jfenn

Unterschiede

01.11.2009 | 00:08

Nur keine Hemmungen! - Werbung für „brand eins“

„[…] Wir nehmen scheinbar Vertrautes auseinander und setzen es neu zusammen, wir kreuzen Wirtschaft mit Kultur und Gesellschaft. Unser Angebot ist der Perspektivwechsel - denn neue Sichtweisen sind entscheidend für eine Wirtschaft, in der Kreativität und Wissen die wichtigsten Produktivfaktoren sind. brand eins beschreibt den momentanen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft, den Übergang vom Informations- zum Wissenszeitalter. brand eins zeigt die Bruchstellen, die sich dabei ergeben und liefert Vorlagen, Ideen und Konzepte für alle, die diesen Wandel aktiv vorantreiben oder von ihm berührt werden.“

So steht es auf der Website der Zeitschrift brand eins.

Und nun hat der Verlag mit dieser Haltung Ernst gemacht und eine Werbekampagne ausgeschrieben, deren Vertragsbedingungen tatsächlich Einblick gewähren, wie der Wandel in der Wirtschaft derzeit sehr aktiv vorangetrieben wird. Die Ausschreibung macht dieser Tage in den Blogs zur Typographie[1][2] von sich reden, was zeigt, daß die Bedingungen, zu denen das Geschäft abgewickelt werden soll, auch in der gemeinhin als windig bekannten Werbebranche alles andere als üblich sind. Sie sollen deshalb auch hier zitiert werden als ein Beispiel für ein nicht alltägliches Erfolgshonorar:

„[…] wir […] suchen eine Agentur […] Wie wir uns das vorstellen: Erste Runde: Für eine Vorauswahl brauchen wir nichts weiter als ein Papier mit kurzen Antworten auf zwei Fragen: Warum wollen Sie für brand eins werben? Was ist – knapp skizziert – Ihre Idee? Zweite Runde: Wir wählen fünf Ideen aus und laden zu einem Pitch, bei dem wir die Ausarbeitung der Idee mit jeweils 2000 Euro honorieren. Die Idee, die uns am meisten überzeugt, wird umgesetzt. Das Honorar: brand eins wächst seit zehn Jahren kontinuierlich, ohne nennenswerten Marketingetat, in erster Linie durch Mundpropaganda. Diese Wachstumsraten sind die Basis – und wir honorieren nach Steigerungsraten. Wächst die Auflage, verdienen Sie; wenn nicht, nicht. Warum sollten Sie sich darauf einlassen? Weil es Spaß macht, für ein gutes Produkt zu werben. Weil Sie zeigen können, dass Ihre Werbung wirkt. Weil wir das sicher nicht verschweigen werden. Interessiert? Dann schicken Sie zunächst Ihre zwei Antworten an: […] Einsendeschluss ist der 20.11.2009.

Diese Ausschreibung ist also weniger eine Auftragsvergabe als vielmehr eine Art von Preisausschreiben. Für beide Seiten. Man kennt ja die Probleme, mit denen sich die Zeitungsbranche zurzeit herumplagt. Nur keine Hemmungen!

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.11.2009 um 00:41
Es soll ja Leute geben, die sind hin und weg, wenn sie 'brand 1' hören.
mh schrieb am 01.11.2009 um 08:31
genau so würd ich das auch machen.

was diskutieren die denn da alle?

mfg
mh
Jakob Augstein schrieb am 01.11.2009 um 12:15
Lieber jfenn,
das ist doch gar nicht blöd von Brand Eins so vorzugehen. Es handelt sich da um ein Medienprojekt, das nur durch die Energie und Findigkeit seiner Macherin besteht. Da gibt es keinen großen Verlag, der das stützt. Das hat meinen Respekt. (Und dass Gabriele Fischer als Frau das alles gestemmt hat ist ja in diesem Metier auch nicht eben alltäglich).

Einer Agentur das Angebot zu machen, ihr verdient hier nicht viel, aber ihr habt viel Freiheit in der Umsetzung, ihr könnt mit uns zusammenarbeiten, mit uns vom Erfolg profitieren - das finde ich für so ein Projekt passend. Ein großes Haus könnte und würde das so nicht machen. Und dürfte das auch nicht. Ein kleines schon, finde ich.

Ihr JA
Streifzug schrieb am 01.11.2009 um 12:21
Bei derFreitag macht das die Community :)
mh schrieb am 01.11.2009 um 12:26
@JA: was ist in diesem zusammenhang groß?

brand eins macht gerade eine kapitalerhöhung und bewertet sich dabei selbst mit 10 millionen euro. so als anhaltspunkt.

mfg
mh
jfenn schrieb am 01.11.2009 um 16:23
@JA: Für Ihre offenen Worte bedanke ich mich. Wenn Sie sich mal an den Anfang der Freitag Community erinnern: Genau das war Ihnen ja vorgeworfen worden -- das AAL-Prinzip. (Dank an @Streifzugs für den Einwurf).

Jetzt würde mich mal interessieren, wie Sie sich das vorstellen: Wovon leben denn die Leute, bis sich der Erfolg beim Auftraggeber einstellt? Von Hartz IV? Von einem eigenen Vermögen -- verschenkt oder ererbt? Von Luft und Liebe?
Jakob Augstein schrieb am 01.11.2009 um 16:38
Lieber jfenn,

das ist doch gar kein unübliches Verfahren: Ein kleiner, kreativer Kunde ist für eine Agentur manchmal ganz schön - da kann man was ausprobieren, hat wenig Ärger mit einem unzufriedenen, anstrengenden mittleren Management ... Und mit dem Ergebnis kann man sich dann bei einem Großkunden besser bewerben.

Wenig Geld, viel Freiheit, gute Stimmung - das ist ein Rezept, mit dem man oft (nicht immer) viel
Kreativität freisetzen kann.

Das hat nichts mit AAL zu tun.
(Und das machen wir beim Freitag auch nicht. Das Netz selbst funktioniert nach dem Prinzip der Offenheit, des gegenseitigen Gebens und Nehmens. Das copyright-Denken ist altes Denken!)

Ihr JA
archinaut schrieb am 01.11.2009 um 12:58
Wenn man jetzt sieht, wie flächendeckend brand1 im Angebot ist, macht man sich auch als Branchenfremder so seine Gedanken über den Aufwand dahinter. Bei Architekten gehört der unbezahlte Wettbewerb übrigens zum Selbstverständnis der Branche, kostenlose Leistungen werden vom Verbraucher sehr gern und ausdauernd in Anspruch genommen. Die Werber habe ich um die bezahlten pitchs immer etwas beneidet, muss ich gestehen.....
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.11.2009 um 18:19
@ archinaut, ein Gebäude ist aber auch ein klares Produkt, da kommts nicht so schnell zu einer Plagiatsverletzung. In diesem Sinne sehe ich es auch nicht so wie JA, Copyright is Schnee von Gestern. Die Tussi von der Taz hatte kürzlich ganz deutlich gezeigt als sie von einem Blogger 2000 Euro für das zitieren einiger Passagen eines ihrer 80 Euro Artikelchen per Rechtsanwalt einklagen wollte. Ne, ne, erst mal Idee liefern, und dann zahlen wir vielleicht 2000 €uro ist zwar eine süsse Idee und ich bin überzeugt viele ambitionierte Einreicher werden nach einigen Tagen Konzep-Arbeit, Recherche usw schön frustiert sein. Abgesehen davon, bei Klagen von Copyright Forderungen muss immer erst mal der Anwalt im Voraus gezahlt werden, da sollte jeder erst mal erst nachdenken ob alles seriös zugeht.
jfenn
Jürgen Fenn
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