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Wie Schutzbestrebungen vor Hass- und diffamierender Propaganda zum Gegenteil führen können:
Eine Verhinderung der Auseinandersetzung mit der Funktionsweise von Propaganda hat zur Folge, dass diese wirkungsfähig bleibt.
In seltenen Fällen ist dieser Wirkungserhalt sogar gewünscht, da man, wenn man über die verwendete Rhetorik der Gegenseite aufklärte, auch selbst Mittel zur Beeinflussung aus der Hand gäbe. Also, indem man der Gegenseite eine Einflussmöglichkeit nimmt, sich ebenso dieser beraubt.
Vorwiegend spielt eine Rolle, dass die Aufdeckung rhetorischer Figuren komplexer ist und beim Rezipienten mehr voraussetzt, als für die Erfahrung ihres schlichten Einwirkens nötig ist.
Eine Illusion zu schaffen bzw. nachzuvollziehen, ist schwieriger, als sich ihr hinzugeben. Zumal die Weigerung, sich gewahr zu werden, einer Täuschung aufgesessen zu sein, ein zusätzliches Hindernis darstellt.
So mag es in einigen Situationen zunächst verständlich scheinen, wenn zur Zensur-Schere gegriffen wird. Langfristig gesehen hält man auf diese Weise häufig ein schlummerndes Gefahrenpotential aufrecht. Es ist schwierig und keine durch Einzelne zu stämmende Aufgabe, deswegen sind kurzfristige Lösung nicht ideal, doch das häufigste Mittel der Wahl.
Betrachtung einiger Grenzfälle bei zeitgenössischen Kommunikationsformen (Foren, Online-Kommentare etc.)
Zensur setzt voraus, dass die Tätigkeit des Zensierens von Personen ausgeübt wird und damit subjektive Spielräume Bedeutung gewinnen. Je nach Entwicklung, Welterfahrung und Reife der Persönlichkeit ist die Toleranzschwelle naturgemäß ein stark individueller Faktor.
Solange sich niemand beschwert bzw. nicht eindeutige Gesetzesbrüche oder personenbezogenen Beleidigungen usw. vorliegen, es also keine Geschädigten gibt, halte ich eine Zensur deswegen für nicht angebracht. Ein vorauseilender Gehorsam hinsichtlich möglicherweise beleidigter Gemüter führt zu beleidigten Gemütern, deren Äußerungsbedürfnis beschnitten wird und beleidigten Gemütern, die sich um die Gelegenheit gebracht sehen, sich selbst ein Bild zu machen. Das sollte man vorher ebenfalls abwägen. (Lebens-)Äußerungen Andersdenkender oder insbesondere andere Wertvorstellungen können auf den Keks gehen, gewaltig sogar.
Sie stehen auch häufig nicht im luftleeren Raum, sondern kollidieren mit anderen Wertvorstellungen, meist den eigenen.
Das fängt schon bei Wahl des Nicks oder Profilbilds an.
Da muss man durch, oder? Wenn nicht, dann lautet die Kehrseite, sich selbst und die eigenen Wertvorstellungen manchmal infrage stellen und „entfernen“ zu lassen.
Die Lösung für klassische Streitpunkte in Sachen Männer/Frauen-Sichten, sexuelle Präferenzen/Vorstellungen, Kunst/Musik usw. lautet: Privatheit.
Und respektieren dieser Privatheit und Zugestehen von (absoluter) Gedankenfreiheit, auch wenn es einem nicht gefällt, auch wenn sie als universelle Regel „falsch“ wären. All diese Punkte müssen nicht rational sein oder allen Bevölkerungsteilen gleichermaßen gerecht werden. Irgendwo muss man auch seine Ruhe vor der öffentlichen Meinung oder übermäßiger Politisierung des Privaten haben.
Deswegen gebietet es schon die Vernunft, sowas aus öffentlicher Diskussion (mit potentiell nicht wohlgesinnten Gegenübern) zu halten.
Deswegen ist es in meinen Augen auch schlechter Stil, wenn Artikel in derlei Punkten Wertungen propagieren oder Stellungnahmen forcieren.
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Kleine(!) Regelbrüche haben ja auch ihren Reiz. Dadurch behält die Diskussion überhaupt Geschmack und Pepp und bleibt interessant. Also, lieber necken statt nieder machen. Wenn es denn geht, Mitdiskutieren statt meiden oder das Wort nehmen. Nur wer entscheidet die Maßstäbe? Die jeweilige Praktikantin?
Eskalation A) Es artet in heftigen Streitereien, Verletzungen und Beleidigungen aus => sachliche Diskussion wird unterbunden, bzw. „sachliche“ Argumente bestenfalls nur noch um emotionalen Standpunkt zu festigen B) Zensur und Selbstzensur stören natürlichen Kommunikationsfluss und das Gesprächsklima und trocknen das Interesse und Motivation an der Diskussion aus. Bevor was Falsches gesagt wird, wird lieber gar nichts gesagt. Es bleibt klinisch, leblos. |
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Es gibt so Fachausdrücke, identifizieren zum Beispiel.
In der Psychologie, bei Buddha, und der Gurdjev hats auch irgendwo abgekupfert. Man fühlt bei einem fremden Problem, als ob es sein eigenes wäre, hat keinen Abstand dazu. Dann regt man sich auf, wenn im Text was anderes steht. Geht mir aber auch so. Doch zwischendruch fällts mir immer öfter auf, und ich werde ruhiger. Aber wenn man das nicht erkennt, dann steigert man sich so rein und wird verletzt. Soll man es den jeweiligen sagen ? |
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Zitat: "Aber wenn man das nicht erkennt, dann steigert man sich so rein und wird verletzt. Soll man es den jeweiligen sagen ?"
Schwierig. Hängt vom Gegenüber ab. Wenn das halbwegs normal tickt, dann kann die Sache meist aufgeklärt werden, solange man in der Lage ist, zivilisiert zu schildern, was einen stört. Wenn die Situation schon eskaliert ist, hilft womoglich nur noch Intervention / Vermittlung durch einen Außenstehenden. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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