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Das Attribut des Heiligen Sebastian ist nicht der grobknorrige Knüppel, sondern der sirrendschlanke Pfeil. Die Darstellungen des Märtyrers bilden zumeist einen nur mit Lendenschurz bekleideten und von Pfeilen durchbohrten Jüngling in leicht gelangweilter Pose ab, die Augen enerviert zum Himmel gewendet, als würde er denken „Mein Gott, was schießt ihr schlecht!“ Denn entweder aufgrund nachlässig-lustloser Dienstauffassung oder gefällig-lustvoller Empathie für den hübschen Gardeoffizier schoß das Exekutionskommando nur eine Handvoll Pfeile auf den wegen Majestätsvergehen zum Tode Verurteilten ab und machte ohne viel Aufhebens Feierabend, ohne nachzuprüfen, ob der Delinquent auch verstorben war. Benozzo Gozzoli (ca. 1421-1497) zeigt in seiner Version der Hinrichtung (von 1465) den von auf einem Podest stehenden Sebastian und um ihn herum in unmittelbarer Nähe die Bogenschützen. Es bleibt für den Betrachter ein zu Spekulationen einladendes Rätsel, wie jene auf eine solch kurze Entfernung nicht tödlich treffen konnten.
So der Todesstrafe entgangen, wurde er von einer Witwe wieder gesund gepflegt. Anstelle nun unterzutauchen, die Witwe zu heiraten und Kohl pflanzen zu gehen (aller planter les choux), ging er stattdessen an die Öffentlichkeit und hielt Brandreden gegen die Religionspolitik der Tetrarchen. Diesmal erledigten die Ordnungskräfte ihre Aufgabe gründlicher und knüppelten ohne viel Federlesens alles Leben aus dem Aufrührer. Wäre Sebastian nicht so unklug gewesen, hätte er aus seiner Rettung die richtigen Schlüsse gezogen, hätten sich sicherlich bald Legenden um das Verschwinden des Leichnams gebildet, wäre es wohl als „Entrückung“, gar vielleicht als Himmelfahrt gedeutet worden. [3] Nur die spätere verklärende Ikonographie verhindert bis heute, Sebastian nicht als erfahrungsresistenten Eiferer mit unrühmlichen Ende, sondern als ätherischen Intellektuellen mit zu Höherem gewendetem Antlitz zu kennen.
Adam Soboczynski ist nicht so unklug wie jener Sebastian, denn Adam Soboczynski wird, so wir seine Beitrag in der ZEIT vom 20. Mai 2009 [1] als persönliches Versprechen werten dürfen, abtauchen. Er wirft den Büttel hin wie weiland Friedrich August III. von Sachsen, einem wahrhaft Intellektuellen vor dem Herrn und taucht unter in die Randzonen und Tiefen des mare digitale. Seine Sehnsucht nach der Abgeschiedenheit von Schloß Monrepos, einer kastalischen Existenz und tusculanischen Zurückgezogenheit ist verständlich. Denn nichts wirkt auf einen selbsternannten einsamen Rufer in der Wüste so verstörend wie eine Antwort.
Der Intellektuelle vom Schlage Adam Soboczynskis möchte in Frage stellen, nicht selbst infrage gestellt werden. Anregende hochgeistige disputationes unter Angehörigen des Geistesadels am wärmenden Kaminfeuer, nicht Kritik, sondern zurückhaltend vorgebrachte Anmerkungen unter Gleichen („peers“) sind es, die seinen Diskurs am Leben erhalten, weil sie seine Kreise nicht stören.
Den Brosamen, die nach den symposiastischen Agonen der gelahrten Elite auf die Straße gekehrt und als „gegenwartsanalytische Feuilletonstücke“ der Öffentlichkeit wohlweißlich schonend, weil nicht „widerstandslos verdaubar“, in der Presse zugänglich gemacht werden, muß jene achtungsheischende Autorität gezollt werden, die sie zudem auf die „Zeitung als Ganzes“ ausstrahlen. Wer in Deutschland den Beruf des Intellektuellen ergriffen hatte, konnte bislang sicher sein, daß er qua Initiation durch Promotion zuerst an der Autorität der Zunft partizipierte und schließlich, sofern er nicht sich auf den geborgten Lorbeeren auszuruhen gedachte, viele wortakrobatische Kunststücke später selbst zur Autorität wurde und mit huldreicher Hand Wortspenden in Feuilletons verteilte. Durch den begrenzten Platz, den sachliche Zwänge den Leserbriefen in der gedruckten Zeitung einräumten, wurden die per Briefpost einlangenden Reaktionen auf die feinsinnigen und wohlkomponierten Verschriftlichungen intellektueller Eingebungen gefiltert und untermauerten affirmativ vielmehr jene Autorität, als daß sie sie kritisch unterspülten.
Mit dem Web brachen aber alle Dämme, giftig schäumend und gurgelnd überschwemmen schmutzige Wasser, auf deren Kamm die Narren und Piraten in ihren kleinen wendigen Booten reiten, die Ebenen, die saftigen immergrünen „g’mahten Wiesen“ selbstreferenzieller Intellektualität mit normativem Auftritt. Das Wort des deutschen Intellektuellen wird nicht mehr dankbar angenommen, wie Brot vom Himmel, das alle Erquickung in sich birgt, sondern burschikos als „akademisch anmutende Wortakrobatik“ verschmäht. „Nicht den Hauch einer Berechtigung hat die Hoffnung, noch auf Leser zu stoßen, die – vielleicht gar leicht verschämt – Unverstandenes als Antrieb begreifen, ihre Bildungs- und Konzentrationsdefizite zu beheben“ klagt Adam Soboczynski in enttäuschter Bitternis. Warum hat er eigentlich studiert, wurde promoviert, ist emporgekommen und konnte als Gleicher unter Gleichen in den elitären Olymp der ZEIT vorstoßen? Wenn dann Leute wie Ralph von Mühldorfer, sich hinter „technokratischen Verschlüsselungen“ verschanzend („muehl500“) und ihre „Bildungs- und Konzentrationsdefizite“ ignorierend („Gnothi Seauton!“ möchte man ihnen zurufen), unlektoriert ihr Mitteilungsbedürfnis stillen und eine hintergründige Rezension voller Esprit und Wortwitz [2] aus der Feder des laureatus als „seelenlos und gefühlsarm“ abtun dürfen?
Wahrhaftig: „Tödlich wäre es für den Intellektuellen, einzustimmen in den Lobgesang einer bunten Welt von Teilöffentlichkeiten, die eine bislang klar strukturierte, von Institutionen gefilterte Öffentlichkeit ersetzt.“ Denn schamlos und respektlos sind die Menschen, die Menschen wie Adam Soboczynski keineswegs als „störrischen, nicht restlos absorbierbaren Intellektuellen, der sich einst seines Einzelgängertums rühmen durfte“ mit ehrerbietiger Zurückhaltung begegnen, sondern stattdessen ihre geisttötenden Pfeile auf ihn abfeuern. Nicht einmal jene ob ihrer Filterfunktion gerühmten Institutionen, wie eine Leserbriefredaktion bieten dem Unverstandenen und der vulgären Meute ausgelieferten deutschen Intellektuellen mehr Schutz. Mit reißerischen, erst im Zeitalter des Web von den bislang vornehm zurückhaltend agierenden Printmedien eingeführten Artikelüberschriften wie „Das Netz als Feind“ prostituieren sie den Autor und sein dem Ewigen abgerungenes Feuilletonstück als einzeln an der Datenautobahn positionierte „Klickhure“. Da steht er nun wie ein übergossener Pudel am Rand mit seiner schwachen Minderheitenmeinung und wird unter dem Gegröle vorbeirauschender Mantafahrer mit leeren Bierdosen beworfen.
Man hält bei der Lektüre von Adam Soboczynskis neuestem ZEIT-Artikel unwillkürlich die Luft an bei so viel Selbstbeweihräucherung, Selbstmitleid, Selbstimmunisierung und Selbstüberschätzung. Man muß den Autor aber gerechterweise von Schuld freisprechen, denn er kann nicht anders, er hat es nicht anders gelernt. Denn besonders in deutschen wissenschaftlichen communities, in den deutschen Clubs der Intellektuellen wird dem Nachwuchs beigebracht, vorgelebt und vor-geschrieben, welchen Habitus’ und welchen Stils sich der (zukünftige) Intellektuelle geflissentlich zu befleißigen hat. Unermüdlich wird an Universitäten eingeübt, wie man über eigentlich Einfaches möglichst kompliziert, über eigentlich Interessantes möglichst uninteressant schreibt. Am wissenschaftlichen Text wird solange gefeilt, bis er die Wirkung eines rezeptfreien Schlafmittels entfaltet; der feuilletonistische Text wird solange bearbeitet, bis ihn auch der bissigste Kritiker nicht mehr kritisieren wird, weil er sich nie sicher sein kann, ob er die darin mäandernden Gedankengänge und funkelnden fachterminologischen Aperçus vielleicht nicht verstanden hat. Unverständlichkeit und Störrigkeit wird als auszeichnendes Wahrzeichen eines intellektuellen Textes verstanden, der nicht notwendigerweise intelligent sein muß, aber in diesem Gewande auftritt und behängt ist mit Fremdwörtern wie die barocke Dalmatik eines Diakons mit Quasten und Troddeln.
Soboczynski mißversteht die philosophische und kulturhistorische Reflexion über „den Intellektuellen“ wie die meisten seiner deutschen „geistesaristokratischen“ Kolleginnen und Kollegen als Arbeitsplatzbeschreibung. Was ihm – um es intellektuell einfach zu formulieren: Bedingung der Möglichkeit von Wirklichkeit intellektueller Existenz ist, deren postulierte Homogenität in dem Verdikt „Wer nicht für mich ist, ist gegen uns“ zum Ausdruck kommt, ist nichts anderes als der feuchte Traum eines Gerontius, der sich aus den schutzlosen höllischen Niederungen der banalen Gemeinschaftsduseligkeit in die verklärten Höhen eines armierten und wärmenden Solipsismus flieht.
Genauso wie der studentische Klugscheißer das genervte Füßescharren und hörbare Ausatmen der Kommilitonen in Hauptseminaren als innerliche Anerkennung durch äußere Ablehnung wahrnimmt, rezipiert Adam Soboczynski die Buhrufe von den seiner Meinung nach billigen Plätzen als Ausdruck von Neid und Mißgunst „der Amateure“. Denn wie anders als ein ungebührliches, weil den eigenen Stand mißachtendes Aufbegehren dem Doktor Soboczynski gegenüber können wir es verstehen, wenn seine „Artikel, die sich der Kunst filigraner Beurteilung und Unterscheidung, der gewagten Infragestellung von Sachverhalten widmen“, lärmend niedergemacht werden? Movens ist da natürlich der Neid der sich krümmenden Zukurzgekommenen, die ihr Mitteilungsbedürfnis nur unter „ferner liefen“ im „Wurmfortsatz“ der Kommentare befriedigen können. Das würde Doktor Soboczynski ja auch mächtig wurmen. Da er aber an der richtigen Stelle in der feudalistischen Geistesrepublik steht, kann er sich selbst im verklärten Bild des Intellektuellen ein Denkmal in einen akademischen Garten setzen, aus dem er das Volk draußen hält, weil es ja eh’ nur einfältige Witze darüber reißen würde.
„The Portrait of an highbrow as narrow-minded“, das Adam Soboczynski von sich und seiner deutschen Zunft so unerwartet ehrlich und trefflich zeichnet, erinnert mich an jene Karrikatur aus der Serie „The British Charakter“ des Zeichners Pont aus den 1930er Jahren: „This new play at the stage house has no smile in it“ ist eine Szene unterschrieben, die ein über das ganze Gesicht grinsendes und fröhliches Publikum zeigt, in deren Mitte ein ernster Mann mit verschlossener Miene sitzt. Ist er der „Störenfried des Konsenses“, ein „Vermittler von Wissensbeständen“, gar „Korrektiv des Staats“, welcher ungewollt aber nicht unerwartet zur Zielscheibe kleingeistiger Mediokrität wird?
Muß man als Intellektueller um seine Existenz und Identität als Intellektueller fürchten und – um nicht auch noch schlußendlich niedergeknüppelt zu werden – sich mit Kassandrarufen in eine „splendid isolation“ geschlossener Benutzergruppen und Internetforen zurückziehen, wo man sein empfindsames Selbst und seine brassicae kultivieren kann – fernab vom Wellengetose, das nur noch als Hintergrundrauschen wahrnehmbar ist?
Grundlose Arroganz gibt nicht nur der Lächerlichkeit Preis, sondern ist in diesem Fall auch höchst ärgerlich. Denn einerseits zementiert man so den Eindruck vom deutschen Intellektuellen als verschwurbelten Blender und ins Leere aufschießenden Feuerwerkskörper. Andererseits werden so alle diskreditiert, die sich ernsthaft und vorurteilsfrei dem neuen Medium nähern wollen und, an wirklichem Verständnis interessiert, zu einer kritischen Sicht mancher Entwicklung beitragen. Mancher der von der ZEIT und anderen Instituten verbeamteten Intellektuellen meint, weil er die vielen rauchgeschwärzten Masken in seinem Atrium geerbt habe, mache ihn das zu einem „homo nobilis“, der geringschätzig auf die „homines novi“ des Internets herabblicken kann, Denn zwar spricht er in der dritten Person, aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß er niemand anderes als sich selbst meint.
Und so ist der vermeintlich objektive „gegenwartsanalytische“ Schwanengesang auf den Intellektuellen nichts weiter als eine subjektive nörgelnde Bestandaufnahme eines in seiner eigenen Selbstvergewisserung unterbrochenen Geistes, der sich selbst die Rettungsringe existenzverteidigender Verklärung zuwirft, auch wenn er in einem abschließenden lichten Moment seine eigene Zukunft prophezeit. Denn heute zumindest können wir den Intellektuellen seines Schlages noch wenigstens in seiner Bedeutungslosigkeit wahrnehmen. Morgen schon werden seine sorgsam durch Legenden verklärte Spur, die keine war, jedoch die Wellen glätten.
[1] www.zeit.de/2009/22/Der-Intellektuelle?page=all
[2] www.zeit.de/2009/15/S-Sloterdijk?page=all
[3] Update 24.05.09: Es gibt nichts, was es nicht gibt: Auch die Verklärung bzw. Verherrlichung des Hl. Sebastian findet sich in der bildenden religiösen Kunst, so auf (Seite-)Altarblättern in der Pfarrkirche Sindelburg (1781, zus. mit den Hll. Rosalia und Rochus), St. Martin in Lengenfeld (irgendwann um 1700) und auf einem Deckenfresko im südl. Seitenschiff von St. Mauritius in Niederalteich (1719-1722). [There's always one more bug ...]
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Lieber JL!
Danke für diesen großartigen Blog! Morgen im Tagesspiegel bin ich auf der Medienseite genau der gleichen Meinung. Viele Grüße, Ihr JA |
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Lieber Joachim Losehand;
Danke und: Genau! Auch hier im Freitag find ich leider immer wieder Blogger, die meinen, Intelligenz und Intellektualität seien das Gleiche, bzw. nur wer sich kompliziert ausdrückt, stellt auch seine Intelligenz unter Beweis. Dabei wissen wir doch: Das scheinbar einfachste ist immer das Schwerste. Gute Lebensmittel einfach so zu kochen, dass sie nach sich selber schmecken. Das sagen, was man gerade denkt und fühlt. Komplizierte Sachverhalte so darzustellen, dass man sie nach einmaligem Lesen versteht. Auch beliebt bei den Intellektuellen, die Sie beschreiben. Fremdwörter benutzen, je mehr und unverständlicher, desto besser. Und dazu noch ein paar Zitate, gern auf Latein, wenn mans genausogut Deutsch sagen könnte. Brrrrr! Für mich sind das letztendlich Blender. Herzlich, Anna |
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Sollte heissen: gern auf lateinisch, wenn mans genauso gut auf Deutsch sagen könnte.
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Teils - teils.
Ihr Vergleich mit Kochen und Essen trifft's ziemlich genau. Man merkt als - bewußter - Esser: Wenn Speisen lieblos und massentauglich (Kantine) zubereitet werden, im wahrsten Sinne des Wortes Geschmacklosigkeit als der kleinste gemeinsame Nenner (so auch Sobocynski, wenn er mal gegen "die Anderen" argumentiert). Wenn Speisen eine große Show abziehen, aber im Grunde belanglos und gezwungen "innovativ" und "kompliziert" sind (so Losehand, wenn er mal gegen Sobocynski argumentiert). "Gute Küche" kann entweder auf hohem Niveau Zutaten und Gewürze überraschend kombinieren und neue Texturen einsetzen oder auch ein Stück Fleisch oder Gemüse als "sich selbst", einfach und ohne Brimborium präsentieren und wirken lassen. |
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Ja, Soboczynskis Artkel ist von einer unerträglichen Eitelkeit - ihm mit einer nicht minder narzisstischen, besserwisserischen Arroganz zu begegnen (ich finde in Ihrem Text ebenfalls viel zu viele Pauschalisierungen, Fremdwörter, gestelzte Formulierungen und sog. "Geschwurbel"), halte ich allerdings für genau die falsche Reaktion. Bringen Sie doch mal Argumente, dann nämlich könnte sich Soboczynski angesichts ihres Kommentars nicht so entspannt in seinem Stuhl zurücklehnen und leise "q.e.d." seufzen.
Zudem: Einerseits werfen Sie (nicht nur) Soboczynski vor, dass er sich in seiner unverständlichen Schreibe sonne, andererseits behaupten Sie durch Ihren Kommentar ja, dass Sie ihn nur zu gut verstanden haben. Na, was nu: Fürs gemeine Volk ist´s zwar zu hoch, für Sie jedoch nicht? |
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Vielen Dank. Soweit Adam Sobocynski überhaupt argumentiert und nicht nur lamentiert, kann ich ihm ja nicht völlig widersprechen. Wenn ich mich an meine usenet-Zeit erinnere, die "Flame-Wars", die da tobten, das ad-hominem-Bashing mancher "Diskutanten", welches selbst allgemeinste Sachkenntnis ersetzen mußte, dann ist das zwar ein extremes Beispiel. Jedoch fällt immer wieder auch in Foren-Diskussionen oder eben auch Kommentaren auf, daß es manchen Menschen gerade im Internet schwer fällt, die sprachlich Distanz zu halten, die sie im Umgang von Angesicht zu Angesicht wahren würden.
Dieses Phänomen aber kritistiert S. gerade an einem völlig ungeeigneten Beispiel (und Forum) und reflektiert es zudem nur oberflächlich und zudem meiner Meinung nach auch falsch. S. ahnt etwas, kann es aber nicht lokalisieren und verallgemeinert darum maßlos und vor allem von seiner eigenen Person aus. Der Artikel von S. ist kein wesentlicher Beitrag zu Kommunikation und Interaktion im Internet, darum muß man sich mit ihm auch nicht argumentativ beschäftigen. Auch seine Reflexion zur Stellung des Intellektuellen in der Gesellschaft, dem Gegensatz von Individuum und Masse bietet ja nun nicht einmal Spuren an Innovation; S. rekapituliert Altbekanntes in altväterlich-feudalistischem Gewande und das allein zum Zwecke der Selbstimmunisierung. Denn - und darum habe ich auf seinen im Grunde vernachlässigbaren Beitrag überhaupt reagiert - seine larmoyante Suada zielt so offensichtlich darauf ab, sich selbst dem Leser gegenüber als Beispiel eines von der undankbaren und unverschämten Masse verfolgten "geistesaristokratisch" Herausragenden zu stilisieren und an den Beistand seiner intellektuellen Kolleginnen und Kollegen zu appelieren, daß mir zum Kotzen zumute war. Um einen Begriff von Odo Marquard abzuwandeln, hat Soboczynski seine ganze vorhandene Kompetenz darauf verwandt, seine eigenen Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren, um damit durch die Um- und Abwertung von Kritik seine prinzipielle Inkompetenz als Merkmal des Intellektuellen erstrahlen lassen. Der Intellektuelle sei einer wie er, der es ertragen müsse, sich von den Anderen wie "muehl500" kritisieren zu lassen. |
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Ich meine, es geht nicht darum, ob und wann und wie häufig Fremdwörter, lange Satzperioden, Anspielungen und komplexe Zusammenhänge in einem Text vor dem Leser ausgebreitet werden. Man liest ja gerade (eine Zeitung, ein Buch), um von Menschen, die auf bestimmten Gebieten kompetenter sind als man selbst, etwas zu erfahren, an deren Gedanken und Wissen teilzuhaben. Und die Herausforderung, etwas erst bei zweiten Lesen erfassen zu können, halte ich auch nicht für eine Barriere, die einen Leser abgeschreckt.
Abgeschreckt und verstimmt werden Leser, wenn sie intuitiv merken oder belegbar feststellen, daß er es nur mit pseudo-intellektuellem Wortgeklingel und leerer Syntax-Akrobatik zu tun hat. Wenn der Leser merkt, daß er nur Claqueur ist, nicht die die Zielgruppe, die der Autor erreichen will. (Denn in Wirklichkeit schreibt er für seine Bibliographie, die seine Kollegen, die anderen Intellektuellen, als Nachweis dienen soll.) Die Rezension von S., die muehl500 kritisiert, ist so ein Beispiel; nicht das besprochene Buch, nicht der Text, sondern der Autor, S. steht da im Vordergrund und zeigt dem bitteschön staunenden Publikum, was er denn so alles kann. Und zu wie wenig Selbstironie und -kritik S. fähig ist, zeigt dann dieses von Selbstüberschätzung trieffeuchte Machwerk in der letzten ZEIT. Sobocynski und ich teilen nicht dasselbe Intellektuellen-Bild, es ist völlig gegensätzlich. "Der Intellektuelle" lebt nicht im Bewußtsein, "geistesaristokratisch" herauszuragen, sondern ist im Gegenteil in steter Selbstkritik und Offenheit für seine eigene Fehlbarkeit bereit, den Dialog als Möglichkeit zum Lernen zu suchen und zu verstehen. Sobocynski argumentiert von der Position dessen aus, der glaubt, schon alles begriffen zu haben und muß deswegen nicht verschämt "Unverstandenes als Antrieb begreifen, [...] Bildungs- und Konzentrationsdefizite zu beheben." Das betrifft nur die anderen. Pointiert könnte man sagen: meiner Meinung und meinem Intellektuellen-Verständnis nach spricht der Nicht-Intellektuelle Sobocynski über etwas, das er nur vom Lesen und Hörensagen kennt. Anspruch ohne Wirklichkeit. Daß ich in gleicher Manier ("Klugscheißer"-Modus) pariert habe, in meiner Antwort seinen Stil durchaus auch parodierend gewahrt habe, war völlige Absicht. Denn, wie gesagt, seine Pose und sein Gesülze ist es, das mich anwidert, ich aber aus eigener Erfahrung und Anschauung aus der "Intellektuellen"-Szene Deutschlands zu Genüge kenne. |
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"Der Artikel von S. ist kein wesentlicher Beitrag zu Kommunikation und Interaktion im Internet, darum muß man sich mit ihm auch nicht argumentativ beschäftigen." - Wer qualifiziert hier denn nun wen ab? (Von dem Problem der "Wesentlichkeit" mal abgesehen.)
"(Denn in Wirklichkeit schreibt er für seine Bibliographie, die seine Kollegen, die anderen Intellektuellen, als Nachweis dienen soll.)" - Das ist nichts als Klischee, das durch den Zusatz "in Wirklichkeit" seinen Wahrheitsgehalt ja bereits selbst demontiert. "Daß ich in gleicher Manier ("Klugscheißer"-Modus) pariert habe, in meiner Antwort seinen Stil durchaus auch parodierend gewahrt habe, war völlige Absicht." - Das finde ich geradezu gründlich misslungen, da das mehr über Ihre Lektürevorurteile aussagt als über Soboczynskis Text: Soboczynskis Stil mag eitel oder altbacken oder sonstwas sein, aber eines ist er im Gegensatz zu Ihrer "Parodie" nicht: manieriert. |
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Kennen Sie das nicht? Man sagt oder schreibt etwas, aber nicht für den unmittelbaren Leser oder Zuhörer, sondern will ich mit seinem Beitrag eigentlich höheren Ortes empfehlen. (Woraus sich bspw. das Renomee des Publikationsortes ergibt, an dem man publiziert und an dem man - im Kreis gedacht - teilhat.) Ich weiß nicht, wer Soboczynski ist, aber er scheint unbekannt genug zu sein, um vielleicht gerne bekannter zu werden. Naja, das Ziel hat er in jedem Fall erreicht. Ob's den Verkaufszahlen seiner Bücher zuträglich ist?
Ich bleibe dabei: in seinem Text kann ich keinen Erkenntnisfortschritt erkennen - und nicht einmal, daß er einschlägige oder fachlich und sachlich geeignete Untersuchungen und Pubikationen eingesehen hat. Null. Reine Mutmaßungen "prima vista". Zudem blendet er die Wirklichkeit der Bücherfriedhöfe in Ramschantiquariaten und Bücherflohmärkten (lauter Blogs zwischen Buchdeckeln) ebenso aus wie die Tatsache, daß es nie "eine Öffentlichkeit" gab, sondern immer viele Teilöffentlichkeiten. Nur jetzt hört und liest man von ihnen wesentlich eindringlicher und ohne Hindernisse. Mag sein, daß mein Text manieriert ist, mag sein, daß Soboczynskis Text es nicht ist; gegen Pomp & Circumstances habe ich weder in der Musik noch in Texten etwas einzuwenden, meine anderen Texte sind auch nicht gerade ein Muster an neuer Sachlichkeit und an dänisches Design erinnernden Minimalismus. |
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"Ich meine, es geht nicht darum, ob und wann und wie häufig Fremdwörter, lange Satzperioden, Anspielungen und komplexe Zusammenhänge in einem Text vor dem Leser ausgebreitet werden. Man liest ja gerade (eine Zeitung, ein Buch), um von Menschen, die auf bestimmten Gebieten kompetenter sind als man selbst, etwas zu erfahren, an deren Gedanken und Wissen teilzuhaben. Und die Herausforderung, etwas erst bei zweiten Lesen erfassen zu können, halte ich auch nicht für eine Barriere, die einen Leser abgeschreckt."
Hier gebe ich Ihnen Recht. Oft sind es ja die sperrigen Texte und Bücher, die uns inspirieren und weiterbringen. Ich wollte also keinesfalls Formaten á la "Bild" das Wort reden. Mir gehts eher darum: Warum Fremdwörter, wenn es sich auch auf Deutsch sagen lässt? Und das geht meistens. Wenn ich etwas lernen will, sind es sicher keine Fremdwörter, es sei denn, es handelt sich um Spezifika wie ebd. oder, z.B. "Agnostiker". Und lateinische Zitate? Ok, schön, wenn ich die mal eben so mitkriege, aber dann mindestens auf Deutsch daneben, für alle, die Latein nicht beherrschen (ich kanns, mag es aber nicht). Alles andere ist für mich Gespreize und Gprotze im Bildungsbürgertum. Aber auf Bildung kann sich wirklich keiner was einbilden! Es ist so einfach, sich etwas anzulesen. Wenn jemand Ideen weiterentwickelt, seine Meinung gut darlegt, forscht - Hut ab! Dafür muss er es allerdings nicht künstlich kompliziert machen. Ich bin bzw. war in meinem ersten Beruf Literatur- und Sprachwissenschaftlerin und habe mich lange mit Sprache im Alltag, Lehre und Forschung beschäftigt. Danach habe ich Journalistin gelernt - und merkte bald, alle richtig guten Journalisten (zumindest die, die ich gut finde) schreiben unkompliziert. Selbst Wolf Schneider, selbsternannter Hüter der deutschen Sprache! (Ach, das ist eins meiner Lieblingsthemen. Hoffentlich noch nicht "off the topic"? Herzlich, Anna |
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Lieber Joachim Losehand,
habe deinen Beitrag erst jetzt und in aller Ruhe lesen können. Wunderbar, ein Genuss mit mannigfaltigen Geschmacksrichtungen. Indes bleibt noch einiges zu tun: 1. Die nahezu unendlichen Teilöffentlichkeiten in ihren Konsequenzen zu beurteilen. Eine gigantische Oberflächenspanne, ein entfesselter Atomismus garantiert eben nicht automatisch Tiefe und "Erkenntnisfortschritt". 2. Wenn der letzte Fixstern des alten moralisierenden Intellektuellen (v.a. Habermas)verglüht - und die Zeichen trügen nicht - was dann? Bescheidenheit? In welcher Richtung? Abschied von welchen Illusionen? 3. Wir sind immer in Kraft- und Machtfeldern eingebettet (ob wir wollen oder nicht). Diese produzieren ganz unterschiedliche Typen von "Intellektuellen", die bezahlten TUIs (Brecht) sind überall und stricken an ihren Machtnetzen.Der freischwebende Typus ist faktisch ein universitäres Auslaufmodell. Dein Beitrag ruft geradezu nach einer Fortsetzung.Losehand - Teil II. Grüße vom Bildungswirt |
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Schade, dass ich auf diesen Blog erst nach dem Verfassen meines Beitrags aufmerksam geworden bin (www.freitag.de/community/blogs/theodor/intellektualitaet-und-die-dinge). So scheint zumindest deutlich zu sein, dass das Internet mit der Frage nach der Rolle von Intellektualität nicht im engeren Sinne zu tun hat. Worüber wir sprechen, ist aber ein Konzept von Gestern, der Intellektuelle und das Intellektuelle sind aus der Öffentlichkeit schon längst verschwunden. Und jenseits der Frage, ob der Intellektuelle vom Anderen verlangen kann, dass Letzterer sich bemüht, die Weisheiten des Ersteren zu verstehen, ist es doch schon längst ausgemacht, dass sich niemand mehr dafür interessiert, hinter die Dinge zu schauen. Gleichgültig, welchen Stiles man sich dabei auch bedienen mag.
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Liest man diese Definition mutwillig und verkürzt, hieße das, daß wir von Intellektuellen regiert werden ("außerhalb ihrer eigenen Sachkompetenz").
Allerdings gibt mir das insofern recht, als ich immer vermutet habe, daß ein Intellektueller, der über Intellektuelle und Intellektualität spricht oder schreibt, kein Intellektueller sein kann, da er innerhalb seiner eigenen Sachkompetenz als Intellektueller spricht. Wenn er aber kein Intellektueller ist, dann spricht er über Intellektuelle und Intellektualität außerhalb eigener Sachkompetenz und ist damit wieder ein Intellektueller. Ist das jetzt ein Dilemma oder ist das Dummheit? |
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Vielen Dank für den Zuspruch. Auch mir ist es über die Tage hinweg bewußt geworden, daß es interessant sein könnte, sich (als Außenstehender) mit Intellektuellen und ihrem Verhältnis zum Internet zu beschäftigen und auch in Bezug auf den Wirbel um den "Heidelberger Appell" nochmals neu zu bedenken. Wohl aber in anderem Rahmen, diesmal dann nicht in meinem eigenen Blog ...
In jedem Fall meine ich nicht, daß "der Intellektuelle und das Intellektuelle sind aus der Öffentlichkeit schon längst verschwunden" ist, ich meine, ihn hat es in der deutschen Öffentlichkeit so nie gegeben. Intellektueller zu sein, ist in Deutschland (wie in Großbritannien) alles andere als eine Auszeichnung, die fehlende Nähe zur Scholle, die den Intellektuellen gerne nachgesagt wird, marginalisiert sie eigentlich schon a priori. Da das Internet das Publikationsmonopol der Intellektuellen aufgebrochen hat, die Vertikalität von Oben nach Unten in die Horizontale gekippt ist, sagen jetzt Menschen wie wir Menschen wie Adam Soboczynski, was wir von ihnen halten. Nämlich wenig. Früher haben wir uns das nur gedacht oder laut unserer allerengsten Umgebung kundgetan, heute schlagen wir unser Mißfallen mit Hammer und Nagel unten an die Ergüsse derer, die nicht an sich halten können. Und loben andererseits diejenigen, von denen wir wirklich etwas positiv lernen können; im Internet erprobt sich die Rede vom Ausgang aus der selbstgewählten Unmündigkeit, insofern wir nicht nur eine Meinung haben, sondern sie auch öffentlich äußern und damit auf den Prüfstand stellen. In gewisser Weise lesen Soboczynski und & Cos. ihr Mene-Tekel-Upharsim in den Kommentaren: gewogen und zu leicht befunden. |
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Eine recht interessante Definition was Blogger sind kommt ausgerechnet von Schumpeter dem alten Neoliberalen ;-)
"Für die Soziologie (Joseph Schumpeter folgend) sind Blogger Menschen, die zu reden und zu schreiben verstehen und mit ihrer Kritik öffentlich Dinge zur Sprache bringen, die an sich außerhalb ihrer eigenen Sachkompetenzen und Verantwortungsbereiche liegen. Ihre Erfolgschance beruht auf der Legitimitationsfähigkeit durch in der jeweiligen Gesellschaft verbindliche Grundwerte und liegt vor allem in ihrem Störpotenzial." Quelle: Wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Intellektueller (Ich habe nur ein Wort vertauscht) |
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[Dahin gehört die Antwort:]
Liest man diese Definition mutwillig und verkürzt, hieße das, daß wir von Intellektuellen regiert werden ("außerhalb ihrer eigenen Sachkompetenz"). Allerdings gibt mir das insofern recht, als ich immer vermutet habe, daß ein Intellektueller, der über Intellektuelle und Intellektualität spricht oder schreibt, kein Intellektueller sein kann, da er innerhalb seiner eigenen Sachkompetenz als Intellektueller spricht. Wenn er aber kein Intellektueller ist, dann spricht er über Intellektuelle und Intellektualität außerhalb eigener Sachkompetenz und ist damit wieder ein Intellektueller. Ist das jetzt ein Dilemma oder ist das Dummheit? |
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Ich dachte bisher das sei Journalismus :)
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schrieb am
31.05.2009 um 04:47
Na, wohl eher Scholastik, wa?
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Lieber Joachim,
Wer hätte es gedacht, das der Heilige Sebastian nicht durch einen Knüppel sondern durch Pfeile deutlich angezeigt wird. Stoisch blicken viele Heilige Sebastians eher unbeteiligt gen Himmel oder am Betrachter vorbei ins Unendliche. Mit Luxuskörpern ausgestattet, das macht sie ja so verführerisch, ist ihnen das Paradies sicher. Der Heilige Sebastian, ein Säulenheiliger der seuchengeplagten Frührenaissance, einer der sein Martyrium so erträgt, wie die Kranken, ob schön, ob reich, ob arm. So hängt er z.B. in S. Gimignano, der Stadt mit den vielen Geschlechtertürmen, und ist bis heute dort populär im Volk. So, kurz vor dem Tode, so unbeteiligt, kann auch die Nacktheit offen ausgestellt werden. Tatsächlich liegt darin wirkliche Intellektualität, sich nicht hinter dem Wissen zu verschanzen, sondern es gleichsam nackt auszubreiten, zugänglich zu machen, herzuschenken und in der Kritik ehrlich zu bleiben. Im Himmel hilft die Fürbitterin Maria, neben Jesus, der seine stigmatisierten Hände zeigt: "Seht, er ist einer von uns." Die vielen Teilnehmer an der Debatte auf ZEIT-Online,zu dem sicher Epochée (das ist ein beeindruckender Stillstand) machenden Artikel "Das Netz als Feind", beklagten sich nicht über zu viel Intellektualität, das machen in solchen Foren immer einige Besserwisser, sondern eher über einen ausgeprägten Mangel daran! Es ging um ein allgemeines Thema und nicht um eine nachträgliche öffentliche Verteidigung des Doktortitels mittels der Disputation. Intellektualität ist keine Profession und trotzdem wäre es nicht schade, stellten Verlage, Medien und Presse einige Intellektuelle ein. Aber gerade das haben große Zeitungen und auch das TV in den letzten Jahren verabsäumt und sich verführen lassen, Medientauglichkeit zum Hauptkriterium zu machen. So kann der Intellektuelle, hier handelt es sich ja eher um einen Aufsatz, der das Prädikat "Pseudo" verdient, wirklich kaum noch durchdringen, obwohl das, wie ebenfalls in der ZEIT, Gero von Randow formulierte, doch seine eigentlich Hauptaufgabe in öffentlichen Angelegenheiten ist. Sollen wir nun dankbar sein, dass Sie, lieber Joachim, den Stil kopieren, vorführen und präsentieren, den sie als Desiderat ihrer eigenen Ausbildung ansehen? Dann wäre ja die fachliche Autorität einer wissenschaftlichen Ausbildung nicht mehr als das Erlernen einer Gewerbesprache! Das Herr Soboczynski anders und besser schreiben kann, hat er schon lange bewiesen. Die Frage ist ja, warum er in der subjektiven Wahrnehmung einer Gefahr, "das Netz", plötzlich zum uneigentlichen Schreiben greift, anstatt den Klartext zu nutzen. Sie machen es auch ein wenig so, indem sie sich das Hintertürchen offen halten, Herr Soboczynski habe nicht völlig Unrecht. Aber genau darum, um die, in diesem Falle vollständige, Verständnislosigkeit, der Titel "Das Netz als Feind" drückt es ja vollendet aus, geht es. Grüße und Mahlzeit, Christoph Leusch |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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