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Montag, 06.02.12
Wolf Schneider hat „Jehova“ gesagt, Stefan Niggemeier
“Dirk von Gehlen hat im selben Zusammenhang, aber mit umgekehrter Stoßrichtung einen wunderbaren Satz des Philosophen Hans-Georg Gadamer zitiert: Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte. Das ist, fürchte ich, das Hauptproblem der Reaktionen vieler Blogger auf Wolf Schneider und sein Buch und vieler „Shitstorms“ überhaupt: Sie diskutieren nicht, inwiefern der Andere möglicherweise unrecht hat, sondern sprechen ihm pauschal jede Ahnung ab.”
Abschied vom Netz, wie wir es kennen, Martin Weigert, Netzwertig
“Doch als wäre all dies nicht genug, droht dem Web, wie Menschen es in den vergangenen 15 Jahren kennen und schätzen gelernt haben, auch aus den eigenen Kreisen die Demontage. Denn die gewachsenen Internetkonzerne, über die wir bei netzwertig.com aufgrund ihrer Disruptions- und Innovationsfähigkeit regelmäßig und gerne berichten, verabschieden sich vom ursprünglichen Gedanken eines offenen Internets ohne kontrollierende Eingriffe durch Gatekeeper. Nicht, weil sie böse sind und Anwender ins Verderben schicken wollen, sondern weil die zugrunde liegenden Dynamiken, die kommerziellen Interessen und auch die Bedürfnisse der Nutzer dies erzwingen – eine Entwicklung, die US-Blogger und -Autor John John Battelle mit dem ebenfalls vom Menschen unbeabsichtigt verursachten Abschmelzen der Polarkappen vergleicht.“
„Die Angst vorm Netz ist nicht völlig unberechtigt“, Interview mit Sascha Lobo, Cicero
“Es sieht etwa so aus: das Netz nimmt uns etwas Wesentliches weg, und die Netzleute lachen auch noch darüber und denken sich Ideologien aus, warum sie eigentlich Recht haben. Dieses Gefühl muss man meiner Meinung nach ernst nehmen, dahinter steckt eine Angst, die nicht völlig unberechtigt ist. Denn ja: es gibt Dinge, es gibt Prozesse, es gibt Geschäftsmodelle, auch in der Kultur, die untergehen werden. Und ja, davor darf man Angst haben. Man darf bloß nicht ohne Rücksicht auf Verluste alles unternehmen, um diese schwindenden Güter zu erhalten.”
Außerdem: „Andere haben nicht mal ein Konzept“, Interview mit Christopher Lauer, Cicero
Monopol-Kapitalismus, Wolfgang Michael, Carta
“Heute ist der Apple-Konzern – in Verbindung mit der aufstrebenden Transportindustrie des Internets - auf dem besten Wege, die damalige Erfolgsgeschichte zu wiederholen. Apple beherrscht die digitale Wertschöpfungskette und wird eines Tages den Weltmarkt beherrschen. Die Politiker werden Gesetze gegen das Monopol beschließen, aber die Gesetze werden ins Leere laufen – bis der Druck so groß ist, dass man Apple entflechten muss (wie auch Google, Facebook und Amazon). Nur eines wissen wir heute noch nicht: Ob die wahre Geschichte vom Aufstieg des reichsten Mannes der Welt auf einem MacBook oder einem iPad geschrieben wird.”
Eigentumpopeigentum – oder warum Heveling recht hat, Michael Seemann
“Ich glaube also, dass wir Eigentum funktional in Zukunft nicht mehr brauchen. Es war mal eine effiziente und sogar emanzipative (verglichen mit dem vorher vorherrschenden Feudalismus) Ressourcenverteilungsstrategie, aber sie ist ganz offensichtlich überholt. Alles, wozu Eigentum gut ist wird mehr und mehr auf einem neuen Abstraktionslayer besser und effizienter abgebildet. Und so wie die Gesellschaft damals die immer mehr nur noch zu last fallenden Feudalherren loswerden musste, wird es dereinst unsere Aufgabe sein, die Eigentümer loszuwerden. Ansgar Heveling ist einer, der das begriffen hat – zumindest ahnt er es. Und er hat Angst. Zu recht."
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ja - und nun?
monopol kapitalismus oder eigentumsenteigner? ganz deutlich zu sehen ist schon heute monopolkapitalismus, der natürlich auch an den endpunkten im netz auf seinem monpol besteht. was dazwischen liegt ist infrastruktur, die selbst die monopolisten benötigen, um ans andere ende des endpunktes zu kommen. das ist nicht neu und es gibt natürlich nur wenige optionen / namen im spiel auf der einen seite des endpunktes. das mit dem eigentum ist quark. völliger quark. man schaue nur in die feuchten augen, wenn apple eigner über ihr eigentum fabulieren. der ersatzgott wird täglich gebliebt und ganz sicher nicht enteignet. ganz im gegenteil dieses religöse eigentum ist das kalb, ohne den der monopol kapitalismus nicht leben kann. die endpunkte benötigen sich. hier der religionsstifter dort der stolze, glaubende eigentümer. funktionale sachlichkeit ist bestenfalls chimäre, um sich stark und unabhängig zu geben - also das gegenteil ihrer eigenen iRealität. das machen an sich alle süchtigen so und gieren nach dem nächsten liebesbeweis ihres eigentums: "guck, selbst ich technik dau kann es bedienen!" überall wo es dran angeschlossen werden kann ist oder bleibt selbstverständlich eigentum oder wird es, weil man es dann auch bedienen kann. ist doch toll... |
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@ JJK, wörtlich schreibt der Niggemeier: "Aber die Kritiker reagieren, als hätten Schneider und Raue „Jehova“ gesagt." und schreibt dann zu den „Shitstorms“ "Die Angriffe auf Schneider und Raue sind auch deswegen so wütend, weil die beiden als Stellvertreter für die ganze Gattung der Dinosaurier stehen. Das sich Leute wie Knüwer & Langer dabei vollkommen übernehmen ist ja lustig, aber dem On-Line-Journalismus tun sie mit ihrer Klugscheisserei natürlich keinen Gefallen. Ich erinnere mich an Reportagen die Wolf Schneider geschrieben hat und je älter er wurde desto direkter wurde seine Reportagen. Der muss ja mittlerweile fast 90 Jahre alt sein.
Jedenfalls danke für den Buchtip. www.rowohlt.de/magazin_artikel/Wolf_Schneider_Paul_Josef_Raue_Das_neue_Handbuch_des_Journalismus_und_Online_Journalismus.2988758.html |
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Wolf Schneider ist doch erst blutjunge 86 Jahre alt!
Hans-Georg Gadamer wurde 102 Jahre alt! Nachdenken hält jung. |
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@ JJK
Danke für den 1.Link - weiter bin ich noch nicht (lese noch - okay, ich gestehe lesen ist ja mehr old school) Schöner Lesestoff! Feinen Resttag noch Christiane Paffen |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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