Jan Fremder

Begegnung im Licht

17.07.2011 | 22:26

Die befreiende Wirkung von „Bullshit“

Harry Frankfurt hat einmal ein kleines Heftchen mit dem Titel „On Bullshit“ geschrieben, das ich mir aus gegebenen Anlass mal wieder vornahm.

Er differenziert „Bullshit“1 von der Lüge, im Sinne, dass die „Bullshitter“ letztlich den Bezug zur Wahrheit komplett lösen. Das heißt, nicht mal die Umkehrung, von dem was sie sagen, ist wahr.

Wohingegen Lügner die Wahrheit noch insoweit respektieren, dass sie zumindest ihr Gegenteil behaupten, also wenigstens einen indirekten Bezug belassen. Deswegen stuft Frankfurt den Bullshit auch als gefährlicher für die Wahrheit ein als die Lüge.

Nichtsdestotrotz finde ich den Begriff wichtig. Denn Bullshit ist sehr oft anzutreffen und dann tut`s gut, wenn man ein Wort hat, um das Ganze zu bezeichnen und man freudig und anerkennend ausrufen kann „Hey! Das ist ja perfekt gemachter Bullshit!“ oder kurz „Bullshit!“

 

1 Entspricht in etwa der Bedeutung wie Humbug.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 17.07.2011 um 22:40
Ja, das Buch habe ich auch schwarz auf weiß in meinem Bücherregal. Ein kurzer, schöner Text, der es auf den Punkt bringt.
Sagt er darin nicht auch so was wie, Bullshit ist, wenn jemand etwas sagt, nur um irgendwas zu sagen.
Jan Fremder schrieb am 17.07.2011 um 22:55
@mabli
Warum der Bullshit gemacht wird ist wohl vielfältig.
Glaube, ein Punkt war z.B., wenn man über die wirklichen Beweggründe täuschen will.

Über die Gründe hat Frankfurt selbst, glaube ich, nicht so viel gesagt. War recht müde als ich das nochmal durchgeblättert hab.
Aber er dient quasi auch im Sinne Desinformation. Zum Verhindern einer wirklichen Auseinandersetzung oder einer Diskussion oder um diese abzuwürgen.

Ansonsten ist es auch wahrscheinlich ein natürliches Phänomen. Jeder produziert von Zeit zu Zeit ein davon bisschen.
In die Richtung gingen auch die letzten Seiten, was mich ein bisschen verwirrt hat, da es einen ganz anderen "Klang" hatte, als der gesamte Text davor.
Da Bezog er sich auf die Wahrhaftigkeit der Selbsterkenntnis und dass diese per se unmöglich sei.
"In Wirklichkeit sind wir Menschen schwer zu packende Wesen. Unsere Natur ist notorisch instabiler und weniger eingewurzelt als die Natur anderer Dinge. Und angesichts dieser Tatsache ist Aufrichtigkeit selbst Bullshit." Das war der letzte Satz des Büchleins.
Jan Fremder
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