jfenn

Unterschiede

20.07.2009 | 22:38

Das Ende des sozialen Ausgleichs

In den  „Blättern für deutsche und internationale Politik“ beschäftigen sich Johanna Klatt und Franz Walter  mit der „Implosion des Politischen“ und beschreiben „Deutschland im Krisenwahljahr“ („Blätter“ 7/2009, 91ff., 96). Warum fällt es der Unterschicht so schwer, sich zu einer politisch handelnden Klasse zusammenzufinden?

… Wer sollte das „Subjekt“ des Aufbegehrens sein? Mit den neuen Unterschichten der oft so charakterisierten „Überflüssigen“ ist weiterhin nicht unbedingt zu rechnen. … Die neuen Unterschichten der Überflüssigen haben … keine kollektive Zusammengehörigkeit, kein Selbstbewußtsein, keine Idee von sich selbst, keine Ressourcen für Organisation, für politische Projekte und für disziplinierte, langfristige Aktionen. Im „neuen Unten“ bleiben die einzelnen – gleichsam negativ individualisiert – für sich, netzwerkunfähig, handlungsgehemmt und ungehört. Sie mögen in Zeiten weiterer sozialer Verschlechterung zum Resonanzboden für erratische antikapitalistische Affekte, für strohfeuerartig aufflammende Affekte gegen „die Reichen da oben“ taugen, aber sie werden wohl nicht zu einem zielbewußten politischen Träger organisierten Protests.

Erfolgreicher politischer Protest wird in der Regel von anderen sozialen Gruppen initiiert und angeführt. Fast durchweg handelt es sich um enttäuschte, von ihrer primären Klasse abgefallene Eliten. Die Kritik am neuen Kapitalismus wird nur dann Aplomb, Zielstrebigkeit und Originalität bekommen, wenn sie von ressourcenstarken Gegeneliten, die bislang nicht zum Zuge gekommen sind, aufgenommen wird. …

Die Analyse ist nicht neu. Grundlegender gesellschaftlicher Wandel ging immer von den bürgerlichen Schichten aus, die den Widerspruch zwischen ihrem wirtschaftlichen oder ihrem intellektuellen Potential und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und der Rolle, die sie spielten, nicht ertrugen – nicht dagegen vom sogenannten „Proletariat“. Das gilt zumal heute, wo sich die neue Unterschicht als Sammelbecken praktisch aller gesellschaftlichen Schichten zusammensetzt, was die Autoren als die Allianz von „Laptop und Putzmob“ bezeichnen (96f.).

So kommt es, daß der Abbau des sozialen Ausgleichs, der in einem weitgehenden politischen Konsens betrieben wird, zwar bereits erhebliche wirtschaftliche Folgen gezeitigt hat, politisch aber weitgehend folgenlos bleiben wird – vom Exodus der SPD-Mitglieder teils in den Protest (sei es eher old school oder in der Version 2.0), teils zur Linkspartei, teils in die politische Heimatlosigkeit hinein einmal abgesehen.

Der soziale Konsens in Deutschland wurde aufgekündigt, und die Folgen beginnen sich abzuzeichnen:

  • Arbeitskämpfe werden häufiger, und sie dauern länger. Oft werden sie von den Arbeitgebern herausgefordert. Man läßt es „darauf ankommen“. Und wie alles, so fragmentiert auch die Arbeitnehmerschaft. Der Konflikt, eigentlich ein Zeichen von neurotischer Krankheit, wird zum Normalzustand: Gestern die Klinikärzte, dann die Lokführer, und nun die Erzieher/innen in den Kindergärten und in den Kindertagesstätten.
  • Während hier also handfeste soziale Verteilungskämpfe ausgetragen werden, formiert sich andererseits eine vergleichsweise homogene Gruppe aus dem Bereich der technischen Intelligenz unter dem Namen der „Piratenpartei“, die sich für all dies überhaupt nicht interessiert und ausschließlich für Bürgerrechte bei der Nutzung des Internets eintritt. Sie hatte einen ersten Erfolg bei der Europawahl zu verzeichnen, rechnet sich aber selbst für die Bundestagswahl einen Stimmanteil von nur einem halben Prozentpunkt aus.
  • Die Arbeitgeber klagen ständig über den sogenannten „Fachkräftemangel“, haben aber gleichzeitig einen riesigen Pool von „Überqualifizierten“ zur Verfügung, aus dem sie nach Belieben auswählen können. Die staatlich organisierte „Armutsindustrie“ sorgt zudem dafür, daß die Produktionskosten in Deutschland mit denen in China wettbewerbsfähig sind.
  • Der größte Sozialverband VDK engagiert sich vorwiegend für die Interessen der Rentner und meint, jedenfalls bei seinen Pressemitteilungen und offiziellen Statements sich aus den grundlegenden politischen Konflikten zur volkswirtschaftlichen Verteilungsgerechtigkeit und zur Ausgestaltung der sozialen Sicherung heraushalten zu sollen.
  • Und von den Gewerkschaften hat man ja auch schon lange nichts mehr gehört.

Es ist vorbei. Alles ist entschieden. Und überhaupt, wer vom Besseren träumt, täte gut daran, erst einmal „Dantons Tod“ zu lesen.

 
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Kommentare
Titta schrieb am 20.07.2009 um 23:10
Dann bleibt ja nur die Frage, wie jfenn seinen Suizid vollführt, oder?

Vorher noch eine andere Frage:
"Der Konflikt, eigentlich ein Zeichen von neurotischer Krankheit"
Wer beschreibt denn den Konflikt als neurotische Krankheit?

Gruß
Titta
jfenn schrieb am 20.07.2009 um 23:25
Zu 1: Ich bin mir noch nicht sicher.

Zu 2: Der neurotische Konflikt als Krankheit ist natürlich eine psychoanalytische Theorie. Man sieht, daß die Gesellschaft zunehmend auseinanderfällt und ihre Teile gleichzeitig konflikthaft im Dauerclinch miteinander liegen: Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Arbeitslose und ARGEn, Zensursula und Netizens… Man denke nur an den Kündigungsschutzprozeß der Kaisers-Kassierin wegen weniger Cent und an die Prozeßwelle im Bereich Hartz IV. Dadurch wird viel Energie gebunden, zuviel Ernergie, die zur Erarbeitung positiver gesellschaftlicher Perspektiven fehlt. Cui bono?
Titta schrieb am 20.07.2009 um 23:50
Welche psychoanalytische Theorie?

Die, die ich kenne, gehen nämlich davon aus, daß das Vorhandensein von Konflikten Zeichen für das Funktionieren von Beziehungsgefügen sind.
Also wo kein Konflikt, da mangelnde Konfliktfähigkeit bzw. Zwang zur Harmoniesierung.
jfenn schrieb am 21.07.2009 um 00:02
Ohne überheblich zu sein: Dann solltest Du „Deine Psychoanalyse“ aber nochmal durchgehen. Die Psychoanalyse ist klassischerweise eine Motivations- und eine Konflikttheorie (mittlerweile gibts natürlich noch viel mehr Richtungen, aber so fing es an). Ein Ansatzpunkt wäre:

de.wikipedia.org/wiki/Abwehrmechanismus
Titta schrieb am 21.07.2009 um 22:31
Freudianer, ok. (Die sind übrigens allmählich im Aussterben begriffen. Aus gutem Grund. Aber sei du mal ruhig überheblich.)
Aber dessen Theorien beziehen sich auf das einzelne Individuum. Das sind keine Erklärungen für gesellschaftliche Phänomene.
Magda schrieb am 20.07.2009 um 23:11
Sehr interssante Zusammenstellung
Es ist sicher traurig, aber nicht vorbei und entschieden ist auf dieser Welt nie etwas.

"Erfolgreicher politischer Protest wird in der Regel von anderen sozialen Gruppen initiiert und angeführt. Fast durchweg handelt es sich um enttäuschte, von ihrer primären Klasse abgefallene Eliten. Die Kritik am neuen Kapitalismus wird nur dann Aplomb, Zielstrebigkeit und Originalität bekommen, wenn sie von ressourcenstarken Gegeneliten, die bislang nicht zum Zuge gekommen sind, aufgenommen wird. …"

Das wäre doch eine Option. Ich denke, dass die Hatz IV Unterschicht auch aus genau solchen von der Klasse abgefallenen Eliten besteht. Und - auch das gibt es ja immer - nicht enttäuschte, sondern Leute mit politischem Bewusstsein.

Ich weiß es auch nicht.
jfenn schrieb am 20.07.2009 um 23:19
Ich danke Dir sehr für Deine Zuversicht, Magda. Zum politischen Bewußtsein: Die soziale Sicherung sollte ja vor allem dazu dienen, demokratisches Handeln zu ermöglichen, indem sie dem einzelnen ökonomisch den Rücken freihält. Nur wer hinreichend abgesichert ist, hat den Kopf frei, sich politisch zu betätigen. Wenn man also hier die Axt ansetzt, zerstört man Demokratie. In der Dokumentation über die „Armutsindustrie“ sieht man ja gerade, daß die Betroffenen kein politisches Bewußtsein haben. Sie erleben sich als „Bittsteller“ und lassen alles mögliche mit sich anstellen. Sie spielen mit und werden so selbst zu einem Teilchen in dem großen gesellschaftlichen Puzzle.
Magda schrieb am 21.07.2009 um 15:26
"In der Dokumentation über die „Armutsindustrie“ sieht man ja gerade, daß die Betroffenen kein politisches Bewußtsein haben. Sie erleben sich als „Bittsteller“ und lassen alles mögliche mit sich anstellen. Sie spielen mit und werden so selbst zu einem Teilchen in dem großen gesellschaftlichen Puzzle."

Alle Betroffenen spielen nicht mit, wenn Du aber so pauschalisiert, dann hast Du sicher Recht. Aber ich glaube das nicht. Wenn natürlich wochenlang Leute gegen Hartz IV auf die Straße gehen, und die Politik und die Medien kümmern sich einfach nicht drum, weil es sie nicht interessiert. Was macht man dann?

Dann wird es gefährlich, weil das Fass auch überlaufen kann.
jfenn schrieb am 21.07.2009 um 16:59
@Magda: Die Montagsdemonstrationen waren ja ein Beispiel. Die wurden erstmal totgeschwiegen. Keine überregionale Tageszeitung berichtete darüber, bis auf die taz, damals. Werde ich nie vergessen. Dann wurden sie kleingeredet. Ging aber immer noch weiter. Dann gab es „Nachbesserungen“ am Gesetz. Nicht der Rede wert. Und dann berichtete niemand mehr darüber, obwohl die Leute immer noch auf die Straße gingen. Bis auf einmal niemand mehr protestierte. Deshalb sehe ich da leider kein Faß, das überlaufen könnte.
Martina Kausch schrieb am 20.07.2009 um 23:18
ad 1.: Never feed Trolls!

ad 2 (nun zu deinem Text, Jürgen ;) ):

Du hast in deiner Auflistung die Rolle der Gewerkschaften vergessen, die einen nicht unerheblichen Teil an der derzeitigen Situation zu verantworten haben. Du listest sie als letzten Spiegelpunkt auf, was deren Unbedeutheit eher nur symbolisiert und untermauert!

Die Rolle der Piratenpartei sehe ich als ersten Schritt in der heutigen Zeit (vergleichbar 1980 mit DIE GRÜNEN!), einer bestimmten Masse, die absolut nicht homogen ist, auf dem politischen Parkett eine Stimme zu verleihen. Und die Piraten setzen das fort, was damals die Grünen begannen: Widerstand gegen bestimmte politische Ambitionen.

Der soziale Konsens wurde schon vor Jahren aufgekündigt - und das Schlimme ist, dass unter Zuhilfenahme bestimmter PR-Kampagnen, unterstützt von gewissen neoliberalen Kreisen, sich bestimmte Phrasen und Bilder in den Köpfen der Menschen eingenistet hat, gegen die wir nun anzukämpfen haben. Und das ist das, was mir wirklich Angst macht, nämlich die Frage: Werden wir es schaffen, immer mehr zum Nach- und Überdenken zu bewegen?
Friedland schrieb am 20.07.2009 um 23:24
Und wie damals die Grünen haben auch die Piraten mit rechten Tendenzen innerhalb der Partei/Bewegung zu kämpfen...
jfenn schrieb am 20.07.2009 um 23:34
@Friedland: ACK. Und es ist sehr zu hoffen, daß sie dabei lernfähig sind.

@Martina: Die Gewerkschaften haben im Laufe der Zeit mehrfach versagt. Aber das ist lange her. Seit Hartz IV sind sie endgültig in der Versenkung verschwunden, und da scheinen sie sich auch wohl zu fühlen.

Die Piraten sind insoweit homogen, als sie sich auf einen gemeinsamen Gegner geeinigt haben. Sie haben auch größtenteils denselben Bildungshintergrund. Das war bei den Grünen ganz anders, wo damals Bauern vom Land, radikale städtische Feministinnen, Sozialarbeiter, Lehrer, Naturwissenschaftler, Handwerker usw. usf. zusammenkamen, die aus vielen verschiedenen Teilen der Gesellschaft kamen.

Und ich bin, wie gesagt, skeptisch, daß man rechtzeitig wieder ein ausreichendes Bewußtsein schaffen kann, daß ein sozialer Ausgleich für die Demokratie konstitutiv ist. Wenn die Mehrheit der Bevölkerung anders denkt (links) als sie wählt (rechts), ist das ein Zeichen für die Krise der Demokratie.
Friedland schrieb am 20.07.2009 um 23:41
Ich frag einfach mal...Was bedeutet ACK?
jfenn schrieb am 20.07.2009 um 23:45
„ACK“ ist ein Zeichen der Zustimmung, das man im Netzjargon verwendet. Es kommt von to acknowledge (bestätigen). Vgl.:

de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Abk%C3%BCrzungen_%28Netzjargon%29#A
Friedland schrieb am 20.07.2009 um 23:51
@ jfenn: Danke, ich muss mir wohl doch endlich den neuen Duden Jugendsprache kaufen...

Der SR-Audio-Tipp im Streifzug-Blog war übrigens klasse...
Titta schrieb am 20.07.2009 um 23:52
Einer der Grundbedingungen für Revolutionen: gemeinsames Verständnis. Sowas wie ACK wirkt dann aber ausschließend. ;-)
jfenn schrieb am 20.07.2009 um 23:56
Keine Panik. :-) Wikipedia reicht:

www.literaturcafe.de/duden-auflage-25-ein-buch-es-zu-richten/

Deine Nachfrage war berechtigt. Es tut mir leid, daß ich die Abkürzung so selbstverständlich benutzt habe.

Und in dem Podcast gibt es übrigens noch ein Gespräch mit Inge Kloepfer (FAZ) zu ihrem Buch "Aufstand der Unterschicht. Was auf uns zukommt". Das ist sozusagen die bürgerliche Variation zum Thema:

pcast.sr-online.de/play/fragen/2009-01-05_kloepfer40109.mp3
Friedland schrieb am 21.07.2009 um 00:04
Noch besser und online und umsonst:

szenesprachenwiki.de/
Bildungswirt schrieb am 21.07.2009 um 00:20
Lieber Jürgen,
der Aufstand der Entrechteten und Beleidigten war schon immer eine Illusion. Marcuse hatte verspätet seinen Irrtum eingestanden. Insofern liegen Klatt/Walter in ihrer Analyse richtig. Auch 2009 hat sich an dieser Lagebeschreibung nichts geändert. Das "revolutionäre Subjekt" ist geschichtlich unter die Räder gekommen.

Du schreibst im Kommentar: "Wenn die Mehrheit der Bevölkerung anders denkt (links) als sie wählt (rechts), ist das ein Zeichen für die Krise der Demokratie."
Mehrheit links denkt? Auch so ein Ammenmärchen, das sich hartnäckig hält.
Gruß BW
Bildungswirt schrieb am 21.07.2009 um 00:22
Ich muss jetzt in die Koje, sonst bekomme ich von Titta noch einen Ordnungsruf, was ich so spät noch hier treibe - ihr wisst ja - vorauseilender Gehorsam.
Gut Nacht
jfenn schrieb am 21.07.2009 um 00:30
@Bildungswirt: Zu rechts und links -- hatte ich so gemeint:

www.youtube.com/watch?v=01WVeWKUe5M
Bildungswirt schrieb am 21.07.2009 um 15:48
Gut, kritisches Kabarett ist ne andere Abteilung.
Mir ging es nur um die Fehleinschätzung, dass die "Mehrheit links denkt" (nicht mal sozialdemokratisch)
Streifzug schrieb am 21.07.2009 um 14:38
Hallo jfenn,

nix ist vorbei. Es geht gerade los. Wir sind die Gegenelite :)
Bildungswirt schrieb am 21.07.2009 um 15:51
geistig, seelisch, moralisch?
Quantitativ und machtpolitisch kannst du schlecht gemeint haben oder?

Immerhin: Das einzig Stete ist der Wandel, von daher bewegt sich immer etwas. Nur was?
Streifzug schrieb am 21.07.2009 um 16:08
Wir sind ein Kristallisationspunkt des Widerstandes :)
jfenn schrieb am 21.07.2009 um 17:08
Ach, @Streifzug, versuch' doch mal, skeptisch zu sein! :-)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 21.07.2009 um 20:25
Und schon treffen die Prognosen ein:Steter Wandel.
Zunächst mal die Rente mit 69. Es ist wie bei den Kaufhauspreisen. 70 geht noch nicht. Zumal vor der Wahl. Kommt aber dann mit Sicherheit auch noch. Wie die nächste Mehrwertsteuererhöhung. 22% oder 25% oder..? Oder gleich eine längerfristige, stufenweise Erhöhung?
Das Volk wird langsam auf die Zukunft vorbereitet. Gewöhnung ist alles.
Den Satz "Optimismus ist lediglich ein Mangel an Information"(H.Müller?) halte ich schon für sehr bedenkenswert. Mittlerweile wäre ich aber doch bereit, einen gewissen Mangel zu akzeptieren.
Friedland schrieb am 21.07.2009 um 20:47
Thema Rente:

Wir werden immer älter: aktuell durchschnittlich 77 bzw. 82 Jahre. Wenn die Standard-Verrentung mit 67 in zwanzig Jahren dann greift, haben die Betroffenen wohl noch ca. 15 Jahre Rente vor sich. Reicht das denn nicht?
Friedland schrieb am 21.07.2009 um 20:49
Und:

Hohe Verbrauchssteuern bei niedrigeren Lohnstuern und/oder Sozialabgaben und weniger Steuerausnahmen für alle wäre nicht der schlechteste Weg...
Ludwig Hasselberg schrieb am 22.07.2009 um 12:46
Wenn das Durchschnittsalter steigt, heisst das nicht, dass man auch länger fähig sein muss, zu arbeiten - zumindest nicht in allen Berufen und nicht Vollzeit. Außerdem sagen Durchschnittswerte tendenziell wenig aus - zum Durchschnittsalter tragen ja auch die bei, die sich mit 50 zur Ruhe setzen können und dann 30 Jahre lang Golf spielen. Gewisse Berufe dürften auch heute noch deutlich weniger als das Durchschnittsalter erreichen.
Ludwig Hasselberg schrieb am 22.07.2009 um 13:21
Wir reden hier schon von Deutschland in seiner heutigen Verfassung, oder? Insofern sind Verallgemeinerungen darüber, wer nun in der Geschichte die Revolutionen macht oder die Reformen erzwingt einfach unsinnig.

Ich teile die Sicht auf das Problem, was die Entpolitisierung angeht - "ACK". :-)
Womit ich nicht einverstanden bin ist, wäre die Annahme, dass es zwangläufig so sein muss und daher auch so bleibt - aus irgendwelchen historischen Gesetzmäßigkeiten heraus. Ich habe den Verdacht, dass solche (nicht unübliche) Schwarzmalerei dazu dient, für sich selbst Handlungszwang zu negieren. Das ist in sich auch schon ein Entpolitisierungsmechanismus - letztlich wird hier ein Phänomen mit sich selbst erklärt. Das passt natürlich zu Franz Walter, dem Autor des vorgestellten Beitrages. Mal abgesehen davon, dass er eine lächerliche Disziplin vertritt (Politikwissenschaft deutscher Provenienz) - wäre Franz Walter der Held des "Spiegel", wenn er etwas anderes vertreten würde als diesen Fatalismus?

"Wenn die Mehrheit der Bevölkerung anders denkt (links) als sie wählt (rechts), ist das ein Zeichen für die Krise der Demokratie."
Damit sind die Verhältnisse hier klar auf den Punkt gebracht, ja.
Anderswo läuft es aber doch anders. In Japan rennen die Leute der Kommunistischen Partei die Bude ein. Liegt aber vielleicht auch daran, dass man in Japan Marx' "Kapital" als Manga beziehen kann. :D
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