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Je länger ich die Diskussion[1] [2] [3] [4] über den Umgang der Piratenpartei mit einem Mitglied verfolge, das seit mehreren Jahren den Holocaust und die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg leugnet und das auf dem gerade abgehaltenen Bundesparteitag dessenungeachtet in Parteiämter gewählt wurde, umso eher erinnert sie mich an an die Auseinandersetzungen, die ich im Februar diesen Jahres auf der debate-Liste des Chaos Computer Clubs mitgelesen hatte.
Damals war dort ein Listenteilnehmer aufgetaucht, der offen rechtsextremistische Ansichten äußerte. Als ich auf den Verteiler kam, war eine lebhafte Diskussion schon im Gange, und man war sich einig, daß man ihn nicht von der Diskussion ausschließen dürfe, weil das intolerant wäre. Es würde sich dabei um Zensur handeln, und die wolle man vermeiden. Auch er solle seine Meinung frei äußern dürfen. Eher würde man die Mailingliste ganz schließen und die Diskussion um den CCC auf die öffentliche de.org.ccc-Newsgroup im Usenet verlegen.
Ich verließ diese Mailingliste nach zwei Tagen, indem ich das Listenabo kündigte, und ich habe die weitere Entwicklung der Diskussion und der Liste deshalb nicht mehr weiter verfolgt, und ich bin dem auch nicht weiter nachgegangen.
Entscheidend an dem Standpunkt ist dies: Die Toleranz verbiete es, jemanden, der einen völlig indiskutablen und intoleranten Standpunkt einnimmt – und zwar unbelehrbar und öffentlich – aus einer Gruppe zu entfernen, die sich selbst die Durchsetzung von Bürgerrechten auf ihre Fahnen geschrieben hat.
Das ist aber keine Toleranz, sondern es ist ein Irrenhaus, das man sich hier schafft. Eine andere Bezeichnung fällt mir dazu nicht mehr ein. Es ist ein Ausmaß an Realitätsverlust, wie er größer und schlimmer nicht mehr ausfallen könnte.
Und solche Leute wollen regieren? Da käme man ja vom Regen in die Traufe.
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schön oberflächlich betrachtet.
in parteiämter muss man solche leute sicher nicht wählen um toleranz zu zeigen. aber man sollte zumindest nicht ausblenden und ignorieren, denn dadurch wird das kernproblem auch nicht behoben. im gegenteil, es gärt weiter und so suchen sich die betreffenden gleichgesinnte und stehen außerhalb des notwendigen überzeugungsraumes. hier werden zwei sehr unterschiedliche ebenen zusammengeführt und daraus eine meinung gebildet. das ist wirklich gefährlich. |
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Das ist aber grob falsch, was du da über die Diskussion auf der debate-Liste berichtest: Es war sicher doch mehr als ein Listenteilnehmer dort. Offen wurden die "rechtsextremistischen" Positionen auch nicht vertreten, sondern überwiegend recht verdeckt (was nichts besser macht).
"Man" war sich überhaupt nicht einig, schon gar nicht mit der von dir behaupteten Begründung. Es ging nicht um einen Ausschluss von der Diskussion, sondern von der Liste (und die ziemliche Unmöglichkeit ein solches Vorhaben langfristig gegen genug Renitenz bei einer offenen Liste durchzusetzen). Also, bitte bei den Fakten bleiben. Das Anliegen hat Wahrheit verdient. "Ich bin dem auch nicht weiter nachgegangen" ist eine ziemlich bescheidene Entschuldigung, wenn man hier unhaltbares formuliert. Im Übrigen ist die debate-Liste nicht Zentralorgan des CCC, sondern ein offenes Podium. Schon gar nicht ist die Abonennten-Schar dort eine Gruppe, die sich dir Durchsetzung von Bürgerrechten auf ihre Fahnen geschrieben hat. Das ist 'ne Diskurs-Plattform, per se als Irrenhaus konstituiert. |
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Ich hatte die Diskussion auf debate vom 15. Februar 2009, 17.54 Uhr, bis zum 16. Februar 2009, 12.56 Uhr, verfolgt (An- und Abmeldung). Dann reichte es mir.
Es war genauso, wie ich es geschrieben habe. Die Haltung des CCC, damals IIRC von Volker Birk übermittelt, war, eher die Liste zu schließen, als ein Listen-Mitglied aus politischen Gründen auszuschließen. Entscheidend ist, daß der Ausschluß nicht ernsthaft erwogen wurde. Die Entscheidung darüber liegt ausschließlich beim Listenbetreiber. Da es kein öffentliches Archiv der Liste gibt, kann man das ja leider nicht allgemein nachvollziehen. Ich habe die Mails, die ich damals erhielt, auch nicht aufgehoben. Zur Klarstellung: Ich greife damit auch nicht den Club an, sondern die Haltung, die hier um sich greift, längst nicht nur dort. Henryk M. Broder hat darüber mehrere Bücher geschrieben... Wenn man sich vernünftig verhielte, würde der Betroffene schon lange keine Rolle mehr bei der Piratenpartei spielen. Es reicht nicht aus, sich von ihm zu distanzieren. Die Diskussion auf dem Parteitag zu dem Thema ist völlig ungenügend. Jeder möge sich ein Bild machen, so lief es ab: www.youtube.com/watch?v=zk02Iq8SZ80 |
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schrieb am
09.07.2009 um 00:42
Bei allem Verständnis und Respekt für das Anliegen, so muss ich doch sagen, dass ich das prinzipiell anders sehe.
Ich finde beide Dinge nicht vergleichbar. Aber kommen wir zum Kern: Die Haltung, die um sich greift. Erste Frage: Wessen Haltung? Ich möchte erstmal schon differenzieren zwischen den Wirrköpfen, die die feindliche Ansicht ins Haus bringen, und denen, die den Wirrkopf dulden. Fall Piratenpartei: Der frischgewählte Amtsinhaber und die Parteibasis. Fall offene CCC-Liste "debate": Der renitente Poster, der sich in Vokabular, Logik und Diskussionskultur vergreift und andererseits die Listenmitglieder -- oder der CCC als vermeintlich (s.u.) handlungsfähige Kontrollinstanz? Den anderen Abonnenten ist kaum "Duldung" vorzuwerfen, also widerspreche ich dir darin, dass du nicht den Club angreifst. Vielleicht nur nicht ganz direkt, aber über den Vergleich. Zweite Frage: Gibt es eine allein von der Meinung abhängige Weise, mit ihr umzugehen? Oder anders: Lässt sich ein Umstand gänzlich ohne Kontext betrachten? Eine Liste, die sich als bedingungslos offene Liste konstituiert, hat doch letztlich nur eine einzige verbleibende Option: die Selbstauflösung (die ich damals übrigens befürwortet hatte, allerdings ohne den entsprechenden Mailinglisten-sozialen Status). Am Rande noch ein paar Anmerkungen bzgl. Piratenpartei: Das gewichtigste Argument ist noch die rechtspolitische Funktion einer Partei, nämlich die der Meinungsbildung. Deshalb kann man eventuell fordern, sich gar nicht erst dem Prinzip einer offenen Plattform zu unterwerfen. Halte ich im Funktionszusammenhang des Parteiensystems auch wirklich nicht für so sinnvoll, sich so aufzustellen, aber bisher hat die Piratenpartei ja auch gar keine ernste Funktion im eigentlichen Parteiensystem. Selbstverständlich macht sich eine Partei, die sich als offene Plattform konstituiert, nicht unbedingt wahnsinnig wählbar für jeden, der neben den tatsächlichen programmatischen Themen auch Positionierung weiterer Hinsicht erwartet. Schlussbemerkung: Wenn mit der "Haltung, die um sich greift" einfach bloß ein gefühlt-empirisch häufigeres Auftreten von Wirrköpfen gemeint sein sollte, dann würde ich bloß beschwichtigen wollen: Wirrköpfe hat's eh reichlich auf der Welt. |
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Dieser Bodo Thiesen ist (zumindest wenn man nur von seinen Holocaust Aussagen ausgeht) ein Idiot aber das der Piratenpartei anzulasten ist unsinn. Natürlich sollten die so jemand nicht unbedingt in eine offizielle Position wählen, das ist schon schade.
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Ausgabe 06/12
09.02.2012
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