Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

30.01.2012 | 03:20

Kapitalismus, eine "High Noon" Erzählung

Die gespenstisch dunkle  Erzählung vom Kapital

Während bis zum ausgehenden Mittelalter allerorten im Okzident (Abendland), Erzählungen über Religionen, deren Stifter, Propheten, Apostel, der vemeintlichen Ankunft oder Gegenwart des Messias auf den Märkten galten, verschoben sich seitdem zunehmend die Erzählungen hin zu ganz anders gearteten Erzählungen, in deren Mittelpunkt, die Rede vom Kapital, Mikro- bis Mega- Kredit Schuldenaufnahme, Geldschöpfung durch Zinseszinswirtschaft stand.

Was war geschehen?

Der Seefahrer Columbus hatte auf der fremdfinanzierten Suche einer kürzeren Route von Europa über die Weltmeere nach Indien, eher zufällig, im Jahre 1492 Amerika entdeckt.

Wie von den Furien eines unheilschwangeren Epochegeistes gestochen, fand seitdem die Erzählung vom "High Noon" Kapitalismus, der wachstumsversessenen Geldschöpfung durch Kreditaufnahme,  millionenfach in den Gemütern der Menschen, gleich welchen Standes,  weite Verbreitung und bewegte, adrenalingesteuert, in dem Aberglauben deren Herzen, eine Chance, die es in Wirklichkeit nicht gab, noch gibt, auf jeden Fall gut vorbereitet unter dem Motto "Time is Money" zu nutzen.

Damit war eine neue Erzählung in alle Welt gekommen, in aller Munde geraten und ist es bis heute geblieben, die Erzählung einer Ökonomie der unbegrenzten Möglichkeiten des Wachstums durch eine Geldschöpfung, die sich ausschließlich durch Schuldenaufnahme von privater wie staatlicher Seite nährt.

Es liegt im Wesen einer Ökonomie des Wachstums, dass diese keinen Unterschied zwischen real erwirtschaftem Vermögen und reiner Geldschöpfung durch Schuldenaufnahme, Geldmengenausweitungen, noch Verbindlichkeiten und Gewinnen  erkennt.

Die Innere Dynamik einer Ökonomie des Wachstums entfaltet allein dadurch ihre Wirkung, dass die Menschen und Staaten, Gesellchaften nicht mehr in ihren kleinteiligen, sondern großspurig  zu Lasten namenlos Dritter, über ihre Verhältnisse leben.

Was ist zutun?

Eine Idee, sich aus den Fesseln dieser schuldentreibenden Wachstumsökonomie zu retten, liegt darin, dass sich gesellschaftliche Unternehmungen im privaten, gemeindlichen  wie staatlichen Bereich nicht mehr über Kreditaufnahmen an den Kapitalmärkten finanzieren, sondern über direkte oder genossenschaftliche Teilhabe ihrer Bürger/innen.

Kredite haben, spätestens in der volkswirtschaftlichen Breite angewandt,  die dunkle Eigenschaft, über die Zinseszinswirtschaft, egal ob Unternehmungen wachsen, schrumpfen, Gewinne oder Verluste erwirtschaften, auf der Geldseite ein  Wachstum zu generieren, das es real gar nicht gibt.

Das beschwört auf Sicht für die Substanz des Vermögens der Bürger/innen bestimmter Länder, Regionen, gar aller Völker Gefahrenlagen ungeahnter Vermögensentwertungen herauf, weil die Kreditwirtschaft von ihrem Wesen her außerstande ist, vermögenswirksam wie zeitnah reales Wachstum wie reales Schrumpfen von Auftragslagen in Unternehmen, in Volkswirtschaften nachzuvollziehen.

Unternehmen, Staaten, Gesellschaften, die nicht über Kreditaufnahmen, sondern über Teilhabe aller erdenklichen Fomen und Arten ihrer Bürger/innen finanziert werden, sind dagegen sehr wohl in der Lage, vermögenswirksam wie zeitnah die reale Lage in Unternehmen wie in der Volkswirtschaft berechenbar abzubilden, ohne Gefahrennlagen für den Teil- oder gar Totalverlust von Vermögenswerten heraufzubeschwören.

JP

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 30.01.2012 um 03:29
www.zdf.de/ZDFde/inhalt/10/0,1872,1021354_idDispatch:11262983,00.html

Volker Panzer
nachtstudio
Kapitalismus reloaded - Neue Regeln für die Weltwirtschaft
h.yuren schrieb am 30.01.2012 um 19:19
nach deiner erzählung, lieber jp, nehme ich an, dass du dein konto bei einer genossenschaftsbank hast.
denken/reden/schreiben und handeln in einklang.
Joachim Petrick schrieb am 30.01.2012 um 19:32
@h.yuren

"denken/reden/schreiben und handeln in einklang."

Kannst Du mir eine Genossenschaftbank in Hamburg empfehlen?

Seit meiner Kindheit habe ich ein Konto bei der Hamburger Sparkasse von 1864 die dann mit der von 1827 fuisionierte
Uwe Theel schrieb am 01.02.2012 um 18:25
Die Hamburger Sparkasse ist eine nicht-börsennotierte Aktiengesellschaft. Rechtsgrundlage der Sparkasse ist die HASPA-Satzung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sparkassen unterliegt sie nicht einem Sparkassengesetz, als Aktiengesellschaft aber dem deutschen Aktiengesetz. (Wikipedia)

Statt Petrick fragen lieber selbst googlen:

"Hamburg Genossenschaftsbanken"

Die Auswahl ist nicht groß: Da kommt die übliche Raiffeisenbank und eine Ökobank.
h.yuren schrieb am 01.02.2012 um 18:55
lieber jp, ich hab dich angemacht, und du hast mich nach ner bank gefragt. uwe hat schon mal das wort ergriffen und erklärt, was für banken es sein könnten.

an genossenschaftsbanken kenne ich die volksbank und die raiffeisenbank, dann auch die spardabank und einige ökobanken.
mir aus der praxis bekannt sind nur die volksbank und die gls-bank.
die beiden unterscheiden sich vor allem dadurch, dass die volksbanken überall ihre filialen vor ort haben und ihre kredite etc. kunterbunt zusammengesetzt sind.
die gls ist eine öko-soziale bank. sie setzt das kapital nur für ökologische und für soziale zwecke ein.
bei der volksbank sind die mitgliedseinlagen für normale kunden begrenzt, bei der gls-bank nicht. in beiden banken ist die mindesteinlage für genossen 500 €. (man muss aber kein genossenschaftsmitglied sein)
ich bin wegen der öko-sozialen bestimmung der bank bei der gls. sie hat ihren sitz in bochum und verfügt nicht an allen orten über filialen, in hamburg aber sicher.
ich erledige meine bankgeschäfte online. insofern brauche ich keine filiale.
hoffe, diese informationen sind dir von nutzen, lieber jp.
Joachim Petrick schrieb am 01.02.2012 um 23:03
Lieber h.yuren,
die von Dir genannten Genossenschaftsbanken sind mit vertraut.

Mit meiner Frau haben wir ein Konto bei der Spardabank.

Bei der kreitaufnahme ist es alledings bei der Spardabank wie bei anderen, das Zinsniveau ist hoch, Restrisikoversicherungen werden da den Kunden selbst bei Kleinkrediten aufgenötigt.

Personen über 58 haben auch da kaum eine Chance, Kredite zu erhalten
Joachim Petrick schrieb am 01.02.2012 um 23:05
Im Zusammenhang der Frage von Kreditaufnahmen oder Beteiligung bei der Finanzierung von Projekten, macht es halt keinen Sinn, auf Genossenschaftsbanken zu verweisen, die arbeiten wie alle anderen systemimanent notwendiger Weise auch mit Zinseszins
Uwe Theel schrieb am 01.02.2012 um 11:41
Es sist schön wieder einmal Volkswirtschaft à la JP zu lesen.

Würde mir JP einmal erklären, was der Unterschied zwischen einer von Ihnen verdammten "Schuldenaufnahme durch den Staat" per Staatsanleihe und der Kreditaufnahme durch Unternehmen und dem auf der anderen Seite angeblich harmlosen "über Teilhabe aller erdenklichen Fomen und Arten ihrer Bürger/innen" zur öffentlichen und privaten Finanzierung des Staatswesens sei?

Könnten sie mir bitte weiter erklären, wie solche Teilhabefinanzierung, die Sie offensichtlich innerhalb des Systemrahmens Kapitalismus als Alternative sehen "dagegen sehr wohl in der Lage (wäre), vermögenswirksam wie zeitnah die reale Lage in Unternehmen wie in der Volkswirtschaft berechenbar abzubilden, ohne Gefahrennlagen für den Teil- oder gar Totalverlust von Vermögenswerten heraufzubeschwören."

Insbesondere kann ich mir im Zusammenhang des Letzt zitierten Satzes garnichts zu dem Sinn des Verbs "abbilden" vorstellen.

Was bitte bildet Ihr nicht näher erläutertes "Teilhabemodell" ab?

Was bildet das von Ihnen kritisierte "Anleihemodell" ab?

Bei Ihrer Konstruktion behaupten Sie m.E. dass das Teilhabermodell den Kapitalismus besser abbilde, als das Anleihemodell in Ihrem mir dunklen Sinn.

Offensichtlich meinen Sie mit "abbilden" eher "handlungsleitend erklären".

Der kurzen Rede langer Sinn, sie lösen sich nicht vom kapitalistischen Modell, behaupten aber Auswege zu zeigen.

De facto vernebeln Sie nur populistisch die herrschenden Zustände, stabilisieren sie damit, statt sie wirklich zu kritisieren.

Nix für ungut, ich weiss sowieso, dass Sie mir auf meine eingangs gestellten Sachfragen keine anderen Antworten geben werden, als persönliche Betroffenheitserklärungen und "steile" Gegenfragen, die meilenweit am Thema vorbeigehen..
Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
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