Jakob Augstein

der Freitag

02.11.2009 | 15:28

Umgang mit Blogs

Ich habe mal eine Frage an die Nutzer.

Wie sollen wir denn verfahren, wenn wir sehen, dass ein Blogger einen Flüchtigkeitsfehler gemacht hat?

Bei uns haben nur einige wenige Redakteure die technischen Rechte, in die Blogs einzugreifen. Wir machen davon praktisch keinen Gebrauch, weil es nicht unsere Texte sind. Manchmal wenn es klare Tippfehler gibt, wenn einer "nihcts" schreibt statt "nichts" dann korrigiere ich das stillschweigend und frage nicht um Erlaubnis. Mehr aber nicht.

Wie wäre es aber, wenn einer nun in einem Artikel über die Ostpolitik schreibt, meinetwegen, "Adenauers Kniefall in Warschau". Das ist erkennbar ein Versehen. Darf ich das dann ändern?

Natürlich kann ich den Blogger vorher anmailen und fragen. Aber wir bekommen nicht immer schnell Antwort. Es kann ein Tag vergehen, ein halber Tag. Das ist viel Zeit im Netz.

Also: Wie weit dürfen wir ohne Zustimmung eingreifen? Auch wenn wir keine Regeln dafür finden, würde ich gerne ein bisschen über die Stimmung der Nutzer erfahren, damit wir uns eine Art Leitlinie basteln können.

 

(Ich erweitere das jetzt noch, weil wir gerade bei dem Thema sind, um eine persönliche Meinung - die ich hier aber nicht zum Prinzip erheben würde. Ich will sie nur äußern: Eigentlich sollten wir nicht nur die Möglichkeit haben, solche  Korrekturen vorzunehmen. Wir sollten die Texte auch redaktionell editieren, so wie wir es auch bei herkömmlichen Autorentexten tun. Es gibt eigentlich niemanden, dem es nicht bekommt, redigiert zu werden. Niemanden. Nur Blogger werden nicht redigiert. Manchmal ist es schade um die Texte. Wenn man hier etwas umstellt, da eine besonders krasse Formulierung ändert, oder einen Gedanken, eine Metapher, in die der Autor sich verliebt hat, die aber außer ihm niemand versteht, einfach streicht - dann würde so mancher Text davon sehr profitieren. (Stichwort: Kill your darling!)

Das ist ein sehr interessantes Thema. Weil die Texte ja mit viel Zeit und Liebe und Mühe für andere Leser geschrieben werden. Und wir hier als Redakteure ja gleichsam berufsmßig etwas davon verstehen, Texte zu bearbeiten, an Texten zu arbeiten, mit Texten zu arbeiten. Aber die Bloggertexte, deren Anteil an unserem Online-Auftritt inzwischen mehr als ein Drittel beträgt - und steigend - die sind von jeder Bearbeitung ausgenommen. Ist das richtig so? Ist das im Interesse der Blogger? Spannende Fragen. Weil sie - schon wieder - an den Grenzen zwischen Journalisten und Bloggern rütteln. Und, für den Fall, dass das noch einer hier nicht mitbekommen hat: Ich halte diese Grenzen nicht mehr für zeitgemäß und finde, dass sie fallen müssen. Das wird beide verändern, sowohl die Journalisten als auch die Blogger.)

JA

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 02.11.2009 um 15:44
Lieber Herr Jakob Augstein,

ich kann ja nicht für die Anderen antworten, aber in meinem Interesse wäre das schon. Ich finde, dass das eine gute Idee ist!

Herzliche Grüße

in schöne Berlin

Ihr poor on ruhr
mh schrieb am 02.11.2009 um 15:50
ich habe eine sehr eigene kommasetzung. in den kommentaren ist das unachtsamkeit, aber in texten ist das gezielt so, wie ich es gerne gesagt haben wollte, würde es jemand vorlesen. darauf leg ich wert, zumal es leute in den wahnsinn treiben kann und zu lustigen reaktionen führt.

was reine schreibfehler betrifft, ist das was anderes. da hab ich nix gegen korrekturen. aber nur die.

ich bin allerdings nicht der meinung, dass ihr euch diese arbeit wirklich machen solltet... habt ja genug zu tun.

mfg
mh
mh schrieb am 02.11.2009 um 16:02
an den text als solches hat keiner hand anzulegen. das ist doch wahnsinn.

mfg
mh
Wolfram Heinrich schrieb am 02.11.2009 um 20:49
"ich habe eine sehr eigene kommasetzung."

und eine ganz eigene rechtschreibung, mit völlig ohne großbuchstaben.

Ciao
Wolfram
mh schrieb am 02.11.2009 um 21:28
nun in den kommentaren und das ist jetzt modern. :P

mfg
mh
Magda schrieb am 02.11.2009 um 15:52
Lieber Herr Augstein,
Was den ersten Teil Ihrer Anmerkung betrifft. Sicher kann man stillschweigend ändern, wenn es um Satzfehler, um eindeutige sachliche Flüchtigkeitsfehler geht. Ich würde das eher als kleinen Anschubs für mich sehen,selbst auch genauer hinzugucken. Aber das ist eine ganz schöne Zusatzarbeit für die Redakteure.

Was Ihre generellen Überlegungen angeht: Wann würden Sie es denn machen wollen mit dem Redigieren. Bei allen Texten? Oder bei denen, die Sie in Freitag online übernehmen oder nur bei denen, die Sie drucken wollen.

Ich bin ganz Ihrer Meinung, was das Redigieren angeht. Vor allem, wenn Texte gekürzt werden müssen, wenn man einen neuen Anschluss braucht, wäre es ganz gut, wenn dann zügig ohne großes Hin und Her redigiert wird.
Wenn es natürlich was ist, was einen Erzählanspruch hat, dann ist es wieder eine andere Kiste. Da müsste man vielleicht Rücksprache nehmen.
Gruß Magda
Anette Lack schrieb am 02.11.2009 um 15:54
Lieber JA;

spannende Fragen. Schwierige Fragen. Und Gedanken, die ich so ähnlich auch schon oft hatte. Wahrscheinlich viele hier.

"Es gibt eigentlich niemanden, dem es nicht bekommt, redigiert zu werden. Niemanden."

Absolut und uneingeschränkt: Ja. Nur, wenn Redakteurs-/Autorentexte redigiert werden, ist der Betreffende meist vor Ort und wird gefragt Oder angerufen, und zumindest vor dem Erscheinen des korrigierten Textes in Kenntnis gesetzt (gemäss dem Grundsatz "Respekt vor dem Autor"). So kenne ich das zumindest. Wie wollen Sie das hier handhaben? Ganz praktisch gemeint.

"Manchmal ist es schade um die Texte."

Auch hier stimme ich zu. Gerade in der vergangenen Woche fand ich hier ein, zwei Texte, die waren wunderbar, wurden aber doch beeinträchtigt durch Zeichenfehler, Rechtschreibfehler, einige Bilder waren schief... Das tut mir dann weh, ehrlich. Aber vielleicht geht das anderen anders damit. Und vielleicht gehört das auch zur "Authentizität" des Bloggens? Ich bin mir da noch nicht ganz einig.

Sachen wie "Adenauers Kniefall in Warschau" wäre natürlich schon ein dicker Hund. (War das jetzt ein willkürliches Beispiel, oder ist das wirklich geschehen?)

Ich meine: In solchen Dingen können wir, Sie und ich und alle hier, der sehr klugen und gebildeten und wissenden Community trauen. Da meldet sich garantiert schnell jemand, der das korrigiert. Und das wirkt besser, als wenn es einer von der Redaktion, von "oben" macht. (Ich vermute, nach allem, was ich hier so als Ansichten über Journalisten gelesen habe, dass das hier immer noch so empfunden würde und wird. Aber ich kann mich irren.)

"Ich halte diese Grenzen nicht mehr für zeitgemäß und finde, dass sie fallen müssen."

Das Ganze wird schwierig, wenn Sie die bezahlte Community tatsächlich einführen. Jemand dafür bezahlen lassen, das er in seinen Texten belehrt und, womöglich subjektiv - stilistisches Redigieren ist immer auch subjektiv - verbessert wird, finde ich schwierig.

In der Redaktion "trifft" es ja einen, der davon u.U. profitiert - er verkauft sich ev. besser. Und dann: Das Recht, ihn zu redigieren, ergibt sich schon daraus, dass der, der die Zeitung herausgibt, ihn somit auch bezahlt. Und stellvertretend für den Herausgeber redigiert ihn ein anderer Redakteur. Wenn ich also den Kopf letztlich dafür hinhalten muss, dass ein Text rausgeht, darf ich letztlich auch darüber entscheiden, WIE er rausgeht. So meine ich das.

Bei Bloggern und beim Bloggen aber ist das anders. Die/Wir sind für unsere Texte selber verantwortlich. Insofern sehe ich das zwiespältig.

Was wiegt höher, die unbedingte Freiheit des Bloggens, oder die Lesbarkeit? Oder ist das gar kein Widerspruch?

Herzlich, Anna
kay.kloetzer schrieb am 02.11.2009 um 19:58
Liebe Anna, lieber Jakob Augstein
genau so sehe ich das auch und finde die Idee geradezu absurd. Aber eigentlich ist es ja bloß eine Frage. Eingriffe in Blogs gehen gar nicht, solange sie in der Community stehen. Bei Texten, die gedruckt werden oder auf die Hauptseite wandern, ist es natürlich etwas anderes. Die stehen unter dem Dach der Redaktion und also in deren Verantwortung.
herzlich
kk
Anette Lack schrieb am 03.11.2009 um 10:02
Lieber kay. kloetzer;

"Bei Texten, die gedruckt werden oder auf die Hauptseite wandern, ist es natürlich etwas anderes. Die stehen unter dem Dach der Redaktion und also in deren Verantwortung."

Selbstverständlich. Hatte ich vergessen, hinzuzufügen.

Herzlich, Anna
jayne schrieb am 02.11.2009 um 16:03
lieber Jakob Augstein, begrüßen würde ich die schreibfehlertilgung in den kommentaren, da man diese selbst nicht nachträglich bearbeiten kann. Was aber die beiträge der bloggerinnen und blogger selbst betrifft, so sind diese ja für die jeweilige person jederzeit korrigierbar, da sehe ich also nicht die notwendigkeit eines eingreifens seitens der redaktion, es sei denn, daß man betreffende personen auf fehler aufmerksam machen möchte.
Ihr vorschlag, in die texte redigierend einzugreifen, macht mich fast sprachlos, das kommt nicht nur einer art enteignung gleich, sondern verkennt auch noch den charakter einer blogger-community. Die community dient meines erachtens doch zu allererst dazu, eigene texte ein- und zur diskussion zu stellen, sich auszuprobieren. Der freitag stellt dafür großzügig das portal und sorgt für die rahmenbedingungen, was ich, wie ich schon andernorts betont habe, sehr lobenswert finde. Und bekommt dafür ja auch etwas - inhalte. Ein redigierender eingriff, wie Sie ihn oben beschrieben haben, hätte auch inhaltliche konsequenzen - sind es nicht auch solche "verliebtheiten" und besonderheiten der syntax etc., die den einzelnen texten auf dieser "bühne" einen ganz eigenen charakter verleihen? Und schließlich ist es ja auch das gefühl von freiheit, das viele blogger als angenehm empfinden und was sie am schreiben hält - kommunikation eben, austausch ... Da muß nicht alles immer druckreif sein. Mich jedenfalls würde ein solcher eingriff ins textgefüge sehr stören ...
Magda schrieb am 02.11.2009 um 16:19
So unterschiedlich sind die Auffassungen. Ich bin da vielleicht zu sehr Pragmatikerin und denke, dass die Redakteure sich kaum änderungsgeil über die Texte hängen, um mal "odentlich was draus zu machen". Ich fühle mich - in meinen Alltagstexten - da nicht enteignet.

Dass nicht alles druckreif sein soll, ist sicher richtig. Ich denke ja ohnehin, dass die ganze Kiste auch um den Teil geht, der vorn angezeigt werden soll.
oder so.
Es gibt auch Sachen, eher Texte mit Gestaltungsanspruch, da ist schon klar, dass die nicht veränderbar sind. Aber, das ist selten.
Und dann denke ich noch - wenn man Community und Redaktion mehr verbinden will, dann soll es sicher ein bisschen auch im Redigieren ein bisschen verbunden sein.
jayne schrieb am 02.11.2009 um 16:36
auf mich macht der vorstoß doch eher den eindruck, als sollte es sich auf alle texte beziehen, denn Augstein schreibt: "Eigentlich sollten wir nicht nur die Möglichkeit haben, solche Korrekturen vorzunehmen. Wir sollten die Texte auch redaktionell editieren, so wie wir es auch bei herkömmlichen Autorentexten tun. Es gibt eigentlich niemanden, dem es nicht bekommt, redigiert zu werden. Niemanden. Nur Blogger werden nicht redigiert. Manchmal ist es schade um die Texte. Wenn man hier etwas umstellt, da eine besonders krasse Formulierung ändert [...]." Vielleicht ist aber ab und an eine "sehr krasse Formulierung" unabdingbar, für den blogger und den text - an so einer stelle beginnt für mich die fragwürdigkeit. Ich selbst arbeite in den redaktionen von zwei verschiedenen zeitschriften mit, so gut wie ehrenamtlich, und muß also auch redigierend in die zu veröffentlichenden texte eingreifen, was oft der wanderung auf des messers schneide ..., aber bei diesen beiden zeitschriften handelt es sich um printausgaben und nicht um blogger-beiträge.
Magda schrieb am 02.11.2009 um 16:52
@ jayne - Vielleicht ist aber ab und an eine "sehr krasse Formulierung" unabdingbar, für den blogger und den text - an so einer stelle beginnt für mich die fragwürdigkeit."

Das alles ist - durch die Bank - ohnehin eine Frage des Vertrauens. Und zwar dahingehend, dass man einfach annimmt, dass ein Redakteur nicht der Gegner ist, sondern ein zweiter, professioneller Blick. Auch der kann sich vertun und - wie heißt es - "verschlimmbessern", aber insgesamt sehe ich das nicht.Wenn es anders wäre, dann wäre es eine neue Hierarchie-Ebene und alle meutern dann: Kontrolle.
Wenn es natürlich eine Misstrauenslinie Redaktion-Blogger gibt, dann ist das keine Basis. Sehe ich nicht so. Ich ärgere mich manchmal, aber nicht über Redakteure des Freitag.

Und dann kann man bei bestimmten Anliegen ja sogar noch anmerken, dass man hier keine Änderungen will, dann eben nicht.
Bei mir gibts auch Sachen, die sind eigenwillig, aber auch sicher nicht für irgendwelche vorderen Seiten oder print gedacht. Das ist doch alles sehr unterschiedlich.

Von einigen Ausnahmen in meinem Blog sind das alles Sachen, die unter das Motto fallen: Ich will was berichten, meinen Senf zu was zugeben. Das ist für irgendeine Nachwelt und für delikate Rezipienten nicht gedacht. Höchstens soll es unterhalten. Du bist - aus gutem Grunde - da zurecht viel genauer als ich.

Das ist mein Journalistinnen-Gemüt Du liebe Güte, nichts ist so alt...usw.

Hier bleibts ja sogar noch bestehen, die Printausgabe wird irgendwann wieder zu Papier - ohne meinen Kram.
Tessa schrieb am 02.11.2009 um 16:37
Ich habe bei meinem privaten Blog ein paar Kommentatoren, die mich auf Rechtschreibfehler hinweisen. Das finde ich wirklich sehr hilfreich, denn nachdem man einen Text geschrieben hat, diverse Male veröffentlicht und selbst überarbeitet sieht man besonders die schlimmsten Fehler gar nicht mehr. Weitergehende Eingriffe würde ich bei meinen Blog-Texten allerdings nicht wünschen, ganz anders als bei Texten, die ich bewusst abgebe.

Das viele Blogs ganz anders funktionieren als klassischer Journalismus und die Schreiber oft Eigenheiten in Sprache und Rechschreibung pflegen, die der journalistischen Norm widersprechen, könnte dies mitunter zu Konflikten führen. (Ich möchte auch nicht die Texte redigieren müssen, die alles klein schreiben. In unserem Blog knicken tun wir das hingegen die meiste Zeit, weil es im Layout hübscher anzusehen ist.)

Wenn wir einen Text über die Startseite featuren bekommt er dort in der Regel eine neue Überschrift und einen eigenen Teaser. Furchterregende Rechtschreibfehler kann man, wenn die Zeit dafür da ist, auch verbessern. Für alles andere möchte ich aber an jeden Schreiber apellieren seinen Text nach bestem Gewissen durchzusehen, oder freue mich bei brandheißen Themen, wenn Texte schnell und mit kleinen Fehlern veröffentlicht werden. Über Rechtschreibfehler sieht man zudem schnell selbst hinweg, das Gehirn ist schlicht schneller als das Auge.

Ich persönlich würde mich bei Community-Texten über mehr Absätze freuen, da dies in meinen Augen die Lesbarkeit extrem verbessert.

Viele Grüße
Tessa
Jan Jasper Kosok schrieb am 02.11.2009 um 17:25
Ich schließe mich an und kauf eine "s" für "Das viele Blogs ganz anders funktionieren ...". ;)
Jakob Augstein schrieb am 02.11.2009 um 17:31
Na, dann verkaufen Sie das "s" lieber - denn eigentlich sollte da ein "da" stehen, wenn ich die Kollegin richtig interpretiere

Es war kein konsekutiver sondern ein kausaler Zusammenhang. So heisst das, glaube ich ...

:)
JA
Jan Jasper Kosok schrieb am 02.11.2009 um 17:41
Ha, verdammt. Ich sollte wohl einfach "mehr" lesen. ;)

JJK
Streifzug schrieb am 02.11.2009 um 16:43
Rechtschreibung, Kommata:
Gerne sofort.

Ich neige zu Flüchtigkeitsfehlern. Durch Zufall entdeckte ich, dass "Eva Schweitzer vs. Blogger" auf Freitag-Startseite verlinkt war. Angeklickt - und sofort vier blöde Fehler gesehen.

Redaktionell editieren:
Optional.
Wenn, dann möchte ich meinen Artikel kennzeichnen können: redigieren: ja, nein.

Könnte ähnlich wie bei den Tags funktionieren.
Friedland schrieb am 02.11.2009 um 16:52
Hat die Community nicht ohnehin ein Auge auf kleinere Schnitzer? Und wird nicht der eine oder andere Rechtschreibfehler einfach überlesen?
Wer sein Blog selbst gut pflegt, der entgeht dem Schlechtschreibunkraut, wenn aber der Gärtner plötzlich überall seine jätende Harke auspackt, dann wäre Literatur wie diese undenkbar.

Kurz: Alles beim Alten belassen, das regeln "wir", das regelt sich schon selbst...
Friedland schrieb am 02.11.2009 um 16:58
P.S.: Vor einem evtl. Abdruck kann der Autor/die Autorin dann ja immer noch den Text überarbeiten/glätten...
kopfkompass schrieb am 03.11.2009 um 08:13
Dem stimme ich voll und ganz zu. Mir ist vor wenigen Tagen genau das passiert: Ich habe in einem Blogbeitrag zwei Bücher dem jeweils falschen Autoren zugeordnet.

Innerhalb weniger Stunden bin ich darauf dreimal von Lesern hingewiesen worden und das sehr freundlich.
Ich habe also Grund den Selbstberichtigungskräften der Community hier zu vertrauen.

Richtig ist natürlich, dass die Korrektur der Fehler dann erst erfolgen kann, wenn der Autor wieder mal am Rechner ist. Und es stimmt: Im Internet ist ein halber Tag viel Zeit. Andererseits haben die meisten Blogbeiträge hier keinen twitteresken Aktualitätsanspruch und demensprechend kein so schnell herbeieilendes Verfallsdatum.
Jörn Kabisch schrieb am 02.11.2009 um 16:52
Ich sehe das so wie Anna, zugegeben auch, weil ich es dann doch ein bisschen zu viel finde, auch noch Blog-Beiträge zu redigieren. Fehler in Redaktionsbeiträgen findet man ohnehin zu Genüge.

Aber davon ganz abgesehen fand ich es immer wichtig, die zwei Welten getrennt zu halten. Bloggen ist noch immer eine Art von digitalem Eigenverlag, das macht den Reiz aus, das sage ich als sporadischer Blogger. Ein redaktioneller Text dagegen sollte wenigstens mit Team-Beteiligung entstehen. Es tut mir jedesmal weh, wenn ein Text, der online oder in print geht, nicht richtig gegen gelesen worden ist. Und wichtig ist, worauf Anna hinweist: Fehler können in Blogs und online durch einen Haufen Korrekturleser ausgemerzt werden. Das ist die Ur-Idee des wachsenden Artikels. Wenn wir in der Community vereinbaren, dass es durchaus Okay ist, sogar erwünscht ist, sich über die private Nachrichten oder Kommentare auf Fehler hinzuweisen, hebt das, denke ich am Ende die Texte mehr, als wenn nach einem Haufen Einverständnis-Erklärungen alle sich auf die Redaktion oder das Community-Management verlassen, dass Fehler schon noch korrigiert werden.

Außerdem warne ich: Was mich angeht, ich bin Redakteur. Ich scheitere regelmäßig dabei, Texte nur zu korrigieren. Wenn ich die Möglichkeit habe, dann redigiere ich auch. Weil ich eine bessere Überschrift weiß, weil die ein oder andere Formulierung einfach ungelenk ist. Ich möchte da bei den Blogs nicht in Versuchung geführt werden.

Und noch ein Gedanke aus der Sicht eines Redakteurs, der mit entscheidet, ob Blogbeiträge auf die Startseite oder in das Blatt gehoben werden. Texte, die anständig geschrieben sind, also mindestens der allgemeinen Rechtschreibung entsprechen, einen Anfang und ein Ende haben, und in denen man auf den ersten paar Zeilen lesen kann, wobei es eigentlich geht, lese ich lieber und haben bei mir mehr Chancen, Aufmerksamkeit zu bekommen. Und man sieht auch an den Blogbeiträgen hier, Texte, die solche Regeln beachten, haben einfach mehr Feedback von den Usern.

Also aus meiner Sicht ist da von Zeit zu Zeit eher eine Standpauke fällig, wenn sich in Blog-Beiträgen zu viele Fehler einschleichen. Wieso ist auf die Idee hier eigentlich noch niemand gekommen? Und weil ich gerade dabei bin: Die Titel hier in der Community sind gerade unterirdisch, vor allem diese "Teileritis". Was soll das?

Grüße, JK
mh schrieb am 02.11.2009 um 16:56
was meinst du damit?

"Teileritis"

mfg
mh
Jörn Kabisch schrieb am 02.11.2009 um 17:08
Na, es gibt immer wieder mal so Angewohnheiten, Teil 1, Teil 2, Teil 3 zu schreiben, übrigens auch von Redakteuren. Da geht es vielleicht noch. Aber wer liest zum Beispiel in ein paar Monaten noch "Angies Tagebuch (127)" lesen. Wäre doch viel schöner, wenn goch auch ein bisschen was aus dem Tagebuch verraten würde. Dann würde er aus seiner hervorragenden Idee sogar noch mehr machen.

Es gibt ja hier immer wieder viel Kritik an der Übersichtlichkeit. Aber wenn die Autoren ihre Blogs besser betitelten, würde die Sache von alleine übersichtlicher. Da kann man selbst was dran tun. Viele klicken sich hier doch nur anhand der Community Cloud, eingeführter Namen und vielleicht noch entlang der Schlagwörter durch die Texte. Also ich wenigstens.
Achtermann schrieb am 02.11.2009 um 18:29
Jörn Kabisch schreibt: „Texte, die anständig geschrieben sind, also mindestens der allgemeinen Rechtschreibung entsprechen, einen Anfang und ein Ende haben, und in denen man auf den ersten paar Zeilen lesen kann, wobei es eigentlich geht, lese ich lieber und haben bei mir mehr Chancen, Aufmerksamkeit zu bekommen. Und man sieht auch an den Blogbeiträgen hier, Texte, die solche Regeln beachten, haben einfach mehr Feedback von den Usern.“

Einem Redakteur fiele es doch leicht, ein paar Regeln für das Verfassen eines Blogbeitrages an prominenter Stelle zu platzieren.

Mit den Eingriffen in Texte hätte ich meine Probleme: Einerseits halte ich für reizvoll, von einem professionellen Schreiber redigiert zu werden, weil sich da durchaus Lerneffekte bei mir einstellen könnten. Andererseits empfinde ich viele Zeitungstexte antiseptisch, weil sie alle nach den gleichen Prinzipien durchgestylt sind und nichts Subjektives in der Sprache zu finden ist. Oberstes Ziel der allgemeinen Regeln zum Verfassen von Artikeln scheint zu sein: schnelle und leichte Konsumierbarkeit.

Und was ist mit den Streitfällen? Kabisch schreibt: „Weil ich eine bessere Überschrift weiß, weil die ein oder andere Formulierung einfach ungelenk ist.“ In diesem Fall würde ich darauf bestehen, dass in dem von mir verfassten Text stehen müsste: „…die eine oder andere Formulierung…“ statt „…die ein oder andere Formulierung…“.

Denke ich an meinen letzten im Print-Freitag veröffentlichten Leserbrief zurück, aus dem die Passagen, die sich am kritischsten mit einem Artikel auseinandergesetzten, herausredigiert wurden, [ca. 5 Prozent des Textes], dann neige ich dazu, redaktionellen Eingriffen entgegenzustehen.
luggi schrieb am 02.11.2009 um 18:40
Lieber Jörn Kabisch,

"Es gibt ja hier immer wieder viel Kritik an der Übersichtlichkeit. Aber wenn die Autoren ihre Blogs besser betitelten, würde die Sache von alleine übersichtlicher. Da kann man selbst was dran tun. Viele klicken sich hier doch nur anhand der Community Cloud, eingeführter Namen und vielleicht noch entlang der Schlagwörter durch die Texte. Also ich wenigstens."

Das "schreit" nach einer ordentlichen Suchfunktion.
Jörn Kabisch schrieb am 02.11.2009 um 18:57
Lieber luggi, die Suchfunktion finde ich schon ganz ordentlich. Wie sähe also das aus, was Sie sich wünschen? Auf der anderen Seite: Ich kann und darf oft nicht nach meinen eigentlichen Interessen auf freitag.de lesen. Der Koch findet hier eben wenig. Deswegen ist die Suchfunktion nicht alles. Aber ich bin eigentlich immer neugierig.
luggi schrieb am 02.11.2009 um 19:07
Lieber Jörn Kabisch,

wir sprechen über die Suchfunktion oben rechts?
Jörn Kabisch schrieb am 02.11.2009 um 19:36
Na klar, und über www.freitag.de/search. Da kommt man hin, wenn man oben in der Suchfunktion Enter drückt. Was ich mir da wünsche ist, dass auch gezielt nach Schlagworten gesucht werden kann, und nicht nur eine Volltextsuche stattfindet.
luggi schrieb am 02.11.2009 um 20:09
Weitere Kommentierung würde nicht dem Thema gerecht werden. Vorschlag: neuer Blogeintrag zu Suchfunktion im Freitag oder kurzer Verständigungsweg per Emil.

vhG

luggi
misterl schrieb am 02.11.2009 um 17:00
Fies - ich weiss.

Ich schenke ein "ä" für "berufsmßig" und hoffe auf eine Editfunktion im Kommentarbereich. Ansonsten Danke ich jeder/jedem, die/der Fehler in Blog-Beiträgen findet. Berichtigen kann ich die selber.

LG
misterL
outnumber schrieb am 02.11.2009 um 19:23
Rechtschreibfehler zu korrigieren ist sogar eine sehr gute Idee, alles andere nur mit Rücksprache.
Columbus schrieb am 02.11.2009 um 20:02
Das ist eine gute Idee. Die Eingabemaske verführt dazu, die eigene Korrekturfähigkeit und das Gespür für ein lesbares Layout zu verlieren. - Ich hätte also weder etwas gegen Rechtschreibkorrekturen, noch etwas dagegen, wenn Sinnentstellungen und grobe Faktenfehler beseitigt würden.

Aber, syntaktisch und semantisch völlig willkürliche Texte würde ich, wäre ich in dem Metier professionell, auch nicht korrigieren wollen. Manchmal reichte jedoch ein freundlicher Hinweis, per Mail oder sonstigem Kanal, und die Texte würden schon mit mehr Mühen und größerer Sorge um die Lesbarkeit abgefasst.

Bei so schnellen Medien und so weit fortgeschrittener Technik, lohnten sich ja auch knappe Rückfragen und Anregungen. Z.B. ob ein Thema nicht zu sehr ausgewalzt wurde, ob der eigene Sprachstil nicht zu Unverständlichkeiten führt, ob etwa mit Fakten und Links nachgelegt werden kann. Bei Bloggern die Kenntnisse nachgwiesen haben, kommt bestimmt immer noch etwas Besseres heraus, wenn bei ansprüchlichen Sachen angefragt wird.

Umständlich muss das nicht sein. Meist genügt eine freundliche zwei Satz Rückmeldung.

Herr Augstein, Sie zeigen auf, wo es sinnvoll hingehen könnte mit dem Foren-Blogging und einer neuen Art Online - Journalismus. Die ZEIT-Online hatte nicht den Mut, vielleicht auch nur den geschäftsführenden Blick zu sehr auf Verträglichkeit, bzw. Unverträglichkeit der "Community" mit den Werbeeinnahmen gerichtet, trotz ganz anderer ökonomischer und personeller Ressourcen.

Vielleicht wäre noch Folgendes bedenkenswert:

1. Spezialisten in der Community für Themen aufbauen.

2. Ein Netzwerk von regionalen Korrespondenten, denn in Berlin ballt sich nicht nur Wissen, sondern auch Unwissen über den Rest Deutschlands.

3. Leute finden, die konsequent und mit Rückmeldung, internationale Publikationen, Fachzeitschriften, etc. auswerten. - Das wäre so eine Art Antwort auf den thematisch doch begrenzten "Perlentaucher", der notorisch nicht über den "Der Freitag" schreibt und wenn, dann fast nur negativ.

Das muss ja nicht gleich auf allen Gebieten gemacht werden, aber vielleicht zur Probe einmal mit Literaturzeitschriften und E-Zines, zwei, drei wichtigen medizinischen Zeitschriften, Le Monde Diplo.,El Pais,TLS, wichtigen Regionalen Blättern, oder z.B. Nature, Science, Scientific American.

Derzeit wäre es doch schon prima, wenn sich für den "Freitag" jemand in Hamburg einmal den geplanten Kahlschlag in der freien Kulturszene, im Gegensatz zu dem ungesteuert wuchernden und Geld fressenden Projekt Elbphilharmonie anschaute. Da sind doch klare Unterschiede feststellbar, wie Millionen Euro ausgegeben werden können.

Liebe Grüße

Christoph Leusch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.11.2009 um 20:11
Ne, ne das is nix: Fummeln am Text ohne Zustimmung ist keine gute Idee.

Schreibfehler, kein Problem.

JA, in einem Punkt aber stimme ich voll zu: jeder Text gewinnt in der Regel wenn er von einer weiteren oder mehreren Personen gelesen wird, - aber doch bitte eben nur mit Zustimmung und Absprache! Und da aber stellt sich dann die Frage ob sich der Aufwand bei einem Blog lohnt. Bloggen ist schon etwas spontaner als Redaktion.
Wolfram Heinrich schrieb am 02.11.2009 um 20:53
"Wie wäre es aber, wenn einer nun in einem Artikel über die Ostpolitik schreibt, meinetwegen, 'Adenauers Kniefall in Warschau'. Das ist erkennbar ein Versehen. Darf ich das dann ändern?"

Da wäre ich vorsichtig. Entweder fällt das eh keinem auf, weil das Hirn solche Fehler automatisch korrigiert (im Hirn wird Adenauer sofort zum Brandt) oder der Autor wird angefrotzelt und kann das nun entweder selber ändern oder stehen lassen und stattdessen mit einer witzigen Antwort auf die Frotzelei antworten.
Es kommt hinzu, daß manche Autoren, darunter ich, gelegentlich absichtlich Fehler der oben beschriebenen Art einbauen, um damit einen Effekt zu erzielen (natürlich fällt mir gerade jetzt wieder kein Beispiel ein). Da kann es etwa passieren, daß ich einen sehr süddeutschen, um nicht zu sagen: bairischen, Satzbau verwende, daß ich Worte in ihrer südlichen Aussprache hinschreibe (etwa "Oaschloch", weil "Arschloch" doch viel zu grob klingt). Der norddeutsche Redakteur merkt das dann nicht und korrigiert, wo es eigentlich nichts zu korrigieren gäbe.
Mit den Leuten von ZEIT-Online hatte ich vor deren Relaunch (seither könnens mi eh am Oasch leckn) deswegen mehrere Male innerhalb kurzer Zeit einigen Zoff. Die streichen ja wie die Weltmeister in den Texten rum, vor allem wenn sie Obszönes oder politisch nicht korrektes wittern. Wegen "Neger" gibt’s dort einen Aufstand, sogar dann, wenn man über die Zulässigkeit der Verwendung des Wortes "Neger" für einen Neger diskutiert.

"Also: Wie weit dürfen wir ohne Zustimmung eingreifen?"

Ich tät sagen: dezent. Wenn ich in einer Antwort einen Satz zitiere, in dem ein Tipp- oder Rechtschreibfehler steht, dann korrigiere ich den manchmal. Meistens traue ich mich aber doch nicht, weil ich fürchte, der andere könnte mich für einen Klugscheißer halten, der sich dezent über ihn lustig macht. Wichtiger wäre es, wenn man als Autor nicht nur Beiträge, sondern auch die eigenen Kommentare zu den Beiträgen korrigieren könnte. Geschrieben, schwapp und weg - und wenn der Kommentar wieder da ist, springen einem dreckig grinsend drei peinliche Fehler entgegen...

"(Ich erweitere das jetzt noch, weil wir gerade bei dem Thema sind, um eine persönliche Meinung - die ich hier aber nicht zum Prinzip erheben würde. Ich will sie nur äußern: Eigentlich sollten wir nicht nur die Möglichkeit haben, solche Korrekturen vorzunehmen. Wir sollten die Texte auch redaktionell editieren, so wie wir es auch bei herkömmlichen Autorentexten tun. Es gibt eigentlich niemanden, dem es nicht bekommt, redigiert zu werden. Niemanden."

Richtig. Absolut richtig. Auf der anderen Seite ist jedem Leser klar, daß Blogbeiträge (meistens) nicht von Redakteuren stammen, daß sie von den Lesern, also (meistens) Amateuren stammen. Niemand kommt auf die Idee, den "Freitag" selber für die Qualität der Blogbeiträge seiner Leser verantwortlich zu machen.
Meine eigenen Blog-Beiträge sind in der Regel relativ ausgefeilt, also von mir selber vor-redigiert. Solche Blogbeiträge sind für mich wie Artikel und sollten nicht einfach hingeschlunzt sein (es gibt Ausnahmen, wo ich der Spontaneität den Vorzug gäbe vor der strengen Form). Meine Kommentare sehe ich dagegen im Regelfall als mündliche Äußerungen, bei denen nur das Medium die Schriftform erzwingt. Hier will ich so schreiben können, wie ich sprechen würde. Das liest sich dann in der Tat manchmal so, als könnte ich kein korecktes Doitsch.

"Manchmal ist es schade um die Texte. Wenn man hier etwas umstellt, da eine besonders krasse Formulierung ändert, oder einen Gedanken, eine Metapher, in die der Autor sich verliebt hat, die aber außer ihm niemand versteht, einfach streicht - dann würde so mancher Text davon sehr profitieren."

Volle Zustimmung. Aber: Was für eine Heidenarbeit käme auf die Redaktion zu, wenn sie alle Beiträge redigieren wollte. Und wenn nicht alle Beiträge, welche denn? Die eh schon guten, damit sie perfekt werden oder eher die unbeholfenen, damit der Inhalt besser rüberkommt?

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.11.2009 um 23:27
@ Wolfram > Wichtiger wäre es, wenn man als Autor nicht nur Beiträge, sondern auch die eigenen Kommentare zu den Beiträgen korrigieren könnte.<

Das ist wohl der Punkt, vielleicht sogar der Kompromiss. Das Löschen eines Beitrags wäre unnötig wäre es Kommentatoren möglich den eigenen Kommentar zu redigieren.
keiner schrieb am 02.11.2009 um 21:06
Da ich selbst in Wirklichkeit einen gewissen Hang zum Dogmatismus habe, halte ich mich natürlich für sehr liberal und finde Pluralismus unheimlich reizvoll.
In so einer Community stehen die Chancen, den zu befördern, ziemlich gut, vor allem, wenn dies dann als Vielfalt daherkommt.
Die wiederum zu befördern, würde ich fraktal zu organisieren versuchen, z.B. einander ähnliche Strukturen zunächst als eine Art Parallelgesellschaften stehen lassen, die sich irgendwann zueinander in Beziehung setzen, sei’s beispielsweise als Hierarchie (Pyramide) oder eher flach (Netz)oder beides oder sonstwie...
Hört sich sehr hochtrabend an, was?
Gemeint ist z.B. folgendes: Eine Redaktion (Redigierung?) durch einen stilsicheren Journalisten hat Vorteile und Nachteile. Erstere liegen auf der Hand, eine Gefahr aber besteht darin, dass auf diesem Wege eine Art Zentralmeinung entstehen könnte.
Wenn’s aber z.B. 'nen Knopf 'R', für ‘wünscht Redigierung’ oder 'O' - Orthographie bitte checken’ gäbe, könnte das einmal zu interessanten Nischen oder auch zu einer Art Evolution führen: Wenn der Redakteur zu sehr eingreift, bittet ihn niemand mehr um Hilfe, schreibt einer unredigiert nur gibberish, liest’s keiner mehr.
Das ist nur ein Beispiel, wahrscheinlich könnte man das technisch sogar ganz leicht realisieren. Falls es sowas hier gibt, fände ich es aber vor allem gut, auch die Crew im Maschinenraum mal zu fragen, ob es nicht irgendein feature gibt, das sie mal unheimlich gerne programmieren würde und das dann in irgendeiner anderen Hinsicht zu ‘ner Differenzierung führen könnte, also noch eine Nebenordnung zu Themenbereichen oder so, vielleicht auch nach ‘unheimlich detailliert’ oder ‘plakativ’, wo dann vielleicht ein intelligentes (lernfähiges) Programm die Zuordnung entscheidet...
Nochmal zu fraktal und so: Selbstähnlich ist ja auch zum Beispiel die Beziehung eines Architekturmodells zum später realisierten Gebäude, oder auch dessen Pläne zu ihm und in den verschiedenen Massstäben zueinander: So könnte ich mir auf lange Sicht die Beziehung so einer Community hier zur Gesellschaft im Ganzen oder zu ihren Einzelaspekten vorstellen - wie ein Modell.
Also praktisch die Möglichkeiten, die die Computerisierung in Hinsicht Simulation komplexer Prozesse bietet, nutzen, in dem Vorgänge hier z.B. in dieser Hinsicht reflektiert und auf diese Reflektionsmöglichkeit hin auch angelegt werden.
Wie eben z.B. diese win-win Situation zwischen Redakteur und Blogger, die mein Vorschlag oben bedeuten könnte. (Das Verhältnis von 'freien Nischen' zu 'Redigiertem' könnte man dann vielleicht in eine Art Toleranzkoeffizienten einarbeiten... Könnte wahrscheinlich aber auch der wichtigste Parameter für die Werbewirtschaft werden, um herauszufinden, welche Seife man wem am leichtesten unterjubeln kann... )
Wiedehopf schrieb am 02.11.2009 um 22:27
hallo herr augstein,

von mir ein ganz klares deutliches subjektives NEIN.

ich möchte nicht, dass meine texte redigiert werden. krasse fehler sollten korrigiert werden, darauf kann man hingewiesen werden.
flüchtigkeits- und kommafehler finde ich ohnehin nicht schwerwiegend.

sollte inhaltlich ein totaler irrtum oder eine völlig verirrte Behauptung im blog sein, kann die redaktion sich vorbehalten, das nicht zu veröffentliche, und den jeweiligen blogger das kurz mitteilen.

der arbeitsaufwand, mit einem blogger über korrekturen in kontakt zu treten (mailen, bloggen, kommentieren) ist mindestens genauso groß, als wenn der redakteur/die redakteurin an formulierungen, überschriften, metaphern oder stilistischen faux pas herumdoktert.

wenn bloggen eine ausnahme in der journalistischen und redaktionellen bearbeitung darstellt, dann begrüße ich das! die letzte bastion der anarchistischen rede-und schreibfreiheit DARF NICHT FALLEN.

bitte, denkmalschutz für eigensinnige syntax, gnade für rechtschreibfehler, respekt für ureigene wortschöpfungen und assoziationen!

euer wiedehopf
archinaut schrieb am 03.11.2009 um 00:07
"die letzte bastion der anarchistischen rede-und schreibfreiheit DARF NICHT FALLEN...... respekt für ureigene wortschöpfungen und assoziationen!" schreibt Wiedehopf, da möchte ich mich gerne anschließen, in der Kreativität der Community-Schreibwerkstatt finde ich oft interessante Anregungen (ungehobelte Texte, sperrige Gedanken, Verstösse gegen Lesegewohnheiten......)
ABER die Nachfrage/das Angebot von JA finde ich so toll, dass ich es von Fall zu Fall gerne ausprobieren würde..... "Es gibt eigentlich niemanden, dem es nicht bekommt, redigiert zu werden." da hat er bestimmt recht!
Mir fehlt aber die Vorstellung, wie das in der konkreten Umsetzung pragmatisch und effizient gelöst werden kann, z.B. über meinen "Kannibal Sarrazin" mit der Kulturredaktion zu kommunizieren :- )) (bitte nichts für ungut, lieber Herr Angele! der Text sollte nicht witzig sein, sondern ekelerregend)
Nach meinem Gefühl liegt die große Chance der Blogs in den eigenständigen Pfaden abseits der breiten Meinungs-Boulevards, dort finden sie wahrscheinlich auch ihre Leser... aber sicher bin ich mir da natürlich nicht.
klara schrieb am 03.11.2009 um 09:16
Hallo,

ist das ein Angebot? Ein kostenfreies Angebot?
Womit soll das bezahlt werden?

Das wäre eine Möglichkeit, nachvollziehbar sowas wie paid content in die Freitags-Bloggosphäre einzuführen - wobei aber in diesem Fall nicht der Leser für den Inhalt zahlt, sondern der Blogger fürs Redigieren seiner Texte.

Hm?

Dann wird es problematisch? Muss man (redigieren lassen)? Darf man? Müssen alle? Dürfen alle? Oder nur die, die irgendwo im Fokus stehen - alle Blogs zu redigieren, kann doch die Freitagsredaktion kaum leisten??

Wenn man dann noch den Online-Leser dazu bekommt, für den redaktionellen Content - von Redakteuren, Autoren, Bloggern, die Grenzen verwischen zusehends - zu zahlen, weil es eine Leistung ist, also: für die Leistung der Community, der Redaktion, Geld auszugeben, weil er dieses Produkt, diese Information, diese Sicht der Dinge nirgendwo anders bekommt - und weil er ggf. noch etwas Zusätzliches dafür erhält, direkte Feedback-Möglichkeit z.B. - und weil das irgendwann ohnehin alle werden machen müssen, wenn sie im Netz überleben wollen - dann wäre der Freitag nicht nur gerettet, sondern schwämme weit vor der Welle ;)

Zur Frage: In den meisten Fällen schadet Text-Redaktion nicht, sondern nutzt - dem Text wie dem Autor.

herzlich
klara
Mona schrieb am 06.11.2009 um 20:11
Ich habe mal eine Frage zu diesem Thema: Habe einen Text gelesen und würde dem Schreiber gern Hinweise auf ein paar kleinere Fehler geben - nur wie? Als Kommentar ist sowas ja blöd, und die Nachrichtenfunktion hat zu wenige Zeichen... habe ich irgendeine pn-Funktion hier übersehen?
merdeister schrieb am 06.11.2009 um 20:24
Da ich jetzt nicht mehr soviel Zeit habe, konnte ich nicht alle Kommentare lesen.

Mir käme es entgegen, wenn sich jemand kritisch mit dem auseinandersetzt, was ich schreibe.
Da es ja für alles ein Häkchen gibt, kann man ja auch eines Einführen, das "Kritikhäkchen" sozusagen. Dann erscheint ein kleines Symbol im Blog, das bedeutet: "Wenn jemandem etwas auffällt, bitte meldet Euch."
und/oder
"Redaktion, bitte verbessert meine Fehler"

Vielleicht kann man die alter Version noch speichern, um sie im Zweifelsfalls wieder herzustellen "Dawn of the darling"

Sowas wie eine Symbol mit dem man andere Mitglieder um Kritik bittet, wollte ich ohnehin mal vorschlagen. Ich kann noch eine Menge lernen, vor allem beim schreiben von Texten. Und hier läuft soviel geballte Kompetenz rum und keiner sagt was...kritisches.
Ludischbo schrieb am 11.11.2009 um 06:00
Hmm.. ich sag mal so. Die Gedanken sind interessant. Mir ist es egal wie dieses Gedanken dargestellt werden. Kurz: Das "Was" ist wichtig, nicht das "Wie"..

Aber von mir aus korrigiert die Flüchtigkeitsfehler, wenn ihr sonst nichts zu tun habt.

Trotzdem finde ich super, dass der Chefredakteur seine Leser/innen um Erlaubnis bittet. Ich glaube, das ist schon einmalig in der Geschichte der Online-Magazine
SheephunteR schrieb am 11.11.2009 um 11:38
Zuerst wollte ich schreiben, dass man den betreffenden Blogger einfach in den Kommentaren darauf hinweisen, dass er da Adenauer wohl mit Brandt verwechselt hat.

Aber ihr Angebot geht ja viel weiter und ist durchaus interessant und wäre ein echter USP, wie Marketingleute sagen würden, für den Freitag. Sicher wären nicht alle Blogger damit eineverstanden, wenn in ihren Texten rumeditiert würde, denn Blogger haben inwzischen ein ähnlich großes Ego entwickelt wie der Klischeejournalist. Ich persönlich würde diesen Service sehr begrüßen und gerne in Anspruch nehmen!

Kompromissvorschlag: Ein Checkbox im Profil "Meine texte dürfen redigiert werden".

Besonders interessante fände ich es natürlich, wenn ich die Änderungen Wiki-ähnlich nachvollziehen könnte, am Besten nur privat, weil es wäre ja peinlich wenn alle sähen wie schlecht ich schriebe.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.11.2009 um 15:46
Ich denke, daß Korrektur und/oder redaktionelles Editieren für alle Textsorten möglich sein sollte. Weil ich glaube, kein Text würde dadurch gestutzt oder verfremdet, die weitaus meisten Texte würden eher Richtung Vehlerfreiheit und Ferständlichkeit tendieren.
Sollte doch einmal deutlich gegen des Autors Motive redigiert worden sein, so läßt sich das doch prima aufnehmen in der Diskussion des Textes.
Von Selbstheilungskräften halte ich innerhalb der Community so wenig wie in der Wirtschaft. Wir brauchen nicht so zu tun, als wäre Wildwuchs Freiheit. Eine Redaktion hat inhaltliche und formale Kriterien, mit denen sie auch sinnvoll ein Profil der Zeitung meißelt. Die Arbeit von Redaktionen geht wie die von Lektoraten ja dahin, sowohl Programmatik wie individuellen Stil beieinanderzuhalten. Und wenn diese Inhaltsabteilungen die Texte nicht sowohl glätten wie anspitzen, kürzen oder erweitern dürfen, dann bräuchten wir wirklich nur noch Technik, Herstellung, Design.
Zwischen Blogbeitrag und Kommentar würde ich so unterscheiden wie Wolfram Heinrich: Der Kommentar ist sehr oft so etwas wie Rede, Einwurf ins Gespräch, und er verfliegt in wachsenden Artikeln, hat sogar in seiner höheren Fehleranhäufung etwas Lebendiges, Ungesetztes.
Bei meinen Blogbeiträgen habe ich inzwischen sieben wieder gelöscht. Weil ich sie indivualistisch fand und das Thema schon besser in anderen Beiträgen aufgehoben war. Auch, weil sie alle je unter zehn Kommentare hatte. Sonst hätte ich Skrupel gehabt, die alle mitzulöschen.
Kurz: Ich bin ganz prinzipiell für den redaktionellen Zugriff auf alle Texte. Und für eine Selbstdiziplin beim Einstellen von Themen: ob sie nicht schon da sind und man besser einen Kommentar formuliert. Sonst verliert man sich auch selbst als Leser im Netz des Freitag
Magda schrieb am 11.11.2009 um 16:07
Da spricht der lektorierende Profi ohne Kompromisse. Manchmal denke ich auch, man sollte sich nicht so haben mit den eigenen Texten. Das sind doch alles Alltagssachen, politische Meinungen, die man sicher nicht verfälscht, wenn man mal ein Komma setzt.
Das sind doch nicht alles Emser Depeschen.

Bei den persönlichen Sachen ist es vielleicht anders, aber da kann man sich ja verständigen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.11.2009 um 18:41
@Rainer, so einfach 'mal einen Text verändern? Im Laufe der Jahre wurden oft die Untertitel (captions) meiner Fotos von irgendwelchen Wortverdrehern ganz bewusst ins Gegenteil "verbessert", weil denen ds gerade so in ihr Weltbild passte. Änderungen dürfen niemals generell, und vor allem nicht ohne Rücksprache, durchführt werden!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.11.2009 um 00:00
Ich denke aber, Redakteure/Lektoren zu Autoren/Bloggern haben oder bauen auf ein Vertrauens- und Wissensverhältnis zueinander, weshalb dann 180-Grad-Mißverständnisse überhaupt nicht entstehen. Und normalerweise redet man ja auch miteinander ...
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