Joachim Losehand

Blog von Joachim Losehand

27.03.2009 | 17:47

Das Zittern des Empörten

Empörung gehört zur politischen Kultur unserer Tage. Kaum eine Woche vergeht, daß nicht die Wellen der verbalen Entrüstung hochschlagen. Nun leben wir – im sechsten Schöpfungstag gleichsam gefangen–, wie Paulus von Tarsus in seinem Brief an die christliche Gemeinde in Rom formulierte (8,22), in einer Welt, die „unter Geburtswehen ächzt und stöhnt“. Mensch und Welt sind alles andere als perfekt. „Wenn das die beste aller Welten ist,“ fragte Voltaire mit spitzem Blick auf Gottfried Leibniz, „wie sind dann bloß die anderen?“.

Ob rehabilitierte Piusbrüder, Antisemitismus, Kinderpornographie, christliche Kondomverweigerung: die gruppendynamische Affirmation durch Empörung, die Duftmarke der Gerechten, das gegenseitige Schulterklopfen der Aufrechten folgt unmittelbar auf dem Fuße. Pressekonferenzen werden einberufen, mediengerechte Stellungnahmen verbreitet, Entschuldigungen eingefordert, zu Rücktrittsgesuchen wird eingeladen. Und jeder Diskussionsbetrag beginnt natürlich formelhaft mit der Versicherung, man selbst sei natürlich genauso „hoch empört“ und „tief betroffen“.

Eine feste Größe in dieser ritualisierten Auseinandersetzung innerhalb der politischen Kaste Deutschlands ist der Zentralrat der Juden. Kaum eine Organisation hält ihr Instrumentarium von Empörung und Entrüstung durch stetes Üben so gut in Schuß, keine Gelegenheit zu einem kleinen Standkonzert, die unbeachtet und unbenutzt bleibt. Den Luftraum der Deutungshoheit läßt sich der Zentralrat von niemandem streitig machen. Seiner Sensibilität haben wir unter anderem zu verdanken, daß eine der ethischen Grundforderung der antiken stoischen Philosophie – suum cuique – regionalen Käseblättern und intellektuell Unbedarften nun als „Nazi-Slogan“ gilt.[1] Wer auch immer dafür verantwortlich war, daß in die Tore des Lagers Buchenwald dieser Gerechtigkeits-Grundsatz verdreht und mit menschenverachtender Häme eingeschmiedet worden war – er wird sich bösartig kichernd die Hände reiben. Was den einen als „unsägliche Unkenntnis der eigenen Geschichte“ ist, ist den anderen die unsägliche Macht des nationalsozialistischen Terrorregimes und seiner Ideologen, die es bis heute schafft, Begriffe in voller Kenntnis der Menschheitsgeschichte parasitär sich einzuverleiben, zu assimilieren und umzudeuten.

Wie ich überhaupt darauf komme? Bei meiner täglichen Presseschau, die hier in der Diaspora mangels Kaffeehäusern am heimischen Frühstückstisch stattfindet, fand ich in der heutigen „Frankfurter Allgemeinen“ (faz.net) zwei Meldungen, die räumlich und inhaltlich miteinander zu tun haben: a) Der Presserat habe, so wird berichtet, einen FAZ-Artikel nicht beanstandet, der zum Protest des Zentralrats anläßlich der Verwendung des Begriffs „Pogromstimmung“ durch Christian Wulff gegenüber dem Journalisten Michel Friedmann erschien.[2] Der Ministerpräsident Niedersachens hatte seine Sorge über die allgemeine Wut auf die leitenden Angestellten von Finanzinstituten geäußert: die bis dato beobachtbaren Reaktionen auf die offensichtliche Verantwortungslosigkeit würden eine „’Pogromstimmung’ verbreiten“. Der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan J. Kramer, hatte mit soignierter Feinfühligkeit reagiert und sich im Fall Wulffs gefragt, „wie viele Sicherungen“ bei dem Politiker „durchgebrannt sein müssen“, ausgerechnet gegenüber – dem für seine hilfsbedürftige Wehrlosigkeit bekannten – Michel Friedmann einen solchen Vergleich anzustellen. Das war vor einigen Monaten.

In der heutigen (Internet-)Ausgabe der FAZ lesen wir – einen Artikel weiter unten –über die „Wut über die Wirtschaftskrise: Die Hatz auf die Schlipsträger“[3] und zeitgleich berichtet die „Süddeutsche“ kritisch über „Die blindwütige Verdammnis aller Anzugträger“[4]. „(Blinde) Wut“, „Verdammnis“, „Hatz“ – sind das nicht die Ingredienzien für, ja: „pogrom“artige Zustände? Wie anders sollten Betroffene eine Lage einschätzen, in der sich Menschen vor ihren Privathäusern zusammenrotten, Scheiben eingeworfen werden und sie Briefe erhalten, in denen ihnen das Schicksal angedroht wird, mittels Klaviersaiten aufgehängt zu werden?

Nun wird man mit Recht einwenden, daß ein kultivierter Mensch kaum ein Pianoforte, auf dem er Bachs Inventionen und Mozarts Sonaten spielt, ausweiden und zu einem solchen Zweck mißbrauchen würde; in der Wahl der Mittel offenbart der Briefschreiber seine soziale Herkunft. Genau das ist das Wesen und die Wirkung des Pogroms: blinder und zerstörerischer „Volks“zorn, der sich seine Schneise der Verwüstung von Werten – und Wertgegenständen – seine Bahn schlägt. Mit der intelligent handwerklich umgesetzte Kapitalismuskritik der jungen bildungsbürgerlichen Anarchisten im Film „Die fetten Jahre sind vorbei“ haben diese Krawall- und Lynchjustizdrohungen gegen Wirtschaftslenker nichts zu tun. Die Krise ist, so meinen Fachleute, in Deutschland noch nicht in allen Konsequenzen und Auswirkungen spürbar. Gewalttätige Selbstjustiz gegen die im Feindbild „Heuschrecken“ dingfest gemachten leitenden Angestellten des Wirtschafts- und Finanzsektors empfinden wir als Handlungsoption der Krisenverlierer von der Straße undenkbar und abwegig. Wie schnell sich das Blatt wenden kann, zeigen jedoch gerade die Pogrome der Vergangenheit.

Zweifelsohne wird in unserem historischen Bewußtsein der russische Begriff „Pogrom“ (Zerstörung, Verwüstung) besonders mit gewaltsamen Ausschreitungen gegen jüdische Mitmenschen seit der Antike verbunden. Doch ist das Judentum nicht die einzige religiöse oder ethnische Minderheit, die Zielscheibe tatsächlich spontaner Ausschreitungen und eruptiv ablaufender Verfolgung war. Und bei nur wenigen Verfolgungen jüdischer Gemeinden in hellenistischen und später mittelalterlichen Städten lassen sich Planung und Lenkung nachweisen wie im 20. Jahrhundert in der notorischen „Reichskristallnacht“.

Daß die Zivilisation den Menschen von seiner rasenden Tollwut per invasivem Eingriff befreit hätte, ist ein Irrtum. Wir dürfen uns nicht in beruhigender Sicherheit wiegen, daß das 21. Jahrhundert uns Europäer nur als rationale und behutsam-zurückhaltende Mitmenschen erleben wird. Die große Depression zwischen den Weltkriegen im 20. Jahrhundert hat ihren Teil zu der Mär von der „kapitalistisch-jüdischen Weltverschwörung“ hinzugetan, schwindender Wohlstand hat immer die Verfolgungen von Minderheiten, von vermeintlichen Schuldigen begünstigt. Die Mißernten zu Beginn der Neuzeit haben die Hexenverfolgungen eingeleitet, der Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland ist auch eng mit der wirtschaftlichen Lage des Reiches in den 1920er und 1930er Jahren verknüpft. Auch bei Pogromen gegen jüdische Gemeinden in der Antike und im Mittelalter war der Neid ein besonders starker Motor, was wir an den begleitenden Bereicherungen durch Nicht-Juden, Forderungen nach Schutzzahlungen der jüdischen Gemeinden ablesen können.

Es gehört unbestreitbar zu den wichtigen Aufgaben des Zentralrats der Juden, auf jede antisemitistische Strömung und Intoleranz hinzuweisen und für Toleranz zu sensibilisieren. Doch gerade dieser Aufgabe wird die größte Vertretung jüdischer Gemeinden in Deutschland in diesem modus agendi nicht gerecht, es ist zu befürchten, daß sie vielmehr das Gegenteil erreicht: statt zu sensibilisieren, desensibilisiert sie. Mit dem reflexhaften verbalen Getöse, das eine Ungeheuerlichkeit von der nächsten ablösen läßt, stumpft sie ab für die wirklichen und grundlegenden Probleme, die Öffentlichkeit wird taub und wendet sich mit einem Schulterzucken anderem zu. Wer ständig „Feuer!“ ruft, den nimmt man nicht mehr ernst, wenn es wirklich brennt. Die wichtige Aufgabe des Zentralrats der Juden wie auch der Vertreter aller gesellschaftlicher Gruppen verlangt einen verantwortungsvollen Umgang mit der ihnen anvertrauten Position.

Die unablässige Einforderung von Toleranz und Sensibilität für Minderheiten und Andersdenkende in unserer Gesellschaft darf nicht in einem ritualisierten und mechanischen Responsorium von Empörung und Entschuldigung erstarren und sich damit erschöpfen. Ein wacher Geist kennt auch die „Unterscheidung“ (discretio), setzt Akzente in der Wahl seiner Mittel. Es mag im November 2008 übertrieben gewirkt haben oder gewesen sein, von der Verbreitung einer „Pogromstimmung“ zu reden; daß in manchen Kreisen eine solche Stimmung heute jedoch verbreitet ist und sich artikuliert, dürfte inzwischen offensichtlich sein. Gegen die gesellschaftliche Destabilisierung und damit in Folge gegen Intoleranz im Vorfeld klug zu wirken, muß gemeinsames Streben aller Kräfte in diesem Land und in Europa sein.

 

 

[1] http://derstandard.at/?url=/?id=1234509258658%26sap=2%26_pid=12357166
[2] http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EC1D30723BD44472EB1D14EBAD0A19F75~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[3] Die blindwütige Verdammnis aller Anzugträger
(http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/wirtschaft/512/463124/text/)
Wut über die Wirtschaftskrise: Die Hatz auf die Schlipsträger
http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~EAE26656B07754E4890F35F5EDD398021~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 


 

 
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Kommentare
Magda schrieb am 27.03.2009 um 20:34
" da sah mich die Prinzessin lange an. Und sprach: »Einen weltbefohrnen dschungen Mann --!" (Kurt Tucholsky, Schloss Gripsholm) Aber im Ernst. Du machst Dir Mühe um ewas, das den meisten Leuten schon ziemlich klar ist. Zu Deinen Aufzählungen müsste etwas Eigenes hinzukömmen. Aber nicht sowas: "Gegen die gesellschaftliche Destabilisierung und damit in Folge gegen Intoleranz im Vorfeld klug zu wirken, muß gemeinsames Streben aller Kräfte in diesem Land und in Europa sein." .Um Himmelswillen, das meine ich damit aber nicht. Das liest sich wie eine leitartikelnde moralisierende Schlussapotheke (pardon: Apotheose). Warum hast Du das geschrieben? Marc Beise von der Süddeutschen ist kein gutes Beispiel, um mal einen Link zu bewerten, den Du hier aufgeführt hast. Glaube mir, ich will Dich nicht ärgern. Nur etwas einwenden . Gruß Magda
Magda schrieb am 27.03.2009 um 20:46
Jetzt muss ich mich selbst kommentieren: "Die wichtige Aufgabe des Zentralrats der Juden wie auch der Vertreter aller gesellschaftlicher Gruppen verlangt einen verantwortungsvollen Umgang mit der ihnen anvertrauten Position. " Das ist unpassend. Das muss man schon dem Zentralrat überlassen und was heißt eigentlich der ihnen anvertrauten Position? Sie sind gewählt. Nebenher: Ich habe seit einem Besuch im KZ Buchenwald schon als Kind diesen Spruch "Jedem das Seine" nicht verwendet. Es ist wohl doch eine Frage der politischen Position, wie man so etwas erlebt und einordnet.
Joachim Losehand schrieb am 28.03.2009 um 00:09
Du hast schon recht: "Gegen die gesellschaftliche ..." so könnte ich vielleicht am Sonntag reden, aber sollte nicht unbedingt im Freitag bloggen. Ziemlich viele Noten und ziemlich schmetternde Dur-Akkorde in der Coda. Inhaltlich aber laß' ich keinen Faden Leine: Wirtschaftlich schlechte Zeiten sind politisch gute Zeiten für radikale Kräfte von allen Seiten. Und daß sich etablierte und staatstragende Kräfte untereinander einen Begriffsringelpietz leisten zu können glauben, stimmt mich nicht gerade heiter. Denn natürlich erfüllt der ZR eine über die reine Interessensvertretung der in ihm organisierten jüdischen Gemeinden hinausgehende Funktion, wie auch andere Vertreter und Verbände sozialer und religiöser Gruppen im Staat. Ich registriere mit Besorgnis (aber nicht Empörung), daß die gesellschaftliche "Elite", also jene, die am Rednerpult stehen und in Gremien sitzen, in einem hohen Maße sich in einem öffentlichen Ritual verfangen haben, das - aus Sicht derer, die sie eigentlich zu vertreten und zu lenken den Auftrag haben - nur noch Kopfschütteln hervorruft. Sie demontieren ihre Glaubwürdigkeit und ernten Verdossenheit und Gleichgültigkeit. Gerade in Krisenzeiten kein gutes Klima. Genauso, wie ich "meinen" Bischöfen ankreide, öffentlich mehr über Sexualmoral als über Handlungsethik gesprochen und gepredigt zu haben, obwohl gerade die christliche Soziallehre (wie sie besonders unter Johannes Paul II. weiterentwickelt wurde) jene Verantwortung einfordert, die die letzten anderthalb Jahrzehnte die Teilnehmer unseres Wirtschaftssystems und die Befürworter der Globalisierung massiv haben vermissen lassen, genauso erwarte ich vom Zentralrat, daß er diese hyperventilierende Erregbarkeit, dieses Anbellen jeder flackernden Straßenlaterne kritisch auf den Prüfstand stellt. Ich meine nicht, daß es allein eine Frage der politischen Position ist, wie Begriffe besetzt werden, sondern vor allem eine Generationenfrage. Für mich markiert "suum cuique" zuerst einen antiken philosophischen Grundsatz, durch welchen Zufall oder welche Absicht der auf das Tor von Buchenwald gekommen ist, ist sekundär und ein Mißbrauch dieser alten und im Kern nach wie vor wirksamen philosophischen Position. Toleranz ist zunächst keine ethische Forderung, sondern ein Habitus, eine Haltung, die sich in Wort und Handlung äußert. Toleranz will nicht gefordert, sondern gelebt sein. Mit wortklingelnden Apellen - wie Du den meinen zu Recht kritisiert hast - sind wir bis über beide Ohren bedient.
Magda schrieb am 28.03.2009 um 18:00
Hallo Joachim Losehand ,
freundlich, dass Du es so nimmst, denn das ist ja wirklich eine persönliche Stilfrage.

Du schreibst:
"Wirtschaftlich schlechte Zeiten sind politisch gute Zeiten für radikale Kräfte von allen Seiten."
(Gerade fällt mir auf, dass das ja auch noch gedichtet ist)

Ja, und nun? Manchmal müssen auch Dinge radikal angegangen werden. So sehr einen auch die Ereignisse beunruhigen, manchmal geht es eben nicht darum, Ruhe zu bewahren.

Mich erstaunt viel eher, dass die Leute noch so ruhig sind. Ich bin manchmal dermaßen aufgebracht über den Hochmut der Politiker in diesem Lande, über die unglaubliche Arroganz der Macht. Ich kriege durchaus radikale Neigungen, wäre ich jünger, ich weiß nicht...
Das sehe ich als einen Ringelpietz der Eliten und weniger die Verbandspolitik in verschiedenen Gremien.

Du schreibst "daß er diese hyperventilierende Erregbarkeit, dieses Anbellen jeder flackernden Straßenlaterne kritisch auf den Prüfstand stellt."

Die Aufregungsattitüde des ZR gehört für mich nicht zu den Erscheinungen, die mich aufregen. Ich denke manchmal, das ist eher ein begründbarer Reflex und weniger ein Ritual.
Sicher, auch ich finde, soweit ich das beobachte, dass es gute und weniger glückliche Interventionen gibt und ich kann einige, die intervenieren persönlich nicht ausstehen. Aber ich empöre mich da weniger.
Dass der ZR manchmal hyperwachsam ist und manchmal auch wachsam fürs Publikum - bitteschön. Das ist nun mal so. Wir habens angefangen.

Du schreibst: "Genauso, wie ich "meinen" Bischöfen ankreide, öffentlich mehr über Sexualmoral als über Handlungsethik gesprochen und gepredigt zu haben,"

Nicht "genauso", Du hast den ZR als Beispiel für eine ungerechtfertigite Empörungsrhetorik verwendet, nicht die Bischöfe. Warum eigentlich - rein rhetorische Frage.

Magda
Streifzug schrieb am 29.03.2009 um 13:02
Magda schreibt: "Ich kriege durchaus radikale Neigungen, wäre ich jünger, ich weiß nicht..."

Nun frage ich dich: Wenn nicht die Alten wer dann?

Nicht ohne Grund wurde und wird Demokratie ohne wehrhaften Bürger als Farce beschrieben. Wehrlos degeneriert sie zum Opfer jeglicher offener oder versteckter unsozialer Herrschaft der Wenigen. Hier gilt es den liberalen, freien, wehrhaften Bürger auf der einen Seite zu unterscheiden von denen die das jeweilige System mobilisiert um seine Macht zu sichern: den durch sie bewaffneten Pöbel. So gesehen ist die auch Privatisierung des Militärischen gleichzeitig Entdemokratisierung.

Der anscheinende Gewaltverzicht als Vernunftbeweis ist vordergründig und scheinheilig. Einerseits findet nach innen massiver indirekter Gewalteinsatz durch immer unsozialere Politik statt. Andererseits werden außerhalb (in anderen Ländern) ohne Skrupel hunderttausende unschuldige Kinder und Zivilisten ermordet, wenn es dem eigenen Vorteil dient.

Der wehrhafte, freie und liberale (in seiner positiven Bedeutung) Bürger ist der Schrecken des neoliberalen Staates. Manch krude, hilflose, oft massiv verdrehte auch linke Worthülse ohne jegliche Wirkung ist das Ergebnis von Ohnmacht. Ein solch nur schwatzhafter Gegner erscheint als hilfloser Kasper und wird verhöhnt.

Daher nochmal die Frage: Wenn nicht die Alten wer dann?

Was haben sie zu verlieren. Gerade sie können, ja müssten dem momentan erfolgenden Angriff auf die Demokratie entgegentreten. Der vormals kritischen Generation (Aufarbeitung der Vergangenheit) wird es noch in den Ohren klingeln, wenn ihre Enkel sie in mal fragen: Habt ihr nichts davon gewusst oder mitbekommen? Warum habt ihr nichts dagegen unternommen?
Joachim Losehand schrieb am 30.03.2009 um 10:27
Hallo Magda,

ich laufe ja nicht den ganzen Tag herum und rege mich darüber auf, daß sich andere aufregen. Auch wenn es gegen einen niedrigen Blutdruck helfen soll. Da beide Nachrichten in der FAZ - über die Entscheidung des Presserats im Nachgang zum Wulff-Aufreger und die zunehmend radikalisierte Stimmung gegen Bankangestellte - zufällig gleich beieinander standen und so in mein Blickfeld gerieten, bot sich das an. Wegen der Dämonifizierung des "suum cuique" hatt' ich eh' noch "ein Sträußlein zu fechten".

Daß die Menschen hier in Deutschland die Wirtschaftskrise so gelassen hinnehmen, liegt daran, daß sie sie schlicht nicht zu spüren scheinen. Gekauft wird ohne Zögern, bei der Bahn wird die 1. Klasse zu Ferienbeginn von vielen Familien frequentiert. Im Grunde wurde ja "nur" Buchgeld vernichtet, virtuelles Geld, also gibt's auch nur eine virtuelle Krise, aus der man unbeschadet aussteigen kann, wenn das Spiel langweilt. "Vernünftig" oder ein "Beweis für die Vernunft" (Aufklärung! Ha!) der Menschen ist das natürlich nicht. Eher die Reaktion des Kaspar Schlich aus "Plisch und Plum": "Das ist freilich ärgerlich, Hehe! aber nicht für mich!"
Joachim Losehand
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