Jakob Augstein

der Freitag

16.11.2009 | 22:15

Sahra - früher

Liebe Nutzer,

hier ist ein Portrait, das ich vor langer, langer Zeit mal über Sahra Wagenknecht geschrieben habe. Da wir an anderer Stelle eine kleine Debatte über diese Politikerin der Linkspartei haben, ist das vielleicht ganz interessant. Und sei es nur, um meine antikommunistische Credibility zu stärken :)

 

Die Veranstaltung auf der Hallbinsel Alt-Stralau  endete gestern spät. Da hat das Neue Deutschland sein Hauptquartier, in einem Industriegebiet zwischen Rummelsburger See und Spree-Osthafen, hart an einer stählernen Eisenbahnbrücke, unweit der ausgedehnten Gleisanlagen des Ostkreuzes.  In der alten Fabrikhalle des Parteiorgans der PDS, vor vielen sehr alten und sehr jungen Menschen, haben die Parteimitglieder Sahra Wagenknecht und Adre Brie wieder einmal lange über die Zukunft der PDS geredet. Dafür interessieren sich im Osten vor allem die sehr Jungen und die sehr Alten. Und darüber hat Andre Brie, der „Vordenker der PDS“ genannt wird, eine ganz andere Meinung als die junge Kommunistin Sahra Wagenknecht.
Sie hat nicht mit ihm gestritten. Sie hat ruhig festgestellt, daß es die PDS „nicht  mehr als Gegenmodell“ gibt und leise gefordert: „Das Kapital muß von unten unter Druck gesetzt werden.“ André Brie hat für seine Hoffnung auf ein Bündnis mit den Sozialdemokraten geworben und für einen vorsichtigen Umbau der Bundesrepublik. Sahra Wagenknecht hat für die Revolution geworben. Aber ganz nüchtern, wie das ihre Art ist.
Heute trägt Sahra Wagenknecht das selbe Kleid wie gestern abend. Ein schwarz-graues Kostüm mit Samtkragen und darunter eine weiße Bluse. Sie hat die Haare streng nach hinten gekämmt, zum Knoten gebunden und im Gesicht zuviel Makeup. Männer achten bei Frauen immer auf das Äußere, bei Männern nicht. Sahra Wagenknecht empfängt Besucher zuhause. Das ist in Karlshorst, am östlichen Rand Berlins, in einem Viertel, das später mal wieder ein vornehmer Vorort sein wird, so wie die westlichen Vororte Zhelendorf oder Dahlem. Dann wird die Kommunistin hier aber nicht mehr wohnen.
Sie geht voran, in ein Zimmer, wie große Schwestern es haben, wo die Bücher aus den Regalen quellen und der Schreibtisch in Papieren versinkt und dennoch alles viel ordentlicher ist als kleine Brüder es hinbekommen und irgendwo steht eine kleine Blume. Mit geradem Rücken sitzt sie auf einem Sofa und lächelt wenig. Sie redet mit der selben Stimme, die sie gestern auf dem Podium hatte. Eine Stimme, die der Kehlkopf zusammenpreßt bevor sie Worte formt. Man fragt sich, welche Stimme sie hat, wenn sie privat ist. Daß Sahra Wagenknecht Besucher zuhause empfängt, heißt nicht, daß sie privat ist.

Sahra Wagenknecht gehört zur „Kommunistischen Plattform“ ihrer Partei. Da haben sich Ostdeutsche gesammelt, die mit der DDR gar keine Probleme hatten und die Mauer für notwendig hielten. Sie verachten den Eiertanz der Realpolitiker in der PDS, die immer noch keinen Weg gefunden haben sich von der DDR-Vergangenheit zu distanzieren, ohne sie ganz über Bord zu werfen. Die fundamentalistische Splittergruppe der PDS ist zu klein, um die Partei zu beherrschen, und sie ist zu groß, um rausgeschmissen zu werden.
Deshalb kommen viele Journalisten zu Sahra Wagenknecht, Jahrgang 1969, der einzig lebenden prominenten Kommunistin der Bundesrepublik Deutschland, und lassen sich in ihrer ostdeutsch überheizten Wohnug erklären, wie sie die Dinge sieht. Sie redet von der Ausbeutung der Dritten Welt durch die westlichen Industrienationen, davon, daß das Roulette der ungebremmsten Kapitalmärkte von der Arbeit der Lohnabhängigen genährt wird. Sie sagt, ein „winziger Kreis von Topmanagern und Großaktionären“ bestimmt das Leben „tausender Menschen“ und das hat „mit Demokratie nichts zu tun.“ Sie folgert daraus, daß die Bundesrepublik die sozialistische Revolution braucht. Sie selbst befindet sich „in Opposition zu dieser Gesellschaft in ihren Grundstrukutren“ und will deshalb auch nicht im parlamentarischen System mitarbeiten. Sie will „außerparlamentarischen Druck“ machen, um die Gesellschaft zu ändern.

Diese Kombination aus links-pubertärem gesamtgesellschaftlichem Rundumschlag, treffsicherer System-Kritik und sehnsüchtiger Vision vom gerechten Leben ist nicht so bemerkenswert. Man kann das allerorten an den politologischen Seminaren hören. Aber Sahra Wagenknecht sagt das, während sie kerzengerade auf dem Sofa sitzt, in ihrem grau-schwarzem Kostüm mit Samtkragen und weißer Bluse, über ihr das große Bild von Goethe, daneben kleine Bilder von Richelieu, Ludwig XIV., Marx und Lenin. Das ist eine bemerkenswerte Kombination. Es gibt vermutlich nicht viele Leute, die Enteignung des Produktivvermögens fordern und sich beschweren, das moderne Theater würde die guten deutschen Klassiker zur Unkenntlichkeit inszenieren.

Sie will das Bürgertum bekämpfen und sie wirkt so durch und durch bürgerlich. Aber das ist nicht ihr Problem, sondern das des Beobachters, den der sonderbare Kontrast verwirrt. Man kennt so konservative Linke im Westen nicht. Als sie über das Theater spricht, das sie früher gerne besuchte, heute nicht mehr, weil die Regisseure den Klassikern „gar nicht mehr gerecht“ werden, da sagt sie noch etwas, das einen plötzlich verstehen läßt. Sie sagt: „Was ich da an westlichen Inszenierungen gesehen habe ... der blanke Irrationalismus!“
Die junge Frau ist darauf angewiesen, die Unordnung der Dinge mit ihrem Verstand zu durchdringen. Die konzeptionelle Reinheit des Sozialismus findet ihre Bewunderung, das Chaos des Kapitalismus ist ihr ästhetisch zuwider. Und wenn sie über die „klassische Hausfrau“ redet, die es zu DDR-Zeiten gar nicht gegeben habe,  die sich nur mit „Diäten, Waschmittel, Schönheit, wie sie ihre Wohnung gestaltet, was sie kocht“ befaßt und über den Mittelstand, der „so hohl, so spießig, so leer“ sei, dann tut sie das gar nicht mit  polemischer Verachtung sondern eher mit ungläubiger Distanz.

Sie redet stets ohne Aufregung, ohne Eifer, aber auch ohne Enthusiasmus. Nicht, wie man sich vielleicht eine Revolutionärin vorstellt, deren Herz in ihren Worten mitschwingt. Sondern wie eine hervorragende Schülerin, die, ceteris paribus, eine schwierige Aufgabe gelöst hat und der die Lösung jetzt ganz selbstverständlich vorkommt. Kant, Fichte, Schelling, Hegel, Marx hat sie gelesen und alles ist sonnenklar. „Wenn man bei Hegel ist muß man zu Marx weiter“, sagt sie, blickt dabei vor sich in die Luft und schüttelt sachte den Kopf, „ich verstehe gar nicht wie man den Schritt nicht gehen kann.“
Das  Ende der DDR ist in ihrer Erinnerung nicht nur das Scheitern des besseren Gesellschaftssystems. Für die junge Frau, die sich noch kurz vor Untergang ihres Staates, dessen Hymne sie hinter ihrem Computer stecken hat, in die SED aufnehmen ließ, war dieser Untergang vor allem eine ungeheure Demütigung. Die Mauer ging auf und die Ostbürger wurden mit Bananen empfangen, die Trabis mit Sekt übergossen: „Das war so erniedrigend, das war ja unsere Bevölkerung, da wurden dann die Kameras draufgehalten, wie die zu Tränen gerührt durch die Kaufhäuser liefen und den Konsum bestaunten.“ Sie ist am 9. November 1989  zuhause geblieben und hat Kant gelesen, „die ‚Kritik der reinen Vernunft‘ oder schon die die der ‚Praktischen‘.“
Da war sie 20 Jahre alt, lebte in einem Plattenbau in  Marzahn bei ihrer Mutter, die sich aus Politik nichts macht und wollte Philosophie studieren und an einer Universität arbeiten oder an der Akademie. Als der Schock der Einigung  vorüber war beschloß sie jedoch, die Bücher erst mal wegzupacken und Politik zu machen. Das ging sehr schnell. Sie war ein Jahr später im Vorstand der Partei und nervte dort die Realpolitiker. Im Januar 1996 wurde sie auf deren Druck nicht wiedergewählt, im Januar 1997 stellte sie sich gar nicht erst zur Wahl.
Sie machte bald die sonderbare Erfahrung, daß man Frauen in der Politik ganz anders behandelt, als Männer.  „Frau mit den kalten Augen“ wurde sie genannt „Frau aus Marmor“ oder „rote Frontfrau“, man machte sich über ihre Frisur und die Rüschenblusen lustig und fragte sich, wann sie die Rosa-Luxemburg-Imitation so weit treiben würde, daß sie mit dem Hinken anfinge. Selbst für westdeutsche Verhältnisse ausgesprochen linke Journalisten spotteten über den Weg der „ realsozialistischen Barbiepuppe zur kommunistischen Jeanne d‘Arc.“
Sahra Wagenknecht befindet sich in Fundamentalopposition zu den gesellschaftlichen Verhältnissen. Man kann damit rechnen, daß sie dazu neigt, eine paranoide Position zu beziehen. Die Angriffe auf ihre Weiblichkeit tun dann ein Übriges dazu, daß sich die Frau verfolgt. Vielleicht hat sie aber auch nur leichtfertig einen archaisch anmutenden Sprachgebrauch des Klassenkampfes übernomen. Auf jeden Fall redet sie ständig von „Denunziation“, „Kampagnen“ und „Säuberungen“, mit denen sie fertig gemacht werden soll. Mit naiver Verachtung sagt sie über ihren Bundesvorsitzenden, der sie aus dem Parteivorstand drängte: „Bisky ist Medienwissenschaftler, der weiß auch was man rausgeben muß um eine entsprechende Wirkung zu erreichen.“

Seit sie aus der Parteispitze geflogen ist, kann sie Wirkung nur noch über Interviews und Auftritte erreichen. Sie reist zweimal im Jahr für ein paar Tage durchs Land und
tritt auf irgendwelchen Podien auf: In München, Osnabrück, Gelsenkirchen, Essen,  Schwäbisch Hall, Siegen, Stuttgart, wohin man sie einlädt. Sie nennt das die „Frühjahrstour“ und die „Herbsttour.“  Der Gedanke, das ungebrochene Interesse an ihrer Person könne mit ihrem Äußeren und ihrem Frau-Sein zusammenhängen, ist ihr zuwider. Sie möchte für ihre Feinde nicht das bedrohliche Flintenweib spielen. Aber für ihre Freunde auch nicht das rote Sexsymbol.

Gestern abend haben sich die Menschen vor der Tür gedrängt und dahinter, im Flur auch. Der Saal war längst übervoll. Durch die Menschen bahnte sich Sahra Wagenknecht einen Weg zum Podium und blickte dabei starr nach vorne. Hinter ihr her sagte ein alter Genosse  kaum hörbar: „Die muß mal ein bißchen zunehmen.“ Sahra Wagenknecht hat das nicht gehört. Es war liebevoll gemeint und zärtlich. Aber es hätte ihr nicht gefallen.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
luggi schrieb am 16.11.2009 um 22:27
Diese Provokation hätte ich vom JA nicht erwartet. Das ist nur ein erster Reflex.
luggi
Streifzug schrieb am 16.11.2009 um 22:31
luggi,

das ist bestimmt eine unbewusste Abwehrreaktion. Ich glaube, er ist heimlich verliebt in sie, darf sich das als Irgenwieler aber nicht eingestehen ;)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 22:35
quatsch
luggi schrieb am 16.11.2009 um 22:36
Oder unheimlich? aber sie hat keine roten "Zotteln". Nach Anzahl der Buchstaben hat sie vielleicht mehr publiziert als JA.
Jakob Augstein schrieb am 16.11.2009 um 22:36
Hey, das war vor mehr als zehn Jahren.
Ich war auch mal jung :)
luggi schrieb am 16.11.2009 um 22:42
Sie waren mal Jung? Der ehem. Verteidigungsminister? Dann sind sie JA auch so flexibel einsetzbar, weil, er ist ja jetzt "Arbeitsminister" und hat keine Arbeit für die vielen Arbeitslosen. Übrigens, was macht ihr Folienteich und die steinerne Häßlichkeit?
luggi
Jakob Augstein schrieb am 16.11.2009 um 22:50
Der Folienteich - ein Stück Folie ist aufgeklebt. Hat aber nichts gebracht. Muss irgendwo noch ein Loch sein. Mist. Entweder Beton. Oder eben nicht mit der Schaufel am Teichrand arbeiten. Nächstes Mal weiß ich es besser. Aber wann werde ich noch mal einen Teich anlegen? :(
luggi schrieb am 16.11.2009 um 23:54
"ein Stück Folie ist aufgeklebt"wie in der DeDeeR. Da wurde auch vieles mit Folie überdeckt. Aber nichts für ungut( wie schreibt man das richtig?). Der Freitag ist für ALLE da.
luggi schrieb am 17.11.2009 um 01:32
@Streifzug
vielleicht ist es einfach nur Schweinegrippe in der Form h1friday2. Geht aber mehr in's virtuelle 3.(dritte) Betrachterauge. wg. Missverständnisse: also nicht bei der "wahren"knecht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 22:34
Ja, das ist schon ein ganz schön starker Augenscheinbericht. Dietmar Bartsch knutscht erst Bunte dann Spiegel. Aber das der jetzt so Unterstützung für seine Parteivorsitzambitionen bekommt erinnert mich an den Zirkus mit Ségolène Royal.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 22:53
Das Risiko dieser illegalen Re-Publikation wäre nicht nötig gewesen. Mit geschlossenen Augen und etwas Konzentration hätte ich den Text sinngemäß vorbeten können (einschließlich der üblichen PDS-Senioren, die offensichtlich ewig leben, denn es gibt sie ja zehn Jahre danach immer noch). Okay, okay, vielleicht nicht ganz, die eine oder andere neckische Beobachtung ist ja drin. Aber, was solls. Von einem Menschen ist hier nicht die Rede.

Eines nehme ich persönlich: die "ostdeutsch überheizte Wohnung".
Streifzug schrieb am 16.11.2009 um 22:56
meisterfalk,

"ostdeutsch überheizte Wohnung" - ist das schon Rassismus?
Jakob Augstein schrieb am 16.11.2009 um 22:59
Lieber meisterfalk,
Raumtemperatur war aber nun mal ein echter Kulturunterschied zwischen Ost und West!

Aber auch da hat wahrscheinlich inzwischen eine Akkulturation stattgefunden.

Thermostat der Einheit. Toll.

JA
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 23:22
Meine Wohnungen hatten Kachelöfen. Wer nicht weiß, was das ist, hier nachlesen:

de.wikipedia.org/wiki/Kachelofen

In meiner letzten derartigen Wohnung (noch bis '95 bewohnt), schleppte ich die Hälfte des Jahres jeden Morgen 5 Eimer Brikett aus dem Keller in das 2. OG, einen davon für den Badeofen. Anheizen, dann Frühstück, vor dem Ausdemhausgehen Öfen zuschrauben. Am Abend so 18 Grad in der Bude, wenn die Finger und Füße am Schreibtisch klamm wurden, ein paar Minuten an den Ofen stellen.

Der Mensch braucht den Kälteimpuls, sagt meine Ärztin immer.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 22:54
Solche Artikel, ein bisserl liebevoller den Gedanken im hübschen Kopf zugetan, hätt ich schon gern auch im Freitag heute.
Es gibt eben junge Menschen, die den Systemgegensatz eben nicht für Quatsch gehalten haben. Und die für drüben plädiert haben, oder hätten. Gibt es.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 23:29
die Linke in NRW hat soooo viele junge Menschen.
Ludwig Hasselberg schrieb am 16.11.2009 um 23:42
"... dagegen war seit der Jahrtausendwende in Deutschland eine politische Figur ersten Ranges - dreifache Außenseiterin zwar, als Frau, als Ostdeutsche und als halbe Ausländerin; außerdem natürlich ein Bürgerschreck, und sogar ein Sozialdemokratenschreck, wegen der Radikalität ihrer Ansichten; und doch auch von Freund und Feind bewundert - oft widerwillig bewundert - für eine Vielfalt von Begabungen, die ans Geniale grenzte: ein Intellekt von höchster Schärfe und Feinheit, glänzende Stilistin, mitreißende Rednerin, Vollblutpolitikerin und zugleich originelle Denkerin; dabei eine warmherzige, faszinierende Frau. Über ihrem Witz und ihrem schönen Ernst, ihrer Leidenschaft, ihrer Güte vergaß man, daß sie nicht hübsch war. Sie ist ebenso geliebt worden wie gefürchtet und gehasst..."

Ui, wer hat denn das über wen geschrieben? Kleiner Tipp: stammt nicht aus dem Spiegel.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.11.2009 um 23:44
Meinten Sie: glänzende Stylistin, mitreißende Rednerin, Vollblut Politikerin und zugleich originelle Denkerin; dabei eine warmherzige, faszinierende Frau.
Es wurden keine Standard-Webseiten gefunden
Ludwig Hasselberg schrieb am 17.11.2009 um 13:51
Herrlich, oder, dieses "Meinten Sie..." bei fehlgeschlagenen Suchanfragen?
Das Zitat ist abgetippt (nicht Strg+C und Strg+V), und zwar aus einem Buch Sebastian Haffners. Die Stelle bezieht sich auf Rosa Luxemburg, ein paar Substantive hatte ich verändert. Der Text ist ursprünglich im "Stern" erschienen.
Naja, ich fand es verblüffend, diese (relative) Passgenauigkeit!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.11.2009 um 22:44
Sehr schön, meinen Dank dafür!
weinsztein schrieb am 17.11.2009 um 01:25
Lieber JA,

Ihr Wagenknecht-Porträt lese ich heute zum ersten mal und mit großem Vergnügen. Es ist warm, trotz Ihrer politischen Distanz zu Sahra Wagenknecht. Diese Distanz stört mich nicht, es ist ja Ihre, nicht meine.

Ich mag guten Journalismus, Ihr Beitrag von vor zehn Jahren ist ein gutes Beispiel, auch für den Freitag. Sie sollten Sahra Wagenknecht noch mal besuchen. Dieses Porträt läse ich dann auch sehr gern.

Auch ähnlich sehr persönlich gefärbte Reportagen, Porträts, geschrieben von alle Mitgliedern der Freitag-Redaktion wären schön. Lassen Sie die linke Vielfalt der Redaktion erblühen. Das gibt Stunk und Streit. Brauchen wir ganz dringend, geprintet und online.

Herzliche Grüße
weinsztein
weinsztein schrieb am 17.11.2009 um 01:27
allen
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.11.2009 um 22:49
Ich möchte weinszteins obigen Gedanken für den Freitag ganz allgemein unterstreichen. Ich wiederhole mich: Solche Portraits läse ich gerne. Kurz: Wer hat überhaupt noch einen angeeigneten Gedanken in der Jetztzeit der Politik? Das will ich vom Freitag wissen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.11.2009 um 06:19
Sarah Wagenknecht ist eine Klassefrau. Keine Frage. Sie ist etwas ganz besonderes.
Der Artikel hat mir auch gefallen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.11.2009 um 06:28
@ Meisterfalk
So hatte ich das verstanden: In ( ihre private ), ostdeutsche ( Ortsangabe ) überheizte ( subjektiv. Herr Augstein jedenfalls schwitzte ) Wohnung.

Obwohl ich den Satz auch als nicht so gelungen empfand.

Erst nach Deinem Posting habe ich die Zweideutigkeit erkannt.
Aus meinen Reisen in die damalige DDR, kannte ich sehr unterschiedliche Häuser & Heizsysteme. Grundsätzlich nicht anders als in der BRD.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.11.2009 um 06:54
"Grundsätzlich nicht anders als in der BRD." - Der Satz fällt viel zu selten. :)
Trotzdem oder deshalb: Es leben die feinen Unterschiede!!!

Für Dich einen hornalten Ossi-GutenMorgen-Song:

Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.11.2009 um 08:14
@ Meisterfalk
klingt nach "Beat". Handwerklich gut gemacht. Auch noch mit Gebläse. Die Klamotten der Band wirken auch typisch für diese Zeit. Würde mir einer erzählen, die Band stamme aus Österreich, würde ich das auch glauben. Musik und Kunst kennen eben keine Grenzen.

Vielen Dank für den Link!
lokalreporter schrieb am 17.11.2009 um 10:49
sehr schön gezeichnetes NAHPORTRAIT ~ kompliment!
Joachim Petrick schrieb am 17.11.2009 um 17:15
Lieber JA,
Sahra Wagenknecht hat doch glatt in einer Veranstaltung mit Gerhard Zwerenz 1995 im Museum für Arbeit in Hamburg- Barmbek , trotz meines Protestes, unwidersprochen von Gerhard Zwerenz behauptet, die Verbrechen im Namen des real- existierenden Sozialismus in der UdSSR, DDR, des Ostblocks müsse man in einem anderen Lichte betrachten als die Verbrechen im Namen des Kapitalismus, weil der Sozialismus, anders als der Kapitalismus genötigt sei, über seine Verbrechen aus Gründen der Revolution und des Fortschritts zu lügen.
(Gerade war das Rotbuch eines französischen Autoren über die Verbrechen im Namen des real- existierenden Sozialismus erschienen).

Vier Jahre später habe ich Sahra Wagenknecht zu dieser ihrer prekären Behauptung bei einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie in Hamburg, Esplanade, erneut befragt.
Worauf Sahra Wagenknecht gegen den Hinweis des Moderators “Sie brauchen auf diese dreiste Frage nicht zu antworten!“ darauf nachdenklich bestand, mir eine Antwort zu geben, die wie folgt ausfiel;“ „Das war natürlich Unsinn, inzwischen weiß ich, dass der Kapitalismus lügt, dass sich die Balken biegen!“

Worauf ich nur sagte:
“Das ist doch schon mal ein Fortschritt in Ihren Ansichten. Sie scheinen ja noch recht forsch, den Sinn ihrer eigenen Fragen und Antworten im Nachgang zu erforschen!
Das lässt mich hoffen!“
Sahra Wagenknecht war 1995 wie 1999 noch jünger als heute und brauchte Geltung, wie andere das Geld.

tschüss
JP
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.11.2009 um 22:52
Aber dazu muß ein aufgeklärter Kommunist nichts mehr sagen, oder? Und/oder warum wird Zwerenz beigeordnet, ausgerechnet.
Joachim Petrick schrieb am 19.11.2009 um 16:45
Lieber Rainer Kühn,
ausgerechnet Gerhard Zwerenz habe ich als Zeitzeugen erwähnt, der beredt damals vielsagend wie frappant nichts sagend schwieg.
Auch wenn Sie ein aufgeklärter Kommunist sind, dürfen und können Sie Ihre Meinung hier durchaus äußern, weil die offizielle deutsche Politik immer noch Probleme mit sich und den den Medien hat, die Regierungs- und Parteienkriminalität der DDR beim Namen zu nennen, ohne die russische Politik auf dem falschen Bein mutterseelen allein auf weiter Flur empört zu erwischen.
In diesem Sinne
tschüss
JP
tschüss
JP
klara schrieb am 17.11.2009 um 22:39
Hallo JA, diesen Text, so schön er geschrieben ist (ein Paradebeispiel für die Porträt-Galerie!), empfinde ich wie einen Koitus interruptus. Das fällt mir so ein. Der Schreiber bleibt im Beobachter-Status, von dem aus er - auf das beobachtete Objekt Sarah - schöne Tupfer verteilt, hübsche und weniger hübsche, aber stets passende, geschmackvolle... und macht mir doch nicht nachvollziehbar, was für ihn, den SChreiber, so bedeutsam ist an der Porträtierten. Warum interessiert sie ihn? Ein guter Ethnologe nimmt sich selbst ja mit ins Visier. Ein guter Porträtist vielleicht auch? Sonst bleibt es Oberfläche, so schön sie anzuschauen sein mag. Insbesondere, weil das Politische (und Philosophische) ja feuilletonistisch bleibt und deshalb auch die Leiden-schaft einer Sarah W. nicht nachvollziehbar wird. Die Porträtierte wird herabgewürdigt (oder auch heraufgeschrieben) zu einer postmodernen Mona Lisa, einer kommunistischen Kunstfigur. Schade.
klara
Tania schrieb am 18.11.2009 um 18:40
Anfang der 9oger habe ich einen Freund darin unterstützt in seiner Heimatstadt (Holzminden)die PDS zu gründen-damals war ich noch in der SPD.
U.a.fuhren wir auch nach Hameln zur "Sumpfblume" am Weserkai,wo Sahra eines Abends auftrat.
Ich war begeistert von ihr.
Seitdem verfolge ich regelmäßig ihren Werdegang und ihre Aussagen.
Ein Glanzlicht war etwa um 1997(?)herum,als es in einer Phoenixsendung um Cubas Zukunft ging.
Sie hatte damals schon als Einzigste,die richtige Analyse abgegeben-respekt!
Auch ich habe mich seitdem weiterentwickelt und bin hoffentlich ein wenig weiser geworden,aber einen Menschen wie Sahra Wagenknecht brauchen wir heute mehr denn je,so glaube ich.
klara schrieb am 18.11.2009 um 19:30
Hallo Tania, "einen Menschen wie Sahra Wagenknecht brauchen wir heute mehr denn je,so glaube ich." Einen Menschen wie sie? Mag sein, ich kenne sie nicht. Einen Politiker wie Wagenknecht? Glaub ich nicht, dass Mangel an POlitikern herrscht, die frei von Zweifeln sind und das als Alleinstellungsmerkmal sehen, auf das sie stolz sind, udn daraus STärke ziehen. Zweifelsfreiheie gibt es genug. Und sie richten genug Unheil an, da ist es fast egal, ob sie "links" oder "rechts" sind.

Was aber stimmt: Querulanten braucht gerade die SPD eher mehr als weniger. Ob Sahra Wagenknecht eine solche wäre?

Vermutlich hat sie eine faszinierende Aura. Die sie politisch nutzt. Die man aber vielleicht nicht mit poliitischem Handeln verwechseln sollte.
Hans Hirschel schrieb am 19.11.2009 um 00:54
"... das vielleicht ganz interessant. Und sei es nur, um meine antikommunistische Credibility zu stärken :)"

Das mag so sein, zeigt aber auch, dass Antikommunismus (ebenso wie Sexismus) das Attribut "dümmlich" nicht nötig hat.

Interessante Grüße
hh
Fritz Teich schrieb am 10.01.2010 um 13:38
Dann sag doch mal was Kommunismus ist? Gegen Phrasendrescherei zu sein, ist eigentlich normal
Jakob Augstein
Journalist und Gärtner in Berlin
Ort:
Berlin
Mitglied seit:
3 Jahre 1 Woche
Zuletzt aktiv:
09.02.2012
Status:
Redakteur
Aktivität:
Beiträge: 115
Kommentare: 619
Logbuch
00:33
SuzieQ hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:29
Wolfram Heinrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:27
Urmel auf dem Eis hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:26
SuzieQ hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:24
cuchulainn hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Liebeshandlung - Eugenides

Berlinale

Freitag_Salon

PortletSalon_120216.png

Christoph von Marschall Was ist mit den Amis los? Herder Verlag 2012

260 Seiten. Gebunden.

18,99
 
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten >> mehr
Occupy

portlet_occupy.png

Rote Perlen

wir müssen reden

Augstein und Blome

IGEL

portlet_IGEL.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Anti-Terror-Zelle Kraftklub

Ausgabe 06/12
09.02.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_05_06.jpg

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG