Alle paar Ewigkeiten gehe ich runter in den Keller, mit den kleinen Buchten der Mieter, um einige der Sachen zu holen, die ich dort aufbewahre, weil ich sie aus Kompromittierungsgründen nicht in der Wohnung haben will.
Neben diversen Elektroschrott, Papierkram und Haushaltsgerümpel hat sich im Laufe der Jahre auch eine ganz kapitale Kassetten und CD-Sammlung aus meiner postpubertären Punk- und Metalphase angehäuft. Außerdem, deswegen wollte ich mal wieder vorbei sehen, eine DDR Schallplatte meiner Eltern, auf der sich ein blödsinniges Lied befindet, was ich die Tage nicht aus dem Kopf gekriegt habe.
Nun gut, unten angekommen, kam es mir gleich komisch vor, denn das Vorhängeschloss war weg und die Tür nur angelehnt. Und zum ersten Mal fiel mir auf, dass alle anderen Kellerverschläge fettere Schlösser hatten als meiner und die Gittertüren zuweilen auch mit Pappe als Sichtschutz verkleidet sind, wohl um keine Begehrlichkeiten zu wecken. Wozu eigentlich? Schließlich kommen nur Mieter mit einem Hausschlüssel überhaupt durch die Tür zum Keller rein. Und wir haben eine 1a Blockwart-Oma im EG, der man begegnet, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man das Haus verlässt oder betritt. Der Großteil der Leute, die hier wohnen, kennen sich oder sind sogar in irgendeiner Weise in den Hausbetrieb eingebunden: Hausmeister, Maler, Klempner, „wenn mal was sein sollte“, und auf diverse Etagen verteilte Familien, die wahrscheinlich schon seit Generationen die Wohnung an Kinder und Kindeskinder weitergeben.
Egal, da steh` ich nun vor einer Unordnung, die sich vom letzten Zustand der beschränkten Räumlichkeiten doch wesentlich unterscheidet. Von dem für mich relevantem Zeug scheint nichts zu fehlen. Nur der vormalige Rest-Inhalt der mit „Elektroschrott“ beschrifteten Tüten liegt über den Boden verteilt.
Wurden die Einbrecher etwa durch die Cover der Deathmetal-Alben in die Flucht geschlagen? Hielten sie mich für einen gefährlichen Rechtsradikalen, weil sie die Punktitel falsch verstanden haben?
Hm. Ich war nun etwas verärgert, dass sie die hier zudem gebunkerten „Schätze“ zugunsten eines defekten Siemens-Handys, samt Zubehör und diversem anderen Müll trotz anscheinend eingehenden Durchwühlens konsequent außen vor ließen. Abgesehen davon ist noch eine Reihe veralteter aber brauchbarer Computerkram da, der nicht angerührt wurde.
Wenn es die Musik war, dann sicherlich irgendwas bei „D“. Das könnte passen. Jungejunge, mein eines Konzert-Bootleg und eine von allen sechs Mitgliedern handsignierte Promo-CD einer Band einfach liegengelassen. Was für Banausen. Die Platte, wegen der ich heruntergekommen bin, habe ich nicht mehr gefunden. Aber wenigsten einen Teil davon hatte ich früher schonmal auf CD gebrannt, zumindest die war in Sichtweite.
Der zweite wesentliche Gedanke befasste sich damit, wer, nachdem die Tür offen war, wohl noch so alles hier durch ist. Und ob ich für bleibende psychische Schäden dieser Personen aufkommen müsste. Aber die Überlegung verlor sich schnell während der Inventur („Was ist das, das habe ich ja schon ewig nicht mehr gehört. Haha.“).
Dann gute Nacht Blockwart-Omi. Auch Eulen brauchen ihren Schlaf, sonst werden sie nachlässig.
Gute Nacht, auf Wiederseh`n Marie. Gute Nacht, auf Wiederseh`n Marie...
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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