10.06.2010 | 10:29

"Gurkentruppe" vs. "Wildsäue"

Kleine Depesche aus dem Bundestag

Vom staubaufwirbelnden Geplänkel zwischen CDU und FDP im Verlauf der Regierungsklausur Anfang Juni, während derer man sich gegenseitig als "Gurkentruppe" bzw. "Wildsäue" geschimpft hatte, war gestern nicht mehr viel zu spüren. Nur die nach außen gedrungenen Schlagworte hallten noch nach und sorgten anläßlich der von SPD und Grünen eingeforderten Aktuellen Stunde zum Sparpaket der Koalition für etwas Colorit im spärlich besetzten Sitzungssaal des Bundestags.

Da zeigten sich die Koalitionäre in der Sache schon längst wieder einig und lobten unisono ihr Konzept als solide und große Leistung. Die rigiden Kürzungen im Sozialbereich, z.B. die Rücknahme des Elterngeldes für Alg II-Empfänger oder die Streichung der Rentenversicherungsbeiträge für diese nannte Barthle (CDU) systemgerecht, und damit hat er wohl auch recht, denn diese Praxis entspricht völlig den Interessen der eigenen Klientel und den politischen Vorstellungen der schwarz-gelben Koalition vom schlanken Staat, der mehr auf die Wahrnehmung von Eigenverantwortung des Einzelnen orientiert als auf einen solidarisch verfaßten Sozialstaat. Und für diesen war ja seitens konservativer Politiker schon in den 80er Jahren der Begriff von der sozialen Hängematte geprägt worden.

Und natürlich mußte als Begründung seitens CDU und FDP wieder die von Familienministerin Schröder kreierte Muster-Alg-II-Familie mit zwei Kindern herhalten, die über 1.885,- Euro netto monatlich verfüge, wovon manch Handwerker oder kleiner Krauter nur träumen könnte. Es gelte doch immer noch das Lohnabstandsgebot, das gewahrt bleiben müsse, was auch ausdrücklich Schäuble betonte. Sonst fehlten ja auch die Anreize für die Aufnahme einer regulären Beschäftigung - wiederholt gestern dieselbe abgefuckte Argumentation, die unterstellt, bei den Arbeitslosen handele es sich per se um Arbeitsunwillige, denen man auf die Sprünge helfen müsste ...

Carsten Schneider (SPD), Klaus Ernst (Die Linke) und Jürgen Trittin von den Grünen stellten einhellig klar, daß man sich hier bei den sozial Schwachen schadlos halte, während die Klientel der Koalitionsparteien kaum etwas zur Haushaltskonsolidierung beitragen müßten. Schneider betonte, es sei zwar ökonomisch sinnvoll zu sparen, die Regierung habe sich in ihren Plänen jedoch nur auf den Sozialbereich konzentriert und sei dort nicht wie von FDP-Chef Guido Westerwelle gesagt mit der Nagelschere vorgegangen, sondern habe fast "ein Kettensägenmassaker" angerichtet.

Klaus Ernst sprach von einem äußerst schofelen Vorgang, die Koalition habe "die Finger bis zum Anschlag in den Geldbörsen derjenigen, die nichts haben" und habe nicht den Mut, "ihre eigene Klientel zur Kasse zu bitten", dies sei "äußerst feige". Trittin forderte den Abbau von Subventionen, statt die sozial Schwachen zu belasten, und sprach in diesem Zusammenhang die Verlängerung der Laufzeiten für AKW an, die für Unternehmen Extraprofite bringe. Von einer Koalition, die sich gegenseitig als Gurkentruppe, Wildsäue und Kesselflicker tituliere, sei allerdings auch nicht zu erwarten, daß sie eine solide Haushaltspolitik betreibe.

Aber was auch immer SPD und Grüne zum Sparpaket der Koalition anzumerken haben, es ist belastet vom Erbe der eigenen Agenda-Politik ...

 
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Kommentare
eykiway schrieb am 10.06.2010 um 11:46
Mein Sparvorschlag
Jeder Abeitnehmer der Vollzeit Arbeitet und Trotzdem H4 als Ergänzung
dazubekommt muss Die Beihilfe zum Leben vom Arbeitgeber aufgebracht werden zu Zahlen an den Bundeshaushalt somit Hat der Staat Mehreinnahmen von 10 MRD Euro
2ten Abschaffung der Wehrpflicht und Gründung einer Europäischen Berufs
Armee
Dadurch wird der Zivieldienst Abgeschaft und die ach so Angeblichen Sozial
Dienste müssten Sozialversicherungs Pflichtige Arbeitsplätze Schaffen.
jayne schrieb am 10.06.2010 um 11:53
der erste Vorschlag hat meine volle Zustimmung, und so könnte auch der Mindestlohn finanziert werden. Der 2. Vorschlag hat meine Sympathie ...
poor on ruhr schrieb am 10.06.2010 um 11:49
Liebe jayne,

danke. Wieder ein aus meiner Sicht in der inhaltlichen Bewertung vollkommen zutreffender Überblick über den Stand der Spardebatte.

Der Respekt vor der Meinug derer, die das Sparpaket vertreten, fällt mir schwer, weil ich eigentlich nur ihren blanken Zynismus gegenüber den Opfern ihrer Politik sehe.

Andere Handlungsoptionen , die etwa auch die Rechen belastet hätten, wurden nicht ausgenutzt.

Es ist js schon ziemlich merkwürdig wenn sogar der CDU-Wirtschaftsrat von einer eigentlich fälligen Erhöhung der Spitzensteuersätze spricht, obwohl die ja gewöhnlich anders drauf sind.

Mir fällt es aber auch schwer, mich überhaupt noch darüber aufzuregen, weil es weh tut, dieser Regierung dabei zu zu sehen, die gerade die ärmsten Bürger der BRD kaputt spart, auch wenn man zu den Betroffenen zählt. .

Die bessere Alternative wäre natürlich am Samstag nach Berlin zu fahren und bei "Wir zahlen nicht für Eure Krise!" mit zu demonstrieren.

Herzliche Grüße

rr
jayne schrieb am 10.06.2010 um 12:01
lieber rr, sie sprechen eben leider nur darüber, die vom cdu-wirtschaftsrat, genauso wie die vertreter der cda nur zahnlos agieren, d.h. ohne wirklichen biß, denn sie sind bei aller kritik teil des systems ...
Hier noch ein interview mit christine ostermann, chefin des verbandes hunger unternehmer, die das sparpaket für ausgewogen hält und meint, auch die wirtschaft trage das ihre dazu bei, z.b. mit der schaffung von arbeitsplätzen ...
herzlich
jayne
poor on ruhr schrieb am 10.06.2010 um 12:03
Liebe jayne,

danke für den Link.

Herzliche Grüße

rr
jayne schrieb am 10.06.2010 um 12:06
junger unternehmer muß das heißen, pardon, aber nach darstellung gewisser experten hungern sie derweilen ja auch schon fürs allgemeinwohl ...
jayne
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