14.02.2012 | 13:32

Über die Verhältnisse ...

Immer wieder ist die Mär zu vernehmen, Griechenland habe über seine Verhältnisse gelebt - doch machen wir den Test: da war z.B. öfters auch die Rede von einem aufgeblasenen öffentlichen Dienst, die Statistik zeigt hingegen, daß die Anzahl der Bediensteten im Verhältnis zur Gesamtzahl der Beschäftigten im Vergleich mit den anderen EU-Staaten eher im unteren Drittel und unter dem EU-Durchschnitt anzusiedeln ist.

Dann wird behauptet, Griechenland halte in Bezug auf Europa einen überdurchschnittlichen Mindestlohn vor und habe also auch damit über seine Verhältnisse gelebt - eine Statistik (s. S. 3/4) aus dem Jahre 2011 weist das Land dagegen mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 4,28 Euro im Mittelfeld aus. Deutlich darüber behaupten sich Luxemburg, Frankreich, Niederlande, Belgien, Irland, Großbritannien und Slowenien mit Mindestlöhnen zwischen 10,16 und 4,32 Euro.

Wozu also diese "Über die Verhältnisse gelebt"-Polemik seitens Politikern vornehmlich aus Kreisen der CDU, sattsam bekannten Wirtschaftsfunktionären und dem Gros der Medien - wenn überhaupt noch als Polemik bezeichnet werden darf, was richtigerweise als Lüge offengelegt werden muß ... Hierzulande gibt es noch nicht mal einen flächendeckenden Mindestlohn, von dem jene, die dafür arbeiten, auch leben können, ohne noch zusätzlich Stütze beantragen zu müssen. Und das Exempel, das nun an Griechenland statuiert wird, einschließlich der Aussetzung demokratischer Gepflogenheiten, scheint durchaus auch geeignet, weiter gegen die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland zu mauern ...

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 14.02.2012 um 13:43
Lüge, richtig, Demagogie, Manipulation. Und es fruchtet, die 'Hauswirtschafts'-Metaphorik ist eben total einleuchtend. Und Leute, die sich's (scheinbar) wohl sein lassen, sind hierzulande sowieso verdächtig.

Freue mich über Deine Wortmeldung! :)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.02.2012 um 14:27
Liebe jayne,

man kann es nicht laut genug sagen, was Sie da auflisten! Dennoch war unter den gegebenen ökonomischen Prämissen, Griechenland kein Kandidat für den EURO!

Wie müssen sich die Finnen, Slowenen, baltischen Länder fühlen, die große Opfer in Kauf genommen haben zwecks Beitritt?

Warum lässt man dann die Rumänen, Bulgaren draußen? Die Frage gehört auch zum Problem.
Die griechische Wirtschaft ist auf einem Niveau, das tiefer anzusetzen ist, als das der DDR vor dem Mauerfall!

tv-orange.de/2012/02/mikis-theodorakis-ruft-zum-widerstand-in-griechenland-auf/
h.yuren schrieb am 14.02.2012 um 19:26
liebe jayne, freue mich, dich wieder lesen zu können.

hast du nicht auch gehört, dass es in griechenland etzliche milliardäre und auch millionäre gibt, die keinen cent steuern zahlen?
das könnte ein motiv unter vielen sein, weshalb die regierenden hierzulande sich rächen, weil hier die reichen und erben ordentlich zur kasse gebeten - sein sollten. irgendwo muss doch ein exempel statuiert werden.

davon abgesehen, mächtig fühlt sich die regierungsmannschaft doch erst, wenn es opfer gibt, die so richtig erniedrigt werden. pathologie der macht.
poor on ruhr schrieb am 14.02.2012 um 21:14
Liebe jayne,

so sehe ich das auch. Es ist eine widerliche Polemik, die mich auch oft an dier Einführung von Hart IV in Deutschland erinnert.

Das gibt es so viele willige selbsternannte "Zuchtmeister" mit Hund, Haus und Mercedes und einen Hass auf die Welt, die nicht so ist, wie sie.

Auch in den Medien findet man solche Lohnschreiber und Lohnredner oft, die dann ihre beschränkte Weltsicht auf diese Dinge x-Fach multiplizieren.

Ich vermisse auch ganz einfach den Respekt vor dem kleinen Mann und der Frau von der Strasse in Griechenland,

Zehntausenfach demonstrieren sie dort und werden in den Medien als Unbelehrbare oder Randalebrüder dargestellt.

Vielen dank für Deine sachlichen Argumente für eine Sicht auf Griechenland.

Ich habe mich auch gefreut, wieder was von Dir zu lesen.

Herzliche Grüße

por
archinaut schrieb am 15.02.2012 um 00:55
"Über die Verhältnisse gelebt,"
damit man die eigene Angst nicht pfeifen hört...
jayne
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