28
]
Beim letzten Mal wurden kurz die sich aus den unterschiedlichen Startbedingungen ergebenden Probleme erläutert. Dass man durchaus in Situationen gelangen kann, in denen man aufgrund der Kräfte- und Rechteverhältnisse vorwiegend nach Regeln leben muss, die andere vorgeben.
Der letzte Beitrag der Serie beschäftigt sich mit den daraus zu ziehenden Konsequenzen und den Handlungsmöglichkeiten.
Die Welt ist voll von Experimentierstuben unterschiedlichster Wirtschaftsmodelle. Zumindest sind diese zeitweise beobachtbar. Somalia und Haiti gelten als Paradebeispiele für minimales staatliches Eingreifen (= sogenannte „schwache Staaten“).
Die Ausgaben für Sozial- und Gesundheitssystem sind gering. Abgaben basieren auf Freiwilligkeit oder gehorchen vollständig den Kräfteverhältnissen des „Marktes“.
Aus den Verhaltensweisen der Einwohner kann man lernen, wie in solchen Verhältnissen mit der Situation umgegangen wird. Wenn das Leben im offiziellen System schwierig bis unmöglich wird, gibt es diverse Freiheitsgrade auszuweichen.
Übertragen auf einen kaputtsanierten europäischen Staat ergäben sich folgende Möglichkeiten.
Resteverwertung
„Was nicht angenagelt ist, gehört Dir. Was man abreißen kann, ist nicht angenagelt.“
Im Freitag gab es schon einen Artikel, dass auch in Wohlstandsnationen unter der Bezeichnung „Freeganismus“ eine Bewegung erwacht, die im Grunde eine lange Tradition hat.
Das Prinzip besteht kurz gesagt darin, noch brauchbare Abfälle aufzuspüren und zum Lebensunterhalt zu verwenden. (Natürlich nicht vergleichbar mit den Umständen von Menschen in Entwicklungsländern).
Grob in diese Kategorie fallen auch Flaschensammler, Altkleidercontainer-Plünderer, Metall-Marodeure (man denke daran, dass die Bahn aufgrund der dadurch verursachten Schäden auch schon als Opfer in die Schlagzeilen geraten ist) – die Grenzen zur Kriminalität (siehe unten) sind fließend. Der Aufwand und die Anforderungen können genauso beanspruchend sein, wie eine reguläre Arbeit. Folglich nur bedingte Option für aus Invaliditätsgründen aus dem legalen Arbeitsleben ausscheidende.
Betteln
Betteln setzt voraus, dass es mögliche finanzkräftige Spender gibt. Diese müssen sicher in Kontakt zu bettelnden treten können, ohne sich des Risikos auszusetzen, überfallen zu werden. Insgesamt darf das Verhältnis von bettelnden zu nicht-bettelnden Personen nicht übermäßig ungünstig sein.
Ebenso müssen Bettler halbwegs sicher sein, das Erbettelte zu behalten. Eine minimal durchgesetzte Ordnung ist also erforderlich.
Kriminalität
Kriminalität hat zwei wesentliche Vorteile. Zum einen der direkt erwirtschaftete Gewinn.
Zum Anderen die Versorgung im Strafvollzug, falls es schief läuft.
Die Möglichkeiten sind vielfältig: Diebstahl, Raub, Verkauf von Drogen, Glücksspiel, ...
In Levitt & Dubners „Freakonomics“ war allerdings zu lesen, dass sich Gangstertum wohl doch nicht auszahlt und die meisten Dealer bei Muttern wohnen bleiben. Weniger wegen der Zuneigung und Familiensinn, als weil sie sich die Miete für eine eigene Wohnung nicht leisten können.
Wenn man sich selbst nicht besser über Wasser halten kann als im Vollzug, lohnt es sich diese Option in Betracht zu ziehen. Je nach Land ist das nichts für schwache Gemüter und dem Überleben bisweilen abträglich. Dummerweise korrelieren die Qualität der Haftbedingungen und soziale Unsicherheit insgesamt negativ.
Leibeigenschaft
Das Leben „in Sicherheit“ hat gewisse Parallelen zu diesem Abschnitt.
Häftlinge dienen in vielen Staaten als billige Arbeitskräfte, die kosteneffizient versorgt werden.
Gemeinsam ist auch, Persönlichkeitsrechte für das Überleben einzutauschen.
Bei geschichtlicher Betrachtung findet man das Phänomen über den größten Teil der Zeitrechnung.
Neben wörtlicher Sklaverei existieren zahlreiche zivilisiertere Formen, ich fasse den Begriff mal sehr weit.
Man denke z.B. an die „Freaks“ am Hofe von Adligen in der Vergangenheit zur Belustigung.
Auch heutzutage gibt es diverse Möglichkeiten, um von Gönnerschaften oder Euergetismus zu profitieren. Stiftungen, religiös oder politisch motivierte Tafeln und Suppenküchen suchen Werber.
Außerdem bietet die moderne Medizin diverse Optionen durch den Verkauf von Körperflüssigkeiten, Organen und Gewebe oder die Teilnahme an medizinischen Experimenten.
Suizid
Der Suizid kann als Versuch angesehen werden, die Kontrolle über sein Leben zu behalten. Als ein Sich-unabhängig-machen von den Bedingungen und Zwängen, die sich aus situationsbedingter Fremdbestimmung ergeben. Dem Sich-verlieren zuvorkommen, der bewussten Wiedereingliederung in die Niederungen des Tierreichs entgehen. Nur gilt auch hier dasselbe, was für den Knast gilt: Wie das Ganze im Detail aussieht, hängt stark vom gesellschaftlichen Rahmen ab. Sprich, ob man friedlich mit einem Barbiturat-Cocktail entschläft oder sich, mit weitaus weniger fotogenem Resultat, greifbarerer Methoden bedienen muss.
|
|
Toller Beitrag! Was fehlt ist die Prostitution. Sicher ein Teil der Kriminalität, allerdings mit einer eigenen Qualität.
|
|
|
Stimmt, Prostitution gehört auch dazu. Da sind die Grenzen ziemlich vage. Illegal muss es nicht sein.
Kann aber auch nicht jeder gleichermaßen erfolgreich machen. |
|
|
komisch, traurig, wahr...
letzlich sind alle optionen kacke... weil es nur individualistische ansätze sind... vierter teil bitte, über aneignung und teilen... |
|
|
Wenn viele Leute wenig teilen bringt das auch nicht so viel. Ein freiwilliges Wohlfahrtssystem läuft auf Gönner, religiöse "Nachbarschaftshilfe" und ähnliches hinaus.
|
|
|
da ist was dran, auch wenn es ein sehr eurozentristischer gedankengang ist, der auf das organisierungssystem hinausläuft...
damit alle alles teilen können, ist eben der punkt aneignung unerlässlich... auf der anderen seite bleibt die frage offen, wie wir denn messen, was es bringt... ich erlebe regelmässig in äthiopien, dass es offensichtlich den gebenden wie den nehmenden sehr viel bringt, das wenige zu teilen... verbundenheit, demut, menschlichkeit... so wenig wert ist es gar nicht, teilen als wert für sich zu betrachten... |
|
|
Würden Sie denn, mit den Erfahrungen aus dem Studium und drumherum, sagen, dass es ein kulturelles Problem ist?
(= Also in der einen Kultur die Wohlfahrt auf freiwilliger Basis besser funktioniert als in einer anderen). Mit „was es bringt“ ist ein weiterer Problempunkt genannt. Erstmal definiert das jeder anders. Und die Idee eines Glücks-Brutto-Sozial-Produkt wird ja reichlich kritisiert. Aber egal, wie man das definiert, würde ich sagen, dass ein Paar Grundbedürfnisse, wie Ernährung, rudimentäre Gesundheitsversorgung etc. vorher da sein müssen, um überhaupt spekulieren zu können. Mit Hunger oder Zahnschmerzen nützt die beste Gemeinschaft wenig. Oder um es mit einem türkischen Sprichwort zu sagen: „Was nützt Dir, dass die Welt groß ist, wenn Deine Schuhe zu klein sind,“ :) |
|
|
also zunächst mal: ich hatte mir ja selbst theoretische aufhellung versprochen, als ich einen vierten teil forderte...
ob es eine kulturelle dimension hat, weiss ich auch nicht so genau... vielleicht im sinne politischer kultur, dass wir sehr starkt dazu neigen, 'in institutionen' zu denken und uns schwer auf informelle strukturen einlassen können... und sicher hängt es auch damit zusammen, wie stark der 'neoliberalismus'(bitte keine neue diskussion anfangen:-) die gesellschaftlichen lebensbereiche durchdrungen hat, also wie 'marktförmig' das leben der individuen strukturiert ist... und das religiösität durchaus etwas positives hat, wenn dadurch werte wie teilen, menschlichkeit oder naturverbundenheit von elemtarer bedeutung sind... das war für mich auch eine neue erfahrung... 'grundbedürfnisse' würde ich eher als 'soziale rechte' beschreiben... aber bei dem thema rege ich mich immer zu sehr auf, weil dabei hinter (m)einer vorstellung von (globaler) gerechtigkeit zu überwältigend 'unsere' heuchlerische moral zum vorschein tritt... herzliche grüße, döhner. |
|
|
Zu einem vierten Teil, mit sozusagen Alternativen zu den Alternativen, fällt mir nicht viel ein.
Es lässt sich es aus persönlicher Perspektive durchgehen. Mit allen Mitteln versuchen, nicht in eine Notlage zu kommen. Sich, je nach Situation, vorher sehr gut zu überlegen, ob man Familie gründet etc. Aktuell kann man, verglichen mit andern Ländern und andern Zeiten, hier sehr gut leben. Aber die Entwicklung ist abzusehen. Einerseits der Wegfall von sozialen Sicherungen bei gleichzeitiger Verschärfung der Situation des Arbeitsmarktes. Keine Ahnung. Eine Art Zen Haltung entwickeln. Trotz aller Widersprüche irgendwie weiter machen. Was mich hierzulande erschreckt, ist die Aggression, die schon Leute aufbringen, die in relativem Wohlstand leben. Die Lust am Bösen, an der Überlegenheit und am Entkoppeltsein von dem Wirken der eigenen Politik. So eine Mischung aus Spieltrieb und Menschenfeindlichkeit. Bzgl. „Institutionen“ versus „informelle Strukturen“ sehe ich Probleme bei beiden. Je nach Abhängigkeiten von diesen. Das Willkür Problem lässt sich nur hin und her schieben. Die Institutionen soll(t)en einen ja gerade davor schützen. VG, jf |
|
|
Paßt wohl nicht direkt dazu, aber ein bischen doch:
www.freitag.de/community/blogs/richard-der-hayek/wie-der-kapitalismus-zur-freiheit-verhilft |
|
|
Passt schon bisschen rein. Nur die heutige Arbeitswelt erfordert immer weniger "direkte" körperliche Arbeit. Und jede Form von geistiger Arbeit lässt sich schlecht motivieren. Schon gar nicht mit Ängsten (Sanktionen oder Not) - meine, die Leute performen dadurch nicht besser. Und die Produktion und der tatsächliche Bedarf bzw. natürlich gegebene Arbeiten sind weitestgehend entkoppelt. Den sicheren Beweis für das Funktionieren der unsichtbaren Hand habe ich für unsere moderne Gesellschaft nicht nachvollziehen können.
Auch der Szin sagt ja, salopp gesprochen, dass viele Leute "Ausschuss" sind. Einen Teil davon könne man dann „abschieben“ oder nicht erst ins Land lassen. Aber das ist ja keine Endlösung ;) des Problems. Und auch ein Rekordzuchtprogramm wird das nicht lösen. Vielleicht steckt auch dahinter eine raffinierte Pädagogik, die sich mir zwar noch nicht erschließt, aber irgendwie Überlebensinstinkte und Eigenverantwortung mobilisieren soll(?) Insgesamt frage ich mich inzwischen, wo ich schon auf die Szin-Debatte gekommen bin, ob Goebbels eigentlich wirklich ein Nazi war oder er letztlich nicht einfach nur ganz falsch verstanden wurde und den falschen Fanclub hatte. Wenn jemand dagegen Einspruch erhebt, soll er erstmal alle seine Bücher richtig lesen, bevor man urteilt („Ich habe zufällig ein paar Exemplare dabei, kosten 12,99 .- EUR das Stück“). jf |
|
|
Von Goebbels gibt es Bücher ?
aber es gibt so viel zu lesen, eine Kurzfalssung wäre besser. Der totale Krieg unter Hegels Dialektik vielleicht ? unsichtbare Hand: ein großer Irrtum. Die unsichtbare Hand sorgt für die optimale Versorgung der Kaufkraft, aber die ohne Kaufkraft sind für diese Hand unsichtbar: zwischen 1895 und 1905 ließen die hauptsächlich englischen Kolonialherren mindestens 20 Millionen, eher 50 Millionen Menschen in Indien, China und Südamerika verhungern. Die Leichen lagen auf den Straßen. Indien exportierte trotzdem 100 t Weizen, damals viel, in die südamerikanischen Plantagen für die dortigen Arbeiter. Hol dir Geld, dann hilft dir die Hand. |
|
|
Das mit den Büchern war nur als Bild gedacht.
Und die Geschichte mit der unsichtbaren Hand war, so wie ich es verstanden habe, ja die, dass wenn man nur danach trachtete seinen Gewinn zu mehren, links und rechts in paar Krümel für die Armen schon herunterfallen. Also durch das eigene Gewinnstreben, das Gemeinwohl automatisch fördere. Zitat: "Hol dir Geld, dann hilft dir die Hand." Denke ich auch. Ein großer Haufen Geld hat allein schon durch den Zins eine Magnetwirkung. Da fällt nichts links und rechts runter, sondern zieht von den kleineren Haufen ab. Geld verhält sich eher nach Gravitationsgesetzen als nach Weisung unsichtbarer Hände. Aber wir rutschen immer mehr ins Allgemeine ab. Was sind letztlich die Konsequenzen? |
|
|
Einer muß das alles durchschauen, ein allgemeinverständliches Buch darüber schreiben, damit sich die Menschen dagegen wehren können.
Wenn sie es dann schaffen, gehts ihnen und dem Planeten wieder besser, sonst gehts weiter bergab. Der das Buch schreibt bekommt zur Belohnung guten Auflage und einiges Geld, macht sich dann ein richtig schönes Leben. hat er auch verdient. |
|
|
dieses buch würde wahrscheinlich nie gedruckt und der autor verbrennt samt manuskript bei einem 'unfall'...
naja, eigentlich wollte ich keine verschwörungstheorie aufmachen... sondern konsequenter weise den gedanken ins spiel bringen, geld abzuschaffen... so erstmal als gedankenspiel und nicht um die d-mark wieder einzuführen;-) kein geld, keine schulden, keine finanzkrise mehr, oder? es böte jedenfalls die option, verteilungsfragen als fragen der verteilung zu betrachten... auch wenn allein ohne geld nicht alle machtstrukturen aufgelöst werden... fiele ein übergeordnetes system weg, dass gerne insbesondere zur mystifizierung genutzt wird... |
|
|
Zitat: "sondern konsequenter weise den gedanken ins spiel bringen, geld abzuschaffen..."
Ein universelles Tauschmittel ist m.E. erstmal an sich nicht schlecht. Es gab diverse weniger drastische Ideen als Geld gleich abzuschaffen. Wie es z.B. mit Verfallsdatum auszustatten. Das hätte den Effekt, dass es in Umlauf bleibt und nicht dem Kreislauf entzogen wird. Was damals noch praktisch schwierig war, ginge im Digitalzeitalter und E-Payment einfacher zu realisieren. Gibt natürlich auch paar Probleme damit. Größere Investitionen wären dann nur durch Zusammenlegen möglich. Damit würde es keine Großprojekte geben, ohne die Zustimmung von einer hinreichenden Menge von Leuten, die sich daran beteiligen. Hat alles auch Vor- und Nachteile. Wie gesagt, das geht zu weit von der Alltagsrealität weg. Koordinierte Änderungen sind nicht möglich. |
|
|
"Was sind letztlich die Konsequenzen?"
eben, die Frage habe ich mir gerade auch gestellt. Ich glaube man hat drei Möglichkeiten: 1. man vertaut und wartet auf die Selbstregulierung. Stichwort: Revolutionen. Das könnte allerdings in einer weltweiten kaum überschaubaren, geschweige denn beherrschbaren Krise enden. 2. Diejenigen, die noch genügend Kraft, Intellekt und Überblick haben, d.h. Menschen aus dem Bürgertum, schaffen Transparenz über die herrschenden destruktiven Gepflogenheiten und setzten den "Mächtigen" Grenzen. Das geht heute ganz locker via Internet. Da muss man nicht erst ein Buch schreiben, dass ohnehin in den Regalen verstauben würde. ;-) Parallel dazu muss man aber ein alternatives System entwickeln, welches aus dem bestehenden sukzessive umsetzbar ist. Die Fragen sind, welche Bedingungen muss ein alternatives System erfüllen. Welche grundlegenden Werte, welches Menschenbild und welche Basis soll das System haben. (Was meint eigentlich informelle Strukturen? ) Die 3. jedoch weitaus unwahrscheinliche Variante ist, dass Politik und Wirtschaft selbstständig begreifen, dass sie mit ihren herkömmlichen Strategien gerade die Lunte an einem Pulverfass anzünden und, Dank Erkenntnis, so gerade eben noch die Kurve Richtung gerechterer Partizipation am Wohlstand und nachhaltiger Umwelt- Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik kriegen. Ok, nicht realistisch, ich weiß, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. :-) |
|
|
Hallo Angelia,
Zitat: „Ich glaube man hat drei Möglichkeiten: 1. man vertaut und wartet auf die Selbstregulierung. Stichwort: Revolutionen. Das könnte allerdings in einer weltweiten kaum überschaubaren, geschweige denn beherrschbaren Krise enden.“ Die Gegenwart und Vergangenheit zeigt auch deutlich andere Richtungen. Der Frust schlägt dahin aus, wo es möglich ist. Nach der Wende, als viele den Job verloren haben, wurde nicht bei den Entscheidern revoltiert, sondern es flogen Brandsätze in Asylantenheime. Zudem gibt es ja deutliche Fingerzeige, wo „schuldige“ zu suchen sind und wohin Unzufriedenheit mit Missständen kanalisieren werden („Demographie“, „Migranten“, „Unterschicht“…) Diese Fingerzeige finden auch immer Leute, die sie dankbar annehmen und dafür bezahlen (Siehe Bestseller 2010). Zitat: „2. Diejenigen, die noch genügend Kraft, Intellekt und Überblick haben, d.h. Menschen aus dem Bürgertum, schaffen Transparenz über die herrschenden destruktiven Gepflogenheiten und setzten den "Mächtigen" Grenzen. Das geht heute ganz locker via Internet. Da muss man nicht erst ein Buch schreiben, dass ohnehin in den Regalen verstauben würde. ;-)“ Die wenigsten haben Zeit und Energie sich damit zu beschäftigen. Das tritt erst ein, wenn die Widersprüche so groß sind, dass es einfach nicht mit gegebenen Erklärungen weiter geht. Selbst da hab ich Zweifel. Die Einzelnen haben mit normalen Leben genug zu tun. Demgegenüber stehen Profis der Öffentlichkeitsarbeit, die nichts anderes machen. Deren Job es ist As als Os zu vermarkten. Bzw. wenn gar nichts mehr geht, die Diskussion zu verunmöglichen. Und aus technischer Sicht ist auch, was das Internet angeht, einiges mit Änderungen zu rechnen. Die Identifizierbarkeit und veränderte rechtliche Rahmen ermöglichen, die klassischen Kräfteverhältnisse und Meinungshoheiten wieder herzustellen. Zitat; „Parallel dazu muss man aber ein alternatives System entwickeln, welches aus dem bestehenden sukzessive umsetzbar ist. Die Fragen sind, welche Bedingungen muss ein alternatives System erfüllen. Welche grundlegenden Werte, welches Menschenbild und welche Basis soll das System haben.“ Das „Böse“ wird sich nicht abschaffen lassen. Habe ja angedeutet, dass das auch irgendwie ein sich selbst etablierendes Menschenrecht ist. Nur ein paar Sicherheitssysteme könnte man schon einbauen. Ich habe in der Hinsicht nur das Gefühl, wie bei einem Einkaufswagen, wo ein Rad klemmt; dieser fährt in eine andere Richtung, als er geschoben wird. Die verfassungsmäßig garantierten Rechte können noch so toll ausformuliert sein, wenn die Exekutive das Gegenteil raus machen möchte, schafft sie das. Die Institutionen, die eigentlich einen gewissen Standard wahren sollen, werden zum Instrument gegen diesen. Zitat: „(Was meint eigentlich informelle Strukturen? )“ Ich dachte an sowas wie Familie, Bekanntenkreis, Arbeitsumfeld, Mitmenschen aus dem Alltagsleben … Zitat: „Die 3. jedoch weitaus unwahrscheinliche Variante ist, dass Politik und Wirtschaft selbstständig begreifen, dass sie mit ihren herkömmlichen Strategien gerade die Lunte an einem Pulverfass anzünden und, Dank Erkenntnis, so gerade eben noch die Kurve Richtung gerechterer Partizipation am Wohlstand und nachhaltiger Umwelt- Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik kriegen. Ok, nicht realistisch, ich weiß, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. :-)“ Das hängt davon ab, wie viele Leute nötig sind, um wie viele friedlich bzw. systemkonform zu halten. Es muss halt nur langfristig und einsehbar teurer werden mit dem Infokrieg, Überwachung, Polizei und Militär als der Beibehaltung bzw. Schaffung von durch alle ertragbaren Lebensbedingungen. |
|
|
An den Universitäten wird in der Wirtschaftslehre das neoliberale Modell gelehrt.
Diese Modell ist aber wirklichkeitsfrender Unsinn. Nach diesem Modell dürfte es keine Krisen geben. Wenn man darüber nachdenkt, erkennt man die Fehlinterpretationen der Marktwirkung und kann die Lösungen dazu ableiten. Die werden dann dem gemeinen Volk nahegebracht, damit sie die von ihren Politikern einfordern. Was anderes hilft nicht. Ihre Überlegungen hier sind höchstens Ergebniskosmetik. |
|
|
@yann döhner Verschwörungstheorie
Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist Realität. Die handeln nicht in Absprache, sondern, wie von Smith schon gut erkannt, von der unsichtbaren Hand geleitet. Wenn gewisse Menschen wüßten, was ich ihnen Geld kosten werde und welchen Ärger sie noch bekommen, hätte ich es schon hinter mir. Sie wissen es aber nicht, und ich kann das ruhig schreiben, denn bis jetzt bin ja nur ein linker Spinner. |
|
|
Diese Modell ist aber wirklichkeitsfremder Unsinn.
Das Modell, als reine Theorie ist im Grunde genial. Es hat nur einen gravierenden Haken. In der Realität scheitert das Modell am gesetzten Axiom einer Freiheit, die 1. erst noch seitens des Staats hergestellt werden soll und deren Umsetzung 2. eine Vernunft und Intelligenz aller Menschen erfordert, die man bei der Menschheit de facto nicht vorfindet. Deshalb kommen die Neoliberalen auch zu dem Fehlschluss, man müsse so viele Grenzen wie möglich aufheben und auf Regulierungen ganz verzichten. Nach diesem Modell dürfte es keine Krisen geben. Der Fehlschluss lässt sich an diesem Irrtum aufzeigen. A.F.v. Hayek räumte sehr wohl ein, wenn ich mich recht erinnere, dass es in der Übergangsphase hin zu den sich selbstregulierenden Märkten sowohl zur Monopolbildung, schnelle Anhäufung von Kapital für wenige, gravierende Ungerechtigkeiten, sprich Krisen kommen kann. ( Siehe Rußland China) Dies reguliere sich aber wie von selbst, da die Mehrheit an dieser Entwicklung zu ihren Lasten kein Interesse habe. So und hier ist der Knackpunkt. Monopole akkumulieren nicht nur Kapital sondern auch Macht und Möglichkeiten. Damit die Mehrheit ihre Interessen überhaupt durchsetzen kann, benötigt sie 1. Alternative Wahl-Möglichkeiten 2. Macht. 3. Unabhängigkeit in jeglicher Form. Umgekehrt, die Masse darf weder abhängig noch erpressbar geschweige denn zu enteignen, zu unterdrücken noch auszubeuten sein. Und damit genau der Fall der Selbstregulierung eintreten kann, muss der Staat nicht etwa Regeln abschaffen, sondern permanent für einen relativen Ausgleich von Macht und Möglichkeiten sorgen. D.h. der Staat muss zwangsläufig Regeln schaffen, Grenzen setzen sprich Rahmenbedingungen bilden, damit Selbstregulierung überhaupt möglich ist. Das geht natürlich nicht, wenn Regierende selbst erpressbar, oder gleich zum Handlanger und zur strategischen Schachfigur der Monopol- Kapitalmächtigen werden. G.W. Bush war als strategische Schachfigur das Beispiel par Excellenze. Und wir haben unsere Frau Merkel ;-) |
|
|
So in etwa. Ein wichtiger Teilaspekt.
Nun noch etwas einfacher formulieren. Sie haben das richtig studiert ? Ich habe mich mehr pro forma bei der Fernuni angemeldet und arbeite die Skripte durch: damit ich die offizielle Theorie habe. |
|
|
Hallo Richard der Hayek,
Zitat: “An den Universitäten wird in der Wirtschaftslehre das neoliberale Modell gelehrt. Diese Modell ist aber wirklichkeitsfrender Unsinn. Nach diesem Modell dürfte es keine Krisen geben.“ Ich kenne mich in den Wirtschaftsstudiengängen nicht aus. Was jedoch in Nachrichten und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen durchsickert, ist, dass sie einfach wie ein Werkzeug benutzt werden, um bestehenden Entwicklungen zu rechtfertigen und zu bekräftigen. Insofern hat es schon Wirk-lichkeitsbezug. Zitat: „Wenn man darüber nachdenkt, erkennt man die Fehlinterpretationen der Marktwirkung und kann die Lösungen dazu ableiten. Die werden dann dem gemeinen Volk nahegebracht, damit sie die von ihren Politikern einfordern. Was anderes hilft nicht.“ Das ist ein ziemlich naiver Ansatz. Kurz: Die, denen es noch gut geht, wollen nichts ändern. Und die, welchen es nicht gutgeht, können nichts ändern. Wenn alle von den Problemen gleichermaßen betroffen würden, wäre die Gesamtsituation nicht, wie sie nun einmal ist. Zitat: „Ihre Überlegungen hier sind höchstens Ergebniskosmetik.“ Naja, ich kann nicht zaubern. Es sind im eigenen bescheidenen Wirkungskreis Änderungen möglich, darüber hinaus aber nicht. In anderen Richtungen ging es ja auch schief (Ostblock, China, etc.). Prinzipiell scheint Leben möglich zu sein, zumindest bei halbwegs vorhandener Robustheit. Doch ich sehe immer häufiger auch mal in den ein oder anderen Abgrund. Und auf die Gemeinschaft würde ich mich im Fall des Falles gar nicht verlassen wollen. jf |
|
|
auf 'die gemeinschaft' kann man sich in diesem sinne auch gar nicht verlassen...
wir müssen sie neu formieren... zwei kurze anmerkungen noch: sytemalternativen auszuschließen, weil es 'in anderen richtungen auch schief ging'... damit schafft man sich selbst gedankliche hürden, die keinen ausweg zulassen... das charmante an der idee geld abzuschaffen, wäre gerade... aus den heutigen denkmustern auszusteigen... 'investitionen in großprojekte kaum möglich'? wenn wir uns gemeinsam entschliessen an etwas für unser wohl zu arbeiten, brauchen wir kein geld als investitionsmittel... das demkratische potential dieser überlegung (geld abschaffen) zu entfalten, wäre meines erachtens spannend... das auch dann probleme existieren, ist klar... aber über den ersten abwehrreflex -das geht nicht-(den auch ich habe) hinaus zu denken... wäre eine lohnende aufgabe... |
|
|
Danke für Ihre Bemühen.
Ich bin auf dem Weg, gestehe eine gewisse Eitelkeit, die mich zu dem Einsatz hier trieb. Das Buch muß fertig werden, dann können Sie diesen Ansatz genauer sehen. Nochmals Danke. |
|
|
@Jan Fremder
|
|
|
@jan fremder
|
|
|
Zitat: „das charmante an der idee geld abzuschaffen, wäre gerade...aus heutigen denkmustern auszusteigen...“
Ich kann mir praktisch aber keine alternativen Denkmuster vorstellen. Muss nochmal ausufern: Geld erfüllt ja einen gewissen Nutzen und an dessen Stelle müsste etwas anderes gesetzt werden. Geld funktioniert als die Möglichkeit / Freiheit in Abstraktion. Eine weitere Abstufung wäre ein Markensystem, welches stückchenweise diese Abstraktion wieder aufhebt- Essenmarken, Kleidungsmarken etc. oder in der striktesten Form, Tauschhandel bis hin zur völligen Subsistenzwirtschaft. Ich sehe noch nicht ganz die Brücke, wie es zur Lösung des Ausgangsproblems beitragen könnte. Ein „Zurück zur Natur“ ist m.E. sicher nicht besser. Auch Naturvölker gehen bisweilen ziemlich grausam mit ihren Schwachen um. Nur dort wird es dann auf den natürlichen „Sachzwang“ geschoben. Und die Alten o. Kranken, die man auf die Sterbewanderung schickt, tun das dann „halb“ freiwillig, um die Gemeinschaft nicht zu belasten. Bzw. wird es denen dann solange eingeredet und zugetragen, bis sie es halb freiwillig tun. Die Probleme mit Arbeitsplatzmangel, Qualifikationsmangel etc. entspringen ja bei Lichte betrachtet einer „guten Sache“. Der äußere Feind, die Widrigkeiten der Natur (Kälte, Krankheiten, wilde Tiere, Dürren usw.) konnten ja im Laufe der Zeiten relativiert werden. Stattdessen beklagen wir uns nicht genügend IT-Experten zu haben oder für „den Export“ nicht gerüstet zu sein. Und die Prediger dieser Tage wollen jedem die Existenz- oder auch nur Aufenthaltsberechtigung streitig machen, die diesen „künstlichen“ und zum Teil widersprüchlichen Herausforderungen (irgendwann) nicht (mehr) gewachsen sind. Dabei ist es schwieriger nachzuvollziehen, wenn man etwas nutzt oder von etwas profitieren will, welchen Teil man davon selbst bereitstellen kann. Hunger zu haben – und einen Fisch zu fangen, zu braten und zu essen ist reichlich straight forward. Das Problem ist allen klar und die Lösung auch. Mit der S-Bahn zur Arbeit zu fahren, setzt voraus, dass 1000 Leute ihren Job machen und die einzelnen haben nur ein sehr vages Verständnis davon, was sie im Gesamtsystem ausmachen. Und wenn sie jetzt diese Arbeitsleistung einer Fischverkäuferin verklickern wollten, damit die ihnen einen Fisch gibt, würde sie sie auslachen. Ich halte es trotzdem nicht für sinnvoll, das Ursprungsproblem mit der Arbeitsteilung in Verbindung zu bringen. Letztere ist eine gute Sache. Was halt keine gute Sache ist, ist, dass wir trotzdem nicht mit weniger Ängsten in Bezug zur Existenz konfrontiert werden. Man muss trotzdem sich ernähren, kleiden, „warten/instandhalten“ etc. Aber die Leistung dafür wiederum halt enorm entkoppelt vom Zweck erbringen. Und die Einschüchterung, der Umgang mit Konkurrenz oder Mobbing von unproduktiven Mitarbeitern können eine Bedrohungssituation schaffen, die sich für die Betroffenen in der Wahrnehmung auch nicht großartig von dem durch wilde Tiere und Naturgewalten unterscheidet. Der Verlust von einer früheren Beschäftigung, ein schlechtes Arbeitszeugnis oder die in diesem Umfeld erworbene psychische Konstitution, sich nichts mehr zuzutrauen, laufen eben genauso auf eine Loslösung von lebenspendenden Beziehungen hinaus. Wenn solche Versuche von Einflussnahmen wirkungslos wären, fänden sie nicht statt. Anscheinend funktionieren viele Menschen dennoch so, dass sie „soziale“ Bedrohungen als genauso gefährlich einstufen, wie unmittelbare. Leute, bei denen es nicht so ist, haben diesbezüglich einen Vorteil. Fraglich ist, ob sie dann auch für „soziale“ Belohnungen empfänglich sind. |
|
|
Hallo Richard der Hayek,
Sie können ja hin und wieder ein paar Gedanken aus dem Buch als Blogeintrag zur Diskussion stellen, wenn keine rechtlichen Gründe dagegen sprechen. Aber auch sonst viel Erfolg dabei! jf |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen