Prekäre Perspektiven.
Nachwuchsforscher/innen, u. a. an der TU- und FU- Berlin, der Berliner Humboldt Universität, müssen unkalkulierbar hohe Risiken für eine Karriere in der Wissenschaft und Lehre eingehen. Politiker aller Parteien fordern, dass zumindest die Vertragslaufzeit für Nachwuchsforscher/innen an die Laufzeit von Projekten gekoppelt wird.
Seit die Grundfinanzierung der Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen, Akademien, Wissenschafts- und Forschungsinstitute in Deutschland zu Gunsten einer fragwürdigen Leuchttumpolitik im Wissenschafts- und Lehrbereich von sogenannten Exellenz- Universitäten , - Hochschulen, - Fachhochschulen, - Akademien zur Disposition steht, sind Privatdozenten/innen zunehmend in wachsender Zahl bei niedrigem Honorar und befristeten Verträgen auf leistungsbezüge aus den Hartz IV Gesetzen nach Vebrauch ihres Restvermögens vor dem Schonvermögen angewiesen.
Mehr und mehr Nachwuchsforscher/innen arbeiten auf Kurzzeit-Stellen. Das ist nicht nur unanständig, sondern mit Bilck auf den unveräußerllich solidarischen Teamgeist in Wissenschaft, Forschung, Medien und Lehre kollegial nicht mehr menschlich kommunizerbar, finden nicht nur Experten.
Angeblich soll jetzt Bewegung in diese Debatte um das ungeheuerlich anschwellende „Wissenschaftsprekariat" kommen.
"Selbst vom Bäcker um die Ecke verlangen wir doch, dass er unbefristet beschäftigt", heißt es etwa neuerdings erschrocken in der SPD.
Verträge von Nachwuchsforscher/innen laufen in der Regel nur ein paar Monate und sie wissen nicht, ob sie jemals eine Verlängerung ihrer befristeten Verträge, geschweige denn eine feste Stelle bekommen.
Der Personenkreis an Menschen, der unter der Perspektivlosigkeit in der Zeitarbeit leidet, Familien- , Karriereplanungen auf die endlos lange Bank schieben muß, gilt in stetig zunehmender Zahl auch für Wissenschaftler. Mitarbeiter an Hochschulen, in Forschungseinrichtungen.
Diese Personen sehen sich häufig nicht als hoffnungsvollen wissenschaftlichen Nachwuchs, sondern als „Wissenschaftsprekariat“.
Sie haben ein Studium im In- und Ausland mehrsprachig abgeschlossen, eine Doktorarbeit geschrieben, sie lehren und forschen und sind erfolgreich im Beantragen von Drittmitteln für Wissenschafts- , Forschungs- , Integrations- und Lehrprojekte. Unterhalb der Professur aber haben sie kaum eine Chance auf eine Dauerstelle. Und wenn es mit der Karriere in der Wissenschaft nicht klappt, sind sie oft schon zu alt für den Quereinstieg in andere Berufsfelder.
„Es ist unanständig, wie mit Nachwuchswissenschaftlern umgesprungen wird“,
sagte der Hochschulexperte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller, im Dezember 2011 bei einer Anhörung vor dem Bildungsausschuss des Bundestags. Die kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse bedrohten „die Kontinuität und Qualität der Wissenschaft und Lehre in Deutschland“.
"Tatsächlich sind 83 Prozent der bundesweit rund 150 000 hauptberuflich tätigen wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen befristet beschäftigt.
Gut die Hälfte der Arbeitsverträge hat eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Das geht aus einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) im Auftrag des Bundesforschungsministeriums hervor, die im Bildungsausschuss diskutiert wurde.
Untersucht haben die Hochschulforscher/innen, wie sich das 2007 unter der schwarzroten Großen Koalition der Kanzlerschaft von Angela Merkel (Physikerin) in Kraft getretene
„Wissenschaftszeitvertragsgesetz“
ausgewirkt hat." ( Quelle www.tagesspiegel.de/wissen/nachwuchsforscher-wissenschaftler-im-prekariat/5905552.html Nachwuchsforscher Wissenschaftler im Prekariat 01.12.2011 11:00 UhrVon Amory Burchard )
Ist mit der anschwellenden Präsenz des
„Wissenschaftsprekariats“,
u. a. als Hartz IV Aufstockeritis, an unseren Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen, Akademien, Wissenschafts- und Forschungsinstitute in Deutschland, zu Gunsten einer fragwürdigen Leuchttumpolitik im Wissenschafts- und Lehrbereich, die zivilgesellschaftliche Entsolidarisierung und Zertrümmerung der Freiheit der Wisenschaft, Forschung und Lehre im vollen Gange?
Tut sich hier nicht, raunend vorgeahnt, ein weites Betätigungsfeld für unseren neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck auf, der aus voller Brust und Kehle im In- und Ausland laut das Hohe Lied auf die Freiheit der Wissenschaft, Forschung, Lehre und Integration in seinen rhetorisch gelungenen, den Menschen nahen, Reden singend, zum Klingen bringt?
JP
siehe:
frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,8505038,00.html
Sendung vom 27. März 2012
Lehrknechte und Betteldozenten
Ausbeutung in der Bildungsrepublik Deutschland
von Peter Podjavorsek
www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/akademischer-alltag-privatdozenten-sind-das-uni-prekariat-11657573.html
Akademischer Alltag Privatdozenten sind das Uni-Prekariat
29.02.2012 · Mehr als 5.000 Privatdozenten lehren an deutschen Universitäten - nicht umsonst, aber ohne Salär. Über den Tausch von Ehre gegen Dienstleistung in der höheren Bildung.
Von Stefan Laube