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Frieden – Wie geht das?

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Meine Frau weint

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Drama

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Kultur : Psychoanalytische Heilung, ein Angebot der Bibel?

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Wer war zurerst da, die Schriftkultur der Bibel oder die schriftlose Gesprächskultur der Psychoanalyse?

In Jerusalem gibt es eine philosophische Schule, die u. a. aus den Thesen der französischen Philosophin Eliane Amado Lévy-Valensi aus dem Jahre 1971 hervorgegangen ist. Diese philosophische Schulde gründet auf der fragenden These:
"Könnte aus jüdischem Mythos und Freudscher Psychoanalyse ein neuer Humanismus, eine neue Chance für die Menschheit entstehen?",

Im Jahre 1953 schrieb der jüdische Philosoph und Marxist Ernst Bloch sein Werk:
"Ubi Lenin, ibi Jerusalem" --
wo der Kommunismus herrschen wird, dort sei die messianische Hoffnung des Judentums erfüllt, meinte damals Ernst Bloch.

Im Jahre 1971 vertrat wiederum die jüdische Philosophin Eliane Amado Lévy-Valensi, damals 52 Jahre alt, in ihrem Werk die These:
"Ubi Jerusalem, ibi Freud- in Jerusalem"
könnte ein
"neuer Humanismus"
entstehen, der sich auf Psychoanalyse und jüdische Tradition stützen wird*.

Für die vor vierzig Jahren in Paris und Israel Philosophie und Psychoanalyse lehrende Professorin bestand der entscheidende Zusammenhang zwischen jüdischer Tradition und der Lehre Siegmund Freuds darin, daß der Sinn der Psychoanalyse mit einem Gebot des 5. Buches Mose übereinstimmt:
"Du wirst das Leben wählen."

Schon vor Amado haben Analytiker und Philosophen die Bedeutung der Psychoanalyse für eine humanistische Gesellschaftstheorie entdeckt.

Vor allem die Philosophen und Soziologen der Frankfurter Schule, so Max Horkheimer, Erich Fromm, Herbert Marcuse, Jürgen Habermas, der kalifornischen Schule der systemischen Kommunikationstheorie eines Paul Watzlawick, einer Virginia Satir, gefolgt von Joachim Maaz in Halle/Saale, Michael Lucas- Moeller, Peter Sloterdiyk als Apologet der "Sprechenden Philosophie", sowie der kürzlich verstorbene Sozialpsychologe und Kampagnenbürger Horst- Eberhard Richter -- haben nicht nur das ursprüngliche Konzept des Wiener Seelenarztes, Siegmund Freud eine
"Theorie der Brüderlichkeit"
anzustreben, aufgenommen und, sondern jeder auf seine unvergleichliche Art und Weise, einmal laut, einmal leise mit Alleinstellungsmerkmal, weiterentwickelt.

Freilich kritisieren die voriegend jüdischen Denker der Frankfurter Schule -- wie Horkheimer im Jahre 1936 -- den biologischen Pessimismus des späten Siegmund Freud: die totale Abhängigkeit des Menschen vom Todes- und Zerstörungstrieb. Und 1970 erklärte Psychoanalytiker Erich Fromm, nur als
"kritische, herausfordernde Theorie",
als Humanismus der
"Liebe zum Leben"
könne die Psychoanalyse sozial wirksam werden.

Zu einer herausfordernden Theorie jedoch, so behauptete Frau Amado in ihrem von Frankreichs bedeutendster Tageszeitung "Le Monde" im Jahre 1971 gerühmten Buch, könne die Psychoanalyse nur werden, wenn der Heilungsprozeß des Menschen und der Menschheit aus der jüdischen Tradition begründet werde.

Vor jedwedem Missionseifer und sei es im hochstehenden Namen der Psychoanalyse steht aber für die Judenheit das Gebot des Missionierungs Verzichts.

Eine durch die jüdische Tradition neu definierte Psychoanalyse muß in sich selbst eine Ethik entdecken. Sie kann laut Amado nicht wertfrei sein, weil ihr Objekt der handelnde und leidende Mensch selbst ist.

Wie Freud bestimmte auch Amado die Neurose durch den griechischen Mythos. Freud konnte aus der griechischen Ödipus-Tragödie den
"Kernbereich aller Neurosen"
erklären. Frau Amado meinte jedoch abweichend bzw. Siegmund Freud ergänzend:
"Der griechische Mythos erklärt sehr gut, wie ein Mensch erkrankt, verwirrt in der Welt unterwegs ist, doch kann er absolut nicht erklären, durch welches "Wunder" der Mensch sich auf den Weg seiner Heilung begeben kann."

Mit dem Ödipus-Mythos konnte Freud zwar den "fatalen", schicksalhaften Kreislauf der Neurose, den Wiederholungszwang, erklären. Aber Ödipus, der unbewußt "Errare Humanum est" seine Mutter geheiratet und seinen Vater erschlagen hat, blendet sich selbst:
"Leben und Tod bleiben für ihn Verhängnis, er kann die Geschichte nicht wahrnehmen, geschweige denn auflösend reflektieren.

Die jüdischen Mythen hingegen, so die französische Philosophin, begründen menschliche Freiheit, sie wählen das Leben und die Geschichte:
"Die ganze Bibel ist eine ... Herausforderung an sich, dem alltäglich drohenden Tod
"Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben",
gleich wie lange das Leben währt, eine persönlich reflektierte Geschichte entgegen zu stellen."

Wie in allen abrahamitischen Religionen machen sich auch im jüdischen Mythos Menschen schuldig -- so Adam, Eva und Kain. Sie werden jedoch von Gott, ihrem absolut ausschließlichen stummen wie beredten Dialog-Partner im Paradies, wenn nicht in jedem Fall in Gefahrenlagen unmittelbar eingeweiht, so doch gewarnt, in ihrer Freiheit herausgefordert, sogar dann, wenn ihnen diese Freiheit noch gar nicht bewußt gegenwärtig geworden ist.
So sprach Gott zu Kain, bevor Kain seinen Bruder Abel erschlug (1. Mose 4,7):

"Bist du aber nicht fromm, so ruhet die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie." Doch Kains Freiheit, über das Böse zu herrschen, geht verloren, Kain wird von dem Bösen in sich triebhaft regiert:
"Der Spannungsboden des brüderlichen Dialogs zwischen Kain und Abel wird vom erruptiv monomanen "Kain" Monolog (Inneren stummen Dialog) des entfremdeten Triebs zuerst überspannt, dann zerrissen, zerstoben und zerstört.

Kains Brudermord ist daher, in den Vorstellungen der französischen Philosophin Frau Amado die entfremdete Brüderlichkeit, ein Narzißmus des Bösen, ein Rückfall in "kanibalistische" Wutmuster, sich den geliebten, wie gehassten Bruder Abel, mit all seinen Fähigkeiten, Widerprüchen, Talenten, in einem mörderischen Affekt Gewaltakt einzuverleiben, der das sittliche Grundgebot der Bibel verletzt:
"Du wirst nicht töten."
Aber auf dem sittlichen Gebot, auf dem Gesetz, beruht für die jüdische Tradition wie für Frau Amado die Geschichte. Denn erst im Schuldigsein, im Bekenntnis, in der Beichte der Tat, in der Reue erfährt der Mensch das Mitsein mit den anderen, werden ihm Freiheit und Gewissen bewußt, indem er beide absehbar mindestens auf Zeit, wenn nicht gar im Fall der Todesstrafe ewig auf Erden verwirkt.

Bedeutet dies, dass es für die Entwicklung der Menschheit notwendig des Verbrechens selber als Motor bedarf, wie es historische Figuren wie Adolf Hitler, Josef Stalin, Lenin, Mao für sich als "Vorsehung", als menschheitlich revolutionären Auftrag in Anspruch nahmen?, oder bedeutet es doch eher, dass es eines belastbar nachhaltig globalen Begriffes von Verbrechen bedarf, weil Menschen, bevor sie ihr Tun als Verbrechen identifiziert, als solches schuldig geworden, erkannt, bekannt haben, Gleiches, ohne dieses Verbrechen zu nennen, vorher alltäglich unreflektiert, bar jedes Unrechtbewußtseins, aus purer Laune, Gewohnheit oder aus idealistischen, revolutionären Bestrebungen im
"Hier & Jetzt" getan?

Der Aufbruch des Gewissens -- wie in Kains Ausruf:
"Meine Sünde ist größer, denn daß sie mir Vergeben werden möge" (1. Mose 4,13) -- distanziert den Menschen daher vom Trieb: "Der Aufbruch des Gewissens sprengt die Wiederholungsstruktur der "natürlichen" Geschichte" -- des Schicksals.

Der Mensch, das zeigt der jüdische Mythos laut Frau Amado, wird also frei erst
"jenseits des Triebs" -- eines entfremdeten Triebs, der nach psychoanalytischer Erkenntnis den Menschen an eine fatale, schicksalhafte "Vorgeschichte" seines Lebens fesseln kann.

Aber diese Freiheit ist paradox: Adam und Eva, so Amado, erliegen der Versuchung, nicht dem Trieb. Sie handeln aus ursprünglicher, wenngleich noch unbewußter Freiheit:
"Die erste Hinneigung des Subjekts zu dem Objekt seiner Begierde stellt einen Versuch, eine Versuchung dar, aber noch eine Triebstruktur, die noch, unangetastet, im Standby verweilt."

Erst aus Versuch und Versuchung, aus Bekenntnis, Beichte, Reue und Reflexion entsteht Geschichte. Der Mensch ist im interaktiven Wechselspiel von seiner persönlichen Geschichte ergriffen, wenn er seine Freiheit begriffen hat:
"Die Welt als ein unerschöpfliches Feld von Handlungen und Situationen, über die er immer wieder neu entscheiden muß, wahrzunehmen".

Daß sich der Mensch seiner Freiheit und damit einer immer neu zu schaffenden, unvorhersehbaren Welt zu stellen hat, geht für die französische Philosophin aus dem Bibel-Bericht über das Ausruhen Gottes nach der Schöpfung hervor. Sie deutet ihn nach dem hebräischen Text: Der Mensch soll die unvollendete Schöpfung fortsetzen und im schöpferischen Prozess des Erwerbens kommunikativ in das Werk seiner persönlichen Geschichte verwandeln.

Das menschliche Werk der Geschichte setzt jedoch den Dialog, die gegenseitige Hilfe voraus. Im jüdischen Genesis-Mythos wird deshalb der Mensch als Paar geschaffen. Eva erscheint in dem Moment, als Adam, seiner inneren bis dahin noch stummen Stimme und Sprache, Zunge zeigend, hörbare Töne veleiht, den Tieren, Pflanzen, Elementen Namen gibt. Er erhält also eine Hilfe, die wie er fähig ist, Wesen und Dinge zu benennen, aber auch im Grenzfall,
"ihn vor sich selbst zur Sprache bringend", aus seinem Narzißmus und seiner Inneren Isolation, "zu erlösen".

Systemisch betrachtet, steht der Name "Eva" in diesem Bild für das "Alter Ego" als Dialogpartner.
Daß der Mensch als Paar (mit Alter Ego) geschaffen worden ist, heißt also: Der verwirklichte Dialog gehört zum Heilungsprozeß der Psychoanalyse wie zum humanistischen Heilsprozeß der Geschichte. Jeder Mensch ist für jeden anderen derjenige, der fragt und auf Antwort wartet. Wer nicht auf das Wort des anderen hört und narzißtisch in ihn seine eigenen Mängel projiziert, "löscht sein Gegenüber, sein Alter Ego als Partner aus".

Frau Amado:
"Narziß ist dem Tod geweiht, wenn er nur sein eigenes Bild, sein eigenes Geheimnis, seine "unfehlbar ex cathedra" Deutungshoheit über sich sucht. Die Wahrheit des Menschen ist intersubjektiv. Jeder Mensch, ob Jude, Christ oder Moslem, wird diese Wahrheit persönlich deutend erfassen, wenn er die Angebpte der Psychoanalyse in eine Menschenlehre des kommunikativen Dialogs mit sich und seiner Wirklichkeit verwandelt."

JP

* Eliane Amado Lévy-Valensi: "Les voies et les pièges de la psychanalyse".
Editions universitaires, Paris; 392 Seiten

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