Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

29.10.2011 | 02:54

"Occupy history"

"Occupy history" Versuch? am Beispiel von Heinrich Himmlers Posener Rede vom 04.Oktober.1943

Peter Sloterdijks "Sprechende Philosophie", schriftlose Kultur, neben der Schriftkultur

Nach Peter Sloterdijk Lesart birgt Heinrich Hmmlers Posener Rede 04.Oktober.1943  eine philosophisch Dimension.

Verfängt und verheddert sich Peter Sloterdijk im Maschendraht der Occupyematte seiner „Sprechenden Philosophie? 

Im Zusammenhag mit der Occupy Bewegung ist es interessant, diesen Occupy Begriff auch einmal hinisichtlich des Umgangs der Medien mit der Geschichte zu beleuchten.

Dazu bietet sich n. m. E. besonders gut geeignet folgende Sendung des
"Philosophischen Quartetts"
im ZdF vom 29.03.2010, mit Peter Sloterdijk, Rüdiger Safranski, Joschka Fischer , Hans Ulrich Gumbrecht an, in der alle Beteiligten zunächst voller Unwucht in der "Philosophischen Ur- Suppe der „Anteilnahme“ von Jean-Jacques Rousseau (* 28. Juni 1712 in Genf; † 2. Juli 1778 in Ermenonville bei Paris) lustlos herum stocherten, ohne sich einen rechten noch linken Reim machen zu wollen, bzw. machen zu können?

Hatten sie doch am Beispiel Griechenlands die Chance vertan, den kleinen Schritt aus der Philosophie der Befreiung, der Aufklärung hin zur Philosophie des aufsuchend nacheilenden Lastenausgleichs zu wagen.
Stattdessen verstiegen sich alle Beteiligten in das prekäre Wagnis, der Posener Rede von Heinrich Himmler (04.Oktober.1943 ) eine philosophische Dimension zu unterlegen:

Unauthorisierter Auszug aus Heinrich Himmlers Rede vom 04. Oktober 1943 in Posen (s. Link u., Orginaltext der Posener Rede):

"Ein nicht zu beschreibendes Heldentum unserer tapferen Männer, voller Sinn für Anständigkeit, Anstand, selbstloser  Opferbereitschaft, leidenschaftslosem Fleiss beim Massenmord, nie dagewesene Verbrechen an der Menschheit für die Interessen des auserwählten Deutschen Volkes begangen zu haben und doch treu und anständig geblieben zu sein......",

eine philosophische Dimension abzugewinnen.

Nur Joschka Fischer wollte diese philosophische Dimension der Himmel schreienden  Heinrich Himmler Rede in Posen nicht, unkritisch hinterfragt, gelten lassen.

Was für Joschka Fischer spricht, aber hier dem Ansatz der "Sprechenden Philosophie" von Peter Sloterdijk  nicht auf zielführend nährende Gedanken Sprünge verhilft.

Geht es Peter Sloterdijk mit seiner „Sprechenden Philosophie“ doch darum, aufzudecken, dass eine Philosophie der Anteilnahme, Geschehnisse, wie kollektiv erlebte Krisen, Kriege, Katastrophen natürlicher als auch verbrecherischer Ursachen und Urheberschaften zur Voraussetzung hat, um die nacheilende Wirkung ihrer Philosophie des anteilnehmenden Lastenausgleichs zu entfalten.

 Lag folglich, provokativ gefragt, Heinrich Himmler mit seiner Posener Rede 04. Oktober 1943  unwillentlich,  gar nicht verkehrt, wenn er unbeabsichtet verdeutlichte, dass es des Verbrechens des Holocaust, der Katastrophe des zivilen Zusammenbruchs  aller Werte und Güter bedarf bzw. bedurfte, um im Nachkriegseuropa einer Vorstellung der Theorie, Praxis und identitätsstiftenden Philosophie einer Entschädigungs- und Lastenausgleichskultur das Fundament zu errichten?

 Wenn Heinrich Himmler in seiner Posener Rede von „anständig geblieben sein..“   sprach, meinte  er zu allererst, dass die im deutschen Namen begangenen Verbrechen eine derartig belastbare historische Dimension entfalten würden, dass niemals ein solches Verbrechen vor nationalen noch internationalen Gerichtshöfen zur Anklage käme, geschweige von Amtswegen gesühnt werden könnte.

 Was für ein verbrecherisch triumphierend auftrumpfender Irrtum in dieser Posener Rede Heinrich Himmlers 04. Oktober 1943 als hervorstechender Vertreter eines verbrecherischen Terror Regime  gegen gesetztes Völker- und Menschenrecht

 Doch gleichzeitig klingt unverhohlen verstohlen, nahezu unhörbar,  ein Bangen in Heinrich Himmlers Posener Rede vom 04.Oktober.1943 an.
Warum?.
weil Heinrich Himmler als überaus humanistisch hochgebildeter Bildungsbürger, sein Vater war altgriechischer Oberlehrer in Oberbayern, trotz allem sündenstolzen Frohlocken,  Folgendes klar zu sein schien:

Es galt und gilt das Generationsübergreifende Recht, das wohl hier und da von Despoten, Verbrecher Regierungen, wie das NS- Regime, trotz propagandistischer Ausstattug mit einer scheinheiligen Vorsehung, auf Zeit außer Kraft gesetzt sein mag, doch unbefristet in den Köpfen der Menschen, Täter wie Opfer, unauslöschlich gesetzt bleibt.

Die Kindergeneration wird der Kläger ihrer Elterngeneration sein.
Genau das schien Heinrich Himmler zu wissen, wenn er sich verklausuliert in seiner Posener Rede 04. Oktober 1943 sündenstolz im Bewußtsein, eine maßgeblich verantwortliche Person eines verbrecherischen NS- Regierungsapparates zu sein, in einer Art heldenmütig angelegter Selbstanzeige vor der Geschichte genau darauf bezieht:

“Dieses Kapitel unserer Geschichte, die Endlösung der Judenfrage, muss ein ungeschriebenes Kapitel von unerkanntem Heldentum unserer tapfersten  Männer bleiben, die an vorderster Front, sich für Führer, Volk und Vaterland im Namen des Aufbaus des Tausendjährigen Reiches bereit und fähig erwiesen haben, tagaus, tagein, Massenmorde zu begehen und doch, abgesehen von einzelnen menschlich undiszipliniert, wie dienstlich nicht zu akzeptierenden Missbrauchs Fällen, anständige Kerle geblieben sind.
Jeder hat im Krieg schon einmal eine, zwei, fünf Leichen gesehen, aber täglich tausende Leichen aufgestapelt zu einem gewaltigen Berg, oder in Grupen geworfen, zu sehen, wer hält das aus, ohne menschlich ergriffen zu sein. Unsere tapferen Männer halten das aus. Das ist ihr nie zu beschreibendes Heldentum, weil, die nachwachsenden Generationen der Sinn und Verstand fehlen wird, dieses Heldentum in seinem wahrhaftigen aufopferungsvollen Ausmaß wirklich zu begreifen.

 In diesem Zusammenhang der "Philosophie der Anteilnahme" und einer ausgeformt, finanziell unterfütterten, Körperschaft  "Revolution der Anteilnahme?" einer  aufsuchend nacheilenden Entschädigungs- und Lastenausgleichskultur wird einmal mehr die philosophische, die Internationales Recht setzende Bedeutung der Nürnberger Kriegsverbrecher Prozesse von 1945- 1947 erhellt und historisch kollektiv im Menschheitsgedächtnis verankert.

Griechenland hat immer noch namentlich wie namenlos ausstehende Forderungen von Entschädigungen durch Opfer der NS- Terrorherrschaft in Griechenland während des II Weltkrieges an das Deutsche Reich und dessen Rechtsnachfolger, die  Bundesrepublik Deutschland.

Vielleicht läßt sich unerwartet doch noch eine Verbindung zwischen Entschädigungsforderungen der Griechen, der Not des € Raums und der Philosophie des europaweit aufsuchend nacheilenden Lastenausgleichs herstellen?

Auf jeden Fall der Fälle, ist n. m. E. diese Sendung "Das Philosophische Quartett" als untauglicher Versuch zu werten, Geschichte am Beispiel der Posener Rede von Heinrich Himmler am 04. Oktober 1943, aus dem Ärmel geschüttelt, aus der argumentativen Hüfte geschossen,  zu okkupieren.

JP

 siehe:

 
www.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,8048276,00.html

Sendung vom 29.03.2010

 

Vernetzte Welt

Revolution der Anteilnahme?

Zu Gast bei Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski sind diesmal der deutsche Ex-Außenminister Joschka Fischer und der Literaturwissenschaftler Prof. Hans Ulrich Gumbrecht. Sie diskutieren über die erstaunliche Spendenbereitschaft der Bevölkerung, die sich gerade nach den verheerenden Katastrophen der jüngsten Vergangenheit gezeigt hat. Woher könnte diese Großherzigkeit rühren und: Handelt es sich bei ihr um eine länger währende Erscheinung oder nur um ein kurzes Aufflackern von Nächstenliebe?

www.nationalsozialismus.de/dokumente/texte/heinrich-himmler-posener-rede-vom-04-10-1943-volltext.html

Heinrich Himmler: Posener Rede vom 04.10.1943 (Volltext)

Rede des Reichsführer-SS
Bei der SS-Gruppenführertagung in Posen
Am 4. Oktober 1943

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 29.10.2011 um 13:35
Heisst Philosophie denn nicht Liebe zur Weisheit?

Himmlers Rede war und ist doch nur ein einziger teuflischer Sumpf aus verbrechrischen und massenmörderischen Gedanken , der ebensolche Massenmorde ganz real vorrausgegangen und ganz real nachgefolgt sind.

Es ist mir ein rätsel wie man / frau daraus Weisheit ziehen könnte?
Joachim Petrick schrieb am 29.10.2011 um 14:34
@por

"Heisst Philosophie denn nicht Liebe zur Weisheit? "

Ja genau!,
aber wohl insbesondere durch die wertfreie Gleichsetzung von "Gut und Böse" um der Weisheit willen, wenn ich Sloterdijk recht verstehe.
Ullrich Läntzsch schrieb am 29.10.2011 um 16:08
Lieber poor on ruhr,

da stimme ich aus vollem Herzen zu!

Wenn Rüdiger Safranski Himmlers Rede berühmt apostrophiert, und dies nicht in der Hitze eines Wortgefechts, sondern in einleitenden Worten, dann kann ich darin nur nur jämmerliches Versagen, auf allen Ebenen erkennen, um die es in dieser halbwegs - und für ZDF-Verhältnisse, geradezu wirklich - interessanten Sendung ging.

Allerbeste
Ullrich
Ullrich Läntzsch schrieb am 29.10.2011 um 16:09
Lieber Jochen,

Du bringst Sloterdijks Dilemma auf den Punkt.

Auch Dir wie ruhr on poor *****

Allerbeste
Ullrich
Joachim Petrick schrieb am 30.10.2011 um 11:42
Lieber Ullrich,
Danke für die Frühlings Blume im herbst.
ich kann sie gut brauchen.

Ja der Safranski ist immer so selbstverliebt beim Entdecken von anrüchig ruchbaren Quellen. Himmlers Posener Rede ist bislang deshalb angeblich so berühmt, weil der NS- Rüstungsminister Albert Speer immer so blank gelogen hat, dass er bei dieser "massenmordsfidelen" Bekenntnisrede Himmlers angeblich nicht dabei gewesen ist.
Was nicht stimmt, wie die Quellen heute zeigen.

tschüss
Jochen
Ullrich Läntzsch schrieb am 29.10.2011 um 16:24
Lieber Jochen,

an mir ging der ziemlich deutliche Fernseh-PR, sprich zdf-PR-Versuch für H. U. Gumbrechts Buch völlig vorbei. Wer in einer derartigen Runde, sich zu derartigen geistigen Leistungen bemüsigt fühlt, wie Deutschland ist Spendenweltmeister, seit es nicht mehr Fußballweltmeister ist. Und auch ansonsten nichts hervorbringt, was die Menschen weiterbringen könnte, den sollte Sloterdijk nicht einladen, es sei denn er will auf Merkelsche Weise, brillieren, indem er vermehrt auf Luschen setzt.

Dem Grundgedanken, der Mensch ist nicht per se des Menschen Wolf, kann man nur zustimmen. Wenn dies aus dem Land kommt, wo bislang eher der Gedanke, vom natural born killer beheimatet ist, dann stimmt dies positiv.

Als jemand, der J. Fischer mehr als skeptisch gegenübersteht, freute es mich, welche Position er vertrat. Im Gegensatz zu Sloterdijk vertrat er zumindest einen klaren Standpunkt.

Allmählich beschleicht mich der Gedanke, wer allzu lange vor TV-Kameras verweilt, der wird zwar zum Medienstar, doch das hat einen hohen Preis.

Allerbeste
Ullrich Läntzsch
Joachim Petrick schrieb am 30.10.2011 um 11:48
Lieber Ullrich

"Wer in einer derartigen Runde, sich zu derartigen geistigen Leistungen bemüsigt fühlt, wie Deutschland ist Spendenweltmeister, seit es nicht mehr Fußballweltmeister ist"

So quasseln wohl medial hochgepeitschte Knallchargen in öffentlich rechtlichen Anstalten nach dem Anstalts Bertelmann Stiftungs Motto:
"Passt noch in die Tüte, bevor sie platzt!
Mit dem Zweiten sieht man auch nicht besser denn mit dem Ersten"

tschüss
Jochen
Joachim Petrick schrieb am 30.10.2011 um 11:52
ach Ja!

Da hat mir der Joschka Fischer auch für mich überraschend gut gefallen. `

Wahrscheinlich hat ihn da gerettet, dass er sich bemüßgft sah, als Außenminister a. D. halbwegs in der besseren Seite der diplomatischen Tradition des Aussenamtes unterwegs zu sein

tschüss
Jochen
Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
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