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Ich werde diesen Artikel bestimmt bereuen. So wie ich alle Artikel bereue die ich verfasse wenn ich wütend bin und mir nicht genau überlege was ich schreiben will. Aber das muss nun einfach raus. Es dreht sich natürlich wie alles in den letzten 24 Stunden um Robert Enke. Aber ich will gar nicht über Robert Enke selbst schreiben. Ich kenne Robert Emke nämlich überhaupt nicht. Die meisten Journalisten die nun über ihn schreiben übrigens auch nicht. Doch auch diese Kritik möchte ich hier nicht vorbringen. Das können andere besser als ich. Ich möchte vielmehr über Depressionen schreiben. Oder besser – darüber wie nun in den Medien mit dem Phänomen Depression umgegangen wird.
Seit gestern schreiben sie plötzlich wieder alle darüber. Eine kleine Auswahl? Tabuthema Depression: Wenn Die Seele gefangen ist (Spiegel Online), Depression – Krankheit zwischen Tabu und Tod (Die Welt),Depression: Der graue Schleier über der Seele (Stern), Volkskrankheit Depression (RP Online), Stichwort Depression (dpa), Tödliche Traurigkeit(Tagesspiegel), Negatives Denken, bedrückende Gefühle (derWesten). Wer weitersucht, findet sicher mehr.
Ich finde es gut, dass wir über Depressionen sprechen. Aber bitte nicht so. Alle diese Artikel dürften so entstanden sein: “Du wir brauchen noch einen Artikel über die Volkskrankheit Depression. Kannst Du mal kurz bei Wikipedia recherchieren und anschließend noch einen Psychologen befragen? Ja – mit knackigen Zitaten!”. Entsprechend allgemein lesen sich diese Berichte. Bei Spiegel Online konnte der verantwortliche Redakteur wohl keinen Experten erreichen und befragte stattdessen eine Diplom-Psychologin mit den Schwerpunkten Migräne und Schlafstörungen (laut eigener Internetseite). Woher die nun weiß, dass Robert Enke nicht ins Risikoprofil eines Selbstmörders passt ohne jemals mit ihm gesprochen zu haben, möchte ich an dieser Stelle überhaupt nicht fragen.
Darüber hinaus immer der gleiche Tenor. Es gibt Medikamente. Es gibt Therapien. Was es aber nicht gibt ist eine ernsthafte Diskussion über den Zusammenhang von Depression und Gesellschaft, wie sie etwa der französische Soziologe Alain Ehrenberg bereits Ende der 90er Jahre mit seinem Werk “Das erschöpfte Selbst: Depression und Gesellschaft in der Gegenwart” ablieferte:
Die Ausbreitung von Depressionen, der steigende Konsum von Antidepressiva und die Zunahme der Alkoholabhängigkeit in den westlichen Gesellschaften sind für Alain Ehrenberg Reaktionen auf die allgegenwärtige Erwartung eigenverantwortlicher Selbstverwirklichung. Damit hat das Projekt der Moderne, die Befreiung des Subjekts aus überkommenen Bindungen und Traditionen, eine paradoxe Verkehrung erfahren. War die Neurose die pathologische Signatur eines repressiven Kapitalismus, so ist die Depression die Kehrseite einer kapitalistischen Gesellschaft, die das authentische Selbst zur Produktivkraft macht und es bis zur Erschöpfung fordert.
Oder wenn wir schon nicht ernsthaft über die Ursachen jenseits von individuellen Faktoren diskutieren wollen, dann lasst uns doch zumindest einen Weg finden, wie wir die Stigmatisierung von Depressiven und anderen psychischen Kranken beenden können. Die britische Time to Change Kampagne hat hier Vorbildcharakter. Unter den Unterstützern finden sich zahlreiche britische Personen des öffentlichen Lebens, wie Alastair Campell oder Stephen Fry, die sich darüber hinaus zu ihren eigenen psychischen Problemen äußern. Da wurde dann auch mal ernsthaft auf den Tisch gehauen: Wir hatten einen depressiven doppelten Nobelpreisgewinner und Premierminister und ihr (Arbeitgeber) wollt niemanden mit psychischen Problemen einstellen? Klasse Kampagne – warum nicht hier?
In zwei Wochen werden die Medien wieder über etwas anderes Schreiben. Bis zum nächsten prominenten Opfer. Das kotzt mich als Betroffener an. Momentan geht es mir sehr gut. Ich hoffe das hält an. Ich habe aber noch nicht vergessen, wie es sich anfühlt am Bahnhof zu stehen und zu denken, es könnte alles so einfach sein. Ich habe mir auch gestern nicht gedacht, das ist alles so unverständlich, sondern eher die Linie zwischen “zwischen raus aus allem, nicht mehr können” und “Einsehen zum Schluss, dass man weitermachen muss” ist so verdammt schmal.
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Ergänzend möchte ich auf folgende Blogeinträge hinweisen. Zum einen der Monsieur Fischer, der in einem ebenfalls sehr langen Posting, u.a. folgendes schreibt:
Nein, denn unsere Gesellschaft will sich nicht mit solchen unangenehmen Sachen beschäftigen., wer in psychiatischer Behandlung ist, den nimmt man nicht mehr ernst und zweifelt an seiner Leistungsfähigkeit. Lieber ein bisschen Betroffenheit zeigen in den nächsten Tagen, den Verstorbenen loben und sich dann wieder der Schweinegrippe und dem nächsten Vertragsabschluss widmen.
Oder Leon Stebe:
Angst davor, zu versagen – alles zu verlieren – nichts mehr wert zu sein, wenn eine Krankheit öffentlich wird. Können sich die Vertreter aller Bereiche der Gesellschaft sicher sein, dass sie für eine Atmosphäre gesorgt haben, in der solch eine Angst unbegründet ist? Arbeitgeber, Kollegen, Lehrer, Mitschüler, Vorgesetzte, Behörden, Verbände usw. – Der DFB zumindest hat angekündigt, es prüfen zu wollen – andere Bereiche sollten nach diesem Freitod von Robert Enke genauso selbstkritisch sein.
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Gerechter Zorn.
Zu dem Beunruhigenden am Schluss: Du hast hier eine vielversprechende Zukunft als Blogger. Ist nicht viel, aber auch nicht nichts! :) |
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schrieb am
12.11.2009 um 08:53
Habe mir Deinen Text gerade noch mal durchgelesen. "Was es aber nicht gibt ist eine ernsthafte Diskussion über den Zusammenhang von Depression und Gesellschaft". - Finger in die Wunde, richtig! Und Danke für den Hinweis auf Ehrenberg.
Einen schönen Tag wünscht m. |
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Nee, Herr Fricke,
Vertrauen Sie ´mal auf die Lebensweisheit des "Meisterfalk". So sehr eben das Übliche in den Medien herunter gespult wird, der Herr Enke hat schon ein Ausrufezeichen gesetzt, seine Frau desgleichen. Auch bei uns war ein Depressiver Friedensnobelpreisträger und Kanzler und, ich sage es ´mal so, er war der Beste, die Nummer Eins im politischen Tor. Weitermachen. Genau so eine britische Kampagne brauchen wir hier. Gegen das ganze neokonservative Gedöns und den unaufhörlichen Effizienztrichter. Aus eigenem Miterleben. Depressive bringen sich um, wenn es gerade wieder heißt, es geht doch ganz gut mit ihm, er macht ja schon wieder Witze. Vor der Handlung meist ein stummes, zeichenloses, zeichenarmes Intervall und die Psychologin, offenbar wirklich nur Aushilfe in medialer Not, weiß davon nicht viel. Also, weiter machen. Liebe Grüße Christoph Leusch |
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"Aber das muss nun einfach raus."
... und das war auch gut so. Deinen Zorn merkt man nicht. Es ist richtig und wichtig was Du geschrieben hast. Depressionen sind eine Seuche, die man Unbetroffenen schwer erklären kann. Einfach mal zusammenreißen und Kopf hoch! Das wird schon. So hört man allenthalben. Wirklich darüber nachdenken oder reden will keiner, besonders nicht die Betroffenen. Die Worte des von Dir zitierten Soziologen sprechen mir aus dem Herzen. Um es kurz zu machen, danke für Deinen Beitrag. Ich wünsche Dir viele Kommentare. |
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Die Wut, die in dem Blogbeitrag zum Ausdruck kommt, lese und fühle ich durchaus, und der Text bringt genau das zum Ausdruck, was ich mir die ganze Zeit auch schon gedacht habe. Die Krokodilstränen, die derzeit in der Journaille vertrömt werden, sind abstoßend. Die Gesellschaft ist unfähig zum Umgang mit den Krankheiten, die sie selbst schafft, durch Leistungsdruck und Verachtung und eben auch durch die Psychiatrisierung von einzelnen, obwohl die gesellschaftlichen Verhältnisse selbst auf die Couch gehören. Die Folge ist eine Boulevardisierung in der Auseinandersetzung mit dem Thema, das so ernst ist, daß man sich auf Seite eins darüber "betroffen" zeigen muß, um genau dieses nicht zu fühlen: eigene Betroffenheit.
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Depressionen sind normal. Jeder kennt sie. Von sich oder von anderen. Es gibt aber bestimmte Erkrankungen, deren Verlauf den Patienten in eine Spirale der Missempfindungen führt. Wo der Unterschied zu einer "normalen" Depression, also einem vorübergehendem Zustand des Selbstmitleids ( muss ja auch mal sein ) und einer ernsten und sehr unangenehmen Erkrankung liegt, können Patienten selbst oft nicht erkennen.
Seelische Erkrankungen können mehrere Ursachen haben, welche dem Patienten selbst oft gar nicht bewusst sind. Seelische Erkrankungen und Produktivität schliessen sich nicht aus. Es wird sogar unterstellt, dass jeder II. über 40jährige in Deutschland seelische erkrankt ist. Mal mehr, mal weniger. Dem würde ich mal zustimmen. Alles Patienten! Nimm Deine Stimmungen ernst. Tu was dagegen. Der Sinn des Lebens besteht darin glücklich zu sein. Niemand muss um den Tod betteln. Er kommt sowieso. Meistens zu früh. |
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Kurze Anmerkungen. Der Schluß sollte nicht beunruhigend klingen. "Tu was dagegen". Habe ich. Deswegen ja "nicht VERGESSEN, wie es sich anfühlt".
Doch viele andere Menschen - auch mir bekannte - machen eben nichts dagegen. Oft aus Angst vor dem Stigma. Aus Angst eine psychische Erkrankung ist in dieser Gesellschaft gleichbedeutend mit überflüssigem und unbrauchbaren Menschenmaterial. Das ist eben nicht nur im Profifußball so. In einem Werbevideo der "Time to Change"-Kampagne vergleicht ein Sprecher das Coming Out über seine Schizophrenie mit dem Coming Out zu seiner Sexualität viele Jahre zuvor. Ich möchte hier nicht die anhaltende Diskriminierung von Homosexualität verharmlosen, aber manchmal kommt es mich auch so vor, als wäre es inzwischen einfacher zu sagen "Ich bin schwul und das ist auch gut so", denn "Ich habe eine bipolare Störung und das ist auch gut so". Ob Wowereit bei der letzten Äußerung auch gewählt worden wäre? |
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Lieber Jakob Fricke,
"(...) Ich möchte hier nicht die anhaltende Diskriminierung von Homosexualität verharmlosen, aber manchmal kommt es mich auch so vor, als wäre es inzwischen einfacher zu sagen "Ich bin schwul und das ist auch gut so", denn "Ich habe eine bipolare Störung und das ist auch gut so" ..." Und so, wie Sie nicht die anhaltende Diskriminierung von Homosexualität (ich würde übrigens eher sagen von Homosexuellen) verharmlosen möchten, will ich Ihren sehr guten! Beitrag nicht zu einem anderen Thema leiten. Nur so zum Nachdenken: Auch heute hat das Coming Out, als Schwuler oder Lesbe noch viel zu oft tödliche Folgen, besonders wenn derjenige, der sich outet, erst 15 oder 16 Jahre alt ist. Die Kampagne "Coming Out Day" weiß dazu näheres, Link: www.coming-out-day.de/ Und jetzt ... bin ich hier auch schon wieder verschwunden und werde die Diskussion "unsichtbar" weiter verfolgen. Beste Grüße SexPower (aka Blogger bei "ZO") |
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Du hast recht mit deinem Hinweis. Ich hatte auch kein gutes Gefühl dabei den Vergleich aufzumachen.
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wäre enke so gut gewesen, wenn er sich offen mit seiner depresion hätte auseinandersetzen können?
mfg mh |
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@MH120480
Keine Ahnung. Denn ich kenne Robert Enke nicht. Genau so müssig ist es darüber zu spekulieren, ob er dann noch leben würde. Es geht mir auch nicht um Enke. Enke ist nur der Aufhänger für eine Diskussion, die endlich geführt werden muss. |
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mir gehts auch nicht um enke.
mir gehts um die fragestellung, ob die richtig guten dinge in unserer gesellschaft nicht aus dem schmerz heraus entstehen und ob wir, wenn wir offen mit diesem umgehen würden, nicht a) auf dieses gute verzichten und b) auch das streben nach verbesserung aufgeben würden was schlussendlich zu c) der aufgabe unserer weiterentwicklung und somit überlebensfähigkeit führen könnte. mfg mh |
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schrieb am
12.11.2009 um 10:41
MH, an Dir ist ein Philosph verloren gegangen. Hättest der neue Sloti werden können.
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nur wenn du den honneth gibst.
ansonsten sind fragen neutral, du kennst meine meinung dazu nicht. mfg mh |
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@MH120480
Für mich stehen die nun genannten Fragen in keinem Zusammenhang zu deiner ersten Frage. Ob die guten Dinge aus dem Schmerz heraus enstehen, darüber lohnt es sich zu diskutieren. Ob Robert Emke so gut gewesen wäre, wenn er öffentlich mit seiner Krankheit umgegangen wäre, hingegen nicht. Denn eine Verbindung zwischen diesen Fragen besteht nur, wenn Du implizierst, dass sein Leiden bei einem öffentlichen Umgang verschwunden wäre. |
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nein es impliziert, dass der öffentliche druck der zum verschweigen dieser krankheit geführt hat, ihn dazu trieb sich tiefer in den sport zu verkriechen als er es sonst getan hätte und er dadurch besser wurde, als er es ob seiner grundbegabung sonst geworden wäre.
es geht bei diesen fragestellungen doch nie darum, dass wenn es anderes gewesen wäre, alles gut geworden wäre. wir reden hier über ein besser oder ein schlechter von einem basis mittelpunkt, den jede krankheit als dauerzustand mit sich bringt. mfg mh |
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Wenn ich kurz anmerken dürfte, dass Herr Enke tot ist. Ergo ist er eben nicht "so gut" geworden. Er ist an seinem Leben, das eben auch den Fußball enthielt, zerbrochen. Das ist ein klassisches Phänomen der Leistungsgesellschaft, das man tunlichst nicht mit den ihr immanenten Skalen messen sollte.
Natürlich können wir lichterloh brennen und Tolles erreichen, Wunder vollbringen und in nie geahnte Dimensionen aufbrechen. Die Frage ist aber, was das aus uns macht - in Enkes Fall einen Toten. Das ist wenig erstrebenswert. Wenn diese Gesellschaft aber dieses Opfer von uns verlangt, oder noch besser: wir als Teil dieser dieses Opfer von unseren Mitmenschen verlangen, sind wir krank. Und ich glaube nicht, dass der Verzicht zur Aufgabe der Weiterentwicklung führt. Ganz im Gegenteil, ich glaube, dass ein gesunder Mensch im Schnitt (eben nicht kurzfristig, z.B. in 90 Minuten) dazu in der Lage ist, mehr zu leisten als einer der zwar hochtourig läuft, dafür aber auf halber Strecke eingeht. Da es aber marktwirtschaftlich häufig darum geht kurzfristig zu maximieren, ist der "kranke" Typ Mensch gefragter. Das halte ich für bedenklich, auch hinsichtlich der wirtschaftlichen/sozialen Gesamtleistung. Wie sagte einst einer meiner Profs: "Wenn sie auf der einen Seite den Hahn aufdrehen, müssen sie immer bedenken, dass auf der anderen Seite zugedreht wird." Wir sind mitunter sehr endlich, auch in unseren eigenen Ressourcen. Und ich für meinen Teil arbeite ausgeschlafen und gut gelaunt besser. LG JJK |
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du vergisst dabei einen punkt, wenn du es denn wirklich marktwirtschaftlich betrachten willst.
solange weniger arbeitsstellen als arbeitssuchende vorhanden sind, ist der anreiz zum verheizen stets vorhanden. ein paar reibungsverluste und weitergehts. weil nur individuell der hahn woanders zugeht. daran krankt das system doch, in dem wir uns bewegen und aus dem wir selbst auch in keinsterweise ausbrechen. dass wir ausgeschlafen und gut gelaunt besser funktionieren wäre relevant, wenn es darauf ankäme. da aber alle im gleichen status festhängen, spielt es weitestgehend keine rolle, wenn es denn anders ist. "Wenn diese Gesellschaft aber dieses Opfer von uns verlangt, oder noch besser: wir als Teil dieser dieses Opfer von unseren Mitmenschen verlangen, sind wir krank." sind wir krank oder sind wir einfach nur mensch? (ich möchte es trennen, auch wenn die antwort "beides" nun im raum liegt. für mich lautet die antwort ganz klar: mensch solang die antwort meist krank lautet, wird sich am status quo nichts ändern. egal ob links, rechts, oben oder unten. das ausblenden unserer natur verhindert den sinnvollen umgang mit ihr. mfg mh |
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An dieser stelle möchte ich noch einmal auf einen film hinweisen, der derzeit und sicher noch für ein paar tage online bei arte zu sehen ist und bestens zur problematik paßt:
www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/Burnout/2892482.html |
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Im Thema Fußball bin ich nicht sehr bewandert. Allerdings erinnere ich mich noch an Herrn Deisler. Dessen Karriere war im Grunde auch vorbei, nachdem er sich geoutet hatte. Zumindest war das mein Gefühl. Hinterher hat man immer was von Verletzungen gehört, die Depression blieb mir aber immer im Bewusstsein. Mag aber auch an mir liegen.
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Wer kennt Denis Winter, Thorsten Neumert, Michael Peter Redl, Corinna Dittrich? Es waren Bundeswehr-Soldaten die während ihres Auslandseinsatzes keinen Ausweg wussten.
Insgesamt kam es zu 18 Suiziden während der Auslandseinsätze zwischen 1998 und 2008. Ich konnte leider keine Informationen darüber finden die Aufschluss gäben, wie viele Suizide es von Reservisten oder ehemaligen Soldaten nach einem Auslandseinsätzen gab, die z.B. nach einem Einsatz an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) oder Depression gelitten haben. |
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schrieb am
07.12.2009 um 16:52
tach.
ich kannte corinna. sehr gut sogar. nachdem wir die gleiche schule besuchten, sie einige zeit nach mir auch zur bw ging, verband uns ebenso eine freundschaft. corinna war mit einem freund von mir verheiratet, zu dem ich auch heute noch guten kontakt pflege. aber nun zum thema. was mich noch viel mehr erschreckte war, dass corinna zum zeitpunkt ihres "freitodes" (was ich für ein sehr unpassendes wort halte) gerade 2 wochen vor ihrer heimreise. mal abgesehen davon, dass ich es zunächst wirklich nicht realisiert, mein telefon aus der tasche holte und corinna anrufen wollte, um ihr zu sagen, dass sie das lassen soll, kam keinerlei betreuung seitens des dienstherren an jedweder person an. die art und weise solchen verhaltens lässt auch noch heute darauf schließen, dass die bw nicht auf derartige dinge vorbereitet war/ist. die profanen präventivbetreuungen durch einen seelsorger pro zug (bis zu 50 soldaten) sind meiner meinung nach "dienst nach vorschrift". klagen mangels ausreichender vorbereitung solcher (im ganzen gesehen noch sehr harmlosen) einsätze, werden nicht kommuniziert. ich sage auch gerne warum. das ist zumindest meine meinung. weil das proletariat von diesen dingen gar nichts wissen will. vor meiner exfreundin konnte ich auch nur eine gewisse zeit verbergen und mit ausreden täuschen, warum es mir von zeit zu zeit schlecht geht und die nacht nicht durchschlafen kann. von ablehnung über argwohn bis zu unverständnis durfte ich mir vorwürfe machen lassen. eine von vielen situationen: mit meiner freundin in einer fussgängerzone unterwegs, fragte ich sie, ob sie wohl der meinung ist, dass diese mutter, mit 2 kindern an der hand, die neben uns lief wohl wirklich wissen will wer da grade neben ihr steht/geht. ein mensch (vielleicht zu extrem ausgedrückt), der sich für menschen einsetzt, die sich nicht selbst helfen können. es klingt sehr hart, aber das sind dinge die eben nicht von der presse recherchiert werden sondern in hollywoodstreifen ihr begeistertes publikum findet, dass ein, aus ethnischen gründen, in seinem glauben verhafteter, überambitionierter, vielleicht sogar familienvater der meinung ist diesen bus voll von andersgläubigen menschen sprengen zu müssen. nun fragt man (und ich mich mein leben lang) sich, ob ich das recht habe aufgrund eines gerätes, was in der lage ist jemanden außer "gefecht" zusetzen, dieses leben statt 60 anderen zu beenden. ist es das was jeder oder überhaupt wer wissen will? nun kann man das alles auch mit völlig anderen augen sehen und beispielsweise den "rat" geben, dass man immer die wahl hat. ich weiß, dass ich im namen vieler kameraden spreche, wenn ich sage, dass sich wohl jeder wünscht keinen krieg erleben zu müssen, aber sich sehrwohl nach vorne zu stellen, um andere zu schützen. mit solchen gedanken und erlebnissen leben zu lernen erfordert eine menge geduld und offenes sprechen, was man wiederum lernen muss. in diesem fall sind es wohl offensichtliche dinge die von anderen gesehen werden, aber so vieles wird einfach nicht gesehen. die imposanten beleidsbekundungen für einen prominenten mögen vielen leicht von der hand gehen, aber gehen vielleicht auch den angehörigen sehr nah. natürlich sind die helden des alltags weniger bedacht, haben auch die gleiche wertschätzung verdient, doch sieht das nicht jeder und ich denke, dass das auch so in ordnung ist. zwar nutzen wir nur 5% des hirns, aber an jeden denken kann man auch widerum nicht. "stell dir vor es ist krieg und keiner geht hin!" (zitat, aber ich weiß nicht mehr von wem) 18 ist im übrigen eine sehr untertriebene zahl, weil es sich in dem fall gerade mal um die mehr oder weniger ÖFFENTLICHEN zahlen handelt. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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