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Wenn weniger gearbeitet wird, gibt es auch weniger Arbeitsunfälle. Weil Arbeitsunfälle meldepflichtig sind, kann man sie leicht zählen und gewinnt so einen zeitnahen Indikator für das tatsächliche Geschehen in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung.
Hierzu gibt es nun die ersten Zahlen, die ein weiteres Schlaglicht auf das Ausmaß der Wirtschaftskrise werfen. Der Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), hat heute in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle sei im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zu 2008 um über 10 Prozent gesunken (430000 Unfälle insgesamt). Angestiegen sei hingegen die Zahl der Wegeunfälle auf dem Weg von und zur Arbeit, bei denen ein Beschäftigter ebenfalls versichert ist, nämlich um 5000 Unfälle auf insgesamt etwa 93000.
Der Hauptgeschäftsführer des DGUV Joachim Breuer kommentiert in der Pressemitteilung nur den ersten Teil dieser Nachricht und führt den Rückgang der Unfälle insgesamt auf den Konjunktureinbruch zurück: „Die Unfallzahlen spiegeln unter anderem den massiven Anstieg der Kurzarbeit in Deutschland.“
Vgl.: DGUV. Zahl der Arbeitsunfälle im ersten Halbjahr 2009 stark gesunken. Zahlen spiegeln Einfluss der Kurzarbeit – weniger Schulunfälle verzeichnet. Pressemitteilung vom 5. Oktober 2009. [1]
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Eigentlich ist eine erfreuliche Zahl, wenn die Arbeitsunfälle sinken. Als Indikator für die Konjunktur kommt jedoch ein leichtes Frösteln im Nacken auf.
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Eben.
Vielleicht noch ein bißchen mehr Hintergrund dazu: Die Lasten der Unfallversicherung werden im Wege der nachträglichen Umlage für das jeweilige Jahr festgesetzt. Den größten Teil machen die Verletztenrenten aus, denn sie laufen jahrzehntelang. Weil die Arbeitgeberhaftpflicht abgelöst wird, zahlen nur die Arbeitgeber die Beiträge. Je weniger Arbeitskräfte es gibt, desto höher die Beiträge pro 1000 Euro Arbeitsenegelt, weil die Lasten ja nur sehr langfristig sinken. Deshalb stiegen die Beiträge in der letzten Zeit durch den Arbeitskräfteabbau erstmal. Die Lasten durch Versicherungsfälle sinken nur langfristig, weil die Zahl der Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten insgesamt stetig sinkt. Wenn aber der Einbruch so heftig ist wie in diesem ersten Halbjahr, ist das schon eine ziemliche Ausnahme und allemal einen Blog-Beitrag wert. Ich hoffe, ich habe mich hinreichend unverständlich ausgedrückt. :-) |
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Von mir aus hätte der Blogbeitrag ruhig noch etwas ausführlicher sein können. Der Anstieg der Wegeunfälle, wie kann der interpretiert werden zB. Mir geht es da wie por, bei sinkenden Arbeitsunfallzahlen denk ich nicht zuerst an die Konjunktur. Da lerne ich aber immer gerne hinzu. In der Hinsicht finde ich Ihre Blogbeiträge meist sehr interessant.
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@Titta: Danke für die Blumen! Über die Ursachen der Entwicklung bei den Wegeunfällen hatte ich natürlich auch schon nachgedacht. Ich wollte aber nicht ins Blaue hinein irgendwelche Mutmaßungen aufstellen.
Der Anstieg von Anzahl und Lasten bei den Wegeunfällen läßt keine eindeutigen Schlüsse zu. Man kann daraus nur ersehen, daß der Weg zur Arbeit „gefährlicher“ geworden ist. Das war in der Vergangenheit zum Beispiel mit der Zeitarbeit in Verbindung gebracht worden, weil man annimmt, daß Arbeitnehmer, deren Weg zur Arbeit häufigen Änderungen unterliegt, sich auf die damit verbundenen Gefahren nicht so gut einstellen können wie jemand, der jahrelang dieselben Straßen/ Bahnhöfe usw. benutzt. Dazu gab es bisher aber keinen statistischen Nachweis. Das war u.a. bei den Streitigkeiten diskutiert worden, die die Zeitarbeitsfirmen gegen die Beitragserhebung durch die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (letztlich erfolglos) geführt hatten. Die Zeitarbeitsfirmen hatten im Gegenteil behauptet, wer sich oft auf neue Gegebenheiten einstellen müsse, verhalte sich vorsichtiger und habe deshalb ein niedrigeres Unfallrisiko. Meines Wissens gibt es dafür aber keine eindeutigen Erkenntnisse. Außerdem hatte in dem Zeitraum, um den es hier geht, ausgerechnet die Zeitarbeit große Einbußen, so daß auf diesen Gewerbezweig auch weniger Arbeits- und damit auch weniger Wegeunfälle entfallen sein werden. Die DGUV macht dazu keine weiteren Angaben. Weil die Zahlen neu sind, hat man wohl die Ursachen für die Veränderung noch nicht statistisch untersuchen können, das kann man ja immer nur im nachhinein. Man kann deshalb nur spekulieren, daß sich irgendwelche Belastungen, Anforderungen usw. auf die Sicherheit auf dem Arbeitsweg ausgewirkt haben könnten, denn meines Wissens hat sich die Zahl der Straßenverkehrsopfer langfristig nach unten bewegt. Man könnte etwa annehmen, daß die nachweisliche Zunahme von psychischen Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung sich auch auf die Wegeunfälle ausgewirkt haben könnte. Oder daß die zunehmende psychische und körperliche Belastung am Arbeitsplatz sich gerade in den Zeiten der Wirtschaftskrise auf die Konzentration und auf die Leistungsfähigkeit vor und nach der Arbeit auswirken und somit Unfälle häufiger, also statistisch wahrscheinlicher geworden sind. Was die Arbeitgeber angeht, so waren sie jedenfalls schon immer der Ansicht, daß die Wegeunfälle eine reine Privatangelegenheit der Arbeitnehmer seien. Die Verantwortung des Arbeitgebers beginne und ende am Werkstor bzw. an der Büro- oder an der Landentüre. Einen Eindruck dessen, was da so in der Diskussion war, gibt ein Beitrag aus Telepolis von vor zwei Jahren. Dazu ist war es aber dann doch nicht gekommen. Die Reform des SGB VII im Jahr 2008 beschränkte sich auf das Organisationsrecht und auf den Lastenausgleich zwischen den Trägern. FDP-Linie war dabei die radikale Privatisierung der Unfallversicherung, wozu es zum Glück nicht gekommen ist. In der Anhörung im Deutschen Bundestag ist schnell klar geworden, daß die Sachverständigen, die insoweit benannt worden waren, nicht ernst zu nehmen waren -- zumindst von dem Ausschuß in der damaligen Zusammensetzung. Demnächst regieren sie ja, dann mag das anders aussehen, und dann könnte auch in der Unfallversicherung, die ja gemeinhin als relativ ruhiges Feld im Sozialrecht gilt, wieder mehr Unruhe entstehen. Und so könnte der Anstieg der Wegeunfallzahlen, der jetzt in der Krise festzustellen ist, möglicherweise neue Argumente dafür liefern, das Leistungsrecht insoweit im Sinne der Versicherten nicht zu ändern, weil die Gefahren, die sich dort auswirken, möglicherweise doch mit der Belastung bei der Arbeit zusammenhängen. Eine statistisch signifikante Aussage ist das aber nicht. |
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Danke. Meine Überlegungen gingen in eine ähnliche Richtung. Zu einem eindeutigen Ergebnis bin ich auch nicht gelangt.
Gibt ja inzwischen auch viele Leute mit mehreren Jobs. Da erhöht sich ja zwangsläufig auch die Zahl der Wegeunfälle. |
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Ja, das ist eine gute Idee, Titta, muß aber nicht so sein, denn die Länge des Wegs oder die Zahl der Wege korrelliert ja nicht zwingend mit deren „Gefährlichkeit“, wobei das Unfallrisiko im Beitragsrecht mit den Unfallasten gleichgesetzt wird, die in einem Gewerbezweig so anfallen. Auch die Frage, ob die Unfallasten bei der Bemessung der Beiträge für einen Gewerbezweig überhaupt zugrundegelegt werden sollte, ist übrigens umstritten …
By the way, falls Dich das Thema sehr interessiert: Meine Diss hierzu ist noch ein paar Monate lang im Buchhandel verfügbar, danach werde ich den Volltext online stellen. |
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hallo
diese zahlen kannst du in die mülltonne drücken. warum weil die firmen den mitarbeitern einen schonplatz aufzwingen der mitarbeiter unterschreibt freiwillig (grins und gröhl)eine erklärung hauptsache er ist anwesend eykiway |
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Jeder Arbeitsunfall schadet dem Aufbau unserer schönen kapitalen Arbeitsdemokratie. Und Demokratie ist Gesundheit der Nation, die rechnen will. Die mit dem Arbeitenden rechnen will, gerne nicht als Unfall, sondern als Umfaller am Arbeitsplatz (aber erst mit 67).
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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