Jan Jasper Kosok

Berufsjugendlicher

31.08.2011 | 12:49

Irgendwie Links: L(i)eben und Sterben in sozialen Netzwerken

 

Mittwoch, 31.08.11

 

Facebook wird sterben, Haltungsturnen

“Twitter war immer (und wird immer sein) ein Service, der vor allem von einer digitalen Elite genutzt wird und von denen, die sich im Medienzirkus tummeln. Interessanterweise zu einem großen Teil die Gruppen, die Apple (jenseits des Massenmarktes Musik, den Google aber nun auch angreift) gezielt anspricht. Itunes und Twitter sind offen für andere Systeme, aber im Grund zielt all dies auf ein geschlossenes System von Multiplikatoren. Apple ist kein Massenmarkt, trotz iPhone und Co. Facebook ist Mainstream. Und nahezu unbedienbar. Beides hat es (man denke nur an die Screenshots vom neuen Dateiexplorer von Windows 8) mit Microsoft gemeinsam. Und beiden gemeinsam ist, dass sie den de-facto Standard definieren. Noch. Denn Facebook wird - obwohl zurzeit noch mit einer etwas höheren Anpassungsfähigkeit ausgestattet - gemeinsam mit Microsoft untergehen.”

 

Der Journalismus und die Verbreitung im Netz, Moritz Homann

“Was sagt uns das? Früher hatten Medienmacher keine Ahnung, was die Menschen interessiert und was sie weitergeben. Jetzt weiß man das. Sollte man also den Weiterverbreitungsfaktor zur wichtigsten Kennziffer machen? “Schumacher, ausgezeichnete Arbeit, 17.000 Facebook-Empfehlungen! Kollegen, nehmen Sie sich mal ein Beispiel!”. Ich glaube nicht, dass das ein guter Weg wäre. Denn diese Vorgehensweise belohnt Autoren, die aus einer Laune heraus einen übertriebenen, tendenziösen Text schreiben und bestraft Autoren, die recherchieren, telefonieren, vor Ort sind und gute Texte schreiben. Nur, weil sich die Aussage letzterer nicht in einen Titel wie “Apple, es reicht” oder “Lob des Übergewichts” komprimieren lässt. Fakt ist aber: Wir brauchen beides. Auch wenn die harte Arbeit manchmal etwas undankbar ist.“

 

WikiLeaks site comes under cyber attack, Guardian

“The apparent cyber attack comes after current and former US officials said the recently released cables – and concerns over the protection of sources – are creating a fresh source of diplomatic setbacks and embarrassment for the Obama administration. It was not immediately clear who was behind the attack. Officials said the disclosure in the past week of more than 125,000 sensitive documents by WikiLeaks, far more than it had earlier published, further endangered informants and jeopardised US foreign policy goals. The officials would not comment on the authenticity of the leaked documents but said the rate and method of the latest releases, including about 50,000 in one day alone, presented new complications.”

 

Zahlen mit Geld oder Daten: Wenn Nutzer die Wahl hätten, Martin Weigert, Netzwertig

“Indem man alle Internetservices dazu bewegt, neben einer werbefinanzierten Gratisvariante auch eine kostenpflichtige Version anzubieten, die keine Vermarktung beinhaltet und somit auch keine progressive Datenerhebung betreiben muss. Auch dieser Ansatz hat zwar (wie die meisten Bändigungs- und Regulierungsversuche im Netz) einige offensichtliche Nachteile, könnte aber trotzdem zu Annäherung der zwei verstrittenen Parteien führen: Denn derzeit im Kreuzfeuer stehende Internetfirmen wie Facebook, Google und andere könnten dann bei jeder weiteren Kritik gelassen darauf verweisen, dass Nutzer bei ihnen die Wahl zwischen einem kostenfreien (werbefinanzierten und damit datenhungrigen) sowie einem kostenpflichtigen, im Umgang mit Anwenderdaten sensiblen Paket haben.”

 

Weil sie es wert ist, Teresa Bücker, F.A.Z.

“Viel wichtiger ist es jedoch die Kulturtechnik der Liebe, des Paarseins und des Zusammenlebens weiterzugeben. In einer globalen Gesellschaft, in der jeder Reporter, Zeitzeuge und Medium geworden ist, sollten die Geschichten und Bilder, die wir über das zwischenmenschlich Wertvolle erzählen, nicht der flachen und verzerrten Wiedergabe von Prominentenehen und Rosenkriegen überlassen sein. Denn die Kommentierung von Adelshochzeiten schildert die großen Gefühle nur aus der Beobachtung. Was eine Sache jedoch braucht, um im Netz lebendig zu bleiben, ist User Generated Content. Und der muss nicht perfekt sein. Er darf zu leise ausfallen, zu laut. Die Liebe lebt nun einmal von schwankendem Gefühl - doch sie hat große Tradition. Wenn wir die digitale Welt umarmen, sollten wir unser Herz nicht vergessen. Es wäre zu schade, wenn etwas, das man sein ganzes Leben über so mühevoll erlernt nicht an allen Orten gelebt werden könnte, da wir zu sehr mit kleinen Apps beschäftigt sind, die uns zu faul und zu feige werden lassen, um für ein altes Spiel in neuer Umgebung die richtige Sprache zu finden.”

 

 
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