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Ich erinnere mich noch daran, daß ich damals gut geschlafen hatte. Weil ich krank war, schlief ich nachmittags ein, und ich wachte erst mitten in der Nacht wieder auf. Mein Radio war damals auf AFN eingestellt, um 3 Uhr kamen dort keine Nachrichten, nur die amerikanische Nationalhymne. Erst um 4 Uhr morgens hörte ich in den NPR-Nachrichten, daß in Berlin wohl irgendetwas passiert war. Weil ich aber nicht aufmerksam genug zugehört hatte, hatte ich nicht mitbekommen, worum es genau ging. Weil auf den deutschen Inlandsprogrammen nur Musik gespielt wurde, schaltete ich den BBC World Service auf Mittelwelle ein, aber auch dort waren die Nachrichten vorbei. Damals gab es noch keine reinen Nachrichtenkanäle, deshalb mußte ich abwarten, bis die Fünf-Uhr-Nachrichten im Deutschlandfunk kamen. Erst dann erfuhr ich, was am Vorabend passiert war. Ich fand das alles sehr merkwürdig und hoffte, dies alles würde in eine Reform münden, nicht aber in einen Zusammenbruch der DDR und in den Zusammenschluß der beiden deutschen Staaten, zu dem es dann schließlich gekommen ist.
In Erinnerung geblieben ist mir aus der Zeit auch eine Titelseite der „Wirtschaftswoche“, auf der ein kleiner grüner Trabbi zu sehen war, der im Kofferraum eines dunkelblauen Mercedes steht; der Kofferraumdeckel geht gerade zu, als werde der Trabbi von dem riesigen West-Mercedes „geschluckt“. Ich erinnere mich auch an die sprichwörtliche „Portokasse“ und an den auslandenden neuen braunen Blazer Helmut Kohls, der vor lauter „Gechichte“ damals kaum noch laufen konnte. Erst wurde mir schlecht, und dann begann eine selbst nach den Erfahrungen der 1980er Jahre ungeahnte Umverteilungspolitik, deren Folgen mittlerweile klar absehbar sind: Die sozialen Sicherungssysteme wurden ruiniert, und die Armen wurden immer noch ärmer gemacht. Ein allgemeines Enrichissez-vous griff um sich, wie eine Furie der Bereicherung, die sich immer mehr und mehr nimmt, an sich reißt, und dann damit für immer verschwindet und niemals mehr zurückkommen wird.
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Für mich war das der Abend, an dem ich dasaß, mich für meine Freunde in der DDR freute, und an dem ich weinte, weil ich wußte, nun hat der Kapitalismus für die nächsten Jahrzehnte, fürs nächste Jahrhundert erst mal gewonnen.
Naja, warten wir mal ab. In diesem Sinne. |
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schrieb am
09.11.2009 um 19:11
Meine väterliche Verwandtschaft in der Zone wurde befreit: Zweimal von Arbeit, einmal vom Trabant (Verwandlung in einen Citroen). "Wir" brauchen keine Päckchen mehr zu schicken, und wenn "wir" mal kommen wollten, waren "die" in London, Paris oder auf Mallorca.
Ach, schön, für alle irgendwie ... Und das Leid ist auch nicht mehr geteilt. |
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Rainer, so versöhnliche Töne gerade von dir. Also der Tag scheint allen aufs Gemüt zu schlagen.
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schrieb am
10.11.2009 um 00:06
Ja, ja; unversöhnlich für die Versöhnung kämpfend ... oder: der Ziel ist das Weg ...
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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