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Frieden – Wie geht das?

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Kultur : Matthias Matussek, "Heiliger Strohsack, Philosophie als Ruhekissen"

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Matthias Matussek endeckt mit Rüdiger Safranski Heiligen Strohsack als philosophische Lagerstatt

Buchbesprechung des Kapitels:

"Zwischenbilanz: Heiße und kalte Religionen

Gespräch zwischen Matthias Matussek und Rüdiger Safranski über Christentum, Islam, Kulturkanon des Katholizismus und mutmaßlichen Kulturkampf in Matthias Matusseks Buch:
"Das katholische Abenteuer",
Spiegel Verlag, (Seiten 147- 164)

Da finden sich zwei Zeitgenossen zu einem Gespräch ein, die beide, jeder auf seine Weise, einen abgeklungenen Stallgeruch in den Kleider ihrer Gedanken, Einlassungen, Äußerungen tragen.

Matthias Matussek verbreitet Rest- Düfte aus Zeiten, in denen er den Heiligen Strohsack im Katholizismus an heikler Lagerstatt als Quelle für klerikalen Stallgeruch endeckt, sich entschlossen hat, diesen Duft des Stallgeruchs der katholischen Welt weiter mit allem, was von päpstlichen Gnaden dazu gehört, zu hegen und zu pfegen.

Die säkulare Welt entdeckte Matthias Matussek freisinnig an für sich, voller Hoffnung auf offene Türen, erfolgreich für seinen eigenen Broterwerb als Kulturjournalist.
Doch allein, ihm fehlt in dieser zivilen Welt deregulierter Freiheit der alltägliche Stilleraum für seinen katholischen Glauben.

Rüdiger Safranski stellt sich den Lesern/innen in diesem Gespräch als bekennender 68er mit säkularem Stallgeruch vor, der schlussendlich, nach allerlei selbstauferlegt autonom, antiautoritär, freiwillig zölibatär peinvollem Leben voller alternativ alternativloser Selbstausbeutung verrannt, befangen, gefangen, eingemauert in eindimensionalen Konzepten , in der Religion für sich die Lücke sah, die ihm der Teufel des Weltlichen als Licht am Ende seine Tunnelblicks bot, in die es für ihn, um seiner Seelen Heil Rettung Willen, bei günstiger Gelegenheit, zu preschen galt.(S. 156)

Für Matthias Matussek war der Glaube nie eine Lücke im alltäglichen Leben, sondern der Fluchtort seiner intimsten Sehnsüchte bis hin, sich in seinem ausgeprägten Kinderglauben an den wohligen Segen des Heiligen Stuhles der Römisch- Katholischen Kirche im globalen Schatten desselben öffentlich zu sonnen und zu aalen.

Matthias Matussek (MM) fragt Rüdiger Safranski, warum eigentlich Schuldgefühle als etwas Krankhaftes, als etwas zu Behandelndes gelten.
Dabei erinnert MM an ein Gedicht des Dichters Gottfried Benn in dessen späten Jahren, in dem dieser sein Erstaunen darüber bekundet, dass das Gute in der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg und überhaupt als Gottesbeweis verhandelt wird.
Worauf Rüdiger Safranski (RS) relativierend bemerkt, das Gute hänge sehr mit dem Gelingen zusammen ( S. 149).

Damit kam also das Gute der Welt, wenn auch mit einiger Unschärfe, in dieses Gespräch als scheinbar unangefochtener Gottesbeweis.
Wobei ich das Gegenteil eines Gottbeweis anderer Güte hier nicht unerwähnt lassen wll, dass nämlich Gott das Gute in seinem Reich so gleich und recht ist wie das Böse.

Gott fehlt, neben dem Stoffwechsel von Warmblütlern, das Zentralorgan , um eine Trennschärfe zwischen Gut und Böse als Überlebensstrategie vorzunehmen.

Insofern kann der Katholizismus mit seinem Zentralorgan, dem Zentralkomitee, seinen Bischofskonferenzen, der vatikanischen Glaubenskongreation, vormals Inquisition, in Rom, in seinen Ursprüngen, Wurzeln, Anlässen klerikalen Bestrebungen, Tendenzen als Brückenreligion in Übergangs- Zeiten, angesichts von Versorgungsengpässen religiöser Strömungen, gedeutet und verstanden werden.

Ist Gott eine Ressouce, die klerikal geschürft, heillos renditeversessen als Brennstoff für den Hausbrand vergast und verschleudert, als strahlender Sondermüll zivilrechtlich zwischengelagert, in Endlagern gesichert, deponiert, wird?

Oder ist Gott zu Wasser, auf Eren, in der Luft ein kosmisches Naturheilmittel, das wohl dosiert, fachkundig beraten und betreut eingenommen, freiwillig innerlich angenommen, unabhängig von Räuschen stoffgebundener Drogen macht?
Soweit wollten weder Matussek noch Safranski in ihren Selbsbefragungen gehen.

Max Weber bot ihnen beiden die Flucht durch diese klaffende Tücke ihrer Gedankenlücke.

MM erinnert RS an sein Essay über Max Weber, der den Satz geprägt:
"Jeder entdeckt den Dämon, der seine Fäden zusammenhält!"(S. 150)
Safranski habe in dem Essay Max Weber mit der Einlasung folgender Warnung ergänzt, wirft Matussek ein:
"Der Dämon sollte nicht zum Tyrannen werden!"

Das klingt ja als sei der Grad des Bösen in den Dämonen mit den Dämonen verhandelbar?

Das zündet bei MM in Frier Assoziation folgenden Gedanken:
"Heisse religiöse Ströme in einer kalten Umgebung sind ein Gewinn!" (S. 150)

Wer denkt bei dieser gewagten Vorstellung nicht an den wärmenden Golfstrom im Atlantik, der den ganze nährstoffreichen Meerswasserkreislauf von der Nord- Hemisphäre bis in den Golf und darüber hinaus im Gange hält?

Gibt es auf unsrerem Planeten auch eine Art religiös- kulturellen Golfstrom, der durch seine nährstoffreichen Gedankenwasser Milliarden Evangelien, Religionsideen in einem stetigen Kreislauf erblühen und vergehen läßt?

Rüdiger Safranski plädiert in diesem Gespräch für die Kirchen darauf, eine Doppelstrategie zu fahren (S. 150), nennt diese Doppelstrategie doch tatsächlich in der Wirkung
"Zweifrontenkrieg" .
An einer Front geht es Safranski um die Befreiung der Kirchen aus der staatlichen Umklammerung auf allen gesellschaftlichen Ebenen in Bund, Ländern, Kommunen, sozusagen in Umkehrung der Parole Rudi Dutschkes vom argumentativ hochgerüstet überfrachteten
"Marsch durch die Institutionen"
nun um den geordneten Marsch unter der Parole
"Entrüstet Euch"
heraus aus den gesellschaftlichen Institutionen.

Safranski sieht zwischen den heissen und kalten Religionen, was immer das auch wirklich defintiv ist, anders als Matussek, auch den Unterschied zwischen heissen
"Erlösungskirchen"
und abgekühlt kalten
"Zivilreligionen".
Das sei der Weg, den das Christentum von der heissen
"Erlösungs- zur kalten Zivilkirche"
gegangen sei, meint Rüdiger Safranski.

Manifestiert sich die
"Zivilreligion"
quasi in der zivilen wie strafrechtlichen Gesetzgebung unseres Rechtsstaates auf dem Boden des Grundgesetzes (GG)? , um dem Reichtum der Vielfalt der Vielstimmigkeit im Glauben, gleich welcher Religionszugehörigkeit, gleichrangig, Raum und gesellschaftlich relevantes Gehör zu verschaffen?

Die andere Front ist in Safranskis Vorstellung in der Gefahrenlage zu gegenwärtigen, dass den sogenannten kalten "Zivilreligionen"
mit ihren immanenten Tendenzen zur Versöhnung, Toleranz unter- und miteinander, nicht nur ein Rückfall in die fundamental aufgeheizten
"Erlösungskirchen"
mit ihren heillosen Naheerwartungen des Jüngsten Gerichts, sondern in einer anschwellenden Dimension, der bevorstehende Absturz in die glühende Lava von
"Bestrafungskirchen"
droht, deren fanatischer Sinn für unabdingliche Trennungsschärfe das religiös- kulturelle Gesellschaftsklima durch dunkle Wolken verdüstert.

Matussek fällt dazu, lateral aufgeschlossen, das metaphysische Talent der Menschen ein, sich gerade in Zeiten der Gefährdung, der alltäglichen Anfechtung, in einen Zustand des
"So als ob"
Lebens in einer ganz anderen Welt zu versetzen, ohne das notwendige Quentchen an Wirklichkeitssinn für das Überleben, Überwintern zu verlieren.

Aber auch Matussek kämpft, wie Safranski an zwei Fronten, wenn er gleichzeitig die Leser/innen mit Rüdiger Safranski dazu einlädt, die Möglichkeiten einer ironischen Existenz im Katholizismus wahrzunehmen, auszuprobieren, die es im Protestantismus nach seiner Meinung so auf gar keinen Falle gibt (S. 155).

Rüdiger Safranski fällt auf die Sprachregelung von Matthias Matussek herein, der da zum Besten gibt, er kämpfe leidenschaftlich für den freiwilligen Zölibat und sei dagegen, Frauen. als Priester/innen auszubilden und anzuerkennen.

Wo Safranski doch voher betont, er sei gegen hermetisch abgeschlossen alternativlose Systeme, seien diese nun säkular oder klerikal.
In einem hermetisch abgeschlossenen Priesterseminar der katholischen Kirche ist der Zölibat alternativlos, also kann beim besten Willen nicht von Freiwilligkeit im Falle des Zölibats die Rede sein."S. 157)..

Selbst in Phasen einer durchaus kritischen Betrachtung der katholischen Kirche fällt es weder Safranski, geschweige denn Matussek, ein, auch nur ansatzweise theolgisch hochqualifizierte Denker, Kritiker der katholischen Kirche in Fussnoten beim Namen zu nenen, die da u. a. die Professoren Horst Herrmann, Hans Küng, Eugen Drewermann sind.

Das Ergebnis dieser Enthaltsamkeit der Kommunikation mit kritischen Geistern des Katholizismus rächt sich auf dem Fusse, wenn sowohl Matussek als auch Safranski vermeinen, eine Art neuen Kulturkampf (S. 161- 63) der Bismarkschen Zeit identifizieren zu können, der heute ausgerechnet von den Globalplayern UNO, NGOs, Internationales Rotes Kreuz, Internationaler Halbmond auf tückische Weise leise gegen den Katholizismus geführt werde.

Wer geistliche Dolmetscher zwischen und innerhalb der klerikalen und säkularen Welten, wie u. a. die Professoren Horst Herrmann, Hans Küng, Eugen Drewermann, aus dem Raum des amtlichen Katholizismus verdammt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er danach sprachlos in der Welt unterwegs, von Freunden umzingelt, diese dunkel raunend, Feinde nennt.

Die Katholische Kirche als wirtschaftlicher Globalplayer, mit dem Vatikan als weltweit Regierungen korrumpierende Steueroase, als geschlossenem Immobilienfond, samt angeschlossener Schweiz als Steuerparadies, kommt in diesem Gespräch zwischen Matthias Matussek und Rüdiger Safranski nicht vor.

Dafür gibt es in diesem Gespräch, dank Matussek, mit einem Griff in den faustischen Zitatenschatz Goethes mit der Gretchenfrage einen allgemein versöhnenden Ausklang, die da lautet:

"Wie hält er es, oh hoher Herr, mit dem Glauben?"
Worauf Faust antwortet:
"Wer darf ihn nennen und wer bekennen?"

Darauf Gretchen geziert pariert:
"Der Allumfasser, der Allerhalter, er weicht ein bisschen aus".

Worauf Safranski den philosphischen Reiz dieses Dialogs ins Semantische versenkt, wenn er sagt:

"Ja!, Faust scheint da auszuweichen, aber im Grunde benennt er es doch, soweit es ihm möglich ist."

Der philosphische Reiz liegt für mich darin, in diesem Dialog den vergeblich wie aussichtslosen Versuch von Faust zu erkennen, Gretchen nachvollziehbar umsichtig andeutend zu verdeutlichen, dass Fragen nach dem persönlichen Glauben an sich unziemlich, unschicklich sind, weil der wahre Glaube, klerikalfern, zur namenlosen, demütig achtsam ungestörten anonymen Übung, Andacht und Pflege strebt.

Die Idee einer
"Religious Anonymus Church" (RAC)
ist längst in unserer Welt angekommen, auch wenn deren Berechtigung in den Medien, in den Wissenschaften, in der Kultur, wie in diesem Gespräch zwischen Matthias Matussek und Rüdiger Safranski beharrlich ignoriert und beschwiegen wird.

Vorläufiges Facit:

Ich ahne und vermute, Matthias Matussek ist in das
"Gleichnis vom verlorenen Sohn"
in der Deutung von Papst Benedikt XVI geradezu vernarrt, ohne vielleicht dessen anmassende Deutung erkennen zu wollen, dass dem verlorenen Sohn, in diesem Fall der zweitgeborene Sohn Matthias Matussek, nach seiner Heimkehr daheim keine Rechte, sondern nur ein religiöser Event, samt klerikal festlich ritualem Budenzauber, erwartet, während der erstgeborene Sohn ungeschoren in der Übermacht seiner Rechte auf Ewigkeit und drei Tage bestätigt wird.

Matthias Matussek gebärdet sich wie das tapfere Schneiderlein
"Sieben auf einen Streich",
nicht um in einen religiös- kulturellen Diskurs einzubiegen, sondern eine Verdeckungsdebatte vom Zaume zu brechen, die sowohl den Blick auf den Kaholizismus als auch auf den den Islam u. a. Religionen verstellt

Deshalb meine Frage:
Weiß Matussek eigentlich, was der Katholizismus in der Welt seit dem II. Vatikanum (1963- 1965) unter dem Pontifikat Papst Johannes XXIII bedeutet und ausmacht?, bzw., will Matussek das überhaupt wissen, wenn er dieses II. Vatikanum im Bunde mit dem gegenwärtigen Papst Benedikt XVI, mit Stumpf & Stiel, für null & nichtig erklären will, wenn er diesen global aufgestellten Katholizismus so scheinheilig leidenschaftlich, klerikal kleinmütig geschrumpft, ökumenisch konsensunfähig, bis zur Unkenntlichkeit zerredet?

Matthias Matussek ist n. m. E. diese Sorte Kulturredakteur, der hochgerüstet mit reißerischen Aufmachern daherkommt, wie das vorliegende Buch, dann aber bei Lichte betrachtet, nicht zu Debatten einlädt, sondern alle abweichenden Gedanken, zu schweigen von den Gedanken jener, ihrer Lehrämter päpstlich enthobenen katholischen Professoren Horst Herrmann, Hans Küng, Eugen Drewermann ausladend auf seine äußerst verletzbar innere Befindlichkeit verweist, seinem Inneren Kind Sprache verleiht, das da unabdinglich nach bedingungsloser Liebe, wie nach dem schmerzenreich abwesenden Busen der Mutter stichelt.

So einem Matthias Matussek ist viel von dem einfach und schlicht ergreifend abhanden gekommen, was das wirkliche Kulturgedächtnis der Katholischen Kirche voller Vielfalt des Reichtums von Schismen, Abweichungen, Nischen, Ausnahmegenehmigungen im Glauben, der Lithurgie, der Banken- und Ordensgründung ausmacht.

Matthias Matussek, will mir scheinen, schreit geradezu jammervoll, sich und andere quälend, danach, dass in ihn endlich ein eilig heiliger katholischer Geist in Gestalt des Erzengels Uriel fahre, damit er endlich mit dem Erzengel Raphael geerdet, mit dem Erzengel Michael Gerechtigkeit erfahrend, sich ehrlich machend, gegroundet, geführt von dem Erzengel Metatron berichten kann, was er wirklich als Katholik an Bestrebungen, Tendenzen in der Gegenwart hin zur innerkirchlichen Demokratie und synodalen Mitbestimmung, lokal & global, mit der Zungenfertigkeit des Erzengels Gabriel verkünden will oder nicht.

JP

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