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Gerne hätte ich die Freitag Community auf einen Beitrag von Matthias Schwenk bei Carta hingewiesen. Schwenk beschreibt, wie sich die Zeitungskrise auch auf die kommerziellen Blogs in Deutschland auswirkt. Er kommt zu dem Schluß, daß die weitaus meisten kommerziellen Blogs unprofitabel betrieben werden. Kein Blog könne allein von Werbeeinnahmen existieren, immer handele es sich deshalb um Projekte, die auch von der „Leidenschaft“ und von dem Mitteilungsbedürfnis seiner Autoren lebe. Das erfolgreichste Blog in Deutschland sei gerade netzpolitik.org von Markus Beckedahl, das auf eine Vermarktung gänzlich verzichte. Ausnahmen bestätigen eben die Regel.
Schwenk kommt aber auch auf den Internet-Auftritt des Freitag zu sprechen, und diese Stelle in seinem Artikel möchte ich gerne zitieren, weil es ja vor kurzem eine sehr umfangreiche Diskussion um dessen Entwicklung gegeben hat:
„… Und da sind wir dann vielleicht an einem Punkt, der das Problem der Online-Ausgabe des Freitag erklärt. Meinung allein bringt es nicht. Der Freitag erzielt im Netz erst ca. 647.000 PIs pro Monat. Das ist ein Wert, wie ihn auch ein Blogger ganz allein erzielen kann, etwa Cachy (stadt-bremerhaven.de). …“
In dem Zusammenhang sollte man auch einen Blick auf die Entwicklung der Printausgabe werfen. Laut ivw entwickelten sich die Abonnements stark rückläufig, nämlich von 9069 im Zeitraum 1/2008 auf nunmehr nur noch 7650 in der Erhebung 3/2009. Das ist sehr zu bedauern.
Wenn ich es richtig einschätze, ist der Bestand der Zeitung im ganzen (und der damit verbundenen Arbeitsplätze) dadurch noch nicht gefährdet. Es zeigt sich aber sehr nachdrücklich, wie bedeutsam die Ausrichtung der Print-Ausgabe für den Erfolg des ganzen Projekts nicht nur langfristig, sondern bereits auf kürzere Sicht sein wird, denn aus dem Bereich Online sind keine Einnahmen zu erwarten („Die Kommerzialisierung von Blogs ist bislang nur in bescheidenem Umfang gelungen.“). Und im Print-Bereich hat es den Anschein, als sei ein ganzes Segment von Abonnenten weggefallen, das zurückzugewinnen sehr schwierig sein wird, weil man sich von der bisherigen Ausrichtung des Blattes verabschiedet hat und die Bedürfnisse vieler früherer Leser leider nicht mehr beachtet hat. Neue regelmäßige Leser wurden bisher dagegen kaum gewonnen.
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danke für die zahlen.
so in etwa verlief auch meine überlegung und natürlich sehr vieler blogger hier, ein imagewechsel führte zu einem mittlerweile leidig diskutierten "irgendwie bis nirgendwie links", abonnenten, die mal ein linkes blatt lesen wollten erhielten nur noch ein blatt das sich stark in richtung popcorn entwickelt und jene die gern koch und gartentipps und eine unreife mischung aus spiegel, zeit und bild der frau haben wollen, wurden noch nicht an bord geholt. |
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"nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.." zitiere ich hier mal ??? (gerade entfallen, kann man garantiert googeln..)
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Lieber jfenn,
die Zahlen stimmen leider nicht. Letze Zählung: 735 000 PIs und 150 000 Unique Users. Ich bin mit der Online-Entwicklung zufrieden. Print haben wir die Abo-Zahlen in etwa gehalten - was unter der Oberfläche auf einen Wechsel des Abonnenten-Stammes hindeutet - und den Einzelverkauf ausgebaut. Geht alles gemähchlich in die richtige Richtung. Haben Sie geglaubt, wenn wir hier ein neues Produkt machen, mit begrenzten Mitteln, ohne Werbe-Etat, dann brechen wir in den deutschen Medienmarkt ein wie eine Panzerfaust? Ich nicht. Mit so heißer Nadel nähen wir hier nicht. Geduld. Das dauert. Lustig finde ich die Idee, mit einer knall-linken Zeitung könnte man mehr Leser bekommen. Glauben Sie das wirklich? Wie beurteilen Sie denn die Entwicklung der aus Ihrer Sicht vielleicht so richtig linken Objekte wie Ossietzky und der Jungen Welt und dem ND und der Jungle World? Oder die Entwicklung des alten Freitag? Und was wäre dann noch mal so richtig links links links? Also so richtig? Nicht irgendwie? Sondern im Unterschied zu dem, was wir machen? Da wäre ich jetzt echt gespannt auf eine schlüssige Definition. Aber ich sag dazu gerne noch mal meine Meinung: Ideologie und Journalismus geht leider nicht zusammen. Sorry. Das hat die "Welt" 50 Jahre versucht und es auch nicht hinbekommen. Wenn man immer schon vorher weiß, was richtig ist, soll man in die Kirche gehen. Nicht in die Zeitung. Das heisst, eine linke linke linke Zeitung kann leider keine gute Zeitung sein. Geht nicht. Schon aus Prinzip nicht. Ich werd ja selten grundsätzlich, weil ich auch immer finde, dass das Leben schon hart genug ist. Aber da hört der Spaß auf: Noch mal ganz langsam für alle zum Mitschreiben und Mitsingen: Ideologie und Journalismus geht nicht zusammen. Und wer das Gegenteil behauptet hat leider vom Journalismus keine Ahnung. Und wir machen hier schon Journalismus. Das nur mal so nebenbei. Aber, und das ist ja kein kleines Aber, auch wenn es manchem nicht groß genug ist, also: Aber Journalismus ohne Haltung ist viel zu oft eine Lüge. Wir haben hier eine Haltung. Die kennen Sie ja. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Sie meinen, wenn wir hier alle stramm links links links wären - Augen links! - dann wäre die Auflage höher und die Clicks auch? Entgegen aller Erfahrung der vergangenen Jahre ... Ihr JA |
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Lieber JA;
"Haben Sie geglaubt, wenn wir hier ein neues Produkt machen, mit begrenzten Mitteln, ohne Werbe-Etat, dann brechen wir in den deutschen Medienmarkt ein wie eine Panzerfaust? Ich nicht. Mit so heißer Nadel nähen wir hier nicht. Geduld. Das dauert." Es freut mich jedenfalls, dass zu lesen! Dass die Geduld da ist, meine ich. Und ich mir nicht Sorgen machen muss, dass der Freitag womöglich demnächst eingestellt würde. Sie wissen ja, wie das in manchen Häusern ist... Da werden Zeitschriften eingestellt, weil sie nach einem halben Jahr nicht die gewünschten Zahlen bringen... Herzliche Grüße, Anna |
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...daS zu lesen", muss es heissen.
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schrieb am
26.10.2009 um 23:15
"Das heisst, eine linke linke linke Zeitung kann leider keine gute Zeitung sein." Der Satz ist natürlich Blödsinn, eine linke Zeitung ist vielleicht in Zeiten wie diesen zwar gut, aber nicht auflagenstark, so herum schon.
Aber das objektivistisch-positivistische "Ideologie und Journalismus geht nicht zusammen" ausgerechnet der aufklärerischen, rationalen, humanen Linken vorzubeten, halte ich dann doch für sehr übertrieben. Und "Haltung", tja, kenne ich noch vom Bund; nehme ich nicht an. Ich glaube, hier driftet der allgegenwärtige Marktzwang die übriggeblienene Gesellschaftskritik an den äußersten Rand. Mehr nicht. |
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Lieber JA,
also gut, dann reden wit noch einmal Tacheles: Der alte Freitag war besser als man denkt. Der Meinung waren auch ca. 1500 Abonnenten, die jetzt verschwunden sind. Von manchem treuen Werbekunden hat man auch schon lange nichts mehr im Blatt gedruckt gesehen. Der Einzelverkauf kann das nicht auffangen, und die Abo-Zahlen sind eingebrochen -- von einem "Wechsel des Abonnenten-Stammes" kann ich da nichts erkennen. Wenn man aber über Bezahl-Internet und Strategien mit einer Community diskutiert, muß man "the rest of the story" ebenfalls mitteilen; das habe ich getan. Der Freitag wird bei Hi-Media folgendermaßen beschrieben: "DER FREITAG vereint eine optimistische und konsumfreundliche Haltung mit kritischem Qualitätsjournalismus." Es tut mir leid, aber das schließt sich gegenseitig aus. Deshalb hatte ich schon unmittelbar nachdem der Verkauf der Zeitung bekanntgeworden war, einen Leserbrief geschrieben, der auch abgedruckt worden war. Der Brief hatte folgenden Wortlaut: "Als langjähriger Leser und Abonnent bin ich ziemlich besorgt über die Berichte, wonach der Freitag an Jakob Augstein verkauft worden sei. Immer wieder wird jetzt in den Artikeln über den Verkauf darauf hingewiesen, daß der Freitag seit je praktisch werbefrei ist. Ich würde Ihnen gerne den Rücken stärken und erklären: Ich wäre auch bereit, etwas mehr für die Zeitung zu bezahlen, wenn die Werbefreiheit erhalten bliebe. Denn das ist der einzige Weg zu einem unabhängigen und damit glaubwürdigen Journalismus. Alles andere wäre ein Irrweg. Ich hoffe sehr, daß uns der Freitag, wie er ist, erhalten bleibt." Viele Grüße, jfenn. |
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"Aber Journalismus ohne Haltung ist viel zu oft eine Lüge"
wenn sie draus "immer" machen, stimme ich Ihnen voll und ganz zu :-) und grundsätzlich trotz kritik finden wir alle, dass der freitag eine gute sache ist, sondern wären wir nicht hier, es sei denn... masochisten bitte melden :-) nein, wir mögen, was hier passiert in generalis, aber im einzelfall muss man nicht in allen punkten hinter Ihnen stehen. |
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schrieb am
26.10.2009 um 23:52
Wir stehen hier alle im Ring und vor dem KO. Das Dümmste wäre, wir würden uns gegenseitig ausknocken, bevor der Gegner wirklich da ist.
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@Rainer: Richtig. Aber der Gegner war schon vorher da. Und JAs Beitrag zeigt, daß er nicht zur Selbstkritik fähig ist. Wahrheiten tun manchmal weh, und wer sie sagt, brauchte schon immer ein schnelles Pferd. Das habe ich nicht, ich bin zu Fuß unterwegs.
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schrieb am
27.10.2009 um 00:06
Ja, die Gegner, die immergleichen, waren immer schon da, und unsere Taktik kann nicht sein, sich ihm anzupassen, sondern auf seinen Anpassungszwang mit Pfiff zu reagieren. Wir wollen ja auch was anderes.
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Rainer, Du willst sicherlich was anderes als der Gegner, und ich auch. Aber "das Management" des Freitag nicht. Das haben wir heute abend hier lesen können, und genau dies ist das Problem.
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Gewollt ist ein windschnittiges Blatt, das vorneweg mitsegeln kann, neben der Zeit, dem Stern oder dem Spiegel. Und an denen sieht man auch sehr schön, zu welchen Verrenkungen das führt, wenn man Konsumfreude und Kritik miteiandner verbinden möchte. Mach das mal bei einem Beitrag zu Hartz IV oder zum Koalitionsvertrag.
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Weil das nicht funktioniert, wenden sich immer mehr ab. Die Abos sind kontinuierlich gesunken, seit dem Relaunch beschleunigt. Ich bin auch bei den 1500 dabei, und ich warte nun ab, wie man mit den Kunden umgehen wird, ob man sie zurückgewinnen will, oder ob man eher die Absicht hat, konsumfreudigere Kunden zu gewinnen. Das fände ich wiederum sehr schade, aber es ist eine unternehmerische Entscheidung.
Und nun sage, bitte, niemand, die Zeitung würde sich aus unternehmerischer Sicht nicht lohnen bzw. hätte sich schon vorher nicht gelohnt. Der Freitag wäre das ideale Projekt gewesen, das man auch nach dem Modell der Blätter oder der taz oder der FAZ (als Stiftung, nämlich) hätte aufziehen können. Das hätte dann natürlich bedeutet, daß man nicht einen Medienunternehmer an der Spitze hätte, der pars pro toto für die Firma öffentlich auftritt und so mehr im Lichte steht als die Zeitung selbst. Denn man sieht nur die im Lichte ... |
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es ist schon eine herausforderung zurückhaltung zu zeigen, selbstdarstellung liegt in allen von uns, dafür würde ich ihn nicht anprangern, aber dass die zeitung profil braucht ist unbestreitbar und das wird nicht dadurch erreicht indem man aus dem freitag einen spiegel herauszetert, auch der spiegel leidet gerade, allein in meinem nicht wirklich linken umfeld haben fast alle ihr spiegel-abo gekündigt.
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Lieber Jakob Augstein,
ich habe keine Ahnung von Journalismus. Aber von politischer Theorie verstehe ich durchaus was. Die dominante Ideologie unserer Zeit ist doch nicht links oder rechts, sondern die Behauptung in der Mitte, neutral und damit ideologiefrei zu sein. Journalismus kommt somit immer aus einer bestimmten politischen Richtung. Oder um es mit Ihren Worten auszudrücken "Journalismus muss immer aus einer bestimmten Haltung heraus kommen". Diese Haltung kann und soll kritisch sein, aber sie kann niemals neutral sein. Ich teile Ihre Kritik durchaus was die Junge Welt oder Jungle Word betrifft. Aber diese Projekte in einem Atemzug mit dem alten Freitag zu nennen, halte ich für falsch. Der alte Freitag war kein Blatt mit einer vorgefertigten Meinung. Es war ein Blatt mit Haltung. Aber dennoch immer mit sehr gut recherchierten und auf hohem Niveau verfassten Beiträgen. |
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J.A. schreibt: "Aber ich sag dazu gerne noch mal meine Meinung: Ideologie und Journalismus geht leider nicht zusammen". In der Realität ist aber etwas anderes zu beobachten, Ideologie (hier im Sinne von Voreingenommenheit) und Journalismus gehen sehr wohl zusammen, oder wie wäre die seit Jahren über uns hereinbrechende Flut neoliberal argumentierender Nachrichtenberichterstattung zu erklären? Das heißt nicht, daß ich nun für eine solche Sache aus linker Richtung wäre - die linke Antwort darauf kann nur lauten, den Auftrag, den der Journalismus von seinem Wesen her hat, als Instrument öffentlicher und demokratischer Meinungsbildung, ernst zu nehmen: Informieren, Hintergründe kritisch beleuchten, Vorgänge transparent machen und von deren Instrumentalisierung absehen ...
Insofern hat dies wirklich erst einmal nichts mit Links Mitte oder Rechts zu tun, sondern mehr mit Verantwortung, Ethik, Haltung, ganz recht - wobei dieses in Geschichte und Gegenwart wohl doch von einer/m eher links orientierten Presse resp. Journalismus geleistet worden ist und wird. Und warum nennt man das "links"? Da hilft auch ein Blick in die Geschichte des Parlamentarismus ... |
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P.S. lieber jfenn, danke für Deinen blog
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Lieber jfenn,
das hier ist ein wichtiges Thema, finde ich. Wir haben darüber vor einem Jahr und dann noch einmal nach dem Neustart im Februar und März viel geredet. Seit dem weniger. Aber es ist wichtig: Identität, Ortsbestimmung. Ich war immer der Ansicht, dass die dt Medienlandschaft noch ein linksliberales Medium neben der taz braucht. Ich habe großen Respekt vor der taz, vor allem dafür, dass es sie noch gibt. Sie ist zwar nie so wirklich meine Zeitung gewesen - ebenso wie die Grünen nie so wirklich meine Partei waren. Aber es kann ja eigentlich kein Zweifel bestehen, dass die taz die letzte relevante linksliberale Stimme im Land ist. Das ist zu wenig. Daneben wollen wir eine Wochenzeitung setzen und im Netz den Community-Journalismus entwickeln. Das ist unser publizistisches Konzept. Man muss sich aber klarmachen, dass das gegen den Zeitgeist geht. Der weht nämlich gar nicht nach links. Das ist ja das sonderbare. In der 2/3 oder 3/4 Gesellschaft, je nachdem wie pessimistisch man ist, gehen die Heerscharen der sozial Enteigneten dem Zeitungsmarkt als Käufer offenbar verloren - wenn sie vorher denn Käufer waren. (Und die Bildzeitung verliert bekanntlich auch Auflage, und zwar nicht zu knapp ...) Das bedeutet, dort, wo eigentlich unsere Interessengruppe liegt, liegt offenbar nicht unsere Zielgruppe. Gleichzeitig wachsen die Titel, die sich ganz dem neuen Bürgertum verschrieben haben, wo man von schwarz-grün träumt und die FDP inzwischen wieder für eine wählbare Partei hält. Der Zeit und der FAS geht es - zumindest was die Auflage angeht - sehr gut. Das ist für einen kleinen Titel, der kein Werbebudget hat und der für Anzeigenkunden nicht interessant ist, eine schwierige Lage. Der alte Freitag hatte einen treuen Abonnentenstamm, der beständig kleiner wurde. Auch ohne meine Mithilfe. Die Zeitung war von einst 40 - 60 000 Auflage Anfang und Mitte der Neunziger Jahre auf etwas über zehntausend abgeschmolzen und verlor jedes Jahr etwa fünf Prozent ihrer Auflage (diese Zahl ist von mir geschätzt!) Ohne Eingriff wäre der Freitag gestorben. Daran kann kein Zweifel bestehen. Es hätte sicher verschiedene Möglichkeiten gegeben, für den Freitag eine neue Zukunft zu suchen. Die Alteigentümer haben sich für den Verkauf entschieden. Der alte Freitag konnte offenbar keine neuen Leser gewinnen. Sonst wäre die Entwicklung anders verlaufen. Wir haben bereits neue Leser gewonnen, im Netz und im Print. Das genügt noch lange nicht, um das Blatt lebensfähig zu halten. Wir suchen also Wege, neue Leser für diese Zeitung zu interessieren. Unseren Weg konnten Sie in den vergangenen Monaten beobachten. Ich glaube, es ist der richtige. Er wird lange dauern und ziemlich hart werden. Keine Frage. Lassen Sie uns darüber diskutieren. Was wäre Ihr Weg gewesen? Ihr JA ((Und dann noch: Nein, ich bleibe dabei: Nach meinen Maßstäben kann eine gute Zeitung nicht immerzu nur "linke" Artikel schreiben. Das wäre sterbenslangweilig und berechenbar und in Wahrheit auch unseriös. Wir brauchen aber einen Kompass, eine Haltung, wie immer Sie das nennen. Und der weist eben irgendwie nach links. :) )) |
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zur FAS kann ich sagen: die les ich auch und gar nicht mal so ungerne. das liegt aber nicht an der politischen ausrichtung, sondern weil sie eine ganz gute wochenzusammenfassung bietet und die themen hart angegangen werden. es ist eine stets vorhandene meinung da die im regelfall meine gedanken befördert.
genau das ist es, was ich beim freitag alles eher selten habe. müsste ich wählen, FAS oder freitag, meine wahl würde auf die FAS fallen. aus gesprächen weiß ich, dass ich mit dieser ansicht nicht alleine dastehe. wenn wir hier darüber diskutieren, kann ich es scheinbar nur überhaupt nicht vermitteln. das schlimmste aber ist, und das sollte dir zu denken geben JA: wenn ich denn mal meinungen im freitag vernehme .. dann kenn ich die bereits aus dem dradio oder der unterwöchentlichen berichterstattung anderer medien. nicht immer, aber sehr sehr oft. ich fänds ja toll, wenn der freitag keine gezielte ausrichtung hat sondern eine sinnvolle meinung, egal ob rechts oder links oder mittig. auch dafür braucht es eine klare linie und vor allem richtigen journalismus. ich bezweifel auch, dass das sonderlich schwierig ist. jede woche gibt genug themen her, die man mit klaren positionen und auch gegenpositionen belegen kann. mfg mh |
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ein bsp. dafür ist aktuell walraff. da meint nun jeder drauf schlagen zu müssen. der freitag ist feste mit dabei gewesen.
bei killerspielen hingegen schreibt der freitag den mainstream und lässt einen sinnvollen artikel folgen. nur ist der vom guardian und nicht vom freitag. etc. mfg mh |
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Lieber JA, Ihr Engagement in allen Ehren, aber: Wenn der Verlust an Lesern beim alten Konzept bei 5 Prozent/Jahr lag, wären das auf dem Niveau über die letzten vier Quartale nur ein Drittel von 1500 Lesern gewesen, die es jetzt auf einmal weggehauen hatte, und es wird sehr schwer sein, die verlorenen Abonnenten nun wieder zurückzugewinnen.
Mein Konzept wäre, wie schon angesprochen, eine Stiftung, eine Genossenschaft oder eine Lösung wie bei den Blättern für deutsche und internationale Politik gewesen. Jedenfalls ein Rahmen, der eine gewisse Unabhängigkeit von Werbung und Straßenverkauf gibt. Das wäre genauso teuer gekommen, vielleicht sogar billiger, weil die Verluste beim Abo geringer ausgefallen wären. Eine Zeitung, die klar für ihre Abonnenten da ist und die sich eine unabhängige Meinung leisten kann. Die angesprochenen Medien haben alle dasgleiche Problem mit der Zielgruppe, das Sie auch beschrieben haben, und sie bestehen ganz gut fort. MH hat recht: Dem Meinungsmedium fehlen klare Meinungen und Positionen, die aus einer Überzeugung heraus kommen. Ein Beispiel wäre Ihr Kommentar vor der Bundestagswahl, verglichen mit dem Text, den di Lorenzo in der Zeit ebenfalls auf Seite 1 brachte. Bei di Lorenzo wußte ich nach der Lektüre, welcher Partei er nahesteht (falls man es vorher noch nicht gewußt hätte), Ihr Beitrag blieb dagegen vage -- und eben: "irgendwie". Ich lese zwar nicht die FAS, greife aber zur FAZ, zur SZ, zu den Blättern und auch bisweilen noch zur taz, um mich zu informieren, außerdem zu Konkret. Daneben Fachzeitschriften und Internet. Die Zeit ist ausführlicher und gründlicher geschrieben als der Freitag. Möglicherweise haben die Autoren auch einfach mehr Zeit für ihre Arbeit, vielleicht ist die doppelte Belastung von Online und Print der Qualität nicht dienlich. Das alles ist keine Naturnotwendigkeit, sondern geht auf unternehmerische Entscheidungen zurück, die man korrigieren kann. Ich schreibe das alles nur deswegen öffentlich, weil Sie zur Diskussion über den weiteren Weg eingeladen hatten. Der gestrige Artikel in Carta war der aktuelle Anlaß: Print ist weiterhin entscheidend für das Geschäftsergebnis, und Print ist der Ort, wo man Flagge zeigen muß. Der "Community-Journalismus", den Sie sich vorstellen, ist letztlich gar keiner, sondern eher ein Hobby von uns allen, die wir hier schreiben. Jeder kann damit jederzeit aufhören. Eine Handvoll Blogger können auch die Leistung, die die Freitags-Redaktion und die Autoren erbringen, nicht ersetzen. Es kommt mir zunehmend so vor, als wäre der Redaktion und den Autoren ein Konzept übergestülpt worden, von dem sie gar nicht überzeugt sind. Vielleicht ist dabei die interne Diskussion zu kurz gekommen? Vielleicht fällt es auch schwer, sich gegen den Herausgeber Gehör zu verschaffen, vielleicht verteidigt er sein Konzept intern genauso vehement wie er es hier öffentlich tut? Die Diskussion um das "Bezahl-Web" endete ja auch mit der sinngemäßen Aussage: "Ich habe Euch angehört. Demnächst teile ich meine Entscheidung mit." Das ist natürlich alles andere als ein Dialog. Hinzu kommt, daß die Voraussetzungen für einen Erfolg im Web immer noch nicht verstanden worden sind. Wenn das Web gut laufen soll, muß man die Geeks erreichen, und wenn man selbst kein Geek ist, muß man sich von solchen beraten lassen. Online funktioniert ganz anders als Print. Hier fehlt es an Beratung. Mir scheint, das war wohl der Geburtsfehler der "Community", denn es gab ja anfangs Kontakte zu erfolgreichen Bloggern, die sich allesamt ziemlich schnell zurückgezogen hatten, weil sie nicht erhört und owhl auch nicht gerade freundlich genug behandelt wurden, wie ich immer wieder gelesen habe. Wie oft wurde dies alles, worüber wir hier diskutieren, eigentlich schon in der Community angesprochen? Viel zu oft schon, leider. Okay, Mittagspause is over. VG, jfenn. |
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@JA War der alte Freitag dann aus Ihrer Sicht sterbenslangweilig? Oder habe ich sie doch missverstanden?
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Bezahlinhalte als Retter der Medien
Aus dem Medienbereich kommen weiterhin nur schlechte Nachrichten. Der Werbemarkt bricht weiter ein, die US-Printauflagen sinken um mehr als zehn Prozent. Von Rupert Murdoch angefangen preisen die Medientycoons kostenpflichtige Online-Inhalte als neue Einnahmequelle an. |
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@Streifzug,
gute Güte, Sie können aber echt düster sein! Cheer up! Es gibt neue Wege. JA |
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"Der Freitag wird bei Hi-Media folgendermaßen beschrieben: "DER FREITAG vereint eine optimistische und konsumfreundliche Haltung mit kritischem Qualitätsjournalismus." Es tut mir leid, aber das schließt sich gegenseitig aus."
Warum? Bzw.: Inwiefern? |
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""Aber Journalismus ohne Haltung ist viel zu oft eine Lüge"
wenn sie draus "immer" machen, stimme ich Ihnen voll und ganz zu :-)" "immer" stimmt NIE. |
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"die linke Antwort darauf kann nur lauten, den Auftrag, den der Journalismus von seinem Wesen her hat, als Instrument öffentlicher und demokratischer Meinungsbildung, ernst zu nehmen: Informieren, Hintergründe kritisch beleuchten, Vorgänge transparent machen und von deren Instrumentalisierung absehen ..."
mein konsumfreudiger Eindruck: genau das versucht der Freitag. Wie Journalismus überhaupt - wie jedes anständiges Bemühe und jeder unanständige Beruf - ein ständiges Versuchen ist. Mein konsumfreudiges Statement: Man muss Journalismus auch lesen können (sonst sind es keine), und nicht nur, wenn man fünfzehn Semester Soziologie studiert hat. |
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Jaaaaa!! Das ist es eben! Man muss die Texte lesen und verstehen! Und ein Text, der sich nicht darum schert, verstanden zu werden - der muss schon sehr, sehr klug sein um nicht ein paar Strafrunden im Fegefeuer des eitlen Unsinns drehen zu müssen! Und die meisten solcher Texte sind erfahrungsgemäß nicht sehr, sehr klug - sondern einfach nur schlecht. Und die Schlechtigkeit versteckt sich hinter wirrem Geschwurbsel, das der Autor selber nicht versteht - das er meint, aber dem Leser zumuten zu dürfen, weil es ja, beispielsweise, "links" ist.
Hey, damit ist natürlich niemand persönlich gemeint und ich kenne auch keine lebenden oder toten Kollegen, für die das zutrifft. Ist rein theoretisch. Hihi. JA ((Und der HiMedia-Agentur-Ich-schleim-mich-an-die-Werbeindustrie-ran-Text ist echt schwachsinnig. Das finde ich auch.)) |
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Liebe Klara,
kritische Qualitätsjournalisten und ihre Leserschaft sollen nicht so viel konsumieren. Sonst fehlt das Geld fürs Freitag-Abo. Sie sind so erfrischend! weinsztein |
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@JA
düster? Duke Ellington 1929 Black & Tan Fantasy |
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Hallo Jakob Augstein,
Schwurbelschreiber gibt es nicht unter Lebenden oder Toten. Es sind Untote. Das ist noch viel schlimmer. Was macht Ihr Knie? Besorgt: weinsztein |
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schrieb am
28.10.2009 um 01:15
@ streifzug: 1929, fing da nicht die krise irgendwie schon an? und malte schatten an die wand? zu musik sogar? und heute? tanzt die krise auf viva?
ich bin dann mal beim bluesmaker ... |
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@ JA:Das heisst, eine linke linke linke Zeitung kann leider keine gute Zeitung sein. Geht nicht. Schon aus Prinzip nicht. Ich werd ja selten grundsätzlich, weil ich auch immer finde, dass das Leben schon hart genug ist. Aber da hört der Spaß auf: Noch mal ganz langsam für alle zum Mitschreiben und Mitsingen: Ideologie und Journalismus geht nicht zusammen. Und wer das Gegenteil behauptet hat leider vom Journalismus keine Ahnung. Und wir machen hier schon Journalismus. Das nur mal so nebenbei.
Mit diesen Aussagen habe ich ein Problem. Ich verstehe unter Ideologie eine Weltanschauung und nicht , wie die verquaste bürgerliche Sichtweise eine weltfremde illusorische Meinung. Natürlich hat jeder eine Weltanschauung. Ob die ihm bewußt ist oder nicht ist erst mal gleich. Soviel zum unpolitischen Menschen oder auch wertfreien Journalisten. Natürlich schreibt jeder Journalist auf dem Hintergrund seiner Weltanschauung. Eine Erkenntnis der Welt ohne den Filter der eigenen Interpretation ist nicht möglich. Haltung ist erst mal eine wertfreie nichtssagende Bestimmung. Wenn sie unter Haltung aber die bewußte Parteinahme gegen Unterdrückung für menschenwürdige Verhätnisse verstehen, dann stimme ich ihnen zu. Nun noch zur linken, linken, linken Zeitung. Wenn sie damit meinen, dass eine Zeitung, die alles mit linksradikalen Parolen und oder auf der Grundlage einer Parteilinie erklären will, scheitern muss, dann stimme ich dem zu. Während des Wahlkampfs habe ich die MLPD-Plakate gelesen: Vorwärts zum wahren Sozialismus oder Weg mit was auch immer. Da habe ich mich wirklich in den 70igern gefühlt. Eine zweite links links Definition , die ich für unproduktiv halte, ist die dass im Prinzip jede Meinung oder Tatsache von noch weiter links kritisiert werden kann. Was ich allerdings vom Freitag erwarte ist, dass er klar Täter und Opfer, herrschende Gewaltverhältnisse, herrschende Strukuren benennt, analysiert und Tendenzen aufzeigt oder aufzuzeigen versucht. Natürlich ist das nicht irgendwie links , sondern tatsächlich links. Links ist Aufklärung über die gesellschaftlichen Machtverhältnisse und die Möglichkeit ihrer Veränderung zu einer humaneren, gerechteren Welt. |
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Nur zur Klarstellung: humanere und gerechtere Welt ist nicht kompatibel zu Kapitalismus jeglicher Spielart.
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Eigenartig. Man könnte ohne Probleme in den meisten Argumenten derFreitag durch SPD ersetzen. Die Argumentation ist fast identisch. Einmal sind es Wähler, einmal Leser/Kunden.
Im Wasserbau bezeichnet man mit Haltung oder Stauhaltung einen Abschnitt gleichen Niveaus zwischen zwei Schleusen oder Sperrbauwerken, wie zum Beispiel Staumauern. |
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Ein ähnlicher Gedanke kam mir auch bereits.
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Hallo jfenn,
den Freitag und seine Vorgängerin (West) lese ich seit den 70-er Jahren. Seit er Freitag heißt, seit dem Zusammenschluss von Sonntag und DVZ, lese ich ihn besonders gern. Auch ich war damals besorgt über erste Berichte vom Verkauf an Jakob Augstein, befürchtete den Verlust von Inhalten. Es kam aber anders. Mit "irgendwie links" wird erkennbarer als früher das linke Spektrum insgesamt angesprochen, auch jene nicht ganz so linken. jfenn, das wurde doch Zeit. Und noch was: die Werbefreiheit im Blatt verlangen Sie. Meinen Sie wirklich, dass Werbetreibende per se eine Zeitung korrumpieren? Tut mir leid, aber das ist Sektenstuss. So ganz ohne Werbung kommen Ihre Stiftungsbilder FAZ & TAZ ja auch nicht aus. Nun wollen Sie unbedingt recht behalten, weil sie's ja gleich gesagt hatten, wohin unter Augstein der Freitag driften wird. Na schön. Und drollig zu lesen als unkender Abonnentenzähler. outnumber, auch das Themenspektrum des Freitag wurde erweitert. Was ist daran falsch? Ich finde ihn jetzt viel unterhaltsamer, ja, ich lese auch sehr gern "Koch oder Gärtner". Popcorn? Wo sehen Sie denn so was? Bitte belegen Sie, inwieweit "eine unreife mischung aus spiegel, zeit und bild der frau" auf den Freitag zutrifft. Das ist, finde ich, ein Versuch von Häme. jfenn, outnumber, Veränderung können weh tun, gerade solche an liebgewonnenen Zeitungen. Schön, dass Sie dem Freitag trotz Ihres Missbehagens verbunden geblieben sind. Ihre Blogs und Kommentare sind eine Bereicherung. Herzliche Grüße weinsztein |
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Stiftungsvorbilder natürlich
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schrieb am
28.10.2009 um 00:44
nö, das ist aber sehr weiche butter auf die stulle ...
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@ weinsztein:Ich kann mich ihrem Beitrag voll inhaltlich anschließen als Leser des Freitag und seiner Vorgänger seit den 70iger Jahren.
Die Neuausrichtung des Freitag hat keinen Qualitätsverlust gebracht, sondern eine größere Vielfalt mit durchwegs interessanten und bereichernden Artikeln. Das Sahnehäubchen ist die Online-Community |
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schrieb am
28.10.2009 um 00:45
man muß halt gucken wo man steht ...
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"man muß halt gucken wo man steht ..."
naja, aber irgendwann weiß man's dann doch auch. ist man auch fertig mit gucken - und kann dann losgehen. und gucken, wo andere stehen. sachen fragen. sonst dreht man sich (guckend) ständig um sich selbst. |
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Immer wieder dieses "Links". Es ist als würde eine ideologische Gemeinschaft, die sich "irgentwie links" empfindet dazu entschlossen die Nikomachische Ethik neu zu definieren, aber genauso daran laboriert wie Aristoteles & Co.
@ jfenn dennoch, das Ganze beschreibt einen Teil und ich stimme darum mit JA überein wenn er Ideologie und Journalismus als Kontradiktion beschreibt. Ob Neo-Con, Neo-Lib, Links, was auch immer, das diese Zuordnung so eine wichtige Rolle in deutschen Empfindungen spielt ist einzigartig. Hier in Frankreich würde die Erwähnung dieser Attribute nur ein Lächeln, in England oder den USA einen irritierten Blick hervorrufen. |
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Zum ganzen meldet heute übrigens der Economist, daß der Zeitungsmarkt ("circulation") von März bis September 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10% geschrumpt sei.
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schrieb am
27.10.2009 um 20:56
Schrumpfen tut doch in der Realgesellschaft das, wofür im Freitag seit je geschrieben wird.
Noch ein scheiß linksliberales Medium neben der taz und der Süddeutschen braucht es deshalb eben nicht. Es braucht ein Blatt, welches neben "Konkret" und "Titanic" und "Prokla" und "und" eine Wochenzeitung ist, die klar denken kann und eine Community anzieht, die weit über den beschissenen Tag hinausdenkt. Und zwar völlig umwolkig. |
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schrieb am
27.10.2009 um 20:57
Schrumpfen tut doch in der Realgesellschaft das, wofür im Freitag seit je geschrieben wird.
Noch ein scheiß linksliberales Medium neben der taz und der Süddeutschen braucht es deshalb eben nicht. Es braucht ein Blatt, welches neben "Konkret" und "Titanic" und "Prokla" und "und" eine Wochenzeitung ist, die klar denken kann und eine Community anzieht, die weit über den beschissenen Tag hinausdenkt. Und zwar völlig unwolkig. |
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@Rainer: Couldn't agree more.
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Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die GENAU DAS WILL (oder sucht oder anstrebt) wie man selbst, ist quasi religiös, wird unerfüllbar bleiben.
Sobald man "links" oder "Journalismus" oder "Freitag" nicht mehr politisch, sondern subjekt-ideologisch definiert, ohne sich über diese Sehnsucht Rechenschaft abzulegen, misst man nur das SCheitern. Das mag einigen Spaß machen, jenes Messen, es befördert aber weder "die Sache", noch wird es die Sehnsucht erfüllen. Während Liebe (für Roland Barthes) von vornherein zum Scheitern verurteilt ist und dennoch (immer wieder) versucht wird, ist "irgendwie linker" Journalismus noch lange nicht gescheitert, weil noch gar nicht konsequent versucht. Ach, und Streifzug, à propos SPD: Ganz konsequent sind nur die Heiligen und die Verbrecher. Ja, das ist von Helmut Schmidt (Etikett: rechtsaußen Sozialdemokrat). Und stimmt trotzdem. Ich glaube nicht, dass man zwingend eines von beidem sein muss, wenn man sich aus einer linken Haltung heraus zur Welt verhält. Ich meine sogar: Besser wäre, alle Heiligen und Verbrecher würden aufhören, ihre eigene Notwendigkeit zu beschwören. Wie wäre es übrigens mit einem konsumfreudigen Fußballjournalismusprojekt, Binnen-Titel "linksaußen", das über den Dilettantismus der Fußballarena hinausginge? (JAAAAA, "konsumfreudig", daran hab ich mich jetzt festgebissen ;)) |
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schrieb am
27.10.2009 um 21:13
und ich dachte seit 1988, hier in der dvz/die tat, der volkszeitung, dem freitag, würde es politisch zugehen ... und den sonntag kannte ich qua verwandtschaft schließlich auch!
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Es war einmal eine Dame, recht streitsame Zionistin, wenn ich mich recht entsinne, "eher links", nehme ich an, kämpferisch, verdrossen-unverdrossen, die hatte goldene Wasserhähne. Sie stand einfach drauf. Jeder Linke Freund und Feind, der sie zuhause besuchte - sie hielt so etwas wie Salons, in jedem Fall gehobene privat-politische Debatten - beschwerte sich, rümpfe die Nase oder brachte sonstwie zum Ausdruck, dass diese goldenen - also: ECHT GOLDenen - Wasserhähne und Duschköpfe nun aber so gar nicht, nicht mal mehr IRGENDWIE links seien. Sondern, mit Verlaub, dekadent, bourgeois oder Schlimmeres.
Besagte Dame betrachtete daraufhin den Kritikanten mit einer eigentümlichen Mischung aus Herablassung, Zärtlichkeit und Menschenfreundlicher Nachsicht und sagte: "Es hülfe niemandem, wenn ich meine Wasserhähne nicht aus Gold wären." Oder so ähnlich. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig. |
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... oh Mann... so viele Fehler in einem einzigen Kommentar... bitte vergebt mir... (klara)
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schrieb am
27.10.2009 um 21:26
vergebung ist leider kirchenkategorie
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Nun gut, klara, ich verzeihe Ihnen. Passiert mir auch oft. Bei mir ist es das Alter. Das sind doch Sie mit den goldenen Wasserhähnen, oder?-)
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schrieb am
27.10.2009 um 21:33
VfL Osnabrück vs BVB Dortmund im DFB-Pokal Achtelfinale übrigens 2:0 zur Halbzeit. In Klassen gerechnet: Dritte Klasse gegen Erste Liga (Metapher).
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Klar „hülfe“ es jemanden, oder es könnte jemandem helfen, denn Wasserhähne aus purem Gold kosten was… Ich habe diese Diskussion schon oft geführt und weiß, dass es an den Grenzen grau und schwierig wird, und trotzdem: genau wie die Frage, ob man jetzt den Rest Kartoffelsuppe, die im Mülleimer landet, nach Afrika schicken soll, beruht die Überlegung zu den goldenen Wasserhähnen auf einem ganz bestimmten Umgang mit Möglichkeiten. Die man hat und andere nicht. Ich finde, kein Heiliger zu sein und sein zu dürfen, total wichtig und trotzdem gibt es ein paar Dinge, die einem heilig sein sollten, und dann könnte die Grenze eben doch das Gold sein, das ich vielleicht für was anderes verwende als für goldene Wasserspender oder das irgendwie, das vor links gesetzt wird.
Lieber JA, mich würde mal Ihre Definition von Ideologie interessieren, denn es hört sich bei Ihnen so an als sei links, links, links = 100% Ideologie. Das kommt mir merkwürdig vor. Und Ideologie und Journalismus schließen sich aus? Mir scheint, es gibt keinen „unideologischen“ Journalismus, das wäre doch nur eine beschreibende Aneinanderreihung von Vorgängen (Politiker A sprach, dann Politikerin B, darauf antwortete A, dann gaben sich beide die Hand…) Und eine linke, linke, linke Zeitung wäre keine gute Zeitung? Das will mir nicht einleuchten, denn gibt es nicht so unendlich viele Themen, die aus linker Sicht betrachtet werden können? Oder Themen, die überhaupt nur deshalb aufgegriffen werden, weil man eine bekennendlinks linke Haltung hat? Ich muss die Definition für links, links, links schuldig bleiben, aber genau deshalb interessiere ich mich für linken Journalismus, weil für mich noch viele Fragen offen sind und ich für Antworten diesen versuche, zu Hilfe zu nehmen. |
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@JA
Nein, das muss ich anders sagen: es hört sich an, als sei links, links, links und Ideologie ein und dasselbe. |
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schrieb am
28.10.2009 um 00:52
Liga 3 hat Liga 1 wieder mal aus dem Pokal gehauen, VfL 3, BVB 2. Wenn das mal bei einer Bundestagswahl passierte ... Und eine Erstligazeitung drüber schreiben müßte ... Da wären sie Sponsoren aber weg ... Kurz: Es geht um Gewinnen und Verlieren, und Berichten und Kommentieren. Es geht um meinen Verein, in welcher Klasse auch immer, und ich lese um mein Interesse. Objektivität gehört einer gleichen und gerechten Gesellschaft an. Derzeit ist sie Ideologie, JA.
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Ich steh auf goldene Wasserhühner.
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"Das sind doch Sie mit den goldenen Wasserhähnen, oder?-)"
Nein. Weder Zionistin, noch goldenes Bad, noch weniger Dame. |
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"vergebung ist leider kirchenkategorie"
so wie "links" ein quasireligiöser ersatz sein kann (kann - nicht sollte!) |
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"Ich steh auf goldene Wasserhühner."
Zeigen, Zeigen!! |
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Ich glaube, es war oranier, der hier vor Tagen geschrieben hat: 'Ich brauche kein linkes Blatt, links bin ich selber' (aus dem Gedächtnis zitiert, falls sinnentstellend, verzeih, oranier). Mit Karl Kraus ("Ich verlange von einer Stadt, in der ich leben soll: Asphalt, Straßenspülung, Haustorschlüssel, Luftheizung, Warmwasserleitung. Gemütlich bin ich selbst.") und oranier möchte ich sagen: Ich verlange von einer Zeitung Aufklärung, Analyse, Information, Unterhaltung. Links bin ich selber." 'Unterhaltung' weniger verstanden als Genre, sondern als Element des Aufklärerischen, Informativen. 'Meinung', so sie auf Haltung und Standpunkt beruht, darf im 'Medium' sein. Parteinahme für Gequälte, Unterdrückte, Unterpriviligierte, Fürdummverkaufte usw. muss sein, denn das ist Voraussetzung für Standpunkt, also Meinung.
Damit wären wir bei 'Ideologie'. Iiiih, äks, bäh!!?? Das Dumme ist, ganz ohne Ideologie gehts nicht. Ideologie ist in allem Politischen und Weltanschaulichen, um mit Paracelsus zu sprechen: "Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist." Zum Beispiel der Ausdruck 'Staatsverschuldung', hoch toxisch, so lange es um Geldausgeben für bestimmte Zwecke geht, plötzlich, oh Wunder, bei anderen Zwecken der reine Segen. Wieso also ist nur 'richtig links' gleich Ideologie, Jakob Augstein? Die ganz Linkshuberei geht mir voll am A.... vorbei. 'irgendwie' oder 'richtig', schlagt mich, ich weiß nicht, was das sein soll. "Gewollt ist ein windschnittiges Blatt, das vorneweg mitsegeln kann, neben der Zeit, dem Stern oder dem Spiegel." Dieses Ziel ist unerreichbar, weil unsinnig, neben den Genannten ist kein Platz mehr frei. Ich glaube auch nicht, dass irgendeiner beim Freitag dieses Ziel und diese Illusion hat, oder? outnumber: "und grundsätzlich trotz kritik finden wir alle, dass der freitag eine gute sache ist, sondern wären wir nicht hier,... nein, wir mögen, was hier passiert in generalis, aber im einzelfall muss man nicht in allen punkten hinter Ihnen stehen." Stimme zu. meisterfalk, Abonnent der ersten Stunde |
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Ja watt is dat den hier nu?
Gebt dem Kind doch mal einen Namen. Irgendwie irgendeinen. Oder soll es ein Kind ohne Namen bleiben? |
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Es geht ja nicht nur ums "links sein beim Zeitunglesen", sondern auch darum, daß man vielleicht gerne eine Zeitung lesen würde, die Themen "links" auswählt und verarbeitet. Oder nicht? Falls nein, können wir den Laden auf der Stelle dicht machen und alle die FAZ oder die SZ abonnieren.
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schrieb am
28.10.2009 um 20:38
meisterfalks argumenten kann ich sehr gut folgen. aufklärung, analyse, information, unterhaltung.
fußball kann ich selber, zu meinem verein hingehen auch. links ist ein verhalten im leben, zum leben eines menschen gehört eine zeitung. wenn man ein linker ist, eine gut gemachte linke zeitung. ganz einfach, wenn man sich wettbewerb und profit wegdenkt. |
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schrieb am
29.10.2009 um 08:30
@ Rainer Kühn Links, ein Verhalten im Leben, stimme ich voll zu! Also so ungefähr, Freitag, das lebenswerte Meinungsblatt. Aber ohne Wettbewerb geht's nicht, weil die Kollegen von den Mainstream Postillen damit leben müssen verknappt "auszudrücken" und damit Berichte parteiisch werden lassen.
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Journalismus ohne Haltung ist genauso öde, wie ein Journalismus aus lauter Meinungen. Also jener weitgehend recherchefreie, dafür aber, endemisch sich ausbreitende Journalismus, den es mittlerweile sogar als Stellenbeschreibung in jedem besseren sive erfolgreicheren Blatt gibt.
Seltsam nur, dass natürlich auch die ZEIT ihre Auflagensteigerung genau dieser verstärkten Hinwendung zu weniger Recherche und mehr Meinung verdankt. Den Ruf der Seriosität brachte die ZEIT aus einer anderen, glorreichen Diskursvergangenheit mit. Die Generation der Diskursverehrer ist mit der ZEIT gealtert und stellt heute deutlich weniger Ansprüche. Die heutigen neuen ZEIT-Leser kennen davon nichts. - Bei so hinfälligen Produkten, wie es Presseorgane nun einmal sind, trotz der langen Geschichte so manches urtümlichen Zeitungskopfes, kann das nicht weiter verwundern. Gleichzeitig heuerten die Verleger über die Jahre einige leitende Journalisten an, die eher weniger für "Haltungen", aber dafür umso mehr für Meinungen stehen. Das ist das ganze Erfolgsrezept bei der Zeit. Zuletzt noch ergänzt, durch leitende feuilletonistische Funktionen für die "Generation Golf". Es wird mehr mit Zielrichtung auf die "Lufthansa Business-Class"-Nutzer geschrieben und die Anreicherung erfolgt daher konsequent durch entsprechende unfachmännischen (m/w) Fahrberichte der Chefredakteure, Kommentare zu Auktionslosen, sowie eine wahre Inflation an Promi-Testimonial- Geschichten, Kolumnen aller Art und den übrigen Zutaten des "Lebens". Wer ein wenig die Leserbriefe und die Online- Entwicklung der ZEIT verfolgte, der erkannte, es ging, wie in der Gesamtgesellschaft auch, selbst unter der aktuellen Krise eher nach Rechts. Saturiert, schreiben sich dann Geschichten, wie die vom "Hammelbein", den ominösen 20 Tonnen Türkengrill- Abfall vor dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Gerade wegen dieser Kolportagen ist und war die ZEIT zuletzt so erfolgreich! Von ausgewiesenen Rechercheuren, z.B. von dem Österreicher Florian Klenk, war nicht lange allzu viel in der ZEIT zu lesen. Gute Reporter, z.B. der ruhige, sachliche, dafür aber genaue Ulrich Ladurner oder gute Interviewer, wie z.B. Frau Nicodemus, schleppt man mit, aber mit Lesern, Klicks und Auflagen belohnt, werden die anderen, sehr meinungslastigen Sachen. Gerade Herr Joffe oder der Chefredakteur Herr Di Lorenzo beweisen ja mit schöner Regelmäßigkeit, wie sehr es mittlerweile auf die häufige und möglichst multimediale Präsentation von Meinungen, verknüpft mit einem Gesicht, an kommt. - Wer es aktuell nachgewiesen haben möchte, der lese sich einmal die Berichterstattung und Kommentierung der ZEIT zum Wechsel an der EKD-Ratspitze durch. Selbst von dem, mit der Materie doch wohl vertrauten Herrn Leicht kommen keine Argumente, sondern einzig und allein wird die mediale Wirkung des alten Vorsitzenden und die mediale Wirkung der Neuen beurteilt, eher schon benotet! Kein Artikel, der schilderte, was Frau Käßmann zu bestimmten theologischen und kirchlichen Fragen denkt, sagte und geschrieben hat, keine Schilderung ihrer Absichten, keine "Würdigung" des Vorgängers, entlang seiner umstrittenen Bücher oder anhand der von ihm mit initiierten, spaltenden Thesen- und Strategiepapiere. Was mir bei allen Links-Rechts Diskussionen hier auffällt, das ist die gewisse notorische Einseitigkeit, mit der zwar auf linke Standpunkte und Eindeutigkeiten wert gelegt wird, aber das was und wie einer Zeitung, einer Wochenzeitung zumal, so eng definiert wird, als ginge es darum ein neues "Zentralorgan" zu schaffen. - Das ist aber weltfremd und führt in den ideologischen, wie kommerziellen Abgrund. Ein Problem bleibt jedoch evident. Der Alltag, von der Gestaltung des eigenen und der öffentlichen Gärten, über den Arztbesuch, bis zum täglichen Einkauf, vom ewigen individuellen Berufspraktikum, den Zeit- und Werkverträgen, den Pauschalen für Krankheiten und Leiden, den beständigen Qualitätsminderungen bei den Grundprodukten, jawohl, die Presse- und Online-Medien eingeschlossen, ist so gravierend unter die Kontrolle der Geschäftsführer und kosteneffizienten Manager geraten, dass doch bis in jede Kleinigkeit wieder nachgefragt werden muss, was das auf Dauer aus uns persönlich und als Gemeinschaft macht.- Das wäre dann eine Haltung. Eine solche Haltung wünschte ich mir. Eine solche Haltung, die wirklich an jedem allzu menschlichen Thema ausprobiert werden kann und geradezu getestet werden muss, zöge mich dauerhaft an. Daher bewundere ich Herrn Augsteins Willen. Denn mit dem "Der Freitag" stehen allenfalls kleine Gewinnprozente, wenn überhaupt, in Aussicht. Das war früher beim ZEIT-Verlag unter Bucerius, bzw. Nannen, nicht anders. Heute fährt der ZEIT-Verlag à la Holtzbrinck regelmäßig um 10% Rendite ein, was wohl von den Eignern gerade noch zähneknirschend als akzeptabel erachtet wird, aber schon weit über dem liegen dürfte, was sich Herr Augstein je erträumte. Grüße Christoph Leusch |
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Lieber Herr Leusch, vielen Dank für Ihre ausführlich begründete Meinung. Mit dem "Bewundern" von Unternehmern tue ich mich naturgemäß etwas schwer, auch wenn es dabei um Produkte geht, die ich seit langem nutze. Im ganzen aber haben Sie sicherlich recht: "Es ist nicht leicht, beim Variete zu sein", so hätte es mein Opa ausgedrückt. Und übrigens hatten Sie ihre Meinung ja auch schon bei der Zeit geäußert ("Die ZEIT-Community und was aus ihr bisher nicht wurde"), leider ohne viel Erfolg damals, denn die dortige Community ist ja mittlerweile von der Startseite zumindest begrifflich schon wieder verschwunden. Ganz unten findet man einen Hinweis darauf, daß es auch Blogs gibt ...
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@Columbus: Ein Problem bleibt jedoch evident. Der Alltag, von der Gestaltung des eigenen und der öffentlichen Gärten, über den Arztbesuch, bis zum täglichen Einkauf, vom ewigen individuellen Berufspraktikum, den Zeit- und Werkverträgen, den Pauschalen für Krankheiten und Leiden, den beständigen Qualitätsminderungen bei den Grundprodukten, jawohl, die Presse- und Online-Medien eingeschlossen, ist so gravierend unter die Kontrolle der Geschäftsführer und kosteneffizienten Manager geraten, dass doch bis in jede Kleinigkeit wieder nachgefragt werden muss, was das auf Dauer aus uns persönlich und als Gemeinschaft macht.- Das wäre dann eine Haltung.
Eine solche Haltung wünschte ich mir. Eine solche Haltung, die wirklich an jedem allzu menschlichen Thema ausprobiert werden kann und geradezu getestet werden muss, zöge mich dauerhaft an. Genau diese beschriebene Art des Journalismus finde ich beim Freitag. Er schafft es eine Vielzahl von Themen mit hohem Erkenntnisgehalt zu schreiben, so dass ich jede Woche eine Menge lerne. @Columbus:Daher bewundere ich Herrn Augsteins Willen. Denn mit dem "Der Freitag" stehen allenfalls kleine Gewinnprozente, wenn überhaupt, in Aussicht. Das war früher beim ZEIT-Verlag unter Bucerius, bzw. Nannen, nicht anders. Heute fährt der ZEIT-Verlag à la Holtzbrinck regelmäßig um 10% Rendite ein, was wohl von den Eignern gerade noch zähneknirschend als akzeptabel erachtet wird, aber schon weit über dem liegen dürfte, was sich Herr Augstein je erträumte. Auch dem kann ich nur zustimmen. Ich kann keine Verflachung der Artikel und keine geringere Radikalität bei der Analyse als früher feststellen. |
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Interessante Diskussion hier und interessanter Blog! Ich muss sagen, dass mittlerweile nach diesen geschätzten 8 Monaten neuer Freitag mir der Freitag immer noch am Herzen liegt.
Aber dennoch hat sich meine innere Haltung ihm gegenüber verändert. Vor der Umstellung war es ein Projekt das ich leidenschaftlich unterstützt habe, von dem ich geschwärmt habe. Meine Beschreibung Freunden gegenüber war immer: "Der Freitag, das ist eine der besten Zeitungen die ich kenne, einfach weil er auf einem guten Niveau geschrieben ist, Hintergründe beleuchtet, und oft eine komplett andere Sichtweise als im sonstigen deutschen Mediendickicht präsentiert!" Ich habe als Schüler und Student immer mit Überzeugung den vollen Abo-Preis gezahlt, weil ich wusste, dass es eine gute und richtige Investition ist. Und so muss ich leider auch feststellen, das er mir zwar noch am Herzen liegt der Freitag, aber meine Haltung zu ihm hat sich doch geändert. Ich würde nicht mehr annähernd auch nur daran denken jetzt mir keine Studentenermäßigung für das nächste Abo zu holen. Wenn mich Leute fragen, spreche ich nicht mehr enthusiastisch und mit leuchtenden Augen davon. Es blieb einfach viel auf der Strecke, was mir zu sehr am Herzen lag (Berliner Abende) und einiges gekommen für das ich kein Verständnis mitbringe (A-Z). Man mag mich gerade bei A-Z für zu konserativ halten, aber ich habe dabei einfach das Gefühl, dass damit etwas in die Zeitung kam, eine veränderte inner Haltung, ein Lebensstil, den man auch hier in Hamburg bei der Umgestaltung der Stadt beobachten kann. (Freue mich schon auf das Interview mit Rocko) Und so hat sich auch die Haltung im Blatt leider geändert, obwohl einige der alten Autoren noch schreiben, aber dennoch fehlt mir immer öfter diese "grundsätzlich andere Sicht auf die Dinge und Geschehnisse" der letzten Woche. Dies geht einher mit mehr Journalismus als einer klar ausgerückten (fachlichen) Meinung, was weniger kantig erscheint. Wünschen würde ich mir zudem mehr Berichte aus Regionen die in der Bericherstattung (leider auch beim Freitag) weiße Punkte auf der Landkarte sind. Dazu passt das Zitat von Jacob denke ich sehr gut: "Ich teile Ihre Kritik durchaus was die Junge Welt oder Jungle Word betrifft. Aber diese Projekte in einem Atemzug mit dem alten Freitag zu nennen, halte ich für falsch. Der alte Freitag war kein Blatt mit einer vorgefertigten Meinung. Es war ein Blatt mit Haltung. Aber dennoch immer mit sehr gut recherchierten und auf hohem Niveau verfassten Beiträgen." Der Freitag war (und ist?) einfach kantig, zweiflerisch Links und nicht wie die obengenannten Blätter bei denen ich ihre Meinung zu Ideologie und Journalismus vollkommen teile. Ich glaube dem Freitag würde ein mehr an "Andersheit" sehr gut tun. Dazu gehört für mich ein mehr an klarer (wenn möglich fachlicher) Meinung, ein größerer Blickpunkt auf unbeleuchtete Weltregionen und Themen abseits des Mainstream. Als Vorbild könnte anstatt der Zeit o.ä. eher die "Le Monde diplo" dienen. D.h. nicht diese in Wochenzeitung zu quetschen aber eben als Vorbild nehmen und die eigene Position daraus neu zu definieren. |
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schrieb am
09.12.2009 um 22:31
Ja, so ähnlich geht's mir und bewerte ich das auch, und ich bin seit Anbeginn Abonnent.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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