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Eine Motivation für Pornographie liegt in einem Ersatz für rein sexuellen Verkehr an sich. Spezieller: eher zur Unterstützung von Handlungen, die ohne Partner ausgeführt werden. Auch wenn es sich trivial anhört, möchte ich diesen Punkt zu Beginn hervorheben: Pornos werden vornehmlich im Rahmen von Masturbation konsumiert. Sie wollen keine Beziehungen ersetzen, können das auch gar nicht. Verstehen sich also nicht als Surrogat komplexerer Angelegenheiten.
Als sie begannen ein gesellschaftlich übliches Phänomen zu werden, waren sie mehrheitlich für den Einzelkonsum ausgelegt. Pornographie ist also von Haus aus keine Paartherapie. Und war es nie.
An sich möchte sie etwas sehr haptisches nur mit (audio-)visueller Stimulation erfahrbar machen, und muss deswegen mit Übersteigerungen, Übertreibungen und (dem Bruch von) Tabus arbeiten.
Auch geht es nicht darum, sich konkret in eine Schauspielerin oder einen Schauspieler zu verlieben, sondern diese erbringen die Darstellung eines konzentrierten aber gleichzeitig genug abstrakten Sexualaktes oder Phantasien eines solchen.
Pornographie war als Medium der Frustrierten bekannt. Frustration entsteht aus dem Mangel von Bedürfnisbefriedigung bzw. deren Gelegenheit.
Wenn ein Tier hungert, verstärkt es die Bestrebungen Nahrung zu finden. Es wird aggressiver, zeigt Abweichungen des sonst üblichen Suchverhaltens, intensiviert dieses. In diesem Umfeld ist folglich die Sättigung oder der Ausgleich ungleich martialischer als bei Artgenossen, die zu regelmäßiger und ausreichender Nahrungsaufnahme befähigt sind. Klar, das Bild hat natürlich nur begrenzte Gültigkeit. Der Mensch ist kein einfaches Tier. Ist nicht nur Tier. Als soziales Wesen sind die meisten Bedürfnisse darüber hinaus in weitem Sinn sublimierbar. Dennoch, was in realen Beziehungen in einem umfassenderen Kontext eingebettet ist und schon allein durch seine Realität ungleich mehr und komplexer befriedigt, kann und soll ein reines Sex-Surrogat gar nicht leisten.
Um es auf die medialen Umsetzungen zu münzen: Eine Romanze zum Ausgleich dieses Mangels würde das Gegenteil bewirken. Da sie den nicht ersetzbaren Mangel nur um so mehr heraushebt und zudem keinerlei Triebbefriedigung leistet. Und eine „Romanze mit angereicherter Sexualdarstellung“ hätte mehr von Voyeurismus, da die Schemen bereits weitestgehend ausgefüllt sind und es sich schon um konkrete Charaktere handelt. Dies steht dem sexuellen Grundwesen der Pornographie also entgegen. Man beobachtete sonst sozusagen Personen in einer Beziehung, anstatt eine eigene sexuelle Ersatzhandlung zu begehen (und diese mit Wahrnehmungs-„Bausteinen“ anzureichern).
Ich las vor geraumer Zeit einen brauchbaren TAZ Artikel[1], von einer Autorin, die aufgrund des Gesprächs mit ihrem Sohn über das Thema nachvollzogen hat, dass Männer diesen Unterschied zwischen solchen Darstellungen und dem Verhalten in realen Beziehungen (tendenziell) viel deutlicher und viel früher lernen als Frauen, bei denen dies möglicherweise nie der Fall ist und die sich deswegen davon umso mehr empört oder beleidigt fühlen. Weil Beziehung insgesamt und sexuelle Impulse für sie (tendenziell) weniger stark zu trennen sind.
Aus dem Obengenannten folgere ich, dass Pornographie zu einem großen Anteil von Frustration lebt. Und die übersteigerten Formen mit höherer Gewaltkomponente umso mehr.
Die Integration von Tabus löst umso stärkeren kurzfristigen Befriedigungseffekt aus. Das Überschreiten von Grenzen wird zunächst als Befreiung erlebt, die vom Rezipienten auf andere Weise über das Medium nicht erreicht werden kann.
Grob kategorisiere ich das Genre in zwei wesentliche Bereiche, den Teil der nervt und abschreckt, weil er das verfehlt oder zu sehr übertreibt, was als amüsant zu betrachten man fähig ist und dem größeren, der schlichtweg nur langweilt.
Wobei wir beim Feminismus und dessen Einfluss wären. In seiner Eigenschaft der Verleugnung und Verachtung gelebter männlicher Sexualität und Bedürfnisse hat er es gezielt auf Frustration abgesehen. Im Grunde genommen sind durch die spaltende Wirkung (zumindest zwischen Männern und Frauen) Feminismus und (gewalttätige) Pornographie ein sich gegenseitig förderndes Dream-Team. Auf der einen Seite wird die virtuelle Bedürfnisbefriedigung suggeriert, auf der anderen Seite die reale verhindert. Wobei das evtl. nichts zu bedeuten hat, der Feminismus übernimmt quasi nur die Rolle „verhindernder“ oder „hemmender“ Kräfte, wie sie in früheren Zeiten Kirche, Sittlichkeitskodex und das den guten Ruf schützenwollende Elternhaus übernommen haben.
Anstatt den Mann als Fressfeind der Frau zu stilisieren, sowie umgekehrt gleichzeitig die Verrohung männlicher Sexualität zu beklagen, wäre es angebrachter, realistischere Kompromisse zu diskutieren, welche den Bedürfnissen beider Geschlechter gerechter werden und ein Auskommen erleichtern. Dazu zählt auch ein entspannterer, weniger durch konstruierte (Anti-)Medien-Ideale und (Anti-)Fetische geprägter Umgang mit Sexualität. Hin zu reiner Erfahrung. Eine Geschlechter-Politik, die gemeinsame Erlebnisse möglich macht, anstatt zu spalten. Die Frauen Mut macht, statt, wie auch immer definierte, Männlichkeit angreift. Die mehr ist als verkappter Biologismus, der sich durch den gesteigerten „Selektionsdruck“ und der zelebrierten widersprüchlichen Anspruchshaltung des Feminismus auf den Mann genauso Bahn bricht, wie in der animalischen Rohheit der Pornographie für Frustrierte.
[1] Hab ich auf die schnelle nicht gefunden
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Vielleicht für Sie von Interesse: ein Leserartikel von redfox nebst m.M.n. sehr lesenswerter Diskussion zu '(Gewalt-)Porno und Vergewaltigung - Gedanken zur Studie von Christopher J. Ferguson und Richard D. Hartley' community.zeit.de/user/redfox27/beitrag/2009/06/01/gewaltporno-und-vergewaltigung-gedanken-zur-studie-von-christopher- und eine Idee zu Finanzierung und Vermarktung eines Erotikfilms www.zeit.de/kultur/film/2011-07/film-hotel-desire/komplettansicht
Bei gewalttätiger Pornografie stellt sich mir die Frage nach Konditionierung/-barkeit der Konsumenten, damit auch nach möglichen Auswirkungen auf die Art der zu zweit praktizierten Sexualität. Das soll's von meiner Seite aber auch gewesen sein - ich schreibe keine Kommentare, um sie gelöscht zu sehen. |
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Lieber Jan
ich finde Ihre Diskussionsansätze interessant und ich denke schon, dass ich Einiges dazu sagen könnte, weil ich viel darüber nachgedacht habe (nicht über Porno, versteht sich, sondern über die Irrungen und Wirrungen in menschlichen Verhältnissen). Aber wenn Sie es vorhaben, den Artikel zu löschen, verzichte ich darauf, mich zu äußern. Sorry. Das ist jetzt nicht böse gemeint. Ich möchte es einfach nicht. |
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@d.v.w.
Zitat: "Das soll's von meiner Seite aber auch gewesen sein - ich schreibe keine Kommentare, um sie gelöscht zu sehen." Deswegen schrieb ich die Notiz am Anfang. @Fahrenheit 451 Zitat: "Aber wenn Sie es vorhaben, den Artikel zu löschen, verzichte ich darauf, mich zu äußern." Ja, das war der Hintergrund der Bemerkung am Anfang. |
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schrieb am
22.07.2011 um 14:11
Lieber Jan,
Sie sollten meine Äußerung nicht als Erpressung und nicht als Versuch, meinen Willen zu diktieren, betrachten, denn so war es nicht gemeint. Ich wollte nur klar stellen, dass der Grund meiner Zurückhaltung nicht daran liegt, dass ich Ihr Artikel uninteressant gefunden hätte. |
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"Wobei wir beim Feminismus und dessen Einfluss wären. In seiner Eigenschaft der Verleugnung und Verachtung gelebter männlicher Sexualität und Bedürfnisse hat er es gezielt auf Frustration abgesehen. "
Meinen Sie wirklich? Meinen Sie im Ernst, der "Feminismus", so ein böser Schelm, hat es auf nichts anderes abgesehen als auf die Frustration? Da hier sowieso gelöscht wird: Sie haben einen Knall. Punkt. Sowas kommt davon, wenn Männer sich zu Ernst nehmen. Für den Rest Ihrer Weisheiten genügt ein kleines Binsenkörbchen. |
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Lieber Jan,
nur eine Bitte, lassen Sie den Blog hier stehen. Grüße |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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