Ai Weiwei, einer der bekanntesten chinesischen Künstler und Regimekritiker, wurde gestern festgenommen. Seine Verhaftung löst sowohl Unverständnis als auch Sorgen aus. Eine Netzschau
“Der bekannteste chinesische Künstler Ai Weiwei wurde gestern am Flughafen in Peking festgenommen, sein Atelier durchsucht, seine Mitarbeiter und seine Frau verhört, die Gründe sind noch nicht bekannt, es scheint aber um seine ausländischen Mitarbeiter zu gehen. Die Meldung kommt ein paar Tage nach seiner Ankündigung, wegen des Drucks der chinesischen Behörden ein zweites Atelier in Berlin eröffnen zu wollen.” Nerdcore
“Die Polizei möchte sich nicht zu der Festnahme äußern, auch bleibt sie der Angabe von Gründen schuldig. Wahrscheinlich, weil es gar keine Gründe gibt. Man muss sie sich mühsam erdichten, erfinden, zusammenreimen, denn das eigentliche Problem liegt woanders. Die chinesische Regierung ist äußerst nervös, und diese Nervosität hat wenig mit Ai Weiwei zu tun. Seit Februar wurden mehr als Hundert Aktivisten, Dissidenten und Anwälte festgenommen. Menschenrechtsorganisationen sagen, es sei die schlimmste Razzia des vergangenen Jahrzehnts.” Zeit Online
“The arrests seem related to the government’s concern that activists in China want to launch a “jasmine revolution” similar to the popular uprisings roiling autocratic governments in the Middle East and North Africa.” Washington Post
“Das chinesische Regime ist in Fragen der Kunstfreiheit und der Menschenrechte nicht weniger fragwürdig als etliche arabische Autokratien, und der Umgang mit Ai ist ein nicht nur kulturpolitisches Signal. Gut möglich, dass einige deutsche Politiker und Kulturmanager sehr bald die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden angesichts der Pakte, die sie mit der chinesischen Regierung geschlossen haben.” FAZ
“Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich in den Fall des in China festgenommenen Künstlers Ai Weiwei eingeschaltet: Ai Weiwei müsse umgehend freigelassen werden, forderte Westerwelle. Er habe "mit großer Sorge" erfahren, dassAi Weiwei am Sonntag in Peking an der Ausreise gehindert wurde, erklärte der Außenminister in Berlin. Westerwelle hatte wenige Tage zuvor Peking besucht. "Ich appelliere an die chinesische Regierung, dringend für Aufklärung zu sorgen, und erwarte, dass Ai Weiwei umgehend wieder freikommt", erklärte Westerwelle.” Spiegel Online
“Britain, the US and the EU have joined the growing international outcry over the detention of Chinese artist Ai Weiwei and the wider crackdown on dissidents and activists. "I call on the Chinese government to urgently clarify Ai's situation and wellbeing, and hope he will be released immediately," William Hague said. The foreign secretary added: "The development of independent civil society and application of human rights under the rule of law are essential prerequisites for China's long-term prosperity and stability."“ Guardian
"Sie sperren solche Menschen [chinesische Bürgerrechtler] einfach für viele Jahre ins Gefängnis. Sie verschwinden einfach. Ihre Verwandten hören nichts mehr von ihnen. Niemand kann Kontakt zu ihnen aufnehmen. Ihre Anwälte dürfen sie nicht besuchen. Was ist das hier bloß für eine Gesellschaft geworden?" Ai Weiwei in einem Interview mit der Sueddeutschen
Auf Twitter gibt es derweil im Minutentakt Neuigkeiten, Nicht-So-Neuigkeiten und Solidaritätsbekundungen. Letztere finden ihren Ausdruck ebenfalls in der Twitition “Free Ai Weiwei”.
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