Dienstag, 10.01.12
Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?, taz
“Wenn es nicht legitim wäre, dass ein Politiker erbost einen Chefredakteur anruft, dann wären die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Sender organisierte Kriminalität. Da rufen Politiker die Chefredakteure nicht an, sondern heuern oder feuern sie. Eine These, über die wir gern diskutieren können. Diekmanns Umgang mit Wulffs verzweifeltem Peinlichkeitsauftritt gleicht dem eines Vierschröters, der die Liebesbriefe seiner Ex seinen Onanierbrüdern in der Sauna vorliest.“
Vom Glück, “Bild” zu sein, Stefan Niggemeier
“Ich verstehe den Frust darüber, in welchem Maße sich die Berichterstattung auf den Bundespräsidenten konzentriert und wie wenig sie sich um die Rolle von “Bild” kümmert. Es gibt dafür aber immerhin einen guten Grund: Es geht auf der einen Seite um die Ansprüche an das deutsche Staatsoberhaupt und auf der anderen Seite nur um die an eine Boulevardzeitung. Anders gesagt: Wir haben in den vergangenen Wochen einiges Neues über den Charakter von Christian Wulff gelernt. Und nichts Neues über den Charakter der “Bild”-Zeitung.“
Dazu auch: Am Tropf von BILD, Michael Spreng
Wulffs Mailbox-Nachricht: Rekonstruiert via Crowdsourcing, Onlinejournalismus.de
“Da hier die Amtsmühlen aber vermutlich langsam mahlen, scheint die Methode Crowdsourcing erfolgsversprechender. Und tatsächlich: Im Wulffplag-Wiki wird seit zwei Tagen (unter anderem und trotz des irreführenden Wiki-Namens) der Anruf aus Zitaten in der bisherigen Medienberichterstattung rekonstruiert. Man darf gespannt sein, wie sehr sie am Ende richtig liegt, wenn der Volltext auf die eine oder andere Weise an die Öffentlichkeit gelangt. (Und bei der ganzen Seite nicht vergessen, dass zur vollständigen Bewertung sicher auch der in der Schriftform nicht enthaltene Tonfall eine Rolle spielt).”
Zum Verlauf des Untergangs der deutschen Social Networks, Marcel Weiß, Neunetz
“Der Nutzenrückgang verläuft langsamer, weil die User bereits an die Kommunikationsmöglichkeiten gewöhnt sind und etwa selbst wenige verbliebene Verbindungen noch nützlich bleiben. Die Anknüpfung an Email erlaubt selbst das punktuelle Zurückholen bereits verlorener Mitglieder. (Die sich selbst einfach nicht mehr einloggen, den Account aber nicht gelöscht haben. Das dürfte der Normalfall sein.) Das würde Richtung Transaktionskosten beim Wechsel gehen.”
Wo ist das deutsche Buzzfeed? Oder die deutsche HuffPo?, Nico Lumma
“Woran liegt es, daß es bislang keine wirklichen Aggregatoren in Deutschland gibt? Weil wir alle die amerikanischen Plattformen nutzen? Weil wir mit den Online-Angeboten der Medienhäuser zufrieden sind? Weil das dahinterliegende Geschäftsmodell eines werbefinanzierten Angebotes nicht attraktiv erscheint?"
Dazu auch: Deutsches Wall Street Journal gestartet, könnte Anfang eines Trends sein, Neunetz.
Zur Kritik an Algorithmen: Warum wurde mir ausgerechnet das empfohlen?, Kathrin Passig, Sueddeutsche
“Wer einen "Warum wurde mir das empfohlen?"-Link anklickt, kann daher nichts anderes als eine stark verkürzte Erklärung erhalten. Trotzdem hätten beliebige Antworten an diesen Stellen vermutlich eine beruhigende Wirkung auf Nutzer wie Kulturjournalisten. Falls sich das nicht durchsetzen lässt, müssen wir eben abwarten, bis sich alle an das neue Zeug gewöhnt haben oder ein anderes digitales Schreckgespenst aus dem Schrank kommt."