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Ich habe alle Kommentare gerne gelesen, und kann zustimmen.
Leider ist es kein TOP-Blog geworden, dabei hängt doch auch die ganze EURO- und Schuldenkrisendiskussion, bzw. die dahinterstehende Praxis dran. Da hätte ich gerne noch weiter gelernt auf solch konkretem Boden diskutiert. |
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Nachtrag:
Die Russische Notenbank hat am Freitag heimlich, still und leise auf Golddeckung umgestellt. Nein, das ist kein Witz, siehe hier bei Reuters. |
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Fragen eines Laien im internationalen Bankgeschäft:
1) Heißt das, daß die Russische Nationalbank, der ich "n" Euro, bei einem Zinsatz von 7% liehe, dazu im Falle der Rückzahlung, wenn die Bank nicht mehr liquide wäre, Gold im Wert von "n" Euro zuzüglich Zinsen an den Markt verkaufte, bzw. mir "auszahlte" um die Anleihe zurückzuzahlen? 2) Warum beschränkt, bzw. glaubt die Bank den Handel auf 1% des (russischen !!!) Refinanzierungsmarktes beschränken zu können/zu müssen? - (Dürfen Ausländische Investoren nicht kaufen? - Wie groß ist/wäre das Volumen dieses Marktes in Rubel, bzw Dollar oder Euro? Zitat aus der Reuters-Meldung: "Alexander Morozov, chief economist at HSBC in Moscow, said the new instrument will likely only be used by up to 1 percent of the whole refinancing market in Russia." 3) Ist das nur ein Trick, die "Kapitalismuserschütterten Bürger" bei der Kreditgeberstange zu halten, oder was soll das bezwecken? |
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Von dieser Maßnahme betroffen sind lediglich Refinanzierungsinstrumente, Herr Theel. D.h. nichts, was Sie und ich in die Hände (oder aufs Konto) bekämen, sondern was Geschäftsbanken mit der Zentralbank über den Geldmarkt verhandeln.
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Wenn es dann nur der russische Interbankenhandel wäre, wäre dies doch international nicht von großer Bedeutung?! Allenfalls die Kreditwürdigkeit Russlands insgesamt könnte international gestärkt werden, dies aber nur, wenn die internationale Finanzwelt diese Maßnahme als "stabilisierend" ansähe.
Wie gesagt, ich sehe bisher nicht die Relevanz dieser Meldung, die Sie im Zusammenhang einer Neuordnung der Weltwirtschaft durch die Ablösung des Dollars als Leitwährung durch WF-Sonderziehungsrechte im Blogtext diskutierten. Würde Letzteres wahrscheinlicher wenn der (internationale und nationale) Interbankenhandel sich tatsächlich auf den Goldstandard wieder zurückzöge? Wer außer Russland würde/wird das noch tun? |
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Ob es tatsächlich das ist, worauf die Zeichen deuten, Herr Theel, also die mindestens nun zu einem kleinen Teil praktizierte Ersetzung des Dollars durch in diesem Falle Gold, wird sich zeigen.
Derzeit, da haben Sie recht, betrifft das nur den Rubel-Geldmarkt; soweit ich in Erfahrung bringen konnte, sind nämlich nur russische Banken berechtigt, diese Refinanzierungsfazilität zu ziehen. Insofern ist das noch nicht mehr als ein »Versuchsballon«. Aber sehen Sie das doch einmal im Zusammenhang mit den hier vorgestellten Entwicklungen bezüglich des Dollars, des IWF, der Sonderziehungsrechte und insbesondere mit dem Goldpreis. Wenn eine Zentralbank Gold als Sicherheit für Zentralbankkredite akzeptiert und es sich dabei auch noch um eine Zentralbank handelt, die in den vergangenen zwei Jahren selbst zu den größten Käufern (!) von Gold gehörte, dann ist das von erheblichem Interesse. Dazu kommt freilich noch etwas anderes: Die Bank of America, das größte Kreditinstitut der USA, ist seit zwei Wochen de facto insolvent. Entweder brauchen die —zeitnah — einen weiteren Bailout, was die Frage aufwirft, woher der Schotter dafür kommen soll, wo doch Benny 'The Helicopter' Bernanke Dollars mittlerweile schon im Dreischichtbetrieb drucken läßt, oder die holen sich gleich die schwarzen Essensmarken. Und jetzt erinnern Sie sich mal, was los war, als der letzte Laden dieses Kalibers im Jahr 2008 über die Klinge gesprungen ist. (Das ist auch der Hintergrund für diesen scheinbar paradoxen Deal von Warren Buffett; das aber nur am Rande.) |
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Ich glaube Ihre Darlegungen zu verstehen, wobei mir aber jetzt die Frage bleibt, warum dasselbe(?) System dann um 1973 von Bretton Woods (1944) Abschied nahm, um nun "stillschweigend" sich anzuschicken wieder dorthin (1944) zurückzukehren, wenn auch wohl ohne feste Wechselkurse, die sich über den Euro aber doch auch wieder einzuschleichen scheinen?
Oder anders herum gefragt: Wo wären wir heute, wenn Bretton Woods nicht aufgekündigt worden wäre? Sind solche Versuche nicht doch nur gigantische ideologische Versuche des immer Gleichen? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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