24.02.2011 | 23:10

Der Tanz beginnt ... Impressionen aus der Pfalz

Übrigens, auch im Ländsche stehen Landtagswahlen an, am 27. März, heuer inspizierte ich im Städtchen Edenkoben die Plakate, CDU, SPD, FDP ... - sie scheinen allesamt im Zentrum zu hängen, in der Weinstraße beispielsweise, dem Herz des Ortes, das hauptsächlich dem Wein verpflichtet (hier befindet sich das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet in Deutschland) und sich ob einer privaten Initiative auch zur Bücherstadt gemausert hat. Oder in der Tanzstraße, in der ein anderer Tanz statthat, die Händlerinnen und Händler um das Überleben ihrer Geschäfte kämpfen müssen ...

Winzerhof an der Klosterstrasse

Bücherstadt - das kommt nicht von ungefähr, Edenkoben beherbergt gleich zwei Künstlerhäuser, das Herrenhaus und das Künstlerhaus Edenkoben, in denen Literaten, bildende Künstler und Komponisten für ein knappes halbes Jahr als Stipendiaten gastieren, und einen hat das Städtchen gar für länger festgehalten, den 2007 verstorbenen Dichter Wolfgang Hilbig.

Zurück zu den Wahlen, zwölf Parteien werben um die Wählerstimmen, was in Edenkoben kaum nachzuvollziehen, wo bisher nur drei Parteien plakatiert haben. Interessant erscheint mir, daß darunter z.B. auch die vor kurzem wiedererstandene Deutsche Demokratische Partei (ddp) zu finden ist, eine Partei, die sich in der Weimarer Republik durch eine gewisse Fortschrittlichkeit auszeichnete, beispielsweise in Bezug auf das Frauenwahlrecht. Jetzt annonciert sie mit dem Slogan: Weder Sozialismus noch Kapitalismus! Der Landesverband hat sich 2010 gegründet. Sie will Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne beseitigen, zugunsten der Belebung des Binnenmarkts, und trägt dabei sogar eine leise Systemkritik vor.

Das derzeitige vielgliedrige Steuersystem will die ddp durch eine reine Umsatzsteuer ersetzen, die Partei beruft sich dabei auf das in den USA praktizierte "Sales Tax" und prognostiziert durch die erhöhten Steuereinnahmen auf Grundlage der umsatzsteuerpflichtigen Inlandsumsätze entschuldete öffentliche Haushalte, die dann mit ausreichenden Mitteln ausgestattet wären, um ihre hoheitlichen Aufgaben (z.B. öffentliche Daseinsvorsorge) in vollem Umfange wahrzunehmen.

Keine Zulassung zur Wahl hat unter anderem die Sarrazistische Partei erhalten, weil es an Unterstützungsunterschriften fehlte ... Diese Partei hat sich, wie zu erwarten,  Sarrazins Megabestseller zur Grundlage für ihr Parteiprogramm erkoren, ihre homepage startet mit dem Aufmacher "Ab sofort! Wir sind das Volk!" Die SPV durfte schon bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg nicht antreten, weshalb sie eine Verfassungsklage einreichen will ... Die Reformideen Sarrazins gedenkt sie behutsam, sanft und sachlich umzusetzen, ohne Rassismus, sie sieht die Chance, sich zur neuen große Volkspartei zu mausern.

Zuguterletzt der noch amtierende Landesvater ...

P.S. Am Kreisel vor den Toren des Städtchen finden sich die Großaufsteller der Parteien, das der CDU-Direktkandidatin im Wahlkreis, Christina Schneider, vermittelt dabei einen etwas hausbackenen Eindruck ...

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 25.02.2011 um 18:34
Leine jayne,

"Die SPV durfte schon bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg nicht antreten, weshalb sie eine Verfassungsklage einreichen will ... Die Reformideen Sarrazins gedenkt sie behutsam, sanft und sachlich umzusetzen, ohne Rassismus, sie sieht die Chance, sich zur neuen große Volkspartei zu mausern."

Was für Zyniker/inenn!!!

Sarrazin sieht sich "ja bis heute vom Hass der Leute verfolgt", die nicht seiner Meinung sind.

Nach dem Machwerk , dass er geschrieben hat, war auch nicht zu erwarten, dass er begreifen würde, worum es geht.

In Rheinland-Pfalz liegt Trier. Die Geburtsstadt von Karl Marx. Das sollte die Linke doch wohl über 5% kommen,-hoffe ich.

Herzliche Grüße

por
jayne schrieb am 25.02.2011 um 18:54
darüber hinaus wollen die sarrizisten auch die hamburg-wahl anfechten, ich glaube aber kaum, daß das von erfolg gekrönt sein wird, sie bekamen halt nicht die anzahl erforderlicher unterschriften, die nun mal eine partei bringen muß, so sie das erste mal zu wahlen antritt;

die linke wird hoffentlich in den landtag einziehen, die mitglieder des landesverbandes sind allerdings auch nicht gerade gleichmäßig im ländsche verteilt, in edenkoben entdeckte ich kein einziges plakat ...
poor on ruhr schrieb am 25.02.2011 um 19:04
Ich hoffe auch, dass die sarrazisten in Hamburg damit vor die Wand laufen werden.

Ich kenne Rheinland-Pfalz ein bißchen, was Du beschrieben hast in diesen kleinen Dörfchen , kann ich mir auch plastisch gut vorstellen! Seufz!

...aber wir setzen auf die Städte. ;)
h.yuren schrieb am 28.02.2011 um 09:55
liebe jayne, du schilderst in worten und bildern die szene, die wahlkampfarena.
aber ich vermisse neben den plakaten der 3 parteien die mächtigen trommler in den medien, die mit den supermajuskeln für nahezu blinde im lande. deren einfluss auf das wahlergebnis ist wahrscheinlich viel größer als der durch die 3 plakate.
jayne schrieb am 28.02.2011 um 10:15
naja, ich habe mich hier auch nur von den impressionen auf der straße leiten lassen, wollte keine grundsätzlichere betrachtung leisten ...
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