Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

12.07.2011 | 01:29

"Public Private Partnership" & Schuldenbremse, ein "Trio infernal"?

Public Private Partnership "PPP" & Schuldenbremse wirken wie Feuer & Wasser.
Public Private Partnership "Armut, ein asymmetrisches Geschäft!"

"Wasser, Luft, Verkehr, Müll als asymmetrisch wundersam private  Geldvermehrung"
"Öffentliche Armut kommt ungeheuer teuer zu stehen!"
"Staat statt Privat, Privat statt Staat, Kommune statt Konzern, Konzern statt Kommune"?

In den Neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schwappte aus den USA die Idee herüber, grundgesetzlich verankert, staatliche Daseinsvorsorge im Bereich, Gesundheit, Wasserversorgung, Ausbildung, Justizvollzug, Verkehr,  Bildung, Erziehung, Jugend- und Altenhilfe, Kultur und Sport viel effizienter, leistungsstärker auf privater Basis erstellend vorzufinanzieren. Wobei die privaten Investoren zugleich in Personalunion mit allen Rechten von Bauherren und Betreibern der  Projekte  ausgestattet waren und sind.

Das hatte für klamme Bundesländer, Städte, Kommunen, bei robuster Überschätzung der Vorteile von Public Private Partnership (PPP) den trügerischen Gewinn, dass die kommunalen, städtischen Haushalte an den Haushaltskontrollrechten der Landtage, Landräte vorbei,  nicht gegenwärtig, sondern bei Laufzeiten der privat vorfinanzierten Projekte von 30 Jahren, erst zukünftig durch die Hintertür als böses Überraschungsei umsomehr hernach mit Schulden belastet sind.

Die Politiker/innen durch alle parlamentarischen Banken ficht bei allem Enthusiasmus und Korpsgeist dabei nicht an, dass die umfassende Einsicht in die buchdicken Vertragswerke, grundsätzlich in anglischer Sprache verfaßt, mit Gerichtsort im Ausland, von den PPP Investoren, mit dem Hinweis auf den Firmen- Datenschutz verweigert, nur in fadenscheinigen Auszügen gezeigt werden.
 
Klamme Bundesländer, Städte, Kommunen verbanden mit dem Public Private Partnership (PPP) enthusiastisch motiviert, eingelullt, eingefangen von den  Win- Win- Versprechungen blühender Landschaften der PPP Investoren, virtuell überzogen optimistische Hoffnungen, um ihre überdimensionierten Bauvorhaben,  Projekte, wie Spaßbäder, Freizeit- , Gewerbeparks, Kongress- Centren, touristische Attraktionen wie Seebrücken, Yachthäfen, Spektakel, Gobal Events, Wasserversorgung über verdeckte Schuldenaufnahme auf den Weg zu bringen.

Das galt von Anfang an, mit und ohne Scheibenkleister unter dem pfiffig gemeinten Label von Miss Mabel
"Schulden Engineering",
unrealistisch hochfahrende  Wolkenschiebereien  von sogenannten braven Bürokraten/innen mit wiehernd galoppierend, trabenden  Amtsschimmeln in den Rathaus-  Stuben.

Die vermeintliche geniale Lösung in Gestalt einer Wolle spenden Kuhmilch Sau :
"Ein privater Geldgeber baut, die Kommune zahlt nur Miete für die Nutzung des neuen Gebäudes, des Spaßbades, Freizeit- , Gewerbeparks, Kongress- Centrums, die touristische Attraktion einer Seebrücke, eines Yachthäfens, einer Fachklinik.

Schnell wurde aber deutlich, dass real erwirtschaftet Gewinne der Investoren und Betreiber im Dunkeln blieben, d. h. im Fall von Gewinnen war das Bundesland, die Stadt, die Kommune im günstigsten Fall mit dem besänftigenden Versprechen neuer Investitionen, nicht beteiligt.

Im Fall anhaltender Verluste meldete der Investor, Betreiber zu Lasten des Bundeslandes, der Stadt, Kommune haftungsferne Insolvenz an.

Erst im Fall der Insolvenz des scheinbar so hochherzigen Investors, Bauherrn, Betreibers,  zeigt sich, trotz lange anderslautender Rechnungshofberichte auf dünner Unterlagenbasis,  sodann der marode Zustand der erst vor Jahren im Schnellverfahren neu erstellten Bauvorhaben, Projekte.
Schon macht die Rede von den Halbwertbauten die Runde, die nur halb fertig erstellt, Mängel in der Bausubstanz, fehlende Energiesparmaßnahmen, nach gesetzlich vorgegebenen Normen, im Fall von  Wärme- , Schalldämmungen bei der Installation von Fenstern, Türen, Böden, Dächern  aufweisen.

Die Frage von
"Staat statt Privat, Privat stat Staat, Kommune statt Konzern, Konzern statt Kommune"
 trifft unter der Überschrift
"Es ist  teuer, arm zu sein"
nur unzureichend den Kern der Frage nach dem eigentlich, grundgesetzlich verankerten,  Zweck, staatlicher Daseinsvorsoge für seine Bürger/innen, von der Wiege bis zur Bahre.

Wer da nun vermeint, die im letzten Jahr unter großem parlamentarischem Getöse & Gewese grundgesetzlich hinterlegte, Schuldenbremse für den Bund, die Bundesländer, Städte, Kommunen sei der Ausweg aus der staatlichen Verschudungsfalle, hat weit gefehlt.

Warum?,
weil nun der Bund, die Bundesländer, Städte, Kommunen noch mehr Druck verspüren, um händeringend, die gesetzliche Schuldenbremse umgehend, vermehrt nach dem Instrument der Public Private Partnership (PPP) zu greifen, indem die vermehrte Schudenaufnahme über private Investoren zu Lasten der Bürger/innen vorerst gar nicht als staatliche  Schulden in den Staatshaushalten ausgewiesen werden müssen.

Am Anfang stand bei Public Private Partnership (PPP) hochgemut das Win- Win Stituations Versprechen. Bleiben wird die Lose- Lose Situation zu Lasten der Daseinsvorsorge der Bürger/innen.

Gewinner waren und sind bei diesen Demokratie gefährdenden Modellen allein die Public Private Partnership (PPP) investoren, Finanzierer, wie Banken, Versicherungen, Finanzdienstleister, die global aufgestellte, Bau- und Beraterindustrie, darunter der Beratertrusts wie Roland Berger, der den Bürgermeister a. D. von Hamburg Ole von Beust "per Dankeschön" hochdotiert  eingekauft, der Baukonzern Bilfinger & Berger mit seinem Aufsichtsratsvorsitzender Roland Koch, dem hessischer Ministerpräsident a. D.."Ole Oh weh!"

JP

siehe:

www.dradio.de/dlf/vorschau/

27.04.2011
Journal am Vormittag

Länderzeit
Von der Wasserversorgung bis
zum Schulneubau - Sind
öffentlich-private Partner-
schaften ein Irrweg?
Gesprächsteilnehmer u.a.
- Herrn Burkhard Landre,
- Dr. Werner Rügemer,
- Roland Schäfer,
Moderation: Judith Grümmer

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 12.07.2011 um 01:33
siehe:

frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,8246063,00.html

Teuer und gefährlich?
Privatisierte Autobahn

von Andreas Halbach und Steffen Judzikowski

Die zunehmende Privatisierung von deutschen Autobahnen stößt auf immer mehr Kritik. Der Ausbau der Fernstraßen durch private Baukonsortien sei unwirtschaftlich, außerdem werde die Sicherheit auf den Autobahnbaustellen von den privaten Unternehmen oft vernachlässigt. Das beklagen Verkehrsexperten, Straßenbauverwaltungen und Politiker gegenüber Frontal21.
poor on ruhr schrieb am 12.07.2011 um 10:09
Danke für Deine großartige Abrechnung mit dem PPP-Wahn.

Da kriege ich vor dem Terminal noch einen dicken Hlas, wenn ich davon lese.

Der PPP- Wahn der mit den Schröder-Jahren folgerichtig seinen Höhepunkt hatte, dann aber ganz plötzlich zum Coitus Interruptus für viele Gemeinden wurde.

Ob das quantifizierbar ist, wie sehr dieser Mist die Haushalte zuzüglich belastet?

Ich tippe da auf Schäden in einem dreistelligen Milliardenbereich.

Herzliche Grüße

por
Joachim Petrick schrieb am 12.07.2011 um 11:31
@por

"Der PPP- Wahn der mit den Schröder-Jahren folgerichtig seinen Höhepunkt hatte, dann aber ganz plötzlich zum Coitus Interruptus für viele Gemeinden wurde."

besser kann man den Nagel nicht auf den Kopfsack treffen

tschüss
Jochen
Joachim Petrick schrieb am 12.07.2011 um 11:32
ich fürchte nur durch die Schuldenbremse droht PPP durch Hintertüren vermehrt.
poor on ruhr schrieb am 12.07.2011 um 12:06
@JP

Danke. :)
poor on ruhr schrieb am 12.07.2011 um 12:07
@JP

Das befürchte ich auch.
Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
Ort:
Hamburg
Mitglied seit:
3 Jahre 13 Wochen
Zuletzt aktiv:
25.05.2012
Status:
Publizist
Aktivität:
Beiträge: 916
Kommentare: 9579
Mein Projekt:
Logbuch
12:31
claudia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:30
claudia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:29
silvio spottiswoode hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:28
Meyko hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:24
thinktankgirl hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG