Janusz

Blog von Janusz

18.11.2009 | 00:57

"Wir sind ein Volk! Ihr seid ein anderes!"

Gentrifizierung - ich dachte ich komme um Debatten um Gentrifizierung herum. Vertan! Kaum bin ich aus Berlin Prenzlauer Berg weg, ereilt es mich in Form eines Telefonanrufs. Ein Freund hat mich gerade angerufen und mir von Plakaten in den Straßen des Prenzl'bergs erzählt, die eine ominöse Aufschrift tragen:

"Wir sind ein Volk! Ihr seid ein anderes!"

Aaaajja! Wer hat's getextet? Unbekannt! Und was soll das?

Die Vermutung "Gentrifizierung" liegt angesichts des Verklebeortes Prenzlauer Berg und den Vorurteilen und Verwünschungen gegen Schwaben und andere "Störer" nahe. Gemeint ist der Prozess der sozialen Umstrukturierung eines Stadtteils durch gezielte Aufwertungen (vgl. Wikipedia) und einer daraus resultierenden veränderten Bevölkerungsstruktur.

Wenn die Plakate von Gentrifizierungsgegnern aufgehängt wurden gibt es eine Reihe von Fragen:

Was sollen die Plakate bewirken? Geht es um Ost vs. West oder Alt-Berliner vs. Neu-Berliner oder Alternativ-Konservativ, Jung-Alt? Was soll die Reminiszenz an den Slogan "Wir sind das Volk"? Was ist an dem anderen Volk anders? Lohnt die ganze Aufregung? Wer war das denn jetzt eigentlich?

Mein Freund hat sich via Telefon darüber echauffiert, der Spruch sei auch nicht besser als das stupide "Ausländer raus" der Neonazis. Aus meiner Sicht ein schräger Vergleich. Dennoch: Etwas ist anders, bedrohlich, schlecht und (das wird zumindest impliziert) wird nicht toleriert. Am Besten soll es weg.

Radio Eins hat über die Plakate berichtet und Hörer zu Wort kommen lassen: www.radioeins.de/programm/programmbeitraege/20091117/wir_sind_ein_volk.html

Nachtrag: Oder ist das alles gar nicht so wild? Das war eigentlich auch mein erster Gedanke. Lass sie doch hängen! Also die Plakate...

 
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Kommentare
jayne schrieb am 18.11.2009 um 07:23
ich denke dabei eher an den umstand, daß stadtentwicklung oft genug an den bewohnern vorbei betrieben wird, was zählt, sind die kapitalen interessen der investoren, dieser heißgeliebten götter - aber ohne bürgerbeteiligung an der entwicklung der stadt(teile) verspielt man die zukunft der stadt. Zur zeit dazu läuft eine interessante reihe der BUKO (Bundeskoordination international), die nächsten termine sind in hamburg (19.11.) und frankfurt/m. (03.12.); einfach mal auf die seite schauen: www.buko.info/buko-projekte/as-stadt-raum/stadt-uebernehmen/
jayne schrieb am 18.11.2009 um 08:07
hier zum einlesen der ankündigungstext der BUKO:
"Eine Krise jagt derzeit die nächste. Auf die Finanzkrise folgte die der Weltwirtschaft, die Krise des Klimawandels oder wahlweise die "Klimakatastrophe" begleitet uns schon seit längerem, und eine haushaltspolitische Krise wird nicht lange auf sich warten lassen. Zur Ablenkung wird kurzerhand eine fast alltägliche Grippewelle zur globalen "Pandemie" ausgerufen. Die Wirtschaftskrise ging vom Immobiliensektor aus, mangels Kapital stehen weltweit Baustellen still: in China, Dubai, Spanien, und auch in der BRD fehlt es lieb gewonnenen Großprojekten an InvestorInnen. Freigesetzte WanderarbeiterInnen, zwangsgeräumte HauseigentümerInnen und die zunehmend verarmenden BewohnerInnen marginalisierter Stadtviertel sorgen global für soziale Unruhe. Warum also nicht auch: eine Krise der Stadt? Oder besser, des aktuell vorherrschenden Modells kapitalistischer Stadtentwicklung – der "Neoliberalen Stadt"!

Seit einiger Zeit wird die Neoliberale Stadt von verschiedensten Bewegungen, Initiativen und Protesten massiv in Frage gestellt. Das stadtpolitische Modell der neoliberalen Stadt hat sozial und politisch versagt. Es fördert sozialräumliche Ungleichheit und mindert Partizipationsmöglichkeiten. Widerstand gegen Großprojekte, Verteidigung und neue Aneignung von städtischen Freiräumen, Proteste und Initiativen gegen rassistische, soziale oder (hetero-)sexistische Ausgrenzung, gegen Privatisierung, und Überwachung oder die "Aufwertung" von Stadtvierteln (Gentrification) sind überall zu finden -- es ist Zeit, das von der Wirtschaftskrise angeschlagene Unternehmen Stadt zu kapern!"
Janusz schrieb am 18.11.2009 um 09:32
Liebe Jayne,

danke für die BUKO-Infos. Leider komme ich jetzt nicht dazu mir sie richtig anzugucken. Das werde ich heute abend nachholen!

Nach einem ersten Überfliegen stellt sich mir die Frage, wie eine "soziale und radikaldemokratische Wohnungspolitik" aussehen kann?
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 08:35
zu volk fällt mir ein: in x-berg haben wir nun ein haus, in welchem wohnungseigentümer ihr auto mittels fahrstuhl gleich neben ihrer butze abparken können.... da zu wohnen macht nur sinn, wenn mit auto. wer mangels auto (und knete) da nicht wohnen kann, gehört zum "fußvolk"?
Janusz schrieb am 18.11.2009 um 09:34
Stimmt von dem Haus habe ich auch schon gehört. Was ist daraus eigentlich geworden? Meine letzte Info war, dass es mehrfach Ziel von "Angriffen" war.

Was ist das passiert? Und anknüpfend an das Thema des Blogs: Rechtfertigt Gentrifizierung sowas?
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 13:01
es steht immer noch... die angegriffene außenwand ist (seit geraumer weile) frisch verputzt ... der wachschutz sitzt in ner butze vor dem haus und langweilt sich ... bewohnt - von menschen und/oder autos - ist es meines wissens immer noch nicht ... demo-routen werden - rein vorsorglich! - weiträumig um diese ecke herumgeführt ...
und heute abend findet im taz-café ein abend zu "gentrifizierung" statt.
SexPower schrieb am 18.11.2009 um 09:07
Hi Janusz,

vielleicht fällt es Dir erst so stark auf, seitdem Du "Ex-Berliner" bist ...

Dieses Land, das zum allergrößten (und besten :-)) Teil nicht in den Stadtgrenzen von Bln. stattfindet, sondern z.B. in HH, Ffm., Köln, Mnch. usw., schaut immer wieder spöttisch auf den Bln. "Lokalpatriotismus" und wundert sich über so viel "Kleinkariertheit" einer "Weltstadt" :-)

Nein, nein ... kein Bln.-Bashing! Das hängt mir auch längst zum Halse heraus; nur ein Vorschlag:
Warum solche "Problemchen" zwischen Ureinwohnern und Fremden nicht in einem Stadtteilblättchen abhandeln?

Warum sollte "uns", die wir sehr gerne nicht in Bln. leben, Stadt-Internas interessieren (und damit meine ich jetzt ausdrücklich nicht Dich, lieber Janusz! Dein Beitrag war angemessen und in milde Ironie verpackt).

Ich habe es schon an anderer Stelle geschrieben:
Sollte ich (bedingt auch durch meinen italienischen Lebenspartner und unsere Freunde) "morgen" in Rom, Pescara, New York, San Francisco oder Tel Aviv leben ... ich würde zurechtkommen, mich anpassen aber nicht aufgeben. So what?

SexPower

P.S. Könnte "der Freitag" nicht eine Lokalausgabe Bln. herausbringen, die uns andere (die riesige Mehrheit :-)) mit diesem kleinkartierten Bln.-Kram verschont? Und auch dieser "Spott" ging nicht gegen Dich, Janusz!
Janusz schrieb am 18.11.2009 um 09:43
Ein Lokalteil Berlin? :-) Hmm ich glaube das wird nichts.

Aber gibt es nicht ähnliche Dinge in anderen Städten? Rocko Schamonis Kampf gegen Gentrifizierung in St. Pauli fällt mir da ein. Und FFM-Bockenheim und Westend. Vielleicht doch kein Berliner Phänomen?
Dennoch, da hast du Recht, aus der Distanz am Besten mit einer gewissen Coolness zu betrachten.
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 13:09
huhu sexpower!
gerade aus wessi-land zurückgekehrt, muß ich einfach mal sagen: diese wessis haben schon nen merkwürdigen blick, auf Berlin, und auf den osten auch.
so wie mir in der darmstädter schule der nationalsozialismus als einer vermittelt wurde, der in Berlin stattgefunden habe - aber doch nicht bei uns! - so scheint es aus der wessi-perspektive gentrifizierung ein berliner lokalproblem zu sein ... dabei findet so was auch in Pnom Phen statt! und ja, Janusz, in FFM hieß das damals 'häuserkampf im Westend' (lang lang ist's her! - wirklich?)

und weißte, sexpower, Tel-Aviv - nein danke! Jerusalem ist mir allemal lieber! da gibt es 'so was' übrigens auch...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.11.2009 um 19:24
Also, da muss ich mal sagen, so als Dorfbengel, dieser Stadtzentrismus, also der nervt total. Könnt Ihr nicht ne Dorfbeilage machen?

Nee, nee, ich such keine Frau!
scholle schrieb am 18.11.2009 um 12:31
Auf die Frage was, dieses Plakat bewirken soll:

www.fensterzumhof.eu/3359/prenzlauer-berg-zugezogenen-bashing-geht-wieder-los/

Eine Debatte, längst überfällig, leider auch zu spät.

Alles mehr auch in der Tagespresse der Hauptstadt.
Magda schrieb am 18.11.2009 um 12:41
Ach, ich finde es richtig gut, wenn man Differenzen auch beim Namen nennt.

Ich gehe heute abend mal wieder in die "Herbstlaube", die ihren Sitz in der Dunckerstraße hat. Ich finde schon, dass sich dort ein anderes Volk tummelt, als anderswo. Und wenn ich dann die versonnen nebeneinander auf dem Fußsteig radelnden Muttis erlebe, die - ohne sich irgendwie um andere Fußgänger zu kümmern - das Leben durchnehmen, dann ärgere mich.
Immerhin: Die haben Vertrauen in die menschliche Güte. Die vertrauen fest darauf, dass man Platz macht, die gucken immer so, als wüssten sie nicht, dass um sie herum auch noch andere Leute sind. Grässlich.

Kürzlich war ich am Wasserturm - da stand eine Fahrradgruppe um einen Reiseführer herum, in touristisch-stylishem outfit und das Wort "Mangelwirtschaft" verließ gerade seinen Mund, wohin ich es ihm gern zurückgestopft hätte, aber - sinnlos.

Ich habe eine Sportfreundin, die aus dem Dreh stammt, die sagt auch immer, sie findet die alle so fürchterlich, so raumgreifend, selbstgewiss, so absolut überzeugt, dass die Welt und Leute nur ihre Kulisse sind, dass ein gewisser Zorn manchmal gerechtfertigt erscheint.

Außerdem: es gibt eine so schöne anmaßende Polemik von dem Volker Herles: "Wir sind kein Volk". Naja, da sagts doch mal einer von westlicher Seite. Und nun sinds eben Plakate von östlicher Seite.

Andererseits - sowas funktioniert immer nur als Gruppenwahrnehmung. Ich habe - dort im Kiez - auch eine sehr nette Bekannte - aus dem Westen. Arbeitet den ganzen Tag, hat so ihre Sorgen, dies und das.
Und die tickt bestimmt anders als ich, aber mit der - so aus der Nähe halte ich die Differenzen prima aus.

www.zeit.de/2007/46/D18-PrenzlauerBerg-46?page=all

Das ist der beste Beitrag dazu den ich bisher gelesen habe. Sehr lustig.

www.youtube.com/watch?v=V9-ltTCuEFU
Und Rainald Grebe über den Szenebezirke
klara schrieb am 18.11.2009 um 19:38
Grebe ist aber kein Ossi ;)

Wie wär's mit Castingallee www.youtube.com/watch?v=CCpczcqScqw
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.11.2009 um 19:56
Grebe singt ja auch nicht über Wessis, sondern über 30jährige Paare, solche, wie sie im Publikum sitzen. Bei dem einen, der nicht lachen konnte, scheint ein Prozess der Selbsterkenntnis in Gang gekommen zu sein. Kunst kann etwas bewirken!!!
Mona schrieb am 18.11.2009 um 12:47
"Oder ist das alles gar nicht so wild? Das war eigentlich auch mein erster Gedanke. Lass sie doch hängen! Also die Plakate..."

So ungefähr sehe ich das auch.

Finde den Spruch grundsätzlich nicht besonders treffend, da in der Knappheit ja nicht klar werden kann, wer eigentlich "wir" und "ihr" überhaupt sein sollen. So einfach ist es ja nun mal nicht mit dem komplexen Vorgang der Gentrifizierung.

Gleichwohl ist es meiner Ansicht nach schön, dass die Plakate mal wieder zu einer Diskussion des Problems anregen - das sich ja tatsächlich nicht auf Berlin beschränkt, auch wenn es sich dort natürlich sehr gut studieren lässt. Wie Jayne schon schrieb - Stadtentwicklung an den Bewohnern vorbei, mit der Folge, dass diese letztlich für so einfache Erklärungsmuster ("wir" hier unten, die von "euch" da oben verachtet und verdrängt werden .. oder so) erst recht empfänglich sind.

Dass Kommunen durchaus andere Aktionsmöglichkeiten haben, zeigt das Beispiel Leipzig - sicherlich begünstigt dadurch, dass finanzstarke Privatinvestoren dort wohl kaum so sehr Schlange stehen wie in der Metropole:

www.brandeins.de/archiv/magazin/stadt/artikel/ausbau-ost.html

Finde ich spannend, mal sehen, wohin sich das entwickelt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.11.2009 um 19:31
Der Original-Spruch von 1990, jedenfalls nach-neun-elf-neunundachtzig, lautete: "Wir sind ein Volk! - Wir auch!" Und war eine schöne, furztrockene Wessi-Replik auf den plötzlich erwachten Deutschvaterlandsstolz der Ossis.

Ich habe mich nie dafür bedankt, ihr Wessis, und möchte das jetzt, 20 Jahre danach, gerne nachholen: DANKE!
Holger Hutt schrieb am 18.11.2009 um 14:41
Würde sich das Problem wirklich allein auf den Brezelberg beschränken, wäre ihm ja mit einer Neuauflage des berühmten Antischwabistischen Schutzwalls beizukommen, aber diese Schwaben machen sich ja überall breit – es handelt sich um ein globales Phänomen, eine Verschwörung zur Erringung der Weltherrschaft (siehe Die Protokolle der Weisen von Tübingen)!!!
Hier ein schockierender Bericht über das ganze Ausmaß des Schreckens:
jungle-world.com/artikel/2007/51/20875.html
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.11.2009 um 19:34
Davon kann ich auch ein Lied singen: der sich auf jede ausgeschriebene Professorenstelle, meist auf mehrere gleichzeitig, eifrig bewerbende schwäbische Hochschulabsolvent.
Janusz schrieb am 19.11.2009 um 08:50
»Vo Bêblenga et, abbr vo Sendlfenga!«

Der Jungle-World-Text über die Weltherrschaft der Schwaben ist der Hammer. Eine gute Idee mit dem Thema umzugehen. Lustig, aber beißend.
SexPower schrieb am 19.11.2009 um 14:03
@Holger Hutt

Zum "ganzen Ausmaß des Schreckens" und dem von Dir verlinkten "jungle-world" Text:

---------------

Achtung Ironie:

Ich habe mir erzählen lassen und nachgelesen, einige Zeit vor meiner Geburt bildeten sich Menschen in unserem schönen Land ein, sie würden von einer verschworenen Minderheit von Menschen heimlich beherrscht. Das war praktisch für die kleine beschränkte Weltsicht, so musste man nicht über eigene Defizite nachdenken und konnte alles, was einem an "Ungerechtigkeiten" widerfuhr (z.B. Arbeitslosigkeit usw.) genauso diesen "Verschwörern" anlasten, wie auch gleich noch die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen. So eine Verschwörung ließ sich die unterdrückte Mehrheit natürlich nicht lange gefallen und man entledigte sich dieser "cleveren" und "verschworenen" Minderheit.

Ironie Ende

--------------

Lieber Holger Hutt, Sie meinen vielleicht ich würde überreagieren? Das glaube ich nicht, schließlich nehme ich den "jungle-world" Artikel (noch) mit Humor, allerdings weiß ich auch wie schnell Vorurteile sich zu lebensbedrohenden Stigmata wandeln können (die Schwaben, als Minderheit, habe ich da natürlich eher nicht als potenzielle Opfer im Blick, sie dienen nur als Beispiel, das nicht von mir gewählt wurde).

Unter meinem dortigen Avatar Blogger habe ich in einem anderen Online-Portal eine Glosse über Verschwörungsängste geschrieben (Kommentar # 82), Link: community.zeit.de/user/loki45/beitrag/2009/11/09/give-doitsch-schangse?page=8

Gruß
SP
SexPower schrieb am 19.11.2009 um 14:36
Sch... Technik!!!

Liebe Redaktion, den ersten Kommentar hatte ich online geschrieben, als ich ihn posten wollte, verschwand er im Nirgendwo. Aus dem Gedächtnis habe ich den Text dann offline rekapituliert und gepostet. Wo kommt denn jetzt bitteschön die erste Version plötzlich her?

SP
Janusz schrieb am 19.11.2009 um 19:32
Lieber Sexpower, ich habe deinen zweiten Kommentar gelöscht. Tut mir leid, dass du es zweimal posten musstest. Da ich das Phänomen nicht kenne, sage ich einfach mal: Das war ein Wunder der Technik.

Zum Inhalt: Ich hab den Schwabentext als Parodie auf den verwirrten Schwabenhass aufgefasst. Das ohnehin Absurde auf die Spitze getrieben.
Rahab schrieb am 18.11.2009 um 17:26
amasO schrieb am 22.11.2009 um 12:38
Ich kann dieses Gejammer der PB-Neu-Bewohner nicht mehr hören. Ob man das "Wir-sind-ein-Volk..."-Plakat nun toll findet oder nicht - originell ist es allemal (und leider spiegelt es auch die Wahrheit wieder). Vielleicht sollte man sich mal die Frage stellen, warum z.B. der Stadtbezirk Prenzlauer Berg diese Entwicklung durchgemacht hat. Die Neu-Bewohner sind doch nicht vor Jahren dort hingezogen, weil es dort so schicke Luxuswohnungen gab. Nein, es war die Subkultur, die sich dort vor und noch kurz nach der Wende entwicklet hatte, die von den "Ur-"Einwohnern meist unter großem persönlichen Einsatz geschaffen wurde. Es muß auch nicht vorrangig eine Ost-West-Problematik sein, sondern eher mangelnde Integrationsfähigkeit mancher Zugezogener, verbunden mit der Ahnungslosigkeit oder gar dem nicht vorhandenem Willen, sich mit der Arbeit derjenigen auseinanderzusetzen, in deren Nest sie sich jetzt setzen.

Noch eine Ergänzung zu Deiner Schilderung, Rahab: Da war Dein "Erlebnis" in Darmstadt schon fortschrittlich! Ich mußte (beruflich bedingt) 12 Jahre in Wessi-Land wohnen, davon 7 Jahre im Rhein-Main-Gebiet. Dort wurde übrigens an einer anderen Schule das Thema "Nationalsozialismus" überhaupt nicht behandelt! Armes Deutschland!!!
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