Dienstag, 20.09.11
Die Piraten sind ein Produkt der Musikindustrie, Tim Renner, Motor Blog
“Das Prinzip scheint immer dasselbe zu sein: Sobald eine neue aber breite Bewegung mit den Interessen von Lobbygruppen in den Konflikt gerät, verlieren diese in ihrer Existenzangst das Gefühl für die Verhältnismäßigkeit. In diesen Strudel der Angst lässt sich ein politisches Establishment mitreißen, bei welchem die Werte und Motivation der Erneuerung noch gar nicht angekommen sind. Sie sind offen für die mahnenden Worte der Lobbyisten, aber weit weg von den Forderungen der jeweiligen Avantgarde. Egal ob gesellschaftliche Mitsprache von den 68ern oder Datenfreiheit und Transparenz von der digitalen Gesellschaft eingefordert wird, die Reaktion ist am Ende immer die gleiche: Erst Unverständnis, dann Staatsgewalt. Das war schon bei der Französischen Revolution nicht anders. Wie sagte angeblich Marie Antoinette bevor die Truppen gegen das Egalité fordernde Volk marschierten:„Sollen sie doch Kuchen essen, wenn es kein Brot gibt.“ Das eigentliche Problem wurde auch damals schlichtweg nicht verstanden.”
Merkel: ARD und ZDF sollen ihre Apps genau prüfen, Heise
“Im Streit um die "Tagesschau"-App hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ARD und ZDF aufgefordert, ihre digitalen Angebote genau zu prüfen. Die öffentlich-rechtlichen Sender dürften den Spielraum der Privatmedien nicht zu sehr mit ihrer Internet-Präsenz einschränken. Sonst gerate das duale Rundfunksystem ins Wanken, sagte Merkel (CDU) auf dem Zeitungskongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Montag in Berlin.“
Burnout im Netz?, Wolfgang Michal
“Aus dem Netz heraus könnte – um ein besonders naheliegendes Thema zu nennen – z.B. eine europäische Bewegung erwachsen, die sich tatsächlich in die reale Welt unserer hilflosen National-Regierungen einmischt. Denn Europa steht an einem Scheideweg: entweder fällt es zurück in das Politikverständnis des 19. Jahrhunderts (Haltet mal die Klappe, wir machen das schon für euch!) oder es wird eine verstärkte Kooperation und Transparenz auf allen Ebenen geben. Dafür werden die Nerds tatsächlich gebraucht. Denn die Aufgabe, aus 40 oder 50 eigensinnigen Nationalstaaten eine europäische Gesellschaft mit einer von ihren Bürgern beschlossenen Verfassung zu machen, ist so gigantisch, dass man sie nicht ein paar Nationalbürokratien oder Brüsseler Beamten überlassen kann. Mit anderen Worten: Die Zeit, in der Blogs, Social Media und Netzpolitik eine wirkliche Rolle spielen, fängt gerade erst an.”
Warum man auf Blogger nicht scheißen sollte, Gunnar Sohn, Netzpiloten
“Das Selbstbildnis vom allwissenden Journalisten habe sich durch die Social-Media-Ausdrucksformen in angelsächsischen Ländern schon sehr gut reduziert. Hier gebe es sehr interessante und kluge Ansätze für einen kuratierenden und moderierenden Charakter des Journalismus. „Es ist erstaunlich, dass wir das im Jahr 2011 in Deutschland noch nicht entdeckt haben. Wir reden über neue Kulturtechniken, die Journalisten erlernen müssen. Wir befinden uns in einem Ökosystem, das sich permanent ändert. Ich bekomme einen kalten Schauer, wenn ich in der Klasse einer Journalistenschule stehe und nach den Berufswünschen frage“, so Plöchinger. Die Hälfte wolle nicht digital arbeiten, sondern eher das berühmte Stück auf Seite drei schreiben. „Die haben aber noch 40 Jahre vor sich. Das wird nicht mehr passieren. Man wird digital arbeiten. Man wird sich damit auseinandersetzen müssen.“”
"Der Großteil des Journalismus wird datengetrieben sein", Interview mit Shazna Nessa, der Standard
“Der Großteil des Journalismus wird datengetrieben sein. Das ist ein wichtiger Bestandteil von Journalismus, der morgen nicht verschwunden sein wird. Wir leben in einer Welt der Computer und der weit fortgeschrittenen Dokumentation eines jeden Schrittes. In dieser Informationsansammlung sind abertausende Geschichten verborgen. Wenn die journalistische Welt diese nicht versteht, in sie eintaucht und sie analysiert, wer sollte das dann tun?”