Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

07.02.2012 | 01:33

"Mind Reading" ( Gedankenlesen )

Gedankenlesen, kreatürlich die leichtere Übung?

Ist das Gedankenlesen  keine Kunst, sondern eine natürliche Wunder- Anlage von Menschen, Tieren, Pflanzen?

Gerade in die Welt geboren, beginnt der Mensch, gut als Embryo im Bauche seiner Mutter eingestimmt,  als Säugling, Baby sein Vermögen des Gedankenslesens in reine taktil spürbar ertastete Wahrnehmung umzusetzen, ohne auf das Erlernen irgendeiner Sprache angewiesen zu sein.

So wie das Phänomen des Hellsehehens die Verdunkelung zur Vorraussetzung hat, so hat das Gedankenlesen die Abwesenheit der Sprache zur Vorraussetzung.

Warum brüllen Babys beim ersten Anblick von fremden Personen  scheinbar unbegründet   los?, weil sie sich durch den Anblick des erstarrten Gesichtsausdruck einer Person am gewohnten Gedankenlesen in der Geborgenheit der Mutter/Kind-  Dyade massiv gestört fühlen.

Wer einen Säugling, ein Baby, ein Kleinkind, Kind verunsichern will,  starrt dieses zwei Minuten mit eisig erstarrtem Gesichtsausdruck an - unversehens steigt der Puls des Säuglings, Babys, Kleinkind, Kindes, es wird versuchen, sich durch Nuckeln zu beruhigen, und alle Körper Signale einer Stressreaktion zeigen.
Wenn man dann spätestens ls Erwachsener wieder lacht, wird der Säugling, das Kind heulen und Körperkontakt ersehnend suchen.
Wer die Signale anderer nicht zu lesen, noch aktil zu spüren  vermag, lebt sozial im Dunklen.

Wie geschrieben:
Mit einem erstarrten Gesichtsausdruck kann man/frau Säuglingen, Babys, kleinen Kindern auf kolossal wirksame Art und Weise Angst einjagen.

Nicht selten haben da böse Onkels und Tanten, selbstverständlich nur  vorrübergegend,  ihre helle Freude dran. weil sie eben keine situationsbezogenen Grimassen schneiden, sondern nur einen erstarrten Gesichtsausdruck zeigen.

Andererseit sind es wiederum sogenannte böse Mitschnacker/innen, die ohne Worte zu verlieren, des Gedanklenlesens mächtig, kleine Kinder mitzuschnacken suchen.

Wer sein kreatürliches Vermögen des  Lesens der Gedanken eines anderen Menschen testen und wagen möchte, muss sich der kleinen Anstrengung unterziehen, sich in die Lage seines Gegenüber zu versetzen und mit diesem nonverbal über Mimik, Gestik, Gebärden, Motorik, taktil tastend, zu kommunizieren.

In dem  Buch "Gedankenlesen" des amerikanischen Psychoanalytikers Michael Moskowitz werden genau diese kommunikativ nonverbalen Prozesse des "Gegenseitig innigen  Einfindens, taktilen Einfühlens" eingehend und überaus unterhaltsam beschrieben.
 "Theories of Mind (ToM)", wie der englische Fachgegriff lautet - Theorien von dem, was im Kopf und im Gemüt anderer vor sich geht - bilden wir alle unaufhörlich, erklärt Moskowitz.

Michael Moskowitz Versuch, in seinem Buch am Beipiel der Erfogsgeschichte Bill Gates den Prozess und Wirkung von "Mind Reading" zu demonstieren, finde ich eher nicht gelungen, ja fehl am Platz, weil dieses Beispiel, sich  nicht personenbezogen, sondern am Marketing für Massenware (Computer Betriebssysteme) im Markt  orientierend, nur eine verkürzt, verengende Darstellug des kreatürlichen Gedankenlesens (Mind Reading) erlaubt.

Das orchestrale Konzert der Impulse, Ambitionen, Neigungen, Bedürfnisse  im Bewusstsein anderer zu lesen ist noch vor dem Erlernen der Mutter- Sprache unsere  Grundform sozialer Kommunikation und bietet eine überlebenswichtige Orientierung im komplexen sozialen Zusammenleben, Zusammnewirken von Menschen, Tieren, Pflanzen, Elementen im Miteinander und Gegeneinander.

Beim Gedankenekesen in der Mimik, Gestik, Gebärden, Motorik, des Atems, den Düften  von Menschen, Tieren, Pflanzen, Elementen geht es nicht um Zauberei, nicht um Taschenspielertricks, sondern um ein Vermögen kreatürlicher Kommunikation, das jedem Menschenkind taktil in die Wiege gelegt, aber auf dem Lebensweg bis hin zur Bahre in der Regel erfolgreich durch allerlei Kulturtechniken, darunter das Erlernen von Sprachen, ausgetrieben wird.

Durch Soziale Interaktion volbringen Menschen, Tiere, Pflanzen ein ständiges Austarieren von Impulsen, Reizen. Bedürfnissen und Wünschen, das beim Menschen wie Tieren  im wesentlichen  Teil im Unterbewussten stattfindet: Wir Menschen tasten uns vor, versuchen unser Gegenüber zu erspüren, während wir gleichzeitig nur ungenau ahnen, was in uns selbst vor sich geht.
Ganz besonders häufig, so hat eine Studie herausgefunden, sollen übrigens Mütter ausgerechnet von ihrer eigenen Brut nicht im eigentlichen Sinne angelogen, aber mimisch, gestisch, gebärdend, motorisch fabulierend in die Irre geführt werden

War also am Anfang gar nicht das Wort, sondern das allgemein gegenwärtig kreatürlich taktile Gedankenlesen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Elementen?

War es gar eine Zeit, als das Gedankenlesen von Menschen, Tieren , Pflanzen, Elementen in der hohen Blüte stand, so fortgeschritten verläßlich als zielführend galt, dass ein großer Graus unter jene Wesen kam, die mit dunklen, finsteren Plänen schwanger liefen, aber noch bevor sie zur bösen Tat geschritten, schon durch das allgemeine Gedankenlesen seismografisch als Gefahr erkannt, als Gefahr gebannt,  umzingelt, gestellt und durch den Friedenswillen im Verband einer Gruppe, eines Stammes vernommen, Einkehr und Besserung gelobten, und doch schlussendlich orgendwann das  Wort als Verdunkler, als Verrätseler ersannen, seinen unheilvollen Anfang unter den Menschen, Tieren, Pflanzen, Elementen zu nehmen?

Ward das Wort also nicht erfunden, um Klarheit, Wahrheit, Erlösung von Leid, Not, Bösem, Übel, sondern ganz im Gegenteil, um  Verstörung, Missverstehen, Mißgunst u. a. alle anderen bösen Gewohnheiten durch die Kulturtechniken des beredten Lügens, Täuschens unter die Menschen, Tiere, Pflanzen, Elemente im Miteinander und Gegeneinander zu bringen?

Es hat den Anschein.
Denn jemehr das Wort an Rang und sprachlicher Namensvielfalt Bedeutung in aller Welt gewann, desto mehr verblaßte das überlieferte Vermögen des Gedankenlesens unter den Menschen auf Erden, bis es schließlich durch allgemeine Alphabetisierungs- und Beschulugsprogramme der Heranwachsenden als unerwünschte wie erwünschte Nebenwirkung ganz entschwand.

JP

Michael Moskowitz: Gedanken lesen:
Erkennen, was andere denken und fühlen
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Gottfried Röckelein
Pendo Verlag
270 Seiten, 19,90 Euro

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 07.02.2012 um 13:49
"Beispiel für "Mind Reading"

Sowohl von Bill Gates als auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide Jahrgang 1955?) waren und sind direkt keine Einladungen, Ermutigungen, Inspirationen für Lösungen von Konfliktgemengen, Problemgedrängen zu erwarten, außer dass beide immer wieder versuchten und versuchen, auf dem Höhepunkt der Gemengelagen von Erwartungen & Krisenhöhepunkten marktorientiert nach der Devise
"Wie es euch gefällt"
hinhaltend, "Mind Reading" zu betreiben.

Was manche als Unterwerfung identifizieren, was aber Gedankenlesen (Mind Reading) niemals war, ist, noch sein wird
Joachim Petrick schrieb am 07.02.2012 um 14:44
In dem Buch "Gedankenlesen" des amerikanischen Psychoanalytikers Michael Moskowitz werden genau diese kommunikativ nonverbalen Prozesse des "Gegenseitig innigen Einfindens, taktilen Einfühlens" eingehend und überaus unterhaltsam beschrieben.
"Theories of Mind (ToM)", wie der englische Fachgegriff lautet - Theorien von dem, was im Kopf und im Gemüt anderer vor sich geht - bilden wir alle unaufhörlich, erklärt Moskowitz.

Michael Moskowitz Versuch, in seinem Buch am Beipiel der Erfogsgeschichte Bill Gates den Prozess und Wirkung von "Mind Reading" zu demonstieren, finde ich eher nicht gelungen, ja fehl am Platz, weil dieses Beispiel, sich nicht personenbezogen, sondern am Marketing für Massenware (Computer Betriebssysteme) im Markt orientierend, nur eine verkürzt, verengende Darstellug des kreatürlichen Gedankenlesens (Mind Reading) erlaubt.
Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
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