Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

17.12.2011 | 03:27

Der Kredit oder Vornehmheit als "Dritte Sache"

Friedrich Schillers Epigramm in Sachen Vornehmheit des Kreditwesen.

Philosophie des Geldes

"Ein gewöhnlicher Mensch ist, wer Ware, Dienstleistungen vor Ort  gegen Barbezahlung kauft.Ein Gentleman ist der, dem ich Kredit gebe und der mich alle sechs Monate mit einem Check bezahlt. Hier ist zunächst die Grundempfindung bemerkenswert: daß nicht ein Gentleman als soclher vorausgesetzt wird, dem  als solcher Kredit gewährt wird, sondern derjenige, der Kredit beansprucht, eben als Gentleman gilt.
Daß so der Kreditverkehr als der vornehmere erscheine, geht wohl auf zwei Empfindungsrichtungen zurück.
Zunächst daß er (neben der Ware, einer Dienstleistung) Vertrauen fordert.

Es ist das Wesen der Vornehmheit, ihre Gesinnung und deren Wert nicht sowohl vorzudemonstrieren, sondern als den Glauben daran einfach vorauszusetzen- weshalb denn auch entsprechend, alles ostentativ Reichtum Hervorkehren, als so spezifisch unvornehm gilt.
Gewiss enthält jedes Vertrauen eine Gefahr. Der vornehme Mensch verlangt, daß man mit ihm im Verkehr  die Gefahr auf sich nehme und zwar mit der Nuance, daß der Vornehme in der absoluten Sicherheit über sich selbst, seine standesgemäßen Vermögensverhältnisse, diese Gefahr gar nicht als eine solche anerkennt und deshalb auf jeden Fall sozusagen als "Dritte Sache", der Angelegenheit des unanfechtbaren Vertrauens zwischen Kreditnehmer, Kreditgeber keinerlei Veranlassung sieht, eine Risikoprämie zu gewähren.
Aus dieser Grundempfindung heraus sagt das Friedrich Schillersche Epigramm, daß adelige Naturen nicht mit dem, was sie tun, sondern mit dem, was sie sind, zahlen.

Es ist begreiflich, wie die, Zug um Zug, erfolgende Zahlung für jeden Kaufmann in der weiten Welt des Adels, des Klerus etwas kleinbürgerliches hatte, sie rückt die Momente der wirtschaftlichen Reihe in ängstliche Enge zusammen, während der Kredit eine ehabene Distanz zwischen ihren ausspannt, der mittels Vertrauen alle denkbaren Richtungen beherrscht.
Es ist allenthalben das Schema höhere Entwicklungsstufen, daß das ursprüngliche Aneinader und die unmittelbare Einheit der Elemente aufgelöst wird, damit sie verselbständigt und voneinander abgerückt, nun in eine neue geistigere, umfassendere Synthese vereinheitlicht werden. 
Im Kreditverkehr wird statt der Umittelbarkeit des Wertausgleichs eine Distanz gesetzt.deren Pole durch das elektrisch- magnetische Feld des Glaubens zusammen gehalten werden; wie Religiosität umso höher steht, eine je unermesslichere Distanz sie- im Gegensatz zu allem Anthropomorphismus und allen sinnlichen Erweisen - zwischen Gott und der Einzelseele bestehen läßt, um gerade damit das äußere Maß des Glaubens hervorzurufen, das jene Distanz überbrücke.
Daß bei dem größeren Verkehr innerhalb der Kaufmannsschaft  das Vornehmheitsmoment beim Kredit nicht mehr fühlbar wird, liegt daran, daß er hier eine unpersönliche Organisation geworden ist und das Vertrauen den eigentlich persönlichen Charakter - ohne die Kategorie der Vornehmheit nicht anwendbar ist - verloren hat; der Kredit ist eine sehr technische Verkehrsform ohne, oder mit sehr herabgestimmten psychologischen Obertönen geworden."
(Auszug Georg Simmel "Philsophie des Geldes", Suhrkamp Verlag, 1989, Seiten 668- 669)

Was sagt uns diese Vorstellung vom Wesen des Kredit auf dem Hintergrund der "Dritten sache" als  Vornehmheit, wenn ja, wo ist diese Vornehmheit, wenn es diese denn je wirklich gab,  heute geblieben?

Wird diese Vornehmheit psycholgisch vorhandener Obertöne im Sinne des Schillerschen Epigramms von Kreditnehmern/innen und Kreditgeber/innen gerade durch die Organsísation und Herstellung des Kapitalstocks für den Euro-  Rettungsschirm in der Eurozone und der EU als "Dritter Sache" als Angelegenheit des wiederhergesestellten Vertrauens im Kreditverkehr rekontruiert?

Bei allen hochstehenden Gedanken über die erstrebenswerte Vornehmheit im Kreditwesen, soll hier nicht verschwiegen werden, dass der kreditnehmende Adel und Klerus, darunter Papst, Kaiser, Könige, Fürsten,  die Bankhäuser der Fuggers, Welsers im 16. Jahrhundert während der Finanz- und Kreditkrise im damaligen Weltreich  Spanien nicht in den Ruin getrieben haben, weil das Geld nicht da war, sondern es befand sich, aufgrund des erschwerten, bzw. fehlenden innerstaatlichen und staatsübergreifenden Geldverkehrs, zur falschen Zeit an der falschen Stelle.
Sozusagen "Dumm gelaufen!"

JP

siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/kreditwesen-das-pfand-der-reichen-als-kapitalverfueger

15.08.2011 | 01:26
Kreditwesen, das Pfand der Reichen als Kapitalverfüger
kreditwesen weltfinanzkrise kapital unsichtbare hand adam smith marx&engels sloterdijk safranski steingart vogel merkel steinbrück einkommen pfand kredit

Nicht die Sparguthaben wird durch die Bundesregierung garantiert, sondern der Fluss des Geldumlaufs  im Kredit- und Zahlungsverkehr wird mit dem beiläufigen Ergebnis garantiert, dass die Spargtuhaben der Deutschen auch in Finanzkrisen gesichert bleiben.

Dazu eine kleine Geschichte vom Wesen des Kredits:

 
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Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
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