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„Die Menschen regen sich doch mehr über das Glühbirnenverbot oder über einen Thilo Sarrazin auf, als über die Zustände in der Pflege. Da geht es um ihr eigenes Schicksal. Es herrscht aber eine kollektive Verdrängung. Man hofft, nicht betroffen zu sein. Dabei will niemand später in einem Pflegeheim landen. Stattdessen wird das Land zubetoniert mit großen Pflegeeinrichtungen. Das Geld wäre besser investiert in der häuslichen Pflege. Die Menschen aber fordern keine Veränderungen ein.“
So Claus Fussek heute in der Süddeutschen Zeitung zur Krise in der Pflegeversicherung. Und weiter:
„Wenn jetzt die Pflegeversicherung zum Teil aus der solidarischen Finanzierung heraus soll, dann überrascht mich das zunächst nicht. Das ist nur die logische Konsequenz daraus, dass die Pflege in den Augen vieler einfach ein Milliardengeschäft ist. Wir haben das Produkt Pflege den Gesetzen des Marktes unterworfen. Gehen Sie mal auf eine Pflegemesse. Der Kabarettist Dieter Hildebrandt hat mal gesagt, er habe sich dort wie auf der Cebit gefühlt. In der Pflege gibt es börsennotierte Unternehmen. Da dürfen nicht nur Gewinne gemacht werden. Da darf auch Rendite gemacht werden. Davon müssen wir weg.“
Nachdem die Renten- und die Arbeitslosenversicherung, wie wir sie früher kannten, schon durch Rot-Grün abgeschafft[1][2] worden waren, hatte sich Schwarz-Rot der Krankenversicherung angenommen[3]. Unter Schwarz-Gelb ist nun die Pflegeversicherung an der Reihe[4]: Sie soll in Zukunft nur noch von den Arbeitnehmern (also nicht mehr paritätisch) bezahlt werden. Schrittweise soll von einem prozentual bemessenen Beitrag auf eine Pauschale übergegangen werden. Von privaten Zusatz-Pflichtversicherungen ist die Rede und von Kapitaldeckung.
Es geht um sehr viel Geld, und die Interessen der betroffenen Menschen spielen angesichts dessen keine Rolle.
„Das Internet“ erregt sich angesichts von völlig belanglosen Löschdiskussionen in der Wikipedia, zeigt sich aber dezidiert gleichgültig, wenn es um soziale Belange geht. Was die „Blogosphäre“ angeht, so kann man sie abschreiben, solange es sich nicht um ihre Zensursula dreht. Menschliche Reife und grundlegendes Verständnis für gesellschaftliche und politische Zusammenhänge sehen anders aus.
Unsere soziale Sicherung wird schrittweise kaputtgemacht. „Reform“ bedeutet nur noch Abbau von sozialen Rechten und Gewißheiten. Und ein menschenwürdiges Dasein ist nur noch für diejenigen vorgesehen, die reich genug sind, um sich ihre Würde kaufen zu können – solange wie es geht.
Und „unsere Medien“? Sie versagen mehrheitlich. Was mit anderen Worten heißt: Sie funktionieren hervorragend im System. Das Sozialwesen kann man nicht in einsdreißig oder auf einer DIN-A4-Seite erklären. Und überhaupt, wen interessiert es denn eigentlich? Es gibt so viele Fußballspiele, Glühbirnen, und Sarrazins. Flachbildfernseher. Hochauflösend. „Der Nasenring euer teuerster Schmuck“, verteidigte Enzensberger schon vor 50 Jahren die Wölfe gegen die Lämmer. Früher hießen die Kartoffelsuppen Saumägen. Und bald wird „durchregiert“, wie es vor vier Jahren schon angekündigt worden war.
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Eklige Sache. Gerade die Leute, welche sich selbst aus Einzahlungen in dem Sozialtopf ausschliessen, geben den Arbeitnehmern / Zahlvieh den Rest.
Was ist das alles nur für ein Volxwirtschaftlicher Unsinn! Vielen Dank für diesen Blog-Beitrag. Auch wenn mir dieser den Tag verdorben hat. |
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danke für diesen sehr emotionalen und dabei doch sehr genauen text, und zutreffend finde ich auch, was Du zum versagen der medien schreibst, denn das ist wirklich keine bagatelle - die demokratie gerät ja nicht nur in schräglage ob solch unsozialer, entsolidarisierender projekte und gesetze, sondern auch dadurch, daß der kritischen öffentlichkeit aufgrund des versagens eines großen teils der medien nur noch ein nischendasein zugewiesen ist ...
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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