06.10.2011 | 17:53

Vom Traum verlassene Stätte Mensch (neuer Versuch)

Vor hundert Jahren erlangte ein Gedicht Publizität, das in Folge für eine ganze Kunstrichtung und ein Grundgefühl jener Zeit stehen sollte: Jakob van Hoddis "Weltende" wurde zu Anfang 1911 veröffentlicht und rückte einen Künstler ins Rampenlicht, der schon einige Jahre zuvor Gedichte zu schreiben begonnen hatte, Texte, die spätromantisch und expressiv zugleich anmuten mochten, befremdlich, naiv ...

 

1987 hatte mich die Redaktion der Zeitschrift "Sinn und Form" gebeten, die gerade im Zürcher Arche Verlag erschienene Gesamtausgabe der Werke van Hoddis zu rezensieren - ich hatte den Auftrag angenommen und mich kurz danach dennoch nicht in der Lage gesehen, das Buch einfach bloß zu besprechen. Denn augenblicklich empfand ich mich mittendrin und vermochte mich der berückenden Frische, der Aktualität dieser Gedichte nicht zu entziehen.

 

Und nun, im Nachhinein, scheint es, als erlangte auch das, was ich damals niederschrieb, unterm Eindruck der Lektüre, und das auf das Ende eines obrigkeitlich ausgerichteten Systems, wie es die DDR zu jener Zeit vorstellte, gerichtet war, neuerdings Zeitgenossenschaft, in anderer Weise ...

 

Es mag ungewöhnlich sein, einen Aufsatz, der in Heft 6/1989 von SINN UND FORM abgedruckt wurde, in dieser Form nochmals zu publizieren, doch möchte ich hiermit an eine große Dichtung erinnern ...

[bitte auf die Bilder klicken, sie werden vergrößert und lesbar]

 

 

 

 

 

 

 

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 06.10.2011 um 18:51
Danke für den Einblick in diese Dichtung, die sicher groß ist, aber dennoch zuverstehen , mir nicht gerade leicht gefallen ist.

...aber schon ein beeindruckendes Thema mit sehr bemerkenswerten Gedanken.
Streifzug schrieb am 06.10.2011 um 20:14
(Meine Kommentare hast du gleich mit depubliziert. Nochmal neu.)

Eine spannende Idee. Da würde sogar McLuhan neidisch werden.

Ich taufe sie: ZEIT UND FORM

Kleine Erläuterung.

Bei den Griechen des Altertums, dem Auge der Welt, war es Schau und Erkenntnis, der (gebildete) Stein ein Symbol von Raum und Sein.

Bei den Juden des Altertums war es das Ohr, der innere Fluß, höret, das Reich der Zeit.
eykiway schrieb am 06.10.2011 um 21:53
Sinn und Form
was sinnlos scheint,erhält uns am Leben.
als ich ihren blog las bin ich gelaufen in meine Bibliothek und siehe da sinn und form von 1949 bis heute
erinnerungen träume hoffnungen sinn und Form ja das waren zeiten
der hoch Kultur
h.yuren schrieb am 08.10.2011 um 21:20
liebe jayne, junge leute neigen zum expressionismus, ja, und theaterleut.
eine gestalt hinstellen ist eins, dem gestalteten nachstellen ein anderes.

weltende ist was andres als das politische ende europas.
weltende ist was anderes als die hochrechnungen der astrophysiker.
das hässliche ist überall, manchmal übermächtig. die grimasse.
die untergehenden, z.b. ertrinkende, verzerren sich. nicht so auf der titanic. da spielt die musik, bis das wasser hereinströmt.

ich mag die verzerrten züge im dichterwort nicht so. das geschrei. lieber sparsame sprache mit beweisen.
jayne
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