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Politik : Der Arbeitsmarkt gestaltet sich als „Trojanisches Pferd“

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Ihre Freitag-Redaktion

Der heutige Arbeitsmarkt gestaltet sich als
„Trojanisches Pferd“
in der gesellschaftlichen Landschaft.

Ruiniert die unterfianzierte Lohnarbeit unsere Gesellschaft?

Erklärung:
Ursprünglich war Lohnarbeit ein Mittel für Arbeitnehmer/innen, sich ihren Lebensunterhalt, Miete, Weiterbildung, Urlaub, Alterssicherung, Mitgliedschaftsbeiträge in Parteien, Gewerkschaften, Vereinen der Kultur des Sportes auskömmlich zu verdienen.
Noch in den Jahren von 1983 bis zur Wende im Jahre 1989/90 galt die Forderung der Gewerkschaften nach der 35 Stundenwoche ohne Lohnverzicht als harte Devise, um diesen Zusammenhang von Lohnarbeit und auskömmlicher Daseinsvorsorge über den Arbeitsmarkt für alle Arbeitnehmer/innen nachdrücklich zu dokumentieren.
„Der Mensch muss von seinem Lohn auskömmlich leben können!“
Heute stehen wir vor einer ganz anderen Situation am Arbeitsmarkt
Heute entziehen sich immer mehr Arbeitgeber ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, für einen Lohn ihrer Arbeitnehmer/innen Sorge zu tragen, der diese auch wirklich nährend als Arbeitskraft über den Tag hinaus gesund erhält.
Der Niedriglohnbereich, die Verkürzung von Arbeitszeiten mit Lohnabsenkungen, Verdichtung von Arbeitsabläufen ohne Lohnzuwachs, außertarifliche Vereinbarungen bei der betrieblichen Lohnfindung, die Ausweitung des Leiharbeitsbereichs zeitigen ihre heillose Wirkung.
Durch die Hartz IV Gesetze aus dem Jahre 2003 ist ein Paradigmenwechsel vollzogen worden, der zu Gunsten der Unternehmen, zu Lasten der Arbeitnehmerschaft und Privathaushalte geführt hat.
Gegenwärtig sind laut. Presseberichten nahezu 800.000 vollbeschäftigte Arbeitnehmer/innen als Hartz IV Aufstocker auf Lohnzuschüsse aus den Hartz IV Gesetzen angewiesen.
Ihr Vollzeitlohn reicht nicht aus, sie zu ernähren.
Der Staat zahlt ihnen Lohnzuschüsse und subventioniert damit, ohne betriebliche Prüfungen, unbesehen, die Personalkosten der Unternehmen, der Träger von sozialen und kirchlichen Einrichtungen der Jugend- , Alten- , Gesundheitshilfe und- pflege.
Diese Lohnzuschüsse aus den Hartz IV Gesetzen bekommen die Arbeitnehmer/innen allerdings nicht etwa ohne Weiteres automatisch, sondern nur, unter Offenlegung der Vermögensverhältnisse, auf persönlichen Antrag.
Die Gewährung der Lohnzuschüsse ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, die oft unzumutbar einseitig soziale Härten auslösen.
Diejenigen, die sich für ihre Altersversorgung etwas Vermögen aufgebaut, erspart haben, werden genötigt, einen Teil ihres Vermögens bis zur Grenze eines personenbezogen (Lebensjahre) Schonvermögens für die eigene Lohnsubvention zu Gunsten des Arbeitgebers einzusetzen, bevor ihnen der Lohnzuschuss aus den Hartz IV Gesetzen bewilligt wird.
Lohnzuschüsse auf die die Arbeitnehmer/innen nur deshalb angewiesen sind, weil es immer noch keinen gesetzlichen Mindeststundenlohn, geschweige denn ein gesetzliches Mindesteinkommen gibt, das dem vom Bundesverfassungsgericht rechtskräftig per Urteil festgesellten Niveau des unpfändbaren Einkommens in Höhe von zur Zeit 986.- €/monatlich entspricht..
Inzwischen ist der legendäre „Arbeiterspruch“ Norbert Blüms Wahrheit geworden:
“Es kommt soweit, dass Arbeitnehmer zum Arbeitsplatz Geld mitbringen müssen, um diesen besetzen n zu dürfen!“
In Folgendem möchte ich noch ein paar Instrumente vorstellen, mit denen die Arbeitnehmer/innen seit Jahren in wachsendem Maße, tagaus, tagein geknebelt werden:
Leiharbeit
1/3 der Arbeitsverträge für neu besetzte Arbeitsplätze sind laut Nachrichtenlage der letzten Woche, Leiharbeitsverträge.
Das bedeutet schlechtere Bezahlung als die Stammbelegschaft, bedeutet eine Zweiklassengesellschaft in den Unternehmen und Betrieben.
Seit Mai 2011 ist der europäische Arbeitsmarkt soweit dereguliert, dass nun Arbeitnehmern/innen aus Osteuropa, darunter aus Polen, der Ukraine, der Arbeitsmarkt in Deutschland, ungeschützt durch einen gesetzlichen Mindeststundenlohn, offen wie ein Scheunentor steht.
Aber nicht nur das.
Die Folge ist, dass deutsche Leiharbeitsfirmen in Polen Tochterunternehmen gründen, die polnische Arbeitnehmer/innen nach polnischem Tarifrecht einstellen, nach Deutschland entsenden, um sie dort, lohndrückend, deutschen Unternehmen, darunter Einrichtungen der Diakonie, Caritas, AWO, Kommunen zu überlassen.
Unbefristet sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, ganze Stammbelegschaften, werden dadurch hierzulande immer mehr abgebaut.
Lebensentwürfe, Familienplanungen in den Privathaushalten geraten dadurch in immer mehr prekärem Fahrwasser in Nöten.
Die Kreditwürdigkeit, Überverschuldung von Privathaushalten, Privatinsolvenzen nehmen dramatisch zu bzw. ab.
Dabei geht es nicht nur um profitorientierte Privatunternehmen, sondern auch um, dem Gemeindewohl verpflichtete Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände in der Jugend- , Alten- , Gesundheitshilfe- und- pflege, darunter der Diakonie, der Caritas, der AWO, des Roten Kreuzes, die dieses heillose Agieren am Arbeitsmarkt verantwortungslos nährend bedienen.
Vielleicht haben Sie es mitbekommen, es ging als Nachricht durch die Medien, Wohlfahrtsverbände, wie die Diakonie haben eigene Leiharbeitsfirmen gegründet, die mit einem Drehtüreffekt arbeiten.
Stammpersonal wird unter Druck gesetzt, der Aufkündigung von Altverträgen zuzustimmen und über neue Einstellungsverträge bei den besagten Leiharbeitsfirmen, durch die Drehtür, zu krass verschlechterten Bedingungen, ihren alten Arbeitsplatz bei verdichteten Arbeitsabläufen wieder einzunehmen, als wäre nichts geschehen.
Diese unzumutbaren Zustände am heutigen Arbeitsmarkt griffen erst Platz und Raum, nachdem die Praxis befristeter Leiharbeitsverhältnisse für Personalengpässe, innerbetriebliche Notlagen, Stammpersonal verdrängend, in unbefristete Leiharbeitsverhältnisse ausgeweitet wurden.
Zurück zu meinem Eingangsbild vom Arbeitsmarkt als
„Trojanischem Pferd“.
Wer bestückt das „Trojanische Pferd“?
Neben der deregulierenden Gesetzgebung für den Arbeitsmarkt, der Staat mit seinen Lohnsubventionen über die Hartz IV Gesetze, last but not least, die Arbeitnehmer/innen als genötigte Komplizen mit ihrem Restvermögen vor dem Schonvermögen.
Wen beglückt das „Trojanische Pferd“?
Was meinen Sie?
Die privaten Unternehmen, die Arbeitgeber in den Wohlfahrtsverbänden, daneben in wachsender Zahl die
„Privaten Sozialunternehmens GmbHs“
Wen stürzt das „Trojanische Pferd“ ins Unglück der Überschuldung, Insolvenz?
Die Mehrheit der Privathaushalte und damit letztendlich, beraten und betrügerisch verladen, unsere Solidargemeinschaft.

JP

siehe:

www.kulturnetzwerk.de/downloads/EinladungWertderArbeit.pdf

Einladung zur Veranstaltung „Wert der Arbeit“ am 6.9.2011 in Berlin- Neukölln

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.