Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

05.09.2011 | 02:35

Der Arbeitsmarkt gestaltet sich als „Trojanisches Pferd“

Der heutige Arbeitsmarkt gestaltet sich als
„Trojanisches Pferd“
in der gesellschaftlichen Landschaft.

Ruiniert die unterfianzierte Lohnarbeit unsere Gesellschaft?

Erklärung:
Ursprünglich war Lohnarbeit ein Mittel für Arbeitnehmer/innen, sich ihren Lebensunterhalt, Miete, Weiterbildung, Urlaub, Alterssicherung, Mitgliedschaftsbeiträge in Parteien, Gewerkschaften, Vereinen der Kultur des Sportes auskömmlich zu verdienen.
Noch in den Jahren von 1983 bis zur Wende im Jahre 1989/90 galt die Forderung der Gewerkschaften nach der 35 Stundenwoche ohne Lohnverzicht als harte Devise, um diesen Zusammenhang von Lohnarbeit und auskömmlicher Daseinsvorsorge über den Arbeitsmarkt für alle Arbeitnehmer/innen nachdrücklich zu dokumentieren.
„Der Mensch muss von seinem Lohn auskömmlich leben können!“
Heute stehen wir vor einer ganz anderen Situation am Arbeitsmarkt
Heute entziehen sich immer mehr Arbeitgeber ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, für einen Lohn ihrer Arbeitnehmer/innen Sorge zu tragen, der diese auch wirklich nährend als Arbeitskraft über den Tag hinaus gesund erhält.
Der Niedriglohnbereich, die Verkürzung von Arbeitszeiten mit Lohnabsenkungen, Verdichtung von Arbeitsabläufen ohne Lohnzuwachs, außertarifliche Vereinbarungen bei der betrieblichen Lohnfindung, die Ausweitung des Leiharbeitsbereichs zeitigen ihre heillose Wirkung.
Durch die Hartz IV Gesetze aus dem Jahre 2003 ist ein Paradigmenwechsel vollzogen worden, der zu Gunsten der Unternehmen, zu Lasten der Arbeitnehmerschaft und Privathaushalte geführt hat.
Gegenwärtig sind laut. Presseberichten nahezu 800.000 vollbeschäftigte Arbeitnehmer/innen als Hartz IV Aufstocker auf Lohnzuschüsse aus den Hartz IV Gesetzen angewiesen.
Ihr Vollzeitlohn reicht nicht aus, sie zu ernähren.
Der Staat zahlt ihnen Lohnzuschüsse und subventioniert damit, ohne betriebliche Prüfungen, unbesehen, die Personalkosten der Unternehmen, der Träger von sozialen und kirchlichen Einrichtungen der Jugend- , Alten- , Gesundheitshilfe und- pflege.
Diese Lohnzuschüsse aus den Hartz IV Gesetzen bekommen die Arbeitnehmer/innen allerdings nicht etwa ohne Weiteres automatisch, sondern nur, unter Offenlegung der Vermögensverhältnisse, auf persönlichen Antrag.
Die Gewährung der Lohnzuschüsse ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, die oft unzumutbar einseitig soziale Härten auslösen.
Diejenigen, die sich für ihre Altersversorgung etwas Vermögen aufgebaut, erspart  haben, werden genötigt, einen Teil ihres Vermögens bis zur Grenze eines personenbezogen (Lebensjahre) Schonvermögens für die eigene Lohnsubvention zu Gunsten des Arbeitgebers einzusetzen, bevor ihnen der Lohnzuschuss aus den Hartz IV Gesetzen bewilligt wird.
Lohnzuschüsse auf die die Arbeitnehmer/innen nur deshalb angewiesen sind, weil es immer noch keinen gesetzlichen Mindeststundenlohn, geschweige denn ein gesetzliches Mindesteinkommen gibt, das dem vom Bundesverfassungsgericht rechtskräftig per Urteil festgesellten Niveau des unpfändbaren Einkommens in Höhe von zur Zeit 986.- €/monatlich entspricht..
Inzwischen ist der legendäre „Arbeiterspruch“ Norbert Blüms Wahrheit geworden:
“Es kommt soweit, dass Arbeitnehmer zum Arbeitsplatz Geld mitbringen müssen, um diesen besetzen n zu dürfen!“
In Folgendem möchte ich noch ein paar Instrumente vorstellen, mit denen die Arbeitnehmer/innen seit Jahren in wachsendem Maße, tagaus, tagein geknebelt werden:
Leiharbeit
1/3 der Arbeitsverträge für neu besetzte Arbeitsplätze sind laut Nachrichtenlage der letzten Woche, Leiharbeitsverträge.
Das bedeutet schlechtere Bezahlung als die Stammbelegschaft, bedeutet eine Zweiklassengesellschaft in den Unternehmen und Betrieben.
Seit Mai 2011 ist der europäische Arbeitsmarkt soweit dereguliert, dass nun Arbeitnehmern/innen aus Osteuropa, darunter aus Polen, der Ukraine, der Arbeitsmarkt in Deutschland, ungeschützt durch einen gesetzlichen Mindeststundenlohn, offen wie ein Scheunentor steht.
Aber nicht nur das.
 Die Folge ist, dass deutsche Leiharbeitsfirmen in Polen Tochterunternehmen gründen, die polnische Arbeitnehmer/innen nach polnischem Tarifrecht einstellen, nach Deutschland entsenden, um sie dort, lohndrückend, deutschen Unternehmen, darunter Einrichtungen der Diakonie, Caritas, AWO, Kommunen zu überlassen.
Unbefristet sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, ganze Stammbelegschaften, werden dadurch hierzulande immer mehr abgebaut.
Lebensentwürfe, Familienplanungen in den Privathaushalten geraten dadurch in immer mehr prekärem Fahrwasser in Nöten.
Die Kreditwürdigkeit, Überverschuldung von Privathaushalten, Privatinsolvenzen nehmen dramatisch zu bzw. ab.
Dabei geht es nicht nur um profitorientierte Privatunternehmen, sondern auch um, dem Gemeindewohl verpflichtete Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände in der Jugend- , Alten- , Gesundheitshilfe- und- pflege, darunter der Diakonie, der Caritas, der AWO, des Roten Kreuzes, die dieses heillose Agieren am Arbeitsmarkt verantwortungslos nährend bedienen.
Vielleicht haben Sie es mitbekommen, es ging als Nachricht durch die Medien, Wohlfahrtsverbände, wie die Diakonie haben eigene Leiharbeitsfirmen gegründet, die mit einem Drehtüreffekt arbeiten.
Stammpersonal wird unter Druck gesetzt, der Aufkündigung von Altverträgen zuzustimmen und über neue Einstellungsverträge bei den besagten Leiharbeitsfirmen, durch die Drehtür, zu krass verschlechterten Bedingungen, ihren alten Arbeitsplatz bei verdichteten Arbeitsabläufen  wieder einzunehmen, als wäre nichts geschehen.
Diese unzumutbaren Zustände am heutigen Arbeitsmarkt griffen erst Platz und Raum, nachdem die Praxis befristeter Leiharbeitsverhältnisse für Personalengpässe, innerbetriebliche Notlagen, Stammpersonal verdrängend, in unbefristete Leiharbeitsverhältnisse ausgeweitet wurden.
Zurück zu meinem Eingangsbild vom Arbeitsmarkt als
„Trojanischem Pferd“.
Wer bestückt das „Trojanische Pferd“?
Neben der deregulierenden Gesetzgebung für den Arbeitsmarkt, der Staat mit seinen Lohnsubventionen über die Hartz IV Gesetze, last but not least,  die Arbeitnehmer/innen als genötigte  Komplizen mit ihrem Restvermögen vor dem  Schonvermögen.
Wen beglückt das „Trojanische Pferd“?
Was meinen Sie?
Die privaten Unternehmen, die Arbeitgeber in den Wohlfahrtsverbänden, daneben in wachsender Zahl die
„Privaten Sozialunternehmens GmbHs“
Wen stürzt das „Trojanische Pferd“ ins Unglück der Überschuldung, Insolvenz?
Die Mehrheit der Privathaushalte und damit letztendlich, beraten und betrügerisch verladen, unsere Solidargemeinschaft.

JP

siehe:

www.kulturnetzwerk.de/downloads/EinladungWertderArbeit.pdf

Einladung zur Veranstaltung „Wert der Arbeit“ am 6.9.2011 in Berlin- Neukölln

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.09.2011 um 08:57
Ruiniert die unterfianzierte Lohnarbeit unsere Gesellschaft?

Galube ich nicht.
Immerhin erreichen von den Geringverdienern aus diesem Sektor innerhalb eines Jahres ca. 25 % den Status von "Normalverdienern", also ohne Aufstockungsbedarf.
Joachim Petrick schrieb am 05.09.2011 um 15:49
@arno schmidt

Was ist mit den 75 % ?........"

Was ist mit jenen, die gleichzeitig erstmalig in den Niedriglohnbereich abgesenkt werden?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.09.2011 um 16:15
@Joachim Petrick schrieb am 05.09.2011 um 15:49
@arno schmidt
Was ist mit den 75 % ?........"
Was ist mit jenen, die gleichzeitig erstmalig in den Niedriglohnbereich abgesenkt werden?


Die sind zunächst einmal angeschi**en!
Wobei die erstmalig in den Niedriglohnbereich gedrängten meistens keine Langzeitarbeitslosen werden.
Ein verläßliches Rezept zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation habe ich natürlich auch nicht.
Vor allem durch globale Vernetzung ist einfache Arbeit bei uns relativ zu teuer geworden.
Ein wichtiger Grund für die hohe Arbeitslosigkeit bei uns.
Ein tschechischer Arbeiter z. B. hat meist einen geringeren Lebensstandard als ein deutscher H4-Bezieher.
Haben Sie denn gute Rezepte für eine Vollbeschäftigung bei uns?
Joachim Petrick schrieb am 05.09.2011 um 16:32
@arno schmidt
Das Erschreckend ist ja, dass nicht nur wenig qualifizierte Arbeitnehmer/innen, ganz abgesehen von der nicht finanzierten Generation "Praktika", in hochqualifizierten Berufen, daunter als Lehrer, Lehrbeauftragte, Dozenten an Akademien, Hochschulen, UNIs, in den Niedriglohnsektor abgesenkt werden und dadurch auf Zuschüsse durch die Hartz IV Gesetzes angewiesen bleiben.
Im Hintergrund wird da auch noch ein Finanzkrieg zwischen Bundesländern und Bund zu Lasten der Betroffenen geführt.
Die Bundesländer sind für Bildung, Wissenschaft, Kultur zuständig, der Bund steht finanziell für die Hartz IV Gesetzes, Wohngeld in der Pflicht.

Also halten die Bundesländer, knapp bei Kasse, sich am Bund schadlos, indem sie dem Bund die Kosten der Lohnsubvention ihrer Lehrer/ Lehrbeauftagten/ Dozenten aufbürden.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.09.2011 um 17:20
@Joachim Petrick schrieb am 05.09.2011 um 16:32
@arno schmidt
Das Erschreckend ist ja, dass nicht nur wenig qualifizierte Arbeitnehmer/innen, ganz abgesehen von der nicht finanzierten Generation "Praktika", in hochqualifizierten Berufen, daunter als Lehrer, Lehrbeauftragte, Dozenten an Akademien, Hochschulen, UNIs, in den Niedriglohnsektor abgesenkt werden und dadurch auf Zuschüsse durch die Hartz IV Gesetzes angewiesen bleiben.


Stimmt!
Obwohl diese Gruppe noch vergleichsweise geringe Arbeitslosenzahlen produziert.
Ich empfehle meinem Sohn Informatik oder Elektrotechnik/Elektronik zu studieren.
Wobei ich meine Zweifel habe, ob er den Abschluß schaffen wird.
Denn ca. 50 % der Studenten dieser Studienziele scheitern.
Es ist aber auch so, dass viele Studenten mit ihren schwachen Abiturabschlüssen Studienziele wählen, bei denen Arbeitslosigkeit oder Niedrigverdienst vorprogrammiert sind. Umgekehrt proportional zu den Quoten der erfolgreichen Abschlüsse!
Joachim Petrick schrieb am 05.09.2011 um 17:32
@arno schmidt

"
"Es ist aber auch so, dass viele Studenten mit ihren schwachen Abiturabschlüssen Studienziele wählen, bei denen Arbeitslosigkeit oder Niedrigverdienst vorprogrammiert sind. Umgekehrt proportional zu den Quoten der erfolgreichen Abschlüsse!"

Das klingt pessimistisch. Geht es nicht aber auch darum, wieweit kann der Arbeitsmarkt, können Unternehmen, Einrichtungen sich seine bzw, ihre Arbeitskräfte selber fundiert zertifiziert "Learning by Doing" qualifizieren?
luzieh.fair schrieb am 05.09.2011 um 17:43
arno schmidt schrieb am 05.09.2011 um 17:20

Wo haben Sie das denn her? Da hätt ich ja gern mal ne Quelle zum durchwurschteln...
luzieh.fair schrieb am 06.09.2011 um 01:07
nicht? auch gut...
ebertus schrieb am 05.09.2011 um 09:06
Hallo @JP,

tendiere zu Labor I oder II. Bin gerade im Zug auf dem Weg nach Berlin und denke schon, dass ich da morgen abend recht spontan auftauchen werde. Schreibe gleich noch mal eine kurze Mail an die angegebene Adresse. Weiteres hier ggf. via PN.

Bis denne, ebertus
Joachim Petrick schrieb am 05.09.2011 um 15:47
Hallo ebertus,

Danke für die Nachricht.

Viel Vergnügen und Erkenntnisgewinn bei der obigen Veranstaltung

Bis dannodann

tschüss
JP
Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
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