Jakob Augstein

der Freitag

10.11.2011 | 20:08

Die Sparschweinerei

S.P.O.N. - Im Zweifel links Die Sparschweinerei

Von Jakob Augstein


Vorsicht! Die Finanzkrise hat den Neoliberalismus nicht umgebracht - im Gegenteil. Trotz entgrenzter Märkte hat die irre Ideologie vom schwachen Staat überlebt. Und Merkel-Deutschland trägt die Verantwortung.

Info

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hat gesagt, dass der Fall der Wall Street für den Marktfundamentalismus das gewesen sei, was der Fall der Mauer für den Kommunismus war: "Er zeigt, dass der Weg dieser Wirtschaftsordnung nicht gangbar ist." Die Frage ist, ob das alle mitbekommen haben. Der Kommunismus ist mausetot. Aber der Marktfundamentalismus ist gerade dabei, sich von seinem Treppensturz im Jahr 2008 zu erholen. Seine Ersthelfer muss man nicht in London oder New York suchen. Sie sitzen im Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1.

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Kommentare
Rosa Sconto schrieb am 10.11.2011 um 20:30
Das sehen "andere" aber schon anders. Da ist bis jetzt niemand aufgestanden. Die momentan auftretenden Kräfte haben sich verselbstständigt. Aber wenn jemand wie Jon Snow schon mit den Zähnen klappert wird's scheinbar wirklich eng.
Streifzug schrieb am 10.11.2011 um 21:16
Oha, werden dem Freitag die Glöckchen geläutet?

Smilie by GreenSmilies.com

Ich antworte dann mal in dev/null...
Calvani schrieb am 10.11.2011 um 21:34
Hier beim Freitag werden Glocken geläutet und Eier und Penisse gezeigt - es ist also für jeden etwas dabei.
Jakob Augstein schrieb am 10.11.2011 um 21:44
Ach Schnickschnackschnuck! Man muss nicht immer glauben, das Gras wachsen zu hören, oder?

Ich fand nur, dass dieser Text schön Freitag-like war, eben gar nicht "irgendwie links" sondern so richtig.
Der müsste sogar den Nachdenkseiten-Test für ordentliche Gesinnung passieren.
Kandidat für die Jens-Berger-Gedenkmedaille.
Dachte ich. Und da habe ich ihn hier mal angeteasert, wie man neudeutsch sagt.

Mehr steckt eigentlich nicht dahinter.

(Als disclaimer, für andere Leser als Streifzug - der versteht es schon richtig, aber sonst kann man kann ja nie wissen: Die oben stehenden Bemerkungen sind ironisch gemeint - gerne googlen, falls nötig - oder sogar selbstironisch ...)
ed2murrow schrieb am 10.11.2011 um 21:50
Kann man selbstironisch googlen?
Calvani schrieb am 10.11.2011 um 21:55
Oh, jetzt wird hier mal wieder von Männern die Welt erklärt. Heute: Ironie.
Mädels, holt den Sekt und die Chips, das wird lustig!
ed2murrow schrieb am 10.11.2011 um 22:06
Selbstironie. Von Männern. Davon verstehen Sie nix, aber sowas von ...
GeroSteiner schrieb am 10.11.2011 um 23:01
@Calvani
Alles läßt sich erklären, nur nicht allen, denn:
Einfache Dinge werden manchmal sehr kompliziert
wenn man sie Mädels zu erklären versucht.

Ach ja: Schick die Chauvi-Plakette des Monats an Jan Jasper Kosok, der leitet sie dann an mich weiter.
Joachim Petrick schrieb am 10.11.2011 um 23:14
@Jakob Augstein

"Mehr steckt eigentlich nicht dahinter."

Aber Hallo JA!,
so eine politische Benchmarke, wie Angela Merkel, die europaweit Menschen, willentlich unwillentlich, angefeuert, auf die Strasse, Tahir Plätze treibt, können wir doch hier in Deutschland nicht, wie Magda schwesterlich empfiehlt, marginalisierend, unbeachtet, verkommen lassen!, oder?
Calvani schrieb am 11.11.2011 um 01:21
Ach, eddie2murrow, von Männern verstehe ich eine ganze Menge... vielleicht stimmt ja doch, was hier schon so oft vermutet wurde, und ich bin selbst einer?

Gero, das ist eine tolle Idee! Statt "Macho des Monats" wie bei der Emma könnten wir regelmäßig den "Macho des Freitags" küren. Du müsstest dich aber noch ein bisschen gedulden, denn die erste Auszeichnung dieser Art ginge natürlich an Augstein, die zweite an Eddie und erst dann wärst du dran.
Hehe!
Calvani schrieb am 11.11.2011 um 01:27
Ich meinte natürlich "Pascha des Monats"... es ist schon spät!
weinsztein schrieb am 11.11.2011 um 02:53
Stimmt, von Männern versteht Calvani jede Menge, sie versteht sogar mich.
Joachim Petrick schrieb am 11.11.2011 um 03:01
@weinsztein

Biste sicher, dass Du ein Mann bist?
Joachim Petrick schrieb am 11.11.2011 um 03:01
@weinsztein

Biste sicher, dass Du ein Mann bist?
Joachim Petrick schrieb am 11.11.2011 um 03:02
@weinsztein

Biste sicher, dass Du ein Mann bist, warst Du nicht bisher als bloggende Frau unterwegs?
Calvani schrieb am 11.11.2011 um 03:24
Weinsztein ist der Blogger aus dem Morgenland mit dem magischen Flokati und dem geheimnisumwitterten Kochlöffel. Und falls Sie, Joachim, meinen, über kulinarische Themen könnten nur Frauen bloggen, dann sind Sie der nächste Kandidat für den "Macho des Freitags"-Award.
Joachim Petrick schrieb am 11.11.2011 um 03:35
@Calvani

Danke für die erhellende "Weinsztein Flüsterei"

"und falls Sie, Joachim, meinen, über kulinarische Themen könnten nur Frauen bloggen, dann sind Sie der nächste Kandidat für den "Macho des Freitags"-Award."

Meine ich zwar nicht,
aber auf jeden Fall der Fälle bestehe ich auf den Pascha an des Macho Freitags Stelle.

Soviel Platz muss sein
Joachim Petrick schrieb am 11.11.2011 um 03:35
@Calvani

Danke für die erhellende "Weinsztein Flüsterei"

"nd falls Sie, Joachim, meinen, über kulinarische Themen könnten nur Frauen bloggen, dann sind Sie der nächste Kandidat für den "Macho des Freitags"-Award."

Meine ich zwar nicht,
aber auf jeden Fall der Fälle bestehe ich auf den Pascha an des Macho Freitags Stelle.

Soviel Platz muss sein
Joachim Petrick schrieb am 11.11.2011 um 03:36
@Calvani

Danke für die erhellende "Weinsztein Flüsterei"
Das haben Sie hübsch erläutert!

"Und falls Sie, Joachim, meinen, über kulinarische Themen könnten nur Frauen bloggen, dann sind Sie der nächste Kandidat für den "Macho des Freitags"-Award."

Meine ich zwar nicht,
aber auf jeden Fall der Fälle bestehe ich auf den Pascha an des Macho Freitags Stelle.

Soviel Platz muss sein
Joachim Petrick schrieb am 11.11.2011 um 03:36
@Calvani

Danke für die erhellende "Weinsztein Flüsterei"
Das haben Sie hübsch erläutert!

"Und falls Sie, Joachim, meinen, über kulinarische Themen könnten nur Frauen bloggen, dann sind Sie der nächste Kandidat für den "Macho des Freitags"-Award."

Meine ich zwar nicht,
aber auf jeden Fall der Fälle bestehe ich auf den Pascha an des Macho Freitags Stelle.

Soviel Platz muss sein
Joachim Petrick schrieb am 11.11.2011 um 03:36
@Calvani

Danke für die erhellende "Weinsztein Flüsterei"
Das haben Sie hübsch erläutert!

"Und falls Sie, Joachim, meinen, über kulinarische Themen könnten nur Frauen bloggen, dann sind Sie der nächste Kandidat für den "Macho des Freitags"-Award."

Meine ich zwar nicht,
aber auf jeden Fall der Fälle bestehe ich auf den Pascha an des Macho Freitags Stelle.

Soviel Platz muss sein
weinsztein schrieb am 11.11.2011 um 04:47
Sehr geschätzter @Joachim Petrick,

danke für Ihre Aufmerksamkeit und der Nachfrage nach meinem Geschlecht. Bitte verstehen Sie mich richtig und nicht falsch. Ich bin nicht interessiert und bitte, von Avancen jedweder Art abzusehen.

Wenngleich Ihr "auf jeden Fall der Fälle bestehe ich auf den Pascha an des Macho Freitags Stelle" Verlockungen verheißt, durchaus betörende.

Herzlichst
Fräulein weinsztein
(die süße kleine Kochfee)
Streifzug schrieb am 11.11.2011 um 11:00
...
na gut,
Smilie by GreenSmilies.com
dann weiter im Text
...
Smilie by GreenSmilies.com
poor on ruhr schrieb am 10.11.2011 um 21:32
Das Blog spricht mich sehr an. Eine vollkommen zutreffende Beschreibung, von dem was leider ist. Die Krise der FDP ist nicht die Krise des Neoliberalismus, sofern dieser Begriff die Dimensionen des derzeit herrschenden Marktradikalismus überhaupt noch zutreffend beschreibt.
Magda schrieb am 10.11.2011 um 21:32
Ach Mensch, "Merkel-Deutschland". Das liest sich sehr feindselig,erinnert mich an eine andere Wendung aus einer anderen Zeit. Wenn das so einfach wäre. Ein gewisser Schröder hat da mächtig dran gedreht und nicht nur der.

Sie stellen doch immer fest, dass Merkel selbst gar keine eigene innere Programmatik hat. Wer bläst ihr das denn dann immer ein?

Mal ist sie nur ein Medium, mal ist sie eine böse neoliberale Aktivistin. Mich erinnert das an den Urban Priol, der auch schon von seinem Partner in der "Anstalt" angemahnt wird, nicht immer nur die Merkel kabarettistisch zu attackieren.

Kurzerhand - mir ist das mit Merkel schlichtweg zu einfach.

Aber ich verstehe, dass der Mensch ein Feindbild braucht. Meines ist dieser merkwürdige Rottweiler - dieser Arbeitgeberpräsident Hundt. Ich sage dann immer Hundt-Deutschland. Aber ich meine das mehr so ironisch.
GeroSteiner schrieb am 10.11.2011 um 22:49
Hundt? Ich schrieb es bereits irgendwo in einem Blog im Freitag schon mal, was das heißt, wenn man auf den Hundt gekommen ist.
Das ist, nach eigenem Verständnis, einer von diesen Eliten, die die Drecksarbeit dirigieren, aber sich selbst nicht die Finger schmutzig machen und dann von Wertschöpfungskette faseln, als ob es die Nahrungskette wäre, an deren Ende sie selber stehen.

Dieses Ende der Wertschöpfungskette produziert selbst keine Werte für die Gesellschaft, sondern profitiert von den Werten, die von ihren Mitarbeitern in der Wertschöpfungskette produziert werden.

Das Ende der Wertschöpfungskette fährt teure Autos, trinkt teure Weine und macht Urlaub in St. Tropez auf der eigenen Yacht, die Mitarbeiter oder Verlierer, die nach dem Verständnis von Hundt, sofern fleißig, folgsam und mit gutem Benehmen, immerhin die Gewinner der zweiten Kategorie sind, bekommen eine Belobigung und einen Tag Sonderurlaub.

So etwas können doch bloß Linke ungerecht finden.
Popkontext schrieb am 11.11.2011 um 01:41
Worte wie "Sparschweinerei" und "Merkel-Deutschland" sollen wohl auch Ironie sein, unangekündigte ohne Warnhinweis für den gemeinen Freitags-Leser, oder sonst führen die Augstein-Teaser demnächst alle hier hin.
Magda schrieb am 11.11.2011 um 09:20
Da wo Du verlinkst, habe ich u.a. gerade gelesen, dass Tony Marshall schuldenfrei ist. War also ein sehr sachdienlicher Link.
Joachim Petrick schrieb am 10.11.2011 um 23:00
@Jakob Augstein

"Vorsicht! Die Finanzkrise hat den Neoliberalismus nicht umgebracht - im Gegenteil. Trotz entgrenzter Märkte hat die irre Ideologie vom schwachen Staat überlebt. Und Merkel-Deutschland trägt die Verantwortung."

Da rteffen Sie den Nagel auf den Kopf und untertreiben noch dabei.
Sitzt doch der Neoliberalismus dermaßen auf Staatsschuldenbasis per Rettungsfond nach oben gehebelt, angeschnallt fest im Sattel, dass der Neoliberalismus, wie Gott in Frankreich, gar keine Propaganda in seiner anrüchigen Sache mehr anstrengen muss.

Dazu eine kleine "Fragende Erzählung":

"Wenn ich mit 25% Eigenkapital ein Haus baue, und die Bank mein Geld auf 100% "hebelt", ist das nun besser oder schlechter als der Hebel des Euro Rettungsfonds? "

Ganz abgesehen davon, dass u. a. Bausparkassen ein angespartes Eigenkapital von über 40, gar 60 % für die Bewilligung von Baudarlehen verlangen, ist das sogenannte Eigenkapital des Euro Rettungsfond kein Eigenkapital im eigentlichen Sinne, sondern selber, bereits kreditgeschöpft, gepumpt, auf der Hohen Kante gebunkerten Steuergeldes, das anderweitig für notwendig staatliche Investitionen und zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung steht.

Der Hebel für den Euro Rettungsfond hebelt dagegen, anders als im beschriebenen Hausbau Fall, nicht als Rücklage angespartes Geld, sondern hebelt bereits aufgenommene Staatsschulden zu Lasten der wirtschaftlichen Gestaltungskraft der Politik in Bund, Ländern, Euroland uund der ganzen Welt, voran in Griechenland, vor allem aber jetzt in den wirtschaftlich darbenden Ländern der Arabellion, Haiti, Somalia, Kongo, Nordafrika.......

Nicht nur zu Lasten der Staatshaushalte der Euro Staaten, sondern anderer Staaten in Europa, wird jetzt der Euro über den Rettungsfond währungspolitisch in einem Umfeld allgemeiner Abwertungen von Währungen wie nur noch der Schweizer Franken hochgehalten, um das Vermögen der 2 % Reichen in Euroland, zu Lande, zu Wasser, Ressourcen, in der Luft auf dem höchsten Bewertungstand aller Zeiten zu halten.

Das ist "Sparschweinerei" in politischer Rheinkultur,
aber nicht nur,
sondern eine Regierungsangelegenheit, die unter den Anfangsverdacht der Veruntreuung von Steuergeldern zu Lasten der Wirtschaft Europas und der Mehrheit seiner Bevölkerung gehört.
GeroSteiner schrieb am 10.11.2011 um 23:21
Erfrischender Beitrag.

Der Kernsatz für mich:
"Aber Merkel fällt nur das Sparen ein. Darin versteckt sich der neoliberale Reflex der Staatsfeindlichkeit. Ein Übermaß an Ausgaben sei das Problem, während es in Wahrheit in einem Mangel an Steuerung liegt."

Das ist der gleiche Reflex, der Unternehmensführer heimsucht, deren EBIT gerade wegbricht.
Da werden Kosten gespart, was das Zeug hält und jeder vergisst in einem Anfall geistiger Umnachtung, dass
Gewinn = Menge x Preis - Kosten
ist.
Die Multiplikatoren und damit die wahren "Hebel" für den Gewinn sind die Menge und der Preis, während die Kosten nur ein additives Glied in der Gleichung sind. Kosten sparen geht immer - und wenn man nur die Mitarbeiter rausschmeißt, was ja politisch korrekt heute "freisetzen" oder "dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen" heißt.
Der andere Weg, Menge und Preis zu steigern ist schwierig und unsicher, also lässt man von vornherein die Finger davon.

Sparen ist wie eine Diät.
Im Falle des Staates ist das auch nicht Sparen sondern ein Verzicht. Ist der Patient fett, eine durchaus sinnvolle Maßnahme. Ist der Patient aber schon krank und abgemagert, dann kann eine Diät auch zum Kollaps oder gar zum Tode führen.
langweiler schrieb am 11.11.2011 um 11:32
das Problem welches zu Krisen führt ist doch die Leistungsfähigkeit. immer mehr rausholen. aus allem. aus der Erde/Natur mit anderen Bearbeitungsmöglichkeiten, Dünger, Genmanipulationssch..., Monokulturen, Raubau an der Natur usw. nach dem Motto; nach uns die Sinnflut.
aus dem Menschen: Maschinen, Verlängerung Arbeitszeit, Verringerung Löhne(Armutslöhne bzw. Lohnsubvention durch Stadt (Hatz 4), Verhinderung bzw. Etablierung arbeitsrechtl. Besserstellung Betriebsräte/ Gewerkschaften, (Kinderarbeit, Frauenarbeit), Kostenreduzierung Verringerung Sozialabgaben.
aus dem Kapital durch Finanzmarktprodukte (Derivate, Leerverkäufe, Hebel, Geldschoepfung der ZB) nicht rückgebunden an irgendeinen realen Wert sind. Kapitalmarkteilnehmer die in ihrem Sinne rational handeln aber irrational sind (Ratingagenturen, Ver -Käufer, usw. und ihr handeln

Leistung ist nicht per se schlecht, aber sie muss sich in einem bestimmten Maß befinden und nicht zu Lasten anderer geschehen (Natur und Mensch). Die Leistung einer Gesellschaft bzw. deren Mitglieder muss anders bemessen werden.

Die einen habens und die anderen müssen Sparen bzw. kürzen (Sozialabbau) und wiederum andere verschulden sich. Wie soll das nur weitergehen?

Ob Krieg oder Krisen ..... "Langfristig sind wir alle tot"

älteres Video mit Dirk Müller und Sarah Wagenknecht in der Phoenix Runde

GeroSteiner schrieb am 10.11.2011 um 23:43
Nachschlag.
Austerität: Wirtschaftssklaventum auf Kosten der Allgemeinheit zum Wohl einer elitären Gruppe von Bankstern, vornehmlich in kombination mit dem IWF, die ihren eigenen Papiergeldreichtum am Derivatemarkt aus Leerverkäufen schufen.
Lukasz Szopa schrieb am 11.11.2011 um 16:10
Ich stimme zu - Sparen darf nicht der einzige Lösungsvorschlag für die derzeitigen Probleme sein. Wobei - da stimme ich wieder nicht zu - es gibt durchaus ein staatliches Problem der Schulden. Und zwar nicht erst jetzt - wo kaum einer (oder wenn, dann über eine hohe Rendite) die Staatsveschuldung finanzieren möchte. Es ist ein Problem seit mindestens den 70er Jahren, ob in Europa oder USA, dass Staaten mehr ausgeben als einnehmen. Diese Politik war bisher weder "rechts" noch "links", gemacht wurde es sowohl von Brand & Schmidt, wie auch von Reagan oder Kohl. Die Frage war "nur" - für wen man mehr ausgibt als man hat: für Verteidigung z.B. oder für "Soziales".
Die richtige Lösung wäre sowohl Sparen als auch mehr Einnehmen - über Steuern. Ob ESt oder Vermögenststeuer. Es gibt durchaus in einem Staat bereiche, nicht nur in Griechenland, wo man sinnvoll sparen sollte. Aber auch mehr einnehmen. Wie bei einem Unternehmen. Das Problem ist somit nicht "Marktradikalität", denn mit einem "marktwirtschaftlichen" Handeln hat eine solche Politik weniger zu tun. Es war und ist eine Finanzzockerei seitens des Staates, unter dem Motto: Es wird schon gut gehen, wir werden schon "wachsen" (ergo: wir MÜSSEN Wirtschaftswachtum haben), jemand wird schon unsere Staatsanleien kaufen...
Die verschuldeten Staaten sollten durchaus wie ein Unternehmen handeln: teils sparen (Verteidigung, Abbau der Schulden und somit Zinskosten, teils auch im sozialen Bereich), mehr einnehmen, und auch mehr ausgeben (Infrastruktur, Bildung, Umwelt, Schuldentilgung). Ohne eine solche Nachhaltigkeit schrumpfen die Handlungsmöglichkeiten eines Staates: je mehr wir für Schuldendienst ausgeben, desto weniger können wir für andere Bereiche ausgeben.

Was das Demokratiedefizit angeht, stimme ich zu (egal ob im Falle von Bundestagabstimmungen oder dem geplatzen Referendum in Griechenland). Ich würde aber nicht sagen: "mehr Staat", eher "mehr Demokratie", "mehr Mitbestimmung". EU-weit. Mehr EU-Demokratie (EU-Parlament, Volksabstimmungen) und weniger "Merkozy"-Deals und EZB-Diktat ist schön und gut, genügt mittelfristig aber nicht. Europa soll zu einem demokratischen Staat werden, mit einer gemeinsamen Währung und Fiskalpolitik, somit auch einheitlicher Steuerpolitik und Sozialpolitik. Doch am wichtigsten wäre, wenn wir alle und (mindestens) als EU-Bürger verstehen würden, keine "Deutschen" hier oder "Griechen" dort. Gerade in schwierigen Zeiten.
konyhakert schrieb am 11.11.2011 um 18:11
tja gelesen und mit den schultern gezuckt. verkürzte kapitalismus-kritik habe ich neulich als wort dazu gelernt. da würde ich das hinstecken.

aber der frreitag ist ja vielfältig. hier etwas tiefer ausgelotet, die sache mit der krise (und das in der eigenen zeitung):

www.freitag.de/kultur/1144-besiegt-die-zweite-natur
konyhakert schrieb am 11.11.2011 um 18:11
tja gelesen und mit den schultern gezuckt. verkürzte kapitalismus-kritik habe ich neulich als wort dazu gelernt. da würde ich das hinstecken.

aber der frreitag ist ja vielfältig. hier etwas tiefer ausgelotet, die sache mit der krise (und das in der eigenen zeitung):

www.freitag.de/kultur/1144-besiegt-die-zweite-natur
Jakob Augstein
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