Jan Fremder

Begegnung im Licht

30.04.2011 | 01:23

Irgendein Titel

Anmerkung: Der Titel ist zufällig und hat nichts mit dem Text zu tun (Der Repost war auf Anfrage)

Es ist der wärmste Frühling, seit ich mich erinnern kann. Helligkeit und sattestes Grün überall.

Das Licht auf den Blättern. Wow! Das Rauschen der Bäume. So gut ging es mir, glaube ich, zuletzt als Sechsjähriger. Ein Lebensgefühl, wie eine Hintergrundmusik, die ich lange vergessen hatte. Meine „Hintergrundmusik“. Schwimmen im ureigenen Gefühlscocktail. Alles so „superreal“, wirkt fast schon wieder unwirklich. Sehe die Welt, wie eine Zeitrafferaufnahme oder wie ein hochauflösendes Digitalbild, das mehr zu sehen zulässt, als mit bloßen Augen normalerweise erkennbar. Was ist anders? Eigentlich ist nichts passiert. Da ist nicht „mehr“ auf dem Bild als sonst. Ein anderer Klang, neue Töne? Nein. Im Gegenteil. Das Störsignal ist aus. Den Sperrfilter kurz raus genommen. Nörgel, nörgel, nörgel, nörgel, nör...klack. Wow! Um nicht zu sagen: WOW!

Gott ist das wundervoll. Was ist denn nun anders? Halt. Neben mir auf der Bank bewegt sich etwas. Stimmt. Dich kenn` ich. Ziemlich gut sogar. Sie hat den Arm um meine Schulter gelegt. Jeder Atemzug wie mein eigener. Ein. Aus. Ein. Aus. Ein. Aus. Verrückt, genau so stelle ich mir das Paradies vor. Das würde mir in hundert Jahren nicht langweilig werden. Mein Körper wirkt so entfernt. Angenehmes Strömen durch mich durch. Das ist über-wirklich. Vor unsern Füßen ein paar Spatzen. „tschilp“, „kit“, „schick“, „kit-schig“, „tschilp“, „iggitt“, „iggitt“. Sie verjagt die Spatzen wieder ins Gebüsch als sie, in einer leichten Drehung, die Beine in meine Richtung bewegt. Stößt dabei ihr Glas um. Klirr. Ihr Gesicht ganz nah an meinem. Ein Hauch, Grenadine und Organgensaft, Glückseligkeit.


Plötzlich landet eine Krähe im Gesträuch und hackt nach einem der kleinen Federbälle: „Tschüüüülp“. „Tschüüüüüüüülp“.


Aaaaaaahahahahahahahahahahahahhhhhhhhhhhh.

Tüdüdüdüt. Tüdüdüdüt. Tüdüdüdüt. Klack.

Oh. Ich öffne vorsichtig ein Auge. Es ist hell.
Hell? Ein schöner Tag Ende April. Die Vöglein singen in den morgendlichen Straßenlärm.

Ich schlurfe ins Bad und drehe das kalte Wasser in der Dusche bis zum Anschlag auf und stell mich drunter, bis alles gleichmäßig taub wird und der Kopf zu schmerzen anfängt.
So geht`s. Schon besser. Ich spür` nichts mehr. Bin ganz kaltes Wasser. Innen-Außen-Abgleich erfolgreich. Stop. Dann der Punkt, wo die Wärme sich langsam wieder im Körper ausbreitet: das ist ganz ähnlich. Autsch. Strange, was so ein Gedächtnis ausgräbt: Grenadine und Organgensaft. Sonnenuntergänge in Gläsern? Frauen haben manchmal einen seltsamen Geschmack.

 

 

 
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