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Blog von jmr

03.02.2009 | 18:20

Carl von Ossietzky über die FDP ... ähm DVP

Nach Kapp-Putsch und Ruhraufstand wählen die Deutschen am 6. Juni 1920 den ersten Reichstag der Weimarer Republik. Deutlicher Wahlgewinner ist die Deutsche Volkspartei (DVP). Sie kann ihren Stimmenanteil verdreifachen. Eine Woche später skizziert Carl von Ossietzky in der Berliner Volks-Zeitung die Partei und die Grundlagen ihres Erfolges. Im Hinblick auf die derzeitigen Wahlerfolge der FDP wirken seine Worte - auf mich - auch 89 Jahre später verblüffend aktuell.

"Nur die breitmäuligste aller Oppositionsgruppen, die Deutsche Volkspartei, ist frei von jedem geistigen Ballast. Sie lebt von der Hand in den Mund. Sie lebt von der kleinen spießerlichen Sehnsucht nach militärischem und monarchischem Tand, nach Paraden und glitzernden Kürassen. Sie lebt von dem Ärger an einer in vielen Stücken gewiß nicht immer weisen Steuermacherei. Lebt von dem Haß unsozialer Unternehmernaturen gegen das Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer, von der gesinnungstüchtigen Borniertheit gedunsener Bierbäuche, denen stets 'die janze Richtung nicht passt'."

"Die Deutsche Volkspartei [ist] keine Partei im landläufigen Sinne des Wortes [...], sondern nur die parteigewordene Sehnsucht einiger Personen nach einem Platz an der Krippe."

Läßt man die Sehnsucht nach Monarchie und Militär weg, so hat man - meiner Meinung nach - ein ziemlich präzises Porträt der FDP von heute vor sich. Nur kam sie in Hessen statt auf 13,9 % der abgegebenen Stimmen (Reichstagswahl 1920) auf 16,2 %. Und es finden sich - vermutlich auch anders als 1920 - auch unter den Wählern aus der Arbeiterschaft und den arbeitslosen Wählern 12 bzw. 13 Prozent, "denen die janze Richtung nicht passt." Ob sie nun Bierbäuche haben oder nicht, sei an dieser Stelle dahingestellt. 

Die Frage aber, weshalb diese Menschen aus dieser Meinung den Schluss ziehen die FDP zu wählen - die sei mir an dieser Stelle gegönnt.
 
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