14
]
Fortsetzung des 1. Teils
Hören wir dazu Thomas Leif, Gründer und Chef des Netzwerks Recherche:
Allein 2008 zahlte die Bunte fast eine Viertelmillion Euro für die Berliner Detektive, nur um Einzelheiten des Privat- und Intimlebens von Spitzenpolitikern zu erfahren. Mit solchen Dienstleistungen werden übrigens – nicht nur von der Bunten – gezielt externe Mitarbeiter beauftragt, damit diese in einer (il-)legalen Grauzone und unter journalistischem Deckmantel agieren können. Mit der "Mappe" der Detektive werden die Betroffenen dann konfrontiert und zur Mitarbeit für die großen Stories bewegt.
Die dokumentierten Fälle sind aus zwei Gründen lehrreich:
Erstens: Nun kann man sich ein Bild machen, für welche Art von Recherchen Verlage Geld in die Hand nehmen und welche (fiktiven) Themen sie für relevant halten.
Und zweitens: Der Deutsche Presserat kann jetzt nicht mehr seinen Ehrenkodex wie eine Monstranz vor sich her tragen und die offenkundigen Fehlentwicklungen weiter beschweigen. Wenn die dort endsandten Journalistenvertreter von DJV und dju nur einen Funken der Berufsehre retten wollen, MÜSSEN sie sich mit den dokumentierten Fehlentwicklungen intensiv und gründlich beschäftigen und einen genauen Untersuchungsbericht vorlegen. Andernfalls sollten sie das Wort "Ehrenkodex" einfach streichen und auf ihre Sitzungsgelder verzichten.
Und dann hören wir bitte auch Patricia Riekel, die Chefredakteurin der Bunten dazu:
Wenn Sie einen Politiker wählen, der zum Beispiel sagt, ich stehe für ein christlich-soziales Lebensmodell und ich stehe für Familie und die Familie ist mir heilig, und wenn dieser Politiker mit seiner Familie in den Wahlkampf zieht und sagt, schauen Sie mich an, ich bin ein Vorbild, ein Familienvater, ich erfülle diese Pflichten und das ist für mich wichtig, und wenn dieser Politiker nebenbei eine Affäre hat, dann wäre das immer noch nicht für uns von Bedeutung. Wenn aber diese Affäre seit sechs Jahren andauert und in einem Kind gipfelt, dann hat der Wähler das Recht zu sagen, hier ist einer, der zwar dieses Wertesystem predigt, der aber selber nicht danach lebt. Die Moral eines Politikers hat ja durchaus Auswirkungen auch auf seine politischen Entscheidungen und damit auch auf unser aller Leben.
Irgendwie hat Patricia Riekel sogar Recht mit dem, was sie da sagt. Aber glauben Sie ihr darum? Beim Investigativem Journalismus geht es - natürlich auch um Geld. Es ist nur nicht so ganz klar, ob er eher kostet oder eher was bringt.
Es trägt ja zum Nimbus des Investigativen Journalismus bei, dass er im Ruf steht, für die Verlage ein Risiko zu bedeuten. Ein vom Investigativen Journalisten auseinandergenommener Anzeigekunde zieht seine Budgets ab und der Verlag leidet. Einerseits. Andererseits kann das aber dem Image des Mediums sehr nützlich sein. Zweischneidige Sache also.
Manfred Redelfs, Leiter der Recherche-Abteilung von Greenpeace, hat dazu in der "Frankfurter Rundschau" gesagt:
"Schließlich ist der investigative Journalismus aber selbst im Erfolgsfall häufig mit Unannehmlichkeiten für den Verlag oder den Sender verbunden, denn konfliktträchtige Enthüllungen ziehen fast zwangsläufig Ärger mit Anzeigenkunden, Politikern oder Privatleuten nach sich, die sich gegen kritische Veröffentlichungen zu wehren versuchen ... Diesen Schwierigkeiten steht auf der ökonomischen Ebene der Vorteil gegenüber, dass der Recherchejournalismus wie keine andere Form Exklusivberichte hervorbringt und damit im Medienwettbewerb auch Pluspunkte einspielen kann. Der Erfolg des SPIEGEL beruht wesentlich darauf, dass ... er am eindeutigsten mit Aufsehen erregenden Recherchen oder zumindest mit echten Neuigkeiten verbunden wird. Der Mut, in einen Qualitätswettbewerb einzutreten, fehlt aber offenbar den meisten Verlegern und Programmverantwortlichen. Dabei kann die Investition in Recherche sich mittel- und langfristig sehr wohl auszahlen, weil auf diesem Weg ein Renommee und Marktvorteil erarbeitet wird."
So gesehen müsste jeder vernünftige Verlag in den Investigativen Journalismus investieren - weil am Ende das Ergebnis stimmen wird. So wie ja überhaupt immer wieder die Argumentation zu hören ist, dass Journalismus nur aufgrund seiner Qualität überleben wird und für schlechten Journalismus niemand mehr irgendwas zahlen wird.
Das entspricht übrigens auch meiner eigenen Überzeugung. Die Frage ist nur, wieviel man als Verlag gerade noch sparen kann, ohne dass die Leser das bestrafen. Wenn die Margen enger werden, spielt diese Frage eine große Rolle.
Lassen Sie uns noch mal zum Interessenkonflikt zurückkehren: Sie haben ja sicher mitbekommen, dass die Zeit und Gruner & Jahr in das Marktsegment der Kundenmagazine investieren.
Der Spiegel hat neulich ein Interview mit Bernd Buchholz dazu geführt, daraus will ich Ihnen mal was vorlesen:
"SPIEGEL: Nehmen wir an, G + J bastelt für Konzern X ein Kundenblättchen. Da könnten Ihre Redakteure sich fragen, wie sie mit der nächsten Affäre bei X umgehen sollen.
Buchholz: Das hat hier dankenswerterweise noch niemanden von einer investigativen Story abgehalten. So bleibt es auch.
SPIEGEL: Und Sie wurden im Gegenzug noch nie von Vorstandschefs beschimpft?
Buchholz: Die eine oder andere Nachbereitung einer Geschichte hätte sicher erfreulicher verlaufen können. Aber das muss ich dann aushalten, zumal die Kunden einen professionellen Blick haben.
SPIEGEL: Weil die sich gar nicht erst bei einem Chefredakteur aufhalten, sondern gleich bei Ihnen beschweren?
Buchholz: Ha, ha! Nein, weil die auch wissen, dass man sich nette Berichterstattung nicht kaufen kann."
Dieses Gespräch finde ich ganz hübsch. Es ist eine Inszenierung. Von beiden Seiten. Die Spiegel-Kollegen tun so, als sei es sinnvoll diese Fragen zu stellen. Und Buchholz tut so, als beantworte er sie.
Ich habe bislang noch keinen Verantwortlichen eines einigermaßen relevanten Mediums und noch keinen Repräsentanten eines einigermaßen relevanten Verlages erlebt, der freimütig über Versuche wirtschaftlicher Einflussnahme gesprochen hat - und aufrichtig.
Das ist ja auch ein schwieriges Feld. Wenn die Lufthansa einer großen Tageszeitung auf einen Schlag alle Anzeigen entzieht weil die Berichterstattung über den Firmenboss nicht gefiel - dann ist das eine Katastrophe. Was passiert dann im echten Leben? Ich war nie dabei. Ich stelle mir aber vor, dass es - früher, als die Zeiten besser waren - etwa so gelaufen ist:
Der Geschäftsführer informiert den Chefredakteur bei einer routinemäßigen Sitzung oder bei einem ohnehin geplanten Mittagessen oder im Vorübergehen auf dem Gang: Du, wir verlieren gerade 50 000 Euro oder 100 000 Euro oder 500 000 Euro. Was weiß ich. Und dann guckt er ihn ein bisschen länger an als gewöhnlich. Oder hebt die Augenbrauen ein bisschen höher als üblich. Ich denke, das genügt.
Der Chefredakteur bittet dann um einen Termin beim Boss der Lufthansa um etwaige Missverständnisse zu besprechen und zu beheben und informiert - der guten Ordnung halber - den Ressortleiter Wirtschaft darüber. Ich stelle mir vor, dass es früher Zeitungen und Ressortleiter Wirtschaft gegegen hat, bei denen das - nicht gefruchtet hat und die einfach weiter ihren Job gemacht haben. Nicht viele. Aber die entscheidenden, die hat es gegeben. Das ist schon mal eine Menge.
So mag das gelaufen sein, als die Zeiten gut waren.
Heute, da die Zeiten schlechter sind läuft vermutlich anders. Schneller. Der Geschäftsführer ruft den Chefredakteur an und sagt: Euretwegen verlieren wir soundsoviel Euro. Muss das sein? Also bei aller Liebe für eure redaktionelle Unabhängigkeit - aber ist es das wert? Nicht, dass ich euch da reinreden will, ihr müsst nur selber überlegen: Ist es das wert?
Und dann denkt der Chefredakteur vielleicht an die Verantwortung der Belegschaft gegenüber, den Lesern gegenüber, der deutschen Demnokratie gegenüber - was weiß ich - und entscheidet: Nein, die paar Berichte über die Lufthansa sind das nicht wert.
Die Ressortleiter werden sich das auch denken. Vielleicht sogar der einzelne Journalist. Obwohl der immer noch - wie seine seligen Vorväter - von einer Mischung aus Ehrgeiz und Aufklärungsdrang angetrieben werden mag und sich um den Rest der Welt vielleicht wenig schert.
Also, ich bitte Sie zu bedenken: Das ist nur meine Vermutung. Ich habe keine Ahnung, ob es so läuft. Ich halte es für plausibel.
Ich hatte Ihnen am Anfang meine These genannt, dass der Investigative Journalismus als Begriff eine Idealisierung darstellt und eine Überhöhung. Ich bin der Ansicht - aber das können wir nachher mit den Kollegen vom Spiegel besprechen - dass die Recherche verdeckter Vorgänge ein wichtiger aber kein notwendiger Teil der journalistischen Kontrollfunktion im Staat ist. Man wundert sich oft, wieviele Dinge zutage liegen - und es interessiert niemanden. Die größten Rätsel behandeln oft nicht die versteckten Gegenstände - sondern die offenen. Die Steuerpolitik der FDP ist keine Frage der akribischen Recherche - sondern eine des klugen Nachdenkens, des kundigen Analysierens und dann vor allem eine des verständlichen und kämpferischen Aufschreibens.
Wenn ich entscheiden müsste, ob ich einen investigativ arbeitenden Journalisten einstellen sollte oder einen hervorragenden politischen Kommentator würde ich mich für den Kommentator entscheiden. Der Mehrwert ist höher. Nicht der in Geld. Sondern der in Demokratie.
Vielen Dank.
|
|
Nach dem Mythos der Spiegel-Affäre und diversen anderen wie Flick-, Neue-Heimat-, Barschel-Affäre war nach der 'Wiedervereinigung' plötzlich Schluss mit den berühmt-berüchtigten Aufklärungen des Nachrichtenmagazins. Ein Schelm, der darüber spekuliert, dass Markus Wolfs Kundschafter kein Material mehr lieferten?
Jedenfalls dürfte es kein Geheimnis sein, dass die bekannten investigativen Journalisten einen guten Draht zu den staatlichen Schnüfflern hatten und haben. Bob Woodward (Watergate) schildert zum Beispiel ganz offen in seinem Buch 'Geheimcode VEIL : Reagan u.d. geheimen Kriege d. CIA', wie er vor einer Lybienreise von sich aus(!) zur CIA geht und sich dort erkundigt, was er Gaddafi fragen soll. Zum 'investigativen' Spiegel noch: Vom "Sturmgeschütz der Demokratie" zur "Spritzpistole der Angela Merkel". Siehe www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/438829/ Heutzutage gipfelt beim Schlüpfersturmgeschütz der investigative Journalismus darin, Lafontaine und Sahra Wagenknecht eine Bettgeschichte anzuhängen. Auch 'ne 'Spritz'räuberpistole ... |
|
|
es ist viel einfacher investigativen journalismus zu simulieren, als ihn zu betreiben.
nachdem schröder die teilnahme am irakkrieg verweigert hat, gab es auf spon einen artikel über eine 16jährige deutsche, die auf irgend ner farm in den usa war und dort von allen niedergemacht wurde, weil wir deutschen nicht mit in den krieg zogen. das wurde eine seite lang aufgezogen und schlussendlich mit dem fazit versehen, dass solche fälle sicher kein einzelfall wären und sowas überall passieren könnte. es mündete dann darin, wie es auch per überschrift anfing, dass amerika die deutschen hasst und man sein kind ja nicht mehr an irgendwelchen austauschprogrammen teilnehmen lassen sollte, da es dort nur fertig gemacht würde. wie gesagt, unter benennung eines einzelnen falls und vieler vermuteter. solche fälle findet man überall und jederzeit, bei jedem thema. jedesmal kann man aus einem einzelfall einen skandal stricken und es funktioniert. die leute lesen wie blöde spon und das heft verkauft sich auch. wo ist der anreiz für den spiegel, diese kostengünstigere simulation wieder in investigativen journalismus zu ändern? die mediale tendenz ist seit jahren weg von der recherche, hin zur meinung. dabei gibt es zwei modelle. 1. die reine meinung in form eines kommentars. 2. die information, nebst ein paar zahlen als faktisches element und das zitieren von "experten", für die einschätzung. letzten freitag habe ich im handelsblatt einen artikel über die "modifizierte wurzelkonjunktur" gelesen. vom aufmacher her wars eine ökonomische betrachtung auf basis der chemiebranche. vom inhalt her wars eine geile überschrift, ein absatz darüber, dass experten darüber rätseln ob die rezession als V,W oder L verläuft und dann der hinweis, aber die chemiebranche .. modifizierten wurzekonjunktur. danach gab es eine seite lang nur zahlen, die von den zuständigen verbänden und experten kamen, ein paar zitate und es erschöpfte sich darin zu betonen, dass es so laufen könnte. das ganze läuft dann als essay o.ä. mit ökonomie hatte das nichts zu tun. es war einfach nur die wiedergabe von veröffentlichten zahlen und die these in der überschrift. ein musterbeispiel dafür, wie journalismus heute läuft. aber selbst die meinungen, die medial verbreitet gesellschaftliche debatten auslösen könnten, haben absolut gar keinen wert mehr. sie stehen einfach nur da, sie entwickeln sich nicht weiter, sie bilden nicht, sie verkünden nur. schlimmer noch, sie generieren aus ihrem alleinstehenden status heraus nur den zwang noch mehr meinung zu verkünden, damit der stete fluss an meinung nicht offenbart, dass die meinung an sich keinen tiefergehenden wert hat und sich immer nur auf das aktuelle, nie aber auf das big picture beziehen. so hat man jeden tag seine meinungen, aber nichts zur sache. ich halte das gerne genutzte argument des werbeetats übrigens für schwachsinnig. wenn ein großes unternehmen wie die lufthansa unter beschuss steht, dann reagiert es darauf mit einer imagekampagne. anzeigen und spots en masse. das etat wird hochgefahren um die negative presse wieder auszugleichen und die öffentliche wahrnehmung zu besänftigen. könnte man da den spiegel auslassen? ich bezweifel es ernsthaft. und was hindert die presse denn daran mit einer titelseite und stetem öffentlichen druck zu kontern, wenn merkel mal wieder einen journalisten nicht mit auf reisen nimmt, weil der was weniger nettes geschrieben hat? würde sie wirklich wollen, dass im spiegel dann nicht mehr irgendwo mittem im heft,sondern auf der titelseite, darüber berichtet wird wie sie "das personal" in bestem dialekt runtermacht, wenn ihr was nicht passt? ausreden gibt es wahrlich genug... aber schlussendlich reden wir hier auch immer nur von profitorientierten unternehmen und die gehen immer den leichtesten weg. der leichteste weg ist, aus einem bestehenden status heraus, immer der ertragreichste weg und das ist niemals konfrontativ. wenn die medien sich wegen des internets schon so unter druck gesetzt fühlen, dass sie sich im untergang wähnen, während sie gewinne einfahren, dann brauchen wir kaum erwarten, dass sie investigativ wirken. das wäre ein risiko, welches nur mittelfristig auszugleichen ist, da kein anderer mitzieht. die probleme sind also ganz simpel. die lösung ebenso, wenn man den bereich des internets nicht nur als weitere vertriebsplattform begreifen würde, sondern als neu zu gestaltenden raum, der weniger zwängen unterliegt. zumindest dann, wenn man damit ohnehin keine gewinne einfährt. weniger simpel wäre es, wenn man das als gesellschaftliches problem ansieht, denn der leser duldet es. zwar immer weniger, aber es reicht noch. was würde aber passieren, wenn diese gemengelage an ausreden dazu führt, dass ich als leser werbung immer weniger als kundeninformation wahrnehme sondern als aushängeschild von abhängigkeiten? wenn ich denke, dass lufthansawerbung im spiegel mir nur noch zeigt, dass die lufthansa den spiegel dafür bezahlt, dass er keine bösen artikel mehr über die lufthansa schreibt? dann bin ich a) weniger bereit den spiegel zu lesen und b) die lufthansa aufgrund der sinkenden leserzahlen weniger bereit dort werbung zu machen, die über das basis-bestechnungssalär hinausgeht. wie man in JA seinen ausführungen sieht, glaubt er scheinbar, dass das kommentieren eines politischen vorgangs mehr die demokratie fördert als das aufbereiten von fakten die der diskussion dienen. sind wir wirklich noch in einem zeitalter, in dem fakten weniger zählen als der kommentar zu einem vorgang? wenn wir über journalistische arbeit reden, für man auch gerne zahlt, dann kann diese arbeit mE nur darin bestehen, dass journalisten fakten zusammentragen und sich dann ggf. an der diskussion darüber beteiligen. das wäre eine arbeit, die dem gerecht würde, was man mit dem internet anstellen kann. und ja, investigativer journalismus ist für mich auch, wenn man einfach nur die fakten aus verschiedensten datenbanken zusammenträgt, damit die gesellschaftliche diskussion darüber auf dieser grundlage geführt werden kann. der journalist hat doch keine wertungshoheit und es ist nahezu unabdinglich, dass fakten von meinungen getrennt sind. nur so können aussenstehende sich ihre meinung sauber bilden. es ist nicht die aufgabe des lesers, einen artikel dahingehend zu zerfleddern, was fakt und was fiktion/meinung ist. zugegebenermaßen wäre ich aber auch sehr gerne in der position, dass mich jemand dafür bezahlt, dass ich eine politische meinung habe und diese kundtue. es ist nur abstrus in der vorstellung, für die teilnahme an einer gesellschaft bezahlt zu werden. und das auch noch als gottgegeben anzusehen. meinung ist teilhabe, information ist dienstleistung. mfg mh |
|
|
<<
nachdem schröder die teilnahme am irakkrieg verweigert hat, >> Mittlerweile wissen wir, dass das gar nicht stimmte. Es gab zwei BND Leute, die den Amerikaners gesagt haben, wohin sie nicht schiessen sollen. Womit sie im Umkehrschluss usw. Alles ist wahr und auch das Gegenteil. Oder wie Felix Droese als Reaktion auf eine Kampagne von Eduscho sagte: Alles Luege. |
|
|
Wenn die "moralische Integrität" einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens mit Vorbildfunktion überprüft werden soll, reichen in der Regel vorliegende Daten und Fakten bereits aus, um "kritisch" werten und kommentieren zu können. Treten Informationslücken auf, ist "kritisches Recherchieren" und Nachhaken angesagt.
Investigativer Journalismus ist aufwendig und langwierig. Er muss von sachkompetenter Seite aus betrieben werden. (An Sprachen, Spezialwissen, interkulturellen Verhältnissen scheitert einiges.) Erwartet wird in der Regel eine Schlagzeile, die die Auflage steigert. Was nicht erwartet wird ist Wahrheit. Diese Wahrheit stört sogar. Fakt ist: Heute erschöpft sich der Journalismus oft in oberflächlichen, schlecht oder überhaupt nicht recherchierten Berichten. Vieles wird unkritisch übernommen und mit Fehlern versetzt weiter gegeben. Qulitätsjournalismus ist fast schon Fiktion. Journalistisches Ethos ist nur noch eine Floskel. Nach meinen Erfahrungen der letzten Jahre wäre ich schon froh, wenn es wieder einen "kritischen Journalismus" geben würde. Investigativer Journalismus hingegen erscheint mir als Illusion, als Chimäre. carl Gibson |
|
|
Jedem, der über einen Internetzugang verfügt, steht es offen, über einfache Recherchen mit Gegenproben und Quellenabgleich die Tat-Sachen zu ermitteln, die zu dem vorurteilslosen Schluß führen, Deutschland sei ein Staatswesen, das mit systematisch tolerierten und global angeordneten schwersten Einschüchterungen, Folterungen, Verstümmelungen und Tötungen zivilen Protest und Widerstand gegen seine Maßnahmen, der wirksam zu werden droht, militärisch unterbindet. Eine zentrale Rolle spielt in der heutigen Geschichte immer noch der Bürgerkrieg, den die Polizeikräfte in den 90gern dem zivilen Widerstand gegen das Endlager Gorleben lieferten. Was danach geschah, z.b. auch in Genua und Heiligendamm, waren Bekräftigungen der seinerzeitigen Klarstellungen.
Stellvertretend dazu verlinke ich die ehemalige Stellungnahme der "Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten und Polizistinnen e. V." . Einschub: Eine Nebenbemerkung denjenigen Ex-Zonenbewohnern, die den Begriff 'Polizeistaat' gern der DDR vorbehalten möchten. Der "GAU" des selbsternannten "sozialistischen Volksstaates" war in der Vorstellung seiner polizeilichen Sigelbewahrer, daß es überhaupt zu Protesten, zu Widerstand und ansätzen von Revolten hätte kommen können, die dann mit Gewaltmaßnahmen, wie sie in der BRD seit den Vorgängen um die Proteste des SDS (Ohnesorg, Dutschke) zur professionellen Praxis geworden waren, niederzuschlagen gewesen wären. In der DDR ging es um die Bewahrung eines Ersatzes für den nationalen Zusammenschlusses von Volk und Staat, der mit dem Deutschen Reich geschlagen wurde und der aus einer Reihe von Gründen in der SBZ nicht real zu haben, war, anders als in den Westzonen und anders, als etwa in Ländern wie der CSR, Ungarn und selbst Polen. In der Gestalt von Bürgerloyalität gab es diesen Ersatz sehr wohl, doch er war zu erheblichen Teilen eine unter dem Druck des Besatzungsstatus von Staatsagenten UND Bürgern kooperativ gehegte und genutzte Fiktion. Mit anderen Worten: Der Status "Volksgefängnis" war ein von der Stasi offensiv beförderter und mit punktuellen Schikanen untermauerter Mythos, der substantiellen Widerstand gegen staatssozialistische Politik von vorn herein am Besatzungsstatus blamieren sollte. Das gelang, weil beide Seiten ein berechnendes Interesse an der Fiktion vom Volksstaat hatten. Einschub Ende. Ergänzend ein Link, der sich mit der sozialfaschistischen und rassistischen Seite der Polizeigewalt in Deutschland befasst; sie bildet das Komplement zu den Großaktionen und ist in den Städten ein alltäglich zu beobachtendes Phänomen. Ich selbst war letztes Jahr zweimal Zeuge von analogen Übergriffen, obwohl ich äußerst zurückgezogen lebe. Der "Witz" an der zitierten Tat-Sache (ich meine die Zugänglichkeit der Fakten und die Unzweideutigkeit der möglichen Befunde) ist: Niemand will es wissen! Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Und deshalb ist umgekehrt nichts wohlfeiler, als die sich desillusioniert gebende Klage über die Macht- und Rechtlosigkeit derer "da unten" und die schrankenlose Willkür derer "da oben", vornehmlich dann, wenn es darum geht, Kritiker mit Umarmungen zu fesseln ... Und Ihr schwatzt elitär und luxuriös über "investigativen Journalismus". Typisch. Immerhin danke ich J.A., das hier mal hinschreiben zu dürfen ... TG |
|
|
Lieber TomGard, es ist sicher richtig beobachtet, aber nicht alles. Es ist alles eine Frage des Blicks. Neulich ist mir aufgefallen, dass Freisler ein ganz phantastischer Jurist war. Juristisch hatte er immer voellig recht. Er war nur ein Schwein.
|
|
|
Das ist eine ganz interessante Geschichte gewesen, auf die mich die hier mitgeteilten links gestossen haben, ein Klassiker des Verfassungsrechtes:
www.wahlrecht.de/wahlpruefung/19890613.htm Darueber kann man mal lange nachdenken, auch im Zusammenhang mit angeblich investigativem Journalismus. Es kommt doch sehr auf Konsens an und die damit zusammenhaengenden Spielchen. Und bei Konsens spielt Dummheit eine grosse Rolle. Die Beispiele der Bunten usw zeigen es doch sehr deutlich. DAS soll investigativ sein? Das ist doch der Gipfel der Langeweile. Was war denn, anderer Fall, an den beruehmten Spiegel Affairen eigentlich interessant? Bedingt abwehrbereit. Waren das wirklich interessante Themen? Waren sie interessant, weil sich Leute darueber geaergert haben? Waren sie schon deshalb wichtig? Jedenfalls waren sich einige Leute darueber einig und andere wollten wissen, was los ist. Journalismus als Teil der Politik. Es wird nicht mehr nur berichtet, es wird auch oder nur gemacht. Womit wir wieder bei Felix Droese waeren. Oder besser Halbwahrheiten. Halbwahrheiten sind wohl der Hit. |
|
|
"Wenn ich entscheiden müsste, ob ich einen investigativ arbeitenden Journalisten einstellen sollte oder einen hervorragenden politischen Kommentator würde ich mich für den Kommentator entscheiden. Der Mehrwert ist höher. Nicht der in Geld. Sondern der in Demokratie."
Ist das Ihr Ernst? Bei Anne Will werden nun immerhin Lobbyvertreter (m/w) per Einblendung als Lobbyvertreter (m/w) vorgestellt. Übrigens durchaus klarer als bei der persönlichen Vorstellung. Aber immerhin, dass ist eine überraschende Entwicklung. Vor wenigen Jahren war dieser Personkreis ständig als sogenannter Experte (m/w) unver cover unterwegs. (Parteien-)Demokratie / Lobbyoligarchie / Korruptionsstandort / buntes Spektakelland, wo bunte Homestories zwecks Skandalisierung von politischer Promminenz Politik, gesellschaftliche Auseinandersetzung ersetzen soll. Wer es frei von Tiefeneinsichten mundgerecht kommentiert rettet die Demokratie, wer es per Aufklärung von Details komplett in der Öffentlichkeit zerren will, bleibt draussen, weil er (oder sie) die Demokratie damit nicht rettet. Man muss sich wirklich Sorgen machen.... |
|
|
man darf in dem zusammenhang auch noch darüber spekulieren, ob ansichten nicht einfach nur dem entsprechen, was man tut.
z.b. müsste man als jemand, der ein meinungsmedium betreibt, schon aus der eigenen tätigkeit heraus, sich selbst dadurch legitimieren, dass eine meinung wesentlich wichtiger ist als eine recherche oder gar das faktenbasierte aufdecken von missständen. was uns dazu führt, dass die meinung nur einen bestätigenden charakter hat, aber keinen offenbarenden. warum aber, sollte man das zugeben? tut man eben nicht, denn denn das würde die meinung nicht nur schmälern, sondern ihr die legitimation entziehen. also stellt sich eine meinung nicht nur als demokratiesimulation dar, sondern auch als faktenbasiertes ultimativ, in dem sie bereits die schlüsse zieht, die der leser sonst mühsam selbst anstellen müsste. was uns dazu bringt, dass ein meinungsmedium schlussendlich auch nur eine andere form von lobbyismus ist, wenn es denn weiß, für wen und warum. also nicht irgendwie. jedenfalls geht eines nicht: etwas, was man selbst nicht tut, für besser zu befinden als das, was man tut. ob man sich da sorgen machen muss weiß ich nicht. manchmal reicht es, dinge einfach nur zur kenntnis zu nehmen. mfg mh |
|
|
schrieb am
10.03.2010 um 15:27
In meiner Kernfunktion als Leserbriefschreiber kann ich mich etwas lässiger ans Türkreuz lehnen bei der Betrachtung:
"jedenfalls geht eines nicht: etwas, was man selbst nicht tut, für besser zu befinden als das, was man tut" Ich komme mit erhöhter Wahscheinlichkeit nicht in die Lage das bessere zu tun. Wenn ich das "minderwertige" hingegen gut hinbekomme bin ich meiner eingener Stern, aber dennoch kann ich auch von dort aus eins selbstehrlich bewerten. Das das bessere, das wichtigere ist. Deinen Anfang unterschreibe ich (Absatz 1 bis 3) - deine rethorische Frage müsste von JA an sich mit dem grossen Ziel der "Wahrheit zu dienen" und "Qualitätsjournalismus" liefern zu wollen beantorten. ~~~ Anderes Medium, aber bei z.B. Monitor, Panorama oder Frontal 21 gibt es immerhin noch gute Ansätze mehr als nur meinen zu wollen. ~~~ Die Sorgen bestehen also aus zwei Dingen. Der impliziten Widersprüchlichkeit und der freiwilligen Preisgabe der "Aufklärung" im Detail. Zielsetzung belangloss Beliebigkeit?!? |
|
|
Lieber misterL,
hier kurz ein Ausschnitt einer Antwort auf Christoph Leusch aka Columbus zur Bedeutung des investigativen Journalismus "Ich bin auch nicht sicher, wie wichtig es wirklich ist zu wissen, ob Guttenberg belogen wurde. Wir haben da einen U-Ausschuss, der befasst sich dann mit Befehlsketten und wer die fünfte Person im Zimmer war. Schon recht. Aber der eigentliche Skandal ist der Krieg in Afghanistan. Dafür brauche ich keinen Investigator und keinen Ausschuss. Sondern klares Denken, eine klare Sprache und den Mut zur Auseinandersetzung." Also bitte, dass es sich in meinem Vortrag um eine zugespitzte, polemische Formulierung handelt, ist mir schon klar. Aber es geht um den Kern des Gedankens: Sehr Vieles sehr Schlimmes liegt offen und muss nicht "entdeckt" werden - und es regen sich dennoch zu wenige darüber auf. Wir diskutieren den Zustand des Journalismus anhand des Zustandes eines Nebenzweiges - und übersehen dabei das Versagen im Zentrum. Das ist mein eigentlicher Punkt. (Ich merke gerade, dass es hilfreich gewesen wäre, diesen Satz einfach in den Vortrag hineinzuschreiben. :) ) JA |
|
|
schrieb am
12.03.2010 um 23:36
Lieber JA.
Dann eine Rückfrage zu einem Punkt der mich wahnsinnig aufregt. Warum regt sich in der Medienlandschaft niemad ernsthaft (oder etwas kontinuierlich) darüber auf, dass bisher niemand öffentlich darüber nachdenkt warum Bankiers wegen massiver Veruntreuung noch keinen intensiven Kontakt zu Staatsanwaltschaften hattten oder haben oder umgekehrt? Zu meinen es sei ein Skandal nehme ich u.a. hoffentlich für mich in Anspruch. Es investigativ zu recherchieren und zu melden obliegt eher wem? Nur, wenn es keiner bezahlen will - gute nacht. |
|
|
@JA: afghanistan ist ein schönes beispiel ... nahezu perfekt.
wenn man ein thema zu behandeln hat, wäre es vielleicht hilfreich sich diesem thema zu widmen. was hier nun getrieben wird, ist der gleiche argumentationsstil, den die us-regierung in bezug auf den irakkrieg (sogar offiziell) angewendet hat: globalisierung. kommt journalist JA mickrigerweise mit massenvernichtungswaffen an, dann wird das einfach mit dem gloablen terror, den verletzten menschenrechten u.ä. gerechtfertigt .. alles, was größer ist als der verbale angriff darf herhalten. in diesem fall hier: investigativ.. ach, dass sich keiner aufregt ist das problem. aha. nun, vielleicht rege ich mich nicht über den afghanistankrieg auf, weil mir nicht regelmäßig einer erklärt was krieg heißt. ich wüsste nicht mal zu sagen wieviel tote wir da zu beklagen haben. in bezug auf den irakkrieg wusste ich es, bis 4000. erst dann hörten die medien auf zu zählen. ich sehe nicht die weinenden mütter, die unsere soldaten hinterlassen. ich höre nur die abstrakten psychologischen diskussionen im dradio über die bleibenden schäden unserer soldaten .. nebenbei wird erwähnt, dass ohnehin kein geld für eine bessere betreuung da ist. afghanistan, ist für mich ein ereignis. erzeugt durch leute wie sie, die meinen man könnte das alles verbal greifbar machen (meist übrigens nicht sonderlich gut formuliert). leute, die darauf verzichten sich mit der sache zu beschäftigen und stattdessen darüber palavern als ob das alles ein unfall im schwimmbad ist und mich nur am rande betrifft. und da soll ich mich dann empören? gegenüber wem denn? mich interessierts doch nicht mal, wenn wir da ein paar taliban und afghanen wegbomben, ist krieg, das passiert. unseren jungs passiert ja nix, das würde mich betreffen. afghanen... ich bitte sie, fianzkrise! terror gibt es in deutschland auch, dagegen soll mal was einer tun und dann diese kinderschänder, die sind auch überall. seit ursula weg ist, tut da auch keiner mehr was für. außer alice schwarzer, die setzt sich da noch ein. es war übrigens ihr freund vom spiegel (siehe 1. freitagsalon), demnach die entscheidung des deutschen volkes in bezug auf afghanistan schon längst gefallen ist: es ist uns egal, zumindest aber sind uns viele dinge viel wichtiger. wenn ich irgendwann mal meinen todesticker habe, ein paar heulende deutsche mütter sehe und mich an den zweiten weltkrieg erinnert fühle, dann interessiert mich das vielleicht. am besten durch eine dreizigseite reportage im spiegel, wie in guten alten zeiten. solang aber nur alkoholiker und linke randblätter drüber berichten, dient mir afghanistan bestenfalls noch der abgrenzung gegenüber diesen chaoten. diese sozialisten tun ohnehin alles für stimmen. mich regt übrigens unheimlich auf, dass mein bürgermeister meinte: wir wissen, dass sinnvoller wäre die strassen gleich richtig reparieren zu lassen, aus kostengründen stopfen wir aber nur die winterbedingten löcher .. so ein arsch, bin ich hier in afghanistan? mfg mh |
|
|
schrieb am
14.03.2010 um 11:23
@MH
Ernüchternd aber wahr. Das Loch in der Strasse vom Winter und die Bürgermeister vor Ort mit ihrem Rechtfertigungsnotstand liegen näher. An der Stelle schon fast zum Heulen. Die selben Bürgermeister üben wann immers er verlangt wird Solidarität mit ihren Parteiführungem, die all jenes beschließen, was zum Stopfen von Löchern führt statt das sinnvolle zu tun. Trotzdem. Es gibt eine Welt da draussen. Sich mit ihr zu befassen befaßt sich auch mit jenem Parteiführungunspersonal (u.a.), dass für die Löcher sorgt. Es sind die selben und es gehört spätestens über die Verteilung von Finanzmittel zusammen. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen