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Nicht Papierloser, aber legalisiert auf der Flucht.
"Was is das?"
Erzählen Sie anderen, nicht mir , daß Sie ihn nie gesehen. Vielleicht haben Sie ihn im Stadtgetümmel, Verkehrsgedränge des ÖPVN übersehen, das ist naheliegend, aber gesehen haben Sie ihn häufig- was zweifle ich? - hundertmal, tausendmal haben Sie ihn gesehen! Denn er ist überall. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr werfen ihn die Internierungslager, Gefängnisse, Asylbewerberknäste, Flüchtlingswohnunterkünfte zu Zehntausenden auf die Straße, in die Busse, U- , S- Bahnen hinaus ins Freie Leben.
Der junge Mann, der Ihnen beim Betreten der Rolltrepe höflich den Vortritt ließ, Ihnen die Tür zur Zeisehalle in Hamburg- Altona/Ottensen sperrangelweit öffnete, sich verlegen fortwandte, als der erwartete Dank, der erwartete Groschen nicht fiel- das war er.
Der unstetig Reisende, der niemals mit einer Zeitschrift unterm Arm (inklusive Blanko- Vertragsformular- Block) anzutreffen war, weil er weder des Schreibens noch Lesens mächtig, keine Chance hatte, in einem Call- Center, in Drückerkolonnen für den Vertrieb von Zeitschriften, Preselektion- Verträgen der Telekommunikationsbranche angeheuert zu werden.
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Der Ihre Frau eine halbe Stunde mit seinem heftig wichtigtuerisch gestikuliernd aufgeregten Geschwätz eher verstörte denn unterhielt, der sich befangen fortdrückte, als Ihre Frau ihn gerade ratlos bekümmert nach fehlenden Rosensträuchen, Zeitschriften, Preselektion- Verträgen fragen wollte - das war er, der Mister
"Was is das?"
Vielleicht hatten Sie, weil die Mieten stiegen, ein Zimmer zu vermieten, und ein junger Mann kam, außerstande auch nur eine Frage Fragen wegen Heizung, Fensterputzen, Müllentsorgung durch Mülltrennung, Entrümpelung, Licht, Miete, hinreichend klar zu beantwotenb und plötzlich, als er die 120 € für den ersten Monat anzahlte, unverwandt bedrückt sagte:
"Das Leben ist nicht nicht einfach in Hamburg. Ich bin Flüchtling aus Tibet, mein Name ist Lobsang, um gleich darauf in gebrochenem Deutsch mit englisch entlehnten Brückenwörtern tapfer seinen fernöstlichen Glauben an die Person des Dalai Lama zu bekunden:
"Als Mönch habe ich nach meiner Flucht aus Tibet über den Himalaja nach Indien vieles gelernt, wenn auch nur wenig richtig. Ich liebe das Leben, das Leben liebt mich, denn ich habe Dich gefunden!"
Sie duzten sich von Anfang an, so vertraut erschien er ihnen, der Lobsang aus Tibet und Sie ihm aus Hamburg Altona in Ottensen.
In Öffentlichen Bücherhallen, vor den Aushängebogen der Zeitungen mit dem Stellenmarkt können Sie ihn tagsüber kaum finden, denn er kann, wie gesagt nur bruchstückweise lesen und schreiben. Vielleicht sind Sie einmal nachts über den Rathausmarkt gekommen oder haben ihn in der Wandelhalle des Hauptbahnhofs Altona, dort sitzend, schlafen gesehen. Unter der verdrückt vergilbten Golfermütze, der man die Wanderung über viele Köpfe ansieht, ist er ebenso wenig zu finden wie an den Heizkörpern der Wartesäle, in den weiträumig weitläufigen Museen und voller Bangen vor den Steckbriefanschlägen der Polizei, denn er ist kein Papierloser, kein Illegaler, er wäre gerne selber Ordnungshüter.
Lobsang hat nach drei Jahren Aufenthalt in Deutschland den höchsten Grad erreicht, den ein Flüchlting in Deutschland erreichen kann, sein Aufenthaltsstatus ist, mit einer Arbeitserlaubnis asgestattet, unbefristet
Er ist überall, er treibt völlig jung wie gesund unbekümmert bekümmert im kranken Teil des Lebenssaftes unserer globalen Gesellschaft, ein gesunder Tropfen noch, dem erst Schwächung, dann baldige Erkrankung droht.
Als er aus dem Kolpinghaus in Würzburg, der ersten Station in Deutschland nach seiner Flucht aus Tibet und den jklösterlichen Jahren in Indien, entlassen wurde, war er 27 Jahre alt, mit dem Notwendigsten an finanziellen Mitteln an € in seiner Tasche, war er entschlossen, "Übliche Dummheiten, Faxen, grobe Späße, Übergriffe von Ewig- Zwöfjährigen in Klöstern" zu meiden. Nicht, daß er sich dazu imstande fühlte. Bei dem Gedanken grinste es in seinem ganzen Körper. Aber er hatte eingesehen, daß sein voller Einsatz bei diese Gelegenheit in Hamburg, ein, ungebunden, selbständiges Leben zu wagen, gefordert war.
Er hatte sich ausgerechnet, daß er, gut vernetzt, in der fernöstlichen Community, soweit diese in Hamburg in der Gastronomie präsent war, sschnell und unbürokratisch Arbeit finden und von seinen Einkünften leben könnte.
Also begann Lobsang durch einen tibetischen freund L. vermittelt, seine Arbeit in dem Restaurant "Parlament" im Keller des Hamburger Rathaus als Küchenhilfe.
in dieser Zeit wollte er zu sich kommen, sich in seinem neuen Leben, Hamburg orientieren.
. Seine erste Enttäuschung erlebte er, als er in Hamburg keine Wohnung für sich fand. Endlich fand er Unterschlupf mit einem anderen Tibeter als Untermieter in der Wohnung einer Frau in Hamburg Eimsbüttel.
Doch dort war es schnell wie zuvor im Kloster in Indien, oder im Kolpinghaus in Würzburg, er fühlte sich wie ein Kind im Hause am Herd gehalten, der als einer von den ewigen Fünf Tibetern allzeit freundlich bereit zu allerlei Diensten aufgeschlossen war und, seinem Naturell entsprechend, auch sei wollte. Dienen, Achtamkeit im Umgang mit Menschen, Situationen, eher mit Männern, denn mit Frauen, hatte er im jahrelangen klösterlichen Alltag in Indien von seinem fünfzehnten bis zu seinem 26. Lebensjahr gelernt.
Wenigstens das.
Lobsang, der Tibeter, der um des Himmels Willen kein Chinese sein will, hat auf alle Ungereimtheiten, die sein Leben, seinen Alltag betreffen, nur eine Antwort, die als Frage an andere daherkommt:
"Was is das?!"
Auch wenn Lobsang nicht Papierloser ist, so fühlt er sich doch aber, legalisiert, auf der Flucht.
"Was is das?"
Lobsang meint:
"In Indien gab es zwar nicht diese Hilfen, wie in Deutschland, aber auch keine Briefe, Zahlungserinnerungen, Zahlungsaufforderungen, Mahnbescheide von Vodafone, Telefonica, O 2, Videotheken, den Wasserwerken, Rückläufern wg. Konto- Unterdeckung von der Sparkasse, Bussbescheide wg. ordnungswidrigem Pinkelns am Straßenrandbaum auf St. Pauli.
Was is das?"
Jeder machte ihm als Tibeter auf der Flucht, als gefühlter Botschafter des Dalai Lama, in Hamburg gerne einladend die Tür auf, nichts da von Vor- Verhandlungen durch die Wohnungstür- Spalte, mit der Kette davor. Ganz natürlich schreitet da mit ihm die legendäre gelssenhait der Fünf Tibter ins Haus, eigentlich müßte man ihm ja für die Erscheinung seiner Person Eintriitsgeld zahlen, aber man will ja als Hamburger/in auch nicht aufdringlich erscheinen.
Als er dann im eilig gemieteten Zimmer seinen Koffer auspackte, sah er, daß er wirklich nicht viel zu verlieren, gescheige denn in die möblierten verhältnisse und Behätnisse einzupacken hatte. Anzüge hatte er noch nie sein eigen genannt. Wäsche und Schuhe waren ohnehin an seinem Leib. Ein Handy, ja einen Laptop konnte er schon einmal griffbereit, mit seiner Heimat in Tibet verbunden, beiseite legen.
Noch einmal hingehen, kämpfen? Aber wie konnte er seinen Arbeitgeber "Das parlament" dazu bringen, ihn besser zu bezahlen? Und dann - war ihm nicht geschehen, wonach andere als Flüchtlinge mit berfristeten Aufenthalt ohne Arbeitserlaubnis vergeblich strebten?
In der Ruhe, im langen Schlaf am hellen Tag, auch wenn die Vögel draussen munter zwitschern, liegt die Kraft!
Aber er hatte keine Zeit zur Ruhe, kein "In sich Ruhen" keinen Sinn für den Schlaf am hellen Tag.
Wenn er an seinem einzigen freien Tag in der Woche, sich auf die Suche nach einem besser bezahlten Job in der asiatischen Gastronmie Community in Hamburg machen wollte, müßte erlängst gefrühstückt haben, unterwegs sein.
Dabei brummt ihm noch der Schädel, weil er in letzte Nacht schlecht schlafen konnte, hate er nicht zum ersten Mal den Alkohol in einer Flasche Wein als heilende Medizin entdeckt.
Er sei wirklich gar kein guter, er sei ein schlechter Tibeter, denn gute Tibeter trinken keinen Alkohol, auch nicht als Medizin, wie er offen seiner Vermieterein nach dem nächtlichen Genuss des Weins bekannte. Er werde nun niemals wieder Alkohol trinken.
War er erst einmal auf de Piste, einen "Coffee to go", einen Döner fassend, bei einem asiatischen Sushi Restaurant am Hamburger Hauptbanhof, in Barmbek, am Elbstrand gelandet, um nach Arbeit als Küchenhilfe, gar Hilfskoch zu fragen, hieß es sich minutelich papierlos zu entscheiden.
Zwischenzeitlich hatte er, während des Urlaubs, ohne seinen Arbetgeber "Das parlament" zu informieren, eine Arbeit bei einer Leiharbeiterfirma wg. der angeblich besseren bezahlung aufgenommen. Die leiharbeitsfirma vermittelte ihn als Lagerarbeiter an die Paketdienstfirma DSL am Hamburger Hauptbahnhof. Vielleicht könnte er da endlich auch unter deutschen Kollegen/innen, besser als im Parlament ganz nebenbei Deutsch lernen.
Fehlanzeige.
Dort traf er nur türkische Kollegen in blauen Overalls an, während er als Leiharbieter einen orangen Overall trug.
Kein Schild wa da an seinem Arbeitspalatz in deutscher Sprache verfasst, alle Schilder glotzten ihn, Rat verweigernd, in türkischer Sprache an.
Die türkischen Kollegen/innen wiesen ihm auseprochen unfreundlich Arbeiten zu, ohne selber zu arbeiten, geschweige ihm, kollegial einweisend, zu helfen.
Leiharbeiter waren dem Stammpersonal ein Grausen, das sie, besser gestern denn heute, nchdrücklich abschütteln wollten.
Da war kein Bleiben für ihn.
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Sehr schön geschrieben. Das Nachempfinden der papierlosen Not ist berührend. Eine echte Geschichte?
Danke. Gerne gelesen , aber auch nachdenklich und traurig bei dem Gedanken,m dass es dass ja wohl wirklich bei uns gibt. Herzliche Grüße aus Essen poor |
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@por
Danke für Dei Einfühlungsvermögen |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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