Jakob Augstein

der Freitag

26.12.2009 | 21:18

Hamburg Media School – Zukunft der Zeitung 2 / 2

2. Teil

 

Jetzt stellen sich zwei Fragen: Und zwar die nach Qualität und Geld.

Grundsätzlich greifen wir nicht in die Texte der Blogger ein. Wir bewerten sie nur dadurch, dass wir sie besonders hervorheben.

Ich habe neulich eine Diskussion mit unserer Community zu diesem Thema geführt: Ich wollte wissen, ob ich das Recht habe, die Texte zu editieren. Ungeschickte oder falsche Formulierungen zu verbessern. Umstellungen vorzunehen, vielleicht sogar Streichungen. Ich habe als Redakteur argumentiert: Jeder muss redigiert werden! Es geht darum, dem Text und dem Leser zu dienen! So ´habe ich argumentiert. Das war ein kalkulierter Affront von mir. Weil die Blogger nichts so sehr schätzen, wie ihre Freiheit. Freiheit ist im Netz der höchste Wert von allen. Sie steht weit über dem Wert der Qualität. Leider. Also, die meisten Blogger haben es sich verbeten, dass ich in ihre Texte eingreife. Aber nicht alle. Und ich habe diese Debatte als Ausgangspunkt dafür genommen, solche Verbesserungen jetzt einfach vorzunehmen. Ich stelle dann einen Kommentar unter den Text, dass es sich um eine von mir redigierte Fassung handelt und dass der Autor sich beklagen möge, wenn er unzufrieden ist.

Wahrscheinlich kommt Ihnen das vollkommen absurd vor. aber Sie ahnen nicht, wie ehrpusslig die Leute sind und Sie ahnen nicht, wie kostbar im Netz Glaubwürdigkeit ist. Man muss das alles sehr, sehr ernst nehmen.

Ich ändere jetzt manchmal etwas. Nicht viel Nur ein bisschen. Und mache den Autor darauf aufmkersam. Das dient der Erziehung der Community. Die Leute sollen sich daran gewöhnen. Und sie sollen diesen Service schätzen lernen.

 

Es ist ein langwieriges Geschäft.

 

Über die Qualität des Inhalts habe ich damit nichts gesagt.

Wir haben sehr wenige Blogs, die sich mit der Darstellung äußerer Ereignisse befassen. Leider, muss ich sagen. Ich hätte gerne mehr. Das bedeutet, unsere Blogger befassen sich mit ihrer Innenwelt, mit Ereignissen aus ihrem Leben und Umfeld oder mit ihren Anschauung zu äußeren Ereignissen. Worauf ich hinauswill: Bei all diesen Themen geht es nicht um Faktentreue.

Abgesehen davon funktioniert natürlich das Wikipedia-Prinzip immer noch sehr gut: Die Nutzer korrigieren sich gegenseitig, wenn sie erkennbare Fehler feststellen.

 So viel zur Qualität. Nun zum Geld.

Für Online Texte bekommen unsere Nutzer kein Geld. Punkt.

Ich erkläre das damit, dass wir Online auch nichts verdienen. Das stimmt. Und das ist ein Argument, das nicht zu kontern ist.

Hier haben wir wieder das Thema Glaubwürdigkeit: Alles, was man macht, muss man begründen können.

Wenn wir den Text richtig gut finden, übernehmen wir ihn in die Print-Ausgabe des Freitag. Dann redigieren wir ihn und dann bezahlen wir dafür auch. Eigentlich ganz einfach.

 Sie sehen, dass wir uns bemühen, diese beiden Welten - die Welt der Blogger und die der Journalisten unter einen Hut zu bekommen. Und ich finde, das funktioniert ziemlich gut.

Mein Ziel ist es eigentlich, die Grenze zwischen Community und Redaktion aufzuheben. Ich will nur drei Hierarchieebenen in der redaktionellen Organisation: Community - Ressortleitung - Chefredaktion. Jedes User soll selber Artikel auf die Seite stellen können und jeder User soll selber Dossiers anlegen und verwalten können. Jeder User soll wie ein Redakteur arbeiten können.

Ich sage Ihnen mal ein Beispiel aus der Wahlkampfzeit.

Da berichtete ein Insider aus der SPD-Wahlkampfmaschine darüber, wie die Sozialdemokraten den Online-Wahlkampf vergeigt haben. Wir haben das auf vier Seiten gemacht. Weil es nicht nur um Technik geht, sondern um Eindrücke aus dem Polit-Betrieb, um Hoffnungen und Enttäuschungen

 

Der Autor stammt aus unserer Community. Das war einfach ein Freitag-Blogger, den wir schon eine Weile kennen, der bei uns zu politischen Themen geschrieben hat aber auch über alles mögliche andere - und der hat mir irgendwann eine Mail geschrieben und gesagt: Ich bin im SPD Wahlkampfteam und hier läuft es echt übel. Ich habe mich dann mit dem getroffen, wir haben alles besprochen und die Geschichte vorbereitet und gemeinsam durchgezogen. Das entscheidende dabei ist: Wir kannten uns aus der Community. Wir hatten sozusagen vorher schon miteinander zu tun. Ich kannte seinen Namen natürlich nicht. Aber das spielt keine Rolle. Weil ich die Texte gelesen habe. Und er hat erlebt, wie ich in der Community agiere. Mit einem Wort: Wir konnten uns vertrauen. Und das ist wichtig.

 

Es geht bei diesem Journalismus 2.0 um Kommunikation. Um Vertrauen. Wenn Sie so wollen um Beziehung.

 

Und ich gebe Ihnen noch ein Drittes Beispiel: Einer unserer Blogger hat im Netz eine Rezension von Frank Schirrmachers Buch Payback geschrieben. Aber nur für die ersten 30 Seiten. Und dann hat er die Redaktion aufgefordert, den Rest zu rezensieren. Das hat zu einem gemeinschaftlichen Rezensionsprojekt von Community und Redaktion geführt, das auch noch nicht abgeschlossen ist. Eine sehr lustige Idee. Ich nehme an, wir werden am Ende die Texte zusammenfassen und abdrucken.

 

Sie sehen: Es gibt eine Fülle von Varianten und the Sky is the limit, wenn ich das mal so sagen darf.

Damit Sie nun nicht denken, ich hätte irgendwie die Bodenhaftung verloren, nenne ich Ihnen mal ein paar Zahlen:

Wir haben 720 000 PIs, 150 000 Unique Users, 5000 Community Mitglieder, 1800 Blogger, 30 Blogeinträge am Tag. Unsere Zeitung verkauft sich im Moment etwa 15000 mal in der Woche, der Anteil der Community-Artikel beträgt irgendwas zwischen 5 und 10 Prozent.

Also, damit da keine Missverständnisse aufkommen: Wir machen ein Nischenprojekt. Und wir verlieren im Moment noch Geld.

Aber das Prinzip funktioniert. Und das ist schon mal eine Menge. Sie müssen bedenken: Wir haben annähernd 30% User Generated Content. Das ist absolut einsame Spitze aller verlegerischen Informationsangebote im Netz.( Spiegel und Welt und SZ und taz haben alle zwischen 1 und 6 Prozent)

 

Wir haben das natürlich nicht erfunden. Was die Einbindung von Lesern angeht, ist die Bild-Zeitung schon lange Zeit sehr findig und mutig.

 

Neulich haben sich Mathias Döpfner und Ariana Huffington in Monaco über das Verhältnis von Netz und Print und die Frage unterhalten, wer das alles bezahlen soll. Und da hat Döpfner erzählt, dass die Bild-Zeitung die Insitution des Leserreporters im Jahr 2006 eingeführt hat. Seitdem seien über 500 000 Fotos eingesandt worden. 12000 davon seien veröffentlicht worden, 2000 auf der Titelseite, für Honorare in Höhe von insgesamt über zwei Millionen Euro. Und auch die Bild-Leserbeiräte sind ja legendär.

 

Ich weiß nicht, was Sie von der Bild-Zeitung halten. Man kann da verschiedene Standpunkte vertreten. Aber dieser Kurs - das Netz ernst zu nehmen, die Leser ernst zu nehmen - oder zumindest so zu tun - das ist sicher für die Bild-Zeitung eine sehr kluge Entscheidung gewesen.

 

Sie wissen sicher, dass die Auflage der Bild-Zeitung beständig sinkt. Dass aber die Eträge, die Springer aus ihr erwirtschaftet - print und online - beständig steigen.

 

Das andere Medium, das zwischen Netz und Print sehr erfolgreich vermittelt ist natürlich der Spiegel.

 

Erstaunlicherweise ist es ausgerechnet dem Spiegel gelungen, das modernste aller Qualiätsmedien zu bleiben. Das ist die Summe aus lauter klugen einzelnen Entscheidungen und einer Menge Geduld und natürlich Glück.

 

Eine der Erfolgsbedingungen war - paradoxerweise - eine Chefredaktion, die sich für Online nicht sehr interessiert hat und eine Verlagsleitung, die sehr langfristig auf Online gesetzt hat. Eine ungewöhnliche Kombination.

Stefan Aust, den ich für den größten Chefredakteur des Spiegel halte, war Online schnurz. Darum konnten die Netz-Kollegen zehn Jahre lang vor sich hin basteln und wachsen und wachsen und wurden dabei nicht gestört.

 

Andererseits hat der Spiegel aber auch die Möglichkeiten des Netzes gar nicht voll ausgeschöpft, weder für Print noch für Online.

 

Die neue Chefredaktion hat begonnen, das zu ändern und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

 

Im vergangenen Sommer haben Mascolo und Blumencron angekündigt, die Redaktion des Spiegel besser mit der von "Spiegel Online" zu verzahnen. Damit meinten sie vor allem: Die Print Redakteure sollen endlich mehr für Online machen.

 

Denn Sie müssen bedenken, Online wurde von den Printjournalisten erst ignoriert, dann verachtet und heute wird es gefürchtet!

 

Die Spiegel Chefs wollen diese unsinnigen Barrieren endlich wegräumen.

"Es gibt ein gewolltes Drängen von der Chefredaktion, das über die reine Freiwilligkeit hinausgeht", hat Blumencron dazu gesagt.

 

Es gab dann einen Leitfaden für die Zusammenarbeit von Print und Online, der im Grunde nichts anderes war als eine Dienstanweisung.

Ich zitiere mal daraus .

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 Unabhängigkeit und herausragende Recherche haben den SPIEGEL zur bedeutendsten journalistischen Marke Deutschlands und zum größten NachrichtenMagazin Europas werden lassen. Was der SPIEGEL in der Print-Welt erreicht hat, ist SPIEGEL ONLINE im weltweiten Netz gelungen: Seit seiner Gründung vor 15 Jahren ist SPIEGEL ONLINE zum Leitmedium im Internet avanciert. So besteht der Kern der Marke SPIEGEL heute aus dem führenden Wochenmagazin und der führenden Online-Plattform des Landes. Die verbesserte Kooperation der Redaktionen von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE führt dazu, dass weder Tageszeitungen noch andere Internetmedien der Marke SPIEGEL ihre Meinungsführerschaft streitig machen können. Die SPIEGEL-Chefredaktion bittet deshalb alle Redakteure des Hauses, SPIEGEL ONLINE von der Fülle ihrer Recherchen profitieren zu lassen und Texte anzubieten. Viele SPIEGEL-Redakteure haben erfahren, wie sie ihre Recherchen ohne großen Mehraufwand doppelt nutzen können. Ein Beispiel: Ein Auslandsreporter zitiert in einer SPIEGEL-Reportage über den Zuckerrohranbau in Brasilien einen Menschenrechtler – und verfasst für SPON ein Interview mit ihm. Der Menschenrechtler ist zufrieden, weil sein Anliegen in zwei Medien publik gemacht wird – und SPIEGEL ONLINE kann einen exklusiven Text veröffentlichen, in dem für die SPIEGEL-Story geworben wird.

 Ein weiteres Beispiel: Ein Wirtschaftsredakteur erfährt Mitte der Woche, dass die Exklusivität einer brisanten Recherche nicht bis zum SPIEGEL-Erscheinungstag zu halten ist. Er schreibt eine Fassung für ONLINE – die Nachrichtenagenturen nehmen den Stoff auf. Die Arbeit von SPIEGEL-Redakteuren befördert Qualität und Vielfalt der erichterstattung von SPIEGEL ONLINE. Allein 2008 veröffentlichte ONLINE rund 1000 Beiträge aus der SPIEGEL-Redaktion, die Texte werden bis zu 150 000 Mal angeklickt. Das Engagement beider Redaktionen trägt dazu bei, dass es noch nie so viele SPIEGEL-Leser gab wie heute: jede Printausgabe hat über sechs Millionen Leser. Rund fünf Millionen Nutzer greifen – mit steigender Tendenz – Monat für Monat auf SPIEGEL ONLINE zu. SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE haben die große Chance, ihren Vorsprung auszubauen und gemeinsam ein noch größeres Publikum für ihren Qualitätsjournalismus einzunehmen. Die Chance sollten wir nutzen

unterzeichnet von Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo

 Übrigens ist das kein vertrauliches Dokument. Das habe ich bei Kress.de runtergeladen.

Ich finde, dieses kleine Papier sehr aussagekräftig. Sowohl was seinen Inhalt angeht. Als auch was den Grund seiner Existenz angeht - wenn es selbst beim Spiegel, der Online nun wirklich lange dabei ist und immer wegweisend war, notwendig scheint, solche Papiere zu schreiben - dann sagt das eine Menge über das Verhältnis von Print zu Online aus.

 

Ich weiß nicht, wie das hier bei Ihnen ist, wir können darüber gleich mal sprechen: Aber ich war vor ein paar Monaten mal in einer Klasse der Henri Nannen Schule und habe mit denen geredet. Die hatten alle Herbert Riehl Heyse als Role-Model. Das war ein toller Reporter. Aber er ist tot. Und seine Zeiten sind vorüber. Das klingt hart. Das ist hart.

 

Der Job des Journalisten ist ein anderer als früher. Ich glaube, dass wir darüber in einer anderen Veranstaltung noch ausführlicher sprechen werden.

 

Ich weiß nicht, ob Sie Gelegenheit hatten, im vergangenen Frühsommer das SZ Magazin zu lesen. Mit der Ausgabe, die sich der Zukunft des Journalismus gewidmet hat.

 

Das war sehr hübsch gemacht - es drehte sich in einer Fülle von kurzen Texten um den Kulturwandel in den Printmedien. In Amerika sterben die Zeitungen und man fragt sich hierzulande natürlich, sind wir die nächsten.

 

Als ich mir dieses SZ Magazin durchgelesen habe, habe ich mich gefreut, wie hübsch und professionell das gemacht war. Und ich war verblüfft, wie ängstlich es war. Wie wenig selbstbewusst. Wie unsouverän. Wie verschlossen. Wie regressiv.

 

Ich war plötzlich ganz erschrocken. Ich hielt dieses Magazin in den Händen wie das Zeugnis einer sterbenden Kultur.

 Das Problem, das alle diese 1.0-Journalisten haben, ist, dass sie offenbar nur in Entweder-Oder-Kategorien denken können. Sie sehen das Netz als Bedrohung oder als minderwertig oder beides. Sie sehen es nicht als das, was es ist, ein wunderbares neues Mittel, mit dem man hervorragend das machen kann, was man vorher gemacht und noch ganz viele andere Dinge.

 

Der Community-Journalismus, den wir beim Freitag betreiben ist sicher eine großartige Möglichkeit, dem Leser eine neue Art von Angebot zu machen und ihn an das Prdoukt zu binden.

 

Eine gewisse Art von politischem Insider-Journalismus ist mit 2.0 nicht möglich. Dafür brauchen Sie Leute, die lange Erfahrung und enge Kontakte haben. Manchmal, wenn ich die Artikel solcher Leute lese, frage ich mich, ob ich solche Artikel überhaupt brauche - ob ich als normaler Leser eigentlich Adressat bin oder ob es da nicht vor allem um andere Journalisten, Parteien oder Verbände geht. Aber gut - ohne Profijournalisten bekommt man so etwas nicht - und die können sich bislang aus dem Netz allein nicht finanzieren.

 

Das gleich gilt natürlich für einen großen Teil der investigativen Recherche - die muss in Fachhand bleiben. Aber solche Recherche kann natürlich durch crowd-sourcing - also die Nutzbarmachung des Wissens der Vielen - sehr beschleunigt und vereinfacht werden.

Auch hier wieder: Sowohl als Auch.

 

Die entscheidende Grenze aber ist die Glaubwürdigkeit. Und das ist eine, die man überwinden kann oder an der man zerschellt. Je nach dem wie es läuft.

 

Es gibt Ausnahmeerscheinungen wie Markus Beckedahl, den wir heute nachmittag kennenlernen werden. Das ist ja ein Blogger, der es geschafft hat, sich aus eigener Kraft Glaubwürdigkeit zu erarbeiten und investigativen Journalismus im Netz zu betreiben. Da ist ihm ein großes Kunststück gelungen.

 

Das SZ Magazin hat sich mit dem alles im allem betrüblichen Zustand der deutschen Blogger-Szene befasst. Und ein US-Blogger schrieb da, der Deutsche glaubt einem Autor nur, wenn der einen entsprechenden amtlichen Vermerk über Zuverlässigkeit vorweisen kann.  Beckedahl hat dieses Muster durchbrochen.

 

Aber er ist eine Ausnahme: Meine Haltung dazu sieht so aus:

 

Glaubwürdigkeit erwächst in und aus Institutionen. Ein einzelner Blogger muss immer irrelevant bleiben. Dass er allein viele Leute erreicht, nur aus sich heraus, ist im Netz zwar möglich - aber in Wahrheit unwahrscheinlich.

 

Wenn er sich einer Institution anschließt, die mit ihrem Namen und mit ihrem Know How einen verlässlichen Rahmen setzt, kann das ganz anders aussehen. Dann kann ein einzelner Blogger ebensoviel Reputation erlangen wie ein klassischer Journalist. Die Grenze zwischen Journalist und Blogger ist dann aber praktisch aufgehoben. Die Institution leiht die Glaubwürdigkeit - und dann kommt es nur auf den Text an auf den Text und noch mal auf den Text.

 

Das ist der Grund, warum viele Blogger ihre Texte bei uns einstellen - die sie vorher auf ihren eigenen Seite schon platziert hatten. Da kam bloß keiner hin.

 Wenn Sie meine wahre Meinung wissen wollen: Ich selber glaube dass das Prinzip des Freitag über kurz oder lang in allen qualitätsorientierten Internet-Medien angewendet wird.

 Aber in unterschiedlicher Gewichtung.

Sie sehen das bei den Relaunches von Spiegel und Zeit schon. Alle werden auf die Dauer Communities haben. Aber die Communities werden unterschiedliche Rollen spielen. Sie werden nicht die gleiche Bedeutung haben.

 

Das Netz bietet diese Möglichkeit. Es sind Leute da draußen, die das wollen. Also wird man es machen.

 

Vielleicht hätte ich das früher schon sagen sollen, aber ich sage es einfach jetzt: Sie können im Netz genau das machen, was Sie auf Papier machen können. Und noch viel mehr. Aber - Sie verdienen damit kein Geld. Ich glaube, dass wird sich ein bisschen ändern. Aber ich habe Mühe mir vorzustellen, dass die Verlage jemals wieder soviel Geld verdienen werden wie früher. Und ich glaube, wenn sie überhaupt am Leben bleiben wollen, müssen sie versuchen, ihre Papierprodukte so interessant wie möglich zu gestalten - denn damit verdient man Geld. Und das Netz braucht man obendrein. Auch wenn es kostet.

Das ist eine ganz wichtige Grundlage zum Verständnis des Verhältnisses von Netz und Print. Man braucht beides. Aber nur eines verdient.

 

 

 

Vielen Dank

 

 
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Kommentare
mh schrieb am 26.12.2009 um 21:56
noch ein zwischenruf. die schirrmacher-renzension war tatsächlich eine gemeinschaftliche idee. ich weiß nun gar nicht, wer sie tatsächlich hatte. das ist auch nich entscheidend.

ursprünglich sollte es eigentlich "nur" um diesen unsäglichen jürgs gehen. doch da kam was dazwischen, deswegen haben wir dann etwas aktuelleres genommen. ;P

der punkt ist, die idee entstand aus der kommunikation heraus. also nicht aus der "aufforderung" sondern als gemeinschaftliche idee aus dem gedankenaustausch heraus. die basis war, dass man ein buch liest und es ab einem punkt x einfach nervt. man lässt es liegen. ab diesem punkt macht jemand anders weiter und so kann man es dann dennoch verwerten.

ich halte diese feststellung für extrem wichtig, denn hier verschwammen die hierachien durch eben jene kommunikation.

dennoch, ein autor des freitags soll ein autor des freitags sein. sichtbar, möglichst stolz und das sollte man ihnen nicht nehmen. in der kommunikation, da muss die gleichstellung sein und zwar im kopf nicht in der darstellung. der rest ist egal.

und ich, ich bin mh, kein blogger. genau darum gehts.

mfg
mh
Magda schrieb am 26.12.2009 um 22:54
Ja und ich habe vorher einen Beitrag über Schirrmacher geschrieben, aber wie das immer ist, eine Frau kann sich hier den Arsch aufreißen ... sie wird nicht gesehen.

www.freitag.de/community/blogs/magda/frank-schirrmacher-und-das-multitasking

Auf einen Fakt dieses Beitrages haben sie sich sogar bei Carta bezogen.

Es ist manchmal zum Auswachsen.
mh schrieb am 26.12.2009 um 22:57
du hast doch bereits alle kommentare zum thema abgesahnt... jammern kann ich auch.

mfg
mh
Magda schrieb am 26.12.2009 um 23:25
Frauen müssen auch das häufiger tun, das jammern.
G.Westerby schrieb am 26.12.2009 um 22:32
vorweg das eine – das Video... hm, ja, vielleicht einfach nochmal einen Blick auf den Blogeintrag werfen...

Redaktionelle Eingriffe in Blogbeiträge in der Community betrachte ich als bedenklich (die entsprechende Diskussion ist mir wohl entgangen), waren aber wohl bisher aber auch nicht viele, betrachtet man die selbst in Topblogs und Artikeln des Tages gelegentlich vorkommenden sprachlichen Unfälle und Teppfihler.
Wohlgemerkt, im Community-Bereich. Soll ein Blogeintrag hingegen zu „Der Freitag“ oder in die Printausgabe wandern, betrachte ich ggf. notwendige Eingriffe und Verbesserungen als Normalität, verlässt das Produkt damit doch eindeutig den Rahmen von „jeder blamiert sich so gut, wie er kann...“, allerdings ist wohl Rücksprache mit dem Autor VOR Veröffentlichung ein Gebot der Fairness.
Die leise Klage über fast nur Berichte aus der Innenwelt und Kommentare zu Ereignissen der Aussenwelt in den Blogs, ich hör sie wohl und ahn drei Gründe. Und hab die leise Vermutung, daß auch der Weihnachtsmann den Wunsch nach mehr Reportagebloggern nicht erfüllt haben wird.

Der erste Grund ist (meine subjektive Sichtweise!!!), die wohl übergroße Zahl an Bloggern will genau das tun, nämlich Berichte aus ihrer Innenwelt und ihre Kommentare zu Ereignissen der Aussenwelt liefern und sind’s damit zufrieden, vielleicht auch erst dann, wenn’s viele Kommentare gibt, aber das war es dann schon. Die Zeit und Mühe aufzuwenden (auch überhaupt aufwenden zu können!), sich zwei Tage lang in einen Gerichtssaal zu setzen und einem themenrelevanten Prozess zu folgen (z.B.: www.freitag.de/community/blogs/g-westerby/des-mohren-schuldigkeit--teil-ii-prozess-und-urteil) und dann noch vor SPON & Co. mit einem umfassenden Bericht im Freitags-Blog online zu sein, ist sicher bei vielen Bloggern nicht gewollt und gegeben.

Der zweite Grund: Die Themen!!!
Das es für ein exklusiv definitiv zuerst im Freitag umgestürztes Baugerüst (selbst BILD-Online war erst am nächsten Tag soweit) (www.freitag.de/community/blogs/g-westerby/exklusiv---chaos-in-leipzig-bleibt-aus--exklusiv) nicht den J-Augstein-Award gibt, ist klar, bei den Berichten zum Mohren-Prozess war mehr Aufmerksamkeit erhofft worden. Es gab da mal die Idee mit den Regionalberichten und Themenideen/anregungen seitens DER FREITAG. Ist diese Idee gestorben oder hält sie nur Winterschlaf?

Der dritte Grund simpel. Zeit und Geld. Ein Beispiel:
Ich versuche gerade die Geschichte dieses kleinen Denkmals und der darauf vermerkten Personen (www.freitag.de/community/blogs/g-westerby/marie-und-paul-1908) zu recherchieren. Nur mit den Blicken in ein paar Archive und ein paar Bibliotheken, ein paar Kopien, ein paar Auszüge, war binnen kurzer Zeit der erste Euronenhunderter verballert. Da sind weder die aufgewendete Zeit noch Fahrtkosten (sie erinnern sich, der 12-Zylinder...) eingerechnet. Rechnet man das alles mit und mit dem, was noch an Aufwand zu erbringen sein wird, bis da aus den Nebeln der Vergangenheit halbwegs eine Geschichte gezogen wurde, die des Erzählens wert ist (wenn sie sich denn überhaupt ziehen lässt!), dann werden wohl zwei Tausender nicht ausgereicht haben und werden wir die Herbstnebel des Jahres 2010 schon sehen. Für irgendetwas mit aktuellem Bezug ist der hier angesetzte (Frei-)Zeitrahmen völlig inakzeptabel, die Kosten aber nur dann finanzierbar, wenn es eben bei Freizeit bleibt.

Zum Abschluss: Die kategorische Einteilung, Netz und Print „Man braucht beides. Aber nur eines verdient.“ wird von www.politico.com wohl gerade widerlegt. Siehe auch www.freitag.de/community/blogs/g-westerby/wehret-den-anfaengen-nicht.

GW
Janusz Biene schrieb am 27.12.2009 um 10:40
Apropos Video! Hier der Link der Bequemlichkeit halber: www.youtube.com/v/4XOheMP9LkQ
Magda schrieb am 27.12.2009 um 16:53
Ja, also ich finde Eigenwerbung durchaus o.k., aber nicht indem man gegen andere tritt.
Magda schrieb am 26.12.2009 um 23:28
Ein bisschen uns Unreine

"Wir haben sehr wenige Blogs, die sich mit der Darstellung äußerer Ereignisse befassen. Leider, muss ich sagen. Ich hätte gerne mehr. Das bedeutet, unsere Blogger befassen sich mit ihrer Innenwelt, mit Ereignissen aus ihrem Leben und Umfeld oder mit ihren Anschauung zu äußeren Ereignissen. Worauf ich hinauswill: Bei all diesen Themen geht es nicht um Faktentreue.2

Sie wollen Blogger, die fast wie Journalisten funktionieren. Das wird nicht so einfach gehen. Die könnten ja bei Ihnen dann auch in der Redaktion ihr Zeug abliefern statt hier in Blogs mühsam auf sich aufmerksam zu machen. Nicht jeder Blogger jede Bloggerin ist eine Klara, die gewissermaßen vorn rein kommt und hinten rum auch bloggt. Da ist immer zweierlei Maß und Unsicherheit über die Fairness, die hier herrscht.

"Eine gewisse Art von politischem Insider-Journalismus ist mit 2.0 nicht möglich. Dafür brauchen Sie Leute, die lange Erfahrung und enge Kontakte haben."

Das ist sicherlich so.

"Es gibt Ausnahmeerscheinungen wie Markus Beckedahl, den wir heute nachmittag kennenlernen werden. Das ist ja ein Blogger, der es geschafft hat, sich aus eigener Kraft Glaubwürdigkeit zu erarbeiten und investigativen Journalismus im Netz zu betreiben. Da ist ihm ein großes Kunststück gelungen."

Ist denn nur diese Art des Bloggens interessant? Der ist doch auch sehr eindimensional.

"Glaubwürdigkeit erwächst in und aus Institutionen. Ein einzelner Blogger muss immer irrelevant bleiben. Dass er allein viele Leute erreicht, nur aus sich heraus, ist im Netz zwar möglich - aber in Wahrheit unwahrscheinlich."

Ein einzelner Journalist auch. Die Stars gibts da auch nicht mehr.

Resümee: Aus diesen Erwägungen geh ich immer raus mit dem Gefühl: Er will was anderes, aber das ist so genau auch nicht strukturiert. Sie wollen Leute einbinden, "erziehen", stand auch irgendwo. Das wird schwer, wenn Sie denen nichts anbieten außer, dass es nichts dafür gibt. Und die Aussicht auf eine print-Weihe.

Also ich bin viele Jahre journalistisch tätig gewesen. Ich wollte hier einfach mal was anderes machen, mal erzählen. Ohnehin hatte ich immer das Gefühl, dass sich sowieso nur die Alltagsredaktion hier umtut, die anderen haben ja schließlich auch noch ihre Autoren und Beziehungen.
Sie wollen Sachen verzahnen - gut, gut.

Aber Sie haben feste Strukturen auch in der Redaktion, nehme ich an. Sie können doch überhaupt nicht planen, wenn Sie einen Beitrag bei jemandem ordern Dann ist der im Blog - kann er noch so gut sein - einfach einer mehr ohne Aussichten. Dann kann man das höchstens zusammenführen, wenn es sich macht.
Kooperation muss sich entwickeln, hier sowieso bei den Bedingungen. Und solche Art von Zusammenarbeit - die kriegen Sie dann auch nicht mehr umsonst. Sie wollen Beinahe-Profis zum Nulltarif. Es gibt ja auch sicherlich aufstrebende Talente mit mehr Ehrgeiz, aber die sind dann auch wieder schwer zu "handhaben". Ich denke immer: Das Geld für das Internet müsste irgendwie anderswo herkommen - irgendwelche Umlagen oder so.

Das sind so Überlegungen. Aber eigentlich hatte ich gedacht - so zur Weihnachtszeit. Sie hätten mal einen netten persönlichen Beitrag schreiben können. Das ist nämlich auch nicht so einfach. Mal was machen, was man sonst nicht macht.

Gruß Magda
Magda schrieb am 26.12.2009 um 23:37
Achso: Und lästern über die Blogger und ihre Freiheitsvorstellungen ist auch ein bisschen gemein.

Mir ist noch eingefallen: Aber das ist jetzt das Bier in mir. Wenn man mal Leute beauftragen würde, so eine Art "Blogreportage" - eine Art Wochenzusamenfassung über die Debatten in der Community zu versuchen. Das wäre doch auch nicht schlecht .

Naja so eine Idee. Am Ende gibs das schon.
merdeister schrieb am 26.12.2009 um 23:45
Ja, ich habe auch so das Gefühl, wir wären nicht brav gewesen.
mh schrieb am 26.12.2009 um 23:47
da oben zickste zwar unnötigerweise rum, aber hier unten haste dann doch ein paar treffer gelandet.

allein das wort umerziehen .. aber ich bin es leid, dass wir nach all den monaten immer noch über solche banalitäten reden müssen. und auch generell diese ansprache .. im endeffekt klingt alles nach kontrolle, die eine institution über freie geister gewinnen will.

bei all dieser wortwahl, da geht der punkt dann halt an streifzug.

hier zieht sich der graben und solange das nicht erkannt wird, ist es die mühe nicht wert sich damit auseiander zu setzen.

mfg
mh
luggi schrieb am 26.12.2009 um 23:48
lieber merdeister,

jetzt hast du dich schon wieder verschrieben; das heißt brave, odrr?
merdeister schrieb am 26.12.2009 um 23:50
"solange das nicht erkannt wird, ist es die mühe nicht wert sich damit auseiander zu setzen."

Der Gedanke kam mir auch. Aber da bin ich wohl einfach undankbar, ganz Kind eben.
Magda schrieb am 27.12.2009 um 10:57
Zicke hin oder her,
is ja egal. Ich habe sowieso Recht.
Fakt ist, dass die Sicht auf die Bloggercommunity aus verschiedenne Perspektivn erfolgen kann, aber am Ende kommt immer so was vom Katheder runter. Vielleicht liegts ja am Anlass, der zu diesen Erörterungen geführt hat.

Wie machst Du immer?

mfg
m
mh schrieb am 27.12.2009 um 13:13
gegen die perspektiven habe ich ja gar nichts und auch nicht das geld verdient werden soll und muss. das ist vollkommen irrelevant für mich.

wogegen ich etwas habe ist, dass ich aus einem vortrag für studenten erfahre, dass JA begonnen hat hier zu redigieren. er verkauft es da so, als ob er uns ggü. hier kokettierte ... um eine diskussion auszulösen. aber glaubt denn einer, er hätte uns mal das ergebnis mitgeteilt? nö, das erzählt er irgendwelchen studenten, die mit uns hier nichts zu tun haben. echt klasse.

dann siehe meinen ersten zwischenruf im ersten teil und die komplett misslungene formatierung der beiträge. da wird lustlos ein beitrag reingeklatscht und nicht kontrolliert. da kennt der chef das eigene blogsystem nicht. immer noch nicht. siehe auch diese aussagen, dass er "technisch noch nicht soweit sei ein bild einzubinden".

meinje, da clickt man oben rechts auf blog-beitrag schreiben, fügt ein bild ein und clickt auf html, kopiert sich hier den code rein und fertig .. wenn man denn gar keine andere möglichkeit hat. sowas kann man wissen, wenn man sich mit der seite beschäftigt.

und während uns ggü. hier die negative tonlage im gesamten beitrag durchklingt, hat JA immer noch nicht kapiert, dass man blogs nicht betreibt um erfolgreich zu sein und das meinungsmache durch blogs nichts mit dem ausmaß der direkten verbreitung eines blogs zu tun hat.

da versteht einer noch nicht mal den markt, den er anderen erklärt und mit dem er geldverdienen will. das ist regt mich auf und die studenten, die tun mir ohnehin leid.

das schöne hier ist lediglich, dass wir das alles bedenkenlos schreiben können. wird eh einfach nur ausgesessen und am gleichen fehlwerk demnächst dann weitergedacht. :)

mfg
mh
Magda schrieb am 27.12.2009 um 14:59
So isses. Genau.
archinaut schrieb am 27.12.2009 um 15:34
@merdeister

Weihnachten wird man doch gern mal zum Kind? :-))
jayne schrieb am 27.12.2009 um 10:08
mir scheints, Sie streben auch nur nach der "eierlegenden wollmilchsau", und die soll bekanntlich recht billig zu haben sein ... Erziehen ist ein hehrer anspruch, doch in diesem kontext lese ich eher eine anmaßung heraus - sicher, das lernen hört nie auf, aber geht ganz eigene wege.
Wenn Sie von der aufhebung der schranken zwischen redaktion und community reden, so könnte das in erster konsequenz doch seinen ausdruck bspw. darin finden, daß übernommene community-artikel in der druckausgabe nicht nur immer eine randspalte bekommen, sondern auch mal ordentlich "aufgemacht" werden.
Magda schrieb am 27.12.2009 um 11:00
Vielleicht ja auch den eierlegenden Wollmichleber.

Naja, ich denke, da ist noch einiges an Debattenstoff drin.

Gruß
jayne schrieb am 27.12.2009 um 11:14
"noch einiges an debattenstoff" das stimmt, lief aber in der vergangenheit darauf hinaus, kaum konsequenzen zu zeitigen, und zum andern bin ich es leid, immer wieder die selben debatten zu erleben - das dreht sich doch im kreis. JA versucht uns irgendwie "weichzuklopfen" mit seinen vorstößen, bekommt kritische reaktionen, versuchts dennoch immer wieder von neuem, weil er ja auch die macht hat ... Wir können da nur den eigenen intentionen folgen und das, solange es auch noch spaß macht, anregungen verschafft ...
mh schrieb am 27.12.2009 um 13:19
so ist es jayne. da sind wir uns dann doch mal einig.

mfg
mh
wahrhaftig 2 schrieb am 27.12.2009 um 14:23
1. "Das dient der Erziehung der Community." Der Begriff Erziehung gefällt mir ebenso wenig, wie der Foristin, die dies zur Sprache gebracht hat und ist bei mir ganz persönlich negativ besetzt. Er sprang mir förmlich ins Auge. Vielleicht ist es ja möglich den Aufsatz an dieser Stelle zu modifizieren.
2. Gegen stilistische Verbesserungen hätte ich nichts einzuwenden, für den einen oder anderen mag das hilfreich sein, davon könnte man profitieren - auch Politiker wissen das zu schätzen.
3. "Für Online Texte bekommen unsere Nutzer kein Geld. Punkt." Finde ich OK - da könnte leicht ein Nebenschauplatz entstehen zu Lasten der Kreativität.
4. Habe bei der Lektüre doch einiges mir nicht Bekanntes erfahren.

mfg whg 2
Friedland schrieb am 27.12.2009 um 19:21
@ wahrhaftig 2 (Was ist eigentlich aus wahrhaftig 1 geworden...?)

Die Frage bei "stilistischen Verbesserungen" ist ja: Wo hören diese auf und wo fängt (ungefragtes) Redigieren an? Und werde ich als Autor/Blogger darüber informiert?

Redigieren bei mir bitte nur im gedruckten Text nach Absprache/Mitarbeit...
wahrhaftig 2 schrieb am 28.12.2009 um 11:40
@ Friedland,
wahrhaftig 2 stellt lediglich eine Abgrenzung zu wahrhaftig da, der mit mir identisch ist aber in einem anderen sehr spezifischen Forum schreibt. Zu wahrhaftig 1 kann ich keine Angaben machen, weil er mir unbekannt ist.

Die nicht von mir stammende Anregung, Texte bei Bedarf zu ändern, verbessern oder zu korrigieren kann in so einem Kommentar lediglich angerissen werden, ich halte dies evtl. für außerordentlich kompliziert, mitunter langwierig; gedacht ist wohl auch nur Topblogger, vermute ich mal. Dazu zähle ich mich bei leibe nicht. Da fehlt es mir einfach an Hintergrundwissen. Meine Zustimmung war eher allgemein gehalten. Ihre Einwände sind durchaus nachvollziehbar und es werden wohl nicht die letzten sein.

mfg whg 2
Hermanitou schrieb am 27.12.2009 um 12:18
Wenn Sie so nett schreiben "the sky is the limit", dann sollten Sie dieses Limit auch wirklich ernst nehmen. Irgendwie lese ich aus Ihrem Verbesserungsdrang, den Sie ankündigen, heraus, dass es künftig wohl heißt "JA is the limit"
Nichts gegen allgemeingültige Nettiketten. Aber Ihr Anliegen, Blogger-Texte zu editieren und/oder verbessern zu wollen, riecht schon sehr nach Zensur.
misterl schrieb am 27.12.2009 um 13:31
Blöde Frage am Sonntag.

Wie will man "Bei all diesen Themen geht es nicht um Faktentreue." Faktentreue erlangen, wenn man sich im Dschungel von Nachrichten und Meinungen auf Zahlen und Fakten stürzt, welche bereits das Surrogat einer/eines anderen ist?

Der direkte Zugang zu Daten und Fakten fehlt bisweilen dem der Bloggering/dem Blogger. Weswegen ich mich an sich auch lieber als Leserbriefschreiber bezeichne. Um den Mangel an Faktentreue zu überwinden wäre die Öffnung zu jenen Fakten notwendig. Ich unterstelle, dass diese Öffnung einiges an Überwindung kostet (und nicht nur Geld). Mein Verständnis dafür schicke ich gleich mal hinterher, denn es ist ja einer (wenn nicht die) Arbeitsgrundlage, um journalistisch (noch?) Geld zu verdienen.
mh schrieb am 27.12.2009 um 13:47
@misterL: ist ja auch nicht unsere aufgabe, dinge zu rechechieren die außerhalb unseres wirkungsbereichs liegen.

die beschäftigung mit dem "ich" schafft informationen über eigene interessen und in denen kennt man sich aus, da hat man alle relevanten informationen.

auch das wurde in dem vortrag vollkommen konterkariert und verkannt. schlimmer noch, als negativ dahingestellt und es wird unterstellt, dass man im eigenen interessenbereich und mit der eigenen meinung, nicht den anspruch der faktentreue verfolgt.

das ist, wenn man es genau nimmt, eine unsägliche beleidigung und herabstufung der hier schreibenden.

mfg
mh
misterl schrieb am 27.12.2009 um 15:10
MH

Informationen ist ein weites Feld. Lassen wir uns auf objektive Daten und Fakten, ein, so hat Jacob Augstein schon recht und es macht genau den Unterschied aus, den guter Journalismus vom unfaktischen Meinung machen / Meinung verfielfältigen unterscheidet.

So sehe ich es für mich auch nicht als "herabstufung der hier schreibenden", sondern als am Ende fortsetzen und fest schreiben des Trennenden. Die Überwindung wäre der offene Zugang. Aber es wäre auch der Verlust des (Kontroll-)Einflusses und damit der eigene Machtraub würde man diese Trennung aufheben.

Als Leserbriefschreiber kann ich mit dieser Einschätzung leben. Sie bestätigt meine Selbstklassifizierung. Ich erwarte/verlange im Gegenzug aber dann auch jenen guten Journalismus. Auch im Freitag.

Ich denke, meine Positionierung ist die gemeinere. ;-)
misterl schrieb am 27.12.2009 um 15:13
Bitte ein "f" gegen ein "v" tauschen. Danke. :-)
mh schrieb am 27.12.2009 um 15:21
eine gemeine positionierung wäre es zu behaupten, dass der hobbygärtner nicht aufgrund der faktenlage schreibt, die ihm vorliegt, denn die fakten könne nur der profigärtner kennen. ;)

mfg
mh
archinaut schrieb am 27.12.2009 um 15:51
...eine geistige Heimat ist ja immer Innen und Aussen gleichzeitig, "irgendwie links" zum Beispiel.
poor on ruhr schrieb am 27.12.2009 um 13:34
Lieber Herr Jakob Augstein,

haben Sie schon mal über eine TV-Zeitung Kooperation mit einem Fernsehsender nachgedacht?

So eine Art der Freitag-TV. Das ist doch heute auch der Trend. Der SPIEGEL macht das doch auch
Das würde den Bekanntheitsgrad des Freitag steigern und den Trend des Freitag zu einem multimedialen Meinungsmedium noch verstärken!

Außerdem kann man mit Fernsehwerbung bestimmt richtig Geld verdienen!

Das Gute dabei fände ich auch, das "iregdwie links" endlich mal auf der Mattscheibe ein Format bekommt, dass ursprünglich aus der Zeitungslandschaft stammt.

Mir ist klar, dass es schwierig werden könnte, einen geeigneten Sender zu finden, aber das ist auch erst mal ins Unreine gedacht.

Vielleicht käme ja arte oder VOX in Betracht kommen.

Wenn man die Zukunft der multimedialenm Zeitung denkt, sollte man auc den Mut haben, Dinge zu denken, die auf dem ersten Blick absurd erscheinen.

Herzliche Grüße

por
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.12.2009 um 23:56
@ Poor on Ruhr

Darüber denkt er bestimmt öfter nach.
Denn das ist eine richtig gute Idee.
Das mit dem TV.

Das mit dem Geld verdienen wird ihm bestimmt gefallen.

Viele Grüße
archinaut schrieb am 27.12.2009 um 14:23
"Wir haben sehr wenige Blogs, die sich mit der Darstellung äußerer Ereignisse befassen. Leider, muss ich sagen. Ich hätte gerne mehr. Das bedeutet, unsere Blogger befassen sich mit ihrer Innenwelt, mit Ereignissen aus ihrem Leben und Umfeld oder mit ihren Anschauung zu äußeren Ereignissen. Worauf ich hinauswill: Bei all diesen Themen geht es nicht um Faktentreue." schreibt Jakob Augstein......

vielleicht ist es an der Zeit den Begriff zwischen den Polen Autor, Journalist, Nutzer, Leser etwas genauer zu verorten oder begrifflich zu diversifizieren...?

Allein in der FreitagCommunity findet man

- Spaßblogger
- Newsblogger
- Konzeptblogger
- Leserblogger
- Kritikblogger
- Ressortblogger
- Debattenblogger
etc.

Neulich irgendwo ein Zitat von Adenauer gelesen:
"Man muss die Leute nehmen, wie sie sind.
Andere gibt es nicht." (oder so ähnlich)

Viel Erfolg und ein rauschendes 2010
für Inhaber, Redaktion und Community
wünscht
archie
Philip Schnarrenberg schrieb am 27.12.2009 um 16:39
"...das dient der Erziehung der Community" was für eine Aussage. Der Freitag, ein pädagogisches Projekt.
Columbus schrieb am 27.12.2009 um 18:34
Was noch beitragen?

Zwischen und unter Bloggern und Journalisten scheint mittlerweile Alles gesagt. Sowohl das üble Nachreden, als auch die schönsten Elogen fanden in den letzten Jahren ihren Platz, gedruckt und elektronisch.

Ganz ehrlich, ich erkenne keine Qualitätsunterschiede. Es gibt genauso viele stumpf blöde Journalisten und Redakteure, wie hirnlose Blogger und umgekehrt.

Ich erkenne nur Haltungsunterschiede. Ein Journalist ist entweder immer Journalist, oder er ist es eben nie.
Von letzterer Spezies, einschließlich der Mischform wird mir, es mag vollkommen an mir liegen, beständig übel. Denn deren Umgang mit den Fakten und den Argumenten, unterscheidet sich nur unwesentlich oder nicht von dem Umgang, den auch viele Gelegenheitsblogger und Gelegenheistkommentaristen an den Tag legen. - Aber, auch das ist keine tiefgreifende Erkenntnis, sondern nur Ergebnis einer umfassenden Medialisierung. Es ist wie das tägliche Wetter.

Mir tun eher die guten Journalisten leid, deren gut recherchierte und völlig quellenoffene Art zu schreiben, nur noch von einer kleinen Quote der Leser überhaupt akzeptiert wird.

Was in einem Publikationsmedium mit Anspruch geschrieben steht, das muss redigiert und gestaltet werden. Eine Tradition, so alt wie der Beruf des Journalisten. Selbst Karl Kraus oder die legendäre NZZ, oder sonstige altehrwürdige Presseorgane, leben und lebten von der Selbstkorrektur und der Redaktion, die nichts anderes macht, als immer wieder gescheit auswählen. - Mit dem Aufwand an Gescheidheit hapert es heute ein wenig, selbst bei den Vielmänner- und Vielfrauenblättern. - Die Prinzipien bleiben, egal ob Online oder Print die selben, sie müssen nur angewandt werden.

Leben, Geld verdienen und irgendwie öffentlich in Erscheinung treten kann Hinz und Kunz auch ohne den ganzen Ethos und ohne Engagement. Affen wollen immer Zucker.

Was tatsächlich geht, ist ein unverwechselbares Format zu schaffen. Wenn also die Durchlässigkeit der Blogger- und der Journalisten-Welten groß wird, dann hat das einen ganz eigenständigen Charakter und ist revolutionär. - Aber die Standards für Qualitäten bleiben bestehen, oder man lebt ungeniert ohne sie. - Das ist dann eine Frage der Haltung.

Die Ökonomie der Publizistik ist übrigens, wie in jedem anderen Wirtschaftsbereich, eine von Text- Qualitäten, Standesethik und Selbstverpflichtungen völlig unabhängige Kategorie. Keine Frage ist allerdings, dass diese Kritierien zunehmend eine Führungsrolle übernehmen. Es geht derzeit wohl nicht anders, aber es ist auch ein Eingeständnis, dass die öffentliche Öffentlichkeit und ihre Art der Medialisierung von Themen, zumindest da wo es um Massen geht, hauptsächlich von sachfremden Kritierien bestimmt werden. - Wir leben ja nicht hinter oder auf dem Mond, sondern in der irdischen Realwirtschaft des 21. Jahrhunderts.

Liebe Grüße

Christoph Leusch
haydnplayer schrieb am 27.12.2009 um 19:25
„Wenn Sie meine wahre Meinung wissen wollen: Ich selber glaube dass das Prinzip des Freitag über kurz oder lang in allen qualitätsorientierten Internet-Medien angewendet wird.“

Lieber nicht, sonst könnte wohl für die Zukunft des Freitags und seine Community nur noch gebetet werden.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.12.2009 um 23:51
»… sonst könnte wohl für die Zukunft des Freitags und seine Community nur noch gebetet werden.«

Nun, was Anderes wird kaum helfen.
müslikind schrieb am 28.12.2009 um 01:35
"Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?" Bert Brecht

Lieber Herr Augstein, für mich stellt es einen Widerspruch dar, dass Sie einerseits überall das Konzept der Community anpreisen und andererseits den Bloggern und Kommentatoren immer wieder mit einer gigantischen Ignoranz begegnen (fiel mir schon in der Diskussion um Angele-Rotschild auf und jetzt wieder). Das wirkt nicht wie der Wunsch nach einer konstruktiven Diskussion. Wenn es Ihnen wirklich um eine Community von lauter Markus Beckedahls geht, hätten Sie das sagen müssen. Dann wären die meisten von uns eben nicht hier. Weil es uns um andere Dinge geht. Mir zum Beispiel geht es darum, auch ganz subjektive Perspektiven (auch zu aktuellen Themen) zu erfahren. Ansonsten könnte ich mir ja eine Zeitung kaufen. Wenn Sie aber "mehr Zeitung" von den Bloggern wollen, liegt der Verdacht nahe, dass Sie einfach weniger Leute dafür bezahlen wollen, über Fakten zu schreiben. Da die Blogger ihre Tätigkeit aber zu ihrem eigenen Vergnügen in ihrer Freizeit betreiben und Recherche über Fakten Zeit und Geld kostet, erscheint mir diese Erwartung unrealistisch.
Wenn es Ihnen aber wirklich um die offene Diskussion und das Potential der Community geht, wie ich gelegentlich herauszuhören meine, sollten Sie uns vielleicht etwas pfleglicher behandeln. Erwachsene gelten im Allgemeinen nicht als erziehungsbedürftig.
merdeister schrieb am 28.12.2009 um 08:55
Applaus.
Magda schrieb am 28.12.2009 um 09:45
"Wenn es Ihnen aber wirklich um die offene Diskussion und das Potential der Community geht, wie ich gelegentlich herauszuhören meine, sollten Sie uns vielleicht etwas pfleglicher behandeln. Erwachsene gelten im Allgemeinen nicht als erziehungsbedürftig."

Hihi, genau.
misterl schrieb am 31.12.2009 um 13:18
Ja, das hat Schlusswortcharakter.

"Wenn es Ihnen aber wirklich um die offene Diskussion und das Potential der Community geht, wie ich gelegentlich herauszuhören meine, sollten Sie uns vielleicht etwas pfleglicher behandeln. Erwachsene gelten im Allgemeinen nicht als erziehungsbedürftig."

Wobei ich hinzufüge, dass es die hier fehlende Angebotsoption zum "Potential [..] herausholen" gibt. Die hätte an der Stelle etwas mit (Weiter-)Bildung statt "Erwachsenenerziehung" zu tun. Wem also "Potenmtiale" wichtig sind, der möge sie fördern wollen als konstruktives, aktives und attraktivies Angebot.

In diesem Sinne Herr Jakob Augstein - packen Sie es an.

ein letzter LG
misterL

PS
Es sollte aus der Debatte Inhalte werden - ansonsten verkommt es zum all monatlichen Schwadronierzirkel.
weinsztein schrieb am 28.12.2009 um 02:39
Hi @lle

jedem hier ist doch - eigentlich - klar, was Jakob Augstein den StudentInnen sagen wollte. Zu dumm, dass sein Redemanuskript uneditiert (bzw. nicht redigiert) hier in blogs gestellt wurde.

Bevor ein redaktioneller Beitrag gedruckt wird, sollte er gegengelesen und womöglich korrigiert werden, von professionellen Kollegen. Geschieht das nicht, häufen sich Pannen im gedruckten Erzeugnis. Das wäre unprofessionell.

Dass viele blogs nebst Kommentierungen in der Freitag-Community eher selbstreferentiellen Charakter haben, finde ich ok, da mach ich auch sehr gern mit.
Dass Jakob Augstein sich darüber hinaus auch Relevantes für den Print-Freitag erhofft, finde ich aus seiner Verleger-Sicht durchaus legitim, zumal er diese Community finanziert und den eher defizitären gedruckten Freitag am Leben hält. Ein Meinungsmedium.

Der einen oder andere Aufschrei hier unter Augsteins schlampigem blog nervt mich. Als ob's um teure Recherchen ginge!
Hier in der Community gibt's ExpertInnen für Vieles, das weiß ich. Für deren Print-Freitag-geeigenete Beiträge bedürfte es nicht aufwändiger, gar kostenintensiver Recherchen. Hier ist viel Wissen versammelt, Klugheit, Expertentum, Eloquenz, Kreativität. Und Meinung. Mehr als in allen anderen Foren, soweit ich sie kenne.

Ich sehe diesen blog von Jakob Augstein als eine Art Aufruf, all das in den Freitag zu investieren, ob gedruckt oder hier in der Community (die der Verleger wohl unterschätzt).

Herzliche Grüße
weinsztein
weinsztein schrieb am 28.12.2009 um 02:58
... und provozieren wollte er auch, der Jakob Augstein. (Eher auf Laien Art, aber er ist ja noch jung.)
merdeister schrieb am 28.12.2009 um 09:04
Das Problem sehe ich darin, dass JA zum einen immer wieder sagt, die Come Unity sei ihm wichtig, ihre Bedenken nähme er ernst. Er ruft zur Diskussion auf und ist dann gerne auch mal nicht dabei (ohne Frage, der hat auch anderes zu tun).
Und dann wird einem zu allem Unmut so ein Ding hingeklatscht. Prinzipiell ist das schon ungeschickt, zu DIESEM Zeitpunkt finde ich das einfach dämlich. Wenn JA die Stimmung hier einschätzen könnte, hätte er das alles erst heute Mittag eingestellt, nachdem jemand darüber gesehen hat. Er ist nicht irgendein Blogger.
Man muss mir keinen Zucker in den Hintern blasen, damit ich mich irgendwo wohl fühle, man muss mich ernst nehmen.

"... und provozieren wollte er auch, der Jakob Augstein. (Eher auf Laien Art, aber er ist ja noch jung.)"

Ich bin jünger (kein Jünger).
weinsztein schrieb am 28.12.2009 um 10:38
Lieber jüngerer Merdeister, ich stimme dir zu. In jeder Hinsicht.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.12.2009 um 11:18
Ein langer Text mit vielen Einstiegspunkten. Das macht nichts. Was jedoch ein wenig stört, ist die Haltung des Freitag zum Netz. Es ist ein Irrtum, zu meinen, im Netz könne man nichts verdienen. Ist dem so, liegt es zumeist am eigenen Unvermögen, mit dem Medium zu agieren und nicht daran, dass es nicht ginge. Zudem "nervt" das ewige kindische Rumgeheule der Verleger. Sie selbst waren es, die ihre Cashcows ins Netz trieben und so den "Preis" bestimmten. Dabei gibt es durchaus Unternehmen, die im Internet erfolgreich sind. Hockt man aber auf seinem Verlegerego herum, wird es schwierig. Mich beschleicht langsam der Verdacht, dass es nicht das Netz ist, das nicht funktioniert - es sind die Verleger, die einfach nicht begreifen wollen, dass sie ihr Produkt im Netz erst noch entwickeln müssen. Das zeigt sich auch in Meinungen, Blogger oder sagen wir "freie Schreiber" bräuchten die Institution Verlag, damit sie gefunden werden. Das ist schon im Grundsatz Unsinn, denn kein Verlag bräuchte einen Blogger, würde er seinen Job wieder anständig machen. Auch die Blogger benötigen eigentlich keinen Verlag - wozu auch? Sind sie gut und vernetzen sie sich, können sie ihre eigene Plattform gründen. Die Technik hierzu ist verfüg- und finanzierbar. Und wenn wir schon beim Thema Technik sind, sollte auch hier etwas in Ordnung gebracht werden, anstatt Texte zu redigieren. Die Plattform Freitag ist unzeitgemäß langsam und die Wahl einer Serifenschrift für Fließtexte ist ein einziger Fauxpax. Schlechter lesbar geht kaum noch. Wie Sie richtig bemerken, Herr Augstein, existiert ein Unterschied zwischen Print und Netz - das ist richtig. Ein Unterschied ist, dass Serifenschriften auf Papier leichter lesbar sind, auf dem Monitor aber nur schlecht.

Vielleicht ist es gut, wenn Verlage noch weiter unter Druck geraten, Menschen ihre eigenen Medien machen und das Netz hier Hilfe ist. Bei allem Verständnis für die eigene Position, die der Beitrag recht eindrucksvoll bebildert, wird doch offensichtlich, dass es hier an Verständnis mangelt. Der Gedanke, freigesetzte Redakteure würden im Netz (hier zuerst) ihr eigenes Magazin realisieren, hat etwas - sofern sie die Fehler ihrer "Eltern" nicht wiederholen. Übrigens - Herr Augstein; "gebraucht" wird die Institution Verlag nur aus monetären Gründen - im Hier und Heute. Recherchen und Produktionen auf Papier brauchen Kapital/Backup. Stellt der Verlag das aber nicht mehr zur Verfügung oder nicht mehr im ausreichenden Maße und sorgt er nicht klug für eine Verwertung, ist er überflüssig.

Das ein einzelner Blogger immer irrelevant ist oder bleiben muss, ist die Haltung, die den Verlagen letztlich das Genick brechen wird. Er ist eben NICHT von der Institution Verlag abhängig. Umgekehrt wird ein Schuh daraus.
schwarzbart schrieb am 28.12.2009 um 12:49
Hallo Herr Augstein,
zunächst einmal Danke! und chapeau! ob ihrer luziden Analyse. Und zum zweiten: Crowd-sourcing ist genau die richtige Idee für den FREITAG, für die hiesige Community (in die, wie ich erfreut registriere, immer mehr ZEIT-Kommunarden (?!) wechseln). Nur braucht dieses crowd-sourcing eine tauglichere Plattform als ein reines BLog. Wir in der Presse-AG der Piratenpartei machen sehr gute Erfahrungen bei kollaborativer Textentwicklung mit Etherpad. Etherpad ist mittlerweil von GOOGLE gekauft und OpenSource-lizensiert worden, so daß es jedem frei steht, es einzusetzen.
Wäre das nicht die richtige technische Antwort aus dem Web 2.0 ?

Freundlich grüsst schwarzbart
merdeister schrieb am 28.12.2009 um 13:02
Etherpad ist doch ein alter Hut.. Auch an Idee mangelt es nicht.
merdeister schrieb am 28.12.2009 um 13:03
Da fehlt ein ;-) nach dem Hut.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.12.2009 um 13:08
Die Piraten sitzen bei der Datenkrake auf dem Schoß - großartig.
schwarzbart schrieb am 28.12.2009 um 13:09
Schon klar. Nur: Mit der openSource-Version kann der FREITAG der Community einen eigenen Etherpad-Server verfügbar machen - mit der Option, bei der Blog/Artikelarbeit jeweils ein fallbezogenes, einzelnes Pad zu generieren - und nach Ende der gemeinsamen Textarbeit wieder zu schliessen. Eine solche Funktion liesse sich leicht in der "Neuen Blog-Beitrag schreiben" - Umgebung einfügen. Das wär dann schon eine andere Qualität.
Aber danke für den Link. Bei 1800 Bloggern in der Community entgeht einem ja doch so manches.
merdeister schrieb am 28.12.2009 um 13:20
Aha, das hört tatsächlich interessant an.

Frage an die "Onliner": Gibt es einen Tag "Freitagsdiskussion"?
schwarzbart schrieb am 28.12.2009 um 13:32
Gegenfrage: WO? Bei Twitter könnte man den "eben schnell" in die Welt setzen, wie ist das hier in der Community? Und kann man Freitgs- und Twitter-Tags verknüpfen? Und sollten nicht alle Blogger ihren Twitter-Account ins Profil stellen?
mh schrieb am 28.12.2009 um 13:36
pssst, auch noch lesen

www.freitag.de/community/blogs/jaugstein/freitag-und-zukunft---eine-antwort

twitter/facebook-login wäre ja auch noch so n ding... aber ja mei, das ist schon alles gesagt.

mfg
mh
merdeister schrieb am 28.12.2009 um 13:51
Die Tags legt man selber fest, wenn man ein Blog schreibt. Ob es noch andere Wege gibt wes ick och nisch.

Danke mh, der ist natürlich auch wichtig.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.12.2009 um 16:01
Das stimmt so nicht ganz. Etherpad ist zwar Open Source, jedoch nicht umsonst. Um mit Etherpad eine Com vertrauenswürdig zu beglücken, ist eine Professional Version nötig, die nicht ganz günstig ist. Hinzu gesellen sich die Kosten für die Integration. Beschränkt man sich auf die Free Version, ist das System offen wie ein Scheunentor. Schon allein aus Gründen des Datenschutzes verbietet sich eine derartige Implementation, von gewissen Resentiments gegenüber Data-Warehousing-Platzhirsch Google mal ganz abgesehen. In Frage zu stellen sind auch die Vorteile, die ein derartiges System bietet. Mit gänigen echten Open Source Systemen, die sich gut in ein CMS integrieren lassen (z.B. Elgg) ist bereits sehr viel möglich. Auch Tags sind zwar eine nette Sache - ob sie aber so viel bringen, steht ebenfalls in den Sternen. Im Grunde ist es doch so, dass massive Features letzlich nur von wenigen Usern wirklich genutzt werden, aber viele Probleme daraus resultieren können - angefangen bei der Integration bis hin zu einer explosionsartig ansteigenden Zahl von Nutzeranfragen, die technisch weniger versiert sind. Und zu guter Letzt: Auch durch Systeme wie Etherpad werden die Blog-Beiträge vermutlich nicht besser. Computer sind nämlich doof - und Software auch.
Columbus schrieb am 29.12.2009 um 01:34
Ich habe hier noch eine kleine technische Anmerkung zu einer oft leicht übersehenen Form von "Qualität". - Es sind an sich nur Details, wie z.B. hemmungslos die eigenen Quellen an zu geben. Nur die Götter glauben, sie schöpften aus dem Nichts.

Zweitens, konsequent am Ende auf die eigene "Backlist" aus dem Archiv und aus der aktuellen Redaktion verweisen. Das machte ZEIT-Online einst schon ganz gut, derzeit ist es eher vom jeweiligen Autor und dem zuständigen Redakteur abhängig, irgendwie nicht Standard.

Kleiner Hinweis: Vorbildlich, wie das nun bei Frau Reygers Artikelserie zur Musik der Frauenbewegung gehandhabt wird. - Verweis was es schon gab und Andeutung der Fortsetzung.

Grüße
Christoph Leusch
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.12.2009 um 21:33
Nee, also echt nicht, Herr Augstein.

Ich hab keinen Bock, als quasi-Redakteur zu fungieren und möchte als blogger gern entscheiden, ob ich redigiert werden will.

Meine Beiträge in der Community beruhen auf Spontaneität und freiem Entschluss.

Da halt ichs ganz wie MH : "der punkt ist, die idee entstand aus der kommunikation heraus. also nicht aus der "aufforderung" sondern als gemeinschaftliche idee aus dem gedankenaustausch heraus."

Und mit müslikind: "Dann wären die meisten von uns eben nicht hier. Weil es uns um andere Dinge geht. Mir zum Beispiel geht es darum, auch ganz subjektive Perspektiven (auch zu aktuellen Themen) zu erfahren."

Mir auch.
Zeitungen und Nachrichten und online-Dienste, die Fakten, Fakten, Fakten anbieten, gibt es genug.

Wenn Sie tatsächlich nicht zu schätzen wissen, was hier auf unbestelltem Acker gedeiht, erinnere ich noch mal an Ihre Worte:

" Stefan Aust, den ich für den größten Chefredakteur des Spiegel halte, war Online schnurz. Darum konnten die Netz-Kollegen zehn Jahre lang vor sich hin basteln und wachsen und wachsen und wurden dabei nicht gestört."

Es könnte sein, dass im Verhalten von Stefan Aust gegenüber der damaligen online-Redaktion eine Essenz verborgen liegt, die später mal Gold wert ist.

Ich mein ja nur.
Wiedehopfin schrieb am 30.12.2009 um 21:42
@ Ingar75

Wenn Sie die Vorschläge von JA nicht akzeptieren können, ist das eine Sache.

Meine Idee wäre, dass diejenigen Blogger und Bloggerinnen, die sich eine solche Kooperation mit der Redaktion wünschen und vorstellen können, das auch machen können.

Jeder so wie er möchte, das fände ich fair.
Wiedehopfin schrieb am 30.12.2009 um 21:45
Ungar, sorry.
Urmel auf dem Eis schrieb am 31.12.2009 um 00:10
Nun ja : Schrift geht unter, Wortschatz geht unter, besitzender Herausgeber bildet sich ein, Gehorsam begründet (weiter) Karriere. Gläobig, wie "aufgeklärt".

J.A, auch Ihre Nachkommen werden "digital" und wahrhaftig kämpfen müssen. Dem Imperium gehen Sie und Ihre Nachkommen am Ärmel vorbei. Sie werden benutzt, weil Augstein und Walser in diesem besetzen Land (deutsche) Legenden und/ oder Intellektuelle sind.

Sie sind nicht diese beiden.Sie sind Sie selbst.

Ziehen Sie daraus ( für Ihre Kinder) die Konsequenzen.
Lassen Sie sich nicht verwursten.
André Rebentisch schrieb am 02.01.2010 um 01:35
Vor einigen Jahren war ich auf dem Weltgipfel der Informationsgesellschaft. Sehr viel oberflächliches Geplänkel, aber fantastisch war damals Nik Gowing von der BBC. Der erklärte eloquent wie kleine Jungs mit Digitalkamera die Frontberichterstattung für die BBC verändern. Leider habe ich keine Kopie von dem, was damals die BBC aus Genf ausgestrahlt hat. Das war wirklich klasse auf den Punkt gebracht.

Bezüglich "Berichten", das machen die meisten wohl anderswo. Und auch mit Print verdient man nicht mehr so viel als Journalist.

Ich habe übrigens mein Blog zur Zeit hier:
bit.ly/5B5sds
und springe mal immer wieder zwischen verschiedenen Plattformen hin und her.
müslikind schrieb am 07.01.2010 um 01:06
Keine Antwort ist auch eine Antwort!
Jakob Augstein
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Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

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Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
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